|
| |
|
|
1
Augustinus'
Beschreibung des Lernens der Sprache.
Diese Auffassung ist einem großen Teil der Menschen die
natürliche.
Man denkt daran, wie das Kind die Namen von Personen & Worte wie
“Mann”, “Sessel”,
“Zucker”, lernt.
An Bestandteile der Sprache wie “jetzt”,
“nicht”, “aber”,
“alle”, “vielleicht” denkt man dabei
nicht.
Augustins
Auffassung des Lernens der Sprache könnte man
unvollständig,
lückenhaft nennen.
Als sähe jemand auf einen Wald von
Laubbäumen, Nadelbäumen, Sträuchern, Farnen &
anderem, & sagte, der Wald
besteht aus
Kiefern.
Es ist aber wichtig, daß wir uns eine Sprache (System der
Verständigung) denken können, für die
Augustins Beschreibung
gilt.
|
| |
|
|
1)
Denken wir uns eine Sprache deren Funktion es ist, daß ein Bauender
A sich durch sie mit einem Handlanger B verständigt.
B soll dem A Bausteine zureichen.
Es gibt Quadern, Säulen, Platten, Balken.
Die Sprache besteht aus den Wörtern: “Quader”,
“Säule”, “Platte”,
“Balken”; A ruft dem B eines dieser Wörter zu,
B bringt darauf einen Baustein von bestimmter Form.
Das Kind lernt diese Sprache von den Erwachsenen; es wird zum Gebrauch der
Sprache abgerichtet.
Dabei wird auf einen Baustein hingewiesen, die Aufmerksamkeit des Kindes
auf ihn gelenkt, & ein Wort ausgesprochen.
Dies kann man “hinweisendes Wortelehren“ nennen.
Im eigentlichen Gebrauch dieser Sprache ruft der eine Teil die Worte, als
Befehle, der andere handelt nach ihnen; aber das Lernen der Sprache kann den Vorgang enthalten,
|im Lernen der Sprache wird es vorkommen, daß der Lernende die
Dinge nur ‘benennt’, d.h., die
Wörter der Sprache ausspricht wenn auf die Dinge
gezeigt wird.
Ja es gibt in diesem Lernen auch die
einfachere Übung: der Lernende wiederholt die Wörter die der
Erwachsene ihm vorspricht.
|
| |
|
|
2)
Betrachten wir eine Erweiterung dieser Sprache: Der Handlanger weiß
die Reihe der Wörter “eins” bis “zehn”
auswendig; auf den Befehl “fünf Platten!” geht er an
den Ort wo die Platten liegen, sagt die Reihe von “eins”
bis “fünf” & nimmt bei jedem Wort eine Platte auf;
dann bringt er die fünf dem Bauenden.
(Hier gebrauchen beide Teile die Sprache redend.)
Im Lernen dieser Sprache wird das
Memorieren der Zahlwörter einen bedeutenden Platz einnehmen. —
Die Anwendung der einzelnen Zahlwörter wird wieder hinweisend
gelehrt werden.
Aber nun wird das gleiche Wort (etwa “drei”)
sowohl durch den Hinweis auf Platten, wie auf Quadern etc. gelehrt,
& anderseits verschiedene Zahlwörter durch den Hinweis auf verschiedene Gruppen der gleichen Art von
Steinen.
|
| |
|
|
3)
Führen wir weitere Vorrichtungen der Sprache ein: Einem bestimmten
Gegenstand (Baustein) wird — durch Hinweis — ein Name
(Eigenname) gegeben; wird der Name gerufen, so bringt B den
Gegenstand.
Das Hinweisende Lehren ist hier wieder anders; vergleiche es mit dem
Früheren.
2
|
| |
|
|
4)
Auf den Befehl “Die Platte dort!” bringt
B die Platte auf welche gezeigt wird |wurde; auf den
Befehl “Platte dorthin!” bringt er eine Platte an den
Ort, auf den gewiesen wird.
Wird der Gebrauch der Worte “dort” &
“dorthin” auch hinweisend gelehrt?
N.B.:
|Bedenke: man gibt nicht einem Ort den Namen
“dort”.
|
| |
|
|
5)
Frage & Antwort.
A fragt “Wieviele Platten?”
— B zählt sie & antwortet die Zahl.
Jede dieser Formen des sprachlichen Verkehrs könnte man ein
“Sprachspiel” nennen.
Sie sind dem, was wir gewöhnlich “Spiele” nennen, mehr
oder weniger, verwandt.
Das Kind lernt die Sprache mittels
solcher Spiele.
(Und sie |diese haben dann oft auch den unterhaltenden
Charakter des Spiels.)
Die Sprachspiele wollen wir nicht als unfertige Teile, als
Bruchstücke eines Ganzen, der Sprache, betrachten, sondern als in sich
abgeschlossene Sprachen, Systeme menschlicher Verständigung.
Und hiezu ist es nützlich sich vorzustellen, ein primitiver Volksstamm
besitze so eine Sprache, die, z.B., nur
|bloß aus einem System von Befehlen zum
Gebrauch im Kriege besteht. —
Eine solche primitive Sprache ist unmittelbar verwandt einer
primitiven Arithmetik.
Auch der welcher die
Zeichenschrift der Chemie, darstellende
Geometrie, das Lesen der Wetterkarte lernt, etc.,
lernt neue Sprachformen, Sprachspiele.
|
| |
|
|
6)
Ein weiteres Sprachspiel: Nach der Benennung fragen.
Es werden neue Formen von Bausteinen eingeführt.
B zeigt auf einen & fragt: “Was ist
das?” —
A antwortet “Das ist ein …”.
Ruft A später das neu eingeführte Wort (etwa
|z.B. “Sockel”) so
bringt B den Stein.
Die Worte “das ist…” mit der hinweisenden
Gebärde heißen “hinweisende Erklärung”.
Erklärt wurde in diesem Fall ein Gattungsname (insbesondere ein
Formname).
Analog kann hinweisend nach dem Eigennamen eines bestimmten Dings
gefragt werden, & so auch nach der Benennung einer Farbe, einer Zahl, einer Richtung,
etc..
|
| |
|
|
7)
In einer Tabelle werden |sind Schriftzeichen Abbildungen
gegenübergestellt.
B ist mit der Tabelle versehen; A schreibt eines der Zeichen;
B sucht es in der Tabelle, blickt oder zeigt auf das
dazugehörige Bild & bringt den Gegenstand, den es
darstellt.
Wir haben in jedem dieser Sprachspiele neue Zeichenarten
eingeführt. —
Ich will vor allem zwischen Sätzen & Wörtern
unterscheiden.
“Satz” nenne ich hier jedes vollständige Zeichen
eines Sprachspiels.
Seine Teilzeichen sind Wörter.
Ein Satz kann auch aus bloß einem Wort bestehen.
So sind im Sprachspiel (I) die Wörter
“Quader”, “Platte”, etc.
die Sätze. |die Sätze des Sprachspiels (I) die Wörter
“Quader”, “Platte”,
etc..
Im zweiten Sprachspiel besteht ein Satz aus zwei Wörtern.
Je nach der Rolle, die ihnen in dem Sprachspiele zufällt können wir unter
den Sätzen Befehle, Fragen, Beschreibungen & andre Arten
unterscheiden.
|
| |
|
|
8)
Wenn in einem, No 1 ähnlichen, Sprachspiel der
Zuruf lautet “Quader,
Platte, Säule!”, worauf der Gehilfe eine n
Quader, eine Platte & eine Säule zureicht, so kann man hier von drei
Befehlen (Sätzen), aber
3
auch von einem (zusammengesetzten) sprechen.
|
| |
|
|
Soll aber
9)
durch die Ordnung der Wörter die Ordnung des Zureichens
angegeben werden (“Quader, dann Platte, dann
Säule”), so werden wir sagen, A rufe einen Satz, der aus
drei Wörtern besteht.
Unter den Wörtern sehen wir Gruppen solcher mit gleichartigen
Funktionen .
Wir sehen eine Analogie im Gebrauch der Wörter “eins”,
“zwei”, “drei”, etc.
& anderseits eine im Gebrauch |Analogie in der Art des
Gebrauchs von “Quader”, “Säule”,
etc..
Wir unterscheiden daher Wortarten;
z.B. Zahlwörter & Formwörter.
Die Sätze in (8) bestehen aus mehreren Wörtern der gleichen
Wortart.
Die Funktion eines Wortes kann
in einem andern Sprachspiel auf die Ordnung der übrigen Wörter des
Satzes übergehn.
Was hier ein Wort leistet wird in einem andern System ohne ein solches
getan.
Die Befehle im Sprachspiel (9) hätte man mit Hilfe von
Ordnungswörtern geben können; also etwa so:
“Zweitens Platte, erstens Quader, drittens
Säule!”; & diese Ordnungswörter kann man durch die
Ordnung der Formwörter eliminieren.
Eine solche Überlegung zeigt, wie viel weniger rigid die Funktion des
Wortes im Satz ist als die Logiker vielfach |meistens
annehmen.
Wenn wir Wörter nach der Ähnlichkeit ihrer Funktion zusammenstellen,
so werden sie sich nach verschiedenen Gesichtspunkten, verschieden
zusammenstellen lassen.
So könnte man, aus naheliegenden Gründen, das Wort
“eins” nicht mit “zwei”,
“drei”, etc. zusammenfassen
wollen.
(Man sagt oft “zwei oder mehrere”.)
“Weiß ist keine Farbe”.
Wörter kann man in vielen Beziehungen mit Schachfiguren
vergleichen. —
Denke an die verschiedenen Möglichkeiten die Schachfiguren nach
ihren Funktionen im Spiel in Gruppen zu sondern.
Es ist natürlich, zur Sprache, zum Ausdruck, auch die zeigende
Gebärde zu rechnen, die z.B. in (4) die Worte
begleitet.
Aber auch die Abbildungen in (7) sind
Sprachmittel. (
Augustinus .)
Solche Abbildungen & andere ähnliche Mittel der Sprache nennen wir
“Muster”.
(Das ist eine vage Bestimmung; & soll
es sein.)
Muster & Wort haben verschiedene
Funktion.
Mit dem Muster wird etwas verglichen, mit dem Wort nicht.
(Wird aber das |ein Wort onomatopoetisch gebraucht, so
könnte man es auch ein Muster nennen.)
Wir haben mit dieser Unterscheidung aber nicht eine
letzte Dualität in der Logik festgestellt; sondern nur aus
den
Mitteln unsrer Sprache zwei charakteristische Arten
hervorgehoben.
Man wird etwa “1”, “2”,
“3”, “4”, etc.
Wörter nennen; “|”,
“||”, “|||”,
“||||”, etc. dagegen
Muster.
Wenn nun in einer Sprache die Zahlwörter “eins”,
“eins eins”, “eins eins eins”,
etc. lauteten,— sollten wir “eins”
ein Wort nennen oder ein Muster?
Das gleiche Sprachelement kann hier als Wort & dort als Muster
fungieren.
Eine Kreisfigur kann der Name (Wort) einer|das Wort für
eine El lipse sein, aber auch das Muster womit sie in einem
Sprachspiel nach bestimmter Projektionsmethode zu vergleichen ist.
3
 141001
4
Wir nennen eine große Mannigfaltigkeit mit einander mehr oder weniger
verwandter Vorgänge “Vergleich eines Gegenstands mit
einem Muster” & wir fassen Sprachelemente mit vielerlei
mehr oder weniger verwandten Funktionen unter dem Wort “Muster”
zusammen.
In (7) vergleicht
B ein Bild auf einer Tabelle mit Gegenständen, die er vor sich
hat.
Aber wie vergleicht er sie? —
Auf der Tabelle seien
in einem Fall α) die
Bilder eines Hammers, einer Zange, eines Meißels & einer
Säge, in einem anderen β) zwanzig Abbildungen
verschiedener Schmetterlinge der Gattung Schwärmer.
Im zweiten Fall wird das Vergleichen der Abbildung mit den Gegenständen ein ganz anderer
Vorgang sein, als im ersten.
Wieder anders aber im Fall γ), wenn die Bilder die
maßstabgetreuen Zeichnungen von Quadern
verschiedener Proportionen sind & das Vergleichen etwa
mit dem Meßzirkel geschieht.
Etc., etc..
Die Aufgabe konnte sein einen Stoff von der Farbe des Musters zu
bringen.
Aber wie sind die Farben von Muster & Stoff zu vergleichen?
|
| |
|
|
10)
Etwa so: Man zeigt B das Muster, daraufhin holt er den
Stoff (“nach dem Gedächtnis”).
|
| |
|
|
11)
Oder: B erhält das Muster & blickt vom Muster auf die
Stoffe aus denen er zu wählen hat.
|
| |
|
|
12)
Oder: B hält das Muster der Reihe nach an die Stoffe &
wählt den, den er vom Muster nicht unterscheiden kann; für welchen, etwa,
der Übergang vom Muster zum Stoff verschwindet.
|
| |
|
|
13)
Denken wir anderseits an den Vergleich der Farben, wenn der Auftrag
lautete: “Bringe einen Stoff, etwas dunkler als dieses
Muster”.
In (10) sagte ich, B hole den Stoff nach dem Gedächtnis; ich
bediente mich damit einer gebräuchlichen Redeweise.
Es konnte da aber verschiedenerlei geschehen. α) B
schwebt ein Erinnerungsbild des gesehenen Musters vor.
Er läßt beim Wählen des Stoffes abwechselnd den Stoff vor seinen
Augen & das Erinnerungsbild auf sich einwirken, indem er auf
den Stoff sieht, dann die Augen schließt & sich das Muster
vorstellt.
β) B schwebt kein Bild des Musters vor.
Er sieht die Stoffe der Reihe nach an, er schüttelt jedesmal den Kopf,
empfindet eine gewisse Spannung, Unbefriedigung; endlich kommt er zu einem,
bei dessen Anblick sich die Spannung löst; er nickt mit dem Kopf &
zieht den Stoff aus dem Haufen.
γ) Die Vorgänge sind die gleichen wie in (β),
aber ohne die Kopfbewegungen & ohne das Spiel der
Empfindungen.
“Aber warum hat er denn dann diesen Stoff gebracht?
Wie hat er ihn denn erkannt?
Woran?” —
Wenn Du “warum” fragst, fragst Du da nach der Ursache,
oder nach dem Grund?
Wenn nach der Ursache, — so läßt sich ja leicht eine physiologische
oder psychologische Hypothese ausdenken, nach der die Wahl unter diesen
& diesen Bedingungen so ausfallen mußte.
Im übrigen ist es Sache der experimentellen Wissenschaft
solche Hypothesen zu prüfen.
Fragst Du nach dem Grund, so ist die Antwort: die Wahl muß keinen
Grund gehabt haben.
Ein Grund
5 wäre ein Schritt, vor dem Schritt
der Wahl, der den Wählenden dazu gebracht hat, diesen zu tun.
Aber warum soll einem Schritt immer ein
andrer
vorangehen?
“Dann hat aber B den Stoff, den er bringt, doch nicht als
den richtigen erkannt.” —
Aber warum sollen wir die Vorgänge γ nicht auch unter
das Erkennen rechnen? —
“Aber es fehlt ih m doch nun das Kriterium
zum Erkennen!
Im Falle α hatte er z.B. das
Gedächtnisbild, & an der Übereinstimmung mit diesem erkannte
er den gesuchten Stoff.” — Aber
hatte er auch ein Bild dieser Übereinstimmung bei sich, mit dem er die
Übereinstimmung vergleichen konnte, um zu sehen, ob es die verlangte
Übereinstimmung war?
Und könnte es, anderseits, so ein Muster oder Bild der Übereinstimmung
nicht geben?
Erklärt man einem Menschen nicht das Wort
“Übereinstimmung” an Beispielen, & könnte ich dem,
der nach einem roten Gegenstand mit rotem Muster sucht, nicht außer diesem
zwei gleichfärbige Gegenstände mitgeben, damit er sich, sozusagen, daran
erinnert, was “gleichfärbig” heißt?
Ist irgend eine solche Erklärung wesentlich die letzte?
—
Und wenn Du sagst, im Fall β habe B das Gesuchte durch das
Nachlassen der Spannung erkannt, so frage ich, woran er denn das Nachlassen
der Spannung als solches erkannt hat.
“Aber B handelt eben im Fall γ wie ein Automat, der
nicht weiß, was er tut.” — B hat im Fall γ
ein einfacheres Erlebnis, als in α & β.
Und Du wolltest wohl sagen, B weiß nicht, warum er so
handelt.
Aber, was die Ursache der Handlung anbelangt, so sind alle drei Fälle auf
der gleichen Stufe; & vom Grund kann man nicht sagen, B wisse
ihn nicht; sondern es ist kein Grund vorhanden.
“Aber wenn er nun den Stoff bringt & er stimmt mit dem
Muster nicht zusammen!” —
Aber das hätte auch im Fall α so geschehen können.
Man hätte dann vielleicht gesagt, sein Erinnerungsbild habe sich
verändert.
“Aber es ist doch ein wesentlicher Unterschied zwischen den
Fällen α und γ.”
Gewiß! eben der, den ihre Beschreibungen angeben.
In (1) hatte B gelernt auf den Zuruf
“Quader” einen Stein von bestimmter Form zu
bringen.
Wir können uns denken, daß dies so vor sich ging: In
B wurde durch das Wort die Vorstellung einer Quader wachgerufen, das
Abrichten hatte, wie man sagen würde, diese Assoziation
hergestellt.
B hebt nun einen dieser Vorstellung entsprechenden Baustein
auf, etc.. —
Mußte das aber der Vorgang sein? —
Wenn das Abrichten es bewirken konnte, daß die Vorstellung, —
automatisch, — auf den Zuruf entstand, warum nicht auch, daß
B auf das Wort nach dem Stein von dieser Form greift?
Das bedeutet ja nur eine kleine Variation des assoziativen
Mechanismus.
6
Die Vorstellung, die so auf das Wort hin entsteht, wird ja nicht nach
diesem mittels einer Regel gebildet, sondern sie ist mit
einem Täfelchen zu vergleichen, das durch den Druck auf einen Knopf
hervorspringt.
Ja, wir könnten uns dieses Hilfsmittel statt desjenigen der Assoziation
auch wirklich im Gebrauch denken.
Das Sprachmittel der Vorstellung einer Farbe, einer Figur, eines
räumlichen Dings, eines Lautes,
etc . ist durchaus dem einer wirklich gesehenen Farbe, Figur,
etc., etc. an die Seite zu stellen.
|
| |
|
|
14)
Das Abrichten kann darauf ausgehen, nicht nur die Verwendung
einzelner Tabellen beizubringen, sondern zu bewirken, daß
der Lernende Tabellen mit neuen
Zuordnungen von Schriftzeichen & Bildern anlegt &
verwendet.
Sprachspiel: “ Leg eine andere
Tabelle an!”
Oder: “Gib den Dingen Namen!”
⇆
Im Abrichten zum Gebrauch einer
Tabelle kann die Übung vorkommen: mit dem Finger von rechts gerade
nach links zeigen, sozusagen, parallele
horizontale Striche ziehn.
⇄
|
| |
|
|
Der Gebrauch einer Regel kann auch durch
eine weitere Regel erklärt werden.
Beispiel: Es wird der
Gebrauch von Tabellen gelehrt, 15) die man von oben nach unten, statt von links
nach rechts abliest.
Wir stellen die Gebrauchsart der Tabellen durch Schemata dar; etwa:
 141002
oder  141003 oder
 141004
etc.
Diese Schemata können nun als Regeln| So ein Schema
kann nun als Regel
des Ablesens einer Tabelle beigegeben
werden.
Könnte man nicht auch Regeln zum Gebrauch dieser Regeln
geben?
Gewiß. —
Ist es eine Unvollständigkeit
der Erklärung, wenn der Gebrauch einer Regel nicht durch die Angabe einer
Regel
bestimmt wird? …
Nein.
Die Regeln haben einen Anfang.
⇆
|
| |
|
|
16)
Es wird die Dezimalnotation der Kardinalzahlen, oder eine ähnliche
Zeichenreihe (Wortreihe) eingeführt.
Der Lernende aufgemuntert, die Reihe selbständig nach Analogie
weiterzuführen.
Befehl: in der Reihe einen Schritt
weiter gehn;
weiterzählen bis
“Halt” gerufen wird;
andere
Zahlwörter hinschreiben;
Dinge,
Glockenschläge, etc. zählen;
Dinge in Gruppen
zu so & so vielen ordnen.
Die elementare Arithmetik, wie sie in den Volksschulen wirklich gelehrt
wird, besteht ganz aus solchen Sprachspielen.
7
In (7) bringt B Gegenstände
nach Befehlen mittels einer Tabelle.
Es kann nun sein, daß der Vorgang, etwa nach einigen Wiederholungen, dahin
abgeändert wird, daß B auf den Befehl hin den Gegenstand
bringt, ohne die Tabelle zu verwenden (also wie in (1)).
Man sagt in so einem Falle etwa, er habe sich nun die Bedeutungen der
Worte gemerkt. —
Aber hier gibt es wieder verschiedene
Möglichkeiten, ähnlich denen in
(10).
Statt der wirklichen Tabelle kann z.B. eine
vorgestellte verwendet werden, ehe dieser|so ein Behelf
gänzlich wegfällt.
Die Tabelle, Regel, ist nun ganz aus dem Spiel ausgeschieden.
Sie steht zu ihm nur in der Beziehung eines Behelfs des Lehrens, Abrichtens, während
sie in (7) ein Instrument des Spiels ist.
Wir können also unterscheiden den Fall, in welchem das Spiel mit
Hilfe der Regel gespielt wird, von dem Fall, in dem es in
Übereinstimmung mit der Regel aber ohne ihre
Hilfe gespielt wird.
|
| |
|
|
Das Schachspiel wird, in diesem Sinne, für gewöhnlich nicht mit
Hilfe der Schachregeln gespielt.
Wir könnten uns aber ein ähnliches Spiel
17) denken, in dem die Spieler mit Tabellen
versehen sind; in einer Kolumne stehen die Abbildungen der
verschiedenen im Spiel benutzen Steine, in der andern diesen Bildern
zugeordnet Schemata, welche die Freiheit (die erlaubten Züge)
der Steine darstellen.
Das Ablesen der Regeln
für jeden Zug ist ein Teil des Spieles.
Das Spiel wird mit Hilfe dieser Regeln gespielt.
Wurden dem Lernenden auch Regeln zum Gebrauche dieser
gegeben, so gehören jene (die Regeln ‘zweiten
Grades’) hier nicht zu den Instrumenten des
Spiels.
|
|
|