Title:  [Work in progress] (2009-): Wittgenstein MS 115: Ms-115.xml - Normalized edition
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Author:  Ludwig Wittgenstein
Editor:   Alois Pichler
Organization: Wittgenstein Archives at the University of Bergen (WAB)
Funders & Partners:   Trinity College, Cambridge; Oxford University Press, Oxford; InteLex Corporation, Charlottesville; Uni Research, Bergen; University of Bergen, Bergen; L. Meltzers Høyskolefond, Bergen; COST Action A32, Brussels; eContent+ DISCOVERY, Luxembourg
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Rights:  Copyright holders: The Master and Fellows of Trinity College, Cambridge; Oxford University Press, Oxford; University of Bergen, Bergen. Released under the Creative Commons General Public License Attribution, Non-Commercial, Share-Alike version 3 (CCPL BY-NC-SA).
Source:  The text has not been proofread since the production of the Bergen Electronic Edition (2000), though some corrections have been made.



     

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     Dieses Buch kann allerdings gekürzt werden, aber es ist sehr schwer es richtig zu kürzen. Diese Bemerkung bezieht sich nicht auf den “Versuch einer Umarbeitung”.








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     Philosophische       Bemerkungen      

     XI.
      Fortsetzung von Band X.













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14.12.33.
     Das Bild sagt mir also sich selbst.
     Und daß es mir etwas sagt wird etwa darin bestehen, daß ich in ihm Gegenstände in irgend einer charakteristischen Gruppierung wiedererkenne. (Wenn ich sage: “ich sehe in diesem Bild einen Tisch”, so charakterisiert das, wie gesagt, das Bild in einer Weise, die nichts mit der Existenz eines ‘wirklichen’ Tisches zu tun hat. “Das Bild zeigt mir einen Würfel”, kann z.B. heißen: es enthält die Form 115001.)

     

     Wir sind geneigt zu denken, es gäbe ein bestimmtes Phänomen des Wiedererkennens, das Ding als das zu erkennen. Aber als was? Als das, welches diesen Namen hat? oder so gebraucht wird? Denn ‘das Ding als sich selbst erkennen’ heißt nichts. Die Idee, die uns da vorschwebt, ist die des Vergleichs zweier Bilder; es ist als trügen wir ein Bild des Gegenstandes mit uns herum, & wir erkennen einen Gegenstand als den, welchen das Bild darstellt| zeigt. Es ist uns so, als ob unser Gedächtnis so einen Vergleich vermittelte; indem es uns ein Bild des früher Gesehenen aufbewahrt oder uns erlaubt in die Vergangenheit zu sehen| schauen, sodaß| daß wir das was uns das Gedächtnis zeigt, mit dem gegenwärtig Gesehenen vergleichen können. Aber wenn wir die Gegenstände die uns umgeben & die wir unzählige Male gesehen
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haben nicht als fremde sondern als wohlvertraute behandeln, ja sogar wenn wir auf eine Frage antworten “ja, diesen Tisch kenne ich wohl, ich sehe ihn täglich”, so geht hier kein Vergleich zweier Eindrücke (eines Erinnerungsbildes & der Wirklichkeit) vor sich.

     

      Ich leugne natürlich nicht, daß es Phänomene des Wiedererkennens gibt (Wenn wir, z.B., sagen: “das ist dasselbe Kästchen, das ich vor Jahren dort gesehen habe”) auch nicht, daß unter den Phänomenen , die wir “Wiedererkennen” nennen, das| dasjenige ist, ein Vorstellungsbild mit der Wirklichkeit zu vergleichen.| Wenn man mich fragt: “hast Du Deinen Schreibtisch wiedererkannt, wie Du heute morgen in Dein Zimmer getreten bist?” so würde ich wohl sagen “gewiß!” und doch ist es irreführend, das was sich da abgespielt hat ein “Wiedererkennen” zu nennen. Gewiß, der Schreibtisch war mir nicht fremd, ich war nicht überrascht ihn zu sehn, wie ich es gewesen wäre wenn ein andrer dagestanden hätte oder ein fremdartiger Gegenstand.
     

     
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     “Was heißt es: ‘dieser Gegenstand ist mir wohlbekannt?” — “Nun, ich weiß daß er ein Tisch ist.” Das kann aber alles mögliche heißen, u.a.: “ich weiß, wie er gebraucht wird”, “ich weiß er sieht wie ein Tisch aus, wenn man ihn aufklappt”, “ich weiß, daß man das einen ‘Tisch’ nennt”.
     

Was ist das Wesen des ‘Wohlbekanntseins’? Worin besteht es, daß ein Anblick mir wohlbekannt ist? (Schon diese Frage ist eigentümlich; sie klingt nicht wie eine grammatische Frage.)
     Ich möchte sagen: “Ich sehe was ich sehe. Und die Wohlbekanntheit kann nur darin liegen, daß ich in dem Anblick ruhe.

     

     “Ich sehe, was ich sehe”, das sage ich darum, weil ich nicht benennen will, was ich sehe. Ich will nicht sagen, “ich sehe eine Blume”, denn das setzt ein Sprachübereinkommen voraus & meine Ausdrucksweise will sich nicht auf die Geschichte des Eindrucks beziehen.
     

      Ja, wenn ich sage das Wohlbekanntsein bestehe darin,
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ich sehe eine Blume, so wende ich die Sache nun so| sehe ich die Sache nun so an: das Aussprechen der Worte des Erkennens “das ist eine Blume” ist eine Reaktion auf den Anblick; man kann aber nicht sagen, es sei das Kriterium des Erkennens, daß ich den Gegenstand richtig benenne; vielmehr muß es nun heißen, das Erkennen ist dadurch charakterisiert, daß ich bei dem Anblick des Gegenstandes eine Lautverbindung, etwa mit gewissen Empfindungen, ausspreche. Denn daß diese Lautverbindung das richtige deutsche Wort ist, ja überhaupt ein Wort einer bestehenden| existierenden Sprache, liegt nicht in der Erfahrung beim Aussprechen.

     

     Das Wohlbekanntsein bestehe darin, daß ich erkenne: was ich sehe sei eine Blume. Ich sage nun: Das Aussprechen der Worte “das ist eine Blume” ist die Reaktion des Erkennens; aber das Kriterium des Erkennens ist nicht, daß ich den Gegenstand richtig benenne, sondern daß ich bei seinem Anblick eine Lautverbindung mit bestimmtem Erlebnis ausspreche. Denn daß die Lautverbindung das richtige deutsche Wort ist, oder überhaupt ein Wort einer bestehenden Sprache liegt nicht in dem Erlebnis beim Aussprechen.
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      “Wohlbekannt ist das, wovon ich weiß, was es ist”.

     

     Ich will alles ‘Geschichtliche’ aus meiner Betrachtungsweise des Bekanntseins ausschalten. Es bleiben dann Eindrücke (Erlebnisse, Reaktionen), & auch wo die Sprache in unsere Erfahrungen eintritt betrachten wir sie nicht als bestehende Einrichtung.
     

Die Multiplizität des Wohlbekanntseins, wie ich es verstehe, ist also die des Ruhens in einem Anblick. Es könnte darin bestehen daß mein Blick auf dem Gegenstand nicht unruhig (suchend) umherschweift, daß ich den Aspekt des Gesehenen nicht wechsle sondern mich in einem Aspekt niederlasse & bleibe.| sogleich einen Aspekt ergreife & festhalte.
     

     Ich sehe das Bild eines dicken Rockes & habe ein Gefühl der Wärme & Behaglichkeit, ich sehe das Bild einer winterlichen Landschaft & friere. Diese Reaktionen, könnte man sagen, sind durch frühere Erfahrung gerechtfertigt. Aber wir bekümmern uns jetzt nicht um die Geschichte unserer Erfahrungen & also auch nicht um eine solche Rechtfertigung.
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     Niemand wird sagen, daß jedesmal wenn ich in mein Zimmer komme, in die altgewohnte Umgebung, sich ein Wiedererkennen alles dessen was ich sehe, & hunderte Male gesehen habe, abspielt.

     

     Wenn wir an unser Verstehen eines Bildes etwa eines Genrebildes denken, so sind wir vielleicht geneigt anzunehmen, daß es da ein bestimmtes Phänomen des Wiedererkennens gibt & wie die gemalten Menschen als Menschen, die gemalten Bäume als Bäume erkennen, etc.
     Aber vergleiche ich denn beim Anblick eines Genrebildes die gemalten Menschen mit wirklichen, etc.?
     Soll ich also sagen ich erkenne die gemalten Menschen als gemalte Menschen? Und also auch die wirklichen Menschen als wirkliche?

     

     Freilich gibt es ein| das Phänomen des Erkennens, wenn wir, etwa nach einem Vorgang des Suchens, eine Zeichnung als Darstellung eines Menschen erkennen; aber was sich hier abspielt geschieht eben nicht, wenn ich die Zeichnung sogleich als Darstellung eines Menschen sehe.
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      Das Bild einer menschlichen Gestalt sowie die menschliche Gestalt selbst sind uns wohlvertraute Gegenstände. Von einem Wiedererkennen aber ist hier keine Rede.

     

     Von den Vorgängen, die man “Wiedererkennen” nennt haben wir leicht einen falschen Begriff; als bestünde das Wiedererkennen immer darin daß wir zwei Eindrücke miteinander vergleichen. Es ist als trüge ich ein Bild eines Gegenstandes bei mir & agnoszierte danach einen Gegenstand als den, welchen das Bild darstellt. Unser Gedächtnis scheint uns so einen Vergleich zu vermitteln, indem es uns ein Bild des früher Gesehenen aufbewahrt oder uns erlaubt (wie durch ein Rohr) in die Vergangenheit zu blicken.
     

In den meisten Fällen des Wiedererkennens findet kein solcher Vergleich statt.
     Jemand kommt mir auf der Gasse entgegen dessen Gesicht meinen Blick auf sich zieht; vielleicht frage ich mich “wer ist das?”; plötzlich ändert sich der Aspekt des Gesichtes in bestimmter Weise, “es wird mir bekannt”; ich lächle gehe auf ihn zu & begrüße ihn beim Namen; jetzt reden wir von der vergangenen Zeit & dabei schwebt mir vielleicht auch ein Erinnerungsbild von ihm vor,
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ich sehe ihn in einer bestimmten Situation.

     

     Man sagt vielleicht: hätte ich nicht sein Bild in der Erinnerung bewahrt, so könnte ich ihn nicht erkennen. Aber hier gebraucht man eine Metapher, oder man spricht eine Hypothese aus.
     

     Man könnte sagen: “der Anblick war erinnerungsbetont”.
     

     Man sagt auch: “wir könnten Worte gar nicht gebrauchen, wenn wir nicht sie & die Gegenstände die sie bezeichnen wiedererkennten”. Wenn wir die Farbe Grün nicht als solche wiedererkennten (wohl wegen Mangels an Gedächtnis), so könnten wir also das Wort “Grün” nicht anwenden. Aber haben wir denn irgend eine Kontrolle dieses Wiedererkennens, so daß wir wissen daß es wirklich ein Wiedererkennen ist? Wenn wir von einem Wiedererkennen reden, so meinen wir, daß wir etwas als das erkennen, was es, nach andern Kriterien, wirklich ist. “Erkennen” heißt: erkennen, was ist.
     

     Die Wohlbekanntheit bestätigt den Aspekt| Anblick ohne ihn aber mit etwas Anderem zu vergleichen. Sie stempelt ihn gleichsam ab.
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     Anderseits möchte ich sagen: “was ich hier vor mir sehe, ist doch nicht irgend eine Form, die ich auf bestimmte Weise sehe, sondern es sind eben meine Schuhe, die ich kenne. Aber hier bekämpfen sich eben zwei Ausdrucksweisen.

     

     Diese Form, die ich sehe — möchte ich sagen — ist nicht einfach eine Form, sondern sie ist eine von den mir bekannten Formen; sie ist eine im vorhinein ausgezeichnete Form. Sie ist eine von den Formen deren Bild schon früher in mir war & nur weil sie so einem Bild entspricht, ist sie die wohlbekannte Form. (Ich trage gleichsam einen Katalog solcher Formen mit mir herum & die Gegenstände die dort abgebildet sind, sind dann die wohlbekannten.)
     

     Aber daß ich das Bild schon früher mit mir herumgetragen habe wäre nur eine kausale Erklärung des gegenwärtigen Eindrucks. Es ist, als sagte man: diese Bewegung geht so leicht, als wäre sie eingeübt worden.
     Und es ist ja nicht so sehr als vergliche ich den Gegenstand mit einem neben ihm stehenden Bild sondern als deckte er sich mit dem Bild. Ich sehe also nur Eines & nicht zwei.

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     Man sagt: “dieses Gesicht hat einen ganz bestimmten Ausdruck”, & sucht etwa nach Worten, die ihn charakterisieren.
     

     Hier ist es leicht in jene Sackgasse des Philosophierens zu geraten, wo man glaubt die Schwierigkeit der Aufgabe liege darin, daß schwer Erhaschbares| erhaschbare Erscheinungen, die schnell entschlüpfende gegenwärtige Erfahrung, oder dergleichen, von uns beschrieben werden sollten. Wo die gewöhnliche Sprache uns zu roh erscheint; & es scheint als haben wir es nicht mit den Phänomenen zu tun, von denen der Alltag redet, sondern “mit den leicht entschwindenden, die mit ihrem Auftauchen & Vergehen jene ersteren annähernd erzeugen”.
     

Und da muß man sich daran erinnern, daß alle die Phänomene, die uns nun so merkwürdig vorkommen, die ganz gewöhnlichen sind, die, wenn sie geschehen, uns nicht im geringsten auffallen. Sie kommen uns erst in der seltsamen Beleuchtung merkwürdig vor, die wir nun auf sie werfen, wenn wir philosophieren.
     

“Das Bild sagt mir sich selbst”, möchte ich sagen. D.h., daß es mir etwas sagt, besteht in seiner eigenen
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Struktur in seinen Formen & Farben.
     So ein Fall wäre es z.B., wenn “es sagt mir etwas” oder “es ist ein Bild” hieße: es zeigt irgend eine Kombination von Würfeln & Zylindern.

     

     “Es sagt mir etwas” kann heißen: es erzählt mir etwas, es ist eine Erzählung.
     

     Es sagt mir sich selbst, wie ein Satz, eine Erzählung mir sich selbst sagt.
     

     Ist denn der Begriff des erzählenden Bildes nicht ähnlich dem des Genrebildes (oder Schlachtenbildes). Und wenn ich beschreiben wollte, was ein Schlachtenbild ist, so brauchte ich mich nicht auf eine Realität außerhalb des Bildes zu beziehen sondern nur von gemalten Menschen, gemalten Pferden, gemalten Kanonen etc. zu reden.
     

“Das Bild sagt mir etwas”: es gebraucht, sozusagen, Worte; hier sind Augen, Mund, Nase, Hände, etc. etc.. Ich vergleiche das Bild mit einer Kombination sprachlicher Formen.
     

Aber das System der Sprache ist nicht von der Kategorie eines Erlebnisses. Das typische Erlebnis beim Gebrauch eines Systems nicht das System.
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(Vergleiche: Bedeutung des Wortes “oder” & Oder-Gefühl.)

     

     “Jetzt sagt mir diese Zeichenfolge etwas; früher, ehe ich die Sprache lernte, hat sie mir nichts gesagt”. Nehmen wir an wir meinten| meinen damit, daß der Satz jetzt mit einem bestimmten Erlebnis gelesen wird. Gewiß, diese Zeichenfolge hat, ehe ich die Sprache verstehen lernte, nicht diesen Eindruck gemacht. Der Eindruck ist natürlich, wenn wir vom Kausalen absehen vom System der Sprache ganz unabhängig. — Und nun wehrt sich etwas in mir dagegen, zu sagen: daß der Satz etwas sagt, besteht darin, daß er mir diesen Eindruck macht.
     “Etwas ist ein Satz nur in einer Sprache”, will ich sagen.

     

     ‘Sprache’, das sind doch die Sprachen. Auch solche die ich nach Analogie bestehender erfinde. Die Sprachen sind Systeme.
     

“Ein Satz ist ein Satz einer Sprache”. Aber das heißt eben: “Sätze” nenne ich Glieder der Sprachen.
     

Aber achten wir auf den Gebrauch des Wortes “deutsche Sprache”, sonst fragen wir etwa: “Was ist die Sprache? alle ihre Sätze die je
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gesprochen worden sind? die Klasse ihrer Regeln & Wörter ? etc. etc.”. Was ist das System? Wo ist es? Was ist das Schachspiel? alle Partien? Das Regelverzeichnis?

     

Satz ist das Glied einer Sprache”. “Es ist doch offenbar die Kombination von Wörtern die auch anders kombiniert werden könnten| können, was den Satz ausmacht”. D.h. aber: was ihn für mich ausmacht. So betrachte ich die Sprache.
     

Wir wollen eben auf das System der Sprache achten.
     

     Gewiß, ich lese eine Geschichte & kümmere mich den Teufel um ein System der Sprache. Ich lese einfach, habe Eindrücke, sehe Bilder vor mir, etc.. Ich lasse die Geschichte an mir vorüberziehen wie Bilder, wie eine Bildergeschichte. (Damit will ich natürlich nicht sagen, daß jeder Satz in mir ein visuelles Bild oder mehrere hervorruft, & daß das etwa der Zweck eines| des Satzes sei.)
     

     Denken wir uns eine Bildergeschichte in schematischen Bildern, also ähnlicher der Erzählung in einer Sprache als eine Folge realistischer Bilder. Man könnte in so einer Bildersprache etwa insbesondere den Gang von Schlachten festgehalten haben. (Sprachspiel.) Und ein Satz unserer Wortsprache kommt so einem Bild dieser Bildersprache viel näher als man meint.
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     Denken wir auch daran, wie| daß wir uns solche Bilder [115002] nicht erst in realistische übertragen, um sie zu ‘verstehen’, sowenig wir uns je Photographien oder die Bilder des Films in färbige Bilder übertragen obwohl uns schwarz-weiße Menschen oder Pflanzen etc. in der Wirklichkeit unsagbar fremd & schrecklich vorkämen.
     Wie, wenn wir nun hier sagten: “ein Bild ist etwas nur in einer Bildersprache”?

     

     Ein Satz einer Erzählung gibt uns dieselbe Befriedigung, wie ein Bild.
     

Wir können uns (anderseits) eine Sprache denken, in deren Verwendung der Eindruck, den ein Zeichen uns macht,|, den wir von den Zeichen erhalten, keine Rolle spielt; in der es ein Verstehen im Sinne eines solchen Eindrucks nicht gibt.|//; in der ein Verstehen im Sinne eines solchen Eindrucks nicht in Frage kommt.// Die Zeichen werden uns etwa geschrieben übermittelt & wir können sie uns nun merken. ( D.h. der einzige Eindruck von dem da die Rede ist, ist das Bild des Zeichens.) Wenn es nun ein Befehl ist, so übertragen wir nach Regeln, Tabellen, das Zeichen in Handlung. Zum Eindruck ähnlich dem eines Bildes kommt es gar nicht & man schreibt auch nicht Geschichten in dieser Sprache. Es gibt
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aber etwa eine Art Unterhaltungslektüre, die darin besteht, daß man gewisse Zeichenfolgen in Körperbewegungen übersetzt die eine Art Tanz bilden. (Vergleiche die Bemerkung über Verstehen & Chiffre.)

     

     Es wäre natürlich auch denkbar, daß wir einen Satz der Wortsprache, um von ihm einen Eindruck zu erhalten, nach Regeln in ein gezeichnetes Bild übertragen müßten. (Daß erst dies Bild eine Seele hätte.)
     

(Ich könnte meinem Schüler sagen: Du wirst anders denken, wenn Du durch diese Übungen gegangen bist.)
     

In diesem Fall könnte man wirklich sagen: “Die Zeichenfolge ist tot ohne das System”. | //“Das Zeichen lebt nur im System.”//

     

Aber auch in unserer gewöhnlichen Sprache können wir von dem Eindruck des Satzes oft ganz absehen & wichtig ist nur, wie wir mit dem Satz operieren. (Freges Auffassung der Logik.)
     

     “Es gibt keinen alleinstehenden Satz”. Denn was ich “Satz” nenne ist eine Spielstellung in einer Sprache.
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     Ist das Verwirrende nicht, daß ich eine Spielstellung betrachten kann so genau ich will, aber dadurch nicht herausfinde, daß es eine Spielstellung ist? Es verwirrt uns hier etwas in| an der Grammatik des Wortes “Spielstellung”.
     

     Das Denken heißt eine Tätigkeit, wie das Rechnen. Niemand würde Rechnen einen Zustand nennen, oder Schach spielen.
     

     Denken wir uns eine Art Vexierbild, worin nicht ein bestimmter Gegenstand aufzufinden ist, sondern das uns auf den ersten Blick als ein Gewirr nichtssagender Striche erscheint & nach einigem Suchen erst als, sagen wir, ein Landschaftsbild. — Worin besteht der Unterschied zwischen dem Anblick des Bildes vor & nach der Lösung| //Auflösung//. Daß wir es beide Male anders sehen ist klar. Inwiefern aber kann man nach der Auflösung sagen, jetzt sage uns das Bild etwas, früher habe es uns nichts gesagt?
     

     Wir können diese Frage auch so stellen: Was ist das allgemeine Charakteristikum dafür, daß die Lösung gefunden ist?
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           Ich will annehmen, daß ich, sobald es gelöst ist, die Lösung dadurch darstelle| kenntlich mache, daß ich gewisse Striche des Vexierbildes stark nachziehe & etwa Schatten eintrage. Warum nennst Du nun das Bild das Du eingezeichnet hast eine Auflösung?
     a) Weil es die klare Darstellung einer Gruppe räumlicher Gegenstände ist.
     b) Weil es die Darstellung eines regelmäßigen Körpers ist.
     c) Weil es eine symmetrische Figur ist.
     d) Weil es eine Figur ist die mir einen ornamentalen Eindruck macht.
     e) Weil es die Darstellung eines Körpers ist der mir bekannt vorkommt.
     f) Weil es eine Liste von Auflösungen gibt & diese Figur (dieser Körper) auf der Liste steht.
     g) Weil es eine Art von Gegenstand darstellt, die ich wohl kenne: denn er macht mir den augenblicklichen Eindruck der Wohlbekanntheit, ich verbinde augenblicklich alle möglichen Assoziationen mit ihm, ich weiß, wie er heißt, ich weiß, daß ich ihn oft gesehen habe, ich weiß, wozu man ihn gebraucht, etc. etc.
     h) Weil es ein Gesicht darstellt, welches mir bekannt vorkommt.
     i) Weil es ein Gesicht darstellt welches ich erkenne: α) es ist das Gesicht meines Freundes so & so β) es ist ein Gesicht welches ich oft abgebildet gesehen habe. etc.
     k) Weil es einen Gegenstand darstellt,
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den ich mich erinnere, einmal gesehen zu haben.
     l) Weil es ein Ornament ist das ich gut kenne (obwohl ich nicht weiß, wo ich es gesehen habe).
     m) Weil es ein Ornament ist das ich gut kenne: ich kenne seinen Namen, weiß wo ich es schon gesehen habe.
     n) Weil es einen Einrichtungsgegenstand meines Zimmers darstellt.
     o) Weil ich instinktiv diese Striche nachgezogen habe & mich nun beruhigt fühle.
     p) Weil ich mich erinnere, daß mir dieser Gegenstand beschrieben worden ist.
     g1) Weil ich den Gegenstand wohl zu kennen meine| //scheine//: es fällt mir sogleich ein Wort als sein Name ein (obwohl das Wort keiner bestehenden Sprache angehört), ich sage mir: “natürlich das ist ein α wie ich es oft in β gesehen habe. Man γt damit die δ bis sie εen.” So etwas kommt z.B. im Traum vor.
             u.s.w.

     

     (Wer nicht versteht, warum wir über diese Dinge reden, muß, was wir sagen, als leere Spielerei empfinden.)
     

     Der Eindruck ist Eins, & die Bestimmtheit des Eindrucks etwas Anderes.
     Was ich den Eindruck der Wohlbekanntheit nenne hat die Multiplizität
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einer Bestimmtheit.

     

     Wir können in ein menschliches Gesicht schauen das wir genau kennen ohne irgend einen Eindruck zu erhalten| haben, sozusagen ganz stumpfsinnig; & von da bis zu einem starken Eindruck gibt es alle Stufen.
     

      Denken wir uns der Anblick eines Gesichts brächte einen starken Eindruck auf uns hervor| ergriffe uns stark es flößt uns etwa Furcht ein. Soll ich dann sagen: vor allem muß da ein| der Eindruck der Wohlbekanntheit sein| statthaben, die Form des menschlichen Gesichts als solche muß mir den Eindruck der Bekanntheit machen; & zu diesem Eindruck kommt nun der der Furcht. — Ist es nicht so, daß, was ich den Eindruck der Artbekanntheit nenne, ein Charakteristikum eines jeden starken Eindrucks ist den ein Gesicht auf mich macht. Etwa das Charakteristikum der Bestimmtheit. Ich sagte ja der Eindruck der Wohlbekanntheit bestehe etwa darin daß wir in einem Anblick ruhen, den Aspekt nicht wechseln & dergleichen.
     

     Kann ich mir den Eindruck der individuellen Bekanntschaft wegdenken, wo er ist, & hinzudenken wo er nicht ist? Und was heißt das? Ich sehe
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z.B. das Gesicht eines Freundes an & frage mich: wie schaut dieses Gesicht aus wenn ich es als ein mir unbekanntes Gesicht sehe (als sähe ich es etwa jetzt zum ersten Mal)? Was bleibt sozusagen von dem Anblick des Gesichts wenn ich den Eindruck der Bekanntheit wegdenke, abziehe? — Hier bin ich nun geneigt zu sagen: “es ist sehr schwer die Bekanntheit von dem Eindruck des Gesichts zu trennen”. Aber ich fühle auch daß das eine irreführende Ausdrucksweise ist. Ich weiß nämlich gar nicht wie ich es auch nur versuchen soll diese beiden zu trennen. Der Ausdruck “sie trennen” hat für mich gar keinen klaren Sinn.
     Ich weiß was es heißt: “stelle Dir diesen Tisch vor aber schwarz, obwohl er braun ist” das heißt etwas Ähnliches wie: “male ein Bild dieses Tisches aber schwarz statt braun”; oder analog: “zeichne diesen Menschen aber mit längeren Beinen als er hat”.

     

     Wie, wenn man sagte: “denke Dir diesen Schmetterling, genau so wie er ist, aber häßlich statt schön”?!
     

      “Es ist sehr schwer … wegzudenken”: hier scheint es als handle es sich um eine psychologische Schwierigkeit, eine Schwierigkeit der Introspektion
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oder dergleichen. (Dies trifft für ein großes Gebiet von philosophischen Problemen zu: Denke an das Problem der genauen Wiedergabe, Beschreibung, des im Gesichtsfeld Gesehenen; an die Beschreibung der immer fließenden Erscheinung; auch daran: “wieviel Regentropfen siehst Du, wenn Du in den Regen schaust”.)
Vergleiche: “Es ist schwer diesen Tisch aus der Ferne bewegen zu wollen”.

     

Wir haben in diesem Fall nicht bestimmt, was es heißen soll sich die Wohlbekanntheit wegzudenken.
Es könnte etwa heißen, sich des Eindrucks zu entsinnen den ich hatte als ich das Gesicht zum ersten Male sah. Und hier wieder muß man wissen was es heißt zu “versuchen” sich an den Eindruck zu erinnern. Denn das hat mancherlei Bedeutung. Fragen wir uns: welche Tätigkeiten nennen wir “versuchen uns an etwas zu erinnern”; was tun wir wenn wir uns daran erinnern wollen was wir gestern zu Mittag gegessen haben; gibt es diese Methode auch für die frühen Kindheitserinnerungen eines Erwachsenen; kann man versuchen, sich an die eigene Geburt zu erinnern?

     

     Ich sage mir: ich will versuchen ein gedrucktes deutsches Wort anzuschauen und es so zu sehen als hätte ich nicht lesen gelernt & als seien
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die schwarzen Figuren auf dem Papier sonderbare Zeichnungen deren Zweck ich mir nicht denken kann, oder nicht ahne. Da geschieht nun dies, daß ich das gedruckte Wort nicht anschauen kann ohne daß mir das Lautbild des Wortes oder der Buchstaben die ich gerade anschaue vorschwebt.

     

      Eine zeichnerische Darstellung des Innern eines Radioempfängers wird für den der keine Kunde von solchen Dingen hat, ein Gewirr sinnloser Striche sein. Hat er aber den Apparat & seine Funktion kennengelernt so wird jene Zeichnung für ihn ein sinnvolles Bild sein.
     Gegeben nun eine bestimmte mir jetzt| Gegeben irgend eine mir jetzt … sinnlose körperliche Gestalt ( etwa im Bild), kann ich nach Belieben sie sinnvoll vorstellen? Das wäre, als fragte man: kann ich mir einen beliebig geformten Gegenstand | Körper als Gebrauchsgegenstand vorstellen? Aber zu was für einem Gebrauch?
     Nun man kann ja wenigstens eine Klasse von Körperformen sich methodisch als Wohnungen von Tieren oder Menschen denken. Eine andere Klasse als Waffen. Eine etwa als Modelle von Landschaften etc. etc.. Und hier weiß ich also, wie ich einer sinnlosen Form Sinn geben| //andichten// kann.

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     Wenn ich sage, dieses Gesicht hat den Ausdruck der Milde, Güte, Feigheit, so scheine ich nicht nur zu meinen daß wir die & die Gefühle mit dem Anblick des Gesichts assoziieren, sondern ich bin versucht zu sagen, daß das Gesicht ein Aspekt der Feigheit, Güte, etc., selbst ist. (Vergleiche z.B. Weininger.) — Man kann sagen: ich sehe die Feigheit in dieses Gesicht hinein (& könnte sie auch in ein anderes hineinsehen), aber jedenfalls scheint sie mit dem Gesicht nicht bloß assoziiert, äußerlich verbunden, sondern die Furcht hat die Multiplizität der Gesichtszüge. Und wenn sich z.B. die Züge ein wenig ändern, so können wir von einer entsprechenden Änderung der Furcht reden. Würden wir gefragt: “kannst Du Dir dieses Gesicht auch als Ausdruck des Mutes denken”, so wüßten wir, gleichsam, nicht, wie wir den Mut in diesen Zügen unterbringen sollten. Ich sage dann etwa: “Ich weiß nicht was das hieße, wenn dieses Gesicht ein mutiges Gesicht ist”. [Diesen Satz kann man nicht richtig stellen indem man statt “wenn” “daß” setzt, oder statt “ist” wäre”.] Aber wie sieht die Lösung so einer Frage aus? Man sagt etwa: “Ja, jetzt versteh' ich es;|: das Gesicht ist sozusagen gleichgültig gegen die Außenwelt”. Wir haben also Mut hineingedeutet. Der Mut, könnte man sagen, paßt jetzt wieder auf das Gesicht. Aber was paßt hier worauf?
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     Es ist ein verwandter Fall (obwohl es vielleicht nicht so scheinen möchte) wenn wir uns z.B. darüber wundern, daß die Franzosen nicht einfach sagen “der Mann ist gut” sondern ein attributives Adjektiv dorthin setzen, wo ein prädikatives stehen sollte; und wenn wir das Problem uns dann dadurch lösen daß wir sagen sie meinten “der Mensch ist ein guter”.

     

     Könnten verschiedene Deutungen eines Gesichtsausdrucks nicht darin bestehen, daß ich mir zu ihm jedesmal eine andere Fortsetzung| //eine andere Art| Weise der Fortsetzung// denke? So ist es gewiß oft. Ich sehe ein Bild das einen lächelnden Kopf darstellt. Was tue ich, wenn ich das Lächeln einmal als freundliches einmal als böses auffasse? Stelle ich es mir dann nicht in einer räumlichen & zeitlichen Umgebung vor die ich freundlich oder boshaft nenne? So könnte ich mir zu dem Bild vorstellen daß der Lächelnde auf ein spielendes Kind herniederlächelt oder aber auf das Leiden eines Feindes.
     Daran wird nichts geändert dadurch, daß ich mir auch die auf den ersten Blick liebliche Situation durch eine weitere Umgebung wieder anders deuten kann. Ein gewisses Lächeln werde ich, wenn keine besondern Umstände meine Deutung umstellen, als freundliches
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auffassen, ein freundliches nennen, entsprechend reagieren.


     

     Was heißt es: “Freundlichkeit in das Lächeln hineinlesen”?
     Es heißt vielleicht, ich mache ein dem lächelnden Gesicht auf eine bestimmte Weise koordiniertes Gesicht. Ich ordne etwa dem andern Gesicht meines in der Weise zu daß es den einen oder andern Zug des andern übertreibt.

     

Ein freundlicher Mund, ein freundliches Auge. Wie denkt man sich eine freundliche Hand? — Wahrscheinlich geöffnet & nicht als Faust. — Und könnte man sich die Haarfarbe des Menschen als Ausdruck der Freundlichkeit, oder des Gegenteils, denken? Aber, so gestellt, scheint dies| diese Frage zu fragen, ob uns das gelingen wird| //gelingen kann//. Die Frage soll| //sollte// lauten: Wollen wir etwas eine freundliche, oder unfreundliche Haarfarbe nennen? Wollen wir solchen Worten Sinn geben, so würden wir uns etwa einen Menschen denken dessen Haare dunkel werden, wenn er böse| zornig wird. Das Hineinlesen des bösen Ausdrucks in die dunklen Haare aber geschähe mittels einer schon fertigen Idee.
     Man kann sagen: das freundliche
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Auge der freundliche Mund, das Wedeln des Hundes sind unter anderm primäre & voneinander unabhängige Symbole der Freundlichkeit, ich meine damit: sie sind Teile der Phänomene die man Freundlichkeit nennt. Will man sich andere Erscheinungen als Ausdruck der Freundlichkeit denken so sieht man jene Symbole in sie hinein. Wir sagen “er macht ein finsteres Gesicht”; vielleicht weil die Augen durch die Augenbrauen stärker beschattet werden; & nun übertragen wir die Idee der Finsternis auf die Haarfarbe. Er macht finstere Haare. Fragte man mich ob ich mir einen Sessel mit freundlichem Ausdruck denken kann, so würde ich mir ihn gewiß vor allem mit einem freundlichen Gesichtsausdruck vorstellen wollen, ein freundliches Gesicht in ihn hineinlesen.

     

Ich sage: “dieses Gesicht (das zuerst den Eindruck der Furchtsamkeit macht) kann ich mir auch als ein mutiges denken”. Damit meinen wir nicht, daß ich mir vorstellen kann, wie jemand mit diesem Gesicht etwa einem Andern das Leben retten kann (das kann man sich natürlich zu jedem Gesicht vorstellen). Ich rede vielmehr von einem Aspekt des Gesichtes selbst. Was ich meine ist auch nicht, ich könne mir vorstellen, daß dieser Mensch sein Gesicht
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in ein mutiges, im gewöhnlichen Sinn, verändern kann| wird; wohl aber, daß es auf eine ganz bestimmte Art in ein solches übergehen kann. Die Umdeutung eines Gesichtsausdrucks ist aber| //wohl// zu vergleichen mit der Umdeutung eines Akkordes in der Musik, wenn wir ihn einmal als Überleitung in diese einmal in jene Tonart hören| //empfinden//. (Vergleiche auch den Unterschied Mischfarbe, Zwischenfarbe.)

     

Das hängt mit dem Gegensatz von sagen & meinen zusammen.
     “Jeder Ausdruck kann (doch) lügen”: Aber denke doch nur was Du mit “lügen” meinst. Wie stellst Du Dir die Lüge vor? setzt Du nicht einen Ausdruck einem andern entgegen? Doch gewiß dem Ausdruck einen Vorgang, der auch Ausdruck sein könnte.


     

     Wenn wir uns fragen “welcher Personenname würde den Charakter dieses Menschen treffen” — klanglich abbilden — so steht gleichsam die Projektionsmethode, nach der wir abbilden, fest (So könnte sich etwa ein Dichter fragen welchen Namen er einer Person geben will.). Manchmal aber projizieren wir den Charakter in den gegebenen Namen. So scheint es uns, daß die großen Meister die Namen haben die einzig zu dem Charakter ihrer Werke passen.
     

     Erlebnis der wirklichen Größe. Wir sähen
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ein Bild das die Form eines Sessels zeigt; man sagt uns, es stelle eine Konstruktion von Hausgröße vor. Nun sehen wir es anders.

     

     Was geschieht wenn wir lernen den Schluß einer Kirchentonart als Schluß zu empfinden?
     

     Denke an die Vielgestaltigkeit dessen was wir “Sprache” nennen. Wortsprache, Bildersprache, Gebärdensprache, Tonsprache.
     

      Die philosophischen Schwierigkeiten, etwa das Wiedererkennen betreffend, sind nicht solche die wir zwar in praxi übersehn| nicht merken, die sich aber zeigen sowie man die Phänomene| Vorgänge genauer betrachtet. Sie zeigen sich vielmehr nur, wenn wir sie durch ein vorgefaßtes Schema betrachten.
     

      “‘Diesen Gegenstand kenne ich wohl’, das ist als sagte ich: ‘dieser Gegenstand ist in meinem Katalog abgebildet’”. Dann bestünde es also darin, daß so ein Bild in einem bestimmten Umschlag mit andern zusammengebunden wäre; in dieser Lade läge. — Aber wenn ich mir das wirklich vorstelle, & denke
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ich vergliche einfach den gesehenen Gegenstand mit Bildern in meinem Katalog & fände, daß er mit einem von ihnen übereinstimmt, so wäre das eben nicht ähnlich dem Phänomen der Wohlbekanntheit. Man nimmt nämlich an das Bild in unserem Katalog sei uns wohlbekannt. Wäre es uns fremd, so würde die Tatsache daß es in diesem Umschlag, in dieser Lade ist| liegt gar nichts für uns bedeuten.

     

     Wenn ich nun von dem Vorbild im Katalog meines Geistes rede oder dem Futteral worein| in welches der Gegenstand paßt, wenn er mir wohlbekannt ist, so möchte ich, daß das Futteral in meinem Geist sozusagen als “Form der Vorstellung” ist, sodaß ich nicht sagen kann, ein Vorbild sei in meinem Geiste, welches (wirklich) nicht dort ist. — Das Vorbild zieht sich sozusagen in meinen Geist zurück, ist also kein Objekt mehr für ihn. Das heißt aber nur: | Das aber heißt nur: es| Es hatte keinen Sinn von einem Vorbild überhaupt zu reden. ( Die Raumbrille die wir nicht ablegen können.)
     

     Wenn wir von der Wohlbekanntheit als von einem Passen des Gegenstandes in ein Futteral reden, so ist das nicht ganz so als verglichen wir das Gesehene mit einem Abbild. Wir meinen dann eigentlich das Gefühl, wenn der Gegenstand ohne Widerstand in die Form des Futterals gleitet. Aber dieses Gefühl könnten wir auch
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haben, wenn gar kein genau passendes Futteral vorhanden wäre.
     Wir können uns auch jeden Gegenstand in einem unsichtbaren Futteral denken & das ändert gar nichts an unseren Erfahrungen & ist nun eine leere Form der Darstellung.

     

     (Die Darstellung der Philosophie kann nur gedichtet werden.)

     

(Philosophie dürfte man eigentlich nur dichten. Daraus muß sich, scheint mir, ergeben, wie weit mein Denken der Gegenwart, Zukunft oder der Vergangenheit angehört: Denn ich habe mich damit auch als einen bekannt, der nicht ganz kann, was er zu können wünscht.)
     

      Die Beruhigung in der Philosophie tritt ein, wenn das erlösende Wort gefunden ist.

     

     Es sollte eigentlich nicht heißen: “ja, ich erkenne es, es ist ein Gesicht” sondern: “ich erkenne es, ich sehe es als Gesicht”| sehe ein Gesicht”. (Das Wort Gesicht könnte für mich hier das bloße Ornament
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bedeuten (ohne irgend eine Beziehung zum Gesicht des Menschen), wäre also auf gleicher Stufe wie irgend eine andere uns bekannte Figur, z.B. ein Hakenkreuz.) Denn die Frage ist: Was erkenne ich als was? Denn, “ein Ding als
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sich| es selbst erkennen” heißt nichts.

     

Das Gedächtnis mit einem Notizbuch verglichen: Einerseits dient dieser Vergleich als Bild dessen was bewußt vorgeht; anderseits gibt er ein psychologisches Modell. (Und das Wort “bewußt” verweist hier auf einen Abschnitt der Grammatik & ist nicht der eine Teil des psychologischen Gegensatzes “bewußt” — “unbewußt”.)
     

     Die Vorgänge des Erinnerns sind sehr mannigfach.
     “Bist Du in Deinem Zimmer gewesen?” — “Ja.” — “Bist Du sicher?” — “Ich wüßte doch wenn ich gestern nicht hier gewesen wäre!” Dabei brauche ich mich keinen Augenblick in der Erinnerung in meinem Zimmer sehen. Aber nehmen wir an ich sähe mich während ich so spräche in meinem Zimmer am Fenster stehen; wie zeigt mir das Bild daß es gestern war. Freilich, das Bild könnte das auch zeigen, wenn ich in ihm etwa einen Wandkalender mit dem gestrigen Datum sähe. Wenn das aber nicht der Fall war, wie las ich dann aus dem Erinnerungsbild oder der Erinnerung ab daß ich gestern so am Fenster stand, wie übersetzte ich das Erlebnis
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der Erinnerung in Worte? — Aber übersetzte ich denn ein Erlebnis in Worte? Sprach ich nicht einfach die Worte aus; und zwar in bestimmtem Tonfall & dergleichen Erlebnissen der Sicherheit? War das nicht aber das Erlebnis der Erinnerung? (Das Erlebnis der Überzeugung ist von der Art des Erlebnisses des Tonfalls.) Aber was machte Dich so sicher als Du diese Worte sprachst? Nichts; ich war sicher.
     Ich kann freilich, was ich so aussprach, nun auf andere Weise — wie man sagen würde — nachprüfen. Das heißt: ich kann nun versuchen mich an spezielle Geschehnisse des gestrigen Tages zu erinnern & mir Bilder vors Auge zu rufen etc.. Aber das mußte jedenfalls nicht geschehen sein ehe ich antwortete.

     

     Wenn wir einen Vorgang aus der Erinnerung erzählen so sehen wir wohl manchmal Erinnerungsbilder vor uns; meistens aber sind sie nur in der Erinnerung verstreut wie Illustrationen in einem Märchenbuch.
     

Es sagt mir jemand: “stelle Dir auf dieser weißen Wand einen Fleck vor von der Farbe die man ‘rot’ nennt”. Ich tue es; — soll ich nun sagen ich habe mich daran erinnert welche Farbe ‘rot’ heißt. Wenn ich von diesem Tisch rede, erinnere ich mich, daß dieser Gegenstand ‘Tisch’ genannt
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wird.

     

Könnte man nicht einwenden: “So kann also der gewisse Erinnerungen nicht haben, der keine Sprache gelernt hat?” Freilich, — er kann keine sprachlichen Erinnerungen, sprachlichen Wünsche, etc. haben. Und sprachliche Erinnerungen, etc., sind| Erinnerungen in der Sprache, etc. sind … ja nicht bloße fadenscheinige Schemata; ist denn das sprachliche Erlebnis kein Erlebnis?| //Und Erinnerungen, etc., in der Sprache sind ja nicht bloß die fadenscheinigen Darstellungen eigentlicher| //für eigentliche// Erlebnisse; ist denn das Sprachliche kein Erlebnis?// (Worte sind Taten.)
     

Manche Menschen erinnern sich an ein musikalisches Thema in der Weise, daß das Notenbild vor ihnen auftaucht & sie es herunterlesen.
     Es wäre denkbar daß, was wir das “Erinnern” bei einem Menschen nennen, darin bestünde, daß er sich im Geiste ein Buch| Notizbuch nachschlagen sähe & daß was er in diesem Buch liest eben das Erinnerte wäre. (Wie reagiere ich auf eine Erinnerung?)

     

     Übrigens, denke ich denn, wenn ich die Gegenstände meiner Umgebung als wohlbekannte behandle, an diesen Vergleich. Natürlich nicht. Das tue ich erst, wenn ich den Akt des Erkennens (Wiedererkennens) nachträglich
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betrachte; & zwar nicht so sehr indem ich zu sehen trachte, was dabei tatsächlich vorgegangen ist, als indem ich es durch ein vorgefaßtes Schema betrachte. (Fluß der Zeit.) (Das Problem vom Wesen der Zeit & dem Fluß der Zeit ist diesem sehr ähnlich.)





     

      Ich nenne Regeln der Darstellung nicht Konventionen, wenn sie sich dadurch rechtfertigen lassen, daß die Darstellung, wenn sie ihnen gemäß ist, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. So ist die Regel, “male den Himmel heller als irgend etwas, was von ihm sein Licht empfängt” keine Konvention.
     Die Regeln der Grammatik lassen sich nicht dadurch rechtfertigen, daß man zeigt, ihre Anwendung führe zu einer Übereinstimmung der Darstellung mit der Wirklichkeit. Denn diese Rechtfertigung müßte das Dargestellte selbst beschreiben.

     

      Kann aber die Rechtfertigung nicht einfach auf die Wirklichkeit zeigen?
     Inwiefern ist dieses Zeigen aber eine Rechtfertigung? Hat es denn die Multiplizität einer Rechtfertigung? Es mag freilich die Ursache (davon) sein, daß wir | Ursache sein, warum wir … diesen Satz statt jenes sagen. Aber gibt es einen Grund dafür? Nennen wir das
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“Rechtfertigung”?



     

“Sprache” das ist ein Wort wie “Tastatur”. Es gibt Maschinen die eine Tastatur enthalten. Nun könnte ich mich aus irgendwelchen Gründen für Formen von Tastaturen interessieren ( solche die im Gebrauch sind & auch andere bloß von mir ersonnene). Und eine Tastatur erfinden könnte heißen etwas erfinden was die gewünschte Wirkung hat; aber auch neue Formen ersinnen die den alten auf mannigfache Weise analog sind.



     

      “Die Regeln eines Spiels sind willkürlich” heißt: der Begriff “Spiel” ist nicht durch die Wirkungen, die das Spiel auf uns haben soll, definiert.

     

Ist die Philosophie ein Geschöpf der Wortsprache? Ist die Wortsprache eine Bedingung für die Existenz der Philosophie? Richtiger würde man fragen: Gibt es außerhalb des Gebietes unserer Wortsprachen auch etwas der Philosophie Analoges? Denn die Philosophie, (das) sind die philosophischen Probleme, d.i. die bestimmten individuellen Beunruhigungen, die wir “philosophische Probleme” nennen. Das ihnen Gemeinsame reicht soweit als| wie das Gemeinsame zwischen verschiedenen Gebieten unserer Sprache.
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     Betrachten wir nun ein bestimmtes philosophisches Problem, etwa das: “Wie ist es möglich einen Zeitraum zu messen da (doch) Vergangenheit & Zukunft nicht gegenwärtig & die Gegenwart nur ein Punkt ist” —; so ist das Charakteristische daran, daß sich hier eine Verwirrung in Form einer Frage äußert, welche| die diese Verwirrung nicht anerkennt. Daß der Frager durch eine bestimmte Änderung seiner Ausdrucksweise von seinem Problem erlöst wird.



     

Ein dem philosophischen analoges Problem, oder eine Beunruhigung, könnte etwa dadurch entstehen, daß jemand auf allen Tasten des Manuals spielte, daß das Ergebnis nicht wie Musik klänge, & daß er doch versucht wäre zu glauben| denken, es müsse Musik sein. etc..

     

[Etwas, was auf den ersten Blick ausschaut wie ein Satz & keiner ist.]       Der folgende Vorschlag zur Konstruktion einer Straßenwalze wurde mir mitgeteilt & scheint mir philosophisches Interesse zu haben. Der Irrtum des Erfinders hat mit einem philosophischen Irrtum Verwandtschaft. Die Erfindung besteht darin, daß der Motor sich im Inneren der hohlen Walze befindet. Die Kurbelwelle läuft durch die Mitte der Walze & ist an beiden Enden durch Speichen mit dem Walzenrand| ihr verbunden. Der Zylinder des Benzinmotors ist an der Innenseite der Walze befestigt. Auf den ersten Blick sieht diese
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Konstruktion wie eine Maschine aus. Aber sie ist| //Tatsächlich aber ist sie// ein starres System & der Kolben kann sich im Zylinder nicht aus & ein bewegen. Wir haben sie| ihn selbst jeder| der Bewegungsmöglichkeit beraubt & wissen es nicht.
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Wir sagen: “der Hahn ruft die Hühner durch sein Krähen herbei”; aber liegt dem nicht schon der Vergleich mit unserer Sprache (Wortsprache) zugrunde? — Wird der Aspekt nicht ganz verändert, wenn wir uns vorstellen durch irgend eine physikalische Einwirkung ziehe das Krähen die Hühner an?
     Wenn aber gezeigt würde in welcher Weise die Worte “komm zu mir!” auf den Angesprochenen einwirken, so daß, unter gewissen Bedingungen, am Schluß gewisse Muskeln innerviert werden & er zu mir kommt, — würde damit jener Satz den Charakter des Satzes verlieren?

     

     Unsere Sprache, unsere Wortsprache, ist vor allem das was wir “Sprache nennen”, & dann Anderes nach seiner Analogie oder Vergleichbarkeit mit ihr.
     

     Das Achselzucken, wenn wir es (etwa in einem Gespräch) meinen, als Antwort
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geben, wird allerdings anders erlebt als ein Achselzucken das etwa durch| dieselbe Bewegung wenn sie durch … einen Schmerz in der Schulter bewirkt wird. Und wir fragen auch| etwa: “war das als Achselzucken gemeint, oder war es nur eine zufällige Bewegung?” — Würden wir aber das Achselzucken ein Zeichen nennen, wenn wir es nicht in Verbindung mit der Wortsprache gebrauchten?

     

     Der Fall| //Die Fälle//: “jemandem ein Zeichen geben wollen”. — Ich bedeute jemand mit einer Bewegung der Hand, daß er sich setzen soll; unmittelbar neben ihm steht ein Anderer; aus der Richtung meines Blicks & meiner Gebärde ist nicht zu entnehmen welchem von Beiden ich das| ein Zeichen gebe. Nun fragt man mich: “welchen hast Du gemeint”, & ich antworte: “den A”. Worin lag| bestand dieses Meinen? Oder: Worin lag der Unterschied zwischen den Vorgängen, mit diesem Zeichen den A & den B zu meinen. Unterscheidende ein Vorgang sein welcher den der Handbewegung, des Blickes| die Handbewegung, den Blick, etc., begleitete? konnte es nicht darin liegen, daß ich mich ärgerte wenn auf mein Zeichen der A stehen blieb; oder darin, daß ich auf die Frage “wen hast Du gemeint” antwortete: “den A”? Oder in einer Kombination dieser & andrer?
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     Mache diesen Versuch: Sage “hier ist es kalt” & meine “hier ist es warm”. Kannst Du es? — Und was tust Du dabei? Und gibt es nur eine Art das zu tun?

     

     “Der Hund meint etwas damit, wenn er mit dem Schwanz wedelt”. Wie können wir das begründen?| //Wie könnte man das begründen?//
     

     Wir würden kaum fragen, ob das Krokodil etwas damit meint, wenn es mit offenem Rachen auf einen Menschen zukommt. Und wir würden erklären: das Krokodil könne nicht denken & darum sei eigentlich hier von einem Meinen keine Rede.
     

Wenn wir die Achsel zucken, so sind die begleitenden psychischen Erlebnisse, | dabei die seelischen Erlebnisse, … die Meinungserlebnisse,|// was man die Meinungserlebnisse nennen könnte,// nicht wesentlich verschieden von denen beim Aussprechen eines Wortes oder Satzes: “vielleicht — ”, “ich weiß nicht”, “weiß Gott” etc. — Diese Worte können gewiß so unwillkürlich (ich meine aber nicht papageienhaft) ausgesprochen werden wie eine Geste gemacht werden kann.
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     Ad hoc “erfunden” sind natürlich meine Wörter & Gesten nicht; aber nicht alles, was nicht erfunden ist, ist von früher vereinbart.
     “Contrat social”. Auch hier ist in Wirklichkeit kein Vertrag geschlossen worden; aber die Situation ist mehr oder weniger ähnlich, analog, der, in welcher wir wären, wenn …. Und sie ist vielleicht mit Nutzen unter dem Gesichtspunkt eines solchen Vertrages zu betrachten.

     

     Was heißt es, zu wissen, was eine Pflanze ist? Was heißt es, es zu wissen & es nicht sagen zu können?
     (Sokrates: “Du weißt es & kannst hellenisch reden, also mußt Du es doch sagen können.”)

     

     Hat dieses Wissen die Multiplizität eines Satzes, der nicht ausgesprochen wurde? So daß, wenn der Satz ausgesprochen würde, ich ihn als den Ausdruck meines Wissens anerkennen würde? — Ist es nicht vielmehr so, daß jede exakte Definition als Ausdruck unseres Verstehens abgelehnt werden müßte? D.h.: müßten wir nicht von so einer sagen, sie bestimme zwar einen, dem unsern verwandten Begriff, aber nicht diesen selbst? Und die Verwandtschaft sei etwa die zweier Bilder, deren eines aus unscharf begrenzten Farbflecken, das andere aus ähnlich geformten
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& verteilten, aber scharf begrenzten bestünde? Die Verwandtschaft wäre dann ebenso unleugbar, wie die Verschiedenheit.

     

Vergleiche:
1 “Wissen was eine Pflanze ist”
↺ 2 “Wissen wie man das Wort ‘Pflanze’ gebraucht”.
3 “Wissen wieviel 25 × 25 ist”| wie hoch der Stephansturm ist”
4 “Wissen wie eine Klarinette klingt”
Wenn wir uns darüber wundern daß Einer etwas wissen, & es nicht sagen kann, werden wir da nicht durch eine scheinbare Analogie mit einem Fall wie No. 3 geleitet?

     

     “Ich weiß, was eine Pflanze ist:|, was Pflanzen sind: ich kann Dir Pflanzen| welche zeigen, aufzeichnen, beschreiben.”
     

     Was nennen wir denn eine “Antwort auf die Frage: ‘was ist eine Pflanze’”. Nun etwa: “Siehst Du, das, das, & das sind Pflanzen”. Auch eine Verbaldefinition der Botanik etwa, würden wir eine Antwort nennen; aber sie wäre eine andere Antwort und nicht mit der ersten äquivalent. Sowenig, wie die Erklärung des Schrittmaßes, die etwa vor einigen hundert Jahren ein Vater seinem Sohn gegeben hat mit der: “ein Schritt = 75 cm”. Diese Antworten sind verwandt aber nicht äquivalent & die zweite ist nicht vielleicht die eigentlich richtige, die die erste ungenaue selbstverständlich
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ersetzt wenn wir nur einmal die richtige kennen.

     

Ich sage: “der Boden war ganz mit Blumen bedeckt”. Wollte jemand eine Erklärung dessen was ich meine so wäre etwa die gemäßeste ich könnte ihm ein gemaltes Bild eines solchen Bodens zeigen. Und ich würde ihm sagen: “siehst Du, so hat es ausgesehen”. Will ich nun, daß er verstehe, jede Blüte & jedes Gras sei genau in der Lage gewesen, wie sie auf dem Bild zu sehen sind? — Und wenn das nicht, ist es| das ein Fehler des Bildes & meine ich, daß ein anderes möglich wäre welches die genauen Lagen zeigte?
     

“Ist ein verschwommener Begriff überhaupt ein Begriff?”. Ist eine unscharfe Photographie das| ein Bild eines Menschen? Kann man ein unscharfes Bild überall| immer mit Vorteil durch ein scharfes ersetzen? Ist das unscharfe oft nicht gerade das was wir brauchen| man braucht?
     

“Was ist eine ‘exakte’ Definition im Gegensatz zu einer unexakten?” Nun etwa, eine Definition in der nicht das Wort “ungefähr”, “beiläufig”, &| oder ähnliche vorkommen.

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     Denken wir an ein anderes Beispiel: den Gebrauch des Wortes “eiförmig” oder “Osterei”. Wir würden einen Gegenstand von dieser Gestalt
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nicht als Osterei gelten lassen & doch nicht sagen können bei welchem Verhältnis der Länge S & Breite etwas anfängt ein Osterei zu sein. Ja, wenn Einer nun ein solches Verhältnis angäbe, so könnten wir es nie als die richtige Begrenzung unseres Begriffes anerkennen. Sondern wir würden entweder sagen: “Nein, das nenne ich kein Osterei, es ist zu schlank (oder zu dick, etc.)” — oder: “ja, das ist ein Osterei, aber der Grenzfall ist es nicht gerade”. Diesen gibt es eben nicht in unserem Kalkül & wer einen Grenzfall einführte, führte einen neuen Kalkül ein.

     

Beim| Fürs Preisschießen gibt es Statuten, welche bestimmen wie die Preise nach der Lage der Schüsse auf der Scheibe zu verteilen sind. Muß es nun für alle denkbaren| vorstellbaren Grenzfälle Regeln geben. Würde man sagen, die Preisverteilung gelte nicht, weil für diesen Fall in den Regeln nicht vorgesehen | //vorgesorgt// war; selbst wenn dieser Fall beim Preisschießen gar nicht eingetreten ist.
     

     Wenn man sagt “Moses hat nicht existiert, so kann das verschiedenerlei bedeuten. Es kann heißen: die Israeliten haben nicht einen
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Führer gehabt als sie von| aus Ägypten ausgezogen sind — oder: ihr Führer hat nicht “Moses” geheißen — oder: es hat keinen Menschen gegeben der alles das vollbracht hat, was die Bibel von Moses erzählt. etc., etc.. — Russell würde sagen, daß der Name “Moses” durch verschiedene Beschreibungen definiert werden| sein kann. Z.B.: “der Mann welcher zu dieser Zeit & an diesem Ort lebte & damals ‘Moses’ genannt wurde”, “der Mann, welcher die Israeliten durch die Wüste führte”, “der Mann, welcher als Kind von der Tochter des Pharao| Pharaos aus dem Nil gefischt| gezogen wurde” etc.. Und je nachdem wir die eine oder andere Definition annehmen bekommt der Satz “Moses hat existiert” einen andern Sinn & ebenso jeder andere Satz der von Moses handelt.
     Man wird auch, wenn uns jemand sagt “ N existiert nicht”, fragen: “Was meinst Du? willst Du sagen, daß …, oder daß …, etc.?”

     Wenn ich nun z.B. sage| Oder wenn ich sage “ N ist gestorben”, so kann es mit dem Gebrauch| der Bedeutung des Namens ‘ N’ etwa diese Bewandtnis haben: Ich glaube, daß ein Mensch gelebt hat, den ich 1.) dort & dort gesehen habe, der 2.) so & so ausschaut, 3.) das & das getan hat & 4.) in der bürgerlichen Welt den Namen ‘ N’ führt. Gefragt, was ich unter ‘ N’ verstehe, würde ich Alles das, oder Einiges davon, & bei verschiedenen Gelegenheiten Verschiedenes aufzählen. —
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Meine Definition von ‘ N’ wäre also etwa: “der Mann, von dem alles das stimmt”. Wenn aber etwas davon sich als falsch erwiese, — werde ich nun den Satz “ N ist gestorben” für falsch erklären auch wenn sich nur etwas mir ganz Nebensächliches, was ich in die Erklärung des Namens ‘ N’ hineingenommen habe, als falsch herausstellt. Ich werde dann meistens ohne weiteres bereit| wohl bereit … sein die Definition etwas abzuändern.
     Das kann man nun so ausdrücken, daß ich den Namen ‘ N’ ohne eine feste Bedeutung gebrauche. (Was seinem Gebrauch so wenig Eintrag tut wie einer Brücke, daß sie kein absolut starrer Körper ist.) Heißt das nun daß ich nicht ein Wort gebrauche dessen Bedeutung ich kenne| Soll man nun sagen das heiße, daß ich ein Wort gebrauche dessen Bedeutung ich nicht kenne, daß also, was ich sage Unsinn ist?

     

     Und hier erinnere ich mich daran, daß Ramsey einmal betont hat, die Logik sei eine “normative Wissenschaft”. Die genaue Idee, welche ihm dabei vorgeschwebt hat, kann ich nicht sagen.| //Ich weiß nicht die genaue Idee, welche ihm dabei vorgeschwebt hat.// Sie war aber zweifellos eng verwandt mit der, welche mir erst später klar wurde, daß wir nämlich in der Philosophie den Gebrauch der Worte mit Spielen nach niedergelegten Regeln | Kalkülen nach festen Regeln vergleichen, aber nicht sagen können, wer die Sprache gebrauche,
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müsse irgend einen Kalkül nach festen Regeln betreiben. — Sagt man nun aber, daß unser Sprachgebrauch sich solchen Kalkülen nur nähert, so stehen wir| steht man damit unmittelbar am Rande einer Reihe von Konfusionen.      Denn nun kann es scheinen, als redeten wir in der Logik von einer idealen Sprache. Als wäre unsre Logik gleichsam eine Logik für den luftleeren Raum. Während die Logik doch nicht von einer Sprache redet (wie die Physik von einer Naturerscheinung), & man also höchstens sagen kann, wir konstruierten ideale Sprachen. Aber hier ist wieder das Wort “ideal” irreführend, denn es scheint nun als wären diese Sprachen besser, vollkommener, als die Umgangssprache & als brauchte es also den Logiker damit der den Menschen endlich zeige, wie sie einen richtigen Satz sprechen sollen.| wie ein richtiger Satz ausschaut.

     

Unsere Untersuchung trachtet nicht die eigentliche, exakte Bedeutung der Wörter zu finden; wohl aber geben wir den Wörtern im Verlauf unsrer Untersuchung oft exakte Bedeutungen.
     

Denn was soll ich die ‘Regel’ nennen, ‘nach der er vorgeht’? Die Hypothese, welche seine Spielhandlungen, soweit ich sie kenne, zufriedenstellend beschreibt, — oder die
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Regel, die er beim Spielen nachschlägt, — oder die Regel die er mir, wenn ich ihn nach seiner Regel frage, zur Antwort gibt. Wie aber, wenn die Beobachtung des Spiels keine klare Regel zeigt| //erkennen läßt//|, wenn man aus der Beobachtung des Spiels keine klare Regel entnimmt & die Frage keine zu Tage fördert? Denn er gab mir zwar auf meine Frage, was er unter ‘ N’ verstehe, eine Erklärung, war aber bereit diese Erklärung zu widerrufen & abzuändern. Wie soll ich also die Regel bestimmen, nach der er spielt? er weiß sie selbst nicht. Oder richtiger: Was soll der Ausdruck “Regel nach welcher er spielt” hier noch besagen?

     

Wir können uns doch sehr wohl vorstellen, daß sich Menschen auf einer Wiese damit unterhielten, mit einem Ball zu spielen & zwar so, daß sie verschiedene geregelte Spiele anfingen, manche davon nicht beendeten, dazwischen den Ball planlos in die Höhe würfen & auffingen, dann wieder versuchten, wie hoch sie den Ball werfen können oder einander mit dem Ball im Scherz bewerfen etc.. Und nun sagte Einer: die ganze Zeit hindurch spielen die Leute ein Ballspiel & richten sich daher bei jedem Wurf nach bestimmten Regeln. Und wäre es anderseits richtig zu sagen: “sie spielen also nicht mit dem Ball.”?
     

Welches ist die Bedeutung eines Wortes wenn der Redende sie nicht angeben kann? Nun, wir
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werden vielleicht sein (tatsächliches) Verhalten als ein Schwanken zwischen mehreren verwandten Bedeutungen beschreiben können. Ich frage ihn: “was hast Du eigentlich gemeint?” — und als Antwort wird er mir Verschiedenes angeben & sich vielleicht an mich wenden, daß ich ihm ein Regelverzeichnis einrichte, das seinem Zweck entspricht. — Es wird sich dann in unserm Gespräch oft die Redensart finden: “Du wolltest also eigentlich sagen …”. Und diese kann leicht ganz mißverstanden werden: sie muß nämlich keine Beschreibung eines Vorgangs sein der darin besteht daß man das eine sagt während man das andere sagen will; als wäre, was man “eigentlich sagen wollte” damals schon irgendwie, wenn auch nicht in lauten Worten, ausgedrückt gewesen.

     

(Eine der irreführendsten Redeweisen ist die Frage “was meine ich damit?” — Man könnte in den meisten Fällen darauf antworten: “Gar nichts — ich sage …”)
     

[Gehört nicht hierher] Was geschieht, wenn wir uns bemühen, etwa beim Schreiben eines Briefes, den richtigen Ausdruck unserer Gedanken zu finden? Diese Redeweise vergleicht den Vorgang dem einer Übersetzung oder Beschreibung: die Gedanken sind da,
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etwa schon vorher & wir suchen nur noch nach ihrem Ausdruck. Und dieses| Dieses Bild trifft in verschiedenen Fällen mehr oder weniger zu. — Aber was kann hier nicht alles geschehn! Etwa: ich gebe mich einer Stimmung hin, & der Ausdruck kommt; oder: es schwebt mir ein Bild vor & ich trachte es zu beschreiben|, das ich zu beschreiben trachte; oder: es fiel mir ein englischer Ausdruck ein & ich will mich auf den entsprechenden deutschen besinnen; oder: es kommt mir eine Gebärde & ich frage mich, “welches ist denn der Satz, der dieser Gebärde entspricht?” Endlich fällt mir einer ein & scheint der Gebärde angemessen; etc. etc..
     Wenn man nun fragte: “hast Du den Gedanken, ehe Du den Ausdruck hattest”, was müßte man da antworten? Und was auf die Frage: “worin bestand der Gedanke, wie er vor dem Ausdruck vorhanden war?”

     

[Ich glaube, dieser Satz, oder ein ähnlicher gehört zu einer Untersuchung was er <…> Frage des augenblicklichen Verstehens etc.]
gehört zu: “Was ist ein Satz? Was ist ein Wort? Unsere alltäglichen Begriffe “Satz”, “Wort” etc. sind viel zu wüst, zu ungeklärt. Sollte man nicht von den Sinnesdaten der Sätze etc. reden?
Hier ist es schwer gleichsam den Kopf oben zu behalten, — zu sehen, daß wir bei den Dingen des alltäglichen Denkens bleiben müssen & nicht auf den Abweg zu geraten, wo es scheint, als müßten wir letzte| //die letzten// Feinheiten beschreiben, die wir doch wieder mit unsern Mitteln gar nicht beschreiben könnten. Es ist uns, als sollten wir ein zerstörtes Spinnennetz mit unsern Fingern zurecht richten| in Ordnung bringen.| //wieder richten.//| //wieder in Ordnung bringen.//
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{Diese Bemerkung bezieht sich auf den Fall, wenn wir scheinbar von den Dingen des Alltags zu immer schwerer faßbaren hinabsteigen & in den brauenden Nebeln zu ertrinken drohen.}

     

     Was versteht man unter “allen Regeln des Tennisspiels”? Alle Regeln die in einem bestimmten Buche stehn, oder alle, die der Spieler im Kopf hat, oder alle, die je ausgesprochen wurden, oder gar, alle, die sich angeben lassen? — Daher wollen wir lieber nicht so vag von ‘allen Regeln’ reden, sondern nur von bestimmten Regeln, oder allen Regeln eines Verzeichnisses; und dergleichen. Und das Gleiche gilt von den Regeln über die Verwendung eines Wortes.
     

     Es ist nicht unsere Aufgabe, unsere Sprache| die Wortsprache zu verbessern, exakter zu machen, oder gar (zu versuchen,) an ihre Stelle eine ‘ideal exakte’ zu setzen. Wir haben von einer solchen gar keinen Begriff. Damit sage ich nicht, daß wir für unsere Zwecke nicht auf präziseren Ausdruck dringen, als| dringen müssen als … den üblichen| gebräuchlichen.
     

     Die Verkehrsregelung in den Straßen erlaubt & verbietet gewisse Handlungen (der Fahrer & Fußgänger); aber sie versucht nicht ihre sämtlichen Bewegungen durch Vorschriften zu regeln| //durch Regeln zu leiten//. Und es wäre unsinnig von einer idealen Verkehrsordnung zu reden, die das täte; wir wüßten nicht, wie wir uns dieses Ideal zu denken hätten |//; wir wüßten nicht, was wir uns unter diesem Ideal zu denken hätten//. Wünscht Einer die Verkehrsordnung in irgendwelchen Punkten
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strenger zu gestalten, so bedeutet das nicht, er wünsche sich so einem Ideal zu nähern| sie so einem Ideal anzunähern.

     

     Wir verstehen was es heißt: eine Taschenuhr wird auf die genaue Stunde gestellt, — oder: sie wird gerichtet daß sie genau geht.
     Wie aber wenn man fragte: ist diese Genauigkeit eine ideale Genauigkeit, oder, wie weit nähert sie sich ihr?|, wie nahe kommt sie ihr? — Wir können freilich von Zeitmessungen reden, bei welchen es eine andere &, in einem gewissen Sinne, größere Genauigkeit gibt als bei der Zeitmessung mit der Taschenuhr. Wo die Worte “die Uhr auf die genaue Stunde stellen” eine andere (wenn auch verwandte) Bedeutung haben, & die Uhr ablesen ein anderer Prozeß ist, etc.. Wenn ich nun jemandem sage: “Du solltest pünktlicher zum Essen kommen, Du weißt daß es genau um 1 Uhr anfängt”, — wird man sagen, daß die Genauigkeit, von der hier die Rede ist, hinter der idealen, zurücksteht, der sich die Zeitmessung im Laboratorium nähert? Gibt es ein Ideal der Genauigkeit?

     

     Gibt es ein komplettes Regelverzeichnis für die Verwendung eines Wortes? Wie hat man sich das vorzustellen?

     Gibt es ein komplettes Regelverzeichnis für die Verwendung einer Figur im Schachspiel? Könnten wir uns nicht Zweifel konstruieren die das normale Regelverzeichnis nicht beseitigt| //nicht zweifelhafte Fälle| Zweifelsfälle konstruieren in denen das| die das normale Regelverzeichnis nicht entscheidet//? Fragen wir etwa:| Denke etwa an so eine Frage: wie ist es festzustellen
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wer zuletzt gezogen hat, wenn die Zuverlässigkeit des Gedächtnisses der Spieler angezweifelt wird. Macht aber die Möglichkeit eines solchen Zweifels das Schachspiel zu einem nicht ganz idealen Spiel? und welchen Begriff haben wir von diesem Ideal?

     Es scheint da als wäre alles was wir ‘Ideal’ nennen nur ein angenähertes Ideal gegen das ideale Ideal.

     

Man kann fragen: Wenn wir nicht eine ideale Exaktheit im Gegensatz zu der alltäglichen anstreben, wozu arbeiten wir an der Grammatik unserer Sprache überhaupt herum? Und die Antwort ist: Wir wollen Verwirrungen & Beunruhigungen beseitigen die aus der Schwierigkeit entspringen, das System unsrer Ausdrucksweise zu übersehen. Wir werden dazu Unterscheidungen hervorheben, die in den Formen unserer Sprache| unserer gewöhnlichen Notation nur einen schwachen, schwer sichtbaren Ausdruck finden.

     Dadurch kann es allerdings den Anschein haben als setzten wir uns vor die Sprache zu reformieren.

     

So eine Reform für bestimmte praktische Zwecke, die Verbesserung unserer Terminologie zur Vermeidung von Mißverständnissen [kein Beistrich] ist wohl denkbar.
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(Wenn zwei Mitglieder einer Familie ‘Paul’ heißen, so ist es oft zweckmäßig, den einen von ihnen bei einem andern Namen zu nennen.) Aber das sind nicht die Fälle, mit denen wir es zu tun haben. Die Konfusionen die uns beschäftigen entstehen, gleichsam, wenn die Sprache feiert, nicht wenn sie arbeitet. (Man könnte sagen: “wenn sie leerläuft”.)

     

Wir wollen nicht das Regelsystem in unerhörter Weise verfeinern oder komplettieren.| vervollständigen.

     




“Du wolltest also eigentlich sagen” mit dieser Redeweise leiten wir jemand von einer Ausdrucksform zu einer andern. Man ist, wie gesagt, versucht zu meinen, das, was er eigentlich “sagen wollte”, was er “meinte” sei noch ehe wir es aussprachen in seinem Geist ausgedrückt gewesen. (Man sagt in gewissen Fällen, es habe ihm vorgeschwebt: auch dieser Ausdruck beschreibt sehr mannigfache Vorgänge| Mannigfaches.) Was uns dazu bewegt einen Ausdruck aufzugeben & statt seiner| an seiner Stelle einen andern anzunehmen kann von mannigfacher Art sein. Das zu verstehen, ist es nützlich, das Verhältnis der Lösung eines mathematischen Problems zum ursprünglichen Sinn der Fragestellung zu betrachten.| //Das zu verstehen, ist es nützlich das Verhältnis zu betrachten, in welchem die Lösungen
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mathematischer Probleme zum ursprünglichen Sinn| zum Anlaß & Ursprung der Fragestellung stehen.//

Das Verhältnis der Begriffe ‘Dreiteilung des Winkels mit Lineal & Zirkel’, wenn Einer nach der Dreiteilung sucht, & anderseits, wenn bewiesen wird| ist, daß sie unmöglich ist.

     

Nehmen wir an, es fragt mich jemand (wie oben): “was verstehst Du unter ‘Moses’?”
     Ich erkläre nun: “unter ‘Moses’ verstehe ich den Mann, wenn es einen solchen gegeben hat, der die Israeliten aus Ägypten geführt hat, wie immer er damals genannt worden sein mag & was immer er sonst getan oder nicht getan haben mag”. Aber über die Worte dieser| über den Gebrauch der Worte dieser … Erklärung sind ganz analoge| ähnliche Zweifel möglich wie über den Namen| den Gebrauch des Namens “Moses”. (Was nennst Du “Ägypten”; wen, “die Israeliten”? etc..) Ja diese Fragen kommen auch nicht zu einem Ende, wenn wir etwa bei Wörtern, wie “rot”, “dunkel”, “süß”, angelangt wären. “Aber wie hilft mir dann eine Erklärung zum Verständnis, wenn sie doch nicht die letzte ist? Ich verstehe also noch immer nicht, & nie, was er meint.” “Verständnis” nenne ich aber gerade, was mir eine Erklärung gibt. Als ich nach einer Erklärung fragte,
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war es das, was ich brauchte. Die Antwort hat| fragte ich gerade nach einer solchen Antwort. Sie hat … die Schwierigkeit beseitigt, die ich hatte.

     

      Ist der Begriff ‘rot’ undefinierbar? “Undefinierbar”, darunter stellt man sich etwas vor wie unanalysierbar; & zwar so, als wäre hier ein Gegenstand unanalysierbar (wie ein chemisches Element). Dann wäre die Logik also doch eine Art sehr allgemeiner Naturwissenschaft. — Aber die Unmöglichkeit der Analyse entspricht einer von uns angenommenen Weise| Art & Weise der Darstellung.


     

     Wir könnten fragen: Wie denn, ‘undefinierbar’! Könnten| Können wir denn versuchen es zu definieren? Und wie?—      
     

     Es ist von der größten Bedeutung, daß wir uns zu einem Kalkül der Logik immer ein Beispiel denken, auf welches der Kalkül eine Anwendung findet, & daß wir nicht Beispiele geben & sagen, sie seien eigentlich nicht die idealen, diese aber hätten wir noch nicht. Das ist das Zeichen einer falschen Auffassung. (Russell & ich haben, in verschiedener Weise an ihr laboriert. Vergleiche was ich in der “ Logisch-philosophischen Abhandlung” über Elementarsätze
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& Gegenstände sage.) Kann ich den Kalkül überhaupt verwenden, dann ist dies auch die ideale Verwendung, & die Verwendung um die es sich handelt. Einerseits will man nämlich das Beispiel nicht als das eigentliche anerkennen, weil man in ihm eine Mannigfaltigkeit sieht, der der Kalkül nicht Rechnung trägt. Anderseits ist es doch das Urbild des Kalküls & er davon hergenommen, & auf eine geträumte Anwendung kann man nicht warten. Man muß sich also eingestehen, welches das eigentliche Urbild| Vorbild des Kalküls ist.
     Nicht aber, als habe man damit einen Fehler begangen, den Kalkül von daher genommen zu haben; sondern der Fehler|. Der Fehler … liegt darin, dem Kalkül seine wirkliche| eigentliche Anwendung jetzt nicht zuzugestehen & sie|, sondern sie für eine nebulose Ferne| einen idealen Fall zu versprechen.

     

     Denken wir Spengler sagte: “Ich vergleiche verschiedene Kulturperioden dem Leben von Familien; innerhalb einer Familie gibt es eine Familienähnlichkeit, während es auch zwischen Mitgliedern verschiedener Familien Ähnlichkeiten gibt; die Familienähnlichkeit unterscheidet sich von der andern so & so. etc..” Das Vergleichsobjekt| Vorbild, der Gegenstand, von welchem eine| diese Betrachtungsweise abgezogen ist, soll uns angegeben werden, damit die Betrachtung nicht ungerecht wird. Denn nun wird alles was vom Vorbild gilt auch vom Gegenstand unserer
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Betrachtung behauptet; & behauptet: es müsse immer …. Das ist der Ursprung einer Art von Dogmatismus. Man vergißt die Stellung des Urbilds in der Betrachtung: Es ist die Maßeinheit mittels| mit der wir das Betrachtete messen. Der Dogmatismus aber behauptet, daß jeder gemessene Gegenstand genau eine ganze Zahl von Maßeinheiten lang sein muß. Es ist allerdings wahr, daß die| eine Maßeinheit für einen Zweck gut gewählt war, wenn sie viele der Längen, die wir messen wollen, in ganzen Zahlen ausdrückt.

     

     Regel & Erfahrungssatz. Ist eine Regel ein Erfahrungssatz — etwa über den Gebrauch der Sprache? Ist eine Regel des Schachspiels ein Satz darüber,| der sagt, wie die Menschen seit dem Ereignis der Erfindung des Schachspiels es gespielt haben; d.h. etwa mit den Schachfiguren gezogen haben. Denn wenn davon die Rede ist daß die Menschen das Schachspiel so gespielt haben so muß “Schachspiel” so definiert sein, daß es Sinn hat davon auszusagen es sei einmal anders gespielt worden. (Es ist etwa durch seine historische| mit Hilfe seiner historischen Kontinuität definiert.) Sonst nämlich gehören die Regeln zur Definition des Schachspiels. Daß jemand dieser Regel gemäß spielt, das ist eine Erfahrungstatsache; oder: “A spielt dieser
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Regel gemäß”, “die meisten Menschen spielen nach dieser Regel”, “niemand spielt nach dieser Regel” sind Erfahrungssätze. Die Regel ist kein Erfahrungssatz; sie ist in unsern Beispielen ein Teil solcher Sätze.

     

Wenn die Definition des Meters die Länge des Pariser Urmeters ist, so sagt der Satz “dieses Zimmer ist 4 m lang” dasselbe wie: “dieses Zimmer ist 4 m lang & 1 m = die Länge des Pariser Urmeters”.

     Die Legende zu| auf einer Landkarte ist ein Verzeichnis von Regeln, die der Beschreibung des Landes beigefügt sind.|, welche der| einer geographischen Beschreibung beigefügt sind. Sie sagen nichts über die Geographie des Landes aus; sowenig wie die Erklärung “1 m ist die Länge des Pariser Urmeters die Länge eines Gegenstandes angibt.

     Wenn man die Regel dem beschreibenden Satze beifügt so ändert sich der Sinn des Satzes nicht.

     

Ich könnte auch sagen: Ich will nur das mitteilen, was der Satz der Sprache mitteilt; & die Regel ist nichts als ein Hilfsmittel dieser Mitteilung. Wenn die Regel dem Satz beigefügt wird, fügt sie seiner Mitteilung nichts hinzu. Sie ist (also) keine Mitteilung über den Sprachgebrauch.
     

Denken wir uns ein Bild, einen Boxer in bestimmter Kampfstellung darstellend. Dieses
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Bild kann nun dazu gebraucht werden um jemandem mitzuteilen, wie er stehen, sich halten soll; oder, wie er sich nicht halten soll; oder, wie ein bestimmter Mann dort & dort gestanden hat; oder etc. etc.. Man könnte dieses Bild (chemisch gesprochen) ein Satzradikal nennen.
            In diesem Sinne ist auch die Regel ein Satzradikal.| //In diesem Sinne kann man auch die Regel ein Satzradikal nennen.//

     

Man könnte die Regel| Regeln die Beschreibung eines Spiels nennen, oder die Vorschrift, die sagt| befiehlt, wie man es spielen soll. Aber merken wir wohl: die Regeln sagen nicht daß & wie eine Partie dieses Spiels je gespielt wurde , auch befohlen sie niemandem, so zu spielen. Sie beschreiben nicht ein Spiel, sondern sie definieren eines.
     

Die Beschreibung einer Notation fängt charakteristischerweise oft mit den Worten an: “Wir können auch so schreiben: …”. Man könnte fragen: Was ist das für eine Mitteilung: “wir können …”?
     

Könnte ich nicht sagen zwei Wörter — schreiben wir sie “non” & “ne” — hätten dieselbe Bedeutung, sie sind| seien beide
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Verneinungszeichen, aber
non non p = p

&
ne ne p = ne p

— In vielen Sprachen bedeutet eine doppelte Verneinung eine Verneinung. — Warum nenne ich dann aber beide “Verneinungen”? Was haben sie mit einander gemein? Nun es ist klar, daß ein großer Teil ihres Gebrauchs beiden gemeinsam ist. Das löst aber unser Problem noch nicht. Denn wir möchten doch sagen: Auch daß die doppelte Verneinung eine Bejahung ist, muß für beide stimmen, wenn wir nur die Verdoppelung entsprechend auffassen. Aber wie? Nun so, wie es z.B. durch Klammern ausgedrückt werden kann.
(ne ne) p = ne p, ne (ne p) = p


     Es bietet sich uns gleich ein analoger Fall der Geometrie an:|:| Wir denken gleich an einen analogen Fall der Geometrie: “Zwei halbe Drehungen addiert heben einander auf”, “Zwei halbe Drehungen addiert sind eine halbe Drehung”.
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Es kommt eben darauf an, wie wir sie addieren. (Ich könnte es ebensowohl “sie addieren” nennen einen Gegenstand zweimal zu drehen, wie das Schema I zeigt; oder auch ihn einmal um 180˚ zu drehen & dann, gleichsam um diese Drehung zu bekräftigen,
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ihn in die erste Stellung zurück & nocheinmal im ersten Sinn zu drehen. (II.)

     

     Hier stoßen wir auf eine merkwürdige & charakteristische Erscheinung in philosophischen Untersuchungen: Die Schwierigkeit — könnte ich sagen — ist nicht, die Lösung zu finden, sondern, etwas als die Lösung anzuerkennen, was aussieht, als wäre es erst eine Vorstufe zu ihr. “Wir haben schon alles gesagt. — Nicht etwas, was daraus folgt, sondern eben das ist die Lösung!”
     Das hängt, glaube ich, damit zusammen, daß wir fälschlich [keine Beistriche] eine Erklärung erwarten; während eine Beschreibung die Lösung der Schwierigkeit ist, wenn wir sie richtig in unsere Betrachtung einordnen. Wenn wir bei ihr verweilen & nicht versuchen, über sie hinauszukommen.       Die Schwierigkeit ist hier, —|: Halt zu machen.

     

     “Das ist bereits alles, was sich darüber sagen läßt.” — “non non p” als Verneinung des verneinten Satzes auffassen, das ist etwa: eine Erklärung der Art “non non p = non (non p)” zu geben.
     “Wenn ‘ne’ eine Verneinung ist, so muß ne ne p’, wenn es nur richtig aufgefaßt wird gleich p sein.”
     “Wenn man ‘ne ne p’ als Negation von p nimmt, muß man die Verdoppelung anders auffassen.”
     Man möchte sagen, “‘Verdoppelung’
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heißt dann etwas anderes, darum ergibt sie jetzt eine Verneinung”, also: daß sie jetzt eine Verneinung ergibt, ist die Folge ihrer anderen Bedeutung| ihres anderen Wesens. “Ich meine sie jetzt als Verstärkung”, würde man sagen. Wir setzen statt der Meinung den Ausdruck der Meinung.

     

     Worin mag das gelegen haben, daß, als ich die doppelte Verneinung sagte, sie als Verstärkung| verstärkte Verneinung & nicht als Bejahung gemeint war? In den Umständen unter denen ich den Ausdruck gebrauche, im Bild, das mir etwa dabei vorschwebt oder mit dem ich bereit bin die doppelte Negation zu vergleichen, im Ton meiner Rede (so wie ich auch im Ton die Klammern in “ne (ne p)” wiedergeben kann). Die Verdoppelung als Verstärkung meinen, ist dann von der Art, sie unter gewissen Umständen als Verstärkung aussprechen. Die Verdoppelung als Aufhebung meinen, heißt z.B. Klammern setzen (auch im gesprochenen Ausdruck). — “Ja, aber diese Klammern selbst können doch verschiedene Rollen spielen; denn wer sagt, daß sie in “~(~p)” im gewöhnlichen Sinn als Klammern aufzufassen seien & nicht irgendwie anders; etwa die erste als Trennungsstrich zwischen den beiden ‘~’, die zweite als Zugehör des ‘p’ | //als Schlußpunkt des Satzes//?” Niemand sagt es. Und Du hast ja Deine Auffassung wieder durch Worte ersetzt. Was die Klammern bedeuten, wird sich in ihrem Gebrauch zeigen &, in anderm Sinn, liegt es etwa im Aspekt (gesehenen Rhythmus) des Gesichtseindrucks von “~(~p)”.
     

     Soll ich nun sagen: die
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Bedeutung von “non” & “ne” sei| Bedeutungen von “non” & “ne” seien etwas verschieden? Sie seien verschiedene Abarten der Verneinung? — Das würde niemand sagen. Denn, würde man einwenden, heißt dann “geh nicht in dieses Zimmer!” (etwa)| vielleicht nicht ganz| genau dasselbe, wenn wir die Regel aufstellen “nicht nicht” solle als Verneinung gebraucht werden & nicht als Bejahung? — Dagegen aber möchte man einwenden: “Wenn die beiden Sätze “ne p” und “non p” ganz dasselbe sagen, wie kann dann “ne ne” nicht dasselbe bedeuten wie “non non”? Aber hier setzen wir eben einen Symbolismus voraus, d.h., nehmen ihn zum Vorbild, in welchem aus ne p = non p folgt, daß die beiden Wörter in allen Fällen gleich verwendet werden.

     Die Drehung um 180˚ & die Verneinung sind im besonderen Fall tatsächlich dasselbe, & die Anwendung des Satzes ~~p = p von der Art der Anwendung einer Geometrie.

     

Denken wir, ich fragte: Zeigt es sich uns klar, wenn wir die Sätze aussprechen “dieser Stab ist 1 m lang” & “hier steht 1 Soldat”, daß wir mit ‘1’ verschiedenes meinen, daß ‘1’ verschiedene Bedeutungen hat? — Es zeigt sich uns gar nicht.
Besonders| Gar, wenn wir einen Satz sagen wie: “auf je 1 m steht 1 Soldat, auf 2 m 2 Soldaten usw.”
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Gefragt “meinst Du dasselbe mit den beiden Einsern” würde man etwa antworten: “freilich meine ich dasselbe: — eins!” (wobei man (etwa) einen Finger in die Höhe hebt).

     

Was meint man damit: ‘ne ne p’, auch wenn es, nach dem Übereinkommen, ‘ne p’ bedeutet, könnte auch als aufgehobene Verneinung gebraucht werden? — Man möchte sagen: “‘ne’, mit der Bedeutung, die man ihm gegeben hat| wir ihm gegeben haben, könnte sich selbst aufheben, wenn wir es nur richtig applizieren.” Was meint man damit? (Die beiden halben Drehungen in der gleichen Richtung könnten einander aufheben, wenn sie richtig| entsprechend zusammengesetzt würden.) “Die Bewegung der Verneinung ‘ne’ kann sich selbst aufheben| ist im Stande sich selbst aufzuheben”. Aber wo ist diese Bewegung? Man möchte natürlich von einer geistigen Bewegung der Verneinung reden, zu deren Ausführung das Zeichen ‘ne’ nur das Signal gibt.
     

      [Denk an andere Mittel der Verneinung, etwa durch die Tonhöhe.]
Wir können uns leicht Menschen mit einer ‘primitiveren’ Logik| mit ‘primitiverer’ Logik denken, in der es etwas unserer Verneinung Entsprechendes nur für gewisse Sätze gibt; für solche etwa, die keine Verneinung enthalten. In der Sprache dieser Menschen könnte man dann einen Satz wie “er geht in dieses Haus” verneinen; sie würden aber eine Verdopplung der Verneinung immer nur als Wiederholung
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der Verneinung nie als ihre Aufhebung verstehen.

     

Die Frage, ob für diese Menschen die Negation| Verneinung dieselbe Bedeutung hat, wie für uns wäre dann analog der, ob die Ziffer ‘2’ für Menschen deren Zahlenreihe mit 5 endigt dasselbe bedeutet wie für uns.
     

     Wer “~~p = p” (oder auch “~~p ≡ p”) einen “notwendigen Satz der Logik” nennt (und nicht eine Bestimmung über die von uns angenommene Darstellungsart) der hat auch die Tendenz zu sagen, dieser Satz gehe aus der Bedeutung der Verneinung hervor. Wenn in einer dialektischen Redeweise die doppelte Verneinung als Verneinung gebraucht wird, wie in “er hat nirgends nichts gefunden”, so sind wir geneigt zu sagen: eigentlich heiße das, er habe überall etwas gefunden. Überlegen wir was dieses “eigentlich” heißt! —
     

     Unser Problem könnte man sehr klar so stellen: Angenommen wir hätten zwei Systeme der Längenmessung; eine Länge wird in beiden durch ein Zahlzeichen ausgedrückt, diesem folgt ein Wort, welches das Maßsystem angibt. Das eine System bezeichnet eine Länge als “n Fuß” & Fuß ist eine Längeneinheit im gewöhnlichen Sinne; im andern System wird eine Länge mit “n W” bezeichnet & 1 Fuß = 1 W. Aber
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2 W = 4 Fuß, 3 W = 9 Fuß, u.s.w.. — Also heißt der Satz “dieser Stock ist 1 W lang” dasselbe wie, “dieser Stock ist 1 Fuß lang”. Frage: Hat in diesen beiden Sätzen “W” & “Fuß” dieselbe Bedeutung?

     

     Die Frage ist falsch gestellt. Das sehen wir, wenn wir| sieht man, wenn wir … Bedeutungsgleichheit durch eine Gleichung ausdrücken. Die Frage kann dann nur lauten: “ist W = Fuß, oder nicht?” — die| Die Sätze, in denen diese Zeichen stehen, verschwinden in dieser Betrachtung. — Ebensowenig kann man natürlich in dieser Terminologie fragen, ob “ist” das gleiche bedeutet wie “ist”; wohl aber, ob “ε” das gleiche bedeutet wie “=”| die Kopula das gleiche bedeutet wie das Gleichheitszeichen. Nun, wir sagten ja: 1 Fuß = 1 W; — aber Fuß ≠ W.
     

     Unsere Schwierigkeiten können gelöst werden; & sie brauchen zu ihrer Lösung nicht neue & feine Entdeckungen, tiefer dringende Analysen & dergleichen, sondern eine Zusammenstellung der richtigen Beispiele. (Das erlösende Wort.)
     

Wenn man sagt “ne ne p” könnte auch als aufgehobene Verneinung gebraucht werden, so soll das doch wohl heißen, daß der Kalkül mit der Regel ne ne p = p sich ganz in einen mit der Regel ne ne p = ne p übersetzen läßt.
     

Hat nun “ne” dieselbe Bedeutung wie “non”? — Kann ich “ne” statt “non” setzen? — “Nun, an
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gewissen Stellen ja| wohl, an andern nicht.” — Aber danach fragte ich nicht. Meine Frage war: kann man, ohne weitere Qualifikation ne statt non gebrauchen? — Nein.

     

“‘ne’ & ‘non’ heißen in diesem Fall genau dasselbe.” — Und zwar, was? “Nun, man solle das & das nicht tun.” Aber damit hast Du nur gesagt, daß in diesem Fall ne p = non p ist & das leugnen wir (ja) nicht.

     Wenn Du erklärst ne ne p = ne p, non non p = p, so gebrauchst Du die beiden Wörter eben in verschiedener Weise; & hält man dann an der Auffassung fest, daß, was sie in gewissen Kombinationen ergeben von ihrer Bedeutung ‘abhängt’, der Bedeutung, die sie mit sich herumtragen, dann muß man also sagen, sie müssen verschiedene Bedeutungen haben, wenn sie, auf gleiche Weise zusammengesetzt verschiedene Resultate ergeben können. | D.h., man muß dann sagen: ne ne p kann nicht etwas Anderes ergeben als non non p wenn die Bedeutungen von “ne” & “non” wirklich dieselben sind. Und wir drücken das nur anders aus.

     

Man möchte etwa von der Funktion des Wortes in diesem Satz reden. Aber worin besteht diese Funktion? Wie tritt sie zu Tage? Denn es ist ja nichts verborgen;|, wir sehen ja den ganzen Satz! Die Funktion muß sich im Kalkül| //im Laufe des Kalküls// zeigen.
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     Man will nun| aber sagen: “‘non’ tut dasselbe mit ‘p’, was ‘ne’ tut, — es kehrt ihn um”. Aber das sind nur andere Worte für “non p = ne p” ( was nur gilt, wenn “p” nicht selbst ein verneinter Satz ist). Immer wieder der Gedanke, daß, was wir vom Zeichen sehen nur eine Außenseite zu einem Innern ist, worin sich die eigentlichen Operationen| Prozesse des Sinnes & der Bedeutung abspielen| //die eigentlichen Operationen der Meinung abspielen//.

     

     Ist es nun nicht merkwürdig, daß ich sage das Wort “ist” werde in zwei verschiedenen Bedeutungen (als ‘ε’ & ‘=’) gebraucht, & nicht sagen möchte, seine Bedeutung bestehe darin, daß es wie ‘ε’ & wie ‘=’ gebraucht werde?| sei sein Gebrauch als ‘ε’ & ‘=’?| //seine Bedeutung sei sein Gebrauch als ‘ε’ & als ‘=’?//

     Man will| möchte sagen diese beiden Arten des Gebrauchs geben nicht eine Bedeutung; die Personalunion durch das gleiche Wort sei| ist ein unwesentlicher Zufall.

     

     Aber wie kann ich entscheiden, welches ein wesentlicher & welches ein unwesentlicher, zufälliger Zug der Notation ist? Liegt denn eine Realität hinter der Notation nach der sich ihre Grammatik richtet?

     Denken wir an einen ähnlichen Fall im Spiel: Im Damespiel wird eine Dame dadurch gekennzeichnet, daß man zwei Spielsteine aufeinanderlegt. Wird man nun nicht sagen, daß es für das Spiel unwesentlich ist, daß| es sei für das Spiel unwesentlich, daß … eine
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Dame aus zwei Steinen besteht?

     

     Sagen wir: die Bedeutung eines Steines (einer Figur) ist ihre Rolle im Spiel. — Nun werde vor Beginn jeder Schachpartie durch das Los entschieden welcher der Spieler Weiß erhält. Dazu halte der eine Spieler in jeder geschlossenen Hand einen Schachkönig & der andere wähle auf gut Glück eine der beiden Hände. Wird man es nun zur Rolle des Königs im Schachspiel rechnen, daß er (so) beim| zum Auslosen verwendet wird?
     

     Ich bin (also) geneigt auch im Spiel zwischen wesentlichen & unwesentlichen Regeln zu unterscheiden. Das Spiel, möchte ich sagen, hat nicht nur Regeln, sondern auch einen Witz.
     

Denken wir uns (aber) die beiden Ämter in einer Person vereinigt als ein altes Herkommen.


     

     Wozu das gleiche Wort? wir machen ja im Kalkül keinen Gebrauch von dieser Gleichheit! Wozu für beide Verwendungen| für beides die gleichen Steine? —
Aber was heißt es hier “von der Gleichheit Gebrauch machen”? Ist es denn nicht ein Gebrauch, wenn wir eben das gleiche Wort gebrauchen?

     

Hier scheint es nun als hätte der Gebrauch des
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gleichen Worts, des gleichen Steins, einen Zweck — wenn die Gleichheit nicht zufällig, unwesentlich, ist. Und als sei der Zweck, daß man den Stein wiedererkennen, & wissen könne, wie man zu spielen hat. Ist da von einer physischen oder einer logischen Möglichkeit die Rede? Wenn das Letztere, so gehört eben die Gleichheit der Steine zum| ins Spiel.

     

     Das Spiel soll doch durch die Regeln bestimmt sein! Wenn also eine Spielregel vorschreibt, daß zum Auslosen vor der Schachpartie die Könige zu nehmen sind, so gehört das, wesentlich, zum Spiel. Was könnte man dagegen einwenden? Daß man den Witz dieser Vorschrift| Regel nicht einsehe. Etwa, wie man auch den Witz einer Regel nicht einsähe, nach der jeder Stein dreimal umzudrehen wäre, ehe| den Witz einer Vorschrift nicht einsähe, jeden Stein dreimal umzudrehen ehe man mit ihm zieht. Fänden wir diese Regel in einem Brettspiel, so würden wir uns wundern & Vermutungen über den Zweck (zu) so einer Regel anstellen. (“Sollte diese Vorschrift verhindern daß man ohne Überlegung zieht”)| //(Wie man sich (etwa) fragt: Was ist der Ursprung des ‘Abhebens’ nach dem Mischen der Spielkarten?)
     

     “Wenn ich den Charakter des Spiels richtig verstehe”, könnte| möchte ich sagen, “so gehört das nicht wesentlich dazu”.


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     Man sagt: der Gebrauch des gleichen Wortes ist hier unwesentlich, weil die Gleichheit keine Übergänge überbrückt.|//, weil die Gleichheit der Wortgestalt hier nicht dazu dient, einen Übergang zu vermitteln.| eine Brücke zu einem Übergang ist.// Aber damit beschreibt man nur den Charakter des Spiels, welches man spielen will.
     

Eine der Versuchungen, der wir beim Philosophieren widerstehen müssen, ist die, zu glauben| denken, wir müßten unsere Begriffe exakter machen, als sie nach dem gegenwärtigen Stand unserer Einsicht sind. Dieser Abweg führt in eine Art mathematischer Philosophie, welche glaubt, mathematische Probleme lösen zu müssen, damit wir zur philosophischen Klarheit kommen. (Ramsey.) Wir brauchen nur eine richtige Beschreibung der gegenwärtigen Lage.
     

     Sage mir, was Du mit einem Satz anfängst, wie Du ihn verifizierst, etc., & ich werde ihn verstehen?
     

     Die Frage “wie kann man das wissen” fragt nach einem grammatischen| logischen Zusammenhang, wenn “kann” die logische Möglichkeit bedeutet.
     

     “Was ist ein Sessel?”      “Wie sieht ein Sessel aus?” Sind das etwa voneinander unabhängige Fragen?
     Wie haben wir denn die Bedeutung des Wortes
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“Sessel” gelernt? Wie wurde sie uns denn erklärt?

     

     Die Frage nach der Möglichkeit der| Art der Verifikation des Satzes ist nur eine besondere Form der Frage “wie meinst Du das?”. Die Antwort ist ein Beitrag zur Grammatik des Satzes.
     

     Wie weiß man, wenn es regnet? Wir sehen, fühlen, den Regen. Die Bedeutung des Wortes “Regen” wurde uns mit| an diesen Erfahrungen erklärt. Ich sage, sie sind ‘Kriterien’ dafür, daß es regnet. “Was ist Regen” & “wie sieht Regen aus” sind logisch verwandte Fragen. — Die Erfahrung habe nun gelehrt, daß ein plötzliches Fallen des Barometers & ein Regenguß immer zusammengehen; dann werde ich ein solches Fallen des Barometers als ein Symptom für das Niedergehn eines Regengusses ansehen. Ob ein Phänomen ein Symptom des Regens ist, lehrt die Erfahrung; was als Kriterium des Regens gilt ist Sache der Abmachung| unsere Bestimmung (Definition).
     

Es ist nichts gewöhnlicher, als daß die Bedeutung eines Ausdrucks in der Weise schwankt, daß ein Phänomen bald als Symptom bald als Kriterium angesehen wird. Und meistens wird dann in einem solchen Fall der Wechsel der Bedeutung nicht gemerkt. In der Wissenschaft ist es üblich Phänomene die genaue Messungen| //Messungen bestimmter Art// zulassen zu definierenden Kriterien eines Ausdrucks zu machen; & man ist dann geneigt zu
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meinen, nun sei die eigentliche Bedeutung gefunden worden. Eine Unmenge von Verwirrungen ist auf diese Weise zustande gekommen.

     Es gibt Grade der Erwartung| Hoffnung, aber es ist unsinnig von einer Messung der Hoffnung zu reden, wenn wir dem Wort “Hoffnung” seinen Gebrauch lassen. Nun gibt man etwa einem meßbaren Phänomen das manchmal mit der Hoffnung| Vergnügen zusammen geht den Namen “Hoffnung|Vergnügen” & sagt, man habe eine Methode gefunden die Hoffnung| Vergnügen zu messen. Es ist wahr, daß in gewissen Fällen ein meßbares Phänomen den Platz einnimmt, den früher| vor ihm ein nicht meßbares hatte. Das Wort, was diesen Platz bezeichnete, wechselt dann seine Bedeutung, & seine alte Bedeutung ist mehr oder weniger obsolet geworden. Man beruhigt sich dann dabei| damit, der eine Begriff sei der genauere, der andere der ungenauere; & beachtet nicht, daß hier in jedem besondern Fall ein anderes Verhältnis von “genau” & “ungenau” vorliegt| //Verhältnis zwischen dem ‘genauen’ & ‘ungenauen’ vorliegt//. Es ist der alte Fehler die besondern Fälle nicht zu prüfen.
      Das führt dann dahin, daß wir glauben jedes Phänomen, welches Grade zuläßt, müsse sich ‘eigentlich’ messen lassen. So z.B. die Wahrscheinlichkeit daß mein Freund mich heute besuchen wird.

     

     Das Schwanken der Grammatik zwischen Kriterien & Symptomen läßt es dann erscheinen als gäbe es überhaupt nur Symptome. Wir sagen dann etwa:
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Die Erfahrung lehrt daß es regnet, wenn das Barometer fällt, aber sie lehrt auch daß es regnet, wenn wir ein bestimmtes Gefühl der Nässe & Kälte, oder einen bestimmten Gesichtseindruck haben.” Als Argument dafür gibt man dann an, daß diese Sinneseindrücke uns täuschen können. Aber man bedenkt dabei nicht, daß die Tatsache, daß sie uns gerade den Regen vortäuschen auf einer Abmachung beruht.

     

     Nicht darum handelt es sich hier, daß unsere Sinneseindrücke uns belügen können, sondern, daß wir ihre Sprache verstehen. (Und diese Sprache beruht, wie jede andere, auf Übereinkunft.)
     

Man ist etwa geneigt zu sagen: “Es regnet, oder es regnet nicht; wie ich das weiß, wie mich die Kunde davon erreicht hat, ist eine andere Sache. Aber stellen wir also die Frage so: “Was nenne ich denn: ‘eine Kunde davon, daß es regnet’?” (Oder habe ich auch von dieser Kunde nur Kunde erhalten?) — Und was kennzeichnet denn diese ‘Kunde’ als Kunde von etwas? Leitet uns da nicht die Form unseres Ausdrucks irre? Ist das eben nicht ein irreleitendes Gleichnis| //eine irreleitende| irreführende Metapher//: “mein Auge gibt mir Kunde davon, daß dort ein Sessel steht”?
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     “Der Sessel| Regen existiert unabhängig davon, ob ihn jemand wahrnimmt.” Ist das ein Erfahrungssatz; oder eine verschleierte Festsetzung der Grammatik?| //Ist das ein Erfahrungssatz?// Soll es sagen, die Erfahrung habe gelehrt, daß ein Sessel nicht verschwindet, wenn man sich von ihm wegwendet?

     

“Welches ist die ‘wirkliche Lage’ des Körpers, den ich unter Wasser sehe, was, die ‘wirkliche Farbe’ des Tisches?” Welches| Welche nennst Du “die wirkliche Lage”? Du selbst kannst es entscheiden. — Wie findet man die wirkliche Lage; was willst Du als Methode der Bestimmung der wirklichen Lage gelten lassen| anerkennen?

     Die Frage nach der Verifikation ist eine Frage nach der Methode. (Methodologie.)

     

     “Es wird niemals Menschen mit zwei Köpfen geben.” Ein solcher Satz scheint irgendwie ins Unendliche, Unverifizierbare zu reichen & sein Sinn von jeder Verifikation unabhängig zu sein. Aber wenn wir seinen Sinn erforschen wollen, so meldet sich, ganz richtig, die Frage: Können wir die Wahrheit eines solchen Satzes je wissen, & wie können wir sie wissen; & welche Gründe können wir haben, was der Satz sagt anzunehmen, oder abzulehnen? — Nun sagt man vielleicht: es ist ja nach dem Sinn gefragt worden, & nicht danach, ob, & wie man ihn wissen kann. Aber die Antwort auf die Frage “wie kann
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man diesen Satz wissen?” ist nicht eine psychologische, //sondern sie erklärt seinen logischen, quasi rechnerischen, Zusammenhang mit andern Sätzen//. Und die möglichen Gründe den Satz anzunehmen sind nicht persönliche Angelegenheiten, sondern Teile des Kalküls.
     Wenn ich frage: wie kann man den Satz “jemand ist im Nebenzimmer” verifizieren, oder: wie kann man herausfinden, daß jemand im Nebenzimmer ist, — so ist etwa eine Antwort: “indem man ins Nebenzimmer geht & nachsieht”. Wenn nun gefragt wird: “wie kann man ins Nebenzimmer kommen, wenn die Tür versperrt ist”, so bedeutet das “kann” hier die physische Möglichkeit, nicht, wie in der ersten| vorigen Frage, die logische.

     

     Die Ursachen, warum wir einen Satz glauben, sind für die Frage, was es denn ist, was wir glauben allerdings irrelevant; aber nicht so die Gründe, die ja mit dem Satz grammatisch verwandt sind & uns sagen, wer er ist.
     

     Der Instinkt führt uns richtig, der zur Frage führt: wie kann man so etwas wissen; was für einen Grund können wir haben, das anzunehmen; aus welchen Erfahrungen würden wir so einen Satz ableiten; etc..
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     Der Sinn des Satzes ist ja nicht etwas, was wir, wie die Struktur der Materie, erforschen, & was vielleicht zum Teil unerforschlich ist. (Ungelöste Probleme der Mathematik.) So daß wir später noch einmal daraufkommen könnten, daß dieser Satz von andern Wesen, als wir sind, auf andere Art gewußt werden kann. (Ich rede nicht von Symptomen.) So daß er dieser Satz mit diesem Sinn bliebe, dieser Sinn aber Eigenschaften hätte, die wir jetzt nicht ahnen. Der Satz, oder sein Sinn, ist nicht das pneumatische Wesen, was sein Eigenleben hat & nun Abenteuer besteht, von denen wir nichts zu wissen brauchen. Wir hätten ihm quasi Geist von unserm Geist eingehaucht, aber nun hat er sein Eigenleben — wie unser Kind — und wir können ihn nur beobachten & untersuchen.| //beobachten & sein Wesen zu erforschen trachten.// (Mathematik.)

     

Wenn man nun fragt: hat es Sinn zu sagen “es wird nie das & das geben”? — Nun, welche Evidenz gibt es dafür; & was folgt daraus? — Denn, wenn es keine Evidenz gibt — nicht, daß wir noch nicht im Stande waren sie zu erhalten, sondern daß keine im Kalkül vorgesehen wurde —, dann ist damit der Charakter dieses Satzes bestimmt. So wie das Wesen einer Zahlenart dadurch bestimmt ist daß wir sagen, diese Zahlen seien mit Rationalzahlen| rationalen Zahlen unvergleichbar.
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“Das & das wird nie geschehen” — man glaubt durch diesen Satz in die unendliche Zukunft zu reichen. Quasi, zum mindesten eine Eisenbahn| Wenigstens eine Eisenbahn … dorthin gelegt zu haben, wenn wir auch noch nicht die ganze Strecke bereist haben.
     Es liegt da die Idee| Dem liegt die Idee … zu Grunde, daß das Wort “nie” die Unendlichkeit bereits mitbringe, da das eben seine Bedeutung ist.

     Es kommt darauf an: Was kann ich mit diesem| so einem Satz anfangen? Denn auf die Frage, “was sagt er?” kommt ja wieder ein| kommt wieder ein … Satz zur Antwort, & der führt mich so lange nicht weiter, als ich aus der Erklärung nichts über die Züge erfahre| & der führt mich nicht weiter, ehe ich nicht etwas über die Züge erfahre…, die ich mit den Figuren machen darf. (Als ich| Solange ich … sozusagen nur immer wieder die gleiche Spielstellung vor mir sehe & keine andern, die ich aus ihr bilden kann.) So höre ich, z.B., daß keine Erfahrung den Satz beweisen kann, & das beruhigt mich über seine unendliche Bedeutung.

     

Aus keiner Evidenz geht hervor, daß dieser Satz wahr ist. Ja, aber ich kann doch glauben, daß das der Fall ist, was er sagt!| daß es sich so verhält, wie er sagt! Aber was heißt (das): “glauben, daß es sich so verhält”? Reicht (etwa) dieser Glaube in die Unendlichkeit; fliegt er der Verifikation voran? — Was heißt es, das glauben: diesen Satz mit
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bestimmten Empfindungen sagen? in der & der Weise handeln? — Und diese Handlungen interessieren uns nur, sofern sie zeigen, wie wir den Satz im Kalkül verwenden.| gebrauchen.

     

     Jemand fragt mich: “warum hältst Du Deine Wange?” — ich antworte: “Zahnschmerzen”. Das heißt offenbar dasselbe wie “ich habe Zahnschmerzen”; aber weder stelle ich mir die fehlenden Worte im Geiste vor, noch| ergänze ich die fehlenden Worte im Geiste, noch … gehen sie mir im Sinn ab. “Daher ist es auch möglich, daß ich den Satz “ich habe Zahnschmerzen” so meine, als sagte ich nur das letzte Wort; oder, als wäre der ganze Satz| das ganze Satzzeichen nur ein Wort.”
     (Man sagt, ‘Hut & Stock!’ heiße eigentlich: ‘gib mir den Hut & den Stock!’.)

     

     Daran könnte man sehen, was es mit dem Meinen & der Bedeutung auf sich hat.
     

     Denken wir an die folgende Verwendung der Sprache: Ich schicke jemand einkaufen. Ich gebe ihm einen Zettel auf diesem stehen die Zeichen “drei rote Äpfel”. Er trägt den Zettel zum Kaufmann; der öffnet die Lade, auf welcher das Zeichen “Äpfel” steht; dann schlägt er in einer Tabelle das Wort “rot” nach & findet ihm gegenüber ein färbiges Täfelchen; nun sagt er die Reihe der Grundzahlwörter ich nehme an er kann| weiß sie auswendig, bis zum Wort “drei” & bei jedem Zahlwort| Wort nimmt er einen Apfel aus der Lade der die Farbe des Täfelchens hat. So &
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ähnlich operiert man mit Worten. “Wie weiß er aber, wo & wie er das Wort “rot” nachschlagen soll & was er mit dem Wort “drei” anzufangen hat?” Nun, ich nehme eben an, er handelt, wie ich es beschrieben habe. Die Erklärungen haben irgendwo ein Ende. — Was ist aber die Bedeutung des Wortes “drei”? — Von einer solchen war hier gar nicht die Rede; nur davon, wie das Wort “drei” gebraucht wird!

     

     Das Wort “Bedeutung” hat, wenn es systematisch verwendet wird, einen gefährlichen Beigeschmack des Okkulten. Darum ist es gut, wenn wir die Erscheinungen der Sprache an primitiven Verwendungsarten der Sprache studieren. An Formen & Verwendungen der Sprache wie sie das Kind gebraucht wenn es anfängt zu sprechen.

     Das Lehren der Sprache ist hier kein Erklären sondern ein Abrichten.

     

     Denken wir uns etwa folgendes Sprachspiel: Man spricht zu einem Kind indem man das elektrische Licht im Zimmer andreht: “Licht”, dann, indem man es abdreht: “Finster”; man tut das mehrere Male variiert die Zeitlängen & spricht mit eindringlichem Tonfall, begleitet die Worte etwa auch mit Gesten. Dann dreht man etwa im Nebenzimmer das Licht an oder| & ab & bringt das Kind dazu, daß es uns mitteilt:
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“Licht”, oder “Finster”.
     Soll ich nun “Licht” & “Finster” Sätze nennen? Nun, wie ich will. — Und wie ist es mit der ‘Übereinstimmung mit der Wirklichkeit?

     

     Wenn ich bestimmte einfache Sprachspiele beschreibe, so geschieht es nicht, um mit ihnen| von ihnen aus nach & nach die wirklichen Vorgänge der ausgebildeten Sprache zu beschreiben, was nur zu Ungerechtigkeiten führen würde. (Nicod & Russell.) Vielmehr lassen wir die Sprachspiele als das stehn, was sie sind. Sie sollen bloß ihre aufklärende Wirkung auf unsere Probleme ausstrahlen.
     

Man könnte nun einwenden: “Die Worte ‘Licht’ & ‘Finster’ sind hier als Sätze gemeint & nicht einfach als Wörter”. Das heißt, sie sind hier nicht so gebraucht, wie wir sie in der gewöhnlichen Sprache gebrauchen (obwohl wir tatsächlich auch oft so sprechen.)
     Wenn jemand plötzlich ohne sichtbaren Anlaß das Wort “Licht” ausspricht & nichts dazusetzt, so wird man allerdings fragen: “warum sagst Du ‘Licht’, was soll's damit?” oder: “was meinst Du mit ‘Licht’? ‘Licht’ ist doch kein Satz!”. Aber ebenso unverständlich wäre es uns, wenn er einen vollständigen Satz ohne jeden Anlaß & Zusammenhang ausgesprochen hätte etwa “da kommt er” oder “der Himmel ist
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blau”. Und anderseits würden wir es so gut wie jeden Satz verstehen, wenn Einer, der im Finstern etwas sucht, einem Andern zuriefe: “Licht!”.
Das Aussprechen des Wortes “Licht” war, im obigen Fall, noch kein kompletter| vollständiger Zug des Spieles, auf das wir gefaßt waren.

     

     Reden wir| Aber reden wir … doch nicht vom Meinen als einem unbestimmten & nicht verstandenen Vorgang, sondern vom wirklichen, ‘praktischen’, Gebrauch des Wortes, von den Handlungen, die wir mit ihm ausführen.

     Reden wir vom Meinen nur, wenn es ein Teil des Sprachkalküls ist (etwa der Teil, der aus Vorstellungsbildern besteht). Und dann brauchen wir eigentlich das Wort “meinen” nicht, denn das scheint immer anzudeuten, daß es sich um Vorgänge handelt, die der Sprache nicht angehören, sondern ihr gegenüberstehn; & daß es Vorgänge von wesentlich anderer Natur sind als der sprachlichen.



     

Wie unterscheidet sich aber “Licht”, wenn es den Wunsch nach Licht ausdrückt, von “Licht”, wenn es konstatiert| mitteilt daß es im Zimmer licht ist? Vielleicht dadurch, daß wir es in anderem Ton aussprechen, — mit anderer Empfindung (Meinung als Begleitung). Oder es kommt bloß in einem andern Spielzusammenhang vor. Denken wir, man fragte: “Wie unterscheidet sich ein Zug im Damespiel von der gleichen Bewegung eines Steins im Schlagdamespiel?”
      Der Unterschied kann sein, daß er das
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eine Mal auf die Frage “was meinst Du” antwortet: “ich meine Du sollst Licht machen”, das andre Mal “ich meine, es ist licht”|, es ist das Licht angezündet”.

     

     Wenn ein Mann im Ertrinken “Hilfe!” schreit, — konstatiert er die Tatsache, daß er Hilfe bedarf? daß er ohne Hilfe ertrinken werde?

     Dagegen gibt es den Fall, in dem man, quasi sich beobachtend, sagt: “ich habe jetzt den Wunsch nach …”.

     

      Wenn das Meinen für uns irgend eine Bedeutung, Wichtigkeit, haben soll, so muß dem System der Sätze ein System der Meinungen zugeordnet sein, was immer für Vorgänge die Meinungen sein mögen.



     

     Inwiefern stimmt nun das Wort “Licht” im Sprachspiel mit einer Wirklichkeit überein, oder nicht überein?
     Wie gebrauchen wir das Wort “übereinstimmen”? — Wir sagen “die beiden Uhren stimmen überein”, wenn sie die gleiche Zeit zeigen; “die beiden Maßstäbe stimmen überein”, wenn gewisse Teilstriche zusammenfallen (übereinstimmen); ein Plan stimmt| stimme mit einer Gegend überein. Wir sagen, “die beiden Längen stimmen überein”, wenn sie gleich sind; aber auch, wenn sie in einem andern, von uns festgelegten, Verhältnis stehen (Maßstab des Planes).
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So muß also in jedem Fall erst festgesetzt| erklärt werden, was unter “Übereinstimmung zu verstehen ist. — So ist es auch mit der Übereinstimmung einer Längenangabe mit der Länge eines Gegenstandes. Wenn ich sage: “dieser Stab ist 2'5 m lang”, so kann ich z.B. eine Erklärung geben, wie man verfährt, um nach diesem Satz mit einem Maßband die Länge des Stabes zu kontrollieren; wie man etwa nach diesem Satz einen 2'5 m langen Meßstreifen erzeugt. Und ich sage nun, der Satz stimmt mit der Wirklichkeit überein, wenn der so konstruierte Meßstreifen mit dem Stab übereinstimmt. ( Diese Anfertigung eines Meßstreifens illustriert übrigens, was ich in der Abhandlung damit meinte,|: der Satz komme bis an die Wirklichkeit heran.)
     Als ich nun den Andern das Sprachspiel lehrte & sagte: “Licht” (indem ich Licht machte) & “Finster” (indem ich das Licht| es abdrehte), hätte ich auch sagen können, & mit keiner andern Bedeutung: “das heißt ‘Licht’” ( wobei ich Licht mache) & “das heißt ‘Finster’” etc., & auch ebensogut: “das stimmt mit ‘Licht’ überein”, “das stimmt mit ‘Finster’ überein”.

     

     Man denkt leicht beim Worte “Übereinstimmung” nur an Ähnlichkeit, in dem Sinne, in welchem zwei Gegenstände ähnlich sind, wenn man sie leicht mit einander verwechseln kann ( wenn sie einander gleich sehen).
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     Wir gebrauchen (das Wort) “Übereinstimmung mit der Wirklichkeit” nicht als metalogischen Ausdruck, sondern als Teil der gewöhnlichen — praktischen — Sprache.| //Der Ausdruck “Übereinstimmung mit der Wirklichkeit” gehört für uns nicht der Metalogik an, sondern dem praktischen Gebrauch unserer gewöhnlichen Sprache.//
     Man kann etwa sagen: Im Sprachspiel “Licht — Finster” kommt der Ausdruck “Übereinstimmung mit der Wirklichkeit” nicht vor.

     

     Freges Ansicht, daß in der| einer Behauptung eine Annahme steckt die dasjenige ist, was behauptet wird, basiert eigentlich auf der Möglichkeit jeden Behauptungssatz in der Form zu schreiben: “Es wird behauptet, daß das & das der Fall ist”.
     

     Aber wir könnten sehr gut auch jede Behauptung in Form einer Frage mit nachfolgender Bejahung (oder Verneinung) schreiben. Z.B. — statt: “Es regnet”, “Regnet es? Ja!”
     Würde das zeigen, daß in jeder Behauptung eine Frage steckt?

     

     Wir könnten uns eine menschliche Sprache denken, in der es keine Behauptungssätze gibt, sondern nur Fragen & die Bejahung & Verneinung.
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     Man hat natürlich das Recht ein Behauptungszeichen zu verwenden wenn man es im Gegensatz, etwa, zu einem Fragezeichen gebraucht. Irreleitend ist es nur, wenn man meint, daß die Behauptung nun aus zwei Akten besteht, dem Erwägen & dem Behaupten (Beilegen des Wahrheitswertes, oder dergl.) & daß wir diese Akte nach dem geschriebenen Satz ausführen, ungefähr wie wir nach Noten singen.       Dem Singen nach Noten ist nun allerdings das laute, oder leise, Lesen des geschriebenen Satzes analog| vergleichbar| Mit dem Singen nach Noten ist nun allerdings das laute, oder leise, Lesen des geschriebenen Satzes zu vergleichen; aber nicht eine Tätigkeit den Satz zu denken. |//; aber nicht ein ‘Denken’ oder ‘Meinen’ des Satzes.// Ist also ein Behauptungszeichen im geschriebenen Satz, so wird wieder ein Behauptungszeichen im gelesenen sein (etwa die Betonung, der Stimmfall). Aber das Denken des Satzes besteht nicht darin, daß wir nach den Signalen des Satzes Gedankenoperationen — u.a. auch das Behaupten — ausführten. Und als seien im Satz die Zeichen, & die Bedeutungen im Denken.

     

     Man könnte die Funktion des Fregeschen Behauptungszeichens auch darin sehen, daß es den Anfang der Behauptung bezeichnet. Es entspräche dann dem großen Anfangsbuchstaben, oder dem Schlußpunkt des vorhergehenden Satzes. Das Behauptungszeichen ist dann eine von zwei Klammern, die den selbständigen Satz von einem unterscheiden, der Teil eines andern
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ist. (Dies ist zum Teil gewiß auch der Idee Freges gemäß.) Und diesen Unterschied stark hervorzuheben ist wichtig. Denn unsere philosophischen Schwierigkeiten die Negation & das Denken betreffend rühren in gewissem Sinn daher, daß wir nicht sehen, daß ein Satz “⊢ ~p” oder “⊢ ich denke p” mit dem Satz “⊢ p” wohl “p” gemein hat, aber nicht “⊢ p”.

     

Mit dem Singen nach Noten ist nun allerdings das laute (oder leise) Lesen nach dem geschriebenen Satz zu vergleichen; aber die Zeichen des Satzes sind nicht Signale zu psychischen| seelischen Tätigkeiten des Meinens. Als seien im Satz die Zeichen,