Title:  [Work in progress] (2009-): Wittgenstein MS 115: Ms-115.xml - Diplomatic edition
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Author:  Ludwig Wittgenstein
Editor:   Alois Pichler
Organization: Wittgenstein Archives at the University of Bergen (WAB)
Funders & Partners:   Trinity College, Cambridge; Oxford University Press, Oxford; InteLex Corporation, Charlottesville; Uni Research, Bergen; University of Bergen, Bergen; L. Meltzers Høyskolefond, Bergen; COST Action A32, Brussels; eContent+ DISCOVERY, Luxembourg
Resp: Alois Pichler (coordination, editorial guidelines, XML-TEI markup)
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Source:  The text has not been proofread since the production of the Bergen Electronic Edition (2000), though some corrections have been made.



     
Ms-115,FC


Ms-115,FC-v


Ms-115,iii


Ms-115,iv



    Dieses Buch kann allerdings gekürzt werden,
aber es ist sehr schwer es richtig zu
kürzen. Diese Bemerkung bezieht sich nicht
auf den “Versuch einer Umarbeitung”.








Ms-115,v


     
    Philosophische           Bemerkungen                3

        XI.
     Fortsetzung von Band X.













Ms-115,1


1
     
14.12.33.
   Das Bild sagt mir also sich selbst.
     Und daß es mir etwa sagt wird
etwa darin bestehen, daß ich in ihm
Gegenstände in irgend einer charak-
teristischen Gruppierung wierdererkenne.
(Wenn ich sage: “ich sehe in diesem
Bild einen Tisch”, so charakterisiert das,
wie gesagt, das Bild in einer Weise,
die nichts mit der Existenz eines ‘wirklichen’ Tisches zu tun hat. “Das Bild zeigt mir
einen Würfel”, kann z.B. heißen: es enthält
die Form 115001.)
     


  Wir sind geneigt zu denken, es gäbe ein bestimm-
tes Phänomen des Wiedererkennens, das
Ding als das zu erkennen. Aber als was?
Als das, welches diesen Namen hat? oder so
gebraucht wird? Denn ‘das Ding als sich
selbst erkennen’ heißt nichts. Die Idee,
die uns da vorschwebt, ist die des Ver-
gleichs zweier Bilder; es ist als trügen
wir ein Bild des Gegenstandes mit uns
herum, & wenn wir ihn wiedersehen & wir er-
kennen einen Gegenstand als den, welchen das
Bild darstellt zeigt. Es ist uns so, als ob
unser Gedächtnis so einen Vergleich
vermittelte; indem es uns ein Bild des früher
gesehenen aufbewahrt oder uns erlaubt in
die Vergangenheit zu sehen schauen, <(>so<)>-daß wir
jedes Bild, oder das in der Vergangenheit [g|G]eschau-
te,
das was uns das Gedächtnis zeigt, mit dem gegenwärtig [g|G]esehenen vergleichen
können. ˇAber Wwenn wir die Gegenstände die uns
umgeben & die wir unzählige Male gesehen
Ms-115,2


2
haben nicht als fremde sondern als
wohlvertraute behandeln, ja sogar
wenn wir auf eine Frage etwa antworten
“ja, diesen Tisch kenne ich gut wohl, ich bin immer
ich sehe ihn täglich”, so geht hier kein
Vergleich zweier Eindrücke (eines Erinnerungs-
bildes & der Wirklichkeit) vor sich. Ja, nicht
einmal dann, wenn wir sagen “ich erinne-
re mich, daß diese Farbe gestern etwas heller
war”, es sind auch da in den meisten
Fällen nicht zwei Eindrücke.
     

    Ich leugne natürlich nicht, daß es Phä-
nomene des Wiedererkennens gibt[.| (]Wenn
wir, z.B., sagen: “das ist dasselbe Kästchen,
das ich vor Jahren dort gesehen habe”)
auch nicht, daß unter den Phänomenen
des Wie <,> die wir “Wiedererkennen” nennen,
das dasjenige ist, ein Vorstellungsbild mit der Wirk-
lichkeit ˇzu vergleichen.|
Wenn aber jemand
auf meinen Schreibtisch zeigt &
ˇman mich fragt: “hast Du ihn Deinen Schreibtisch wiedererkannt, wie als Du ihn heute früh früh wieder nach dem Aufstehen gesehen hast wie Du heute morgens in Dein Zimmer getreten bist?”
so werde würde ich zwar wohl sagen “gewiß!” und doch
ist es irreführend, das was sich da abge-
spielt hat ein “Wiedererkennen” zu nennen.
Gewiß, der Schreibtisch war mir nicht
fremd, ich war nicht überrascht ihn
zu sehn, wie ich es gewesen wäre wenn
ein andrer dagestanden hätte oder
gar ein ˇfremdartiger Gegenstand<.> desgleichen ich
noch nie gesehen hätte.
     


   Der Anblick meines Zimmers, einer Straße
Ms-115,3


3
voll Menschen, einer Lan<d>schaft mit Häu-
sern & Bäumen ist mir wohlvertraut.

< ⋎ S. 5 A >
     


  “Was heißt es: ‘dieser Gegenstand ist mir
wohlbekannt?” — “Nun, ich weiß daß er
ein Tisch ist.” Das kann u.a. ˇaber alles mögliche heißen<,> ˇu.a.: “ich
weiß, wie er gebraucht wird”, “ich weiß
daß, ˇer sieht wie ein Tisch aus wenn man ihn aufklappt.“, er wie
ein Tisch aussieht“
, etc. “ich weiß, daß
man das einen ‘Tisch’ nennt”.
     


Was ist das Wesens des ‘wohlbekannt Sseins’?
Worin besteht es, daß ein Anblick mir
wohlbekannt ist? (Schon diese Frage
ist eigentümlich; sie klingt nicht wie
eine grammatische Frage.)
     Ich möchte sagen: “Ich sehe
was ich sehe. Und die Wohlbekannt-
heit kann nur darin liegen, daß
ich in dem Anblick ruhe.
     


  “Ich sehe, was ich sehe”, das sage ich
darum, weil ich nicht benennen will,
was ich sehe. Ich will nicht sagen, “ich
sehe eine Blume”, denn das setzt <ein>
Sprachübereinkommen voraus & meine
Ausdrucksweise will sich nicht auf
die Geschichte des Eindrucks beziehen.
     


   Ja, wenn ich sage das Wohlbekanntsein
bestehe darin, daß ich erkenne, was ich
Ms-115,4


4
sehe //daß ich erkenne, was das ist
was ich sehe//.
ich sehe eine Blume,
so wende ich die Sache nun so sehe … so an, <:> das
Aussprechen
das Aussprechen der Worte
des Erkennens “das ist eine Blume”
ist eine Reaktion auf den Anblick; man
kann aber nicht sagen, es sei das Kri-
terium des Erkennens, daß ich den
Gegenstand richtig benenne; vielmehr
muß es nun heißen, das Erkennen
ist dadurch charakterisiert, daß ich
bei dem Anblick des Gegenstandes eine
Lautverbindung ausspreche, etwa mit
gewissen Empfindungen, ausspreche. Denn
daß diese Lautverbindung das richtige
deutsche Wort ist, ja überhaupt ein
Wort einer bestehenden existierenden Sprache, liegt
nicht in der Erfahrung beim Aussprechen.
     

  Das Wohlbekanntsein bestehe darin,
daß ich erkenne, <:> was ich sehe sei
eine Blume. Ich sehe sage nun die Sache
so an
: Das Aussprechen der Worte des
Erkennens
“das ist eine Blume“ ist eine die
Reaktion ˇdes Erkennens auf den Anblick <(>des Gegenstandes<)>;
ich sage aber nicht, das Kriterium des
Erkennens sei ist nicht, daß ich den Gegenstand
richtig benenne, sondern daß ich bei
seinem Anblick eine Lautverbindung mit be-
stimmtem Erlebnis ausspreche. Denn
daß die Lautverbindung das richtige
deutsche Wort ist, oder überhaupt ein
Wort einer bestehenden Sprache liegt nicht
in dem Erlebnis beim Aussprechen.
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5
     


   ˇ[Zu S. 3]
A Prüfe: “Wohlbekannt ist das, wovon
ich weiß, was es ist”.
     


  Ich will alles ‘Geschichtliche’ aus
meiner Betrachtungsweise des Bekannt-
seins ausschalten. Es bleiben dann
Eindrücke (Erlebnisse, Reaktionen), &
auch wo die Sprache in unsere Erfah
rungen eintritt betrachten wir sie nicht
als bestehende Einrichtung.
     


Die Multiplizität des Wohlbekanntseins,
wie ich es verstehe, ist also die des Ru-
hens in einem Anblick. Es könnte
darin bestehen daß mein Blick auf
dem Gegenstand nicht unruhig <(suchend)>
umherschweift, daß ich den Aspekt des
Gesehenen nicht wechsle sondern
mich in einem Aspekt niederlasse &
bleibe
. sogleich einen Aspekt ergreife & festhalte.
     


  Ich sehe das Bild eines dicken Rockes
& habe ein Gefühl der Wärme & Behag-
lichkeit, ich sehe das Bild einer winter-
lichen Landschaft & friere. Diese Reaktio-
nen, könnte man sagen, sind durch frühere
Erfahrung gerechtfertigt. Aber wir be-
kümmern uns jetzt nicht um die Geschich-
te unserer Erfahrungen & also auch
nicht um eine solche Rechtfertigung.
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6
     


    Niemand wird sagen, daß jedesmal
wenn ich in mein Zimmer komme, in
die altgewohnte Umgebung, sich
ein Wiedererkennen alles dessen was
ich sehe, & hundertemale gesehen
habe, abspielt.
     


  Wenn wir an unser Verstehen eines
Bildes etwa eines Genrebildes denken,
so sind wir vielleicht geneigt anzuneh-
men, daß es da ein bestimmtes Phäno-
men des Wiedererkennens gibt & wie
die gemalten Menschen als Menschen,
die gemalten Bäume als Bäume erken-
nen, etc.
    Aber vergleiche ich den beim Anblick
eines Genrebildes die gemalten Men-
schen mit wirklichen, etc.?
    Soll ich also sagen ich erkenne
die gemalten Menschen als gemalte
Menschen<?> & Und also auch die wirkli-
chen Menschen als wirkliche?
     


  Freilich gibt es ein das Phänomen des Er-
kennens, wenn wir, etwa nach einem Vor-
gang des Suchens, eine Zeichnung als
die Darstellung eines Menschen erkennen; aber
was sich hier abspielt geschieht eben
nicht, wenn ich die Zeichnung sogleich
als die Darstellung eines Menschen sehe.
Ms-115,7


7
     


    Der Anblick Das Bild der einer menschlichen Gestalt
     sowie die menschliche Gestalt selbst
sind uns wohlvertraute Gegenstände.
Von einem Wiedererkennen aber ist hier
keine Rede.
     


  Von den Vorgängen, die man “Wiedererken-
nen” nennt haben wir leicht einen
falschen Begriff; als bestünden sie das Wiedererkennen
immer darin daß wir zwei Bilder Eindrücke mit
einander vergleichen. Es ist als trügen wir
ich ein Bild des eines Gegenstandes mit
uns
bei mir & agnoszierte danach einen
Gegenstand als den, welchen das Bild
darstellt. Unser Gedächtnis scheint uns
so einen Vergleich zu vermitteln, indem
es uns ein Bild des früher Gesehenen
aufbewahrt oder uns erlaubt (wie durch
ein Rohr) in die Vergangenheit zu blicken.
     


In den meisten Fällen des Wiedererkennens
findet kein solcher Vergleich statt.
  Jemand kommt mir auf der Gasse
entgegen dessen Gesicht meinen Blick
auf sich zieht; vielleicht frage ich mich
“wer ist das?”; plötzlich ändert sich der Aspekt
des Gesichtes in bestimmter Weise, “es wird mir
bekannt”; ich lächle gehe auf ihn zu &
begrüße ihn beim Namen; jetzt reden wir
von ˇder vergangenen Zeit & dabei schwebt mir
vielleicht auch ein Erinnerungsbild ˇvon ihm vor, & ich
Ms-115,8


8
sehe ihn
ich sehe ihn in einer bestimmten Situation.
     


    Man sagt vielleicht: hätte ich nicht
sein Bild in der Erinnerung bewahrt,
so könnte ich ihn nicht erkennen. Aber
hier gebraucht man eine Metapher, oder
ˇman spricht eine Hypothese aus.
     


  Man könnte sagen: “sein Gesicht der Anblick war
erinnerungsbetont”.
     


  Man sagt auch: “wir könnten Worte
gar nicht gebrauchen, wenn wir nicht
sie & die Gegenstände die sie bezeichnen
wiedererkennten”. Wenn wir die Farbe
Grün nicht als solche wiedererkennten
(wohl wegen Mangels an Gedächtnis),
so könnten wir also das Wort “Grün”
nicht anwenden. Aber haben wir den ir-
gend eine Kontrolle dieses Wiedererkennens,
so daß wir wissen daß es auch wirklich
ein Wiedererkennen ist? Wenn wir von
einem Wiedererkennen reden, so meinen
wir, daß wir etwas als das erkennen,
was es, nach andern Kriterien, wirk-
lich ist. “Erkennen” heißt: erkennen,
was ist.
     


   Die Wohlbekanntheit bestätigt den Aspekt Anblick
ohne ihn aber mit etwas [a|A]nderem zu
vergleichen. Sie stempelt ihn gleichsam ab.
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9
     



      Anderseits möchte ich sagen: “was ich
hier vor mir sehe, ist doch nicht irgend eine
Form, die ich auf bestimmte Weise sehe,
sondern es sind eben meine Schuhe,
die ich kenne. Aber hier bekämpfen sich
eben zwei Ausdrucksweisen.
     

  Diese Form, die ich sehe — möchte ich sa-
gen — ist nicht einfach eine Form, sondern
sie ist eine von den mir bekannten For-
men; sie ist eine im vorhinein ausgezeich-
nete Form. Sie ist eine von den Formen
deren Bild schon früher in mir war &
nur weil sie so einem Bild entspricht, ist
sie die wohlbekannte Form. (Ich trage
gleichsam einen Katalog solcher
Formen mit mir herum & die Gegenstän-
de die dort abgebildet sind, sind dann
die wohlbekannten.)
     

  Aber daß ich das Bild schon früher
mit mir herumgetragen habe wäre nur
eine kausale Erklärung des gegenwär-
tigen Eindrucks. Es ist, als sagte
man: diese Bewegung geht so leicht,
als wäre sie eingeübt worden.
    Und es ist ja nicht so sehr als
[V|v]ergliche ich den Gegenstand mit einem
neben ihm stehenden Bild sondern
als deckte er sich mit dem Bild. Ich
sehe also nur Eines & nicht zwei.

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10
     
  Man sagt: “[D|d]ieses Gesicht hat
einen ganz bestimmten Ausdruck”, &
sucht etwa nach Worten, die ihn
charakterisieren.
     


  Hier ist es leicht in jene Sackgasse des
Philosophierens zu geraten, wo man
glaubt die Schwierigkeit der Aufgabe
liege Er darin, daß schwer Erhaschba-
res erhaschbare Erscheinungen, die schnell entschlüpfende gegen-
wärtige Erfahrung, oder dergleichen, von
uns beschrieben werden soll<t>en. Wo die
gewöhnliche Sprache uns zu roh erscheint;
& ˇes scheint als haben wir es nicht mit den Phänomenen ˇzu tun, von denen
der Alltag redet, zu tun zu haben scheinen,
sondern “mit den leicht entschwindenden,
die mit ihrem Auftauchen & Vergehen jene
ersteren annähernd erzeugen.”.
     


Und da muß man sich daran erin-
nern, daß alle die Phänomene, die uns
nun so merkwürdig vorkommen, die
ganz gewöhnlichen sind, die, wenn sie
geschehen, uns nicht im geringsten auf-
fallen. Sie kommen uns erst in der selt-
samen Beleuchtung, die die merkwürdig
vor, die wir ˇnun auf sie werfen, wenn wir
philosophieren.
     


“Das Bild sagt mir sich selbst”,
möchte ich sagen. D.h., daß es mir
etwas sagt, liegt besteht in seiner eigenen
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11
Struktur in seinen Formen & Farben.
    So ein Fall wäre es z.B., wenn
der Satz “es sagt mir etwas” oder “es ist ein
Bild” hieße: es zeigt irgend eine Kombi-
nation von Würfeln & Zyllindern.
     


  “Es sagt mir etwas” kann heißen: es
erzählt mir etwas, es ist eine Erzählung
     

  Es sagt mir sich selbst, wie ein Satz, eine
Erzählung mir sich selbst sagt.
     

  Ist denn der Begriff des erzählenden
Bildes nicht ähnlich dem des Genrebil-
des (oder Schlachtenbildes). Und wenn
ich beschreiben wollte, was ein Schlach-
tenbild ist, so brauchte ich mich nicht
auf eine Realität außerhalb des Bildes
zu beziehen sondern nur von gemalten
Menschen, gemalten Pferden, ˇgemalten Kanonen etc zu
reden.
     


“Das Bild sagt mir etwas”: es gebraucht,
sozusagen, Worte[.|;] Ich vergleiche das
Hier hier sind Augen, Mund, Nase, Hände,
etc. etc.. Ich vergleiche das Bild mit
einer Kombination sprachlicher Formen.
     


Aber das System der Sprache ist nicht
von der Kategorie des eines Erlebnisses<.> & ¿
[e|E]¿in Erlebnis
Das typische Erlebnis beim
Gebrauch eines Systems nicht das System.
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12
(Vergleiche: Bedeutung des Wortes “oder” & Oder-Gef
Oder-Gefühl.)
     


  “Jetzt sagt mir diese Zeichenfolge etwas;
früher, ehe ich die Sprache lernte, hat
sie mir nichts gesagt”. Nehmen wir an
wir meinten meinen damit, daß der Satz jetzt
einen bestimmten Eindruck auf mich
macht.
mit einem bestimmten Erlebnis gelesen wird. Gewiß, diese Zeichenfolge hat, ehe
ich die Sprache verstehen lernte, nicht
diesen Eindruck auf mich hervorgebracht.
diesen Eindruck gemacht. Der Eindruck ist natürlich, wenn wir vom
Kausalen absehen vom System der
Sprache ganz unabhängig. — Und nun
wehrt sich etwas in mir dagegen, zu
sagen:: daß der Satz etwas sagt, be-
steht darin, daß er mir diesen Ein-
druck macht.
   “Etwas ist ein Satz nur in einer Sprache”,
will ich sagen.
     


  ‘Sprache’, das sind doch die Sprachen. Auch
solche die ich nach Analogie bestehender
erfinde. Die Sprachen sind Systeme.
     


“Ein Satz ist ein Satz einer Sprache”, Aber
das heißt eben,: “Sätze” nenne ich Glieder
der Sprachen.
     

Aber achten wir auf den Gebrauch des Wortes
“deutsche Sprache”, sonst fragen wir etwa:
“Was ist die Sprache? alle ˇihre Sätze die je
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13
gesprochen worden sind? ˇ[D|d]ie Klasse [I|i]hre<r> Regeln ˇ& Wörter
? etc. etc..” Was ist das System? Wo ist es? Was
ist das Schachspiel? alle Partien? Das Regelverzeichnis?
     

Satz ist das Glied einer Sprache”. “Es ist
doch offenbar die Kombination von Wör-
tern die auch anders kombiniert werden
könnten können, was den Satz ausmacht”. D.h.
aber: was ihn für mich ausmacht. So
betrachte ich die Sprache
     

Wir wollen eben auf das System der
Sprache achten.
     

  Gewiß, ich lese eine Geschichte & kümmere
mich den Teufel um ein System der
Sprache. Ich lese einfach, habe Eindrücke,
sehe Bilder vor mir, etc.. Ich lasse die
Geschichte an mir vorüberziehen wie
Bilder, wie eine Bildergeschichte. (Damit
will ich natürlich nicht sagen, daß
jeder Satz in mir ein visuelles Bild
oder mehrere hervorruft, & daß das
etwa der Zweck eines des Satzes sei.)
     


  Denken wir uns eine Bildergeschichte
in S schematischen Bildern, also ähnlicher
der Erzählung in einer Sprache als eine
Folge realistischer Bilder. Man könnte in
so einer Bildersprache etwa insbesondere
den Gang von Schlachten festgehalten haben.
(Sprachspiel.) Und ein Satz unserer Wort-
sprache kommt kommt so einem Bild
dieser Bildersprache viel näher als man meint.
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14
     

    Denken wir auch daran, wie daß wir uns
solche Bilder [115002] nicht erst in rea-
listische übertragen, um sie zu ‘verstehen’,
sowenig wir uns je Photographien oder die
Bilder des Films in färbige Bilder über-
tragen obwohl uns schwarz-weiße Men-
schen oder Pflanzen etc. in der Wirklich-
keit unsagbar fremd & schrecklich
vorkämen.
    Wie, wenn wir nun hier sagten: “ein
Bild ist etwas nur in einer Bildersprache”?
     


  Ein Satz einer Erzählung gibt uns dieselbe
Befriedigung, wie ein Bild.
     


Wir können uns <(>anderseits<)> eine Sprache
denken, in deren Verwendung der Ein-
druck, den ein Zeichen uns macht, , den wir von den Zeichen erhalten, in
keiner Weise eintritt
nicht eintritt keine Rolle spielt; in der es ein Verste-
hen im Sinne eines solchen Eindrucks nicht
gibt. //; in der ein Verstehen im Sinne eines
solchen Eindrucks nicht in Frage kommt.//
Die Zeichen werden uns etwa geschrieben
übermittelt & wir können sie uns nun
merken. ( D.h. der einzige Eindruck von
dem da die Rede ist, ist das Bild des
Zeichens.) Wenn es nun ein Befehl ist,
so übertragen wir nach Regeln, Tabellen,
das Zeichen in Handlung. Zum Eindruck
ähnlich dem eines Bildes kommt es
gar nicht & man schreibt auch nicht
Erz Geschichten in dieser Sprache. Es gibt
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15
aber etwa eine Art Unterhaltungslektüre,
die darin besteht, daß man gewisse
Zeichenfolgen in Körperbewegungen über-
setzt die eine Art Tanz bilden. (Verglei-
che die Bemerkung über Verstehen &
Chiffre.)
     


  Es wäre natürlich auch denkbar, daß
wir einen Satz der Wortsprache, um von
ihm einen Eindruck zu erhalten, nach
Regeln in ein gezeichnetes Bild über-
tragen müßten. (Daß erst dies Bild eine Seele hätte)
     


(Ich könnte meinem Schüler sagen: Du
wirst anders denken, wenn Du
durch diese Übungen gegangen bist.)
     


In diesem Fall könnte man ˇwirklich sagen:
“Die Zeichenfolge ist tot ohne das System”.
//“Das Zeichen lebt nur im System.”//
     


Aber auch in unserer gewöhnlichen Spra-
che können wir von dem Eindruck des
Satzes oft ganz absehen & wichtig
ist nur, wie wir mit dem Satz operieren.
(Frege's Auffassung der Logik.)
     


  “Es gibt keinen alleinstehenden Satz”. Denn
was ich “Satz” nenne ist eine Spielstellung
in einer Sprache.
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   Ist das Verwirrende nicht, daß ich eine
Spielstellung betrachten kann so ge-
nau ich will, aber dadurch nicht heraus-
finde, daß es eine Spielstellung ist? Es
verwirrt uns hier etwas in an der Gram-
matik des Wortes “Spielstellung”.
     


  Das Denken heißt eine Tätigkeit, wie
das Rechnen. Niemand wurde rech-
nen einen Zustand nennen, oder
Schach spielen.
     


   Denken wir uns eine Art Vexierbild,
worin nicht ein bestimmter Gegenstand
aufzufinden ist, sondern das uns
auf den ersten Blick als ein Gewirr
nichtssagender Striche erscheint & nach
einigem Suchen erst als, sagen wir, ein
Lan<d>schaftsbild. — Worin besteht der
Unterschied zwischen dem Anblick des
Bildes vor & nach der Lösung //Auflösung//.
Daß wir es beidemale anders sehen ist
klar. Inwiefern aber kann man nach
der Auflösung sagen, jetzt sage uns das
Bild etwas, früher habe es uns nichts
gesagt?
     

   Wir können diese Frage auch so stellen:
Was ist das allgemeine Charakteristikum
dafür, daß die Lösung gefunden ist?
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17
     

    Als das Kriterium der Auflösung
könnte ich alles mögliche bestimmen.
  Ich will annehmen, daß ich, sobald
es gelöst ist, die Lösung dadurch dar-
stelle
kenntlich mache, indem daß ich gewisse Striche des
Vexierbildes stark nachziehe <&> etwa
Schatten eintrage. Warum nennst Du
nun das Bild das Du eingezeichnet hast
eine Auflösung?
   a) Weil es die klare Darstellung einer
Gruppe dreidi räumlicher Gegenstände ist.
  b) Weil es ˇdie Darstellung eine[n|s] regelmäßigen Körper<s>
darstellt ist.
  c) Weil es eine symmetrische Figur ist.
  d) Weil es eine Figur ist die mir eine[m|n] or-
namentalen Eindruck macht.
  e) Weil es die Darstellung eines Körpers
ist der mir bekannt vorkommt
  f) Weil es eine Liste von Auflösungen
gibt & diese Figur (dieser Körper) auf der
Liste steht.
  g) Weil es eine Art von Gegenstand darstellt,
die ich wohl kenne: denn sie er macht
mir den augenblicklichen Eindruck der
Wohlbekanntheit, ˇich verbinde augenblicklich alle möglichen Assozitionen mit ihm, ich weiß, wie er heißt,
ich weiß, daß ich ihn oft gesehen habe,
ich weiß, wozu man ihn gebraucht, etc. etc.
  h) Weil es ein Gesicht darstellt,
welches mir bekannt vorkommt
  i) Weil es ein Gesicht darstellt welches
ich erkenne: α) es ist das Gesicht meines
Freundes so & so β) es ist ˇein Gesicht welches ich
oft abgebildet gesehen habe. etc.
  k) Weil es einen Gegenstand darstellt,
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18
den ich mich erinnere, einmal gesehen zu
haben.
  l) Weil es ein Ornament ist das ich
gut kenne (obwohl ich nicht weiß, wo ich
es gesehen habe).
  m) Weil es ein Ornament ist das ich
gut kenne: ich kenne seinen Namen,
weiß wo man es finden kann ich es schon
gesehen habe.
  n) Weil es einen Einrichtungsgegenstand
meines Zimmers darstellt.
  o) Weil u.s.w. ich instinktiv diese Striche
nachgezogen habe & mich nun beruhigt
fühle.
  p) Weil ich mich erinnere, daß mir dieser Gegen-
stand beschrieben worden ist.
  g1) Weil ich den Gegenstand wohl zu
kennen meine //scheine//: ich es fällt
mir sogleich ein Wort als sein Name ein
(obwohl das Wort keiner bestehenden Sprache
angehört), ich sage mir: “natürlich das
ist ein α wie ich es oft in β gesehen habe.
Man γt damit die δ bis sie εen.” So etwas
kommt z.B. im Traum vor.
 q)        u.s.w.
     

   (Wer nicht versteht, warum wir über
diese Dinge reden, muß, was wir sagen,
als leere Spielerei empfinden.)
     


  Der Eindruck ist [e|E]ins, & die Bestimmt-
heit des Eindrucks etwas Anderes.
  Was ich den Eindruck der Wohlbekanntheit
nenne ist von der hat die Multiplizität
Ms-115,19


19
einer Bestimmtheit.
     


  Wir können in ein menschliches Gesicht
schauen das wir genau kennen ohne
irgend einen Eindruck zu erhalten haben, so-
zusagen ganz stumpfsinnig; & von da
bis zu einem starken Eindruck gibt
es alle Stufen.
     


   Denken wir uns ˇder Anblick eines ein Gesicht<s> machte brächte
uns einen starken Eindruck auf uns
hervor //ergriffe uns stark// ˇes flößt uns etwa Furcht ein. Soll ich
dann sagen: vor allem muß hier
da ein der Eindruck der [w|W]ohlbekanntheit
sein statthaben, ich muß muß in dem Anblick des
Gesichts ruhen, oder dergleichen
; die Form des menschlichen Gesichts als solche muß mir den Eindruck der Bekanntheit machen; & zu
diesem Eindruck kommt nun der der
Furcht. — Ist es nicht <(>vielmehr<)> so,
daß, was ich den Eindruck der Artbekannt-
heit nenne, ein Chara[k|c]teristicum eines
jeden starken Eindrucks ist den ein Ge-
sicht auf mich macht. Etwa das Chara-
cteristicum der Bestimmtheit. Ich sagte
ja der Eindruck der Wohlbekanntheit
bestehe etwa darin daß wir in einem An-
blick ruhen, den Aspekt nicht wechseln
& dergleichen.
     


  Kann ich mir den Eindruck der indi-
viduellen Bekanntschaft wegdenken,
wo er ist, & hinzudenken wo er nicht
ist? Und was heißt das? Ich sehe
Ms-115,20


20
z.B. das Gesicht eines Freundes an &
frage mich: wie schaut dieses Gesicht
aus wenn ich es als ein mir unbe-
kanntes Gesicht sehe (als sähe ich es
etwa jetzt zum ersten mal)? Was bleibt
sozusagen von dem Anblick des Gesichts
wenn ich den Eindruck der Bekanntheit
wegdenke, abziehe? — Hier bin ich nun
geneigt zu sagen: “es ist sehr schwer
die Bekanntheit von dem Eindruck
des Gesichts zu trennen”. Aber ich fühle
auch daß das eine irreführende Aus-
drucksweise ist. Ich weiß nämlich
gar nicht wie ich es auch nur versuchen
soll diese beiden zu trennen. Der Aus-
druck “sie trennen” hat für mich
gar keinen klaren Sinn.
     Ich weiß was es heißt: “stelle
Dir diesen Tisch vor aber schwarz, obwohl
er blau<n> ist” das heißt etwas [a|A]hnli-
ches wie: “ze male ein Bild dieses Ti-
sches aber schwarz statt braun”; ˇoder analog:
“zeichne diesen Menschen aber mit länge-
ren Beinen als er hat”.
     


  Wie, wenn man sagte: “denke Dir
diesen Schmetterling, genau so wie er ist,
aber häßlich statt schön”?!
     


  Die Ausdrucksweise [e|E]s ist sehr
schwer … wegzudenken”, : hier
scheint es als handle es sich
um eine ˇpsychologische Schwierigkeit, ˇeine Schwierigkeit der Introspektion
Ms-115,21


219
einer Bestimmtheit oder dergleichen. (Dies trifft
für ein großes Gebiet von philosophischen
Problemen zu: Denke an das Problem
der genauen Wiedergabe<,> ˇBeschreibung<,> des im Gesichts-
feld gesehenen; an die Beschrei-
bung der immer fließenden Erschei-
nung; auch an die Frage daran: “wie-
viel Regentropfen siehst Du, wenn
Du in den Regen schaust”.)
< Vergleiche: “Es ist schwer diesen Tisch aus der Ferne bewegen zu wollen”.
>
     


Wir haben in diesem Fall nicht bestimmt,
was es heißen soll sich die Wohl-
bekanntheit wegzudenken.
Es könnte etwa heißen, sich des
Eindrucks zu entsinnen den ich hatte
als ich das Gesicht zum ersten Male
sah. Und hier wieder muß man wissen
was es heißt zu “versuchen” sich an den
Eindruck zu erinnern. Denn das hat
mancherlei Bedeutung. Fragen wir
uns: welche Tatigkeiten nennen wir “ver-
suchen uns an etwas zu erinnern”[. W|; w]as
tun wir wenn wir uns daran erinnern
wollen was wir gestern zu Mittag geges-
sen haben[?|;] ; gibt es so eine diese Methode
auch für die ˇfrühen Kindheitserinnerungen eines
Erwachsenen; kann man versuchen, sich
an seine die eigene Geburt zu erinnern?
     


  Ich sage mir: ich will versuchen ein
gedrucktes deutsches Wort anzuschauen
und mir vorzu es so zu sehen als
hätte ich nicht lesen gelernt & a[s|l]s seien
Ms-115,22


202
die schwarzen Figuren auf dem Papier sonder-
bare Zeichnungen de[sse|ren]n Zweck ich
mir nicht denken kann, oder nicht ahne.
Da geschieht nun dies, daß
ich das gedruckte Wort nicht anschauen kann
ohne da[s|ß] mir das Lautbild des Wortes
oder der Buchstaben die ich gerade an-
schaue vorschwebt.
     


  Die Eine Zeichnerische Darstellung des In-
nern eines Radioempfängers wird
für den Einen <den> der nicht das Geringste vom
Radio weiß
den keine Kunde von solchen Dingen hat, ein Gewirr sinnloser
Striche sein. Lernt Hat er aber den Apparat
& seine Funktion kennenˇgelernt so wird jene
Zeichnung ˇfür ihn ein sinnvolles Bild sein.
     Gegeben nun eine bestimmte mir
jetzt Gegeben irgend eine mir jetzt … sinnlose körperliche Gestalt (
etwa im Bild), kann ich nach Belie-
ben sie sinnvoll vorstellen? Das
wäre, als fragte man: kann ich mir
einen beliebig geformten Gegenstand
Körper als Gebrauchsgegenstand vorstellen?
Aber zu was für eine[n|m] Gebrauch?
   Nun man kann ja wenigstens eine
Klasse von Körperformen sich metho-
disch als Wohnungen von Tieren oder
Menschen denken. Eine andere Klasse
als Waffen. Eine etwa als Modelle von
Landschaften etc. etc.. Und hier weiß
ich also, wie ich einer sinnlosen Form
Sinn geben //andichten// kann.

Ms-115,23


23
     

  Wenn ich sage,, dieses Gesicht hat den
Ausdruck der Milde, Güte, Feigheit,
so scheine ich nicht nur zu meinen
daß wir die & die Gefühle mit dem G An-
blick des Gesichts assoziieren, sondern
ich bin versucht zu sagen, daß das
Gesicht ein Aspekt der Feigheit, Güte,
etc., selbst ist. (ˇVergleiche z.B. Weininger.) — Man kann
sagen: ich sehe die Feigheit in dieses
Gesicht hinein (& könnte sie auch in
ein anderes hineinsehen), aber jeden-
falls scheint sie mit dem Gesicht
nicht bloß assoziiert, äußerlich ver-
bunden, sondern die Furcht hat die
Multiplizität der Gesichtszüge. Und wenn
sich z.B. die Züge ein wenig ändern, so
können wir von einer entsprechenden Ände-
rung der Furcht reden. Würden wir
gefragt: “kannst Du Dir dieses Gesicht
auch als Ausdruck des Mutes denken”,
so wüßten wir, gleichsam, nicht, wie
wir den Mut in diesen Zügen unter-
bringen sollten. Ich sage dann
etwa: “Ich weiß nicht, was das hieße,
wenn dieses Gesicht ein mutiges Gesicht
ist wäre”. ist”. [Diesen Satz kann man nicht richtig stellen
indem man statt “wenn” “daß” setzt, oder statt “ist”
wäre”.] Aber wie s<i>eht die Lösung so einer
Frage aus? Man sagt ˇetwa: “Ja, jetzt verstehe' ich
es; : das Gesicht ist sozusagen gleichgültig
gegen die Außenwelt”. Wir haben also
Mut hineingedeutet. Der Mut, könnte
man sagen, paßt jetzt wieder auf das
Gesicht. Aber was paßt hier worauf?
Ms-115,24


24
     

    Es ist ein verwandter Fall (obwohl es
vielleicht nicht so scheinen möchte)
wenn wir uns z.B. darüber wundern,
daß die Franzosen nicht ˇeinfach sagen
“der Mann ist gut” sondern ein attri-
butives [a|A]djektiv dorthin setzen, wo
ein prädikatives stehen sollte; und
wenn wir das Problem uns dann da-
durch lösen daß wir sagen sie mein-
ten “der Mensch ist ein guter”.
     


    Könnten verschiedene Deutungen eines
Gesichtsausdrucks nicht darin bestehen,
daß ich mir zu ihm jedesmal eine Andere
Fortsetzung //eine andere Art Weise der Fortsetzung//
denke? So ist es gewiß oft. Ich sehe ein
Bild das einen lächelnden Kopf darstellt.
Was tue ich, wenn ich das Lächeln ein-
mal als freundliches einmal als
böses auffasse? Stelle ich es mir dann
nicht in einer räumlichen & zeitlichen
Umgebung vor die ich freundlich oder
boshaft nenne? Ich So könnte ˇich mir zu
dem Bild vorstellen daß der Lächelnde
auf ein spielendes Kind herniederlächelt
oder ˇaber auf das Leiden eines Feindes.
     Daran wird nichts geändert dadurch,
daß ich mir auch die auf den ersten
Blick liebliche Situation durch eine
weitere Umgebung wieder anders deu-
ten kann. Ein gewisses Lächeln werde
ich, wenn keine besondern Umstände
meine Deutung umstellen, als freund-
Ms-115,25


25
liches auffassen, ein freundliches nennen,
entsprechend reagieren.

< ⋎ S. 27 A >
     
  Was heißt es: “Freundlichkeit in das
Lächeln hineinlesen”?
   Es heißt vielleicht, ich mache ein
dem lächelnden Gesicht auf ˇeine bestimmte
Weise koordiniertes Gesicht. Ich nehme
etwa den gleichen Gesichtsausdruck
an
Ich ordne etwa dem andern
Gesicht meines in der Weise zu
daß es den einen oder andern Zug
des andern übertreibt
.
     


Ein freundlicher Mund, ein freundliches
Auge. Wie denkt man sich eine freund
liche Hand? — Wahrscheinlich geöffnet
& nicht als Faust. — Und könnte
man sich die Haarfarbe des Menschen
als Ausdruck der Freundlichkeit, oder
des Gegenteils, denken? Aber, so
gestellt, scheint dies diese Frage zu fragen, ob
uns das gelingenc wird //gelingen kann//.
Die Frage soll //sollte// lauten: Wollen
wir etwas eine freundliche, oder unfreundliche
Haarfarbe nennen? Wollen wir solchen Wor-
ten Sinn geben, so würden wir uns etwa
einen Menschen denken dessen Haare dun-
kel werden, wenn er böse zornig wird. Das Hinein-
lesen des bösen Ausdrucks in die dunklen
Haare aber geschähe mittels einer schon
fertigen Idee.
    Man kann sagen: das freundliche
Ms-115,26


26
Auge der freundliche Mund, das Wedeln
des Hundes sind ˇunter anderm primäre & von einan-
der unabhängige Symbole der Freund-
lichkeit, ich meine damit: sie sind Teile
der Phänomene die man Freundlichkeit
nennt. Will man sich andere Erscheinun-
gen als Ausdruck der Freundlichkeit
denken so sieht man jene Symbole
in sie hinein. Wir sagen “er macht ein
finsteres Gesicht”; vielleicht weil die
Augen durch die <(>heruntergezogenen<)>
Augenbrauen ˇstärker beschattet werden; & nun
übertragen wir die Idee der Finsternis
auf die Haarfarbe. Er macht finstere
Haare. Fragte man mich ob ich mir einen
Sessel mit freundlichem Ausdruck den-
ken kann, so ich würde ich mir ihn
gewiß vor allem mit einem freundlichen
Gesichtsausdruck vorstellen wollen, ein
freundliches Gesicht in ihn hineinlesen.
     


Ich sage: “dieses Gesicht (was das zuerst den
Eindruck der Furchtsamkeit macht) kann
ich mir auch als ein mutiges denken”.
Damit meinen wir nicht, daß ich mir
vorstellen kann, wie jemand mit diesem
Gesicht ˇetwa einem Andern das Leben retten
kann (das kann man sich natürlich zu
jedem Gesicht vorstellen). Ich rede vielmehr
von einem Aspekt des Gesichtes selbst.
Was ich meine ist auch nicht, daß ˇich ˇkönne mir vorstelle, daß dieser
Mensch sein Gesicht in ein, im gewöhnlichen geläufigen
Sinne, mutiges veränd
//in ein, nach der gewöhn-
lichen Auffassung//
mutiges<,> ˇim gewöhnlichen Sinn<,> verändern
Ms-115,27


27
kann wird; wohl aber, daß es auf eine ganz
bestimmte Art in ein solches übergehen
kann. Die [u|U]mdeutung eines Gesichts-
ausdrucks ist ˇaber //wohl// zu vergleichen mit
der Umdeutung eines Akkordes in der
Musik, wenn wir ihn einmal einmal als Überlei-
tung in die<se> eine ei ˇeinmal in oder jene Tonart
hörenˇ//empfinden//. (Vergleiche auch den Unterschied
Mischfarbe, Zwischenfarbe.)
     


[Zu S. 25] A Das [H|h]ängt mit dem Gegen-
satz von sagen & meinen zusammen.
  “Jeder Ausdruck kann <(>doch<)> lügen”:
[a|A]ber denke doch nur was Du mit
“lügen” meinst. Wie stellst Du Dir die
Lüge vor? setzt Du nicht einen Ausdruck
einem andern entgegen? Doch gewiß
dem Ausdruck einen Vorgang, der auch
Ausdruck sein könnte.

     

  Wenn wir uns fragen “welcher ˇPersonen[N|n]ame
würde den Charakter dieses Menschen
treffen” — klanglich abbilden — so ist
es gl
steht gleichsam die Projek
tionsmethode, mittels nach der wir abbilden,
fest ˇ(So könnte sich etwa ein Dichter fragen welchen Namen er einer Person geben will.). Manchmal aber projizieren wir
den Charakter in den ˇgegebenen Namen. So
scheint es uns, daß die großen Meister
gerade die Namen haben die einzig zu
ih dem Charakter ihrer Werke passen.
     


  Erlebnis der wirklichen Größe. Wir sähen
Ms-115,28


28
ein Bild da[ß|s] uns die Form eines Sessels
zeigt; man sagt uns, es stelle eine
Konstruktion von Hausgröße vor. Nun
sehen wir es anders.
     


   Was geschieht wenn wir lernen
den Schluß einer Kirchentonart
als Schluß zu empfinden?
     


   Denke an die Vielgestaltigkeit dessen
was wir “Sprache” nennen. Wortspra-
chen, Bildersprachen, Gebärdensprachen,
Tonsprache.
     


   Die philosophischen Schwierigkeiten,
etwa das Wiedererkennen betreffend,
sind nicht solche die wir zwar in
praxi übersehn nicht merken, die sich aber zeigen
wenn sowie man die Phänomene Vorgänge genauer
betrachtet. Sie zeigen sich vielmehr
nur, wenn wir sie durch ein vorgefaß-
tes Schema
     

   Ich bin versucht zu sagen: “‘[d|D]iesen
Gegenstand kenne ich wohl’, das ist
als sagte ich: ‘dieser Gegenstand ist
in meinem Katalog abgebildet’”. Dann
bestünde es also darin, daß so ein
Bild in einem bestimmten Umschlag
mit andern zusammengebunden wäre;
in dieser Lade läge. — Aber wenn ich
mir das wirklich vorstell[t|e]e, & denke
Ms-115,29


29
ich vergliche einfach den gesehenen Gegenstand
mit Bildern in meinem Katalog & fände,
daß er mit einem von ihnen übereinstimmt,
so wäre das eben nicht ähnlich dem
Phänomen der Wohlbekanntheit. Man nimmt
nämlich an es ↻sei uns das Bild in unse-
rem Katalog wohlbekannt. Wäre es uns
fremd, so würde die Tatsache daß es in die-
sem Umschlag, in dieser Lade ist liegt gar nichts
für uns bedeuten.
     


  Wenn ich nun von dem Vorbild im Katalog
meines Geistes rede oder dem Futeral in
worein in welches der Körper Gegenstand paßt, wenn
er mir wohlbekannt ist, so möchte
ich, daß das Futeral in meinem Geist
sozusagen als “Form der Vorstellung”
ist, sodaß ich nicht sagen kann, ein
Vorbild sei in meinem Geiste, welches <(>wirk-
lich
<)> nicht dort ist. — Das Vorbild zieht sich
sozusagen in meinen Geist zurück, ist also
kein Objekt mehr für mich ihn. Das heißt aber ˇnur:
Das aber heißt nur: es Es hatte keinen Sinn von einem Vorbild
überhaupt zu reden. (Vergleiche ˇdamit die Idee
[der|Die] Raumbrille die man wir nicht ablegen kann. können.)
     


  Wenn wir von der Wohlbekanntheit als von
einem Passen ˇdes Gegenstandes in ein Futeral reden, so ist das
nicht ganz so als verglichen wir das Gesehene
mit einem Abbild. Wir meinen dann eigentlich
das Gefühl, wie wenn ein der Gegenstand
ohne Widerstand in die Form des Futerals
gleitet. Aber dieses Gefühl könnten wir auch
Ms-115,30


30
haben, wenn gar kein genau passendes Fu-
teral vorhanden wäre.
     Wir könnten uns auch jeden Gegen-
stand in einem unsichtbaren Futeral
denken & das ändert gar nichts an
unseren Erfahrungen & ist nun eine
leere Form der Darstellung
     


   (Die Darstellung der Philosophie
kann nur gedichtet werden.)
     

(Philosophie dürfte man eigentlich nur
dichten. Daraus muß sich, scheint mir,
ergeben, wie weit mein Denken der Gegen-
wart, Zukunft oder der Vergangenheit an-
gehört: Denn ich habe mich damit
auch als einen bekannt, der nicht
ganz kann, was er zu können wünscht.
     


    ˇ[Zu S. 53] <A> Die Beruhigung in der Philosophie tritt
ein, wenn das erlösende Wort gefunden ist.
     


   Es sollte eigentlich nicht heißen: “ja,
ich erkenne es, es ist ein Gesicht” sondern:
“ich erkenne es, ich sehe es als Gesicht” sehe ein Gesicht”.
(Das Wort Gesicht könnte für mich hier
das bloße Ornament
115003
bedeuten ˇ(ohne irgend eine Beziehung zum Geicht des Menschen), wäre also
auf derselben gleicher Stufe wie irgend eine andere
mir wohlbekannte uns bekannte Figur, z.B. ein Hakenkreuz.)
Denn die Frage ist <(>hier<)>: Was erkenne
ich hier als was? Denn, <>ein Ding als
Ms-115,31


31
sich es selbst erkennen<>, heißt nichts.
     


Das Gedächtnis mit einem Notitz-
buch verglichen: Einerseits dient
dieser Vergleich als Bild dessen was
bewußt vorgeht; anderseits gibt
er ein psychologisches Modell. (Und
das Wort “bewußt” verweist hier auf
einen Abschnitt der Grammat<i>k & ist
nicht der eine Teil des psychologischen
Gegensatzes “bewußt” — “unbewußt”)
     


  Die Vorgänge des Erinnerns sind sehr
mannigfach.
   “Bist Du gestern an bei Deinem Tisch ge-
sessen
in Deinem Zimmer gewesen?” — “Ja.” — “Bist Du sicher?” — “Ich
sitze jeden Tag an diesem Tisch & ich wüß-
te [es|doc]h wenn [es|ich] gestern nicht geschehen hier gewesen
wäre!” Dabei brauche ich mich keinen
Augenblick vor dem Tische sitzen sehen
in der Erinnerung in meinem Zimmer
sehen. Aber nehmen wir an ich sähe
mich während ich so spräche in
meinem Zimmer am Fenster stehen;
wie zeigt mir das Bild das es ges-
tern war. Freilich, das Bild könnte
das auch zeigen, wenn ich z in ihm
etwa einen Wandkalender mit dem
gestrigen Datum sähe. Wenn das
aber nicht der Fall war, wie las ich
dann aus dem Erinnerungsbild ˇoder der Erinnerung ab
daß ich gestern so am Fenster stand,
wie übersetzte ich die Erinner das Erleb-
Ms-115,32


32
nis der Erinnerung in Worte? — Aber über-
setzte ichc sie denn ein Erlebnis in Worte?
Sprach ich nicht einfach die Worte aus[?|;]
War das nicht und zwar in bestimmtem
Tonfall & dergleichen ˇErlebnissen der Sicherheit? War das nicht aber
das Erlebnis der Erinnerung? (Das
Erlebnis der Überzeugung ist von der
Art des Erlebnisses des Tonfalls.)
Aber was machte Dich so sicher als Du diese
Worte sprachst? Nichts; ich war sicher.
     Ich kann freilich, was ich so aus-
sprach, nun auf andere Weise — wie
man sagen würde — nachprüfen. Das heißt:
ich kann nun versuchen mich an bestimmte
spezielle Geschehnisse des gestrigen Tages
zu erinnern & mir Bilder vor's Auge zu rufen etc..
Aber das mußte jedenfalls nicht geschehen
sein ehe ich antwortete.
     


  Wenn wir einen Vorgang aus der Erinne-
rung erzählen so sehen wir wohl
manchmal Erinnerungsbilder vor uns;
meistens aber sind sie nur in der Erin-
nerung verstreut wie Illustrationen in
einem Märchenbuch.
     


Es sagt mir jemand: “stelle Dir auf
dieser weißen Wand einen Fleck vor von
der Farbe die man ‘rot’ nennt”. Ich
tue es; — soll ich nun sagen ich habe
mich daran erinnert welche Farbe ‘rot’
heißt. Wenn ich von diesem Tisch rede, erinne-
re ich mich, daß dieser Gegenstand ‘Tisch’ ge-
Ms-115,33


33
nannt wird.
     


Könnte man nicht einwenden: “So kann
also der gewisse Erinnerungen nicht haben,
der keine Sprache gelernt hat?” Freilich, —
er kann keine sprachlichen Erinnerun-
gen, sprachlichen Wünsche, etc. haben. Und
sprachliche Erinnerungen, etc., sind Erinnerungen in der Sprache, etc. sind … ja nicht
bloß<e> Übersetzungen fadenscheinige Schema-
ta; ist denn das sprachliche Erlebnis
kein Erlebnis? //Und Erinnerungenˇ, etc., in der
Sprache sind ja nicht bloß die fadenscheini-
gen Darstellungen wirklicher eigentlicher //für eigentliche// Erlebnisse; ist denn
das Sprachliche kein Erlebnis?// (Worte sind Taten.)
     


Manche Menschen erinnern sich an ein
musikalisches Thema in der Weise, daß
das Notenbild vor ihnen auftaucht & sie
es herunterlesen.
    Es wäre denkbar daß, bei gewissen
Menschen das Gedächtnis darin bestün
was wir das “Gedächtnis Erinnern” bei einem
Menschen nennen, darin bestünde, daß
er sichˇ im Geiste, ein Buch Notizbuch nachschlagend, sähe
& daß was er in diesem Buch liest eben
das Erinnerte wäre. (Wie reagiere ich auf eine Erinnerung?)
     


  Ubrigens, denke ich denn, wenn ich die Ge-
genstände meiner Umgebung als wohlbekann-
te behandle, an diesen Vergleich. Natür-
lich nicht. Das tue ich erst, wenn ich den Akt
des Erkennens (Wiedererkennens) nachträglich
Ms-115,34


34
betrachte; & zwar nicht so sehr indem ich
zu sehen trachte, was dabei tatsächlich
vorgegangen ist, als indem ich es durch
ein vorgefaßtes Schema betrachte. (Fluß der Zeit.) (Das Prob-
lem vom Wesen der Zeit & dem Fluß der Zeit
ist diesem sehr ähnlich.)
< [Von da an wieder auf S. 155 Bd. X] >





     
      ˇ[Zu S. 161 Bd X] <A)> Ich nenne Regeln der Darstellung
nicht Konventionen, wenn sie sich ˇdadurch recht-
fertigen lassen, daß die Darstellung, mit
wenn sie ihnen gemaß ist, mit der Wirk-
lichkeit übereinstimmt. So ist die Regel,
“male den Himmel heller als irgend et-
was, was von ihm sein Licht empfängt”
keine Konvention.
   Die Regeln der Grammatik lassen sich
nicht dadurch rechtfertigen, daß man
zeigt, ihre Anwendung führe zu einer Über-
einstimmung der Darstellung mit der
Wirklichkeit. Denn diese Rechtfertigung
müßte das Dargestellte selbst beschrei-
ben.
     


    <B)> Kann aber die Rechtfertigung nicht
einfach auf die Wirklichkeit zeigen?
   Inwiefern ist dieses Zeigen aber eine Recht-
fertigung? Hat es denn die Multiplizität
einer Rechtfertigung? Es mag freilich
die Ursache sein <(>davon<)> sein, daß wir
Ursache sein, warum wir … diesen Satz statt jene[¿m¿|s] sagen. Aber gibt es
einen Grund dafür? Nennen wir das
Ms-115,35


35
“Rechtfertigung”?


     

[Zu S. 171 Bd X] <A> “Sprache” das ist ein Wort wie
“Tastatur”. Es gibt Maschinen die eine
Tastatur enthalten. Nun könnte ich
mich aus irgendwelchen Gründen für Formen
von Tastaturen interessieren (wirklich verwen
solche die im Gebrauch sind & auch andere
bloß von mir ersonnene). Und eine Tasta-
tur erfinden könnte heißen etwas erfinden
was die gewünschte Wirkung hat; aber
auch auch neue Formen ersinnen die den
alten auf mannigfache Weise analog sind.


     

   [Zu S. 172 Bd. X.] <B> “Die Regeln eines Spiels sind willkürlich”
heißt: der Begriff “Spiel” ist nicht durch
die ps Wirkungen, die das Spiel
auf uns haben soll, definiert.
     


[Zu S. 175 Bd X] A C Ist die Philosophie ein
Geschöpf der Wortsprache? Ist die Wortsprache
eine Bedingung für die Existenz der Philosophie?
Richtiger würde man fragen: Gibt es außer-
halb des Gebietes unserer Wortsprachen
auch etwas der Philosophie analoges? Denn
die Philosophie, <(>das<)> sind die philosophi-
schen Probleme, d.i. die bestimmten indivi-
duellen Beunruhigungen, die wir “philoso-
phische Probleme” nennen. Das ihnen
Gemeinsame reicht soweit als wie das Gemein-
same zwischen verschiedenen Gebieten. <unserer
Sprache>
Ms-115,36


36

    Betrachten wir nun ein bestimmtes
philosophisches Problem, etwa das: “Wie
ist es möglich einen Zeitraum zu messen
da <(>doch<)> Vergangenheit & Zukunft nicht ge-
genwärtig sind & die Gegenwart nur ein Punkt
ist” —; so ist das Charakteristische da-
ran, daß ˇsich hier eine Verwirrung in Form
einer Frage äußert, welche die diese Verwir-
rung nicht anerkennt. Daß er //der Fragen-
de//
der Frager// durch eine bestimmte Ände-
rung seiner Ausdrucksweise von seinem
Problem erlöst wird.


     

[Zu S. 175 Bd X] A Ein dem philosophischen
analoges Problem, oder eine Beunruhigung,
könnte etwa dadurch entstehen, daß je-
mand auf allen Tasten des Manuals spiel-
te
, daß das Ergebnis nicht wie Musik
klänge, & daß er doch versucht wäre zu
glauben denken, es müsse Musik sein. etc..
     


< [Etwas, was auf den ersten Blick ausschaut wie ein Satz & keiner ist] [Zu S. 175 Bd X] B >       Ich möchte hier Der folgende die Erfindung ein
einen Vorschlag zur Konstruktion einer Mo-
tor
[s|S]traßenwalze ˇwurde mir mitˇgeteil[e|t]n we der & scheint
mir philosophisches Interesse zu haben<.
> scheint. ˇ Der Irrtum des Erfinders hat mit einem philosophischen Irrtum Verwandtschaft. Das Wesentliche [der|Die] Erfindung war ist ˇbesteht darin, daß der Motor sich im [i|I]nneren
der hohlen Walze befinde[n|t] sollte. Die Kur-
belwelle läuft durch die Mitte der ˇhohlen Walze
& ist an beiden Enden durch Speichen mit dem
Walzenrand¿e¿ ihr verbunden. Der Zylinder des Benzin-
motors ist an der Innenseite der Walze
befestigt. Auf den ersten Blick sieht diese
Ms-115,37


37
Konstruktion wie eine Maschine aus. Aber
sie ist //Tatsächlich aber ist sie// ein starres
System & der Kolben kann sich im Zylinder
nicht aus & einc noch bewegen. Wir haben sie ihn
selbst jeder der Bewegungsmöglichkeit beraubt
& wissen es nicht.
115004


     

Wir sagen: “der Hahn ruft die Hühner
durch sein Krähen herbei”; aber liegt dem
nicht schon der Vergleich mit unserer
Sprache (Wortsprache) zugrunde? — Wird
der Aspekt nicht ganz verändert, wenn
wir uns vorstellen durch irgend eine phy-
sikalische Einwirkung ziehe das Krähen die
Hühner an?
    Wenn aber gezeigt würde in welcher
Weise die Worte “komm zu mir!” auf den
Angesprochenen einwirken, so daߡ, unter gewissen Bedingungen, am Schluß
gewi[ß|s]se Muskeln innerviert werden & er zu
mir kommt, — würde damit jener Satz den
Charakter des Satzes verlieren?
     

    Unsere Sprache, unsere Wortsprache, ist
vor allem <das> was wir “Sprache nennen”, & dann
Anderes nach seiner Analogie oder Vergleich-
barkeit mit ihr.
     


   Das Achselzucken, wenn wir es (etwa in
einem Gespräch) meinen, als Antwort
Ms-115,38


38
geben, wird allerdings anders erlebt als
ein Achselzucken das etwa durch dieselbe Bewegung wenn sie durch … einen
Schmerz in der Schulter bewirkt wird.
Und wir fragen auch etwa: “war das ein
Achselzucken oder hat es nur so ausge-
schaut”.
“war das als Achselzucken ge-
meint, oder war es nur eine zufällige
Bewegung?” — Würden wir aber das Achsel-
zucken ein Zeichen nennen, wenn wir
es nicht in Verbindung mit der Wortsprache
gebrauchten?
     


  ˇDer Fall //Die Fälle//:[J|j]emand<em> ein Zeichen geben wollen.”. — Ich
bedeute jemand mit einer Bewegung der
Hand, daß er sich setzen soll; unmittel-
bar neben ihm steht ein Anderer; aus
der Richtung meines Blicks & meiner Ge-
bärde ist nicht zu entnehmen welchem
von Beiden ich das ein Zeichen gebe. Nun fragt
man mich<:> , “welchen hast Du gemeint”,, & ich
antworte: “den A”. Worin lag bestand dieses
Meinen? Oder: Worin lag der Unterschied
zwischen den Vorgängen, mit diesem Zeichen
den A & den B zu meinen. Mußte das
Kriterium darin liegen daß irgend etwas
Unterscheidende ein Vorgang sein welcher
den des Zeigens der //die// Handbewegung, des
Blickes //den Blick//, etc., begleitete? konnte es
nicht darin liegen, daß ich auf <ich> mich
ärgerte wenn sich auf mein Zeichen
der A stehen blieb; oder darin, daß
ich auf die Frage “wen hast Du gemeint”
antwortete: “den A”?
Oder in einer Kombina-
tion dieser & andrer?
Ms-115,39


39
     


   Mache diesen [v|V]ersuch: Sage “hier ist
es kalt” & meine “hier ist es warm”.
Kannst Du es? — Und was tust Du
dabei? Und gibt es nur eine Art das zu
tun?
     


   “Der Hund meint etwasˇ damit, wenn er mit
dem Schweif Schwanz wedelt”. Was betrachten wir
als Kriterium dafür?
Wie würden können wir das begründen? //Wie könnte man das
begrunden?//
     

  Wir würden kaum fragen, ob das Krokodil
etwas damit meint, wenn es mit offenem
Rachen auf einen Menschen zukommt. Und
wir würden erklären: das Krokodil könne
nicht denken & darum sei eigentlich hier
von einem Meinen keine Rede.
     


Wenn wir die Achsel zucken, so sind
die begleitenden psychischen Erlebnisse,
dabei die seelischen Erlebnisse, … nicht wesentlich verschieden die Meinungs
erlebnisse, //, was man die Meinungserlebnisse
nennen könnte,// nicht wesentlich ver-
schieden von denen beim [a|A]ussprechen
eines Wortes ode[i|r] Satzes: “vielleicht — ”, “ich
weiß nicht”, “weiß Gott” etc. — Diese Worte
können gewiß so unwillkürlich (ich meine
aber nicht papageienhaft) ausgesprochen
werden wie eine Geste gemacht werden
kann.
Ms-115,40


40
     


  Ad hoc “erfunden” sind natürlich
meine Wörter & Gesten nicht; aber nicht
alles, was nicht erfunden ist, ist von
früher vereinbart.
       “Contract sociale” Auch hier ist in
Wirklichkeit kein Vertrag geschlossen worden;
aber die Situation ist mehr oder weniger
der ähnlich, analog, der, in welcher
wir wären, wenn …. Und sie ist ˇvielleicht mit Nutzen
unter dem Gesichtspunkt eines solchen Ver-
trages zu betrachten.
     


 Was heißt es, zu wissen, was eine Pflanze ist?
Was heißt es, es zu wissen & es nicht sagen zu
können?
  (Socrates: “Du weißt es, & kannst hellenisch reden,
also mußt Du es doch sagen können.”)
     


 Hat dieses Wissen die Multiplizität eines
Satzes, der nicht ausgesprochen wurde? So daß,
wenn der Satz ausgesprochen würde, ich ihn
als den Ausdruck meines Wissens anerken-
nen würde? — Ist es nicht vielmehr so, daß
jede exacte Definition als Ausdruck unseres
Verstehens abgelehnt werden müßte? D.h.:
müßten wir nicht von so einer sagen, sie
bestimme zwar eine[m|n], dem unsern verwandten
Begriff, aber nicht diesen selbst? Und die
Verwandtschaft sei etwa die zweier Bilder,
deren eines aus unscharf begrenzten Farb-
flecken, das andere aus ähnlich geformten
Ms-115,41


41
& verteilten, aber scharf begrenzten bestün-
de? Die Verwandtschaft wäre dann eben-
so unleugbar, wie die Verschiedenheit.
     


Vergleiche:
<1> “Wissen was eine Pflanze ist”
<3> “Wissen wieviel 25 × 25 ist” wie hoch der Stephansturm ist”
<4> “Wissen wie eine Klarinette klingt”
<2> “Wissen wie man das Wort ‘Pflanze’ gebraucht”.
Im dritten Fall wäre es allerdings seltsam
zu sagen, man wisse es, könne es aber nicht
sagen.
Wenn wir uns darüber wundern
daß [e|E]iner etwas wissen, & es nicht sagen
kann, werden wir da nicht durch eine
scheinbare Analogie mit einem Fall wie No 3
geleitet?
     


  “Ich weiß, was eine Pflanze ist: , was Pflanzen sind: ich kann [d|D]ir
w Pflanzen welche zeigen, aufzeichnen, beschreiben.”
     


  Was nennen wir denn <eine> “die “Antwort auf
die Frage: ‘was ist eine Pflanze’”. Nun etwa:
[s|S]iehst Du, das, das, & das sind Pflanzen”.
Auch eine Verbaldefinition ˇder Botanik etwa, würden wir
eine Antwort nennen; aber sie wäre eine
andere Antwort und nicht mit der ersten
äquivalent. Sowenig, wie die Erklärung ˇdes Schrittmaßes,
die etwa vor einigen hundert Jahren ein
Vater seinem Sohn gegeben hat mit der:
“ein Schritt = 75 cm”. Diese Antworten sind
verwandt aber nicht äquivalent & die
zweite ist nicht vielleicht die eigentlich
richtige, die die erste ungenaue selbstver-
Ms-115,42


42
ständlich ersetzt wenn wir nur einmal
die richtige kennen.
     


Ich sage: “der Boden war ganz mit Blu-
men bedeckt”. Wollte jemand eine Erklä-
rung dessen was ich meine so wäre
etwa die gemäßeste ich könnte ihm ein
ˇgemaltes Bild eines solchen Bodens zeigen. Und
ich würde ihm sagen: “siehst Du, so
hat es ausgesehen”. Will ich nun, daß
er versteh[t|e], jede Blüte & jedes Gras sei
genau in der Lage & von gewesen, wie es
sie auf dem Bild zu sehen sind? — Und
wenn das nicht, ist es das ein Fehler des
Bildes & meine ich, daß ein anderes mög-
lich wäre welches die genauen Lagen zeigte?
     


“Ist ein verschwommener Begriff überhaupt
ein Begriff?”. Ist eine unscharfe Photo-
graphie das ein Bild eines Menschen? Kann
man ein unscharfes Bild überall immer
mit Vorteil durch ein scharfes ersetzen?
Ist das unscharfe nicht oft ˇgerade das was
wir brauchen man braucht?
     


“Was ist eine ‘exacte’ Definition im Gegen-
satz zu einer unexacten?” Nun, etwa,
eine Definition in der die Wörter nicht
das Wort “ungefähr”, “beiläufig”, & oder ähnliche
vorkommen.

Ms-115,43


43
     
    Denken wir an ein anderes Beispiel:
den Gebrauch des Wortes “eiförmig” oder
“Osterei”. Wir würden einen Gegenstand
von dieser Gestalt
115005
nicht mehr als
Osterei gelten lassen & doch nicht sagen
können bei welchem Verhältnis der Länge
S & Breite etwas anfängt ein Osterei zu
sein. Ja, wenn Einer nun ein solches Ver-
hältnis angäbe, so könnten wir es
nie als die richtige Begrenzung unseres
Begriffes angeben anerkennen. Sondern wir
müßten //würden// entweder sagen: “Nein, das
nenne ich kein Osterei, das es ist zu schlank
(oder zu dick, etc.)” — oder: “ja, das ist ein
Osterei, aber der Grenzfall ist es nicht
gerade”. Diesen gibt es eben nicht in unse-
rem Kalkül & wer einen Grenzfall einführte,
führte einen neuen Kalkül ein.
     


Beim Fürs Preisschießen gibt es Statuten, welche be-
stimmen wie die Preise nach der Lage der
Schüsse auf der Scheibe zu verteilen sind.
Muß es nun auch für alle denkbaren vorstellbaren
Grenzfälle Regeln geben. Würde man sagen,
die Preisverteilung gelte nicht, weil für
diesen Fall in den Regeln nicht vorgesehen
//vorgesorgt// war; selbst wenn dieser Fall
beim Preisschießen gar nicht eingetreten
ist.
     


 Wenn man sagt “Moses hat nicht existiert,
so kann das verschiedenerlei bedeuten. Es kann
heißen: die Is[t|r]aeliten haben keinen nicht einen
Ms-115,44


44
Führer gehabt als sie vonc aus Aegypten auscgezo-
gen sind: — oder: ihr Führer hat nicht
“Moses” geheißen — oder: es hat keinen
Menschen gegeben der alles das voll-
bracht hat, was die Bibel von Moses
erzählt. etc., etc.. — Russell würde
sagen, daß der Name “Moses” durch
verschiedene Beschreibungen definiert
werden sein kann. ( Z.B.: “der Mann welcher
zu dieser Zeit & an diesem Ort lebte &
damals ‘Moses’ genannt wurde”, “der
Mann, welcher die Israeliten durch
die Wüste führte”, “der Mann, welcher
als Kind von der Tochter des Pharao Pharaos aus
dem Nil gefischt gzogen wurde” etc.. Und je
nachdem wir die eine oder andere Defini-
tion annehmen bekommt der Satz “Moses
hat existiert” einen andern Sinn & ebenso
jeder andere Satz der von Moses handelt.
    Man wird auch, wenn uns jemand
sagt “ N existiert nicht”, fragen: “Was
meinst Du? willst Du sagen, daß …, oder
daß …, etc.?”

     <Wenn ich nun ˇ z.B. sage Oder wenn ich sage “ N ist gestorben”,
so> <hat kann es mit dem Gebrauch der Bedeutung des Namens <’N’
>> Wenn ich nun sage “N“ gewöhnlich unge
etwa fo diese Bewandtnis haben: Ich
glaube, daß ein Mensch gelebt hat, den
ich 1.) dort & dort gesehen habe, der
2.) so & so ausschaut, 3.) das & das ge-
tan hat & 4.) in der bürgerlichen Welt
den Namen ‘ N’ führt. Gefragt, was ich
unter ‘ N’ verstehe, würde ich [a|A]lles das,
oder [e|E]iniges davon, & bei verschiedenen
Gelegenheiten Verschiedenes aufzählen. —
Ms-115,45


45
und ebenso Meine Definition von ‘ N’ wäre also etwa:
“der Mann, von dem das alles das stimmt”.
Wenn aber nun etwas davon sich als
falsch erwiese, — wäre ˇwerden wir nun den der Satz “ N ist gestorben“
nun
als falsch anzusehen? auch, wenn ansehen; auch, wenn etwas was uns uns
ganz nebensächlich ist
werden wir ich nun
den Satz “ N ist gestorben” für falsch er-
klären auch wenn sich ˇnur etwas mir
ganz Nebensächliches, was ich in die
Erklärung des Namens ‘ N’ hineingenom-
men habe, als falsch herausstellt.
Ich werde dann meistens ohne weite-
res bereit wohl bereit … sein die Definition etwas
abzuändern.
    Das kann man nun so ausdrücken,
daß ich den Namen ‘ N’ ohne eine feste
Bedeutung gebrauche. (Was seinem Ge-
brauch so wenig Eintrag tut wie einer Brücke,
daß sie kein absolut starrer Körper ist.)
Sol Heißt das nun daß ich nicht
Soll man nun sagen das heiße, daß ich ein Wort gebrauche
dessen Bedeutg ich nicht kenne
, daß also, was ich sage Unsinn ist?
     


 Und hier erinnere ich mich daran, daß Ram-
sey einmal betont hat, die Logik sei
eine “normative Wissenschaft”. Die genaue
Idee, welche ihm dabei vorgeschwebt
hat, kann ich nicht sagen. //Ich weiß
nicht die genaue Idee, … hat.// Sie
war aber zweifellosc gewiß eng verwandt
ˇmit der, welche mir erst später klar
wurde, daß wir nämlich in der Philo-
sophie den Ge Gebrauch der Worte
mit Spielen nach niedergelegten Regeln
Kalkülen nach festen Regeln vergleichen, aber nicht sagen können,
wer die Sprache gebrauche, spiele
Ms-115,46


46
müsse
ein Spiel nach irgend einen Kalkül nach
festen Regeln betreiben. — Sagt man
nun aber, daß unsere Sprachgebrauch
sich solchen Kalkülen nur nähert,
so stehen wir steht man damit unmittelbar am
Rande einer Reihe von Konfusionen.      Denn nun kann es scheinen, als
redeten wir in der Logik von einer idealen
Sprache. Als wäre unsre Logik gleichsam
eine Logik für den luftleeren Raum. Während
man die Logik doch nicht von einer
Sprache redet (wie die Physik von einer
Naturerscheinung), & man also höchstens
sagen kann, wir konstruierten ideale
Sprachen. Aber hier ist wieder das Wort
“ideal” irreführend, denn es scheint
nun als wären diese Sprachen besser,
vollkommener, als die Umgangsspra-
che & als brauchte es also den
Logiker damit der den Menschen endlich
zeige, wie sie einen richtigen Satz sprechen
sollen. wie ein richtiger Satz ausschaut.
     


Unsere Untersuchung trachtet nicht die
eigentliche, exakte Bedeutung der Wörter
zu finden; wohl aber geben wir den
Wörtern im Verlauf unsrer Untersuchung
oft exakte Bedeutungen.
     


Denn was soll ich die ‘Regel’ nennen,
‘nach der er vorgeht’? Die Hypothese, welche
seine Spielhandlungen, soweit ich sie kenne,
zufriedenstellend beschreibt, — oder die
Ms-115,47


47
Regel, die er beim Spielen nachschlägt, — oder die Regel die er mir, wenn ich ihn
nach seiner Regel frage, zur Antwort
gibt. Wie aber, wenn die Beobachtungen
c der Spielhandlung des Spiels keine klare Regel
zeigt //erkennen läßt// , wenn man aus der Beobachtung des Spiels keine klare Regel entnimmt, & er keine Regel
nachschlägt,
& die Frage keine Regel
zu Tage fördert? Denn er gab mir zwar
auf meine Frage, was er unter ‘ N’ ver-
stehe, eine Erklärung, war aber bereit
diese Erklärung zu widerrufen & abzuän-
dern. Wie soll ich also die Regel be-
stimmen, nach der er spielt? er weiß
sie selbst nicht. Oder richtiger: Was soll
der Ausdruck “Regel nach welcher er spielt”
hier noch besagen?
     


Wir können uns doch sehr wohl vorstellen,
daß sich Menschen auf einer Wiese damit
unterhielten, mit einem Ball zu spielen, &
zwar so, daß sie verschiedene ˇgeregelte Spiele anfin-
gen, manche davon nicht beendeten, dazwi-
schen den Ball auch planlos in die Höhe
würfen & auffingen, dann ˇwieder würden sie einige versu-
ch[en|ten], wie hoch jeder sie den Ball werfen k[a|ö]nnen
oder einander mit dem Ball im Scherz
bewerfen etc.. Und nun sagte Einer: die
ganze Zeit hindurch spielen die Leute ein
Ballspiel & richten sich daher nach bei
jedem Wurf nach bestimmten Regeln. Und
wäre es anderseits richtig zu sagen: “sie spielen also
nicht mit dem Ball.”
     


Welches ist die Bedeutung eines Wortes wenn
der Redende sie nicht angeben kann? Nun, wir
Ms-115,48


48
werden ˇvielleicht sein <(>tatsächliches<)> Verhalten
als ein Schwanken zwischen mehreren
verwandten Bedeutungen beschreiben
können. Ich frage ihn: “was hast Du eigent-
lich gemeint?” — und als Antwort wird er
mir verschiedenes angeben & sich vielleicht
an mich wenden, daß ich ihm ein sein Regel-
verzeichnis einrichte, daß seinem Zweck
entspricht. — Es wird sich dann in un-
serm Gespräch oft die Redensart finden:
“Du wolltest also eigentlich sagen …”.
Und diese kann ˇleicht ganz mißverstanden wer-
den: sie ist ˇmuß nämlich keine Beschreibung
des seines Geisteszustandes als er eines Vorgangs ˇsein
der etwa darin besteht daß man das eine
sagt während man das andere sagen will;
als wäre, was man “eigentlich sagen wollte”
damals schon irgendwie, wenn auch
nicht in lauten Worten, ausgedrückt ge-
wesen.
< ⋎ [neuer Absatz S. 53 A] >
     


(Eine der irreführendsten Redeweisen ist
die Frage “was meinst Du meine ich damit?” —
Man könnte in den meisten Fällen
darauf antworten: “Gar nichts — ich
sage …”)
     


[Gehört nicht hierher] Was geschieht, wenn wir uns bemühen,
etwa beim Schreiben eines Briefes, den
richtigen Ausdruck unserer Gedanken
zu finden? Diese Redeweise vergleicht
den Vorgang dem einer Übersetzung oder
Beschreibung: [D|d]ie Gedanken sind da,
Ms-115,49


49
etwa schon vorher & wir suchen nur
noch nach ihrem Ausdruck. <(>Und<)> dDieses
Bild trifft in verschiedenen Fällen mehr
oder weniger zu. — Aber was kann hier
nicht alles geschehn! Etwa: ich gebe
mich einer Stimmung hin, & der Ausdruck
kommt; oder: es schwebt mir ein Bild
vor & ich trachte es zu beschreiben , das ich …; oder:
es fiel mir ein englischer Ausdruck ein
& ich will mich auf den entsprechenden
deutschen besinnen; oder: es kommt
mir eine Gebärde & ich frage mich,, “welches
ist denn der Satz, der dieser Gebärde ent-
spricht?” Endlich fällt mir einer ein &
scheint der Gebärde angemessen; etc. etc..
    Wenn man nun fragte: “hast Du
den Gedanken, ehe Du den Ausdruck
hattest”, was müßte man da antwor-
ten? Und was auf die Frage: “worin
bestand der Gedanke, wie er vor dem Aus-
druck vorhanden war?”
     


[Ich glaube, dieser Satzˇ, oder ein ähnlicher gehört zu einer Untersuchung was ¿er¿
<…> Frage des augenblicklichen Verstehens etc.]
Bd X /109 /1

<ˇ gehört zu¿:¿ “Was ist ein Satz? [w|W]as ist ein Wort? Unsere alltä-
glichen Begriffe “Satz”, “Wort” etc sind viel zu wüst, zu ungeklärt.
Sollte man nicht von den Sinnesdaten der Sätze etc reden?>
Hier ist es schwer gleichsam den Kopf
oben zu behalten, — zu sehen, daß wir
bei den Dingen des alltäglichen Den-
kens bleiben müssen & nicht auf den
Abweg zu geraten, wo es scheint, als
müßten wir letzte //die letzten// Fein-
heiten beschreiben, die wir doch wieder
mit unsern Mitteln gar nicht be-
schreiben könnten. Es ist ˇuns, als sollten
wir ein zerstörtes Spinnennetz mit un-
seren Fingern zurecht richten in Ordnung bringen. //wieder
herstellen
//.
<//wieder richten//> <//wieder in Ord
nung bringen//>
Ms-115,50


50
< {Diese Bemerkung bezieht sich auf den Fall, wenn wir scheinbar von
den Dingen des Alltags zu immer schwerer fassbaren hinabsteigen & in den
brauenden Nebeln zu ertrinken drohen} >
     

     Was versteht man unter “allen Regeln
des Tennisspiels”? Alle Regeln die in einem
bestimmten Buche stehn, oder alle, die der
Spieler im Kopf hat, oder alle, die je ausge-
sprochen wurden, oder gar, alle, die sich
angeben lassen? — Daher wollen wir
lieber nicht so vag von ‘allen Regeln’ re-
den, sondern nur von bestimmten Regeln,
oder allen Regeln eines Verzeichnisses; und
dergleichen. Und das Gleiche gilt von den
Regeln über die Verwendung eines Wortes.
     


  Es ist nicht unsere Aufgabe, unsere Sprache die Wortsprache
zu verbessern, exacter zu machen, oder gar
<(>zu versuchen,<)> an ihre Stelle eine ‘ideal
exkte’ zu setzen. Wir haben von einer solchen
gar keinen Begriff. Damit sage ich nicht,
daß wir für unsere Zwecke nicht auf
pr[e|ä]ziseren als Ausdruck dringen, als dringen müssen als … den
üblichen gebräuchlichen.
     


   Die Verkehrsregelung in den Straßen erlaubt
& verbietet gewisse Verkehrshandlungen Handlungen (der Fahrer & Fußgänger);
aber sie versucht nicht ihre sämtlichen Bewe-
gungen der Fußgänger & Fahrzeuge durch Vor-
schriften zu regeln //durch Regeln zu leiten//. Und
es wäre unsinnig von einer idealen Verkehrs-
ordnung zu reden, die das täte; wir wüßten
nicht, wie wir uns dieses Ideal zu denken
hätten //; wir wüßten nicht, was wir uns unter
diesem Ideal zu denken hätten//. Wünscht Einer
die Verkehrsordnung in irgendwelchen Punkten
Ms-115,51


51
strenger zu gestalten, so bedeutet das nicht,
er wünsche sich sie so einem Ideal zu nähern anzunähern.
     


 Wir verstehen was es heißt: eine Taschenuhr
wird auf die genaue Stunde gestellt, — oder:
sie wird gerichtet daß sie genau geht.
 Wie aber wenn man fragte: ist diese Genauig-
keit eine ideale Genauigkeit, oder, wie weit
nähert sie sich ihr? , wie nahe kommt sie ihr? — Wir können freilich von
Zeitmessungen Gehe reden, bei welchen es eine
andere &, in ˇeinem gewisse[m|n] Sinne, größere Genauig-
keit gibt als bei der Zeitmessung mit der Taschen-
uhr. Wo die Worte “die Uhr auf die genaue Stunde
stellen” eine andere (wenn auch verwandte) Bedeutung
haben, & die Uhr ablesen ein anderer Prozess
ist, etc.. Wenn ich nun jemandem sage: “Du
solltest pünktlicher zum Unterricht Essen kommen,
Du weißt daß es genau um 1 Uhr anfängt”,
— wird man sagen, daß die Genauigkeit,
von der hier die Rede ist, hinter der idealen,
der sich die zurücksteht, der sich die Zeitmes-
sung im Laboratorium zunähert? Gibt es
ein Ideal der Genauigkeit?
     


  Gibt es ein komplettes Regelverzeichnis
für die Verwendung eines Wortes? Wie hat man sich das vorzustellen?

  Gibt es ein komplettes Regelverzeichnis
für die Verwendung einer Figur im Schachspiel?
Könnten wir uns nicht Zweifel konstruie-
ren die das normale Regelverzeichnis nicht
beseitigt //nicht zweifelhafte Fälle Zweifel<s>fälle konstruieren in de-
nen das die das normale Regelverzeichnis nicht ent-
scheidet//? Fragen wir etwa: Denke etwa an so eine Frage: wie ist es festzustel-
Ms-115,52


52
len wer zuletzt gezogen hat, wenn die Zuver-
[ß|ss]igkeit des Gedächtnisses der Spieler ange-
zweifelt wird. Macht aber die Möglich-
keit eines solchen Zweifels das Schach-
spiel zu einem nicht ganz idealen Spiel?
und welchen Begriff haben wir von diesem
Ideal?

     Es scheint da fast als wären alles
was wir ein ‘Ideal’ nennen nur ein ange-
nähertes Ideal gegen das ideale Ideal.
     


Man kann fragen: Wenn wir nicht
eine ideale Exaktheit im Gegensatz zu der
alltäglichen anstreben, wozu a<r>beiten wir an
der Grammatik unserer Sprache überhaupt
herum? Und die Antwort ist: Wir wollen
nicht das Verwirrungen & Beunruhigungen be-
seitigen die aus der Schwierigkeit entspringen,
das System unsrer Ausdrucksweise zu
übersehen. Wir werden dazu Unterscheidungen
hervorheben, die in den Formen unserer Sprache unserer gewöhnlichen Notation
nur einen schwachen, schwer sichtbaren Aus-
druck finden.

     Dadurch kann es allerdings den
Anschein haben als setzten wir uns vor
die Sprache zu reformieren.
     


Wir wollen nicht das Regelsystem in
unerhörter Weise [f|v]erfeinern oder komplettieren.

So eine Reform für bestimmte praktische
Zwecke<,> ist wohl denkbar die Verbesserung
unserer Terminologie zur Vermeidung
von Mißverständnissen ˇ[kein Beistrich] ist wohl denkbar.
Ms-115,53


53
(Wenn zwei Mitglieder einer Familie ‘Paul’ heißen,
so ist es oft zweckmäßig, den einen von
ihnen bei einem andern Namen zu nennen.)
Aber das sind nicht die Fälle, mit denen
wir es zu tun haben. Die Konfusionen die
uns beschäftigen entstehen, gleichsam,
wenn die Sprache feiert, nicht wenn sie ar-
beitet. (Man könnte sagen: “wenn sie leer-
läuft”.)
     


Wir wollen nicht das Regelsystem in unerhör-
ter Weise verfeinern oder komplettieren. vervollständigen.
⋎ [in dieser Zeile: S. 30 A]
     



[Zu S. 48] A “Du wolltest also eigentlich
sagen” mit dieser Redeweise leiten wir jemand
von einer Ausdrucksform zu einer andern.
Man ist, wie gesagt, versucht zu meinen,
das, was er eigentlich “sagen<…> wollte”, was
er “meinte” sei als er es meinte noch
ehe wir es aussprachen in seinem Geist
ausgedrückt gewesen. (Man sagt in gewissen
Fällen, es habe ihm vorgeschwebt: auch
dieser Ausdruck beschreibt sehr mMannigfa-
ches Vorgänge.) Was uns dazu bewegt einen Aus-
druck aufzugeben & statt seiner an seiner Stelle einen
andern z anzunehmen kann sehr von man-
nigfacher Art sein. Um [d|D]as zu verstehen, ist
es sehr nützlich, das Verhältnis zu betrach-
ten, in welchem
d[ie|er] Lösung eines mathema-
tischen Problems zum ˇursprünglichen Sinn der Fragestellung
zu betrachten. //Das zu verstehen, ist es nützlich
das Verhältnis zu betrachten, in welchem die Lösun-
Ms-115,54


54
gen mathematischer Probleme zum ursprün-
glichen Sinn zum Anlaß & Ursprung der Fragestellung stehen.//
Das Verhältnis der Begriffe ‘regelmäßiges
Fünfeck’ in der Frage.
Das Verhältnis
der Begriffe ‘Dreiteilung des Winkels mit Lineal
& Zirkel’, wenn Einer nach der Dreiteilung
sucht, & anderseits, wenn bewiesen wird ist,
daß sie unmöglich ist.
     


Nehmen wir an, es fragt mich jemand
(wie oben): “was verstehst Du unter ‘Moses’?”
  Ich erkläre nun: “unter ‘Moses’ ver-
stehe ich den Mann, wenn es einen sol-
chen gegeben hat, der die Israeliten
aus Ägypten geführt hat, wie immer er
damals genannt worden sein mag & was
immer er sonst getan oder nicht getan
haben mag”. Aber über die Worte dieser über den Gebrauch der Worte dieser …
Erklärung sind ganz analoge ähnliche Zweifel
möglich wie über den Namen den Gebrauch des Namens “Moses”. (Was
nennst Du “Ägypten”<;> ? wen, “die Israeliten”? etc..)
Ja diese Fragen kommen auch nicht zu
einem Ende, wenn wir etwa bei Wörtern, wie
“rot”, “dunkel”, “süß”, angelangt wären.
“Aber wie hilft mir dann eine Erklärung
zum Verständnis, wenn sie doch
nicht die letzte ist? Dann komme stehe ich ja
also nie auf festen festem Grund<!> ?
Die Erklärung
ist dann ja nie beendet
c, ich verstehe also
nie was er meint.//
ichc
Ich verstehe also noch
immer nicht, & nie, was er meint.//Nun, “Ver-
ständnis” nenne ich ˇaber gerade, was mir eine Er-
klärung gibt[,|.] sie hat sollte nur die Schwierigkeit beseitigt beseitigen
die ich hatte.
Als ich nach einer Erklärung fragte,
Ms-115,55


55
war es das, was ich brauchte. Die Antwort hat fragte ich gerade nach einer solchen Antwort. Sie hat …
die Schwierigkeit beseitigt, die ich hatte.
     


    Ist der Begriff ‘rot’ un[f|d]efinierbar?
“Undefinierbar”, darunter stellt man
sich etwas wie vor wie unanalysierbar;
& zwar so, als wäre der betreffende hier ein
Gegenstand unanalysierbar (wie ein che-
misches Element). Dann wäre die Logik
also doch eine Art sehr allgemeiner Na-
turwissenschaft. — Aber die Unmöglich-
keit der Analyse entspricht einer von
uns angenommenen <(>festgesetzten<)> Weise Art & Weise der
Darstellung.

< >
     
 Wir könnten sagen fragen: Wie denn, ‘undefinierbar’!
Könnten Können wir denn versuchen es zu definieren?
Und wie?—                [Hierher gehört als eigener Absatz ein Satz
aus Bd X. der ungefähr lautet: “Das
einzige Korrelat zu ˇin unserer Ausdrucksweise zu einer Naturnotwendigkeit
ist eine willkürliche Regel.”]
     


 Es ist von der größten Bedeutung, daß wir
uns zu einem Kalkül der Logik immer ein
Beispiel seiner Anwendung denken, auf welches
der Kalkül wirklich eine Anwendung findet, &
ˇdaß wir nicht Beispiele, von denen wir geben & sagen, sie seien
eigentlich nicht die idealen, diese ˇaber hätten wir noch
nicht. Das ist das Zeichen einer falschen Auf-
fassung. (Russell & ich haben, in verschiedener
Weise an ihr laboriert. Vergleiche was ich in der
“Abhandlung “ Log. phil. Abh.” über Elementarsätze
Ms-115,56


56
& Gegenstände sage.) Kann ich den Kalkül
überhaupt verwenden, dann ist dies auch
die ideale Verwendung, & die Verwendung
um die es sich handelt. Einerseits
will man nämlich das Beispiel nicht
als das eigentliche anerkennen, weil man
in ihm eine Mannigfaltigkeit sieht, der
der Kalkül nicht Rechnung trägt. An-
derseits ist es doch das Urbild des Kal-
küls & er davon hergenommen, & auf
eine geträumte Anwendung kann man nicht
warten. Man muß sich also eingestehen,
welches das eigentliche Urbild Vorbild des Kal-
küls ist.
    Nicht ˇaber, als habe man damit einen Feh-
ler begangen, den Kalkül von daher genom-
men zu haben; sondern der Fehler . Der Fehler …
liegt darin, dem Kalkül seine wirkliche eigentliche
Anwendung jetzt nicht zuzugestehen & sie , sondern sie in
einer für eine nebulose Ferne einen idealen Fall zu versprechen.
     


   Denken wir Spengler sagte: “[i|I]ch vergleiche
verschiedene Kulturperioden dem Leben von
Familien; innerhalb einer Familie gibt
es eine Familienähnlichkeit, während
es auch zwischen Mitgliedern verschiedener
Familien Ähnlichkeiten gibt; die Familien-
ähnlichkeit unterscheidet sich von der
andern so & so. etc..” Das Vergleichsobjekt Vorbild,
der Gegenstand, von welchem eine diese Betrachtungs-
weise abgezogen ist, soll uns angegeben
werden, damit die Betrachtungen nicht unge-
recht werden wird. Denn nun wird alles was
vom Vorbild gilt auch vom Gegenstand unserer
Ms-115,57


57
Betrachtung behauptet; & behauptet:
es müsse immer …. Das ist der Ursprung
einer Art von Dogmatismus. Man vergißt
die Stellung des Urbilds in der Betrach-
tung: Es ist gleichsam die Maßeinheit
mittels mit der wir das Betrachtete messen.
Und [d|D]er Dogmatismus ˇaber behauptet, daß jeder
der gemessenen Gegenst[ä|a]nde genau
eine ganze Zahl von Maßeinheiten lang
sein muß. Es ist allerdings freilich wahr, daß
die eine Maßeinheit ˇfür einen bestimmten Zweck gut gewählt war, in welchem
wenn ˇsich viele der Längen, die wir messen wollen
sich mit ihr in angenähert in ganzen Zah-
len angeben lassen. //wenn mit ihr//
wenn
sie viele der Längen, die wir messen wollen, <(>an-
genähert
<)>
in ganzen Zahlen ausdrückt.//
     


  Regel & Erfahrungssatz. Ist eine Re-
gel ein Erfahrungssatz — etwa über den
Gebrauch der Sprache? Ist eine Regel
des Schachspiels ein Satz darüber, der sagt, wie
die Menschen seit dem Ereignis der Erfindung
des Schachspiels es gespielt haben; d.h.
d.h. etwa mit den Schachfiguren gezogen haben.
Denn wenn davon die Rede ist daß die Men-
schen das Schachspiel so gespielt ha-
ben so muß “Schachspiel” so definiert
sein, daß es Sinn hat davon auszusagen
es sei einmal anders gespielt worden.
(Es ist etwa durch seine mit [h|H]ilfe seiner historische Konti-
nuität definiert.) Sonst nämlich gehören
die Regeln zur Definition des Schachspiels.
Daß jemand d[er|ie]<ser> Regel gemäß spielt, das
ist eine Erfahrungstatsache; oder: “A spielt dieser
Ms-115,58


58
Regel gemäß”, “die meisten Menschen spielen
dieser nach dieser Regel”, “niemand spielt
nach dieser Regel” sind Erfahrungs-
sätze. Die Regel ist kein Erfahrungssatz<…>;
sie ist in unsern Beispielen ein Teil solcher
Sätze.
     


Wenn die Definition des Meters die
Länge des Pariser Urmeters ist, so sagt
der Satz “dieses Zimmer ist 4 m lang” dasselbe
wie: “dieses Zimmer ist 4 m lang & die ¿Lan¿ 1 m = die
Länge des Pariser Urmeters”.

   Die Legende zu auf einer Landkarte ist ein
Verzeichnis von Regeln, die der Beschreibung
des Landes beigefügt sind. , welche der einer geographischen Beschreibung beigefügt sind. Sie sagen nichts
über die Geographie des Landes aus; sowenig
wie der Satz die Erklarung “1 m ist die Länge des Pariser Urme-
ters die Länge e<i>nes Gegenstandes angibt.

   Wenn man die Regel dem ˇbeschreibenden Satze beifügt
so ändert sich der Sinn des Satzes nicht.
     


Ich könnte auch sagen: Ich will ˇnur das
mitteilen, was der Satz der Sprache mitteilt;
& die Regel ist nichts als ein Hilfsmittel
dieser Mitteilung. Die Regel ist keine Mit-
teilung[,|:]
[w|W]enn sie die Regel dem Satz beigefügt
wird, fügt sie seiner Mitteilung nichts
hinzu. Sie ist <(>also<)> keine ???? Mitteilung über
den Sprachgebrauch.
     


Denken wir uns <(>etwa<)> ein Bild, einen Boxer
in bestimmter Kampfstellung darstellend. <Dieses>
Ms-115,59


59
Dieses Bild kann nun dazu gebraucht wer-
den um jemandem mitzuteilen, wie er stehen,
sich halten soll; oder, wie er sich nicht halten
soll; oder, wie ein bestimmter Mann dort &
dort gestanden hat; oder etc. etc.. Man
könnte dieses Bild (chemisch gesprochen[)|)]
ein Satzradikal nennen.
      Die Eine Regel ist quasi ein Satzradikal.
    In diesem Sinne ist auch die Regel ein
Satzradikal. <//In diesem Sinne kann man auch die Regel … nennen.//>
     


Man könnte die Regeln Regeln die Beschreibung
eines Spiels nennen, oder die Vorschrift, die sagt befielt,
wie man es spielen soll. Aber merken wir wohl:
die Regel Regeln [B|b]eschreibt sagt //sagen// nicht ˇdaß & wie eine Partie des dieses Spiels
je gespielt wurde, oder daß sie gespielt wurde worden ist wurde
[. A|, a]uch befielt befohlen sie niemandem, so zu spielen.
Sie beschreiben das nicht ein Spiel nicht, sondern sie
definieren es. eines.
     


Die Beschreibung einer Notation fängt charak-
teristischerweise oft mit den Worten an: “Wir
können auch so schreiben: …”. Man könnte
fragen: Was ist das für eine Mitteilung: “wir
können …”?
     


Sagte ich nicht, die Vorschriften, die den
Gebrauch eines Wortes regeln, gäben ihm
damit seine Bedeutung? (Konstituierten seine
Bedeutung.)
Könnte ich nun aber nicht sagen
zwei Wörter — schreiben wir sie “non” & “ne” —
hätten dieselbe Bedeutung, sie sind seien beide
Ms-115,60


60
Verneinungszeichen, aber
non non p = p

&
ne ne p = ne p

— In den Wortsprachen vielen Sprachen bedeutet eine
doppelte Verneinung ˇsehr oft eine Verneinung. — Warum nenne ich dann aber beide
“Verneinungen”? Was haben sie mit einan-
der gemein? Nun es ist klar, daß sie
einen
ein große[n|r] Teil ihres Gebrauchs bei-
den gemeinsam ist. Das löst aber unser
Problem noch nicht. Denn wir möchten
doch sagen: Auch daß die doppelte Ver-
neinung eine Bejahung ist, muß für
beide stimmen, wenn wir nur die Ver-
doppelung entsprechend auffassen.
Aber wie? Nun so, wie es z.B. durch
Klammern ausgedrückt werden kann.
(ne ne) p = ne p, ne (ne p) = p


     Es bietet sich uns gleich ein
analoger (oder besser, spezieller) Fall der
Geometrie an: : Wir denken gleich an einen analogen Fall der Geometrie: “Zwei halbe Drehungen ad-
diert heben sich einander auf”, “Zwei halbe
Drehungen addiert gebe sind eine habe
Drehung”.
115006, 115007
Es kommt eben darauf an, wie wir sie
addieren. (Ich könnte es ebensowohl
“sie addieren” nennen einen Gegenstand
nach dem Schema I bewegen zweimal zu
drehen, wie das Schema I zeigt; oder auch
ihn einmal um 180˚ zu drehen, & dann, gleich-
sam um diese Drehung zu bekräftigen,
Ms-115,61


61
ihn in die erste Stellung zurück & nocheinmal
im ersten Sinn zu drehen. (II.)
     


  Hier stoßen wir auf eine merkwürdige
& charakteristische Erscheinung in philo-
sophischen Untersuchungen: Die Schwierig-
keit — könnte ich sagen — ist nicht, die Lösung
zu finden, sondern, etwas als die Lösung
anzuerkennen, was aussieht, als wäre es
erst eine Vorstufe zu ihr. “Wir haben schon
alles gesagt. — Nicht etwas, was daraus
folgt, sondern eben das ist die Lösung!”
    Das hängt, glaube ich, damit zusam-
men, daß wir fälschlich [keine Beistriche] eine Erklärung
erwarten; während eine Beschreibung die
Lösung der Schwierigkeit ist, wenn wir sie
richtig in unsere Betrachtung einordnen.
Wenn wir bei ihr verweilen & nicht versuchen,
über sie hinauszukommen.      < Die Schwierigkeit ist hier, — : Halt zu machen. >
     

  “Das ist bereits alles, was sich darüber
sagen läßt.” — “non non p” als Verneinung
des verneinten Satzes auffassen, das
ist für uns das Gleiche wie etwa: eine Erklärung
der Art “non non p = non (non p)” zu geben. //das
Gleiche, wie zu schreiben: “non non p = non (non p)”.//

     “Wenn ‘ne’ eine Verneinung ist, so
muß [|]ne ne p’, wenn es nur richtig aufge-
faßt wird gleich p sein.”
     “Wenn man ‘ne ne p’ als Negation von
p nimmt, muß man die Verdoppelung anders
auffassen.”
   Man möchte sagen[;|,]die ‘Verdoppelung’
Ms-115,62


62
heißt dann etwas anderes, darum ergibt
sie jetzt eine Verneinung”, also: daß sie
jetzt eine Verneinung ergibt, ist die Folge
ihrer ihres anderen Bedeutung Wesens. “Ich meine sie
jetzt als Verstärkung”, würde man sagen.
Wir setzen statt der Meinung den Ausdruck
der Meinung.
     

   Worin mag das gelegen haben, daß ich, ˇzur Zeit als
ich die doppelte Verneinung sagte, ˇich sie als
verstarkte [v|V]erneinung & nicht als Bejahung Verstärkung <ge>meinte <war>? In den Umständen
unter denen ich den Ausdruck gebrauche,
im Bild, das mir etwa dabei vorschwebt ˇoder mit dem ich bereit bin die doppelte Negation zu vergleichen,
im Ton meiner Rede (so wie ich auch im Ton
die Klammern in “ne (ne p)” wiedergeben
kann). “ne ne” Die Verdoppelung als Verstärkung meinen,
ist kann von der Art sein ist dann von der Art, es ˇsie ˇunter gewissen Umständen als Verstärkung
aussprechen. Die Verdoppelung als Aufhebung
meinen, heißt z.B. Klammern setzen (auch im
mündlichen gesprochenen Ausdruck). — “Ja, aber diese Klammern
selbst können doch verschiedene Rollen
spielen; denn wer sagt, daß ˇsie in “~(~p)”
im gewöhnlichen Sinn als Klammern aufzu-
fassen seien & nicht irgendwie anders; etwa
die erste als Trennungsstrich zwischen den
beiden ‘~’, die zweite als Zugehör des ‘p’
//als Schlußpunkt des Satzes//?” Niemand sagt
es. Und Du hast ja Deine Auffassung wieder
durch Worte ersetzt. Was die Klammern
bedeuten, wird sich in ihrem Gebrauch zeigen &,
in anderm Sinn, liegt es etwa im Aspekt (gese
henen Rhythmus) des Gesichtseindrucks von
“~(~p)”.
     

   Soll ich nun sagen: die Bedeutung Bedeutungen von “non”
Ms-115,63


63
& “ne” sei seien etwas verschieden? Sie seien ver-
schiedene Abarten der Verneinung? — Das wür-
de niemand sagen. Denn, würde man
einwenden, heißt dann “geh nicht in
dieses Zimmer!” <(>etwa<)> am Ende vielleicht nicht ganz genau dasselbe,
wenn ich “nicht nicht <p”> als Bejahung gebrau-
che
//Denn, würde man einwenden heißt
denn “geh nicht in dieses Zimmer!”
wenn
wir die Regel aufstellen “nicht nicht”
solle verneinen als Verneinung gebraucht
werden & nicht als Bejahung? — Dagegen
aber möchte man einwenden: “Wenn d[er|ie] <beiden>
S[a|ä]tz<e> ’geh nicht in dieses Zimmer’ dasselbe heißt
wie
“ne p“ und “non p“ ˇganz dasselbe sagen, wie kann dann “ne ne” nicht dasselbe bedeuten
wie “non non”? Aber hier setzen wir eben einen
Symbolismus voraus, d.h., nehmen ihn zum
Vorbild, in welchem aus ne p = non p folgt,
daß die beiden Wörter in allen Fällen gleich
verwendet werden.

    Die Drehung um 180˚ & die [N|V]erneinung
sind im besonderen Fall tatsächlich
dasselbe, & die Anwendung des Satzes
~~p = p von der Art der Anwendung einer
Geometrie.
     


Denken wir, ich fragte: Zeigt es sich uns
klar, wenn wir die Sätze aussprechen
“dieser Stab ist 1 m lang” & “hier steht
1 Soldat”, daß wir mit ‘1’ verschiedenes
meinen, daß ‘1’ verschiedene Bedeutungen
hat? — Es zeigt sich uns gar nicht.
Besonders Gar, wenn wir etwa einen Satz sagen ˇwie: “auf der Fläche
“auf je 1 m steht 1 Soldat, auf 2 m 2 Soldaten usw.”
Ms-115,64


654
Gefragt “meinst Du dasselbe mit den
beiden Einsern” würde man etwa antwor-
ten: “freilich meine ich dasselbe: — eins!” (wo-
bei man <(>etwa<)> einen Finger in die Höhe hebt).
     


Was meint man damit: ‘ne ne p’, auch wenn
es, nach dem Übereinkommen, ‘ne p’ bedeutet,
könnte auch als aufgehobene Verneinung
gebraucht werden? — Man möchte sagen:
“‘ne’ könnte, mit der Bedeutung, die
man wir ihm gegeben hat haben, ˇkönnte sich selbst
aufheben, wenn wir es nur richtig
applizieren anwenden.” Was meint man damit?
(Die beiden halben Drehungen ˇin der gleichen Richtung könnten
einander aufheben, wenn sie richtig entsprechend zu-
sammengesetzt würden.) “Die Bewegung
der Verneinung ‘ne’ kann ist im Stande sich selbst
aufˇzuheben”. Aber wo ist diese Bewegung?
Man möchte natürlich von einer geisti-
gen Bewegung der Verneinung reden, zu
deren Ausführung das Zeichen ‘ne’ nur
das Signal ist gibt.
     


   [Denk an andere Mittel der Verneinung, etwa durch die Tonhöhe.]
Wir können uns ganz leicht Menschen
mit einer ‘primitiveren’ Logik mit ‘primitiverer’ Logik denken, in der
es etwas unserer Verneinung entsprechen-
des nur für gewisse Sätze gibt; für solche
etwa, die keine Verneinung enthalten. In
dieser der Sprache ˇdieser Menschen könnte man dann einen Satz
wie “er geht in dieses Haus” verneinen; würde
man ˇihnen aber einem von ihnen einen Satz sagen in
welchem zwei
sie würden aber eine Verdopplung
der Verneinung immer nur als Wiederholung
Ms-115,65


65
der Verneinung nie als ihre Aufhebung
verstehen.
     

Zu fragen Die Frage, ob für diese Menschen
die Negation Verneinung dieselbe Bedeutung hat, wie
für uns wäre dann analog der, ob die
Ziffer ‘2’ für Menschen deren Zahlenreihe nur
bis 5 geht
// mit 5 endigt// dasselbe bedeu
tet wie für uns.
     


  Wer “~~p = p” (oder auch “~~p ≡ p”) einen
“notwendigen Satz der Logik” nennt<(>, aber und
nicht geneigt ist, ihn eine Bestimmung
über die von uns angenommene Darstellungs-
art<)> zu nennen, der hat auch <die> Tendenz zu
sagen, dieser Satz gehe aus der Bedeu-
tung der Verneinung hervor. Wenn in einer
dialektischenc Redeweise ˇdes Dialekts die doppelte Vernei-
nung als Verneinung gebraucht wird, wie
in “er hat nirgends nichts gefunden”, so
sind wir geneigt zu sagen: eigentlich heiße
das, er habe überall etwas gefunden. Überlegen
wir was dieses “eigentlich” heißt! —
     


 Unser Problem könnte man sehr klar so
stellen: Angenommen wir hätten zwei Systeme
der Längenmessung; eine Länge wird in beiden
durch ein Zahlzeichen ausgedrückt<,> , & ihm diesem folgt
ein Wort, welches das Maßsystem bezeichnet. angibt.
Das eine System bezeichnet eine Länge als
“n Fuß” & Fuß ist eine Längeneinheit im gewöhn-
lichen Sinne; im andern System wird eine
Länge mit “n W” bezeichnet & 1 Fuß = 1 W. Aber
Ms-115,66


66
2 W = 4 Fuß, 3 W = 9 Fuß, u.s.w.. — Also heißt der
Satz “dieser Stock ist 1 W lang” dasselbe wie,
“dieser Stock ist 1 Fuß lang”. Frage: Hat in
diesen beiden Sätzen “W” & “Fuß” dieselbe Be-
deutung?
     

  Die Frage ist falsch gestellt. Das sehen
wir, wenn wir sieht man, wenn wir … Bedeutungsgleichheit durch
eine Gleichung ausdrücken. Die Frage kann
dann nur lauten: “ist W = Fuß, oder nicht?” —
die Die Sätze, in denen diese Zeichen stehen, verschwin-
den in dieser Betrachtung. — Ebensowenig
kann man natürlich in dieser Termino-
logie fragen “ist, ob “ist” das gleiche bedeutet
wie “ist”; wohl aber, ob “ε“ die Copula das gleiche bedeu-
tet wie “=“ das Gleichheitszeichen. Nun, wir sagten ja: 1 Fuß = 1 W;
— aber Fuß ≠ W.
     


 Unsere Schwierigkeiten können gelöst
werden; & sie brauchen zu ihrer Lö-
sung nicht neuer & feine Entdeckungen,
tiefer dringende Analysen & dergleichen,
so<n>dern eine Zusammenstellung der rich-
tigen Beispiele. < (Das erlösende Wort.) >
     


Wenn man sagt “ne ne p” könnte auch
als aufgehobene Verneinung gebraucht werden,
so soll das doch wohl heißen, daß der
Kalkül mit ˇder Regel ne ne p = p sich ganz in einen
mit der Regel ne ne p = ne p übersetzen läßt.
     

Hat nun “ne” dieselbe Bedeutung wie “non”?
— Kann ich “ne” statt “non” setzen? — “Nun, an
Ms-115,67


67
gewissen Stellen ja wohl, an andern nicht.” — Aber
danach fragte ich nicht. Meine Frage war:
kann man, ohne weitere Qualifikation
ne statt non gebrauchen? — Nein.
     


“‘ne’ & ‘non’ heißen in diesem Fall genau
dasselbe.”. — Und zwar, wasc? “Nun, man
solle das & das nicht tun.” Aber hier damit hast
Du ja nur gesagt, daß in diesem Fall
ne p = non p ist & das läugnen wir <(>ja<)> nicht.

    Wenn Du erklärst ne ne p = ne p,
non non p = p, so gebrauchst Du die bei-
den Wörter eben in verschiedener Weise; & hält
man dann an der Auffassung fest, daß, was
sie in gewissen Kombinationen ergeben von ihrer
Bedeutung ‘abhängt’, der Bedeutung, die
sie mit sich herumtragen, dann muß
man also sagen, sie müssen verschiedene
Bedeutungen haben, wenn sie, auf glei-
che Weise zusammengesetzt verschiedene
Resultate ergeben können. | D.h., man
muß dann sagen: ne ne p kann nicht
etwas Anderes ergeben als non non p wenn
die Bedeutungen von “ne” & “non” wirklich
dieselben sind.
Und wir drücken das
nur anders aus.
c
     


Man möchte etwa von der Funktion des
Wortes in diesem Satz reden. Aber worin besteht
diese Funktion? Wie tritt sie zu Tage? Denn
es ist ja nichts verborgen; , wir sehen ja den ganzen
Satz! Die Funktion muß sich im Kalkül //im
Laufe des Kalküls// zeigen.
Ms-115,68


68
   Man will ˇnun aber sagen: “[|]non[|] tut dasselbe
mit ‘p’, was ‘ne’ tut, — es kehrt ihn um”.
Aber das sind nur andere Worte für
“non p = ne p” (welches was nur stimmt gilt, wenn
“p” nicht selbst selbst ein verneinter Satz ist). Immer
wieder der Gedanke, daß, was wir vom Zei-
chen sehen nur eine Außenseite zu einem
Innern ist, worin sich die eigentlichen
Operationen Prozesse des Sinnes & der Bedeutung abspie-
len //die [E|e]igentlichen Operationen der Meinung
abspielen//.
     


  Ist es nun nicht merkwürdig, daß ich
sage das Wort “ist” werde in zwei ver-
schiedenen Bedeutungen (als ‘ε’ & ‘=’) gebraucht,
& nicht sagen möchte, seine Bedeutung
bestehe darin, daß es wie ‘ε’ & wie ‘=’ ge
braucht werde? sei sein Gebrauch als ‘ε’ & ‘=’? //seine Bedeutung sei sein
Gebrauch als ‘ε’ & als ‘=’?//

   Man will möchte sagen diese beiden Arten des
Gebrauchs geben nicht eine Bedeutung; sie
die Personalunion durch das gleiche Wort
sei ist ein bloßer unwesentlicherc Zufall.
     

  Aber wie kann ich entscheiden, welches
ein wesentlicher & welches ein unwesent-
licher<,> ˇzufälliger Zug der Notation ist? Liegt den<n> eine
Realität hinter der Notation nach der
sich ihrec Strukturc Grammatik richtet?

    Denken wir an einen ähnlichen Fall im
Spiel: Im Damespiel wird eine Dame dadurch
gekennzeichnet, daß man zwei Spielsteine auf-
einanderlegt. Wird man nun nicht sagen, daß es
es sei für das Spiel unwesentlich ist , daß … eine
Ms-115,69


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Dame aus zwei Steinen besteht?
     


 Sagen wir: die Bedeutung eines Steines (einer
Figur) ist ihre Rolle im Spiel. — Nun werde
vor Beginn einer jeder Schachpartie immer
durch das Los entschieden ˇwelcher der Spieler wer [w|W]eiß
erhält<.> indem man die der eine die beiden
Schachkönige
Dazu halte der ein<e> ˇder Spieler in jeder ˇgeschlossenen Hand einen
Schachkönig hält & der andere wähle ˇauf gut Glück eine der beiden
Hände<.>