Title:  (2007-): [Work in progress] Wittgenstein TS 212: Ts-212.xml - Typewritten-text-only edition
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Author:  Ludwig Wittgenstein
Editor:   Alois Pichler
Organization: Wittgenstein Archives at the University of Bergen (WAB)
Funders & Partners:   Trinity College, Cambridge; Oxford University Press, Oxford; InteLex Corporation, Charlottesville; Uni Research, Bergen; University of Bergen, Bergen; L. Meltzers Høyskolefond, Bergen; COST Action A32, Brussels; eContent+ DISCOVERY, Luxembourg
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N.N., Heinz Wilhelm Krüger (transcription and MECS-WIT markup: 1999)
Rights:  Copyright holders: The Master and Fellows of Trinity College, Cambridge; Oxford University Press, Oxford; University of Bergen, Bergen. Released under the Creative Commons General Public License Attribution, Non-Commercial, Share-Alike version 3 (CCPL BY-NC-SA).
Source:  Except for pp. 1-392, the text has not been proofread since the production of the Bergen Electronic Edition (2000), though some corrections have been made also in the other parts of the text. Especially pp. 1387ff need correction.



     

Ts-212,1






















     

Ts-212,2























     

Ts-212,3



            Kann man denn etwas Anderes als einen Satz verstehen?

            Oder: Ist es nicht erst ein Satz, wenn man es versteht. Also:
Kann man etwas anders, als    als Satz   verstehen?

     


            Man könnte davon reden “einen Satz zu erleben”.


            Lässt sich dieses Erlebnis niederschreiben?

     

Ts-212,4


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                        Da ist es wichtig, dass es in einem gewissen Sinne
keinen halben Satz gibt.

            Das heisst, vom halebn Satz gilt, was vom Wort gilt, dass es
nur im Zusammenhang des Satzes Sinn // Bedeutung // hat.

     


            Das Verstehen fängt aber erst mit dem Satz an.

     

Ts-212,5



            Wie es keine Metaphysik gibt, so gibt es keine Metalogik. Das
Wort “Verstehen”, der Ausdruck “einen Satz verstehen”, ist auch nicht me-

Ts-212,6


243
talogisch, sondern ein Ausdruck wie    jeder   andre der Sprache.

     

Ts-212,7



            Wir haben es also mit dem Verstehen des Satzes
nicht zu tun; denn wir selbst müssen ihn verstehen, dass er für uns ein Satz
Ts-212,8


271
ist.

     


            Es wäre ja auch seltsam, dass die Wissenschaft und die Mathema-
tik die Sätze gebraucht, aber von ihrem Verstehen nicht spricht.
     


            Man sieht in dem Verstehen das Eigentliche, im Zeichen das Neben-
sächliche. — Uebrigens, wozu dann das Zeichen überhaupt? — Nur um sich Andern
verständlich zu machen? Aber wie ist das überhaupt möglich. — Hier wird das
Zeichen als eine Art Medizin behandelt betrachtet // angesehen //, dass im [a|A]ndern die
gleichen Magenschmerzen hervorrufen soll, wie ich sie habe.
     

Ts-212,9



            Auf die Frage “was meinst du”, muss zur Antwort kommen: p;
und nicht “ich meine das, was ich mit ‘p’ meine”.

     

Ts-212,10



            Die gesamte Sprache kann nicht missverstanden werden. Denn
sonst gäbe es zu diesem Missverständnis wesentlich keine Erklärung Aufklärung.

            Das heisst eben, die ganze Sprache muss für sich selbst spre-
chen.

     

Ts-212,11



            Man kann es auch so sagen: wenn man sich immer in einem Sprach-
system ausdrückt und also, was ein Satz meint, nur durch Sätze dieses
Systems erklärt, so fällt am Schluss die Meinungn ganz aus der Sprache,
also aus der Betrachtung, heraus und es bleibt die Sprache das Einzige,
was wir betrachten können.

     

Ts-212,12



             // Gesprochenes // kann man nur durch die Sprache er-
klären, darum kann man    die Sprache   ˇin diesem Sinne nicht erklären.

     

Ts-212,13



            Ich will doch sagen: Die ganze Sprache kann man nicht int[r|e]r-
pretieren.

Eine Interpretation ist immer nur    eine   im Gegensatz zu
einer and    andern.   Sie hängt sich an das Zeichen und reiht es in ein
weiteres System ein.

     

Ts-212,14



            Alles was ich in der Sprache tun kann, ist    etwas   sagen:
das    eine   sagen. (Das eine sagen im Raume dessen, was ich hätte sagen
können.)

     

Ts-212,15



            Wenn Frege gegen die formale Auffassung der Arithmetik spricht,
so sagt er gleichsam immer: diese kleinlichen Erklärungen, die Symbole
betreffend, sind müssig, wenn wir diese verstehen. Und das Verstehen be-
steht ist quasi im das Sehen eines Bildes, aus dem dann alle Regeln folgen (wo-
durch sie verständlich werden). Frege sieht aber nicht, dass dieses Bild
nur wieder ein Zeichen ist, oder ein Kalkül, der uns den geschriebenen
Kalkül erklärt.

            Aber das Verständnis gleicht überhaupt (immer //sehr//) dem,
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89
welches wir für einen Kalkül kriegen, wenn wir seine Entstehung, oder
praktische Anwendung, kennen lernen. Und natürlich lernen wir auch da wie-
der nur eienen uns übersichtlichern Symbolismus statt des uns fremdern
kennen. (Verstehen heisst hier übersehen.)

     

Ts-212,17



            Nun könnte man nämlich sagen: Wenn komplizierte Vorgänge beim
Verstehen des Wortes “und” eine Rolle spielen und das Verstehen etwas für uns
Wesentliches ist, wie kommt es, dass diese Vorgänge in der symbolischen Logik
nie erwähnt werden? Wie kommt es, dass von ihnen in der Logik nie die Rede
ist, noch sein braucht?

     

Ts-212,18



                  Im gewöhnlichen Leben, wenn ich jemandem einen Befehl
gebe, so ist es mir    ganz genug  , ihm Zeichen zu geben. Und ich
würde nie sagen: das sind ja nur Worte, und ich muss hinter die Worte
dringen. Ebenso, wenn ich jemand etwas gefragt hätte und er gibt mir
Ts-212,19


393
eine Antwort (also Zeichen), bin ich zufrieden — das war gerade, was ich
erwartete — und wende nicht ein: das ist ja eine blosse Antwort. Es ist
klar, dass nichts anderes erwartet werden konnte und dass die Antwort
den Gebrauch der Sprache voraussetzte. Wie alles, was zu sagen ist.

     

Ts-212,20



        Wenn man aber sagt “wie soll ich wissen, was er meint, ich sehe
ja nur seine Zeichen”, so sage ich: “wie so[o|l]l er    er   wissen, was er
meint, er hat ja auch nur seine Zeichen”.

     

Ts-212,21



                        “Etwas habe ich aber doch gemeint, als ich das sag-
te!” Gut, — aber wie können wir, was es ist, herausbringen? Doch wohl nur
dadurch, dass er es uns sagt. Wenn wir nicht sein übriges Verhalten zum
Kriterium nehmen sollen, dann also das, was er uns erklärt.


     
Ts-212,22























     

Ts-212,23



            “Du hast mit der Hand eine Bewegung gemacht; hast Du etwas da-
mit gemeint? — Ich dachte, Du meintest, ich solle zu Dir kommen”.

            Die Frage ist, ob man fragen darf, “   was   hast Du gemeint”.
Auf diese Frage (aber) kommt ein Satz zur Antwort. Während, wenn man so nicht
fragen darf, das Meinen — sozusagen — amorph ist. Und “ich meine etwas mit
dem Satz” ist dann von derselben Form, wie: “der dieser Satz ist nützlich”, oder “die-
ser Satz greift in mein Leben ein”.

     

Ts-212,24



            Könnte man aber antworten: “ich habe etwas mit dieser Bewegung
gemeint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken kann”?

     

Ts-212,25



            Wir unterscheiden doch Sprache, von dem, was nicht Sprache
ist. Wir sehen Striche und sagen, wir verstehen sie, und andere, und sagen,
sie bedeuten nichts (oder, uns nichts). Damit ist doch eine allgemeine Erfah-
rung charakterisiert, die wir nennen könnten: “etwas als Sprache verstehen” —
ganz abgesehen davon,    was   wir aus dem gegebenen Gebilde herauslesen.

     

Ts-212,26



            Ich sehe eine deutsche Aufschrift und eine chinesische. — Ist
die chinesische etwa ungeeignet etwas mitzuteilen? — Ich sage, ich habe
[c|C]hinesisch nicht gelernt. Aber das Lernen der Sprache fällt als [gr|bl]osse Ur-
sache, Gesicht Geschichte, hera aus der Gegenwart heraus. Nur auf seine
Wirkungen kommt es an, und die sind Phänomene, die eben nicht eintreten,
wenn ich das Chinesische sehe. // anschaue. // (Warum sie nicht eintreten, ist
ganz gleichgültig.)

     

Ts-212,27



         den Worten
, die uns gesagt werden? Kommt nicht das Erlebnis der
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185
mit dem Erlebnis des Hörens der Zeichen, wenn wir ‘die Sprache der Andern
verstehen’?

     

Ts-212,29



            Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir
dies ebenso, wie, dass ich höre, was er sagt. // wie, dass ich, was er sagt,
höre.//

     

Ts-212,30



            Denken wir an eine Chiffre: Ein Satz sei uns in der [c|C]hiffre ge-
geben und auch der Schlüssel, dann ist uns natürlich, in gewisser Beziehung,
alles zum Verständnis der [c|C]hiffre gegeben. Und doch würde ich, gefragt
“verstehst Du diesen Satz in der Chiffre”, etwa antworten: Nein, ich muss
ihn erst entziffern; und erst, wenn ich ihn z.B. ins Deutsche übertragen
hätte, würde ich sagen “jetzt verstehe ich ihn”.

     

Ts-212,31



            Wenn man hier die Frage stellte: “In welchem Augenblick der
Uebertragung (aus der Chiffre ins Deutsche) verstehe ich den Satz”, würde
man einen Einblick in das Wesen des Verstehens erhalten.

     

Ts-212,32



            Ich sage einen Satz “ich sehe einen schwarzen Kreis”; aber auf
die Worte // Wörter // kommt es doch nicht an; sagen // setzen // wir also
statt dessen “a b c d e”. Aber nun kann ich nicht ohne weiteres mit diesem
Zeichen den oberen Sinn verbinden (es sei denn, dass ich “a b c d e” als
ei    ein   Wort auffasse und dies als Abkürzung des oberen Satzes). Diese
Schwierigkeit ist doch aber sonderbar. Ich könnte sie so ausdrücken: Ich
bin nicht gewöhnt statt ‘ich’ ‘a’ zu sagen und statt ‘sehe’ ‘b’, und statt
‘einen’ ‘c’, etc.. Aber damit meine ich nicht, dass ich, wenn ich daran ge-
wöhnt wäre, mit dem Worte ‘a’ sofort das Wort ‘ich’ associieren würde; son-
dern dass ich nicht gewöhnt bin ‘a’ an der Stelle von ‘ich’ zu gebrauchen —
in der Bedeutung von ‘ich’.

     

Ts-212,33



            “Ich sage das nicht nur, ich meine auch etwas damit”. — Wenn man
sich überlegt was dabei in uns vorgeht, wenn wir Worte    meinen   (und
nicht nur sagen) so ist es uns, als wäre dann etwas mit diesen Worten gekup-
pelt, während sie sonst leer liefen. — Als ob sie gleichsam in uns eingrif

     

Ts-212,34



            Ich verstehe einen Befehl als Befehl, d.h., ich sehe in ihm
nicht sondern hat — sozusagen — einen Einfluss auf mich.
Ich reagiere auf einen Befehl (auch ehe ich ihn befolge) anders, als etwa
auf eine Mitteilung oder Frage.

     

Ts-212,35



            Der Satz, wenn ich ihn verstehe, bekommt für mich Tiefe.

     

Ts-212,36



            Ich sage: Das Verstehen bestehe darin, dass ich eine bestimmte
   Erfahrung   habe. — —

            Dass diese Erfahrung aber das Verstehen    dessen   ist — was
ich verstehe
besteht // liegt // darin, dass diese Erfahrung ein Teil
meiner    Sprache   ist.

     

Ts-212,37



                  Man kann manchen Satz nur im Zusammenhang mit anderen
verstehen. Wenn ich z.B. irgendwo lese “nachdem er das gesagt hatte, ver-
liess er sie, wie am vorigen Tag”. Wenn man mich fragt, ob ich diesen Satz
verstehe, wäre es nicht leicht darauf zu antworten. Es ist ein deutscher
Satz und insofern verstehe ich ihn. Ich wüsste, wie man diesen Satz etwa
gebrauchen    könnte  , ich könnte selbst einen Zusammenhang für ihn
erfinden. Und doch verstehe ich ihn nicht    so  , wie ich ihn verstünde,
wenn ich das Buch bis zu dieser Stelle gelesen hätte.

     

Ts-212,38



            Was heisst es, ein gemaltes Bild zu verstehen?

            Auch da gibt es Verständnis und Nichtverstehen.

            Und auch hier kann ‘verstehen’ und ‘nicht verstehen’ verschie-
denerlei heissen. — Wir können uns ein Bild denken, das eine Anordnung von
Ts-212,39


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Gegenständen im dreidimensionalen Raum darstellen soll, aber wir sind für
einen Teil des Bildes unfähig, Körper im Raum darin zu sehen, sondern se-
hen nur die gemalte Bildfläche. Wir können dann sagen, wir verstehen die-
se
Teile des Bildes nicht. Es kann sein, dass die räumlichen Gegenstände,
die dargestellt sind, uns bekannt, d.h. Formen sind, die wir aus der Anschau-
ung von Körpern her kennen, es können aber auch Formen nach dem Bild dar-
gestellt sein, die wir noch nie gesehen haben. Und da gibt es wieder den
Fall, wo etwas — z.B. — wie ein Vogel aussieht, nur nicht wie einer, dessen
Art ich kenne, oder aber, wo ein räumliches Gebilde dargestellt ist, der-
gleichen ich noch nie gesehen habe. Auch in diesem diesen letzten Fall Fällen kann man
von einem Nichtverstehen des Bildes reden, aber in einem anderen Sinne als
im ersten Fall.

     

Ts-212,40



            Aber noch etwas: Angenommen, das Bild stellteten Menschen dar,
wäre aber klein und die Menschen darauf etwa einen Zoll lang. Angenommen
nun, es gäbe Menschen, die diese Länge hätten, so würden wir    sie   in dem
Bild erkennen und es würde uns nun einen ganz andern Eindruck machen, obwohl
doch die Illusion der dreidimensionalen Gegenstände ganz dieselbe wäre. Und
doch ist der dieser tatsächliche Eindruck, wie er da ist, unabhängig davon, dass
ich einmal Menschen in der gewöhnlichen Grösse, und nie Zwerge,
gesehen habe, wenn auch dies die Ursache des Eindrucks ist.

     


            Dieses Sehen der gemalten Menschen als Menschen (im Gegensatz
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etwa zu Zwergen) ist ganz analog dem // ebenso, wie das // Sehen des Bildes
// der Zeichnung // als dreidimensionales Gebilde // … ganz analog dem Se-
hen der Malerei als Gruppierung dreidimensionaler Gebilde//. Wir können
hier nicht sagen, wir sehen immer dasselbe und fassen es nachträglich ein-
mal als das eine und einmal als das andre auf, sondern wir sehen jedes Mal
etwas Anderes.

     



            Und so auch, wenn wir einen Satz mit Verständnis und ohne Ver-
ständnis lesen. (Erinnere Dich daran, wie es ist, wenn man einen Satz mit
falscher Betonung liest, ihn daher nicht versteht und nun <//>endlich // darauf
kommt, wie er zu lesen ist.)

     

Ts-212,42



            (Beim Lesen einer schleuderhaften Schrift kann man erkennen, was
es heisst, etwas in das gegebene Bild // Gebilde // hineinsehen. // … er-
kennen, wie man etwas in das gegebene … //

     

Ts-212,43



            Wenn man eine Uhr abliest, so sieht man einen Komplex von Stri-
chen, Flecken etc., aber auf ganz bestimmte Weise, wenn man ihn als Uhr
und Zeiger auffassen will.

     

Ts-212,44



            Wir könnten uns den Marsbewohner denken, der auf der Erde erst
nach und nach den Gesichtsausdruck der Menschen als solchen verstehen lern-
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te und den drohenden erst nach gewissen Erfahrungen als solchen empfinden
lernt. Er hätte bis dahin diese Gesichtsform angeschaut // angesehen//, wie
wir die Form eines Steins betrachten.

     

Ts-212,46



            Kann ich so nicht sagen: er    lernt   erst die [B|b]efehlende
Geste in einer gewissen Satzform verstehen?

     

Ts-212,47



            Chinesis[h|c]he Gesten verstehen wir so wenig, wie ch[e|i]nesische
Sätze.

     
Ts-212,48























     

Ts-212,49



                      ein Korrelat der
Erklärung,    nicht   einer — etwa medizinischen — Beeinflussung.

             Mit “Missverständnis” meine ich also wesentlich etwas, was sich
durch Erklärung beseitigen lässt. Eine andere Nichtübereinstimmung nenne
ich nicht “Missverständnis”.

     

Ts-212,50



             Verständnis entspricht der Erklärung; so weit
es aber der Erklärung nicht entspricht, ist es unartikuliert und geht uns
deswegen nicht an; oder es ist artikuliert und entspricht dem Satz selbst,
dessen Verständnis wir beschreiben wollten.

     

Ts-212,51



            Wissen, was der Satz besagt, kann nur heissen: die Frage beant-
worten können “was besagt er?”.

     


            Den Sinn eines Satzes verstehen // kennen//, kann nur heissen:
die Frage “was ist sein Sinn” beantworten können.
     


            Denn ist hier “Sinn haben” intransitiv gebraucht, so dass man al-
so nicht    den   Sinn eines Satzes von dem eines anderen Satzes untersch[t|e]iden
kann, dann ist das Sinnhaben eine, den Gebrauch des Satzes begleitende, Ange-
legenheit, die uns nicht interessiert.
     

Ts-212,52



            Das Triviale, was ich zu sagen habe ist, dass auf den Satz “ich
   sage   das nicht nur, ich meine etwas damit” und die Frage “was?”, ein
weiterer Satz, in irgendwelchen Zeichen, zur Antwort steht.

     

Ts-212,53



                    Aber man kann fragen: ist denn das Verständnis nicht
etwas anderes, als der Ausdruck des Verständnisses? Ist es nicht so, dass
der Ausdruck des Verständnisses eben ein unvollkommener Ausdruck ist? Das
heisst doch wohl, ein Ausdruck, der wesentlich etwas auslässt, was wesent-
lich unausdrückbar ist. Denn sonst könnte ich ja eben einen besseren fin-
den. Also wäre der Ausdruck ein vollkommener    Ausdruck  . ---

     

Ts-212,54



            Es ist eine Auffassung, dass er Einer gleichsam nur unvollkommen zeigen
kann, ob er verstanden hat.

     


            Dass er gleichsam nur immer aus der Ferne darauf deuten, auch
sich ihm nähern, es aber nie mit der Hand berühren // ergreifen // kann. Und
das Letzte immer ungesagt bleibt // bleiben muss//.
     

Ts-212,55


169

                  Man will sagen: Er versteht es zwar ganz, kann dies aber
nicht ganz zeigen, da er sonst schon tun müsste, was ja erst in Befolgung
des Befehls geschehen darf. So kann er es? also nicht zeigen, dass er es ganz
versteht. D.h. also, er weiss immer mehr, als er zeigen kann.

     

Ts-212,56



            Man möchte sagen: er ist mit seinem Verständnis    bei   der Tat-
sache //    bei   der Ausführung//, aber die Erklärung kann nie die Ausfüh-
rung enthalten.

            Aber das Verständnis enthält nicht die Ausführung, sondern ist
nur das Symbol, das bei der Ausführung übersetzt wird.

     

Ts-212,57



                        ((Die Schwierigkeit ist, die Grammatik des Wortes
“meinen” klar zu sehen. Aber der Weg dazu ist nur der über die Antwort auf
die Frage “welches ist das Kriterium dafür, dass wir etwas    so   meinen”
und welcher Art ist der Ausdruck, den dieses “   so  ” vertritt. Die Ant-
wort auf die Frage “wie ist das gemeint” stellt die Verbindung zwischen
zwei sprachlichen Ausdrücken // zwischen zwei Sprachen // her. Also fragt
auch die Frage nach dieser Verbindung. Der Gebrauch der Hauptwörter “Sinn”,
“Bedeutung”, “Auffassung” und anderer Wörter verleitet uns, zu glauben,
dass dieser Sinn etc. dem Zeichen so gegenübersteht, wie das Wort, der Na-
me, dem Ding, das sein Träger ist. So dass man sagen könnte: “der Pfeil
hat eine ganz bestimmte Bedeutung, ist in einer ganz bestimmten Weise ge-
meint, die ich nur [v|f]aute de mieux wieder durch ein Zeichen ausdrücken
muss”. Die Meinung, die Intention wäre quasi seine Seele, die ich am lieb-

     

Ts-212,58


303

                        Was die Erklärung des Pfeiles betrifft, so ist es
klar, dass man sagen kann: “Dieser Pfeil bedeutet // sagt // nicht, dass Du
dorthin (mit der Hand zeigend) gehen sollst, sondern dahin.” — Und ich würde
diese Erklärung natürlich verstehen. —

            “Das müsste man (aber) dazuschreiben”.

     
Ts-212,59




















     

Ts-212,60



            Das Verständnis eines Satzes kann nur die Bedingung dafür
sein, dass wir ihn anwenden können. D.h., es kann nichts sein, als diese die
Bedingung und es muss die Bedingung der Anwendung sein.

     

Ts-212,61



            Wenn “einen Satz verstehen” heisst, in gewissem Sinn nach ihm
handeln, dann kann das Verstehen nicht die Bedingung dafür sein, dass wir
nach ihm handeln.

     


            Das Verstehen einer Beschreibung kann man, mit dem
Zeichnen eines Bildes nach dieser Beschreibung vergleichen. (Und hier ist
wieder das Gleichnis ein besonderer Fall dessen, wofür es ein Gleichnis
ist.) Und es würde wird auch in vielen Fällen als der Beweis des Verständnisses
aufgefasst.

     

Ts-212,62



            Ich verstehe dieses Bild genau, ich könnte es in Ton kneten . —
Ich verstehe diese Beschreibung genau, ich könnte eine Zeichnung nach ihr
machen.

     

Ts-212,63



            Man könnte es? in gewissen Fällen geradezu als Bedingung des
Verstehens setzen, dass man den Sinn des Satzes muss zeichnen können. —

     

Ts-212,64


210

                        Es ist sehr sonderbar: Das Verstehen einer Geste
möchten wir durch ihre Uebersetzung in Worte erklären // Wir sind versucht
das Verstehen einer Geste …//, und das Verstehen von Worten durch Gesten. // Es ist sehr sonderbar: Wir sind versucht, das
Verstehen einer Geste durch, ihr entsprechende, Worte , und das
Verstehen von Worten durch, diesen entsprechende Gesten. //

     


            Und wirklich werden wir Worte durch eine Geste und eine Geste
durch Worte erklären.

     

Ts-212,65



            Wenn man mir sagt “bringe eine gelbe Blume” und ich stelle mir
vor, wie ich eine gelbe Blume hole, dass ich den Be-
fehl verstanden habe. Aber ebenso, wenn ich ein Bild des Vorgangs malte. —
Warum? Wohl, weil ich das, was ich tue, mit Worten des Befehls beschrieben wer-
den muss. Oder soll ich sagen, ich habe tatsächlich einen (dem ersten) ver-
wandten Befehl ausgeführt.

     

Ts-212,66



            Nun ist die Frage: Muss ich wirklich in so einem Sinne das Zei-
chen verstehen, um etwa darnach handeln zu können? — Wenn jemand sagt: “ge-
wiss! sonst wüsste ich ja nicht, was ich zu tun habe”, so würde ich antwor-
ten: “Aber es gibt ja keinen Uebergang vom Wissen zum Tun. Und keine prinzi-
pielle Rechtfertigung dessen, dass es    das   war, was dem Befehl entsprach”.

     


            
     


            Was heisst dann also der Satz: “Ich muss den Befehl verstehen,
ehe ich nach ihm handeln kann”? Denn dieser Satz // dies zu sagen, // hat
natürlich einen Sinn. Aber gewiss // jedenfalls // wieder keinen metalogi-


     

Ts-212,67



            Die Idee, die man von dem Verstehen hat, ist etwa, dass man
dabei von dem Zeichen näher an die verifizierende Tatsache kommt, etwa
durch die Vorstellung. Und wenn man auch nicht wesentlich, d.h. logisch,
näher kommt, so ist doch etwas an der Idee richtig, dass das Verstehen in
dem Vorstellen der Tatsache besteht. Die Sprache der Vorstellung ist in
dem gleichen Sinne wie die Gebärdensprache primitiv.

     

Ts-212,68



        “Aber ich muss doch einen Befehl verstehen, um nach ihm handeln zu
können”. Hier ist das ‘muss’ verdächtig. Wenn das wirklich ein Muss ist —
ich meine — wenn es ein logisches Muss ist, so handelt es sich hier um ei-
ne grammatische Anmerkung.

     


         Auch wäre da die Frage möglich: Wie lange vor dem Befolgen musst
Du denn den Befehl verstehen?

     

Ts-212,69



            Es kann keine notwendige Zwischenstufe zwischen dem Auffassen
eines Befehls und dem Befolgen geben.

     

Ts-212,70



            Wenn das Verstehen eine notwendige Vorbereitung des Folgens
war, so muss es dem Zeichen etwas hinzugefügt haben; aber etwas, was je-
denfalls nicht die Ausführung war. Kann m

     

Ts-212,71


138


     


            Wenn gesagt würde, dass der, der den Befehl erhält, eben ausser
den Worten Vorstellungen erhält, die der Ausführung des Befehls ähnlich
sind, (während es die Worte nicht seien sind) so gehe ich noch weiter und nehme
an, dass der Befehl dadurch gegeben wird, dass wir den Andern die Bewegun-
gen, die er etwa in 5 Minuten ausführen soll, jetzt durch mechanische Beein-
flussung (etwa indem wir seine Hand führen) auszuführen veranlassen; und
näher kann ich doch wohl der Ausführung des Befehls im Ausdruck des Befehls
nicht kommen. Dann haben wir die Aehnlichkeit der Vorstellung durch eine
viel grössere (Aehnlichkeit) ersetzt. Und der Weg vom Symbol zur Wirklich-
keit scheint hier nun sehr verkürzt zu sein. (Ebenso könnte ich, um zu beschrei-
ben, in welcher Stellung ich mich bei der und der Gelegenheit befunden habe,
diese Stellung einnehmen.)

            Es ist damit auch gezeigt, dass das Vorkommen von Phantasiebil-
dern, // sogenannten Vorstellungen // für den Gedanken ganz unwesentlich ist.
// Es ist damit auch das Unwesentliche der Phantasiebilder für den Gedanken
gezeigt. //

     

Ts-212,72


140

                    Ich könnte auch sagen: Es scheint uns, als ob, wenn wir
den Befehl — z.B. — verstehen, wir etwas hinzufügen, was die Lücke
füllt. Sodass wir dem, der <(>uns?<)> sagt “aber Du verstehst ihn ja” antworten kön-
nen: Ja, aber nur, weil ich noch etwas hinzufüge: [D|d]ie Deutung nämlich.
     


            Nun müsste man allerdings darauf sagen: Aber was veranlasst Dich
denn zu gerade    dieser      der   Deutung? Ist es der Befehl, dann war er ja schon
eindeutig, da er nur diese Deutung befahl. Oder, hast Du die Deutung willkür-
lich hinzugefügt — , dann hast Du ja auch den Befehl nicht verstanden, son-
dern erst das, was Du aus ihm (auf eigene Faust) gemacht hast.
     

Ts-212,73



            Eine ‘Interpretation’ ist doch wohl etwas, was in Worten gegeben
wird! Es ist    diese   Interpretation im Gegensatz zu einer anderen (die an-
ders lautet). — Wenn man also sagt “jeder Satz bedarf noch einer Interpreta-
tion”, so hiesse das: kein Satz kann ohne einen Zusatz verstanden werden[:|.]

     

Ts-212,74



            “Ich kann den Befehl nicht ausführen, weil ich nicht verstehe,
was Du meinst. — Ja, jetzt verstehe ich Dich”.

            Was ging da vor, als ich plötzlich den Andern Verstand? Ich
konnte mich natürlich irren, und dass ich den Andern verstand, war eine
Hypothese. Aber es fiel mir plötzlich eine Deutung ein, die mir einleuch-
tete. Aber war diese Deutung etwas anderes, als ein Satz einer Sprache?

     


            Es konnten mir auch vor diesem Verstehen mehrere Deutungen vor-
schweben, für deren eine ich mich endlich entscheide. Aber das Vorschweben
der Deutungen war das Vorschweben von Ausdrücken.
     

Ts-212,75



            Was heisst es: verstehen, dass etwas ein Befehl ist, wenn man
auch den Befehl selbst noch nicht versteht? (“Er meint: ich soll etwas tun,
aber was er wünscht, weiss ich nicht.”)

     
Ts-212,76























     

Ts-212,77



            Deuten. — Deuten wir denn etwas, wenn uns jemand einen Befehl
gibt? wir fassen auf, was wir sehen; oder: wir sehen, was wir sehen.


     

Ts-212,78



            Wenn mich jemand fragt: ‘wieviel Uhr ist es’, so geht in mir
dann keine Arbeit des Deutens vor. Sondern ich reagiere unmittelbar auf das,
was ich sehe und höre.

     

Ts-212,79



            Denken wir uns einen Zerstreuten, der auf den Befehl “rechtsum”
sich nach links gedreht hätte und nun, an die Stirne greifend, sagte “ach
so — ‘rechtsum’!” und rechtsum machte.

     

Ts-212,80



            Ich deute die Worte; wohl; aber deute ich auch die Mienen?
   Deute   ich, etwa, einen Gesichtsausdruck als drohend? oder freundlich? —


     


            Wenn ich nun sag-
te
: Es ist nicht genug, dass ich das drohende Gesicht wahr neh-
me, sondern ich muss es erst deuten.

            Es zückt jemand das Messer und ich sage: “ich verstehe das als
eine Drohung”.

     

Ts-212,81



Kann man jemandem befehlen, einen Satz zu verstehen?

     

Ts-212,82




















     

Ts-212,83



        Es ist merkwürdig, dass wir uns bei dem Gedanken, dass
es jetzt 3 Uhr sein dürfte, die Zeigerstellung (meist) gar nicht genau
oder überhaupt nicht vorstellen, sondern das Bild gleich-
sam in einem Werkzeugkasten ˇder Sprache haben, aus dem wir wissen, das Werkzeug je-
derzeit herausnehmen zu können, wenn wir es brauchen
— Dieser Werkzeugkasten scheint mir die Grammatik mit ihren
Regeln zu sein.

     

Ts-212,84



        Es ist so, wie wenn ich mir im Werkzeugkasten der Sprache Werk-
zeuge zum künftigen Gebrauc[g|h] herrichtete,. Ein Werkzeug ist ja auch das
Abbild seines Zwecks.

     


     

Ts-212,85



        Was heisst es, zu sagen “ich sehe zwar kein Rot, aber wenn Du mir einen Farben-
kasten gibst, so kann ich es dir darin zeigen”? Wie kann man    wissen  , dass man
es zeigen kann, wenn …; dass man es also erkennen kann, wenn man es sieht?

     

Ts-212,86



            Ich sage: Hier ist zwar nichts [r|R]otes um mich, aber wenn hier
etwas wäre, so    könnte   ich es erkennen. —

     

Ts-212,87


Es ist etwa dies mein Wörterbuch: , und ich übersetze darnach den
Satz bdca in fhge. Nun habe ich, im gewöhnlichen Sinne, gezeigt, dass
ich den Gebrauch des Wörterbuchs verstehe und kann sagen, dass ich
auf gleiche Weise den Satz cdab übersetzen kann, wenn ich will. — Wenn also
der Satz cdab ein Befehl ist, den entsprechenden Satz in der zweiten Sprache
hinzuschreiben, so verstehe ich diesen Befehl, wie ich etwa den Befehl ver-
stehe, !!!!!! Schritte zu gehen, wenn mir gezeigt wurde, wie die entspre-
chenden Befehle mit den Zahlen !, [II|!!], !!!, ausgeführt werden.

     

Ts-212,88



                  Aber natürlich kann das nicht anders sein, als wenn ich
z.B. sage “ich will diesen Fleck rot anstreichen”, eine Vorstellung von
der Farbe habe und nun “   weiss  ”, wie diese Vorstellung in die Wirk-
lichkeit zu übersetzen ist.

     


                  Ja, das ganze Problem ist schon darin enthalten: Was
heisst es, zu wissen, wie der Fleck aussähe, wenn er meiner Vorstellung


     

Ts-212,89



        Wenn ich aber die Vorstellung, die bei der Erwartung etc. im
Spiel ist, durch ein wirklich gesehenes Bild ersetzen will, so
etwa folgendes: Ich sollte einen dicken schwarzen Strich ziehen und
habe als Bild einen dünnen gezogen. Aber die Vorstellung geht noch
weiter und sagt, sie weissa auch schon, dass der Strich dick sein soll.
So ziehe ich einen dicken, aber etwas blasseren Strich, aber die Vor-
stellung sagt, sie weiss auch schon dass er nicht grau sondern schwarz
sein soll. sollte. (Ziehe ich aber den dicken schwarzen Strich, so ist das


     

Ts-212,90



                  Etwas wissen, ist von der Art dessen, einen Zettel in der Lade mei-
nes Schreibtisches zu haben, auf dem es aufgeschrieben steht ist.

     
Ts-212,91

























     
Ts-212,92























     

Ts-212,93



            Augustinus, wenn er vom Lernen der Sprache redet, redet aus-
schliesslich davon, wie wir den Dingen Namen beilegen, oder die Namen
der Dinge verstehen. Hier scheint also das Benennen Fundament und Um-
und Auf, der Sprache zu sein.
Ts-212,94


Diese Auffassung des Fundaments der Spra-
che ist offenbar äq[i|u]ivalent mit der, die die Erklärungsform “das ist…”
als fundamental auffasst. — Von einem Unterschied der Worte redet
Augustinus nicht, meint also mit “Namen” offenbar Wörter, wie “Baum”,
“Tisch”, “Brot”, und gewiss die Eigennamen der Personen, dann aber
wohl auch “essen”, “gehen”, “hier”, “dort”; kurz, alle Wörter. Gewiss
aber denkt er    zunächst an Hauptwörter   und an die
übrigen als etwas, was sich finden wird. (Und Plato sagt, dass der Satz
aus Haupt- und Zeitwörtern besteht.)

            Sie beschreiben eben das Spiel einfacher, als es ist.

            Dieses Spiel kommt aber wohl in der Wirklichkeit vor. Nehmen
wir etwa an, ich wolle aus Bausteinen ein Haus bauen, die mir ein And-
rer zureichen soll, so könnten wir erst ein Uebereinkommen dadurch tref-
fen, dass ich auf einen Stein zeigend sagte “dass ist eine Säule”, auf
einen andern zeigend “das ist ein Würfel”, — “das ist eine Platte” u.s.w.
Und nun bestünde die Anwendung im Ausrufen jener Wörter “Säule”, “Platte”,
etc. in der Reihenfolge Ordnung, wie ich sie brauche. Und ganz ähnlich ist ja
das Uebereinkommen und etwa eines, was mit Farben arbeiten würde.

     


            Ich will damit sagen: Augustinus beschreibt wirklich einen
Kalkül; nur ist nicht alles, was wir Sprache nennen, dieser Kalkül.

     


            (Und    das   muss mann in einer grossen Anzahl von Fällen
sagen, wo es sich fragt: ist diese Darstellung brauchbar oder unbrauch-
bar. Die Antwort ist dann: “ja, brauchbar; aber nur    dafür  , nicht
für das ganze Gebiet, das Du darzustellen vorgabst”.)

     

Ts-212,95


12

                  Es ist also so, wie wenn jemand erklärte: “spielen
besteht darin, dass man Dinge, gewissen Regeln gemäss, auf einer Fläche
verschiebt …” und wir ihm antworteten: Du denkst da gewiss an die
Brettspiele, und auf sie ist Deine Beschreibung auch anwendbar. Aber das
sind nicht die einzigen Spiele. Du kannst also Deine Erklärung richtig-
stellen, indem Du sie ausdrücklich auf diese Spiele einschränkst.

            (Man könnte also sagen, Augustinus stelle das Lernen der Spra-
che // stelle die Sache // zu einfach dar; aber auch: er stelle eine ein-
fachere Sache dar.

     


            (Wer das Schachspiel einfacher beschreibt — mit einfacheren Re-
geln — als es ist, beschreibt damit dennoch ein Spiel, aber ein anderes.)

     


            Ich wollte eigentlich ursprünglich sagen: Wie Augustinus das Lernen der
Sprache beschreibt, kann uns zeigen, woher sich diese Auffassung über-
haupt
schreibt. (Von welcher primitiven // Von welchem primi-
tiven Bild //)

            Man könnte den Fall mit dem einer Schrift vergleichen, in der
Buchstaben zum Bezeichnen von Lauten benützt würden, aber auch zur
Bezeichnung der Stärke und Schwäche der Aussprache und als Interpunktions

zeichen. Fassen wir dann diese Schrift als eine Sprache zur Beschreibung
des Lautbildes auf, so könnte man sich denken, dass [e|E]iner diese Schrift
beschriebe, als entspräche einfach jedem Buchstaben ein Laut und als hät-
ten die Buchstaben nicht auch ganz andere Funktionen. — Und so einer —
zu einfachen — Beschreibung der Schrift gleicht Augustin's Beschreibung
der Sprache völlig.

     


            Man kann z.B. — für andre verständlich — von    Kombina-
tionen von Farben mit Formen
   sprechen (etwa der
Farben rot und blau mit den Formen Quadrat und Kreis) ebenso wie von
Ts-212,96


13
Kombinationen verschiedener Formen oder Körper. Und hier haben wir die
Wurzel des irreleitenden Ausdrucks, die Tatsache sei ein Komplex von Ge-
genständen. Es wird also hier, dass ein Mensch krank ist,    vergli-
chen
   mit der Zusammenstellung zweier Dinge, wovon das eine der Mensch
ist, das andere die Krankheit repräsentiert. hü-
ten wir uns vor diesem Gleichnis, oder davor, zu vergessen, dass e[i|s] ein
Gleichnis ist.

         Oder man muss sagen, es verhält sich hier mit dem Wort “Kombina-
tion”, oder “Komplex”, wie mit dem Wort “Zahl”, das auch in verschiedenen
— mehr oder weniger logisch ähnlichen — Weisen (oder, wenn man will,
Bedeutungen) gebraucht wird.

     

Ts-212,97



            “Bedeutung” kommt von “[D|d]deuten”.

     

Ts-212,98



            Was wir Bedeutung nennen, muss mit der primitiven Gebärden-
(Zeige-) Sprache zusammenhängen.

     

Ts-212,99


261

            Nun ist aber dieses Kollation, wie, auch der Begriff
der Bedeutung ein Ueberbleibsel einer primitiven Anschauung.

     


            Wenn ich etwa die wirkliche Sitzordnung an einer Tafel nach einer
Aufschreibung kollationiere, so hat es einen guten Sinn, beim Lesen jedes Na-
mens auf einen bestimmten Menschen zu zeigen. S[i|o]llte ich aber etwa die Be-
schreibung eines Bildes mit dem Bild vergleichen und ausser dem Personenver-
zeichnis sagte die Beschreibung auch dass N den M küsst, so wüsste ich nicht,
worauf ich als Korrelat des Wortes ‘küssen’ zeigen sollte. Oder, wenn etwa
stünde “A ist grösser als B”, worauf soll ich beim Wort “grösser” zeigen? —
Ganz offenbar kann ich ja gar nicht auf etwas diesem Wort entsprechendes in de[,|m]
Sinne zeigen, wie ich etwa auf die Person A im Bilde zeige.

     

Ts-212,100



            Es gibt freilich einen Akt “die Aufmerksamkeit auf die Grösse der
Personen richten”, oder auf ihre Tätigkeit, und in diesem Sinne kann man auch
das Küssen und die Grössenverhältnisse kollationieren. Das zeigt, wie der all-
gemeine Begriff der Bedeutung entstehen konnte. Es geschieht da etwas Analo-
ges, wie wenn das Pigment an Stelle der Farbe tritt.

     

Ts-212,101



            Die Wörter haben offenbar ganz verschiedene Funktionen im Satz.
Und diese Funktionen scheinen uns ausgedrückt in den Regeln, die von den
Wörtern gelten.

     

Ts-212,102



        Wie in einem Stellwerk mit Handgriffen die verschiedensten Dinge ausgeführt wer-
den, so mit den Wörtern der Sprache, die Handgriffen entsprechen. Ein Handgriff ist der
einer Kurbel und diese kann kontinuierlich verstellt werden; einer gehört zu einem
Schalter und kann nur entweder umgelegt oder aufgestellt werden; ein dritter gehört zu
einem Schalter, der 3 oder mehr Stellungen zulässt; ein vierter ist der Handgriff einer
Pumpe und wirkt nur, wenn er auf- und abbewegt wird etc.: aber alle sind Handgriffe,
werden mit der Hand angefasst.

     

Ts-212,103


357

                  Vergleich der verschiedenen Arten von Linien // der Li-
nien mit verschiedenen Funktionen // auf der Landkarte mit den Wortarten
im Satz. Der Unbelehrte sieht eine Menge Linien und weiss nicht, dass sie
sehr verschiedene Bedeutungen haben.

     

Ts-212,104



                  Denken wir uns den Plan eines Weges gezeichnet und mit
einem Strich durchstrichen, der anzeigen soll, dass dieser Plan nicht
auszuführen ist. Auf dem Plan sind viele Striche gezogen, aber der, der
ihn durchstreicht, hat eine gänzlich andere Funktion als die anderen.

     

Ts-212,105


67

                    Der Unterschied der Wortarten ist immer wie der Un-
terschied der Spielfiguren, oder, wie der noch grössere, einer Spiel-
figur und des Schachbrettes.

     
Ts-212,106
























     

Ts-212,107



            Wir können in der alten Ausdrucksweise sagen: das Wesentliche
am Wort ist seine Bedeutung.

     

Ts-212,108



            Wir sagen: das Wesentliche am Wort ist seine Bedeutung; wir

     

Ts-212,109


227

können das Wort durch ein anderes ersetzen, das die gleiche Bedeutung hat.
Damit ist gleichsam ein Platz für das Wort fixiert und mann kann ein Wort
für das andere setzen, wenn man es an den gleichen Platz setzt.

     

Ts-212,110



                  Wenn ich mich entschlösse (in meinen Gedanken) statt
“rot” ein neues Wort zu sagen, wie würde es sich zeigen, dass dieses an
dem Platz des “rot” steht? Wodurch ist die Stelle der Platz eines Wortes bestimmt?
Angenommen etwa, ich wollte auf einmal alle Wörter meiner Sprache durch
andere ersetzen, wie könnte    ich   wissen, welches Wort an der Stelle
welches früheren steht. Sind es die Vorstellungen, die bleiben und

     

Ts-212,111


344
den Platz des Wortes halten? So dass an einer Vorstellung quasi ein
Haken ist, — und hänge ich an    den   ein Wort, so ist ihm damit dadurch der
Platz angewiesen?


     

Ts-212,112




            Man könnte z.B. ausmachen, im Deutschen statt, ‘nicht’, immer
Ts-212,113


220
‘not’ zu setzen und dafür statt ‘rot’ ‘nicht’. So dass das Wort ‘nicht’ in
der Sprache bliebe und doch könnte man nun sagen, dass ‘not’    so   gebraucht
wird, wie früher ‘nicht’, und dass jetzt ‘nicht’    anders   gebraucht wird
als früher.

     

Ts-212,114


178

                        Der Ort des eines Wortes in der Sprache ist seine Bedeutung.

     
Ts-212,115













     

Ts-212,116




     


            Man kann sagen, dass die Worte “der Träger des Namens ‘N’”
dieselbe Bedeutung haben wie der Name ‘N’. — also für einander einge-
setzt werden können.

     


            Aber heisst es nicht dasselbe, zu sagen “zwei Namen haben
   einen   Träger” und “zwei Namen haben ein und dieselbe Bedeutung”?
(Morgenstern, Abendstern, Venus.)

     


            Wenn mit dem Satz “‘a’ und ‘b’ haben denselben Träger” ge-
meint ist: “der Träger von ‘a’” bedutet dasselbe wie “der Träger von
‘b’”, so ist alles in Ordnung, weil das dasselbe heisst wie a = b.
Ist aber mit dem Träger von ‘a’ etwa der Mensch gemeint, von dem es
sich feststellen lässt, dass er auf den Namen ‘a’ getauft ist;? oder
der Mensch, der das Täfelchen mit dem Namen ‘a’ um den Hals trägt; etc.,
so ist es garnicht gesagt, dass ich mit ‘a’ diesen Menschen meine, und
dass die Namen, die den gleichen Träger haben, dasselbe bedeuten.

     

Ts-212,117



            Aber zeigen wir nicht zur Erklärung der Bedeutung auf den Gegen-
stand, den der Name vertritt? Ja; aber dieser Gegenstand ist nicht die
Bedeutung, obwohl sie durch das Zeigen auf diesen Gegenstand bestimmt wird.

     

Ts-212,118



                    “Wenn ich wir auch sage sagen, der Träger des Namens ist
nicht seine Bedeutung, so bestimmt doch der Träger die Bedeutung; und wenn
ich, auf ihn zeigend, sage [|]das ist N’, so ist die Bedeutung von ‘N’ be-
stimmt.”

            Aber es bestimmt hier schon das richtige Verstehen des Wortes
‘Träger’ in dem besondern Fall (Farbe, Gestalt, Ton, etc.) die Bedeutung
bis auf eine letzte Bestimmung.

     

Ts-212,119



                      Wenn ich sage “die Farbe    dieses   Gegenstands
heisst ‘violett’”, so muss ich die Farbe mit den ersten Worten “die Farbe
dieses Gegenstands” schon benannt haben, sie schon zur Taufe gehalten haben,
damit der Akt der Namengebung ?—das sein kann, was er ist—?. Denn ich könnte
auch sagen “der Namen dieser Farbe (der Farbe dieses Dings) ist von Dir zu
bestimmen”, und der den Namen gibt, müsste nun schon wissen, wem er ihn gibt
(an welchen Platz der Sprache er ihn stellt).

     

Ts-212,120


Ich könnte erklären:
die Farbe dieses Flecks heisst “rot”, die Form “Kreis”.

            Und hier stehen die Wörter “Farbe” und “Form” für Anwendungsar-
ten (grammatische Regeln) und sind // bezeichnen // in Wirklichkeit Wort-
arten, wie “Eigenschaftswort”, “Hauptwort”. Man könnte sehr wohl in der
(gewöhnlichen?) Grammatik neben diesen Wörtern die Wörter “Farbwort”, “Form-
wort”, “Klangwort”, einführen. (Dass aber nicht jemand einwendet: “warum
dann nicht auch ‘Baumwort’, ‘Buchwort’ und”!)

     

Ts-212,121



                        Der Name, den ich einem Körper gebe, einer Fläche,
einem Ort, einer Farbe, hat jedes Mal andere Grammatik. Der Name “a” in
“a ist gelb” hat eine andere Grammatik, wenn a der Name eines Körpers und
wenn es der Name einer Fläche eines Körpers ist; ob nun ein Satz “dieser
Körper ist gelb” sagt, dass die Oberfläche des Körpers gelb ist, oder dass
er durch und durch gelb ist. “Ich zeige auf a” hat verschiedene Grammatik,
je nachdem a ein Körper, eine Fläche, eine Farbe ist etc.. Und so hat auch
das hinweisende Fürwort “dieser” andere Bedeutung (d.h. Grammatik), wenn
es sich auf Hauptwörter verschiedener Grammatik bezieht. // Hauptwörter
mit verschiedener Grammatik bezieht.//

     

Ts-212,122






















     

Ts-212,123



            Man sagt dem Kind: “nein, kein Stück Zucker mehr!” und nimmt es
ihm weg. So lernt das Kind die Bedeutung des Wortes ‘kein’.

            Hätte man ihm mit denselben Worten ein Stück Zucker gereicht, so
hätte es gelernt, das Wort anders zu verstehen.

     

Ts-212,124



            Veranlassen wir es dadurch nicht, Worten einen Sinn beizule-
gen, ohne dass wir sie durch ein anderes Zeichen ersetzen, also ohne die-
sen Sinn auf andere Weise auszudrücken? Veranlassen wir es nicht gleichsam,
für sich etwas zu tun, dem kein äusserer Ausdruck gegeben wird, oder wozu
der äussere Ausdruck nur im Verhältnis einer Hindeutung, eines Signals,
steht. Die Bedeutung liesse sich nicht aussprechen, sondern nur auf sie von
ferne
hinweisen. Aber welchen Sinn hat es dann überhaupt, wenn wir von die-
ser Bedeutung reden? Denken wir

     

Ts-212,125



            Gibt mir die Erklärung des Wortes die Bedeutung, oder verhilft
sie mir nur zur Bedeutung? So dass also in der Erklärung
nicht niedergelegt wäre, sondern durch sie nur äusserlich bewirkt, wie die
Krankheit durch eine Speise.

     

Ts-212,126



            Das Problem äussert sich auch in der Frage: Wie erweist sich
ein Missverständnis? Denn das ist dasselbe wie das Problem: Wie zeigt es
sich, dass ich richtig verstanden habe? Und das ist: Wie kann ich die Bedeu-
tung erklären?

            Es fragt sich nun: Kann sich ein Missverständnis darin äussern,
dass, was der Eine bejaht, der Andere verneint?

     


            Nein, denn dies ist eine Meinungsverschiedenheit
und kann als solche aufrecht erhalten werden. Bis wir    annehmen  , der
Andere habe Recht ….

     


            Wenn ich also, um das Wort “lila” zu erklären, auf einen Fleck
zeigend sage “dieser Fleck ist lila”, kann diese Erklärung dann auf zwei
Arten funktionieren?: einerseits als Definition, die den Fleck als Zeichen
Ts-212,127


229
gebraucht und anderseits als Erläuterung? Und wie das letztere? Ich müsste
annehmen, dass der Andere die Wahrheit sagt und dasselbe sieht, was ich se-
he. Der Fall, der wirklich vorkommt, ist der: A erzählt dem B in meiner Ge-
genwart, dass ein bestimmter Gegenstand lila ist. Ich höre das, habe den Ge-
genstand auch gesehen und denke mir: “jetzt weiss ich doch, was ‘lila’
heisst”. Das heisst, ich habe aus jenen Sätzen // jener Beschreibung // eine
Worterklärung gezogen.

            Ich könnte sagen: Wenn das, was A dem B erzählt, die Wahrheit
ist, so muss das Wort ‘lila’    diese   Bedeutung haben.

            Ich kann diese Bedeutung also auch quasi hypothetisch annehmen
und sagen: wenn ich das Wort    so   verstehe, hat A [r|R]echt.

     


            Man sagt: “ja, wenn das Wort    das   bedeutet, so ist der Satz
wahr”.

     


            
     


            Nehmen wir an, die Erklärung der Bedeutung war nur eine Andeu-
tung
: konnte man da nicht sagen: Ja, wenn diese Andeutung    so   verstanden
wird, dann gibt das Wort in dieser Verbindung einen wahren Satz etc.. Aber
dann muss nun dieses “so” ausgedrückt sein.
     

Ts-212,128



                     Die Erklärung eines Zeichens muss jede
Meinungsverschiedenheit im Bezug auf seine Bedeutung beseitigen können.
     
Ts-212,129


145


     

                    Das sind Missverständnisse: “Ist    das   eine
Orange? ich dachte    das   sei eine”.

            Kann man sagen: “Ist das rot? ich dachte, das sei ein Sessel”

            Aber kann man sich nicht einbilden (wenn man etwa nicht deutsch
) “rot” heisse laut (d.h. werde so gebraucht, wie
“laut” gebraucht wird). Wie wäre aber die Aufklärung dieses Missverständ-
nisses? Etwa so: “rot ist eine Farbe, keine Tonstärke”? — Eine solche Er-
klärung könnte man natürlich geben, aber sie wäre nur dem verständlich,
der sich bereits ganz in der Grammatik auskennt.

     


            Der Satz “ist das rot? ich dachte, das sei ein Sessel” hat nur
Sinn, wenn das Wort “das” beide Male im gleichen Sinn gebraucht wird und
dann muss ich entweder “rot” als Substantiv, oder “ein Sessel” als Adjek-
tiv auffassen.

     


            Die kann nur verstanden werden, wenn sie in ei-
ner Sprache gegeben wird, die unabhängig von dem Missverständnis besteht.
     
Ts-212,130


290

                      Ist es denn nicht denkbar, dass ein grammatisches System
in der Wirklichkeit zwei (oder mehr) Anwendungen hat.
     


            Ja, aber wenn wir das überhaupt sagen können, so müssen wir die
beiden Anwendungen auch durch eine Beschreibung unterscheiden können.

     

Ts-212,131



            Zu sagen, dass das Wort “rot” mit allen Vorschriften, die von ihm
gelten, das bedeuten könnte, was tatsächlich das Wort “blau” bedeutet; dass al-
so durch diese Regeln die Bedeutung nicht fixiert ist, hat nur einen Sinn, wenn
ich die beiden Möglichkeiten der Bedeutung ausdrücken kann und dann sagen, wel-
che die von mir bestimmte ist.

     

            (Diese letztere Aussage ist aber eben die Regel, die vorher zur Ein-
deutigkeit gefehlt hat.)
     
Ts-212,132



                    Die Grammatik erklärt die Bedeutung der Wörter, so-
weit sie zu erklären ist.

            Und zu erklären ist sie soweit, als nach ihr zu fragen ist ; und
nach ihr fragen kann man soweit, als sie zu erklären ist.

     


                    Die Bedeutung kann nur das sein , was wir in der Erklä-
rung
ˇder Bedeutung eines Wortes erklären.
     
Ts-212,133



                  “Das was ein cm3 Wasser wiegt, hat man ‘1 Gramm’ genannt”
— “Ja, was wiegt er denn?” (“Bedeutung eines Wortes”).

     

Ts-212,134





















     
Ts-212,135



                  Wenn ich sage, das Symbol ist das, was diesen Effekt
hervorruft, so fragt es sich eben, wie ich von diesem Effekt reden kann,
wenn er (noch?) gar nicht da ist. Und wie ich weiss, dass es    der ist,
den ich gemeint
   hab    habe  , wenn er eintritt. kommt.

     

                  Es ist darum keine Erklärung, zu sagen: sehr einfach,
wir vergleichen die Tatsache mit unserem Erinnerungsbild, — weil verglei-
chen eine bestimmte Vergleichsmethode voraussetzt, die nicht gegeben ist.
     
Ts-212,136



            Wie soll er wissen, welche Farbe er zu wählen hat, wenn er das
Wort ‘rot’ hört? — Sehr einfach: er soll die Farbe nehmen, deren Bild ihm
beim Hören des Wortes einfällt. — Aber wie soll er wissen, was die ‘Farbe’
ist, ‘deren Bild ihm einfällt’? Braucht es dafür ein weiteres Kriterium?
u.s.f..

     
Ts-212,137




            (Die psychologischen — tri[b|v]ialen — Erörterungen über Erwartung, Association, etc.
lassen immer das eigentlich Merkwürdige aus und man merkt ihnen an, dass sie herumreden,
ohne den vitalen Punkt zu berühren.)

     
Ts-212,138



            Wenn ich Worte wählen kann, dass sie der Tatsache — in irgendei-
nem Sinne — passen, dann muss ich also schon vorher einen Begriff dieses
Passens gehabt haben. Und nun fängt das Problem von neuem an, denn, wie weiss
ich, dass dieser Sachverhalt dem Begriffe vom Passen entspricht.
     


            Aber warum beschreibe ich dann die Tatsache gerade    so  ? Was
machte liess Dich    diese   Worte sagen?
     


            Und wenn ich nun sagen würde: “alles was geschieht, ist eben, dass
ich auf diese Gegenstände sehe und dann diese Worte gebrauche”, so? wäre die
Antwort: “also besteht das Beschreiben in weiter nichts? und ist es immer
eine Beschreibung, wenn [e|E]iner …?” Und darauf müsste ich sagen: “Nein.
Nur kann ich den Vorgang nicht anders, oder doch nicht mit einer anderen Mul-
tiplizität beschreiben, als indem ich sage: ‘ich beschreibe was ich sehe’;
und    darum   ist keine Erklärung mehr möglich, weil mein Satz bereits die
richtige // volle // Multiplizität hat.”
     


            Ich könnte auch so fragen: Warum verlangst Du Erklärungen? Wenn
diese gegeben sein werden würden, wirst Du ja doch wieder vor einem Ende stehen. Sie
können Dich nicht weiterführen, als Du jetzt bist.

     
Ts-212,139



            In welchem Sinne sagt man, man kennt die Bedeutung des Wortes A
noch ehe man den Befehl, in dem es vorkommt, befolgt hat? Und in wiefern
kann man sagen, man hat die Bedeutung durch die Befolgung des Befehls ken-
nen gelernt? Können die beiden Bedeutungen mit einander in Widerspruch ste-
hen?

     
Ts-212,140



            Ich wünsche, einen Apfel zu bekommen. In welchem Sinne kann ich
Ts-212,141


sagen, dass ich noch vor der Erfüllung des Wunsches die Bedeutung des Wor-
tes “Apfel” kenne? Wie äussert sich denn die Kenntnis der Bedeutung? d.h.,
was versteht man denn unter ihr.

            Offenbar wird das Verständnis des Wortes durch eine Worterklä-
rung gegeben; welche nicht die Erfüllung des Wunsches ist.

     
Ts-212,142



            Die Bedeutung ist eine Festsetzung, nicht Erfahrung. Und da-
mit nicht Kausalität.

     
Ts-212,143



            Was das Zeichen suggeriert, findet man durch Erfahrung. Es
ist die Erfahrung, die uns lehrt, welche Zeichen am seltensten missver-
standen werden.

     
Ts-212,144



            Das Zeichen, soweit es suggeriert, also soweit es wirkt, in-
teressiert uns gar</>nicht.

            Es i[j|n]teressiert uns nur als Zug in einem Spiel: Glied in
einem Syste[,|m], das selbständig ist. //; das seine Bedeutung in sich selbst
hat //…, das selbstbedeutend ist//

     
Ts-212,145



            Unsere Weise von den Wörtern zu reden, können wir durch das
beleuchten, was Sokrates im “Kratylos” sagt. Kratylos: “Bei weitem und
ohne rage ist es vorzüglicher, Sokrates, durch ein Ähnliches darzu-
stellen, was jemand darstellen will, als durch das erste beste.” — Sokra-
tes: “Wohlgesprochen, …”.

     
Ts-212,146



                    Es wäre charakteristisch für eine bestimmte irrige
Auffassung, wenn ein Philosoph glaubte, einen Satz mit roter Farbe drucken
lassen zu müssen, da er erst so ganz das ausdrücke, was der Autor
sagen will. (Hier hätten wir die magische Auffassung der Zeichen statt
der logischen.)

            (Das magische Zeichen würde wirken wie eine Droge, und für sie
wäre die Kausalitätstheorie richtig // völlig zureichend//.(

     
Ts-212,147



            Die Untersuchung, ob die Bedeutung eines Zeichens seine Wirkung
Ts-212,148


228
ist, ist auch eine grammatische Untersuchung.

     
Ts-212,149



            Ich glaube, auf die kausale Theorie der Bedeutung kann man ein-
fach antworten, dass wir, wenn einer einen Stoss erhält und umfällt,
das Umfallen nicht die ‘Bedeutung’ des Stosses “nennen    nennen  .

     
Ts-212,150



                    Die Verwendung des Plans ist eine Uebersetzung in
unsere Handlungen. Eine Uebertragung in unsere Handlungen.

            (Es ist klar, dass da kausale Zusammenhänge gesehen werden,
aber es wäre komisch, die als das Wesen eines Planes auszugeben.)

     
Ts-212,151



                         Der Sinn der Sprache ist nicht durch ihren Zweck
bestimmt. Oder: Was man den Sinn, die Bedeutung, in der Sprache nennt, ist
nicht ihr Zweck.

     
Ts-212,152



            Es ist wirklich “the meaning of meaning” was wir untersuchen:
Nämlich Oder die Grammatik des Wortes “Bedeutung”.

     
Ts-212,153























     
Ts-212,154



            Jeder, der einen Satz liest und versteht sieht die Worte // die
verschiedenen Wortarten //
Ts-212,155


207
?— inch verschiedener Weise, obwohl sich ihr Bild und Klang der Art nach nicht un-
terscheidet.—? Wir vergessen ganz, dass nicht’ und ‘Tisch’ und ‘grün’ als Lau-
te oder Schriftbilder betrachtet sich nicht wesentlich voneinander unter-
scheiden und sehen es nur klar in einer uns fremden Sprache.

     
Ts-212,156



            Das ‘Nicht’ macht eine abwehrende // verneinende // Geste.

Ts-212,157


208


             Das Verstehen der Verneinung ist dasselbe, wie das Ver-
stehen einer abwehrenden Geste.
     
Ts-212,158



            Gefragt, was ich mit “und” im Satze “gib mir das Brot    und  
die Butter” meine, würde ich mit einer Gebärde antworten, und diese Gebär-
de würde die Bedeutung // würde, was ich meine // illustrieren. Wie das
grüne Täfelchen “grün” illustriert und wie die W-F-Notation “und”, “nicht”
etc. illustriert.

     
Ts-212,159























     
Ts-212,160



                  Zur Grammatik gehört nur das nicht, was die Wahrheit
und Falschheit eines Satzes ausmacht. Nur darum kümmert sich die Grammatik
nicht. Zu ihr gehören alle Bedingungen des Vergleichs des Satzes mit der
Wirklichkeit
den Tatsachen. Das heisst, alle Bedingungen des Verständnisses,. (Alle Be-
dingungen des Sinnes.)

     
Ts-212,161



            Die Anwendung der Sprache geht über diese hinaus, aber nicht die
Deutung. Die Deutung vollzieht sich noch im Allgemeinen, als Vorbereitung auf
jede Anwendung. Sie geht in der    Sprachlehre   vor sich und nicht im
Gebrauch der Sprache.

     
Ts-212,162



            Soweit die Bedeutung der Wörter in der Tatsache (Handlung) zum Vor-
schein
kommt, kommt sie (schon) in der Beschreibung der Tatsache zum Vorschein.
(Sie wird also ganz in der Sprache bestimmt.)

            (In</>dem, was sich hat voraussehen lassen; worüber man schon vor dem
Eintreffen der Tatsache reden konnte.)

     
Ts-212,163



            Ist nicht der Grund, warum wir glauben, mit der hinweisenden Er-
klärung das Gebiet der Sprache, des Zeichensystems, zu verlassen, dass wir
dieses Heraustreten aus den    Schrift  zeichen mit einer Anwendung der
Sprache, etwa einer Beschreibung dessen, was ich sehe, wir sehen, verwechseln.

     
Ts-212,164



            Man könnte fragen wollen: Ist es denn aber ein Zufall, dass ich
zur Erklärung von Zeichen, also zur Vervollständigung des Zeichensystems, aus
Ts-212,165


291
den Schrift- oder Lautzeichen heraustreten muss? Trete ich damit nicht eben in
das Gebiet, in dem // worin // sich dann das zu Beschreibende // das Beschrie-
bene // abspielt? Aber dann ist // erscheint // es seltsam, dass ich überhaupt
mit dem Schriftzeichen etwas anfangen kann. — Man fasst es (etwa) so auf,
dass die Schriftzeichen bloss die Vertreter jener Dinge sind, auf die man
zeigt. — Aber wie seltsam,    dass so eine Vertretung mög-
lich
   ist. Und es wäre nun das Wichtigste, zu verstehen, wie denn Schrift-
zeichen die andern Dinge vertreten    können  .

            Welche Eigenschaft müssen sie haben, die sie zu dieser Vertretung
befähigt. Denn ich kann nicht sagen: statt Milch trinke ich Wasser und esse
statt Brot Holz, indem ich das Wasser die Milch und Holz das Brot vertreten
lasse.

            Ich kann nun freilich doch sagen, dass das definiendum das defi-
niens vertritt; und hier steht dieses hinter jenem, wie die Wählerschaft hin-
ter ihrem Vertreter. Und in diesem Sinne kann man auch sagen, dass das in der
hinweisenden Definition erklärte Zeichen den Hinweis vertreten kann, da man ja
diesen wirklich in einer Gebärdensprache für jenes setzen könnte. Aber doch
handelt es sich hier um eine Vertretung im Sinne einer Definition, denn die
Gebärdensprache ist // bleibt // eine Sprache

            Ich möchte sagen: Von einem Befehl in der Gebärdensprache zu sei-
ner Befolgung ist es ebensoweit, wie von diesem Befehl in der Wortsprache.
     

            Denn auch die hinweisenden Erklärungen müssen ein für allemal ge-
geben werden.
     


            D.h., auch sie gehören zu dem Grundstock von Erklärungen, die den
Kalkül vorbereiten und nicht zu seiner Anwendung ad hoc.
     
Ts-212,166




     




















     
Ts-212,167



                  Der falsche Ton in der Frage, ob es nicht primäre
Zeichen (hinweisende Gesten) geben müsse, während unsre Sprache auch ohne
die andern (Worte) die andern, die Worte, auskommen könnte, liegt darin, dass man eine    Erklä-
rung
   der bestehenden Sprache zu erhalten erwartet, statt der blossen
Beschreibung.

     
Ts-212,168



                      Nicht die Farbe Rot tritt an Stelle des Wortes “rot”,
sondern die Gebärde, die auf einen roten Gegenstand hinweist, oder das rote
Täfelchen.
     


                      Nun sage ich aber: “Es gilt mit Recht als ein Krite-
rium des Verstehens // Verständnisses // des Wortes “rot”, dass Einer einen
roten Gegenstand auf Befehl aus anders anderen gefärbten herausgreifen kann; dagegen
ist das richtige Uebersetzen des Wortes “rot” ins Englische oder Französische
Ts-212,169


467
kein Beweis des Verstehens. A[,|l]so ist das rote Täfelchen ein primäres Zei-
chen für “rot”, dagegen jedes Wort als ein sekundäres // abgeleitetetes // Zei-
chen.” ((Aber das zeigt nur, was ich dem “Verstehen des Wortes ‘rot’”
// meine//. Und was heisst “es gilt    mit Recht   …”?
Heisst es: Wenn ein Mensch einen roten Gegenstand auf Befehl etc. etc., dann
hat er erfahrungsgemäss auch das Wort ‘rot’ verstanden. Wie man sagen kann,
gewisse Schmerzen gelten mit Recht als Symptom dieser und dieser Krankheit?
So ist es natürlich nicht gemeint. Also soll es wohl heissen, dass die Fä-
higkeit rote Gegenstände herauszugreifen der spezifische Test dessen ist,
was wir Verständnis des Wortes ‘rot’ nennen. Dann bestimmt diese Angabe, al-
so, was wir unter diesem Verständnis meinen. Aber dann fragt es sich noch:
wenn wir das Uebersetzen ins Englische etc. als Kriterium ansähen, wäre es
nicht auch das Kriterium von dem, was wir ein Verständnis des Wortes nen-
nen? Es gibt nun den Fall, in welchem wir sagen: ich weiss nicht, was das
Wort rot’ //‘rouge’// bedeutet, ich weiss nur, dass es das Gleiche bedeu-
tet, wie das englische ‘red’. So ist es, wenn ich die beiden Wörter in ei-
nem Wörterbuch auf der gleichen Zeile gesehen habe, und dies ist die Veri-
fikation des Satzes und sein Sinn. Wenn ich dann sage “ich weiss nicht, was
das Wort ‘rot’ //‘rouge’// bedeutet”, so bezieht sich dieser Satz auf eine
Möglichkeit der Erklärung dieser Bedeutung und ich könnte, wenn gefragt
“wie stellst Du Dir denn vor, dass Du erfahren könntest, was das Wort be-
deutet”, Beispiele solcher Erklärungen geben (die die Bedeutung des Wortes
“Bedeutung” beleuchten würden). Diese Beispiele wären dann entweder der Art,
dass statt des unverstandenen Wortes ein verstandenes — etwa das deutsche —
gesetzt würde, oder dass die Erklärung von der Art wäre “   diese   (Pfeil)
Farbe heiss ‘violett’”. Im ersten Falle wäre es für mich ein Kriterium da-
für, dass er das Wort ‘rouge’ versteht, dass er sagt, es entspreche dem
deutschen ‘rot’. “Ja”, wird man sagen, “aber nur, weil Du schon weisst, was
das deutsche ‘rot’ bedeutet”. — Aber das bezieht sich ja ebenso auf die hin-
Ts-212,170


468
weisende Definition. Das Hinweisen auf das rote Täfelchen ist auch nur da-
rum // dann // ein Zeichen des Verständnisses, weil // wenn // vorausge-
setzt wird, dass er die Bedeutung    dieses   Zeichens versteht // kennt//,
was so viel heisst, als dass er das Zeichen auf bestimmte Weise verwendet. —
Es gibt also wohl // allerdings // den Fall wo Einer sagt “ich weiss, dass
dieses Wort dasselbe bedeutet wie jenes, weiss aber nicht, was es bedeutet
(sie bedeuten)”. Willst Du den ersten Teil dieses Satzes verstehen, so fra-
ge Dich: “wie konnte er es wissen?”, — willst Du den zweiten Teil verstehen,
so frage: “wie kann er erfahren, was das Wort bedeutet?” —

     
Ts-212,171



                      Welches ist denn das Kriterium unseres Verständnisses:
das Aufzeigen des roten Täfelchens, wenn gefragt wurde “welches von diesen
Täfelchen ist rot”, — oder, das Wiederholen der hinweisenden Definition?
“das (Pfeil) ist ‘rot’”?


     
Ts-212,172



            Die Lösung beider betrachten wir als
Zeichen des Verständnisses. Hören wir jemand das Wort ‘rot’ gebrauchen und
zweifeln daran, dass er es versteht, so können wir ihn zur Prüfung fragen
Ts-212,173


470
“welche Farbe nennen wir ‘rot’”. Anderseits: wenn wir jemandem die hin-
weisende Erklärung gegeben hätten “diese (Pfeil) Farbe heisst ‘rot’” und
nun sehen wollten, ob er diese Erklärung richtig verstanden hat, so wür-
den wir nicht von ihm</>verlangen, dass er sie wiederholt, sondern wir gäben
ihm etwa die Aufgabe, aus einer Anzahl von Dingen die roten herauszusuchen.
In jedem Fall ist das, was wir ‘Verständnis’ nennen, eben dadurch // durch
das // bestimmt, was wir als Probe des Verständnisses ansehen (durch die
Aufgaben bestimmt, die wir zur Prüfung des Verständnisses stellen). ))

     
Ts-212,174



                        Wie ist es, wenn ich eine Bezeich-
nungsweise festsetze; wenn ich z.B. für den eigenen Gebrauch gewissen
Farbtönen Namen geben will. Ich werde das etwa mittels einer Tabelle tun
(es kommt immer auf derlei hinaus). Und nun werde ich doch nicht den Namen
zur falschen Farbe schreiben (zu der Farbe der ich ihn nicht geben will).
Aber warum nicht? Warum soll nicht ‘rot’ gegenüber dem grünen Täfelchen
stehen und ‘grün’ gegenüber dem roten, etc.? — Ja, aber dann müssen wir
doch wenigstens wissen, dass ‘rot’ nicht das gegenüberliegende Täfelchen
meint. — Aber was heisst es “das wissen”, ausser, dass wir uns etwa neben
der geschriebenen Tabelle noch eine andere vorstellen, in der die Ordnung
richtiggestellt ist. — “Ja aber    dieses   Täfelchen ist doch rot, und
nicht    dieses  !” — Gewiss; und das ändert sich ja auch nicht, wie im-
mer ich die Täfelchen und Wörter setze; und es wäre natürlich falsch, auf
das grüne Täfelchen zu zeigen und zu sagen “dieses ist rot”. Aber das ist
auch keine Definition, sondern eine Aussage. — Gut, dann nimmt aber doch
unter allen möglichen Anordnungen die gewöhnliche (in der das rote Täfel-
chen dem Wort ‘rot’ gegenübersteht) einen ganz besonderen Platz ein. —
     
Ts-212,175


473
((Da gibt es jedenfalls zwei verschiedene Fälle: Es kann die Tabelle mit
grün gegenüber ‘rot’ etc. so gebraucht werden, wie wir die Tabelle in der
gewöhnlichen Anordnung gewöhnlich gebrauchen. Wir würden also etwa de,
der sie gebraucht, von dem Wort ‘rot’ nicht auf das gegenüberliegende Tä-
felchen blicken sehen, sondern auf das rote, das schräg darunter steht.
(aber wir müssten auch diesen Blick nicht sehen) und finden, dass er dann
statt des Wortes ‘rot’ in einem Ausdruck das rote Täfelchen einsetzt. Wir
würden dann sagen, die Tabelle sei nur anders angeordnet (nach einem an-
dern räumlichen Schema), aber sie verbinde die Zeichen, wie die gewohnte. —
Es könnte aber auch sein, dass der, welcher die Tabelle benützt, von der
einen Seite horizontal zur andern blickt und nun in irgend welchen Sätzen
das Wort ‘rot’ durch ein grünes Täfelchen ersetzt; aber nicht etwa auf den
Befehl “gib mir das rote Buch” ein grünes bringt, sondern ganz richtig das
rote (d.h. das, welches auch wir ‘rot’ nennen). Dieser hat nun die Tabelle
anders benützt, als der Erste, aber doch so, dass ‘rot’ die gleiche Bedeu-
tung für ihn hatte, wie für uns. (Zu einer Tabelle gehört übrigens wesent-
lich die Tätigkeit des Nachschauens Aufsuchens in der Tabelle.) Es ist nun offenbar
der zweite Fall, welcher uns interessiert und die Frage ist: kann ein grü-
nes Täfelchen als    Muster   der roten Farbe dienen? Und da ist es klar,
dass dies (in    einem   Sinn) nicht möglich ist. Ich kann mir eine Ab-
machung denken, wonach Einer, dem ich eine grüne Tafel zeige und sage, male
mir diese Farbe, mir ein Rot malt; wenn ich dasselbe sage und zeige ihm
blau, so hat er gelb zu malen u.s.w. ˇ immer die kompl[i|e]mentäre Farbe; und daher kann ich mir auch denken,
dass Einer meinen Befehl auch ohne eine vorhergehende Abmachung so deutet.
Ich kann mir ferner denken, dass die Abmachung gelautet hätte “auf den Be-
fehl ‘male mir diese Farbe’, male immer eine gelblichere, als ich Dir zei-
ge”; und wieder kann ich mir die Deutung auch ohne Verabredung denken.
Aber kann man sagen, dass einer ein rotes Täfelchen genau kopiert, indem
er einen bestimmten Ton von grün (oder ein anders Rot als das des Täfel-
Ts-212,176


474
chens) malt und zwar so, wie er eine gezeichnete Figur, nach verschiedenen
Projektionsmethoden, verschieden und genau kopieren kann? — Ist also hier
der Vergleich zwischen Farben und Gestalten richtig, und kann ein grünes
Täfelchen einerseits als der Name einer bestimmten Schattierung von rot ste-
hen und anderseits als ein Muster dieses Tones? wie ein Kreis als der Name
einer bestimmten Elipse verwendet werden kann, aber auch als ihr Muster. —
Kann man also dort wie hier von verschiedenen Projektionsmethoden sprechen,
oder gibt es für das Kopieren einer Farbe nur    eine   solche: das Malen
der gleichen Farbe? Wir meinen diese Frage so, dass sie nicht dadurch ver-
neint wird, dass uns die Möglichkeit gezeigt wird, mittels eines bestimmten
Farbenkreises und der Festsetzung eines Winkels von einem Farbton auf ir-
gend einen andern überzugehn. Das, glaube ich, zeigt nun, in wiefern das
rote Täfelchen gegenüber dem Wort ‘rot’ in einem andern Fall ist, als das
grüne. Uebrigens bezieht sich, was wir hier für die Farben gesagt haben,
auch auf die Formen von Figuren, wenn das Kopieren ein Kopieren nach dem
Augenmass und nicht ˇeines mittels Messinstrumenten ist. — Denken wir uns nun aber
doch einen Menschen, der vorgäbe “er könne die Schattierungen von Rot in
Grün kopieren” und auch wirklich beim Anblick des roten Täfelchens mit allen
(äusseren) Zeichen des genauen Kopierens einen grünen Ton mischte und so
fort bei allen ihm gezeigten roten Tönen. Der wäre für uns auf derselben
Stufe, wie Einer, der der auf die gleiche Weise (durch genaues Hinhorchen) Far-
ben nach Violintönen mischte. Wir würden in in dem    dem   Fall sagen: “Ich
weiss nicht,    wie   er es macht”; aber nicht in dem Sinne, als verstünden
wir nicht die verborgenen Vorgänge in seinem Gehirn oder seinen Muskeln, son-
dern, wir verstehen nicht, was es heisst “dieser Farbton, sei ist eine Kopie die-
ses Violintones”. Es sei denn, dass damit nur gemeint ist, dass ein bestimm-
ter Mensch erfahrungsgemäss einen bestimmten Farbton mit einem bestimmten
Klang assoziiert (ihn zu sehen behauptet, malt, etc.). Der Unterschied zwi-
schen dieser Assoziation und dem Kopieren, auch wenn ich selbst beide Ver-
fahren kenne, besteht darin // zeigt sich darin//, dass es für die assoziier-
Ts-212,177


475
te Gestalt keinen Sinn hat, von Projektionsmethoden zu reden, und dass ich
von dem assoziierten Farbton sagen kann “jetzt fällt mir bei dieser Farbe
(oder diesem Klang) diese Farbe ein, vor 5 Minuten war es eine andere”,
etc.. Wir könnten auch niemandem sagen “Du hast nicht richtig assoziiert”,
wohl aber “Du hast nicht richtig kopiert”. Und die Kopie einer Farbe — wie
ich das Wort gebrauche — ist nur eine; und es hat keinen Sinn, (hier?) von
verschiedenen Projektionsmethoden zu reden.))

     
Ts-212,178



            Es ist die Frage: Wenn sich die Regel ihrem Wesen nach nur auf
die Farben (oder Wörter) blau, rot, grün, gelb bezieht, ist sie dann nicht
identisch mit der, welche das grüne Zeichen als Wort für “rot” und umgekehrt
etc. festsetzt? Denn eine Regel // Allgemeinheit //, die ihrem logischen We-
sen nach einem logischen Produkt äquivalent ist, ist nichts andres, als dieses
logische Produkt. (Denn man kann nicht sagen: hier ist das grüne Zeichen;
nun hole mir ein Ding von der komplementären Farbe,    welche immer
das sein mag
  . D.h., “die komplimentäre Farbe von rot” ist keine Be-
schreibung von grün.) Die Bestimmung, die Komplementärfarbe als Bedeutung
des Täfelchens zu nehmen, ist dann, wie ein Querstrich in einer Tabelle;
ein Querstrich in der Grammatik der Farben gezogen. Anders wäre
es, wenn die Regel (R) hiesse: das Täfelchen bedeutet immer ei-
nen etwas dunkleren Farbton, als sein eigener // der seine //
ist. Man muss nur wieder auf den verschiedenen Sinn der Farb- und der Ge-
staltprojektion achten (und bei der letzteren wieder auf den Unterschied der
Abbildung nach visuellen Kriterien und von der Uebertragung mit Messinstrumenten).
Das Kopieren nach der Regel R ist ‘kopieren’ in einem andern Sinne als dem,
in welchem das Hervorbringen des gleichen Farbtons so genannt wird. Es han-
delt sich also nicht um zwei Projektionsmethoden vergleichbar, etwa, der
Ts-212,179


Parallel- und der Zentralprojektion, durch die ich eine geometrische Figur
mit Zirkel und Lineal in eine andere projizieren kann. (Die Metrik der Farb-
töne.)

            Wenn ich das berücksichtige, so kann ich also in dem veränderten
Sinn des Wortes “Muster” (der dem veränderten Sinn des Wortes “kopieren”
entspricht) das hellere Täfelchen zum Muster des dunkleren Gegenstandes neh-
men.

     
Ts-212,180



         Könnten wir nicht zur hinweisenden Er-
klärung von ‘rot’ ebensowohl ˇauf ein grünes, wie auf ein rotes Täfelchen zeigen?
denn, wenn diese Definition nur ein Zeichen statt des andern setzt, so soll-
te dies doch aufs gleiche hinauslaufen // keinen Unterschied machen//. —
Wenn die Erklärung nur ein Wort für ein andres setzt, ist es auch gleichgül-
tig // so macht es auch keinen//. Bringt aber die Erklärung das Wort mit
einem Muster in Zusammenhang, so ist es nun nicht unwesentlich, mit welchem
Täfelchen das Zeichen verbunden wird (denke auch wieder daran, dass eine
Farbe der andern nicht im gleichen Sinn zum Muster dienen kann, wie ihr
selbst). “Aber dann gibt es also willkürliche Zeichen und solche, die nicht
willkürlich sind!” — Aber denken wir nur an die Verständigung durch Landkar-
ten, Zeichnungen, und Sätze anderseits: die Sätze sind so wenig willkürlich,
wie die Zeichnungen. Aber die Worte sind willkürlich. (Vergleiche die Abbil-
dung / = o , — = x.) Wird denn aber ein Wort eigentlich als Wort ge-
braucht, wenn ich es nur in Verbindung mit einer Tabelle gebrauche, die
den Uebergang zu Mustern macht? Ist es also nicht falsch, zu sagen, ein Satz
sei ein Bild, wenn ich doch nur ein Bild nach ihm und der Tabelle zusammen-
stelle? Aber so ist also doch der Satz und die Tabelle zusammen ein Bild.
Also zwar nicht adbcb allein, aber dieses Zeichen zusammen mit

            Aber es ist offenbar, dass auch adbcb ein Bild von
genannt werden kann. Ja aber, ist nicht doch das Zeichen
adbcb ein willkürlicheseres Bild von als dieses Zeichen von der
Ausführung der Bewegung? Etwas ist auch an dieser Uebertragung willkürlich
Ts-212,181


479
(die Projektionsmethode) und wie sollte ich bestimmen, was willkürlicher
ist.

            Ich vergleiche also die Festsetzung der Wortbedeutung durch die hin-
weisende Definition, der Festsetzung einer Projektionsmethode zur Abbildung
räumlicher Gebilde. Dies ist freilich nicht mehr als wie ein Vergleich. Ein ganz
guter Vergleich, aber er enthebt uns nicht der Untersuchung des Funktionie-
rens der Worte, ?—getrennt von dem Fall der räumlichen Projektion—?. Wir können
allerdings sagen — d.h. es entspricht ganz dem Sprachgebrauch — , dass wir
uns durch Zeichen verständigen, ob wir Wörter oder Muster gebrauchen; aber
das Muster ist kein Wort, und das Spiel, sich nach Worten zu richten, ein
anderes als das, sich nach Mustern (zu?) richten. (Wörter sind der Sprache
nicht wesentlich.) Kann man aber vielleicht sagen, dass Muster ihr wesentlich
wären? (Muster sind der Benützung // dem Gebrauch // von Mustern wesentlich,
Worte, der Benützung // dem Gebrauch // von Worten.)

     
Ts-212,182



                      ?—Vergiss hier auch nicht, dass die Wortsprache nur
   eine   unter vielen möglichen Sprachen ist—? und es Uebergänge von ihr in
die andern gibt. Untersuche die Landkarte darauf auf das hin, was in ihr dem Aus-
druck
der Wortsprache entspricht.

     
Ts-212,183



                    ‘Primär’ müsste eigentlich heissen: unmissverständlich.

     
Ts-212,184



                        Es klingt wie eine lächerliche Selbstverständlich-
keit, wenn ich sage, dass der, welcher glaubt die Gebärden // Gesten //
seien die primären Zeichen, die allen andern zu Grunde liegen, ausser Stan-
de wäre, den gewöhnlichsten Satz durch Gebärden zu ersetzen.

     
Ts-212,185



                          Regeln der Grammatik, die eine “Verbindung zwischen
Sprache und Wirklichkeit” herstellen, und solche, die es nicht tun. Von der
ersten Art etwa: “diese Farbe nenne ich ‘rot’”, — von der zweiten: “
“non-non-p = p”. Aber über diesen Unterschied besteht ein Irrtum: der Unter-
schied scheint prinzipieller Art zu sein; und die Sprache wesentlich etwas,
dem eine Struktur gegeben, und was dann der Wirklichkeit aufgepasst wird.

     
Ts-212,186



                      “Ich will nicht verlangen, dass in der erklärenden
Ts-212,187


498
Tabelle das rote Täfelchen, horizontal gegenüber dem Wort ‘rot’ stehen soll,
aber irgend ein Gesetz des Lesens der Tabelle muss es doch geben. Denn sonst
verliert ja die Tabelle ihren Sinn”. Ist es aber gesetzlos, wenn die Tabel-
le so aufgefasst wird, wie die Pfeile andeuten?
“Aber muss dann nicht eben das Schema
vorher gegeben werden?” Nur, sofern auch das
Schema früher gegeben wird.
     


                    ““Wird aber dann nicht wenigstens eine gewisse Regelmäs-
sigkeit im Gebrauch gefordert?! Würde es angehen, wenn wir einmal eine Ta-
belle nach diesem, einmal nach jenem Schema zu gebrauchen hätten?    Wie
soll man denn wissen
  , wie man diese Tabelle zu gebrauchen
hat?”” — Ja, wie weiss man es denn    heute  ? Die Zeichenerklärungen ha-
ben doch irgend einmal // irgendwo // ein Ende.

     
Ts-212,188



                    Nun gebe ich aber natürlich zu, dass ich, ohne vorher-
gehende Abmachung einer Chiffre, ein Missverständnis hervorrufen würde,
wenn ich, auf den Punkt A zeigend, sagte, dieser Punkt heisst ‘B’. Wie
ich ja auch, wenn ich jemandem den Weg weisen will, mit dem Finger in der
Richtung weiss, in der er gehen soll, und nicht in der entgegengesetzten.
Aber auch ?—diese Art des Zeigens—? könnte richtig verstanden werden, und zwar
ohne dass dieses Verständnis das gegebene Zeichen durch ein weiteres er-
gänzte. Es liegt in der menschlichen Natur, das Zeigen mit dem Finger    so  
zu verstehen. Und so ist die menschliche Gebärdensprache primär in einem
psychologischen Sinne.

     
Ts-212,189



                     Ist das Zeigen mit dem Finger unserer Sprache wesent-
lich? Es ist gewiss ein merkwürdiger Zug unserer Sprache, dass wir Wörter
hinweisend erklären: das ist ein Baum, das ist ein Pferd, das ist grün, etc..
Ts-212,190


500
((Ueberall auf der Erde // bei den Menschen // finden sich Brettspiele, die
mit kleinen Klötzchen auf Feldern gespielt werden. Ueberall auf der Erde
findet sich eine Schrift // eine Zeichensprache//, die aus geschriebenen
Zeichen auf einer Fläche besteht.))

     
Ts-212,191



            Ich bestimme die Be-
deutung eines Worts, indem ich es als Name eines Gegenstandes erkläre, und
auch, indem ich es als gleichbedeutend mit einem andern Wort erkläre,. Aber
habe ich denn nicht gesagt, man könne ein Zeichen nur durch ein anderes
Zeichen erklären? Und das ist gewiss so, sofern ja die hinweisende Erklä-
rung “das (Pfeil) ist N” ein Zeichen ist. Aber ferner bildet hier auch der
Träger von “N”, auf den gezeigt wird, einen Teil des Zeichens. Denn:
/dieser (Pfeil) hat es getan/ = /N hat es getan/.
Dann heisst aber ‘N’ der Name von diesem Menschen, nicht vom Zeichen
“dieser (Pfeil)”, von dem ein Teil auch dieser Mensch ist. Und zwar spielt
der Träger in dem Zeichen eine ganz besondere Rolle, verschieden von der
eines andern Teiles eines Zeichens. (Eine Rolle, nicht ganz ungleich der
des Musters.)

     
Ts-212,192



             Die hinweisende Erklärung eines Na-
mens ist nicht nur äusserlich verschieden von einer Definition wie “1+1 = 2”,
indem etwa das eine Zeichen einer Geste meiner Hand, statt in einem Laut-
oder Schriftzeichen besteht, sondern sie unterscheidet sich von dieser lo-
gisch
; wie die Definition, die das Wort dem Muster beigesellt von der ei-
nes Wortes durch ein Wort. Es wird von ihr in andrer Weise Gebrauch ge

     
Ts-212,193



        Wenn ich also einen Namen hinweisend definiere und einen zweiten
durch ihn // den ersten//, so steht dieser zu jenem in anderem Verhältnis
// ist dieser zu jenem in anderer Beziehung//, als zum Zeichen, das in
der hinweisenden Definition gegeben wurde.// d.h., dieses letztere ist sei-
nem Gebrauch nach wesentlich von dem Namen verschieden und daher die Ver-
Ts-212,194


509
baldefinition und die hinweisende Definition, ‘Definitionen’ in verschiede-
nem Sinne des Worts.

     
Ts-212,195



             [i|I]ch kann von primären und sekundären Zeichen sprechen — in
   einem   bestimmten Spiel, einer bestimmten Sprache. — Im Musterkatalog
   kann   ich die Muster die primären Zeichen und die Nummern die sekundä-
ren nennen. Was soll man aber in einem Fall, wie dem, der gesprochenen und
geschriebenen Buchstaben sagen? Welches sind hier die primären, welches die
sekundären Zeichen?

            Die Idee ist doch die: [s|S]ekundär ist ein Zeichen dann, wenn, um
mich danach zu richten, ich eine Tabelle brauche, die es mit einem andern
(primären) Zeichen verbindet, über welches ich mich erst nach dem sekundä-
ren richten kann.

            Die Tabelle garantiert mir die Gleichheit aller Uebergänge nicht,
denn sie zwingt mich ja nicht, sie immer gleich zu gebrauchen. Sie ist da
wie ein Feld, durch das Wege führen, aber ich kann ja auch querfeldein ge-
hen.

            Ich mache den Uebergang in der Tabelle bei jeder Anwendung von
Neuem. Er ist nicht, quasi, ein für allemal in der Tabelle gemacht. (Die
Tabelle    verleitet   mich höchstens, ihn so zu machen.)

     


                      Welcher Art ist denn meine Aussage über die Tabelle:
dass sie mich nicht zwingt, sie so und so zu gebrauchen? Und: dass die An-
wendung durch die Regel (oder die Tabelle) nicht anticipiert wird?
     

Ts-212,196



















     
Ts-212,197



                  Die Grammatik, das sind die Geschäftsbücher der Spra-
che; aus denen alles zu ersehen sein muss, was nicht Gefühle betrifft,
sondern Fakten. // Die Grammatik ist das Geschäftsbuch der Sprache; wo-
raus alles zu ersehen sein muss, was nicht Gefühle betrifft, sondern har-
te Tatsachen
. //

     


                  Ich will also eigentlich sagen: Es gibt nicht Grammatik
und Interpretation der Zeichen. Sondern, soweit von einer Interpretation,
also von einer Erklärung der Zeichen, die Rede sein kann, so weit muss sie?
die Grammatik selbst besorgen.

            Denn ich brauchte nur zu fragen: Soll die Interpretation durch
Sätze erfolgen? Und in welchem Verhältnis sollen diese Sätze zu der Spra-
che stehen, die sie schaffen?

     
Ts-212,198



                    Wenn ich sage, dass ein Satz, der Mengenlehre etwa,
in Ordnung ist, aber eine neue Interpretation erhalten muss, so heisst
das nur, dieser Teil der Mengenlehre bleibt sic in sich unangetastet, muss
aber in eine andere grammatische Umgebung gerückt werden.

     
Ts-212,199























     
Ts-212,200
























     
Ts-212,201


115

                    Wovon unterscheide ich denn einen Satz? Oder, wovon
will ich ihn denn unterscheiden? Von Satzteilen in seinem grammatischen Sy-
stem (wie die Gleichung von Gleichheitszeichen), oder (von?)    allem  , was
wir nicht Satz nennen, also diesem Sessel, meiner Uhr, etc. etc.? Denn, dass
es Schrift- oder Lautbilder gibt, die Sätzen besonders ähnlich sind, braucht
uns eigentlich nicht zu kümmern.
     


            Oder wir müssen sagen: Vom Satzbegriff // Satz // kann nur in
einem // innerhalb eines // grammatischen Systems gesprochen werden.
//… kann [/|n]ur in der Erklärung eines grammatischen Systems die Rede sein.//
     


            Es geht mit dem Wort “Satz” wie mit dem Wort “Gegenstand” und an-
dern: Nur auf eine beschränkte Sphäre angewandt sind sie zulässig und dort
sind sie natürlich. Soll die Sphäre ausgedehnt werden, damit der Begriff ein
philosophischer wird, so verflüchtigt sich die Bedeutung der Worte und es
sind leere Schatten. Wir müssen sie dort aufgeben und wieder in den engen
Grenzen benützen.
     


            Nun möchte man aber sagen: “Satz ist alles, womit ich etwas mei-
ne”. Und gefragt “was heisst das, ‘etwas’ meinen”, müsste würde ich Beispiele an-
führen. Nun haben diese Beispiele zwar ihren Bereich, auf den sie ausgedehnt
werden können, aber    weiter   führen sie mich doch nicht. Wie ich ja in
der Logik nicht ins Blaue verallgemeinern kann. Hier handelt es sich aber
nicht um Typen, sondern darum, dass die Verallgemeinerung selbst etwas be-
stimmtes ist; nämlich ein Zeichen mit vorausbestimmten grammatischen Regeln.
D.h., dass die Unbestimmtheit der Allgemeinheit keine logische Unbestimmt-
heit ist. So als hätten wir nun nicht nur Freiheit im logischen Raum, son-
dern auch Freiheit, diesen Raum zu erweitern, oder zu verändern.
     

            Also nicht nur Bewegungsfreiheit, sondern eine Unbestimmtheit der

Ts-212,202


116
Geometrie.
     


            Ueber sich selbst führt uns kein Zeichen hinaus; und auch kein
Argument.
     


            Wenn wir sagen, Satz ist jedes Zeichen, womit wir etwas meinen,
so könnte man fragen: was meinen wir und    wann   meinen wir es? Während
wir das Zeichen geben? u.s.w., u.s.w..

     
Ts-212,203



            Wenn ich frage “was ist die allgemeine Form des Satzes”, so kann
die Gegenfrage lauten: “   haben   wir denn einen allgemeinen Begriff vom
Satz, dem wir nun nur exakt fassen wollen?” — So wie: Haben wir einen allgemei-
nen Begriff von der Wirklichkeit?
     


            Die Frage kann auch lauten: Was geschieht, wenn ein neuer Satz
in die Sprache aufgenommen wird: Was ist das Kriterium dafür, dass er ein
Satz ist? oder, wenn das Aufnehmen in die Sprache ihn zum Satz stempelt,
worin besteht diese Aufnahme? Oder: was ist Sprache?
     


            Da scheint es nun offenbar, dass man das Zeichengeben    von
anderen Tätigkeiten
   unterscheidet. Ein Mensch schläft,

     
Ts-212,204



            Was ist ein Satz? wodurch ist dieser Begriff bestimmt? — Wie
wird dieses Wort (“Satz”) in der nicht-philosophischen Sprache gebraucht?
Satz, im Gegensatz wozu?
     


            Ich kenne einen Satz, wenn ich ihn sehe.
     

            Diese Frage ist fundamental: Wie, wenn wire eine neue Erfah-
rung machen, etwa einen neuen Geschmack oder einen neuen Hautreiz kennen
lernen: woher weiss ich, dass, was diese Erfahrung beschreibt, ein Satz
ist? Oder, warum soll ich das einen Satz nennen? Wohl Nun, mit demselben Recht,
womit // mit welchem // ich von einer neuen Erfahrung gesprochen habe.
Denn Erfahrung und Satz sind aequivalent. Aber warum habe ich das Wort
Erfahrung gebraucht, im Gegensatz wozu?
     

            Habe ich denn, was geschehen ist, schon bis zu einem Grade da-
mit charakterisiert, dass ich sagte, es sei eine Erfahrung? Doch offenbar
Ts-212,205


107
   garnicht  . Aber es scheint doch, als hätte ich es schon getan, als
hätte ich davon schon etwas ausgesagt: “dass es eine Erfahrung sei”. In
diesem falschen Schein liegt unser ganzes Problem. Denn, was vom Prädikat
“Erfahrung” gilt, gilt vom Prädikat “Satz”.
     


            Das Wort “Satz” und das Wort “Erfahrung” haben schon eine be-
stimmte Grammatik.
     


            Das heisst, ihre Grammatik muss im Vorhinein bestimmt sein und
hängt nicht von irgend einem künftigen Ereignis ab.
     


            Hier ist auch der Unsinn in der “experimentellen Theorie der
Bedeutung” ausgesprochen. Denn die Bedeutung ist in der Grammatik festge-
legt.
     


            Wie verhält sich die Grammatik des Wortes “Satz” zur Grammatik
der Sätze?
     


            “Satz” ist offenbar die Ueberschrift der Grammatik der Sätze.
In einem Sinne aber auch die Ueberschrift der Grammatik überhaupt, also
äquivalent den Worten “Grammatik” und “Sprache”.
     


            Das ist es auch, was damit gemeint ist, dass es in der Welt
zwar Ueberraschungen gibt, aber nicht in der Grammatik.

     
Ts-212,206


108

            Es scheint unsere Frage noch zu erschweren, dass auch
die Worte “Welt” und “Wirklichkeit” Aequivalente des Wortes “Satz” sind.
     


            Aber es ist doch lächerlich, die Welt, oder die Wirklichkeit,
abgrenzen zu wollen. Wem soll man sie denn entgegenstellen. Und so ist es
mit der Bedeutung des Wortes “Tatsache”.

            Aber man gebraucht ja diese Wörter auch nicht als Begriffswör-
ter
.
     
Ts-212,207



            Etwas ist ein Satz nur in einer Sprache.
     


            Wenn ich nun sage: aber die Sprache kann sich doch ausdehnen,
so ist die Antwort: Gewiss, aber wenn dieses Wort “ausdehnen” hier einen
Sinn hat, so muss ich    jetzt   schon wissen, was ich damit meine, muss
angeben können, wie ich mir so eine Ausdehnung vorstelle. Und was ich
jetzt nicht denken kann, das kann ich jetzt auch nicht ausdrücken, und
auch nicht andeuten.
     


            Und das Wort “jetzt” bedeutet hier: “in dies “in    diesem  
Kalkül”    dieser   Grammatik”, oder: “wenn die Worte mit?    diesen   grammatischen Regeln
gebraucht werden”.
     


            Hier haben wir dieses bohrende Problem: wie es möglich ist,
an die Existenz von Dingen auch nur zu denken, wenn wir immer nur Vorstel-
lungen — ihre Abbilder — sehen. //: wie es denn möglich ist, auch nur auf


     
Ts-212,208



            Hierher gehört die alte Frage: “wie bin ich dann aber überhaupt
zu diesem Begriff gekommen?[)|(]etwa zu dem der ausser mir liegenden Gegen-
stände). (Es ist ein Glück, eine solche Frage aus der Entfernung als alte
Gedankenbewegung betrachten zu können; ohne in ihr verstrickt zu sein.) Zu
dieser Frage ist ganz richtig der Nachsatz zu denken: “ich konnte doch
nicht mein eigenes Denken transcendieren”, “ich konnte doch nicht sinnvoll
das transcendieren, was für mich Sinn hat”. Es ist das Gefühl, dass ˇich nicht
auf Schleichwegen (hinterrücks) dahinkommen kann, etwas zu denken, was zu
denken mir eigentlich verwehrt ist. Dass es hier keine Schleichwege gibt,
auf denen ich weiter kommen könnte, als auf dem direkten Weg.
     


            Wir haben es natürlich wieder mit einer falschen Analogie zu
tun: Es hat guten Sinn zu sagen “ich weiss, dass er in diesem Zimmer ist,
weil ich ihn höre, wenn ich auch nicht hineingehen und ihn sehen kann”.

     
Ts-212,209



        “Satz” ist so allgemein wie z.B. auch “Ereignis”. Wie kann mann
ein ” “ein Ereignis” von dem abgrenzen, was kein Ereignis ist?

            Ebenso allgemein ist aber auch “Experiment”, das vielleicht auf den
ersten Blick spezieller zu sein scheint.

     
Ts-212,210



        “Da geschah ein Ereignis …”: [d.h.|das] heisst nicht “ein Ereignis”
im Gegensatz zu etwas Anderem.

     
Ts-212,211



            Rechtmässiger Gebrauch des Wortes ‘Sprache’: Es bedeutet entwe-
der die Erfahrungstatsache, dass Menschen reden (auf gleicher Stufe mit
der, dass Hunde bellen), oder es bedeutet: festgesetztes System der Verstän-
digung
// festgesetztes System von Wörtern und grammatischen Regeln // in
den Ausdrücken “die englische Sprache”, “deutsche Sprache”, “Sprache der
Neger” etc.. ‘Sprache’ als logischer Begriff könnte nur mit ‘Satz’ äquiva-
lent, und dann eine die Ueberschrift eines Teiles der Grammatik sein.

     
Ts-212,212



            Könnten wir etwas ‘Sprache’ nennen, was nicht wirklich angewandt
würde? Könnte man von Sprache reden, wenn nie eine gesprochen worden wäre?
(Ist denn Sprache ein Begriff, wie ‘Centauer’, , der besteht, auch wenn es nie
ein solches Wesen gegeben hat?)

     
Ts-212,213



            Was tut der, der eine neue Sprache konstruiert (erfindet)? nach
welchem Prinzip geht er vor? Denn dieses Prinzip ist der Begriff ‘Sprache’.

     
Ts-212,214



            Eine Sprache erfinden, heisst, eine Sprache konstruieren. Ihre
Regeln aufstellen. Ihre Grammatik verfassen.
     


            Erweitert jede erfundene Sprache den Begriff der Sprache?
     


            Was für das Wort “Sprache” gilt, muss auch für den Ausdruck “Sy-
stem von Regeln” gelten. Also auch für das Wort “Kalkül”.

     
Ts-212,215



            Wie bin ich denn zum Begriff ‘Sprache’ gekommen? Doch nur durch
die Sprachen, die ich gelernt habe.

            Aber ˇdie haben mich in gewissem Sinne über sich hinausgeführt, denn
ich wäre jetzt im Stande, eine neue Sprache zu konstruieren, z.B. Wörter zu
erfinden. Also gehört diese Methode der Konstruktion noch zum Begriff der
Sprache. Aber nur, wenn ich ihn so festlege.
     


            Der Begriff: sich einander etwas mitteilen. Wenn ich z.B. sage:
‘Sprache’ werde ich jedes System von Zeichen nennen, das Menschen unterein-
ander vereinbaren, um sich miteinander zu verständigen, so könnte man hier
schon fragen: Und was schliesst Du unter dem Begriff ‘Zeichen’ ein?
     


            Immer wieder hat mein u.s.w. eine Grenze.
     
Ts-212,216


248

                  Was nenne ich “Handlung”, was “Sinneswahrnehmung”?
     


            Die Worte “Welt”, “Erfahrung”, “Sprache”, “Satz”, “Kalkül”, “Ma-
thematik” können alle nur für triviale Abgrenzungen stehen, wie “essen”,
“ruhen”, etc..
     

            Denn, wenn auch ein solches Wort der Titel unserer Grammatik wä-
re — etwa das Wort “Grammatik” — so hätte doch dieser Titel nur dieses Buch
von andern Büchern zu unterscheiden.
     


            Allgemeine Ausführungen über die Welt und die Sprache gibt es
nicht.
     
Ts-212,217



         Aber warum zerbreche ich mir über den Begriff ‘[s|S]prache’ den
Kopf, statt Sprache zu gebrauchen?!

     
Ts-212,218


126

            Dieses K[p|o]pfzerbrechen ist nur dann berechtigt, wenn wir einen
al<l>gemeinen Begriff    haben  .

     
Ts-212,219



         Ich finde bei Plato auf eine Frage wie “was ist Erkenntnis” nicht
die vorläufige Antwort: Sehen wir einmal nach, wie dieses Wort gebraucht
wird.

     
Ts-212,220



            Aber wenn so der allgemeine Begriff der Sprache sozusagen zer-
fliesst, zerfliesst da nicht auch die Philosophie? Nein, denn ihre Aufgabe
ist es nicht, eine neue Sprache zu schaffen, sondern die zu reinigen, die
vorhanden ist.

     
Ts-212,221



            [d|D]er, welcher darauf aufmerksam macht, dass ein Wort in zwei ver-
schiedenen Bedeutungen gebraucht wurde, oder dass bei dem Gebrauch dieses eines
Ausdrucks uns dieses Bild vorschwebt, und der überhaupt die Regeln fest-
stellt (tabuliert), nach welchen Worte gebraucht werden, hat gar keine
Pflicht eine Erklärung des (Definition) des Wortes “Regel” (oder “Wort”,
“Sprache”, “Satz”, etc.) zu geben. //…, hat garnicht die Pflicht üb[r|e]r-
nommen, …//

     
Ts-212,222



            /Die Philosophie hat es in demselben Sinn mit Kalkülen zu
[g|t]un, wie sie es mit Gedanken zu tun hat (oder mit Sätzen und Sprachen).
Hätte sie's aber wesentlich mit dem Begriff des Kalkül[l|s] zu tun, also
mit dem Begriff des Kalküls vor allen Kalküllen, so gäbe es eine Meta-
philosophie. Und die gibt es nicht. (Man könnte alles, was wir zu sagen
haben, so darstellen, dass das als ein leitender Gedanke erschiene.)/

     
Ts-212,223


46

               So ist es mir erlaubt, das Wort ‘Regel’ zu verwenden, ohne
notwendig erst die Regeln über dieses Wort zu tabulieren. Und diese Re-
geln sind nicht Ueber-Regeln.
     


            Das Wort “Regel” muss in der Erklärun<…> eines Spiels nicht ge-
braucht werden <(>natürlich auch kein äquivalentes).
     


            Wie gebrauchen wir denn auch das Wort ‘Regel’ (wenn wir etwa
von Spielen reden)? Im Gegensatz wozu? Wir sagen z.B. “das folgt aus d
dieser Regel”, aber dann könnten wir ja die Regel des Spiels zitieren,
und so das Wort “Regel” ersetzen. Oder wir sprechen von “allen Regeln des
Spiels” und müssen sie dann entweder aufgezählt haben (und dann mit liegt
(wieder?) der erste Fall vor), oder wir sprechen von den Regeln, als einer
Gruppe, die auf bestimmte Art aus gegebenen bestimmten Grundpositionen erzeugt werden
und dann entste steht das Wortb “Regel” für den Ausdruck    dieser  
Grundpositionen und Operationen. Oder wir sagen “   Das   ist eine Regel,
das    das   nicht”, wenn etwa das Zweite nur ein einzelnes Wort ist, oder
eine Konfiguration der Spielsteine. (Oder: “nein, das ist nach der neuen
Abmachung auch eine Regel”.) Wenn wir etwa das Regelverzeichnis des Spiels
aufzuschreiben hätten, so könnte so etwas gesagt werden und dann hiesse es:
   Das   gehört hinein,    das   nicht. Aber nicht vermöge einer bestimmten
Eigenschaft (nämlich der, eine Regel zu sein), wie wenn man etwa lauter
Aepfel in eine Kiste packen möchte und sagt “nein, das gehört nicht hinein,
das ist eine Birne”. Ja aber wir nennen doch manches “Spiel”, manches nicht,
und manches “Regel”, und manches nicht! Ja, Aber auf die Abgrenzung alles
dessen, was wir Spiel nennen, gegen alles andere, kommt es ˇja nie an. Die
Spiele sind für uns    die   Spiele, von denen wir gehört haben, die wir auf-
zählen können, und etwa noch einige nach Analogie anderer neu<>gebildete;
und wenn jemand etwa ein Buch über die Spiele schriebe, so brauchte er ei-
Ts-212,224


47
gentlich das Wort “Spiel” auch im Titel nicht, sondern als Titel könnte
eine Aufzählung der Namen der einzelnen Spiele stehen. Und gefragt: Was
ist<…> denn aber das Gemeinsame aller dieser Dinge, weshalb Du sie zusammen-
fasst? könnte er sagen: ich weiss es nicht in einem Satz anzugeben,
aber Du siehst ja viele Analogien. Im übrigen ist diese // scheint mir
diese // Frage müssig, da ich auch wieder nach Analogien fortfahrend,
durch unmerkbare Stufen, zu Gebilden kommen kann, die niemand mehr im
gewöhnlichen Leben “Spiel” nennen würde, so dass es doch wieder willkür-
lich wäre, was man “Spiel” nennen wollte. Ich nenne daher “Spiel” das,
was auf die[r|s]er Liste steht, wie auch, was diesen Spielen bis zu einem
gewissen (von mir nicht näher bestimmten) Grade ähnlich ist. Im übrigen
behalte ich mir vor, in jedem neuen Fall zu entscheiden, ob ich etwas zu
den Spielen rechnen will oder nicht.
     


            Ebenso verhält es sich nun auch mit dem Begriff der Regel. Nur
in ganz besonderen // speziellen // Fällen handelt es sich uns darum, die
[r|R]egeln von etwas abzugrenzen, was nicht Regel ist, und in allen diesen
Fällen ist es leicht, ein unterscheidendes Kriterium zu geben. Das heisst,
wir brauchen das Wort “Regel” im Gegensatz zu “Wort”, “Konfiguration der
Steine” und einigem Andern, und diese Grenzen sind klar gezogen. Dagegen
ist es müssig, Grenzen dort zu ziehen, wo wir sie nicht brauchen. Ver-
hält es sich hier nicht ebenso, wie mit dem Begriff ‘Pflanze’? Wir ge-
brauchen dieses Wort in bestimmtem Sinne, aber, im Falle einzelliger Lebe-
wesen war die Frage eine aZeit</>lang schwebend, ob man sie Tiere oder Pflan-
zen nennen solle, und es liessen sich auch beliebig viel andere Grenzfälle
konstruieren, für die die Entscheidung, ob etwas noch unter den Begriff
Pflanze falle, erst zu treffen wäre. Ist aber darum die Bedeutung des Wortes
“Pflanze” in allen anderen Fällen verschwommen, sodass man sagen könnte,
wir gebrauchen das Wort, ohne es zu verstehen? Ja, würde uns eine Defini-
tion, die den Begriff nach verschiedenen Seiten begrenzte, die Bedeutung
Ts-212,225


48
des Wortes in allen Sätzen klarer machen, sodass wir auch alle Sätze, in
denen es vorkommt, besser verstehen würden? Offenbar nein.

     
Ts-212,226


42

                    (Sokrates stellt die Frage, was <…>rkenntnis sei und ist
nicht mit der Aufzählung von Erkenntnissen zufrieden. Wir aber kümmern uns
nicht viel um diesen allgemeinen Begriff und sind froh, wenn wir Schuhmache-
rei, Geometrie etc. verstehen.)

     
Ts-212,227



            Wir glauben nicht, dass nur der ein Spiel versteht, der eine De-
finition des Begriffs ‘Spiel’ geben kann.
     


            (Ich mache es mir in der Philosophie immer leichter und leichter.
Aber die Schwierigkeit ist, es sich leichter zu machen und doch exakt zu
bleiben.)
     
Ts-212,228






















     
Ts-212,229



      Ich glaube nicht, dass die Logik in einem andern Sinne von Sätzen reden kann,
als wir für gewöhnlich tun, wenn wir sagen “hier steht ein Satz aufgeschrieben” oder
“nein, das sieht nur aus wie ein Satz, ist aber keiner”, etc.etc.

     


      Die Frage “was ist ein Wort” ist ganz analog der “was ist eine Schachfigur”.
     

Ts-212,230



            Wir reden von dem [R|r]äumlichen und zeitlichen    Phänomen   der
Sprache. Nicht von einem unräumlichen und unzeitlichen Unding. Aber wir reden
von ihr so, wie von den Figuren des Schachspiels, indem wir Regeln für sie
tabulieren, nicht ihre physikalischen Eigenschaften beschreiben.
     


            Wir können in der Philosophie auch keine grössere    Allgemein-
heit
   erreichen, als in dem, was wir in Leben und Wissenschaft sagen // aus-
Ts-212,231


260
sprechen//. (D.h., auch hier lassen wir alles, wie es ist.)
     

Ts-212,232



            So ist eine aufsehenerregende Definition der Zahl keine // nicht
die // Sache der Philosophie.
     


            Die Philosophie hat es mit den bestehenden Sprachen zu tun und nicht
vorzugeben, dass sie von einer abstrakten Sprache handeln müsse.
     

Ts-212,233



            Wenn ich nämlich über die Sprache — Wort, Satz, etc. — rede,
muss ich die Sprache des Alltags reden. — Aber gibt es denn eine andere?
     


            Ist diese Sprache etwa zu grob, materiell, für das, was wir sa-
gen wollen? Und kann es eine andere geben?
Und wie merkwürdig, dass wir dann
mit der [U|u]unseren dennoch // überhaupt // etwas anfangen können.
     

Ts-212,234



            Dass ich beim Erklären der Sprache (in unserem Sinne) schon die
volle Sprache (nicht etwa eine [V|v]orbereitende, vorläufige) [A|a]nwenden muss,
zeigt schon, dass ich nur Aeusserliches über die Sprache sagen // vorbringen //
kann.
     

Ts-212,235


266

                         Ja, aber wie können uns diese Ausführungen dann be-
friedigen? — Nun, Deine Fragen waren ja auch schon in dieser Sprache abge-
fasst; mussten in dieser Sprache ausgedrückt werden, wenn etwas zu fragen
war!
     


             Und Deine Skrupel sind Missverständnisse.
     


             Deine Fragen beziehen sich auf Wörter, so muss ich von Wörtern
reden.
     


             Man sagt: Es kommt doch nicht auf das // auf's // Wort an, son-
dern auf seine Bedeutung, und denkt dabei immer and die Bedeutung, als ob sie
nun eine Sache von der Art des Worts wäre, allerdings vom Wort verschieden.
Hier ist das Wort, hier die Bedeutung. (Das Geld, und die Kuh die man dafür
kaufen kann. Anderseits aber: [D|d]das Geld, und sein Nutzen.)
     

Ts-212,236



            Ueber die Sprache sind nicht mehr Skrupeln berechtigt, als ein
Schachspieler über das Schachspiel hat, nämlich keine.

     
Ts-212,237

























     

Ts-212,238



             Bei der Frage nach der allgemeinen Satzform bedenken wir, dass die
gewöhnliche Sprache zwar einen bestimmten Satzrythmus hat, aber nicht alles,
was diesen Rythmus hat, ein Satz ist.

             D.h.    wie ein Satz klingt   und keiner ist. — Daher
die Idee vom sinnvollen und unsinnigen ‘   Satz  ’.
     


             Anderseits ist dieser Rythmus aber natürlich nicht wesentlich. Der
Ausdruck “Zucker Tisch”    klingt   nicht wie ein Satz, kann aber doch sehr
wohl den Satz “auf dem Tisch liegt Zucker” ersetzen. [u|U]nd zwar nicht etwa so,
dass wir uns etwas Fehlendes hinzudenken müssten, sondern, es kommt wieder
nur auf System an, dem der Ausdruck “Zucker Tisch” angehört.
     


            Es fragt sich also, ob wir ausser diesem irreführenden Satzklang
noch einen allgemeinen Begriff vom Satz haben. (Ich rede jetzt von dem, was
durch ‘&’, ‘⌵’, ‘C’, zusammengehalten wird.)
     

Ts-212,239



                    /Denken wir uns, wir lassen läsen die Sätze eines Buches
verkehrt, die Worte in umgekehrter Reihenfolge; könnten wir nicht dennoch
den Satz verstehen? Und klänge er jetzt nicht ganz unsatzmässig?/
     

Ts-212,240



                      Hat es einen Sinn, zu sagen: “Ich habe so viele Schu-
he, als eine Wurzel der Gleichung x³+2x-3 = 0 Einheiten hat”? Hier
könnte es scheinen, als hätten wir eine Notation, der wir es eventuell nicht
ansehen können, ob sie Sinn hat oder nicht.

            Wenn der Ausdruck “die Wurzel der Gleichung F(x) = 0” eine Be-
schreibung im Russell'schen Sinne wäre, so hätte der Satz “ich habe n Aep-
fel und n+2 = 6” einen andern Sinn, als der: “ich habe 4 Aepfel”.

            Wir haben in dem ersten Satz ein ausserordentlich lehrreiches Bei-
spiel dafür, wie eine Notation auf den ersten Blick einwandfrei erscheinen
kann, nämlich so, als verstünden wir sie; und dass wir in Wirklichkeit ei-
nen unsinnigen Satz nach Analogie eines sinnvollen gebildet haben und nur
   glauben  , die Regeln des ersteren zu übersehen. So ist “ich habe n
Schuhe und n²=4” ein sinnvoller Satz; aber nicht “ich habe n Schuhe und
n²=2”.
     
Ts-212,241
























     

Ts-212,242



                  Die Erklärung, die man erhält, wenn man nach dem Wesen
des Satzes fragt: Satz, sei alles, was wahr oder falsch sein könne — ist
nicht so ganz unrichtig. Es ist die Form der Wahrheitsfunktion (in welcher
Form der Zeichengebung immer ausgedrückt), die das logische Wesen des Sat-
zes ausmacht.
     

Ts-212,243



                  ‘p’ ist wahr = p. Man gebraucht das Wort “wahr” in
Zusammenhängen wie “was er sagt ist wahr”, das aber sagt dasselbe wie
“er sagt ‘p’, und p ist der Fall”.
     

Ts-212,244



                  “Wahr” und “falsch” sind tatsächlich nur Wörter einer
bestimmten Notation der Wahrheitsfunktion.
     

Ts-212,245



                    Wenn man sagt, Satz sei alles, was wahr oder falsch sein
Ts-212,246


370
könne, so heisst das    dasselbe   wie: Satz ist alles, was sich ver-
neinen lässt.
     


                    Wenn wir von dem sprechen, was der Satzform als sol-
cher
wesentlich ist, so meinen wir die Wahrheitsfunktionen.funktion.
     

Ts-212,247


31

                  Man kann natürlich nicht sagen, ‘Satz’ sei dasjenige,
wovon man ‘wahr’ und ‘falsch’ aussagen könne d das würde nur dann etwas
bestimmen, wenn diese Worte in einer bestimmten Weise gemeint sind . Und eben im Zusammenhang mit
einem Satz. Alles, was man machen kann, ist, hier, wie in allen diesen
Fällen, das grammatische Spiel bestimmen., seine Regeln angeben und es
dabei bewenden lassen.
     

Ts-212,248



            Was ein Satz ist, wird durch die Grammatik bestimmt. D.h., inner-
halb der Grammatik.

            (Dahin zielte auch meine “allgemeine Satzform”.)
     

Ts-212,249



            Man kann nicht sagen “dieser Struktur fehlt noch etwas, um ein
Satz zu sein”. Sondern es fehlt ihr etwas um    dieser   Satz zu sein.

     


            Den Russen, welche statt “er ist gut” sagen “er gut” geht nichts
verloren, und sie denken sich auch kein Verbum dazu.
     


            Den kompletten Satz zu charakterisieren ist so unmöglich, wie
die komplette Tatsache.
     

Ts-212,250



            Kann man den Begriff des “Satzes” festlegen? oder die
allgemeine Form des Gesetzes? — Warum nicht! Wie man ja auch den Begriff
‘Zahl’ festlegen könnte, etwa durch das Zeichen “/0,x,x+1/”. Es steht mir ja
frei, nur das Zahl zu nennen; und so steht es mir auch frei, eine analoge
Vorschrift zur Bildung von Sätzen oder Gesetzen zu geben und das Wort “Satz”
oder “Gesetz” als ein Aequivalent dieser Vorschrift zu gebrauchen. Wehrt man
sich dagegen und sagt, es sei doch klar, dass damit nur gewisse Gesetze von
andern abgegrenzt worden seien, so antworte ich: Ja, Du kannst freilich nicht
eine Grenze ziehen, wenn Du von vornherein entschlossen bist, keine anzuer-
Ts-212,251


644
kennen! — Sollen die “Sätze” den unendlichen logischen Raum erfüllen, so kann
von keiner allgemeinen Satzform die Rede sein. Es fragt sich dann natürlich:
Wie gebrauchst Du nun das Wort “Satz”? im Gegensatz wozu? — Etwa im Gegensatz
zu “Wort”, “Satzteil”, “Buchtitel”, Erzählung”, etc..
     

Ts-212,252


760

                        (Ein Satz der von allen Sätzen oder allen Funktionen
handelt. Was stellt man sich darunter vor? // Was meint man damit? // Es
wäre wohl ein Satz der Logik. Denken wir nun daran, wie der Satz
non2np = p bewiesen wird.)
     

Ts-212,253



            Wenn ich “es verhält sich so und so” als allgemeine Satzform
gelten lasse, dann muss ich 2 und 2 2+2 = 4 unter die Sätze rechnen, denn
es ist grammatisch richtig, zu sagen: “es verhält sich so, dass 2+2 gleich
4 ist”. Es braucht weitere Regeln, um die Sätze der Arithmetik auszu-
schliessen.
     

Ts-212,254



             Falsche Ideen über das Funktionieren der Sprache: Dr Broad,
der sagte, etwas werde e    werde   eintreffen, sei kein Satz. Was spricht
man dieser Aussage damit ab? Etwas anderes, als, dass sie Gegenwärtiges
oder Vergangenes beschreibt? — Die Magie mit Wörtern. Ein solcher Satz,
wie der Broads, kommt mir so vor, wie ein Versuch, eine chemische Aende-
rung magisch zu bewirken; indem man den Substanzen, quasi, zu verstehen
gibt, wassi sie tun sollen (wenn man etwa Eisen in Gold überführen wollte,
indem man ein Stück Eisen mit der rechten und zugleich ein S[T|t]ück Gold
mit der linken Hand fasste[.|)]./
     
Ts-212,255






















     

Ts-212,256



                  Man könnte : Wie mach ich's denn, um ein Wort
immer richtig anzuwenden, schau ich immer in der Grammatik nach? Nein,
dass ich etwas meine — was ich meine — hindert mich Unsinn zu sagen[:|.]
[a|A]ber was meine ich denn? Ich sage: ich rede vom Teilen eines Apfels,
aber nicht vom Teilen der Farbe Rot, weil ich beim Teilen eines Apfels
Ts-212,257


343
mir etwas denken kann, etwas vorstellen, etwas wollen kann; beim Aus-
druck “Teilen einer Farbe” nicht. Und ist es etwa so, dass man bei d[k|i]e-
sem Wort nur noch keine Wirkung auf andere Menschen beobachtet hat?!
     


                  “Woher weiss ich, dass ich Rot nicht teilen kann?” —
Die Frage selbst heisst nichts. Ich möchte sagen: Ich Man muss mit der Un-
terscheidung von Sinn und Unsinn    anfangen  . Vor ihr ist nichts
möglich.
     

Ts-212,258



                      Welcher Art nun sind die Regeln, welche sagen, dass
die und die Zusammenstellungen von Wörtern keinen Sinn haben? Sind sie von
der Art derjenigen Vorschriften, welche etwa sagen, dass es keine Spielstel-
lung im Schach ist, wenn zwei Figuren auf dem gleichen Feld stehen, oder
wenn eine Figur auf der Grenze zwischen zwei Feldern steht, etc.? Diese Sät-
ze sind wieder wie gewisse Handlungen, ?—wie wenn man etwa ein Schachbrett—? aus
einem grösseren Stück karierten Papiers herausschneidet. Sie ziehen eine
Grenze. — Was heisst es denn, zu sagen: “diese Wortzusammenstellung heisst
nichts”. Von einem Namen kann man sagen “diesen Namen habe ich niemandem
gegeben” und das Namengeben ist eine bestimmte Handlung (Uumhängen eines
Täfelchens).

            Denken wir an die Darstellung einer Reise auf der Erde durch eine
Linie in der Projektion der zwei Halbkugeln und dass wir sagen: ein Linien-
Ts-212,259


578
stück, das auf der Zeichenebene die Grenzkreise der Projektionen verlässt,
ist in dieser Darstellung sinnlos. Man könnte auch sagen: nichts ist darüber
ausgemacht worden.
     

Ts-212,260



            Gesichtsraum und Retina. Es ist, wie wenn man eine Kugel orthogonal auf eine,
Ebene projiziert, etwa in der Art, wie die beiden Halbkugeln der Erde in einem Atlas
dargestellt werden, und nun könnte einer glauben, dass, was auf der Ebene ausserhalb
der beiden Kugelprojektionen vor sich geht, immerhin noch einer möglichen Ausdehnung
dessen entspricht, was sich auf der Kugel befindet. Hier wird eben ein    komplet-
ter Raum
   auf einen    Teil   eines andern Raumes projiziert; und analog ist es
mit den Grenzen der Sprache im Wörterbuch.
     

Ts-212,261
























     

Ts-212,262



            Die Methode des Messens, z.B. des räumlichen Messens, verhält sich zu einer be-
stimmten Messung genau so, wie der Sinn eines Satzes zu seiner Wahr- oder Falschheit.
     

Ts-212,263



                      Der Sinn eines des Satzes ist nicht pneumatisch, sondern
ist das, was auf die Frage nach der Erklärung des Sinnes zur Antwort kommt.
Und — oder — der eine Sinn unterscheidet sich vom andern, wie die Erklärung
des einen von der Erklärung des andern.
     


                      Welche Rolle der Satz im Kalkül spielt, das ist sein
Sinn.
     

Ts-212,264


590

                      Der Sinn steht also nicht    hinter   ihm (wie der
psychische Vorgang der Vorstellungen etc.).
     

Ts-212,265



             Was heisst es denn: “entdecken, dass ein Satz keinen Sinn hat”?

             Und was heisst das: “wenn ich etwas damit meine, muss es doch Sinn
haben”?
            “Wenn ich etwas damit meine …” — wenn ich    was   damit meine?!
     


            Was heisst es: “Wenn ich mir etwas dabei vorstellen kann, muss es
doch Sinn haben”?

            Wenn ich mir    was   dabei vorstellen kann? Das, was ich sage? sagte?
Das heisst nichts. // Dann heisst dieser Satz nichts. // — Und ‘Etwas’? Das
würde heissen: Wenn ich die Worte auf diese Weise benützen kann, dann haben
sie Sinn. Oder eigentlich: wenn ich sie zum Kalkulieren benütze, dann haben
     

Ts-212,266



            Man könnte auch so fragen: Ist der ganze Satz nur ein unartiku-
liertes Zeichen, in dem ich erst nachträglich Aehnlichkeiten mit anderen Sät-
zen erkenne?
     


            Ja, man könnte unsere Frage in einer sehr elementaren Form stel-
len: Warum eine Sprache nicht mit bloss einem Wort möglich ist // auskommen
könnte//, da es ja doch vorkommt, dass ein Wort (in einer Sprache) mehrere
Bedeutungen hat. (Warum also nicht alle?) [Satz zusammengesetzt]: Ist der Sinn die Wirkg. des Satzes?
     
Ts-212,267
























     

Ts-212,268



            In welchem Sinne kann ich sagen, der Satz sei ein Bild? Wenn
ich darüber denke, möchte ich sagen: er muss ein Bild sein, damit er mir
zeigen kann, was ich tun soll, damit ich mich nach ihm richten kann. Aber,
dann willst Du // also // bloss sagen, dass Du Dich
nach dem Satz richtest in demselben Sinne, in dem Du Dich nach einem Bild richtest.
     

Ts-212,269


233

                      Ist jedes Bild ein Satz? Und was heisst es, etwa zu
sagen, dass jedes als ein Satz gebraucht werden kann?
     


            Ich kann die Beschreibung des Gartens in ein gemaltes Bild, das
Bild in eine Beschreibung übersetzen.
     

Ts-212,270



            Zu sagen, dass der Satz ein Bild sei, hebt gewisse Züge in der
Grammatik des Wortes “Satz” hervor.
     

Ts-212,271


120

                    Das Denken ist ganz dem Zeichen von Bildern zu ver-
gleichen.

            Man kann aber auch sagen: Das Denken ist (wesentlich) mit
keinem Vorgang zu vergleichen und was wie ein Vergleichsobjekt scheint,
ist in Wirklichkeit ein Beispiel.
     

Ts-212,272



            Wenn ich den Satz mit einem Masstab verglichen habe, so habe
ich, strenggenommen, nur einen Satz, der mit Hilfe eines Masstabes die Länge
eines Gegenstands // eine Länge // beschreibt aussagt, als Beispiel für alle Sätze
herangezogen. // als Beispiel eines Satzes herangezogen.//
     

Ts-212,273



            Wenn man die Sätze als Vorschriften auffasst, um Modelle zu bilden, wird ihre
Ts-212,274


128
Bildhaftigkeit noch deutlicher.
     

Ts-212,275


129

      Wenn man sagt: Nur in Satzzusammenhang hat ein Wort Bedeutung, so heisst das, dass
ein Wort seine Funktion als Wort nur im Satz hat, und das lässt sich ebensowenig sagen,
wie, dass ein Sessel seine Aufgabe nur im Raum erfüllt. Oder vielleicht besser: Wie
ein Zahnrad nur im Eingriff in andere Zähne seine Funktion ausübt.
     


      Die Sprache muss von der Mannigfaltigkeit eines Stellwerks sein, das die Handlungen
veranlasst, die ihren Sätzen entsprechen.
     

Ts-212,276



       Die Uebereinstimmung von Satz und Wirklichkeit ist die Uebereinstimmung zwischen
Bild und Abgebildetem nur so weit ähnlich, wie der Uebereinstimmung zwischen einem
Erinnerungsbild und dem Gegenwärtigen Gegenstand.
     

Ts-212,277



            Der Satz ist der Tatsache so ähnlich wie das Zeichen ‘5’ dem
Ts-212,278


305
Zeichen ‘3+2’. Und das gemalte Bild der Tatsache, wie ‘!!!!!’ dem Zeichen
‘!!+!!!’.
     

Ts-212,279



                  Z.B. a, b, c, d bedeuten Bewegungen und zwar a=,
b=, c=, d=. Also heisst z.B. bccbda der Linienzug
Nun, ist der Satz “bccbad” nicht ähnlich jenem Linienzug? Of-
fenbar ja, in gewisser Weise. (Ist es nicht genau die Aehnlichkeit ei-
ner Photographie und des photographierten Gegenstandes?)
     

Ts-212,280




     

















     
Ts-212,281



                  Wie ist es mit den Sätzen, die in Dichtungen vorkommen.
Hier kann doch gewiss von einer Verifikation nicht geredet werden und
doch haben diese Sätze Sinn. Sie verhalten sich zu den Sätzen, für die
es Verifikation gibt, wie ein Genrebild zu einem Portrait. Und dieses
Gleichnis dürfte wirklich die Sache vollständig darstellen.
     

Ts-212,282



                  Wenn ich ein Bild anschaue, so sagt es mir etwas, auch
wenn ich keinen Augenblick glaube (mir einbilde), die Menschen seien
wirklich oder es habe wirkliche Menschen gegeben, von denen dies ein
verkleinertes Bild sei. “Es sagt mir etwas” kann aber hier nur heissen,
Ts-212,283


337
es bringt eine gewisse Einstellung <…>in mir hervor.

             Denn wie, wenn ich fragte: “was sagt es mir denn”?
     


                   Meine Stellung gegen das Bild ist auch keine hypotheti-
sche, so dass ich mir etwa sagte “wenn es solche Menschen gäbe, dann …”
     

Ts-212,284


Wenn ich ein Genre-
bild ansehe, so halte ich die gemalten Menschen darin nicht für wirkliche
Menschen, andererseits ist ihre Aehnlichkeit mit Menschen für das Ver-
ständnis des Bildes wesentlich.
     

Ts-212,285



             Wenn man es für selbstverständlich hält, dass sich der Mensch an
seiner Phantasie vergnügt, so bedenke man, dass diese Phantasie nicht wie ein
gemaltes Bild oder ein plastisches Modell ist, sondern ein kompliziertes Ge-
bilde aus heterogenen Bestandteilen: Wörtern und Bildern. Man wird dann das
Operieren mit Schrift- und Lautzeichen nicht mehr in Gegensatz stellen zu dem
Operieren mit “Vorstellungsbildern” der Ereignisse.
     

Ts-212,286



             Die Illustration in einem Buch ist dem Buch nichts fremdes,
sondern gesellt sich hinzu wie ein verwandter Behelf einem andern, —
wie etwa ein Reibahle dem Bohrer.

             (Wenn einen die Hässlichkeit eines Menschen abstösst, so kann
sie im Bild, im gemalten, gleichfalls abstossen, aber auch in der Be-
schreibung, in den Worten.)
     

Ts-212,287



















     

Ts-212,288



                     “Meine Erwartung ist so gemacht, dass, was immer
kommt, mit ihr übereinstimmen muss, oder nicht.”
     

Ts-212,289



                       Der Satz ist als Richter hingestellt und wir fühlen
uns vor ihm verantwortlich.”
     

Ts-212,290



             Ich sage, die Hand über demn Tisch haltend, “ich wollte, dieser
Tisch wäre so hoch”. Nun ist das Merkwürdige: die Hand über dem Tisch an
und für sich drückt gar nichts aus. D.h., sie ist eine Hand über einem
Tisch, aber kein Symbol (wie der Pfeil, der etwa die Gehrichtung anzeigen
soll, an sich nichts ausdrückt).
     

Ts-212,291



             “Die Hand zeigt dahin”. Aber in wiefern zeigt sie dahin? einfach,
weil sie sich in einer Richtung verjüngt? (Zeigt ein Nagel in die Wand?)
D.h., ist es dasselbe zu sagen “sie zeigt etc.” oder und “sie verjüngt sich in
dieser Richtung”?
     

Ts-212,292


69

                 Man kann eine Lehne auf das Mass eines Körpers einstellen,
vorbereiten. Dann liegt in dieser Einstellung zwar das eingestellte Mass,
aber in keiner Weise, dass ein bestimmter Körper es hat. Ja vor allem
liegt darin keine Annahme darüber, ob der Körper dieses Mass hat, oder
nicht hat.
     

Ts-212,293



             Ich sagte, der Satz wäre wie ein Masstab an die Wirklichkeit an-
gelegt: Aber das der Masstab ist, wie alle richtigen Gleichnisse des Sat-
zes, ein besonderer Fall eines Satzes. Und auch er bestimmt nichts, solange
man nicht mit ihm misst. Aber Messen ist Vergleichen (und muss heissen,
Uebersetzen).
     


             Man möchte sagen: Lege den Masstab an einen Körper an; er sagt
nicht, dass der Körper so lang ist. Vielmehr ist er an sich gleichsam tot
und leistet nichts von dem, was der Gedanke leistet. Es ist, als hätten
wir uns eingebildet, das Wesentliche am lebenden Menschen sei die äussere
Ts-212,294


137
Gestalt, und hätten nun einen Holzblock von dieser Gestalt hergestellt und
sähen mit Enttäuschung den toten Klotz, der auch keine Aehnlichkeit mit
dem Leben hat.
     

Ts-212,295



            7 Man könnte sagen, die Erwartung ist kein Bild, sie bedient sich
nur eines Bildes. Ich erwarte etwa, dass meine Uhr jetzt auf 7 zeigen
wird und drücke dies durch ein Bild der Zeigerstellung aus. Dieses
Bild kann ich nun mit der wirklichen Stellung vergleichen; die Erwartung
     

Ts-212,296



         Mein Gedanke ist immer wenn einer die Erwartung
sehen könnte, dass er müsste, was erwartet wurde.
     

Ts-212,297



         Gut, ich sage: wenn ich meine Uhr herausziehe, wird sie mir
jetzt entweder    dieses   Bild der Zeigerstellung bieten, oder nicht. Aber
wie kann ich es ausdrücken, dass ich mich für eine dieser Annahmen ent-
scheide?

         Jeder Gedanke ist der Ausdruck eines Gedankens.
     

Ts-212,298



                 Ich könnte mein Problem so darstellen: Wenn ich unter-
suchen wollte, ob die Krönung Napoleons so und so stattgefunden hat,
so könnte ich mich dabei, als einer Urkunde, des Bildes bedienen, statt
einer Beschreibung. Und es frägt sich nun, ist die ganze Vergleichung
der Urkunde mit der Wirklichkeit von der Art, wie der Vergleich der Wirk-
lichkeit mit dem Bild, oder gibt es dabei noch etwas Andres, von andrer
Art?
     


                 Aber womit soll man die Wirklichkeit vergleichen,¿?¿, (:)
als mit dem Satz? Und was soll man andres tun, (:) als sie mit ihm zu
vergleichen?
     

Ts-212,299


55

               Wenn man das Beispiel von dem, durch Gebärden mitgeteilten
Befehl betrachtet, möchte man einerseits immer sagen, : Ja, dieses
Beispiel ist eben unvollkommen, die Gebärdensprache zu roh, darum kann
sie den beabsichtigten Sinn nicht vollständig ausdrücken” — aber tat-
sächlich ist sie so gut wie jede denkbare andere, und erfüllt ihren
Zweck so vollständig, wie es überhaupt denkbar ist.
         (Es ist eine der wichtigsten Einsichten, dass es keine Verbesse-
rung der Logik gibt.)
     

Ts-212,300



             Der Befehl kommt uns unvollständig vor. Es scheint
uns, als wäre etwas nur angedeutet, was nicht ausgesprochen ist.
     


             Angedeutet aber ist etwas nur insofern, als ein System nicht aus-
drücklich, oder unvollkommen festgelegt ist. Wir möchten sagen, es sei uns
vollkommen angedeutet oder, das Zeichen suggeriere nur undeutlich, was wir
zu tun hätten. Es sei etwa in dem Sinn undeutlich, wie eine Tafel mit der
Aufschrift “Links Gehen” deutlicher wird, wenn zugleich ein Pfeil die Rich-
tung zeigt. // Es sei etwa undeutlich in dem Sinn, in welchem wir der Deut-
lichkeit halber Zeichen ausführlicher geben.//
     


             Aber für uns ist der Befehl deutlich, der unzweideutig ist; und
einen deutlichern gibt es nicht.
     


            Eindeutig aber kann er nur werden, dadurch, dass in dem System
von Befehlen eine Unterscheidung gemacht wird, die die, wenn sie fehlt, eben
die Zweideutigkeit hervorruft. (Wenn also das System die richtige Mannig-
faltigkeit erhält.)
     

Ts-212,301



             Was, in der Logik, nicht nötig ist,    hilft   auch nicht.
//… ist auch nicht von Nutzen.//

             Was nicht nötig ist, ist überflüssig.
     

Ts-212,302



           Die Unbeholfenheit mit der das Zeichen wie ein Stummer durch
allerlei stu suggestive Gebärden sich verständlich zu machen sucht,
verschwindet, wenn wir erkennen, dass das Wesentliche am Zeichen das
System ist, dem es zugehört und sein übriger Inhalt wegfällt.
     
Ts-212,303






















     

Ts-212,304



             Jedes Symbol scheint als solches etwas offen zu lassen.

     

Ts-212,305



           Der Plan ist als Plan etwas Unbefriedigtes. (Wie der Wunsch,
die Erwartung, die Vermutung u.s.f..)

           Ich möchte manchmal mein Gefühl dem Plan gegenüber als eine
Innervation bezeichnen. Aber auch die Innervation an sich ist nicht un-
befriedigt, ergänzungsbedürftig.
     

Ts-212,306



             In wiefern kann man den Wunsch ‘unbefriedigt’ nennen? Was ist das
Urbild // Vorbild // der Unbefriedigung? Ist es der leere Hohlraum (in den
etwas hineinpasst
)? Und würde man von einem leeren Raum sagen, er sei unbe-
friedigt? Wäre    das   nicht auch eine Metapher? Ist es nicht ein gewisses
Gefühl, das wir Unbefriedigung nennen? Etwa der Hunger. Aber der Hunger ent-
hält nicht das Bild seiner Befriedigung.
     

Ts-212,307



             Die Hohlform ist nur unbefriedigt in dem System, in dem auch die
entsprechende Vollform vorkommt. // … in dem auch die Vollform vorkommt.//
     

Ts-212,308



           , man kann das Wort “unbefriedigt” nicht schlechtweg von
einer Tatsache gebrauchen. Es kann aber in einem System eine Tatsache be-
schreiben helfen. Ich könnte z.B. // festsetzen//, dass ich den
Hohlzylinder ‘den unbefriedigten Zylinder’ nennen werde, den entsprechenden
Vollzylinder,    seine   Befriedigung.
     


           Aber man kann nicht sagen, dass der Wunsch ‘p möge der Fall sein’
durch die Tatsache p befriedigt wird.
     

Ts-212,309

















     

Ts-212,310



                  Einen Satz verstehen, heisst, eine Sprache verstehen.
     

Ts-212,311



                  Jeder Satz einer Sprache hat nur Sinn im Gegensatz zu
anderen Wortzusammenstellungen derselben Sprache.
     

Ts-212,312



            Wenn ein Satz nicht    eine   mögliche unter anderen
wäre, so hätte er keine Funktion.

            D.h.: Wenn ein Satz nicht das Ergebnis einer Entscheidung wäre,
hätte er nichts zu sagen.
     

Ts-212,313



            Denken ist Pläne machen.

            Wenn Du Pläne machst, so machst Duu    einen   Plan zum
Unterschied von // im Gegensatz zu // andern Plänen.
     

Ts-212,314


[|]
                   im Gegensatz zu ist ein anderes Zeichen als im Gegen-
satz zu
     

Ts-212,315



          “Geh so nicht so ” hat nur Sinn, wenn es die Richtung ist,
die dem Pfeil hier wesentlich ist, und nicht, etwa nur die Länge.
     

Ts-212,316


217

                      Man muss wissen, worauf im Zeichen man zu sehen hat.
Etwa: auf welcher Ziffer der Zeiger steht, nicht darauf, wie lang es ist.
     


            “Geh' in der Richtung, in der der Zeiger zeigt”.

            “Geh' so viele Meter in der Sekunde, als der Pfeil cm lang ist”.

            “Mach' so viele Schritte, als ich Pfeile zeichne”.

            “Zeichne diesen Pfeil nach”.
Für jeden dieser Befehle kann der gleiche Pfeil stehen. ---
     

Ts-212,317



            “Ich muss auf die Länge achten”, “ich muss auf die Richtung ach-
ten”, d.h. ˇdas heisst schon: auf die Länge im Gegensatz zu anderen, etc..
     

Ts-212,318



            Wie soll ich mich nach der Uhr richten? Wie kann ich mich nach
diesem Bild richten? (    richten  ? (Wie nach jedem andern.)
     

Ts-212,319



            Es zeigt mir jemand zum ersten Mal eine Uhr und will, dass ich
mich nach ihr richte. Ich frage nun: worauf soll ich bei diesem Ding achten.
Und er sagt: auf die Stellung der Zeiger.
     

Ts-212,320



                    Natürlich, das Zeichen eines Systems bezeichnet es nur
im Gegensatz zu anderen Systemen und setzt selbst ein System voraus. (In-
terne Relation, die nur besteht, wenn ihre Glieder da sind.
     
Ts-212,321






















     

Ts-212,322



            Was heisst es, wenn man sagt: “ich kann mir das Gegenteil da-
von nicht vorstellen”, oder “wie wäre es denn, wenn's anders wäre”; z.B.
wenn jemand gesagt hat, dass meine Vorstellungen privat seien, oder dass
nur ich selbst wissen kann, ob ich Schmerz empfinde, und dergleichen.
     


            Wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie es anders wäre, so kann
ich mir auch nicht vorstellen, wie es    so   sein kann.

            “Ich kann mir nicht vorstellen,” heisst nämlich hier nicht, was
es im Satz “ich kann mir keinen Totenkopf vorstellen” heisst. Ich will
damit nicht auf eine mangelnde Vorstellungskraft deuten.
     

Ts-212,323



     Ich habe tatsächlich nie gesehen, dass ein schwarzer Fleck nach und nach immer
heller wird, bis er weiss ist, und dann immer rötlicher, bis er rot ist; aber ich weiss,
dass es möglich ist, weil ich es mir vorstellen kann. D.h., ich o[f|p]feriere mit meinen
Vorstellungen im Raume der Farben und tue mit ihnen, was mit den Farben möglich wäre.
     

Ts-212,324



                  Es scheint, als könnte man sagen so etwas sagen wie:
Die Wortsprache lässt unsinnige Ausdrücke zu, die Sprache der Vorstel-
lungen aber nicht unsinnige Vorstellungen. (Natürlich kann das, so wie
es da steht, nichts heissen.)
     

Ts-212,325



             Wenn es Sinn hat, zu
sagen “ich kann mir vorstellen, dass p der Fall ist”, so hat es Sinn zu
sagen “p ist der Fall”.
     


            Was heisst es denn “entdecken, dass ein Satz ˇkeinen Sinn hat”? Oder
fragen wir so: Wie kann man denn die Unsinnigkeit eines Satzes (etwa: “die-
ser Körper ist ausgedehnt”) dadurch bekräftigen, dass man sagt: “Ich kann mir
nicht vorstellen, wie es? anders wäre”?

            Denn, kann ich etwa versuchen, es mir vorzustellen? Heisst es
nicht: Zu sagen, dass ich es mir vorstelle, ist sinnlos? Wie hilft mir dann
also diese Umformung von einem Unsinn in einen andern? — Und warum sagt man
gerade: “ich kann mir nicht vorstellen, wie es    anders   wäre”? und nicht
— was doch auf dasselbe hinauskommt — “ich kann mir nicht vorstellen, wie
das wäre”?

            Man erkennt scheinbar in dem unsinnigen Satz etwas wie eine
Tautologie, zum Unterschied von einer Contradiction. Aber das ist ja auch
falsch. — Man sagt gleichsam: “Ja, es er ist ausgedehnt, aber wie könnte es denn
Ts-212,326


306
anders sein? also, wozu es sagen?”.

            Es ist dieselbe Tendenz, die uns auf den Satz “dieser Stab hat
ein bestimmte Länge” nicht antworten lässt “Unsinn!”, sondern “Freilich!”.

            Was ist aber der Grund (zu?) diese Tendenz? Sie könnte auch so
beschrieben werden: wenn wir die beiden Sätze “dieser Stab hat eine Länge”
und seine Verneinung “dieser Stab hat keine Länge” hören, so sind wir partei-
isch und neigen dem ersten Satz zu (statt beide für Unsinn zu erklären).

            Der Grund hiervon ist aber eine Verwechslung: Wir sehen den er-
sten Satz verifiziert (und den zweiten falsifiziert) dadurch, “dass der Stab
4m hat”. Und man wird sagen: “und 4m ist doch eine Länge” und vergisst,
dass man hier einen Satz der Grammatik hat.
     

Ts-212,327



            Warum sieht man es als Beweis dafür an, dass ein Satz Sinn hat,
dass ich mir, was er sagt, vorstellen kann? Weil ich diese Vorstellung mit
einem dem ersten verwandten Satz beschreiben müsste.
     

Ts-212,328



            Könnte ich malen, dass es sich so verhält, wenn es keinen Sinn
Ts-212,329


312
hätte, zu sagen “es verhält sich so”?

     
     
Ts-212,332





















     

Ts-212,333



    Wenn man sagt, die Substanz ist unzerstörbar, so meint man, es ist sinnlos, in ir-
gend einem Zusammenhang — bejahend oder verneinend — von dem “Zerstören einer Substanz”
zu reden. <[als Beispiel zu einem Fall der log. Möglichkeit oder Unmöglichkeit] >
     

Ts-212,334



      Ich versuche etwas, kann es aber nicht. — Was heisst es aber:
“etwas nicht versuchen können”?
     


      “Wir können auch nicht einmal    versuchen  , uns ein rundes
Viereck vorzustellen”.
     
Ts-212,335




     

    Der Gebrauch des Satzes, das ist
sein Sinn.


     

    Ich sage z.B. „auf diesem Tisch
steht jetzt keine Vase, aber es
könnte eine da stehn; dagegen
ist es sinnlos zu sagen der Raum
könnte vier Dimensionen haben.” Aber
wenn der Satz dadurch
sinnvoll wird, daß er mit
den grammatischen Regeln im
Einklang ist, nun so machen
wir eben die Regel, die den Satz,
<…>nser Raum habe vier Dimensionen,
erlaubt. Wohl, aber damit ist nun
die Grammatik dieses Ausdrucks
Ts-212,336


noch nicht festgelegt. Nun müssen
erst noch weitere estimmungen
darüber gemacht werden wie
ein solcher Satz zu gebrauchen
ist, wie er etwa verifiziert
wird.


     

    Wenn man auch den Satz als
Bild des beschriebenen Sachver-
halts auffaßt & sagt der
Satz zeige eben wie es ist, wenn
er wahr wä<…>e, er zeige also
die Möglichkeit des behaupteten
Sachverhalts, so kann der Satz
doch bestenfalls tun was ein
gemaltes oder modelliertes Bild
tun kann tut, & er kann also
jedenfalls nicht das hinstellen
[erzeugen] was nun eben nicht
der Fall ist. [a|A]lso hängt es ganz
von Grammatik ab was
möglich genannt wird & was
nicht, nämlich eben, was sie
Ts-212,337


zuläßt. Aber das ist doch
willkürlich! — Gewiß, aber nicht
mit jedem Gebilde kann ich
etwas anfangen; d.h.: nicht
jedes Spiel ist nützlich & wenn
ich ver bin etwas ganz
Nutzloses als Satz zuzulas-
sen so geschieht es weil
ich ich mich durch eine
Analogie dazu veleiten lasse
& nicht sehe daß mir für meinen
Satz noch die wesentlichen Re-
geln der Anwendung fehlen.
So ist es wenn man von einer
unendlichen Baumreihe re-
det & sich fragt, wie es denn zu verifizieren sei, daß eine Baumreihe unend-
lich ist & was etwa die Bezie-
hung dieser Verific<…>tion zu der des Satzes „die Baumreihe hat
100 Bäume” ist.

     
Ts-212,338

























     

Ts-212,339



                Kann ein logisches Produkt in einem Satz verborgen sein?
Und wenn, wie erfährt man das, und was für Methoden haben wir, das im
Satz Verborgene ans Tageslicht zu ziehen? Haben wie noch keine sicheren Methoden, (es zu finden,) dann können wir auch nicht davon reden, dass
etwas verborgen ist, oder verborgen sein könnte. Und haben wir eine
Methode des Suchens, so kann das logische Produkt etwa, im Satz nur so ver-
borgen sein, wie es etwa die Teilbarkeit durch 3 in der Zahl 753 ist, so-
lange ich das Kriterium noch nicht angewandt habe,
Ts-212,340


9
lange ich das Kriterium noch nicht angewandt habe; , oder aber auch
die √7 solange ich sie noch nicht ausgerechnet habe. Denn, dasver ver-
borgene logische Produckt finden, ist eine mathematische Aufgabe.

     

Ts-212,341



        Also ist Eleme[b|n]tarsatz ein solcher, der sich in dem Kalkül,
wie ich es jetzt heute benütze, nicht als Wahrheitsfunktion anderer Sätze
darstellt.
     

Ts-212,342



                            Die Idee, Elementarsätze zu konstruieren (wie
dies z.B. Carnap versucht hat), beruht auf einer falschen Auffassung der
logischen Analyse. Sie betrachtet das Problem dieser Analyse als das,
Ts-212,343


540
eine    Theorie   der Elementarsätze zu finden. Sie lehnt sich an das
an, was, in der Mechanik z.B., geschieht, wenn eine Anzahl von Grundgeset-
zen gefunden wird, aus denen das ganze System von Sätzen hervorgeht.
     


                        Meine eigene Auffassung war falsch: Tteils, weil
ich mir über den Sinn der Worte “in einem Satz ist ein logisches Produkt
   versteckt  “ (und ähnlicher) nicht klar war, zweitens, weil auch ich
dachte, die logische Analyse müsse verborgene Dinge an den Tag bringen
(wie es die chemische und physikalische tut).
     

Ts-212,344



                        Man kann den Satz “dieser Ort ist jetzt rot” (oder
“dieser Kreis ist jetzt rot”, etc.) einen Elementarsatz nennen, wenn man
damit sagen will, dass er weder eine Wahrheitsfunktion anderer Sätze ist,
noch als solche definiert (ist?[.|)]. (Ich sehe hier von Verbindungen der Art
p & (q·⌵·non-q) und analogen ab.)

         Aus “a ist jetzt rot” folgt aber “a ist jetzt nicht grün” und die
Elementarsätze in diesem Sinn sind also nicht von einander unabhängig, wie
Ts-212,345


541
die Elementarsätze in meinem seinerzeit beschriebenen Kalkül, von dem ich
annahm, der ganze Gebrauch der Sätze müsse sich auf ihn zurückführen las-
sen; — verleitet durch einen falschen Begriff von diesem “zurückführen”
// von dieser Zurückführung//.
     
Ts-212,346




















     
Ts-212,347


122

Fähigkeit voraus Schmerzen zu fühlen und das kann keine “physiologische Fähigkeit” sein —
denn wie wüsste man sonst, wozu es die Fähigkeit ist — sondern eine logische Möglichkeit. —
Ich beschreibe meinen gegenwärtigen Zustand durch die Anspielung auf Etwas, was nicht
der Fall ist. Wenn diese Hinweisung zu der Beschreibung nötig ist (und nicht bloss eine
Verzierung), so muss in meinem gegenwärtigen Zustand etwas liegen, was diese Erwähnung
(Hinweisung) nötig macht. Ich vergleiche diesen Zustand mit einem anderen, also muss
er mit ihm vergleichbar sein. Er muss auch im Schmerzraum liegen, wenn auch an einer
andern Stelle. — Sonst würde mein Satz etwa heissen, mein gegenwärtiger Zustand hat
mit einem schmerzhaften    nichts zu tun  ; etwa, wie ich sagen würde, die Farbe
dieser Rose hat mit der Eroberung Galliens durch Cäsar nichts zu tun. D.h. es ist kein
Zusammenhang vorhanden. Aber ich meine gerade, dass zwischen meinem jetzigen Zustand
und einem schmerzhaften ein Zusammenhang besteht.

     

Ts-212,348



        Wenn ich sage, ich habe heute Nacht    nicht   geträumt, so muss ich doch wissen,
wo nach dem Traum zu suchen wäre (d.h., der Satz “ich habe geträumt” darf, auf die
Situation angewendet, nur falsch, aber nicht unsinnig sein.

        Ich drücke die gegenwärtige Situation durch eine Stellung — die negative —
der Signalscheibe “Träume — keine Träume” aus. Ich muss sie aber trotz ihrer negativen
Stellung von andern Signalscheiben unterscheiden können. Ich muss wissen, dass ich
   diese   Signalscheibe in der Hand habe.

        Man könnte nun fragen: Heisst das, dass Du doch etwas gespürt hast, sozusagen die
Andeutung eines Traume, die dir die Stelle zum Bewusstsein bringt, an der ein Traum ge-
standen wäre? Oder, wenn ich sage “ich habe keine Schmerzen im Arm”, heisst das, dass
ich eine Art schattenhaftes Gefühl habe, welches die Stelle andeutet, in die der Schmerz
eintreten würde? Doch offenbar, nein.

        Inwiefern enthält der gegenwärtige, schmerzlose, Zustand die Möglichkeit der
Schmerzen?

        Wenn einer sagt: “Damit das Wort Schmerzen Bedeutung habe, ist es notwendig,
dass man Schmerzen als solche erkennt, wenn sie auftreten”, so kann man antworten:
“Es ist nicht notwendiger, als dass man das Fehlen von Schmerzen erkennt”.

        “Schmerzen” heisst sozusagen der ganze Maßstab und nicht einer seiner Teilstriche.
Dass er auf einem bestimmten Teilstrich steht, ist durch einen    Satz   auszudrücken.
     


        Was wäre das für eine Frage: ‘Könnte denn Alles    nicht   der Fall sein, und
nichts der-Fall-sein’? Könnte man sich einen Zustand einer Welt denken, in dem mit Wahr-
heit nur negative Sätze zu sagen wären? Ist das nicht offenbar alles Unsinn? Gibt es denn
wesentlich negative und positive Zustände?
     

Ts-212,349



        Ist absolute Stille zu verwechseln mit innerer Taubheit, ich meine der Unbekannt-
heit mit dem Begriff des Tones? Wenn das der Fall wäre, so könnte man den Mangel des Ge-
hörsinnes nicht von dem Mangel eines andern Sinnes unterscheiden.

        Ist das aber nicht genau dieselbe Frage wie: Ist der Mann, der jetzt nichts Rotes
um sich sieht, in derselben Lage, wie der, der unfähig ist, rot zu sehen?

        Man kann natürlich sagen: Der Eine kann sich rot doch vorstellen, aber das vorge-
stellte Rot ist ja nicht dasselbe, wie das gesehene.
     

Ts-212,350



      Wenn ich nur etwas Schwarzes sehe und sage, es ist nicht rot, wie weiss ich, dass
ich nicht Unsinn rede, d.h. dass es rot sein kann, dass es ot gibt? Wenn nicht rot eben
ein anderer Teilstrich auf dem Maßstab ist, auf dem auch schwarz einer ist. Was ist der
Unterschied zwischen “das ist nicht rot” und “das ist nicht abrakadabra”? Ich muss offen-
bar wissen, dass “schwarz”, welches den tatsächlichen Zustand beschreibt (oder beschrei-
ben hilft) das ist, an dessen Stelle in der Beschreibung “rot” steht.
     

Ts-212,351



      Das Gefühlˇ ist, als müsste non-p, um p zu verneinen es erst in gewissem Sinne wahr ma-
chen. Man fragt “   was   ist nicht der Fall”. Dieses muss dargestellt werden, kann
aber doch nicht so dargestellt werden, dass p wirklich wahr gemacht wird.
     

Ts-212,352



     

       Man könnte also vielleicht auch sagen: Der Maßstab muss schon angelegt sein, ich
kann ihn nicht — willkürlich — anlegen, ich kann nur einen Teilstrich darauf hervorheben.

      Das kommt auf Folgendes hinaus: Wenn es um mich her vollkommen still ist, so
kann ich an diese Stille den Gehörsraum nicht willkürlich anbringen (aufbauen), oder
nicht anbringen. D.h., es ist für mich entweder still im Gegensatz zu einem Laut, oder
das Wort still hat keine Bedeutung für mich. D.h. ich kann nicht    wählen   zwischen
   innerem   Gehör und innerer Taubheit.

      Und ebenso kann ich, wenn ich grau sehe, nicht zwischen normalem innerem Sehen,
partieller oder vollkommener Farbenblindheit    wählen  .
     

Ts-212,353



    Kann ich mir Schmerzen in der Spitze meines Nagels denken, oder in meinen Haaren?
Sind diese Schmerzen nicht ebenso, und ebenso wenig vorstellbar, wie die an irgend
einer Stelle des Körpers, wo ich gerade keine Schmerzen habe und mich an keine erinnere?
     
Ts-212,354





     

Ts-212,355



         ie Verneinung enthält eine Art Allgemeinheit.

        Aber freilich muss auch die Bejahung sie enthalten und nur einen
andern Gebrauch von ihr machen.

     

Ts-212,356



      Non-p schliesst p aus; [W|w]as es dann    [g|z]ulässt  , hängt von der Na-
tur des p ab.
     

Ts-212,357



         “non-p” schliesst einfach p aus. Was dann    statt   p der Fall
, folgt aus dem Wesen des Ausgeschlossenen.
     
Ts-212,358




















     

Ts-212,359



          “Wie kann das Wort ‘nicht’ verneinen?” Ja, haben wir denn abgese-
hen von der Verneinung // ausser der Verneinung // durch ein Zeichen, noch
einen Begriff von der Verneinung?

            Doch es fällt uns dabei etwas ein, wie: Hindernis, abwehrende
Geste, Ausschluss. Aber das alles (ist) doch immer in einem Zeichen verkörpert.

     

Ts-212,360



        Was ist der Unterschied zwischen: Wünschen, dass etwas geschieht
und Wünschen, dass    dasselbe nicht   geschieht?

        Wollte man es bildlich darstellen, man würde mit dem Bild der
Handlung etwas vornehmen, : es durchstreichen, in bestimmter Weise ein-
rahmen, und dergleichen. Aber das erscheint uns als eine    rohe  
Methode des Ausdrucks; aber ich glaube<,> dass    jede   wesentlich
ebenso sein muss; in der Wortsprache setze ich das Zeichen “nicht”
Ts-212,361


67
in den Satz. Wie gesagt, das scheint ein ungeschickter Behelf und man
meint etwa, im    Denken   geschieht es schon anders. Ich glaube aber,
im Denken, [e|E]rwarten, Wünschen, geschieht es ganz ebenso. Sonst würde
ja auch die Diskrepanz zwischen dem Denken und dem Sprechen — in dem
wir ja doch denken — unerträglich sein.
     


        Noch einmal, der Ausdruck der Verneinung, den wir gebrauchen,
wenn wir uns irgendeiner Sprache Schrift bedienen, erscheint uns    primi-
tiv
  ; als gäbe es einen richtigeren, der mir nur in den rohen Ver-
hältnissen dieser Sprache nicht zur Verfügung steht.
     


        Dieses Primitive der Ausdrucks[c|f]orm, das uns bei der Verneinung
aufgefallen ist, haben wir schon früher begegnet; wenn man nämlich
etwa einem Menschen begreiflich machen will, dass er einen gewissen
Weg gehen soll, so kann man ihm den Weg aufzeichnen, und hierin mit
beliebig weitgehender Genauigkeit verfahren. Die Andeutung jedoch, die
ihm verständlich machen soll, dass    er   den Weg gehen soll, ist wieder
von der primitiven Art, die man gerne verbessern möchte.
     

Ts-212,362



                    “Was hilft es, dass als Negationszeichen nur ein Haken
vor dem Satz p steht, ich muss ja doch die ganze Negation denken”.
     

Ts-212,363


356

                  Das Zeichen “non” deutet an, Du sollst das, was folgt,
negativ auffassen.

         Es deutet an, heisstˇaber, dass das nicht der letzte sprachliche
Ausdruck ist. Dass das nicht das Bild des Gedankens ist. Dass [M|m]ehr in
der Negation ist als wahr. das.
     

Ts-212,364



                 Ich sage[,|n] die Verneinung ist nur eine Veranlassung um
etwas viel Komplexeres zu tun; aber was? Lässt sich die Frage nicht be-
antworten (und das eine Symbol der Negation durch ein anderes zu ersetzen,
ist keine Antwort) so ist sie unsinnig, und dann ist es auch jener erste
Satz.

          Es ist, als veranlasste uns das Zeichen der Negation zu etwas;
aber was, das wird scheinbar nicht gesagt. Es ist, als brauchte es nur
angedeutet werden; als wüssten wir es schon. ?—Als wäre eine Erklärung
jetzt unnötig, da wir die Sache ohnehin schon kennen.—?
     


                  Gäbe es eine explizitere Ausdrucksweise der Negation,
so müsste sie sich doch in die andere abbilden lassen und könnte darum
nicht von anderer Multiplizität sein.
     

Ts-212,365



                  Nun wäre aber die Frage: wie zeigt sich das uns [B|b]ekann-
te Spezifische der Negation in den Regeln, die vom Negationszeichen gelten
// handeln//. Dass z.B. ein gezeichneter Plan eines Weges ein Bild des
Weges ist, verstehen wir ohne weiteres; wo sich der gezeichnete Strich
nach links biegt, biegt sich auch der Weg nach links, etc.etc.. Dass aber
das Zeichen “nicht” den Plan ausschliesst, sehen wir nicht. Eher noch,
wenn wir etwas ausgeschlossenes mit einem Strich umfahren, gleichsam ab-
zäunen. Aber so könnte man ja das “non” als eine Tafel auffassen “erbo-
tener Weg”.
     

Ts-212,366



            “Ich sage doch diese Worte nicht bloss, sondern ich meine auch
etwas mit ihnen”. Wenn ich z.B. sage “Du darfst nicht hereinkommen”, so
ist es der natürliche Akt, zur Begleitung dieser Worte, mich vor die Tür zu
Ts-212,367


206
stellen und sie zuzuhalten. Aber es wäre nicht so offenbar naturgemäss, wenn
ich sie ihm bei diesen Worten öffnen würde. Diese Worte haben, wie sie hier
verstanden werden, offenbar etwas mit jenem Akt zu tun.

            Der Akt ist sozusagen eine Illustration zu ihnen — müsste als
Sprache aufgefasst werden können. Andrerseits ist er aber auch der Akt, den
ich abgesehen von jedem Symbolismus aus meiner Natur tun will tue.
     

Ts-212,368



                  Wie ist es aber mit diesem Gedanken: Wenn “non-p” ein
Ts-212,369


359
Bild sein soll, wäre, was es bedeutet, nicht am besten dadurch darzustel-
len, dass das ˇim Zeichen    nicht   der Fall ist, was darstellen würde, dass p der
Fall ist. Es ist aber klar, dass so ein Symbolismus nicht funktioniert.

          Es ist dafür keine Erklärung, zu sagen (was ich einmal sagte), ein
solcher negativer Symbolismus ginge schon, er sei nur darum nicht zu ge-
brauchen, weil man aus ihm nicht erfahren könne,    was   verneint sei.
Dann ist er eben kein Symbolismus der Negation, wenn er uns nicht das Nö-
tige mitteilt. Und dann fehlt es ihm Wesentliche.

          Es hat ja seinen Grund, warum in gewissen Fällen der negative
Symbolismus funktioniert und z.B. keine Antwort auch eine Antwort ist. In
diesen Fällen ist eben der Sinn des Schweigens eindeutig bestimmt.
     


                  Es wird eine andere Art Portrait entworfen, durch ein
Bild, was zeigen soll, wie es sich nicht verhält, als durch eines, was
zeigt wie es sich verhält.
     

Ts-212,370



                  Die Farbangabe, dass etwas nicht rot ist, ist von ande-
rer Art als die, dass etwas rot (oder blau) ge ist. D.h. sie ist nicht in
dem gleichen Sinn eine Farbangabe.
     


                  Dagegen    kann   die Negation eines Satzes eine Angabe
gleicher Art sein, wie der negierte Satz.
     

Ts-212,371



          Ich brauche im negativen Satz das intakte Bild des positiven
Satzes.
     

Ts-212,372


360

                  Ich kann ein Bild davon zeichnen, wie Zwei miteinan-
der fechten; aber doch nicht davon, wie Zwei miteinander nicht fechten
(d.h. nicht ein Bild, dass bloss dies darstellt).

          “Sie fechten nicht miteinander” heisst nicht, dass davon nicht
die Rede ist, sondern, es    ist   eben davon die Rede und wird (nur?)
ausgeschlossen.
     
Ts-212,373
















     
Ts-212,375



    Ich glaube, ein Teil der Schwierig-
keit rührt vom Gebrauch
der Wörter „ja” & „nein” her. Diese
beiden lassen es so erscheinen,
als wäre ein Satz & sein Gegenteil
im Verhältnis zweier Pole zu
einander oder zweier entgegenge-
setzter Richtungen. Während schon,
daß ~~p = p ist, eine doppelte Beja-
hung aber keine Verneinung ist, zeigen
kann, daß dieses Bild falsch ist.












     

Ts-212,376


739

                        Wenn gefragt würde: ist die Negation // Verneinung //
in der Mathematik, etwa in non(2+2 = 5), die gleiche, wie die nicht-mathe-
matischer Sätze? so müsste erst bestimmt werden, was als Charakteristikum
der // dieser // Verneinung als solcher aufzufassen ist. Die Bedeutung ei-
nes Zeichens liegt ja in den Regeln, nach denen es verwendet wird // in den
Regeln, die seinen Gebrauch vorschreiben //. Welche dieser Regeln machen das
Zeichen “non” zur Verneinung? Denn es ist klar, dass gewisse Regeln, die
sich auf “non” beziehen, für beide Fälle die gleichen sind; z.B. non-non-p =
p. Man könnte ja auch fragen: ist die Verneinung eines Satzes “ich sehe
einen roten Fleck” die gleiche, wie die von “die Erde bewegt sich in einer
Elipse um die Sonne”; und die Antwort müsste auch sein: Wie hast Du “Ver-
neinung” definiert, durch welche Klasse von Regeln? — daraus wird sich er-
geben, ob wir in beiden Fällen “die gleiche Verneinung” haben. Wenn die Lo-
gik allgemein von der Verneinung redet, oder einen Kalkül mit ihr treibt,
so ist die Bedeutung des Verneinungszeichens nicht weiter festgelegt, als
die Regeln seines Kalküls. Wir dürfen hier nicht vergessen, dass ein Wort
seine Bedeutung nicht als etwas, ihm ein für allemal verliehenes, mit sich
herumträgt, sodass wir sicher sind, wenn wir nach dieser Flasche greifen,
auch die bestimmte Flüssigkeit, etwa Spiritus, zu erwischen. //… auch die
bestimmte Flüssigkeit, z.B. Spiritus, in der Hand zu halten.//

     
Ts-212,377






















     

Ts-212,378



                   Die Grammatik, wenn sie in der Form eines Buches uns
vorläge, bestünde nicht aus einer Reihe bloss nebengeordneter Artikel,
sondern würde eine andere Struktur zeigen. Und in dieser müsste man — wenn
ich Recht habe — auch den Unterschied zwischen Phänomenologischem und
Nicht-Phänomenologischem sehen. Es wäre da etwa ein Kapitel von den Far-
ben, worin der Gebrauch der Farbwörter geregelt wäre; aber dem vergleich-
bar wäre nicht, was über die Wörter “nicht”, “oder”, etc. (die “logischen
Ts-212,379


365
Konstanten”) in der Grammatik gesagt würde.

         Es würde z.B. aus den Regeln hervorgehen, dass diese letzteren
Wörter in? jedem Satz anzuwenden seien (nicht aber die Farbwörter). Und
dieses “jedem” hätte nicht den Charakter einer erfahrungsmässigen Allge-
meinheit; sondern der inappellablen Allgemeinheit einer obersten Spielre-
gel. Es scheint mir ähnlich, wie das Schachspiel wohl ohne gewisse Figuren
zu spielen (oder doch fortzusetzen) ist, aber nie ohne das Schachbrett.

     

Ts-212,380



                  Wie offenbart sich die Zeitlichkeit der Tatsachen, wie
drückt sie sich aus, als dadurch, dass gewisse Ausdrücke Wendungen in unsern Sätzen
vorkommen müssen. D.h.: Wie drückt sich die Zeitlichkeit der Tatsachen
aus, als grammatisch?
     

Ts-212,381



                   Negation und Disjunktion, möchten wir sagen, hat mit dem
Wesen des Satzes zu tun, die Zeit aber nicht, sondern mit seinem Inhalt.

          Wie aber kann es sich in der Grammatik zeigen, dass Etwas mit dem
Wesen des Satzes zusammenhängt und [E|e]twas anderes nicht, wenn sie beide
gleich allgemein sind?

          Oder sollte ich sagen, die geringere Allgemeinheit wäre auf seiten
der Zeit, da die mathematischen Sätze negiert und disjungiert werden kön-
nen, aber nicht zeitlich sind? Ein Zusammenhang ist wohl da, wenn auch die-
se Form, die Sache darzustellen, irreführend ist.
     

Ts-212,382



                    Wie unterscheidet die Grammatik zwischen Satzform und
Inhalt? Denn dies sollen ja ein grammatikalischer Unterschied sein. Wie
sollte man ihn beschreiben können, wenn ihn die Grammatik nicht zeigt?
Ts-212,383


367

          Was hat es mit dem Schema “Es verhält sich so und so” für eine
Bewandtnis? Man könnte sagen, das “Es verhält sich” ist die Handhabe für
den Angriff der Wahrheitsfunktionen.

          “Es verhält sich” ist also nur ein Ausdruck aus einer Notation
der Wahrheitsfunktionen. Ein Ausdruck, der uns zeigt, welcher Teil der
Grammatik hier in Funktion tritt.
     

Ts-212,384



          ?—Jene zweifache Art der Allgemeinheit wäre so seltsam—?,
wie wenn von zwei Regeln eines Spiels, die beide gleich ausnahmslos gel-
ten, die eine als die fundamentalere angesprochen würde. Als könnte man
also fragen // darüber reden//, ob der König oder das Schachbrett für
das Schachspiel essentieller wäre. Welches von beiden das Wesentlichere,
welches das Zufälligere wäre.
     

Ts-212,385


369

          Zum mindesten scheint eine Frage berechtigt: Wenn ich
die Grammatik aufgeschrieben hätte und die verschiedenen Kapitel, über
die Farbwörter, etc.etc. der Reihe nach da stünden, wie Regeln über alle
die Figuren des Schachspiels, wie wüsste ich dann, dass dies nun    alle  
Kapitel sind? Und wenn sich nun in allen vorhandenen Kapiteln eine ge-
meinsame Eigentümlichkeit findet, so haben wir es hier scheinbar mit ei-
ner logischen Allgemeinheit, aber keiner wesentlichen, d.h. vorausseh-
baren Allgemeinheit, zu tun. Man kann aber doch nicht sagen, dass die
Tatsache, dass das Schachspiel mit 16 Figuren gespielt wird, ihm weniger
wesentlich ist, als, dass es auf dem Schachbrett gespielt wird.
     

Ts-212,386



                  Da Zeit und Wahrheitsfunktionen so verschieden schmecken
und da sie ihr Wesen allein und ganz in der Grammatik offenbaren, so muss
die Grammatik den verschiedenen Geschmack erklären.

        Das eine schmeckt nach Inhalt, das andere nach Darstellungsform.

        Sie schmecken so verschieden, wie der Plan und der Strich durch
den Plan.
     

Ts-212,387



                   Es kommt mir so vor, als wäre die Gegenwart, wie sie in
dem Satz “der Himmel ist blau” steht (wenn dieser Satz nicht-hypothetisch
gemeint ist) keine Form der Gegenwart Zeit. Als ob also die Gegenwart in
   diesem   Sinne unzeitlich wäre.
     

Ts-212,388



                   merkwürdig, dass die Zeit, von der ich
hier rede, nicht die im physikalischen Sinne ist. Es handelt sich hier
nicht um eine Zeitmessung. Und es ist verdächtig, dass etwas, was mit ei-
ner solchen Messung nichts zu tun hat, in den Sätzen eine ähnliche Rolle
spielen soll, wie die physikalische Zeit in den Hypothesen der Physik.
     
Ts-212,389


<…>
Ts-212,390


Unterschied zwischen der Logik des Inhalts und der Logik der Satzform
überhaupt. Das eine erscheint gleichsam bunt, das andere matt. Das eine
, was das Bild darstellt, das andere, wie der Rahmen
des Bildes ein Charakteristikum der Bildform .











     

Ts-212,391


      Dass alle Sätze die Zeit in irgend einer Weise enthalten, scheint uns zufällig,
im Vergleich da, dass auf alle Sätze die Wahrheitsfunktionen anwendbar sind.

     Das scheint mit ihrem Wesen als Sätzen zusammenzuhängen, das andere mit dem Wesen
der vorgefundenen Realität.

     
Ts-212,392


empty
     






















Ts-212,393



       Eine Hypothese könnte man offenbar durch Bilder erklären. Ich meine, man könnte
z.B. die Hypothese “hier liegt ein Buch” durch Bilder erklären, die das Buch im Grund-
riss, Aufriss und verschiedenen Schnitten zeigen.

     

       Eine solche Darstellung gibt ein    Gesetz  . Wie die Gleichung einer Kurve ein
Gesetz gibt, nach der die Ordinatenabschnitte aufzufinden sind, wenn man in verschiedenen
Abszissen schneidet.

       Die fl fallweisen Verifikationen entsprechen dann solchen wirklich ausgeführten
Schnitten.

       Wenn unsere Erfahrungen die Punkte auf einer Geraden ergeben, so ist der Satz,
dass diese Erfahrungen die verschiedenen Ansichten einer Geraden sind, eine Hypothese.

       Die Hypothese ist eine Art der Darstellung dieser Realität, denn eine neue Erfah-
rung kann mit ihr übereinstimmen oder nicht-übereinstimmen, bezw. eine Aenderung der
Hypothese nötig machen.

     
Ts-212,394


139'

   Drücken wir z.B. den Satz, dass eine Kugel sich in einer bestimmten Entfernung von
unseren Augen befindet mit Hilfe eines Koordinatensystems und er Kugelgleichung aus,
so hat diese Beschreibung eine grössere Manni[f|g]faltigkeit, als die einer Verifikation
durch das Auge. Jene Mannigfaltigkeit entspricht nicht    einer   Verifikation, son-
dern einem    Gesetz  , welchem Verifikationen gehorchen.

     
Ts-212,395



    Eine Hypothese ist ein Gesetz zur Bildung von Sätzen.

    Man könnte auch sagen: Eine Hypothese ist ein Gesetz zur Bildung von Erwartungen.

    Ein Satz ist sozusagen ein Schnitt durch eine Hypothese der in einem bestimmten
Ort.

     
Ts-212,396



     Nach meinem Prinzip müssen die beiden Annahmen ihrem Sinne nach identisch sein,
wenn alle    mögliche   Erfahrung, die die eine bestätigt, auch die andere bestä-
tigt. Wenn also keine Entscheidung zwischen durch die Erfahrung denkbar ist.

     
Ts-212,397



                         Darstellung einer Linie als Gerade mit Abweichun-
gen. Die Gleichung der Linie enthält einen Parameter, dessen Verlauf die
Abweichungen von der Geraden ausdrückt. Es ist nicht wesentlich, dass die-
Ts-212,398


758
se Abweichungen “gering” seien. Sie können so gross sein, dass die Linie
einer Geraden nicht ähnlich sieht. Die “Gerade mit Abweichungen” ist nur
eine Form der Beschreibung. Sie erleichtert es mir, einen bestimmten Teil
der Beschreibung auszuschalten, zu vernachlässigen, wenn ich will. (Die
Form “Regel mit Ausnahmen”.)

     
Ts-212,399



            Was heisst es, sicher zu sein, dass man Zahnschmerzen haben
wird. (   Kann   man nicht sicher sein, dann erlaubt es die Grammatik nicht,
das Wort “sicher” in dieser Verbindung zu gebrauchen.)


     
Ts-212,400



            Man sagt: “Wenn ich sage, dass ich einen Sessel dort sehe, so
sage ich mehr, als ich sicher weiss”. Und nun heisst es meistens: “Aber
Ts-212,401


154
   eines   weiss ich doch sicher”. Wenn man aber nun sagen will, was das
ist, so kommt man in eine gewisse Verlegenheit.

            “Ich sehe etwas    Braunes  , — das ist sicher”; damit will
man eigentlich sagen, dass die braune Farbe gesehen, und nicht vielleicht
auch nur bloss vermutet ist (wie etwa in dem Fall, wo ich es sie aus gewissen anderen
Anzeichen vermute). //…und nicht vielleicht auch bloss aus anderen An-
zeichen vermutet ist.// Und man sagt ja auch einfach: “Etwas Braunes    se-
he
   ich”.

     

            Wenn mir gesagt wird: “Sieh in dieses Fernrohr und zeichne mir
auf, was Du siehst”, so ist, was ich zeichne, der Ausdruck eines Satzes,
nicht einer Hypothese.

     
     



            Wenn ich sage “hier steht ein Sessel”, so ist damit — wie man
sagt — “mehr” gemeint, als die Beschreibung dessen, was ich wahrnehme. Und
das kann nur heissen, dass dieser Satz nicht wahr sein muss, auch wenn die
Beschreibung des Gesehenen stimmt. Unter welchen Umständen werde ich nun
sagen, dass jener Satz nicht wahr war? Offenbar: wenn gewisse andere Sätze
nicht wahr sind, die in dem ersten mit beinhaltet waren. Aber es ist nicht
so, als ob nun der erste ein logisches Produkt gewesen wäre.

     
Ts-212,402



                   Das beste Gleichnis für jede Hypothese, und selbst ein
Beispiel, ist ein Körper mit seinen nach einer bestimmten Regel konstruier-
ten Ansichten aus den verschiedenen Punkten des Raumes.

     
Ts-212,403



                       Der Vorgang einer Erkenntnis in einer wissenschaftli-
chen Untersuchung (in der Experimentalphysik etwa) ist freilich nicht der
einer Erkenntnis im Leben ausserhalb dem des Laboratoriums; aber er ist ein
   ähnlicher   und kann, neben den andern gestellt // gehalten//, diesen
beleuchten.

     
Ts-212,404



       Es ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Sätzen wie “das
ist ein Löwe”, “die Sonne ist grösser als die Erde”, die alle ein
“dieses”, “jetzt”, “hier” enthalten und also an die Realität unmittel-
bar anknüpfen, und Sätzen wie “Menschen haben zwei Hände” etc. Denn,
wenn zufällig keine Menschen in meiner Umgebung wären, wie wollte ich
diesen Satz kontrollieren?

     
Ts-212,405



                  Es werden immer Fassetten der Hypothese verifiziert.

     

                  Ist es nun nicht etwa so, dass    das  , was die Hypo-
these erklärt, selbst nur wieder durch eine Hypothese ausdrückbar ist.
Das heisst natürlich: gibt es überhaupt primäre Sätze; die also endgültig
verifizierbar sind, und nicht die Fassetten einer Hypothese sind? (Das
ist etwa, als würde man fragen “gibt es Flächen, die nicht Oberflächen
von Körpern sind?”)

     

                  Es kann jedenfalls kein Unterschied sein zwischen einer
Hypothese, als Ausdruck einer unmittelbaren Erfahrung gebraucht, und einem
Satz im engeren Sinne.

     
Ts-212,406


334

                  Es ist ein Unterschied zwischen einem Satz wie “hier
liegt eine Kugel vor mir” und “es schaut so aus, als läge eine Kugel vor
mir”. — Das zeigt sich auch so: man kann sagen “es scheint eine Kugel
vor mir zu liegen”, aber es ist sinnlos zu sagen: “es schaut so aus, als
schiene eine Kugel hier zu liegen”. Wie man auch sagen kann “hier liegt
wahrscheinlich eine Kugel”, aber nicht “wahrscheinlich scheint hier eine
Kugel zu liegen”. Man würde in so einem Falle sagen: “ob es    scheint  ,
musst Du doch wissen”.

     
Ts-212,407



                  In dem, was den Satz mit der gegebenen Tatsache ver-
bindet, ist nichts Hypothetisches.

     

                  Es ist doch klar, dass eine Hypothese von der Wirklich-
keit — ich meine von der unmittelbaren Erfahrung — einmal mit ja, einmal
mit nein beantwortet wird; (wobei freilich das “ja” und “nein” hier nur
Bestätigung und Fehlen der Bestätigung ausdrückt) und dass man dieser
Ts-212,408


336
Bejahung und Verneinung Ausdruck verleihen kann.

     
Ts-212,409



                  Die Hypothese wird, mit    der   Fassette an die Realität
angelegt, zum Satz.

     
Ts-212,410



                  Ob der Körper, den ich sehe, eine Kugel ist, kann
zweifelhaft sein, aber, dass er von hier etwa eine Kugel zu sein
scheint, kann nicht zweifelhaft sein. — Der Mechanismus der Hypothese
würde nicht funktionieren, wenn der Schein auch noch zweifelhaft wäre;
Ts-212,411


338
wenn also auch nicht eine Fassette der Hypothese unzweifelhaft verifi-
ziert würde. Wenn es hier Zweifel gäbe, was könnte den Zweifel heben?
Wenn auch diese Verbindung locker wäre, so gäbe es auch nicht Bestäti-
gung einer Hypothese, die Hypothese hinge dann gänzlich in der Luft und
wäre zwecklos (und damit sinnlos).

     
Ts-212,412



                      Wenn ich sagte “ich sah einen Sessel”; so wider-
spricht dem (in    einem   Sinne) nicht der Satz “es war keiner da”. Denn
den ersten Satz würde ich auch in der Beschreibung eines Traums verwenden
und niemand würde mir dann mit den Worten des zweiten widerssprechen. Aber
die Beschreibung des Traums mit jenen Worten wirft ein Licht auf den Sinn der Worte “   ich sah  ”.

          In dem Satz “es war ja keiner da” kann das “da” übrigens ver-
schiedene Bedeutung haben.



     
Ts-212,413



                         Ich stimme mit den Anschauungen neuerer Physiker
überein, wenn sie sagen, dass die Zeichen in ihren Gleichungen keine “Be-
deutungen” mehr haben, und dass die Physik zu keinen solchen Bedeutungen
gelangen können, sondern bei den Zeichen stehen bleiben müsse: sie sehen
nämlich nicht, dass diese Zeichen insofern Bedeutung haben — und nur inso-
fern — als ihnen, auf welchen Umwegen immer, das beobachtete Phänomen ent-
spricht, oder nicht entspricht.

     
Ts-212,414



            Denken wir uns, dass das Schachspiel nicht als Brettspiel erfunden
worden wäre, sondern als Spiel, das mit Ziffern und Buchstaben auf Papier zu
spielen ist und so<…>, dass sich niemand dabei ein Quadrat mit 64 Feldern etc.
vorgestellt hätte. Nun aber hätte jemand die Entdeckung gemacht, dass dieses
Spiel ganz einem entspricht, das man auf einem Brett in der und der Weise
spielen könnte. Diese Erfindung wäre eine grosse Erleichterung des Spiels ge-
wesen (Leute, denen es früher zu schwer gewesen wäre, könnten es nun spielen).
Aber es ist klar, dass diese neue Illustration der Spielregeln nur ein neuer,
leichter übersehbarer, Symbolismus wäre, der übrigens mit dem [g|G]eschriebenen
auf gleicher Stufe stünde. Vergleiche nun damit das Gerede darüber, dass die
Physik heute nicht mehr mit mechanischen Modellen, sondern “nur mit Symbolen”
arbeitet.

     
Ts-212,415


empty
     






















Ts-212,416



     Die Wahrscheinlichkeit einer Hypothese hat ihr Maß darin, wieviel Evidenz nötig
ist, um es vorteilhaft zu machen, sie umzustossen.

      Nur in diesem Sinne kann man sagen, dass wiederholte gleichförmige Erfahrung in
der Vergangenheit das Andauern dieser Gleichförmigkeit in der Zukunft wahrscheinlich
macht.

      Wenn ich nun in diesem Sinne sage: Ich nehmen an, dass morgen die Sonne wieder auf-
gehen wird, weil das Gegenteil zu unwahrscheinlich ist, so meine ich hiermit mit “wahr-
scheinlich” oder “unwahrscheinlich” etwas ganz Anderes, als mit diesen Worten im Satz
Ts-212,417


124'
“es ist gleichwahrscheinlich, dass ich Kopf oder Adler werfe” gemeint ist. Die beiden
Bedeutungen des Wortes “wahrscheinlich” stehen zwar in einem gewissen Zusammenhang, aber
sie sind nicht identisch.

     
Ts-212,418



       Man gibt die Hypothese nur um einen immer höheren Preis auf.

     

       Die Induktion ist ein Vorgang nach einem ökonomischen Prinzip.

     
     


       Die Frage der Einfachheit der Darstellung durch eine bestimmte angenommene Hypo-
these hängt, glaube ich, unmittelbar mit der Frage der Wahrscheinlichkeit zusammen.

     
Ts-212,419



    Man kann einen Teil Hypothese vergleichen mit der Bewegung eines Teils eines
Getriebes, einer Bewegung, die man festlegen kann, ohne dadurch die bezweckte Bewegung
zu präjudizieren. Wohl aber hat man dann das übrige Getriebe auf eine bestimmte Art ein-
zurichten, dass es die gewünschte Bewegung hervorbringt. Ich denke an ein Differen[z|t]ial-
getriebe. —
Habe ich die Entscheidung getroffen, dass von einem
gewissen Teil meiner Hypothese nicht abgewichen werden soll,
was immer die zu beschreibende Erfahrung sei, so habe ich
eine Darstellungsweise festgelegt und jener Teil der Hypothe-
se ist nun ein Postulat. Ein Postulat muss von solcher Art
sein, dass keine denkbare Erfahrung es widerlegen kann, wann
es auch äusserst unbequem sein mag, an dem Postulat festzu-
halten. In dem Maße, wie man hier von einer grösseren oder
geringeren Bequemlichkeit reden kann, gibt es eine grössere
oder geringere Wahrscheinlichkeit des Postulats.

     
Ts-212,420


159'

    Von einem Maß dieser Wahrscheinlichkeit zu reden, ist nun vor der Hand sinnlos.
Es verhält sich hier ähnlich, wie im Falle, etwa, zweier Zahlenarten, wo wir mit einem
gewissen Recht sagen können, die eine sei der andern ähnlicher (stehe ihr näher) als
einer dritten, ein zahlenmässiges Maß der Aehnlichkeit aber nicht existiert. Man könn-
te sich natürlich auch in solchen Fällen ein Maß konstruiert denken, indem man etwa
die Postulate oder Axiome zählt, die beide Systeme gemein haben, etc.etc..

     

     Ich geben jemandem die Information und nur diese: Du wirst um die und die Zeit
auf der Strecke A B einen Lichtpunkt erscheinen sehen. Hat nun die Frage einen Sinn
“ist es wahrscheinlicher, dass dieser Punkt im
Interval A C erscheint, als in C B”? Ich glaube,
offenbar nein. — Ich kann freilich bestimmen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das
Ereignis in C B eintrif[f|t]t, sich zu der, dass es in A C eintrif[f|t]t, verhalten soll, wie
CB/AC, aber, das ist eine Bestimmung, zu der ich empirische Gründe haben kann, aber
a priori ist darüber nichts zu sagen. Die beobachtete Verteilung von Ereignissen kann
nicht zu dieser Annahme führen. Die Wahrscheinlichkeitm, wo unendlich viele Möglich-
keiten in Betracht kommen, muss natürlich als Limes betrachtet werden. Teile ich näm-
lich die Strecke A B in beliebig viele, beliebig ungleiche Teile und betrachte die
Wahrscheinlichkeiten, dass das Ereignis in irgend einem dieser Teile stattfindet als
untereinander glei[v|c]h, so haben wir sofort den einfachen Fall des Würfels vor u[h|n]s. Und
nun kann ich ein Gesetz — willkürlich — aufstellen, wonach Teile gleicher Wahrschein-
lichkeit gebildet werden sollen. Z.B., das Gesetz, dass gleiche Länge der Teile glei-
che Wahrscheinlichkeit bedingt. Aber auch jedes andere Gesetz ist gleichermaßen er-
laubt.

      Könnte ich nicht auch im Fall des Würfels etwa 5 Flächen zusammennehmen als eine
Möglichkeit und sie der sechsten als der zweiten Möglichkeit gegenüberstellen? Und was,
ausser der Erfahrung, kann mich hindern, diese beiden Möglichkeiten als gleichwahr-
scheinlich zu betrachten?

      Denken wir uns etwa einen roten Ball geworfen, der nur eine ganz kleine grüne
Calotte hat. Ist es in diesem Fall nicht viel wahrscheinlicher, dass er auf dem roten
Teil auffällt, als auf dem [G|g]rünen? — Wie würde man aber diesen Satz begründen? Wohl
dadurch, dass der Ball, wenn man ihn wirft, viel öfter auf die rote, als auf die grüne
Fläche auffällt. Aber das hat nichts mit der Logik zu tun. — Man könnte die rote und
grüne Fläche und die Ereignisse, die auf ihnen stattfinden immer auf solche Art auf
eine Fläche projizieren, dass die Projektion der grünen Fläche gleich oder grösser wäre,
als die der roten; so, dass die Ereignisse, in dieser Projektion betrachtet, ein ganz
anderes Wahrscheinlichkeitsverhältnis zu haben scheinen, als auf der ursprünglichen
Fläche. Wenn ich z.B. die Ereignisse in einem geeigneten gekrümmten Spiegel sich ab-
bilden lasse und mir nun denke, was ich für das [W|w]ahrscheinlichere Ereignis gehalten
hätte, wenn ich nur das Bild im Spiegel sehe.

      Dasjenige, was der Spiegel nicht verändern kann, ist die Anzahl bestimmt umrisse-
ner Möglichkeiten. Wenn ich also auf meinem Ball n Farbflecke habe, so zeigt der Spie-
gel auch n, und habe ich    bestimmt  , dass diese als gleichwahrscheinlich gel-
ten sollen, so kann ich diese Bestimmung auch für das Spiegelbild aufrecht erhalten.

      Um mich noch deutlicher zu machen: Wenn ich das Experiment im Hohlspiegel ausführe,
d.h. die    Beobachtungen   im Hohlspiegel mache, so wird es vielleicht schei-
nen, als fiele der Ball öfter auf die kleine Fläche, als auf die viel grössere und es
ist klar, dass keinem der Experimente — im Hohlspiegel und ausserhalb — ein Vorzug ge-
bührt.


     
Ts-212,421



     Wir können unser altes Prinzip auf die Sätze, die eine Wahrscheinlichkeit aus-
drücken, anwenden und sagen, dass wir ihren Sinn erkennen werden, wenn wir bedenken,
was sie verifiziert.

      Wenn ich sage “das wird wahrscheinlich eintreffen”, wird dieser Satz durch das
Eintreffen verifizie[t|r]t, oder durch das Nichteintreffen falsifiziert? Ich glaube, of-
fenbar nein. Dann sagt er auch nichts darüber aus. Denn, wenn ein Streit darüber ent-
stünde, ob es wahrscheinlich ist oder nicht, so würden immer nur Argumente aus der Ver-
gangenheit herangezogen werden. Und auch dann nur, wenn es bereits bekannt wäre, was ein-
getroffen ist.

     
Ts-212,422



     Die Kausalität beruht auf einer beobachteten Gleichförmigkeit. Nun ist zwar nicht
gesagt, dass eine bisher beobachtete Gleichförmigkeit immer so weiter gehen wird, aber,
dass die Ereignisse bisher gleichförmig waren, muss feststehen;    das   kann nicht wie-
der das unsichere Resultat einer empierischen Reihe sein, die selbst auch wieder nicht
gegeben ist, sondern von einer ebenso unsicheren abhängt, u.s.f. ad inf.

     
Ts-212,423



                        Wenn Leute sagen, der Satz “es ist wahrscheinlich,
dass p eintreffen wird” sage etwas über das Ereignis p, so vergessen sie,
dass es auch wahrscheinlich bleibt, wenn das Ereignis p    nicht   ein-
trifft.

     

                        Wir sagen mit dem Satz “p wird wahrscheinlich ein-
treffen” zwar etwas über die Zukunft, aber nicht etwas “   über   das Er-
eignis p”, wie die grammatische Form der Aussage uns glauben macht.

     

                        Wenn ich nach dem Grund einer Behauptung frage, so
ist die Antwort auf diese Frage nicht für den Gefragten und eben    diese  
Handlung (die Behauptung), sondern allgemein gültig.

     

                        Wenn ich sage: “das Wetter deutet auf Regen”, sage
ich etwas über das zukünftige Wetter? Nein, sondern über das gegenwärtige,
Ts-212,424


545
mit Hilfe eines Gesetzes, welches das Wetter zu einer Zeit mit dem Wetter
zu einer späteren // in einer früheren // Zeit in Verbindung bringt. Die-
ses Gesetz muss bereits vorhanden sein, und mit seiner Hilfe fassen wir
gewisse Aussagen über unsere Erfahrung zusammen. —

         Aber dasselbe könnte man dann auch für historische Aussagen be-
haupten. Aber es war ˇja auch vorschnell, zu sagen, der Satz “das Wetter deu-
tet auf Regen” sage nichts über das zukünftige Wetter. Das kommt darauf
an, was man darunter versteht “etwas über etwas ˇauszusagen”. Der Satz sagt eben
seinen Wortlaut!

         Der Satz “p wird wahrscheinlich eintreten” sagt // Er sagt // nur
etwas über die Zukunft in einem Sinn, in welchen seine Wahr- und Falschheit
gänzlich unabhängig ist von dem, was in der Zukunft geschehen wird.

     

                      Wenn wir sagen, “das Gewehr zielt jetzt auf den Punkt P”,
so sagen wir nichts darüber, wohin der Schuss treffen
wird. Der Punkt auf den es zeigt zielt, ist ein
   geometrisches   Hilfsmittel zur Angabe seiner Richtung. Dass wir
gerade dieses Mittel verwenden, hängt allerdings mit gewissen Erfahrungen
// Beobachtungen // zusammen (Wurfparabel, etc.), aber diese treten jetzt
nicht in die Beschreibung der Richtung ein.

     
Ts-212,425


747

                         Die Gallstone'sche Photographie, das Bild einer
Wahrscheinlichkeit. Das Gesetz der Wahrscheinlichkeit, das Naturgesetz,
was man sieht, wenn man blinzelt.

     
Ts-212,426



                        Was heisst es: “die Punkte, die das Experiment lie-
fert, liegen durchschnittlich auf einer Geraden”? oder: “wenn ich mit ei-
nem guten Würfel würfle, so werfe ich durchschnittlich alle 6 Würfel eine
1”? Ist dieser Satz mit    jeder   Erfahrung, die ich etwa mache, verein-
bar? Wenn er das ist, so sagt er nichts. Habe ich (vorher) angegeben, mit
welcher Erfahrung er nicht mehr vereinbar ist, welches die Grenze ist, bis
zu der die Ausnahmen von der Regel gehen dürfen, ohne die Regel umzustos-
sen? Nein. Hätte ich aber nicht eine solche Grenze aufstellen können? Ge-
wiss. — Denken wir uns, die Grenze wäre so gezogen: wenn unter 6 aufeinander
folgenden Würfen 4 gleiche auftreten, ist der Würfel schlecht. Nun fragt
man aber: “Wenn das aber nur selten genug geschieht, ist er dann nicht doch
gut!?” — Darauf lautet die Antwort: Wenn ich das Auftreten von 4 gleichen
Würfen unter 6 aufeinander folgenden für eine bestimmte Zahl von Würfen er-
laube, so ziehe ich damit eine    andere   Grenze, als die erste war.
Wenn ich aber sage “jede Anzahl gleicher aufeinander folgender Würfe ist
erlaubt, wenn sie nur selten genug auftritt, dann habe ich damit die Güte
des Würfels im strengen Sinne als unabhängig von den Wurfresultaten erklärt.
Es sei denn, dass ich unter der Güte des Würfels nicht eine Eigenschaft des
Würfels, sondern eine Eigenschaft einer bestimmten Partie im Würfelspiel
verstehe. Denn dann kann ich allerdings sagen: Ich nenne den Würfel in ei-
ner Partie gut, wenn unter den N Würfen der Partie nicht mehr als log N
gleiche aufeinander folgende vorkommen. Hiermit wäre aber eben kein Test zur
Ueberprüfung von Würfeln gegeben, sondern ein Kriterium zur Beurteilung ei-
ner Partie des Spiels.

     

                        Man sagt, wenn der Würfel ganz gleichmässig und
Ts-212,427


751
sich selbst überlassen ist, dann muss die Verteilung der Ziffern 1, 2, 3,
4, 5, 6, unter den Wurfresultaten gleichförmig sein, weil    kein
Grund vorhanden ist
  , weshalb die eine Ziffer öfter vorkom-
men sollte als die andere.

            Stellen wir nun aber die Wurfresultate statt durch die Ziffern
1 — bis 6 durch die Worte der Funktion (x-3)² für die Argumente 1 bis 6 dar,
also durch die Ziffern 0, 1, 4, 9. Ist ein Grund vorhanden, warum eine
   dieser   Ziffern öfter in den neuen Wurfresultaten fungieren soll, als
eine andere? Dies lehrt uns, dass das Gesetz a priori der Wahrscheinlichkeit
eine Form von Gesetzen ist, wie die der Minimumgesetze der Mechanik etc..
Hätte man durch Versuche herausgefunden, dass die Verteilung der Würfe
1 bis 6 mit einem regelmässigen Würfel so ausfällt, dass die Verteilung der
Werte (x-3)² eine gleichmässige wird, so hätte man nun    diese   Gleich-
mässigkeit als die Gleichmässigkeit a priori erklärt.

            So machen wir es auch in der kinetischen Gastheorie: wir
stellen die Verteilung der Molekülbewegungen in der Form irgend einer gleich-
förmigen Verteilung dar;    was   aber gleichförmig verteilt ist — so wie
an andrer Stelle    was   zu einem Minimum wird — wählen wir so, dass unse-
re Theorie mit der Erfahrung übereinstimmt.

     

                        “Die Moleküle bewegen sich bloss nach den Gesetzen
der Wahrscheinlichkeit”, das soll heissen: die Physik tritt ab, und die Mo-
leküle bewegen sich jetzt quasi bloss nach Gesetzen der Logik. Diese Mei-
nung ist verwandt der, dass das Trägheitsgesetz ein Satz a priori ist; und
auch hier redet man davon, was ein Körper tut, wenn er sich selbst überlas-
sen ist. Was ist das Kriterium dafür, dass er sich selbst überlassen ist?
Ist es am Ende das, dass er sich gleichförmig in einer Geraden bewegt? Oder
ist es ein anderes. Wenn das letztere, dann ist es eine Sache der Erfahrung,
Ts-212,428


752
ob das Trägheitsgesetz stimmt; im ersten Fall aber war es gar kein Ge-
setz, sondern eine Definition. Und Analoges gilt von einem Satz: “wenn
die Teilchen sich selbst überlassen sind, dann ist die Verteilung ihrer
Bewegungen die und die”. Welches ist das Kriterium dafür, dass sie sich
selbst überlassen sind? etc..

     

                       /Wenn die Messung ergibt, dass der Würfel genau
und homogen ist, — ich nehme an, dass die Ziffern auf seinen Flächen die
Wurfresultate nicht beeinflussen — und die werfende Hand bewegt sich regel-
los — folgt daraus die durchschnittlich gleichmässige Verteilung der
Würfe 1 bis 6? Woraus sollte man die schliessen? Ueber die Bewegung beim
Werfen hat man keine Annahme gemacht und die Prämisse der // Annahme der //
Genauigkeit des Würfels ist doch von ganz anderer Art // Multiplizität//,
als eine durchschnittlich gleichförmige Verteilung von Resultaten. Die
Prämisse ist gleichsam einfärbig, die Konklusion gesprenkelt. Warum hat
man gesagt, der Esel werde zwischen den beiden gleichen Heubündeln verhun-
gern, und nicht, er werde durchschnittlich so oft von dem einen, wie von
dem andern fressen // er werde von beiden durchschnittlich gleich oft fres-
sen//? /

     
Ts-212,429


755

                        Zu sagen, die Punkte, die dieses Experiment liefert,
liegen durchschnittlich auf dieser Linie, z.B. einer Geraden, sagt etwas
Aehnliches wie: “aus dieser Entfernung gesehen, scheinen sie in einer Gera-
den zu liegen”.

          Ich kann von einer Linie // Strecke // sagen, der allgemeine Ein-
druck ist der einer Geraden; aber nicht: “die Linie Strecke schaut gerade aus, denn
sie kann das Stück einer Linie sein, die mir als Ganzes Ganze den Eindruck der
Geraden macht”. (Berge auf der Erde und auf dem Mond. Erde eine Kugel.)

     
Ts-212,430



                        Das Experiment des Würfelns dauert eine gewisse
Zeit, und unsere Erwartungen über die zukünftigen Ergebnisse des Würfelns
können sich nur auf Tendenzen gründen, die wir in den Ergebnissen des Ex-
periments wahrnehmen. D.h., das Experiment kann nur die Erwartung begrün-
den, dass es    so   weitergehen wird, wie (es?) das Experiment gezeigt hat.
Aber wir können nicht erwarten, dass das Experiment, wenn fortgesetzt, nun
Ergebnisse liefern wird, die mehr als die des wirklich ausgeführten Expe-
riments mit einer vorgefassten Meinung über seinen Verlauf übereinstimmen.
Wenn ich also z.B. Kopf und Adler werfe und in den Ergebnissen des Experi-
ments keine Tendenz der Kopf- und Adler-Zahlen finde, sich weiter einander
zu nähern, so gibt das Experiment mir keinen Grund zur Annahme, dass seine
Fortsetzung eine solche Annäherung zeigen wird. Ja, die Erwartung dieser
Annäherung muss sich selbst auf einen bestimmten Zeitpunkt beziehen, denn
man kann nicht sagen, man erwarte, dass ein Ereignis    einmal   — in der
unendlichen Zukunft — eintreten werde.

     
Ts-212,431



                      Alle “begründete Erwartung” ist Erwartung, dass eine
bis jetzt beobachtete Regel weiterhin // weiter // gelten wird.

            (Die Regel aber muss beobachtet worden sein und kann nicht selbst
wieder bloss erwartet werden.)

     

                      Die Logik der Wahrscheinlichkeit hat es mit dem Zu-
stand der Erwartung nur soweit zu tun, wie die Logik überhaupt, mit dem Den-
ken.

     
Von der Lichtquelle Q wird ein Lichtstrahl ausge-
sandt, der die Scheibe AB trifft, dort einen Licht-
punkt erzeugt und dann die Scheibe AC trifft. Wir ha-
ben nun keinen Grund zur Annahme, der Lichtpunkt auf
AB werde rechts von der Mitte M liegen, noch zur ent-
gegengesetzten; aber auch keinen Grund anzunehmen, der
Lichtpunkt auf AC werde auf    der   und nicht auf jener Seite von der Mitte m
liegen. // Wir haben nun keinen Grund, anzunehmen, dass der Lichtpunkt auf
AB eher auf der einen Seite der Mitte M, als auf der andern liegen wird; aber
auch keinen Grund, anzunehmen, der Lichtpunkt auf AC werde auf der einen
und nicht auf der andern Seite der Mitte m liegen. // Das gibt also wider-
sprechende Wahrscheinlichkeiten. Wenn ich nun eine Annahme über den Grad
der Wahrscheinlichkeiten mache, dass der eine Lichtpunkt im Stück AM liegt,
Ts-212,432


759
— wie wird diese Annahme verifiziert. Wir denken meinen doch, durch einen Häufig-
keitsversuch. Angenommen nun, dieser bestätigt die Auffassung, dass die
Wahrscheinlichkeiten für das Stück AM und BM gleich sind (also für Am und
Cm verschieden), so ist sie damit als die richtige erkannt und erweist sich
also als eine physikalische Hypothese. Die geometrische Konstruktion zeigt
nur, dass die Gleichheit der Strecken AM und BM    kein   Grund zur Annahme
gleicher Wahrscheinlichkeit war.

     
Ts-212,433



                        Wenn ich annehme, die Messung ergebe, dass der Wür-
fel genau und homogen ist, und die Ziffern auf seinen Flächen die Wurfre-
sultate nicht beeinflussen, und die Hand, die ihn wirft, bewegt sich ohne
bestimmte Regel; folgt daraus die // eine // durchschnittlich gleichförmi-
ge Verteilung der Würfe 1 bis 6 unter den Wurfergebnissen? — Woraus sollte
sie hervorgehen? Dass der Würfel genau und homogen ist, kann doch keine
   durchschnittlich gleichförmige   Verteilung von
Resultaten begründen. (Die Voraussetzung ist sozusagen homogen, die Folge-
rung wäre gesprenkelt.) Und über die Bewegung beim Werfen haben wir ja kei-
ne Annahme gemacht. (Mit der Gleichheit der beiden Heubündel hat man zwar
begründet, dass der Esel in ihrer Mitte verhungern werde; aber nicht, dass
er ungefähr gleich</>oft von jedem fressen werde.) — Mit unseren Annahmen ist
es auch vollkommen vereinbar, dass mit dem Würfel 100 Einser nacheinander
geworfen werden, wenn Reibung, Handbewegung, Luftwiderstand so zusammen-
treffen. Die Erfahrung, dass nie das nie geschieht, ist eine, die diese
Faktoren betrifft // ist eine diese Faktoren betreffende //. Und die Ver-
mutung der gleichmässigen Verteilung der Wurfergebnisse ist eine Vermutung
über das Arbeiten dieser Faktoren // Einflüsse//.

            Wenn man ein sagt, ein gleicharmiger Hebel, auf den symmetrische
Kräfte wirken, müsse in Ruhe bleiben, weil keine Ursache vorhanden ist,
weshalb er sich eher auf die eine als auf die andre Seite neigen sollte,
so heisst das nur, dass, wenn wir gleiche Hebelarme und symmetrische Kräfte
Ts-212,434


761
konstatiert haben und nun der Hebel sich nach der einen Seite neigt, wir
dies aus den uns bekannten — oder von uns angenommenen — Voraussetzungen
nicht erklären können. (Die Form, die wir “Erklärung” nennen, muss auch
asymmetrisch sein; wie die Operation, ?—die aus “a+b” “2a+3b” macht—?.) Wohl
aber können wir die andauernde Ruhe des Hebels aus unsern Voraussetzungen
erklären. — Aber auch eine schwingende Bewegung, die durchschnittlich gleich
oft von der Mitte // Mittellage // nach rechts und nach links gerichtet ist?
Die schwingende Bewegung nicht, denn in der ist ja wieder Asymmetrie. Nur
die Symmetrie in dieser Asymmetrie. Hätte sich der Hebel gleichförmig nach
rechts gedreht, so könnte man analog sagen: Mit der Symmetrie der Bedingungen
kann ich die Gleichförmigkeit der Bewegung, aber nicht ihre Richtung erklä-
ren.

            Eine Ungleichförmigkeit der Verteilung der Wurfresultate ist mit
der Symmetrie des Würfels    nicht   zu erklären. Und nur insofern erklärt
diese Symmetrie die Gleichförmigkeit der Verteilung. — Denn man kann natür-
lich sagen: Wenn die Ziffern auf den Würfelflächen keine Wirkung haben, dann
kann ihre Verschiedenheit nicht eine Ungleichförmigkeit der Verteilung er-
klären; und gleiche Umstände können selbstverständlich nicht Verschiedenhei-
ten erklären; soweit also könnte man auf eine Gleichförmigkeit schliessen.
Aber woher dann überhaupt verschiedene Wurfresultate? Gewiss, was diese // Was
diese // erklärt, muss nun auch ihre durchschnittliche Gleichförmigkeit er-
klären. Die Regelmässigkeit des Würfels stört nur eben diese Gleichförmig-
keit nicht.

     

                          Angenommen, Einer der täglich im Spiel würfelt
würde etwa eine Woche lang nichts als Einser werfen, und zwar mit Würfeln,
die nach allen anderen Arten // Methoden // der Untersuchung // Prüfung //
sich als gut erweisen, und wenn ein Andrer sie wirft, auch die gewöhnlichen
Resultate geben // liefern //. Hat er nun Grund, hier ein Naturgesetz anzu-
Ts-212,435


762
nehmen, dem gemäss er immer Einser wirft // werfen muss//; hat er Grund:
zu glauben, dass das nun so weiter gehen wird; — oder (vielmehr) Grund anzun[h|e]h-
men, dass diese Regelmässigkeit nicht lange mehr andauern kann // wird//?
Hat er also Grund das Spiel aufzugeben, da es sich gezeigt hat, dass er nur
Einser werfen kann; oder weiterzuspielen, da es jetzt nur um so wahrschein-
licher ist, dass er beim nächsten Wurf eine höhere Zahl werfen wird? — In
Wirklichkeit wird er sich weigern, die Regelmässigkeit als ein Naturgesetz
anzuerkennen; zum mindesten wird sie lang andauern müssen, ehe er diese Auf-
fassung
in Betracht zieht. Aber warum? — “Ich glaube, weil so viel frühere
Erfahrung seines Lebens gegen ein solches Gesetz spricht, die alle sozusa-
gen — erst überwunden werden muss, ehe wir eine ganz neue Betrachtungsweise
annehmen.

     

                        Wenn wir aus der relativen Häufigkeit eines Ereignis-
ses auf seine relative Häufigkeit in der Zukunft Schlüsse ziehen, som können
wir das natürlich nur nach der bisher tatsächlich beobachteten Häufigkeit
tun. Und nicht nach einer, die wir aus der beobachteten durch irgend einen
Prozess der Wahrscheinlichkeitsrechnung erhalten haben. Denn die berechnete
Wahrscheinlichkeit stimmt    mit jeder beliebigen   tatsächlich
beobachteten Häufigkeit überein, da sie die Zeit offen lässt.

     

                        Wenn sich der Spieler, oder die Versicherungsgesell-
schaft, nach der Wahrscheinlichkeit richten, so richten sie sich nicht nach
der Wahrscheinlichkeitsrechnung, denn nach dieser allein kann man sich nicht
richten, da,    was immer   geschieht, mit ihr in Uebereinstimmung zu
bringen ist; sondern die Versicherungsgesellschaft richtet sich nach einer
tatsächlich beobachteten Häufigkeit. Und zwar ist ˇdas natürlich eine absolute
Häufigkeit.

     
Ts-212,436


empty
     
Ts-212,437



            “Er kam    ungefähr   von dort (Pfeil)”.

            “Ungefähr    da   ist der hellste Punkt des Horizontes”.

            “Macht' das Brett ungefähr 2m lang”.

            Muss ich, um das sagen zu können, Grenzen wissen, die den
Spielraum dieser Länge bestimmen? Offenbar nicht. Genügt es nicht z.B. zu
sagen: “der Spielraum 1 cm ist ohneweiteres erlaubt; ±2 cm wäre schon
zu viel”? — Es ist doch dem Sinn meines Satzes auch wesentlich, dass ich
nicht imstande bin, den Spielraum “genaue” Grenzen zu geben. Kommt das
nicht offenbar daher, dass der Raum, in dem ich hier arbeite, eine andere
Metrik hat, als der Euklidische?

            Wenn man nämlich den Spielraum genau durch Versuch fest-
stellen wollte, indem man die Länge ändert // und sich den Grenzen des
Spielraums nähert // und immer fragt, ob diese Länge noch angehe oder
schon nicht mehr, so käme man nach einigen Einschränkungen zu Widersprü-
chen, indem einmal ein Punkt noch als innerhalb der Grenzen liegend be-
zeichnet würde, ein andermal ein weiter innerhalb gelegener als schon un-
zulässig erklärt würde; beides etwa mit der Bemerkung, die Angaben Antworten seien
nicht mehr (ganz) sicher.

     
Ts-212,438


16

         
[d|D]ie Unsicherheit von der Art, wie die, der An-
gabe des höchsten Punktes einer Kurve. Wir sind eben nicht im euklidischen
Raum und es gibt nicht im euklidischen Sinne einen höchsten Punkt. Die
Antwort wird heissen: “der höchste Punkt ist ungefähr    da  ”, und die Gram-
matik des Wortes “ungefähr” — in diesem Zusammenhang — gehört dann? zur
Geometrie unseres Raumes.

     
Ts-212,439


15

                    Ist es denn nicht so, wie man etwa beim Fleischhauer
nur auf Deka genau abwiegt, obwohl das anderseits willkürlich ist, und nur
bestimmt durch die herkömmlichen Messinggewichte. Es genügt hier zu wissen:
mehr als P1 wiegt es nicht und weniger als P2 auch nicht. Man könnte sagen:
die Gewichtsangabe besteht hier prinzipiell nicht aus einer Zahlangabe, son-
dern aus der Angabe eines Intervalls, und die Intervalle bilden eine dis-
kontinuierliche Reihe.

     

          Man könnte doch sagen: “halte Dich jedenfalls    innerhalb  
±1 cm” damit eine willkürliche Grenze setzend. — Würde nun gesagt: “gut,
aber dies ist doch nicht die wirkliche Grenze des zulässigen Spielraums;
welche ist es also?” so wäre etwa die Antwort “ich weiss keine, ich weiss
nur, dass ±2 cm schon zu viel wäre”.

     

          Träte nun auch bei dem Experiment zur Bestimmung der Grenzen kein
Schwanken ein, so lange wir tatsächlich das Experiment weiterführen, so
müssen wir doch damit einmal aufhören und das Ergebnis wird immer nur sein,
dass eine ge[iw|wi]sse Länge noch erlaubt, eine andere schon unerlaubt ist. Hier
führt uns wieder die eine falsche Vorstellung vom Unendlichen irre, wenn wir den
Prozess // wenn wir die endlose Möglichkeit dieses Prozesses // dieser Un-
tersuchung uns abgeschlossen denken und nun von einem Grenzpunkt reden, als
gäbe es hier ein Gesetz, eine geometrische Konstruktion, der der Grenzpunkt
entspräche.
     


Ts-212,440



     Denken wir uns folgendes psychologisches Experiment:
Wir zeigen dem Subjekt zwei Linien G1, G2, durch welche
quer die Gerade A gezogen ist. Das Stück dieser Gera-
den, welches zwischen G1 und G2 liegt, werde ich die
Strecke a nennen. Wir ziehen nun in beliebiger Entfer
nung von a und parallel dazu b und fragen, ob er die
Strecke b grösser sieht als a, oder die beiden Längen nicht mehr unterschei-
det. Er antwortet, b erscheine grösser als a. Darauf nähern wir uns a, in-
dem wir die Distanz von a zu b mit unsern Messinstrumenten halbieren und
ziehen c. “Siehst Du c grösser als a?” — “Ja”. Wir halbieren die Distanz
c—a und ziehen d. “Siehst Du d grösser als a?” — “Ja”. Wir halbieren a—d.
“Siehst Du e grösser als a?” — “Nein”. Wir halbieren daher e—d. “Siehst Du
f grösser als e?” — “Ja”. Wir halbieren also e—f und ziehen h. Wir könnten
uns so auch von der linken Seite der Strecke a nähern, und dann sagen, dass
einer gesehenen Länge a im euklidischen Raum nicht    eine   Länge, sondern
ein Intervall von Längen entspricht, und in ähnlicher Weise    einer   ge-
sehenen Lage eines Strichs (etwa des Zeigers eines Instruments) ein Inter-
vall von Lagen im euklidischen Raum: aber dieses Intervall hat nicht schar-
fe Grenzen. Das heisst: es ist nicht von Punkten begrenzt, sondern von kon-
vergierenden Intervallen, die nicht gegen einen Punkt konvergieren. (Wie
Ts-212,441


744
die Reihe der Dualbrüche, die wir durch Werfen von Kopf und Adler erzeugen.)
Das Charakteristische zweier Intervalle, die so nicht durch Punkte sondern
   unscharf   begrenzt sind, ist, dass auf die Frage, ob sie einander
übergreifen oder getrennt voneinander liegen, in gewissen Fällen die Antwort
lautet: “unentschieden”. Und dass die Frage, ob sie einander berühren, ei-
nen Endpunkt miteinander gemein haben, immer sinnlos ist, da sie ja keine
Endpunkte haben. Man könnte aber sagen: sie haben    vorläufige  
Endpunkte. In dem Sinne, in welchem die Entwicklung von II ein vorläufiges
Ende hat. An dieser Eigenschaft des ‘unscharfen’ Intervalls ist natürlich
nichts geheimnisvolles, sondern das etwas Paradoxe klärt sich durch die dop-
pelte Verwendung des Wortes “Intervall” auf.

            Es ist dies der gleiche Fall, wie der der doppelten Verwendung
des Wortes “Schach”, wenn es einmal die Gesamtheit der jetzt geltenden
Schachregeln bedeutet, ein andermal: das Spiel, welches N.N. in Persien er-
funden hat und welches sich so und so entwickelt hat. In einem Fall ist es
unsinnig, von einer Aenderung // Entwicklung // der Schachregeln zu reden,
im andern Fall nicht. Wir können “Länge einer gemessenen Strecke” entweder
das nennen, was bei einer bestimmten Messung, die ich heute um 5 Uhr durch-
führe, herauskommt, — dann gibt es für diese Längenangabe kein “± etc.” —,
oder etwas, dem sich Messungen nähern etc.; in den zwei Fällen wird das
Wort “Länge” mit ganz verschiedener Grammatik gebraucht. Und ebenso das
Wort “Intervall”, wenn ich einmal etwas Fertiges, einmal etwas sich Entwic-
kelndes
ein Intervall nenne.
I) die Intervalle liegen getrennt
II) sie liegen getrennt und berühren
     sich vorläufig
III) unentschieden
IV) unentschieden
V) unentschieden
VI) sie übergreifen
VII) sie übergreifen
Ts-212,442


745
Wir können uns aber nicht wundern, dass nun ein Intervall so seltsame Ei-
genschaften haben soll: da wir eben das Wort “Intervall” jetzt in einem
nicht gewöhnlichen Sinn gebrauchen. Und wir können nicht sagen, wir haben
neue Eigenschaften gewisser Intervalle entdeckt. Sowenig wie wir neue Eigen-
schaften des Schachkönigs entdecken würden, wenn wir die Regeln des Spiels
änderten, aber die Bezeichnung “Schach” und “König” beibehielten. (Vergl.
dagegen Brouwer, über das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten.)

            Jener Versuch ergibt also wesentlich, was wir ei[j|n] “unscharfes”
Intervall genannt haben; dagegen wären natürlich andere Experimente mög-
lich // denkbar//, die statt dessen ein scharfes Intervall ergeben. Denken
wir etwa, wir bewegten ein Lineal von der Anfangsstellung b, und parallel
zu dieser, gegen a hin, bis in unserm Subjekt irgend eine bestimmte Reaktion
einträte: dann könnten wir den Punkt, an dem die Reaktion beginnt, die Gren-
ze unseres Streifens nennen. — So könnten wir natürlich auch ein Wägungs-
resultat “das Gewicht eines Körpers” nennen und es gäbe dann in diesem Sinn
eine absolut genaue Wägung, d.h. d.i. eine, deren Resultat nicht die Form
“G ± g” hat. Wir haben damit unsere Ausdrucksweise geändert, und müssen nun
sagen, dass das Gewicht des Körpers schwankt und zwar nach einem uns unbe-
kannten Gesetz. (Die Unterscheidung Der Unterschied zwischen “absolut genauer” Wägung und
“wesentlich ungenauer” Wägung ist eine grammatische ein grammatischer und bezieht sich auf
zwei verschiedene Bedeutungen des Ausdrucks “Ergebnis der Wägung”.)

     
Ts-212,443



                        Die Unbestimmtheit des Wortes “Haufen”. Ich könnte
definieren: ein Körper von gewisser Form und Konsistenz etc. sei ein Haufe,
wenn sein Volumen K m3 beträgt, oder mehr; was darunter liegt, will ich ein
Häufchen nennen. Dann gibt es kein grösstes Häufchen; das heisst: dann ist
es sinnlos, von dem “grössten Häufchen” zu reden. Umgekehrt könnte ich be-
stimmen: Haufe solle alles das sein, was grösser als K m3 ist, und dann
Ts-212,444


746
hätte der Ausdruck “der kleinste Haufe” keine Bedeutung. Ist aber diese
Unterscheidung nicht müssig? Gewiss, — wenn wir unter dem Volumen ein Mes-
sungsresultat im gewöhnlichen Sinne verstehen; denn dieses Resultat hat
die Form “V ± v”. // Gewiss, — wenn wir unter dem Resultat der Messung des
Volumens einen Ausdruck von der Form “V ± v” verstehen.// Sonst aber könn-
te die // wäre diese // [u|U]nterscheidung so unbrauchbar sein, wie // Unter-
scheidung nicht müssiger sein als // die, zwischen einem Schock Aepfel und 61
Aepfeln.

     
Ts-212,445


417

                    Zu dem Problem vom “Sandhaufen”: Man könnte sich
hier, wie in ähnlichen Fällen, einen offiziellen // offiziell festge-
setzten <//> Begriff denken // …denken, dass es einen offiziellen Begriff,
wie den einer Schrittlänge gäbe, // etwa: Haufe ist alles, was über ei-
nen halben m3 gross ist. Dieser wäre aber dennoch nicht unser gewöhnlich
gebrauchter Begriff. Für diesen liegt keine Abgrenzung vor (und bestim-
men wir eine, so ändern wir den Begriff); sondern es liegen nur Fälle
vor, welche wir zu dem Umfang des Begriffs // zu den Haufen // rechnen
und solche, die wir nicht mehr zu dem Umfang des Begriffs rechnen.

     
Ts-212,446



          “Mach' mir hier einen Haufen Sand”. — “Gut, das nennt er gewiss
noch einen Haufen”. Ich köonnte dem Befehl Folge leisten, also war er in
Ordnung. Wie aber ist es mit diesem Befehl: “Mach' mir den kleinsten Hau-
fen, den Du noch so nennst”? Ich würde sagen: das ist Unsinn; ich kann</>nur eine vorläufige obere und untere Grenze bestimmen.

     
Ts-212,447






















     
Ts-212,448


empty
     



















Ts-212,449


114

                    Kann ich sagen, mich uns interessiert nur der    Inhalt  
des Satzes? Und der Inhalt des Satzes ist in ihm.

     

          Seinen Inhalt hat der Satz als Glied des Kalküls.

     

          Ist also “einen Satz verstehen” von der gleichen Art, wie “einen
Kalkül beherrschen”? Also wie: multiplizieren können? Das glaube ich.

     
Ts-212,450



               Die Bedeutung eines Worts verstehen, heisst, seinen Ge-
brauch kennen, verstehen.

     
Ts-212,451


262

                        “Ich kann das Wort ‘gelb’ anwenden” — ist das auf ei-
ner anderen Stufe als “ich kann Schach spielen”, oder “ich kann den König im
Schachspiel verwenden”?

     
Ts-212,452



                Die Frage, die unmittelbar mit unserer in Beziehung
steht, ist: die nach dem Sinn der Aussage “ich    kann   Schach spie-
len”?

          “Ich weiss, wie ein Bauer ziehen darf”.

          “Ich weiss, wie das Wort ‘Kugel” gebraucht werden darf”.

     

                Wenn ich sage “ich kann dieses Gewicht heben”, so kann
man antworten: “das wird sich zeigen, wenn Du es versuchst”; und geht
es dann nicht, so kann man sagen “siehst Du, Du konntest es nicht”; und
ich kann darauf nicht antworten “doch, ich konnte es, als ich es sagte,
nur als es zum Aufheben kam, konnte ich es nicht”. Ob man es kann, wird die Erfahrung zeigen. An-
ders ist es, wenn ich sage “ich verstehe diesen Befehl”; dies ist, oder
scheint ein Erlebnis zu sein. “Ich muss wissen, ob ich ihn (jetzt) ver-
stehe” — aber nicht: Ich muss wissen, ob ich das Gewicht jetzt heben
kann. — Wie ist es nun in dieser Hinsicht mit dem Satz “ich kann Schach
spielen”? Ist das etwas, was sich zeigen wird, oder kann man sagen “als
ich es behauptete, konnte ich Schach spielen, nur jetzt kann ich es

     
Ts-212,453


341
fertigt, nur, dass ich mich erinnere, früher Schach gespielt zu haben?
Und etwa, dass ich, aufgefordert zur Probe die Regeln im Geiste durch-
fliegen kann?

     

                    Ist es nicht auch so beim Gebrauch des Wortes “Kugel”?
Ich gebrauche das Wort instinktiv. Aufgefordert aber, Rechenschaft ˇdarüber zu
geben, ob ich es verstehe, rufe ich mir, gleichsam zur Probe, gewisse
Vorstellungen hervor.

          (Es kann nicht darauf ankommen, ob die Sprache instinktiv
oder halbinstinktiv gebraucht wird. Wir sind hier im Sumpf der graduel-
len Unterschiede, nicht auf dem festen Grund der Logik.)

     

                    Wenn ich sage “sieh', dort ist eine Kugel”, oder “dort
ist ein Kegel”, so kann die Ansicht (ein Kreis) auf beides passen, und
wenn ich sage “ja, ich sehe es?”, so unterscheide ich doch zwischen den
beiden Hypothesen. Wie ich im Schachspiel zwischen einem Bauer und dem
König unterscheide, auch wenn der gegenwärtige Zug einer ist, den beide
machen könnten, und wenn selbst eine Königsfigur als Bauer fungierte.

            Das Wort “Kugel” ist mir    bekannt   und steht in mir
für etwas; d.h., es bringt mich in eine gewisse Stellung zu sich (wie
ein Magnet eine Nadel in seine Richtung bringt).

     
Ts-212,454



        Man ist in der Philosophie immer in der Gefahr, eine Mythologie des Symbolismus
zu geben, oder der Phys Psychologie. Statt einfach zu sagen, was jeder weiss und zugeben
muss.

     
Ts-212,455



                  Wenn ich gefragt würde “kannst Du das Alphabet hersa-
gen”, so würde ich antworten: ja. — “Bist Du sicher” — “Ja”. Wenn ich nun
aber im Hersagen steckenbliebe und nicht weiter wüsste, so gibt es doch einen Fall, in wel-
chem ich sagen würde “ja, als ich sagte, ich könne es hersagen, da konnte
ich es”, und zwar dann, wenn ich es mir damals “im Geiste” hergesagt hät-
te. Ich würde dies auch als Beweis angeben. Das heisst aber, dass das
Hersagen im Geiste die Fähigkeit zum wirklichen Hersagen — so wie wir
hier das Wort Fähigkeit verstehen — enthält.

     
Ts-212,456



         Etwas tun    können   hat ja eben jenen schattenhaften Charak-
ter, das heisst, es erscheint wie als ein Schatten des wirklichen tatsächlichen Tuns, gera-
de wie der Sinn des Satzes als Schatten seiner Verifikation // als Schat-
ten einer Tatsache // erscheint; oder das Verständnis des Befehles als
Schatten seiner Ausführung. Der Befehl “wirft, gleichsam, seinen Schatten
schon voraus”, oder, im Befehl wirft die Tat ihren Schatten voraus. — Die-
Ts-212,457


390
ser Schatten aber,    was immer   er sein mag, ist, was er ist, und
nicht das Ereignis. Er ist in sich selbst abgeschlossen und weist nicht
weiter als er selbst reicht.

     
Ts-212,458



            Kannst Du das Alphabet? Bist Du sicher? — Ja! — Ist das damit ver-
einbar, dass Du versuchen wirst es herzusagen und stecken bleiben wirst? —    Ja  !
     



            Das ist doch der gleiche Fall wie: “Kannst Du Deinen Arm heben?”
In welchem Falle würde ich dies verneinen müssen, oder bezweifeln? Solche
Fälle sind leicht zu denken.

            Als Die Bestätigung dessen, dass wir den Arm heben können, sehen wir
etwa ein in einem Zucken mit den Muskeln an, oder eine kleine einer kleinen Bewegung des Arms. Oder
die geforderte in der gefordeten Bewegung selbst, jetzt ausgeführt, als Kriterium dafür, dass
ich sie gleich darauf ausführen    kann  .

     
Ts-212,459


empty
     



















Ts-212,460



            Das schwierigste Problem scheint der Gegensatz, das Verhältnis,
zu sein zwischen dem Operieren mit der Sprache in der Zeit // im Lauf der
Zeit // und dem momentanen Erfassen des Satzes.

     

            Aber    wann   erfassen oder verstehen wir den Satz?!    Nach-
dem
   wir ihn ausgesprochen haben? — Und wenn, während wir ihn aussprechen;
ist das Verstehen ein artikulierter Vorgang, wie das Bilden des Satzes, oder
ein inartikulierter? Und wenn ein artikulierter: muss er nicht projektiv mit
dem andern verbunden sein? Denn sonst wäre seine Artikulation von der ersten
unabhängig.

     
Ts-212,461



            “Er sagt das, und    meint   es”: Vergleiche das
einerseits mit: “er sagt das, und schreibt    es   nieder”; anderseits mit:
Ts-212,462


735
“er das und unterschreibt    es  ”.

     
Ts-212,463



            Man könnte fragen: Wie lange braucht es man, um einen Satz zu ver-
stehen. Und wenn man ihn eine Stunde lang versteht, beginnt man da immer wieder vom
frischen?

     
Ts-212,464



            Ist das Verstehen nicht das Erfassen des Satzes, so kann es auch
nach diesem (und warum nicht auch vorher) vor sich gehen.

     
Ts-212,465



                  Ist das Verstehen eines Satzes dem Verstehen eines
Schachzuges als solchen nicht analog? Wer das Schachspiel gar nicht
kennt und sieht jemand einen Zug machen, der wird ihn nicht verstehen, d.h.
nicht als Zug eines Spieles verstehen. Und es ist etwas anderes, dem
Spiel Zug mit Verständnis zu folgen, als es ihn bloss zu sehen.

     

                  Was ist es aber dann, was wir uns immer das Gefühl
gibt, dass das Verstehen eines Satzes das Verstehen von etwas ausserhalb
ihm Liegendem ist und ˇzwar nicht von der Welt ausserhalb des Zei Zeichens, wie sie
eben ist, sondern von der Welt, wie das Zeichen — gleichsam — wünscht.

     
Ts-212,466



            Man würde etwa (so?) sagen: Ich sage ja nicht nur “zeichne einen
Kreis”, sondern ich wünsche doch, dass der Andre e[f|t]was tut. (Gewiss!) Und die-
ses Tun ist doch etwas anderes als das Sagen, und ist eben das Ausserhalb
worauf ich weise // worauf der Satz weist//.

     
Ts-212,467



                       Das Verstehen eines Satzes der Wortsprache ist dem
Verstehen eines musikalischen Themas (oder Musikstückes) viel verwandter,
als man glaubt. Und zwar so, dass das Verstehen des sprachlichen Satzes
näher als man denkt dem Ort liegt, was man gewöhnlich das Verständnis des
musikalischen Ausdrucks nennt. — Warum pfeife ich das gerade    so  ? warum
bringe ich den der Stärke und des Zeitmasses gerade auf dieses
ganz bestimmte ? Ich möchte sagen: “weil ich weiss, was das alles
heisst” — aber was heisst es denn? — Ich wüsste es nicht zu sagen, ausser
durch eine Uebersetzung in einen Vorgang vom gleichen Rhythmus.

     
Ts-212,468



            Das Können und Verstehen ,
wie der Zahnschmerz, und das ist die falsche Analogie, unter der ich laborie-
re.

     
Ts-212,469


269

                        Wie, wenn man fragte: Wann    kannst   Du Schach
spielen? Immer? oder während Du es sagst? aber während des ganzen Satzes? —
Und wie seltsam, dass Schachspielen-Können so kurze Zeit braucht // dauert //
und eine Schachpartie so viel länger!

     

            Wenn man nun “das Wort ‘gelb’ verstehen” heisst, es anwenden können,
so besteht ist die gleiche Frage: Wann    kannst   Du es anwenden. Redest Du
von einer Disposition? Ist es eine Vermutung?

     
Ts-212,470



         Augustinus: “   Wann   messe ich ein[n|e]n Zeitraum? Aehnlich
meiner Frage:    Wann kann   ich Schach spielen.

     
Ts-212,471


empty
     

















Ts-212,472



                  Es ist eine , dass ich mich bei
dem Gebrauch der Sprache nicht erinnere, wie ich sie gelernt habe. Ich
sage “hier sehe ich eine schwarze Kugel”. Ich weiss nicht, wie ich
“schwarz” und “Kugel” gelernt habe. Meine Anwendung der Wörter ist un-
abhängig von diesem Erlernen. Es ist so, als hätte ich die Wörter selbst
geprägt. Wenn die Grammatik, die
von den Wörtern handelt, für ihre Bedeutung wesentlich ist, muss ich
die grammatischen Regeln, die von einem Wort handeln, alle im Kopf haben,
wenn es für mich nicht etwas bedeuten soll? Oder ist es hier, wie im
Mechanismus: Das Rad, das stillsteht, oder auch sich dreht, das Rad in
einer Lage, weiss, gleichsam, nicht, welche Bewegung ihm noch erlaubt
ist, der Kolben weiss nicht, welches Gesetz seiner Bewegung vorgeschrie-
ben ist; und doch wirkt das Rad und der Kolben nur durch jene Gebunden-
heit // jenes Gebundenseins //.

          Soll ich also sagen: Die grammatischen Regeln wirken in der
Zeit? (Wie jene Führung.)

          Also: Das Wort “Kugel” wirkt nur in der Art durch die Art seiner Anwendung. Und es wäre die seltsame Frage denkbar: “wie kann ich denn dann gleich
wissen, was ich mit ‘Kugel’ meine, ich kann doch nicht die ganze Art
der Anwendung auf einmal im Kopfe haben?”

     
Ts-212,473



                  Und ist nicht ähnlich mit dem Schachspiel: in ir-
gend einem Sinne kann man sagen, ich wisse die Regeln des Schachspiels
(habe sie im Kopf), während ich spiele. Aber ist dieses
“sie im Kopf haben” nicht wirklich nur eine Hypothese. Habe ich sie
nicht nur insofern im Kopf, als ich sie in jedem besondern Falle anwende?
— Gewiss, dies wissen ist nur das hypothetische Reservoir, worau[f|s] das
wirklich gesehene Wasser fliesst.

     
Ts-212,474



                  Das Verständnis der Sprache — quasi des Spiels —
scheint wie ein Hintergrund, auf dem der einzelne Satz erst Bedeutung ge-
winnt.

     

                  Die allgemeine Regel erst enthüllt den Freiheitsgrad,
die Beweglichkeit des Mechanismus. Das Bild des Mechanismus in einer sei-
ner Stellungen enthält hievon nichts.

     

                  Soll ich nun sagen, der Freiheitsgrad des Mechanismus
kann sich nur mit der Zeit enthüllen? Aber wie kann ich dann je wissen,
Ts-212,475


387
dass er gewisse Bewegungen    nicht   machen kann, (und dass er gewisse
Bewegungen machen kann, die er gerade noch nicht gemacht hat).

     
Ts-212,476



                  Das Verständnis als eine    Disposition   der
Seele, oder des Gehirns, geht uns nichts an.

     
Ts-212,477


empty
     



















Ts-212,478


180

                      Kann ich nicht sagen: ich meine die Verneinung, wel-
che verdoppelt eine Bejahung gibt?

     

            Wäre das nicht, als würde man sagen: Ich meine die Gerade, de-
ren zwei sich in einem Punkt schneiden.

     

            Das heisst: Wenn Du von Rot gesprochen hast, hast Du dann das
gemeint, wovon man sagen kann, es sei hell, aber nicht grün, auch wenn Du an
diese Regel nicht gedacht, oder von ihr Gebrauch gemacht hast? — Hast Du
das ‘non’ verwendet, wofür non—non—non—p = non—p ist? auch wenn Du diese
Regel nicht verwendet hast? Ist es etwa eine Hypothese, dass es    das   non
war? Kann es zweifelhaft sein, ob es dasselbe war, und durch die Erfahrung
bestätigt werden.

     
Ts-212,479



            Was heisst die Frage: Ist das dasselbe ‘non’, für welches die
Regel non—non—non—p = non—p gilt?

     
Ts-212,480


184

                    “Meinst Du das ‘non’ so, dass ich aus non—p non—non—non—p
schliessen kann?”

     
Ts-212,481



            Das Schachspiel ist gewiss durch seine Regeln
(sein Regelverzeichnis) charakterisiert. , daß Einer,
der eine Partie Schach spielt und jetzt einen Zug macht, etwas anderes tut,
als der, der nicht Schach spielen kann (d.h. das Spiel nicht kennt) und nun
eine Figur in die Hand nimmt und sie zufällig der Regel gemäss bewegt. An-
derseits ist es klar, dass der Unterschied nicht darin besteht,
dass der Erste in irgendeiner Form die Regeln des Schachspiels vor sich
hersagt und oder überdenkt. — Wenn ich nun sage: das er Schach spielen kann , be-
steht darin, dass er die Regeln kennt, ist diese Kenntnis der Regeln in je-
dem Zuge in irgendeiner Form enthalten?


     
Ts-212,482


264

                      Kann man eine Intention haben, ohne sie auszudrücken?
Kann man die Absicht haben, Schach zu spielen (in dem Sinne, in welchem man
apodiktisch sagt, “ich hatte die Absicht Schach zu spielen; ic    ich muss  
es doch wiss    es doch wissen  ”), ohne einen Ausdruck dieser Ab-
sicht? — Könnte man da nicht fragen: Woher weisst Du, dass das, was Du hat-
test,    diese   Absicht war?

            Ist die Absicht, Schach zu spielen etwa wie die Vorliebe für
das Spiel, oder für eine Person. Wo? man auch fragen könnte: Hast Du diese
Vorliebe die ganze Zeit oder etc., und die Antwortt ist, dass “eine Vorliebe
haben” gewisse Handlungen, Gedanken und Gefühle einschliesst und andere aus-
schliesst.

     

            Muss ich nicht sagen: “Ich weiss, dass ich die Absicht hatte,
   denn   ich habe mir gedacht ‘jetzt komme ich endlich zum Schachspielen’”
oder etc. etc..

     

            Es würde sich mit der Absicht in diesem Sinne auch vollkommen
vertragen, // wenn // ich beim ersten Zug darauf käme, dass ich alle
Schachregeln vergessen habe, und zwar so, dass ich nicht etwa sagen könnte
“ja, als ich den Vorsatz hatte // fasste//, da hatte // habe // ich sie
noch gewusst”.

     
Ts-212,483



            Es wäre wichtig, den Fehler allgemein auszudrücken, den ich in
allen diesen Betrachtungen zu machen neige // geneigt bin//. Die falsche
Analogie, aus der er entspringt.

     
Ts-212,484



            Ich glaube, jener Fehler liegt in der Idee, dass die Bedeutung
eines Wortes eine Vorstellung ist, die das Wort begleitet.

            Und diese Conception hat wieder mit der des Bewusst-Seins zu
tun. // [u|U]nd diese Conception steht wieder … in Verbindung.// Dessen,
was ich immer “das Primäre” nannte.

     
Ts-212,485



            Es stört uns quasi, dass der Gedanke eines Satzes in kei-
nem Moment ganz vorhanden ist. Hier sehen wir, dass wir den Gedanken
mit einem Ding vergleichen, welches wir erzeugen, und das wir nie als
Ganzes besitzen; sondern, kaum entsteht ein Teil, so verschwindet ein
Ts-212,486


5
andrer. Das hat gewissermassen etwas unbefriedigendes, weil wir — wieder
durch eine Erklärung // ein Gleichnis // verführt — uns etwas Anderes er-
warten.

     
Ts-212,487


267

                    Der Spieler, der die Intention hatte, Schach zu spielen,
hatte sie schon dadurch, dass er zu sich etwa die Worte sagte “jetzt wollen
wir Schach spielen”.

            Ich will sagen, dass das Wort “Schach” eben auch (nur) ein Stein
in einem Kalkül ist. Wird der Kalkül beschrieben, so müssen wir die Regeln
tabulieren // tabuliert vor uns haben//, wird er aber angewandt, so wird
jetzt gemäss der einen, dann gemäss der andern Regel vorgegangen, dabei kann
uns ihr Ausdruck vorschweben, oder auch nicht.

     

            Muss denn dem, der das Wort “Schach” gebraucht, eine Definition
des Wortes vorschweben? Gewiss nicht. — Gefragt, was er unter “Schach” ver-
steht, wird er selber erst eine geben. Diese Definition ist selber ein be-
stimmter Schritt in seinem Kalkül.

     

            Wenn ich ihn aber nun fragte: Wie Du das Wort ausgesprochen hast,
was hast Du damit gemeint? — Wenn er mir darauf antwortet: “ich habe das
Spiel gemeint, das wir so oft gesp[ei|ie]lt haben etc., etc.”, so weiss ich, dass
ihm diese Erklärung in keiner Weise beim Gebrauch des Wortes vorgeschwebt
hatte, und dass seine Antwort meine Frage nicht in    dem   Sinn beantwortet,
dass sie mir sagt, was, quasi, “in ihm vorging // vorgegangen ist//”, als er
dieses Wort sagte.

     

            Denn die Frage ist eben, ob unter der “Bedeutung, in der man ein
Wort gebraucht” ein Vorgang verstanden werden soll, den wir beim Sprechen
oder Hören des Wortes erleben.

     

            Die Quelle des Fehlers scheint die Idee vom    Gedanken   zu
sein,    der den Satz begleitet  . Oder der seinem Ausdruck
vorangeht. Dem Wortausdruck kann natürlich ein andrer Ausdruck vorangehen,
aber für uns kommt der Unterschied // Artunterschied // dieser beiden Aus-
Ts-212,488


268
drücke — oder Gedanken — nicht in Betracht. Und es kann der Gedanke unmittel-
bar in seiner Wortform gedacht werden.

     

            “Er hat diese Worte gesagt, sich dabei aber dabei gar nichts ge-
dacht.” — “Doch, ich habe mir etwas dabei gedacht”. — “Und zwar was denn?” —
“Nun, das, was ich gesagt habe”.

     
Ts-212,489



        Man könnte sagen: auf die Aussage “dieser Satz hat Sinn” kann
man nicht wesentlich fragen “welchen?” So wie man ja auch auf den
Satz “diese Worte sind ein Satz” nicht fragen kann “welcher?”

     
Ts-212,490



            “Dieses Wort hat doch eine ganz bestimmte Bedeutung”. Wie ist sie
denn (ganz) bestimmt?

     
Ts-212,491



            ”Ich habe etwas bestimmtes damit gemeint, als ich sagte …”. —
“Wann hast Du es gemeint und wie lange hat es gebraucht. [u|U]nd hast Du bei je-
dem Wort etwas anderes gemeint, oder während des ganzen Satzes dasselbe?”

     

            Uebrigens komisch, dass, wenn man bei jedem — sagen wir, deut-
schen — Wort etwas meint, eine Zusammenstellung solcher Wörter Unsinn sein
kann!

     
Ts-212,492



            “Ich meine aber doch mit diesen Worten etwas”. Gewiss: im Gegensatz
zu dem Falle, wo ich nichts meine, wo ich etwa Silben ihres komischen Klangs
wegen aneinander reihe.

            Ich will eigentlich sagen, dass ‘ich meine etwas mit den Worten’
nur heisst: ich unterscheide doch diesen Fall von dem des sinnlosen Plapperns
etc.. Und das ist zugegeben. Aber es ist damit noch keine besondere Theorie
des Meinens gegeben.

     

            Und so geht es in allen solchen Fällen. Wenn etwa jemand sagt:
“aber ich meine doch wirklich, dass der Andere Zahnschmerzen hat; nicht, dass
er sich bloss so benimmt”. Immer muss man antworten: “Gewiss” und zugeben,
dass auch wir diese Unterscheidung machen müssen. //dass diese Unterscheidung
besteht.//
     


Ts-212,493



            “Jetzt sehe ich's erst, er zeigt immer auf die Leute, die dort
vorübergehen”. Er hat ein System verstanden: wie Einer, dem ich die Ziffern
1, 4, 9, 16 zeige und der sagt “ich versteh' jetzt das System, ich kann jetzt
selbst weiterschreiben”. Aber was ist diesem Menschen geschehen, als er das
System plötzlich verstand?

     
Ts-212,494



            Es handelt sich beim Verstehen nicht um einen Akt des momentanen,
sozusagen nicht diskursiven, Erfassens der Grammatik. Als könnte man sie
gleichsam auf einmal herunterschlucken.

     

            Das also, was der macht, der auf einmal die Bewegung des Andern
deutet (ich sage nicht “richtig deutet”), ist ein Schritt in einem Kalkül.
Er    tut   ungefähr, was er    sagt  , wenn er seinem Verständnis Ausdruck
gibt. — Und das ist ja immer unser Prinzip —. Und wenn ich sage
“was er macht, ist der Schritt eines Kalküls”, so heisst das, dass ich die-
Ts-212,495


310
sen Kalkül schon kenne; in dem Sinne, in dem ich die deutsche Sprache kenne,
oder dass Einmaleins.

            Welche ich ja auch nicht so in mir habe, als wäre wären die ganze deut-
sche Grammatik und die Einmaleins-Sätze zusammengeschoben auf Etwas, was man
auf einmal, als [g|G]anzes, erfassen kann. // was ich nun auf einmal, als Ganzes,
besitze. //

     
Ts-212,496



            Gewiss, der Vorgang des “jetzt versteh' ich …!” ist ein ganz
spezifischer, aber es    ist   eben auch ein ganz spezifischer Vorgang, wenn
wir auf einen bekannten Kalkül stossen, wenn wir “weiter wissen”.

            Aber dieses Weiter-Wissen ist eben auch    diskursiv   (nicht
intuitiv
).

     
Ts-212,497



            Intuitives Denken, das wäre so, wie eine Schachpartie
auf die Form eines dauernden, gleichbleibenden Zustandes gebracht
(ebenso undenkbar).

     
Ts-212,498




empty
     















Ts-212,499


250

                      Und doch ist noch etwas unklar // nicht klar //, was
sich z.B. in der dreifachen Verwendung des Wortes ‘ist’ zeigt. Denn, was
heisst es, wenn ich sage, dass im Satz ‘die Rose ist rot’ das ‘ist’ eine
andere Bedeutung hat, als in ‘zweimal zwei ist vier’? Wenn man sagt, es
heisse, dass verschiedene Regeln von diesen beiden Wörtern [v|g]elten, so muss
man zunächst sagen, dass wir hier nur    ein   Wort haben. Zu sagen aber:
von diesem gelten in einem Fall    die   Regeln im anderen jene, ist Unsinn.

            Und das häng[z|t] wieder mit der Frage zusammen, wie wir uns denn
aller Regeln bewusst sind, wenn wir ein Wort in einer bestimmten Bedeutung
gebrauchen, und doch die Regeln die Bedeutung ausmachen?

     
Ts-212,500


195

                    Wenn ich nun aber das Wort “ist” betrachte: Wie kann ich
hier zwei verschiedene Anwendungsarten unterscheiden, wenn ich nur auf die
grammatischen Regeln sehe // achte //? Denn diese erlauben ja eben die Ver-
wendung
des Wortes im Zusammenhang “die Rose ist rot” und “zweimal zwei ist
vier”. An diesen Regeln sehe ich nicht, dass es sich klar um zwei verschiedene
Wör[f|t]er handelt // dass wir hier zwei verschiedene Wörter haben//. — Ich
ersehe es aber z.B. wenn ich versuche, in beiden Sätzen statt “ist” “ist
gleich” zu setzen // einzusetzen // (oder auch den Ausdruck “hat die Eigen-
schaft”). Aber nur wieder, weil ich für den Ausdruck “ist gleich” die Regel
kennen, dass er in “die Rose … rot” nicht eingesetzt werden darf // nicht
stehen darf//.

     
Ts-212,501


196

                      Wenn ich mich weigere ein Wort, z.B. das Wort ‘ist
gleich’ in zwei Zusammenhängen zu gebrauchen, so ist der Grund das, was wir
mit den Worten beschreiben “das Wort habe in den beiden Fällen verschiedene
Bedeutung”. // das Wort werde in diesen Fällen in verschiedenem Sinn ge-
braucht. //

     

            Kann ich nun aber das, was die grammatischen Regeln von einem
Worte sagen, auch anders beschreiben, nämlich durch die Beschreibung des Vor-
gangs, der beim Verstehen des Wortes stattfindet?

     

            Wenn also die Grammatik — z.B. — die Geometrie der Verneinung ist,
kann ich sie durch eine Beschreibung dessen ersetzen, was bei der Verwendung
sozusagen hinter dem Wort ‘nicht’ steht?

     

            Aber so eine Beschreibung wäre doch — wie gesagt — ein Ersatz des
Wortes // für das Wort // ‘nicht’, etwa wie
und könnte die Grammatik
nicht ersetzen. (?)

     

            In meiner Darstellung schienen doch die grammatischen Regeln die
Auseinanderlegung dessen, was ich im Gebrauch des Wortes auf einmal erlebe.
Sozusagen (nur?) Folgen, Aeusserungen, der Eigenschaften, die ich beim Ver-
stehen auf einmal erlebe. Das muss natürlich ein Unsinn sein.

     

            Man würde ja geradezu sagen: die eine Verneinung hat die Eigenschaft,
dass sie verdoppelt eine Bejahung ergibt. ([e|E]twa wie: Eisen hat die Eigenschaft,
mit Schwefelsäure Eisensulfat zu geben.) Während die Regel die Verneinung
nicht näher beschreibt, sondern konstruiert. konstituiert.

     

            Dass wir dieses Wort dieser Regel gemäss gebrauchen, das dafür


     
Ts-212,502



                    “Wie ich einen Körper durch seine verschiedenen An-
sichten geben kann und er mit diesen äquivalent ist, so offenbart sich
die Natur der Negation in den verschiedenen, grammatisch erlaubten Anwen-
dungen des Negationszeichens.”

     
Ts-212,503



          ”Die doppelte Negation gibt eine Bejahung”, das klingt so wie:
Kohle und Sauerstoff gibt Kohlensäure. Aber in Wirklichkeit    gibt   die
doppelte Negation nichts, sondern    ist   etwas.

     

          ”Wer die Negation versteht, der weiss, dass die doppelte Negation
…”

     

            Es täuscht uns da etwas eine Tatsache vor.

            So, als sähen wir ein Ergebnis    des logischen   Prozes-
ses. Während das Ergebnis nur das des Prozesses ist.
Ts-212,504


197


     

            Das Wort ‘nicht’ in der grammatischen Regel hat keine Bedeutung,
sonst könnte    das   nicht von ihm aus gesagt ausgesagt werden.

     

            Die Negation hat keine andere Eigenschaft, als etwa die, in ge-
wissen Sätzen, die Wahrheit zu ergeben.

            Und ebenso hat ein Kreis die Eigenschaft, da oder dort zu ste-
hen, diese Farbe zu haben, von einer Geraden    tatsächlich   ge-
schnitten zu werden; aber nicht, was ihm die Geometrie zuzuschreiben
scheint. (Nämlich diese Eigenschaften haben zu können.)

     

            Was heisst es: “Dieses Papier ist nicht schwarz und ‘nicht’ ist
hier in dem Sinne // ist hier so // gebraucht, dass eine dreifache Vernei-
nung eine Verneinung ergibt”? Wie hat sich denn das im Gebrauch geäussert?

            Oder: “Dieses Papier ist nicht schwarz und zwei von diesen Ver-
neinungen geben eine Bejahung”. Kann ich das sagen?

            Oder: “Dieses Buch ist rot und die Rose ist rot und die beiden
Wörter ‘rot’ haben die gleiche Bedeutung”. (Dieser Satz ist von gleicher
Art wie die beiden oberen.) Was ist denn das für ein Satz? ein grammati-
scher? Sagt er etwas über das Buch und die Rose?

            Ist der Zusatz zum Verständnis des ersten Satzes nicht nötig,
so ist er Unsinn, und wenn nötig, dann war das erste noch kein Satz; und
dasselbe gilt in den oberen Fällen.

     

            “Dass 3 Verneinungen wieder eine Verneinung ergeben, muss doch
schon in der einen Verneinung, die ich jetzt gebrauche, liegen”. Aber deute
ich hier nicht schon wieder? (D.h. bin ich nicht im Begriffe, eine Mytholo-
gie zu erfinden?)

     
Ts-212,505



            Heisst es etwas, zu sagen, dass drei    solche   Verneinungen
eine Verneinung ergeben. (Das erinnert immer an “drei solche Pferde können
diesen Wagen fortbewegen”.) Aber, wie gesagt, in jenem logischen Satz ist
gar nicht von der Verneinung die Rede (von der Verneinung handeln nur Sätze
wie: Es es regnet nicht) sondern nur vom Wort ‘nicht’, und es ist eine Regel
über die Ersetzung eines Zeichens durch ein anderes.

     

            Aber können wir die Berechtigung dieser Regel nicht einsehen,
wenn wir die Verneinung verstehen? Ist sie nicht eine Folge aus dem Wesen
der Verneinung? Sie ist nicht eine Folge, aber ein Ausdruck dieses Wesens.
     


Ts-212,506



            Was wir sehen, wenn wir einsehen, dass eine doppelte Verneinung
etc.… muss von der Art dessen sein, was wir im Zeichen
wahrnehmen.

     
Ts-212,507



            Die Geometrie spricht aber so wenig von Würfeln, wie
die Logik von der Verneinung.

            (Man möchte hier vielleicht einwenden, dass die Geometrie vom
Begriff des Würfels und die Logik vom Begriff der Negation handelt. Aber die-
se Begriffe gibt es nicht.)

     

            Man kann einen Würfel — ich meine das Wesentliche des Würfels —
nicht beschreiben. Aber kann ich denn nicht beschreiben, wie man z.B. eine
Kiste macht? und ist damit nicht eine Beschreibung des eines Würfels gegeben? Das
Wesentliche am Würfel ist damit nicht beschrieben, das steckt vielmehr in
der Möglichkeit dieser Beschreibung, d.h. darin, dass sie eine Beschreibung
ist; nicht darin, dass sie zutrifft.

     

            Nun kann ich doch aber sagen: “Ich sehe die Figur

3-dimensional”. Aber dieser Satz entspricht der Beschreibung
einer Kiste. Er beschreibt einen bestimmten Würfel, nicht die Würfelform.
Freilich kann ich das Wort “Würfelform” definieren. D.h. Zeichen geben, durch
die es ersetzt werden kann darf.

     

            Man kann eine geometrische Figur nicht beschreiben. Auch die
Gleichung beschreibt sie nicht, ?—sondern vertritt sie durch die Regeln, die von ihr gelten—?.

     

            Und haben wir hier nicht das Wort “Figur” so angewendet // an-
gewandt//, wie in unseren Betrachtungen so oft das Wort “Gedanke” oder
“Symbol”? Die Art der Anwendung dieses Wortes, von welcher ich sagte, es be-
deute dann kein Phänomen, sondern sei quasi ein unvollständiges Zeichen
// Symbol // und entspreche einer Funktion.

     

            Man kann auch nicht sagen, die Würfelform habe die Eigenschaft,
Ts-212,508


200
lauter gleiche Seiten zu besitzen. Wohl aber hat ein Holzklotz diese Eigen-
schaft. (Noch hat “die Eins die Eigenschaft, zu sich selbst addiert, zwei zu
ergeben”.)

     

            Ich sagte doch: Es schien, als wären die grammatischen Regeln die
‘Folgen in der Zeit’ dessen, was wir in einem Augenblick wahrnehmen, wenn
wir eine Verneinung verstehen.

            Und als gebe es also zwei Darstellungen des Wesens der Verneinung:
Den Akt (etwa den seelischen Akt) der Verneinung selbst, und seine Spiegelung
in dem System der Grammatik.

     

            Man ist versucht zu sagen // könnte sagen//: die Gestalt eines
Würfels wird doch sowohl durch die Grammatik des Wortes “Würfel”, als auch
durch einen Würfel, dargestellt.

     

            In “non-p & (non-non-” kann der zweite Teil nur eine Spiel-
regel sein.

     

            Es hat den Anschein, als könnte man aus der Bedeutung der Negation
   schliessen  , dass non-non-, p heisst.

     

            Als würden aus der Natur der Negation die Regeln über das Nega-
tionszeichen    folgen  .

            So dass, in gewissem Sinne, die Negation zuerst vorhanden wäre ist
und dann die Regeln der Grammatik.

     

            Es ist also, als hätte das Wesen der Negation einen zweifachen
Ausdruck in der Sprache: Dasjenige, was ich sehe, wenn ich die Negation ver-
stehe, und die Folgen dieses Wesens in der Grammatik.

     
Ts-212,509


202

                      Zu sagen, dass eine Vierteldrehung ein Quadrat mit
sich selbst zur Deckung bringt, heisst doch offenbar nichts andres als: Das
Quadrat ist um? zwei zueinander senkrechte Achsen symmetrisch, und das wie-
der, dass es Sinn hat, von zwei senkrechten Achsen zu reden, ob sie vorhan-
den sind oder nicht. Dies ist ein Satz der Grammatik.

     

            Die Schwierigkeit ist wieder, dass es scheint, als wäre in ei-
nem Satz, der etwa das Wort ‘Quadrat’ enthält, schon der Schatten eines an-
dern Satzes mit diesem Worte enthalten. — Nämlich eben die    Möglich-
keit
   jenen anderen Satz zu bilden, die ja, wie ich sagte, im Sinn des
Wortes
‘Quadrat’ liegt.

     

            Und doch kann man eben nur sagen, der andere Satz ist nicht mit
diesem ausgesprochen, auch nicht schattenhaft. (Und wird vielleicht nie aus-


     
Ts-212,510



            Statt der Betrachtung der Negation, könnte ich auch die eines
Pfeiles setzen und z.B. sagen: wenn ich ihn zweimal um 180o drehe, zeigt er
wieder, wohin er jetzt zeigt: welcher Satz dem non-non-p = p entspricht.
Wie ist es nun hier mit der Darstellung des Wesens dieses Pfeils durch die
Sprache? Jener Satz muss doch unmittelbar von diesem Wesen abgeleitet // ab-
gelesen // sein und es also darstellen.

            Oder nehmen wir den Fall eines Quadrats und eines Rechtecks und
die Sätze, dass das Quadrat durch eine Vierteldrehung mit sich selbst zur
Deckung gebracht werden kann; das Rechteck aber erst durch eine halbe Dre-
hung.

     
Ts-212,511



            Es frägt sich: Was ist das für ein Satz “das Wort ‘ist’
in ‘die Rose ist rot’ ist dasselbe, wie in ‘das Buch ist rot’, aber nicht
dasselbe, wie in ‘zweimal zwei ist vier’”? Man kann nicht antworten, es heis-
se, verschiedene Regeln gelten von den beiden Wörtern, denn damit geht man
im Zirkel. Wohl aber heisst es, das Wort ist in seinen verschiedenen Verbin-
dungen durch zwei Zeichen ersetzbar, die nicht für einander einzusetzen sind.
Ersetze ich dagegen das Wort in den beiden ersten Sätzen durch zwei ver-
schiedene Wörter, so ich sie für einander einsetzen.

     
Ts-212,512


204

                      Nun könnte ich wieder fragen: sind diese Regeln // ist
diese Regel // nur eine    Folge   de[w|s]    Ersten  : dass im einen Falle
die beiden Wörter ‘ist’ die gleiche Bedeutung haben, im andern Fall nicht?
Oder ist es so, dass diese Regel eben der sprachliche Ausdruck dafür ist,
dass die Wörter das Gleiche bedeuten?

     

            Ich will es damit vergleichen, dass das Wort ‘ist’ einen andern
Wortkörper hinter sich hat . Dass es beide Male die gleiche Fläche ist, [w|d]ie einem andern Körper angehört, wie wenn ich ein Dreieck im Vordergrund sehe,
das das eine Mal die Endfläche eines Prismas, das andre Mal eines Tetraeders
ist.

     

            Oder denken wir uns diesen Fall: Wir hätten Glaswürfel, deren ei-
ne Seite // Seitenfläche // rot gefärbt wäre. Wenn wir sie aneinander reihen,
so wird im Raum nur eine ganz bestimmte Anordnung roter Quadrate entstehen
können, bedingt durch die Würfelform der Körper. Ich könnte nun die Regel,
nach der hier rote Quadrate angeordnet sein können, auch ohne Erwähnung der
Würfel angeben, aber in ihr wäre doch bereits das Wesen der Würfelform prä-
judiziert. Freilich nicht, dass wir gläserne Würfel haben wohl aber die Geo-
metrie des Würfels.

     

            Wenn wir nun aber einen solchen Würfel    sehen  , sind    da-
mit
   wirklich schon alle Gesetze der möglichen Zusammenstellung gegeben?!
Also die ganze Geometrie.

            Kann ich die Geometrie des Würfels von einem Würfel ablesen?

     

            Der Würfel ist dann eine Notation der Regel.

            Und hätten wir eine solche Regel gefunden, so könnten wir sie
wirklich nicht besser notieren als durch die Zeichnung eines Würfels (und
dass es hier eine Zeichnung tut, ist wieder ungemein wichtig // bedeutsam//).

     
Ts-212,513


205

                    Und nun ist die Frage: in wiefern kann der Würfel oder
die Zeichnung (denn die beiden kommen hier auf dasselbe hinaus // auf eins
hinaus//) als Notation der geometrischen Regeln dienen?

     

            Doch auch nur, sofern er einem System angehört: nämlich der
Würfel mit der einen roten Endfläche wird etwas anderes notieren, als eine
Pyramide mit quadratischer roter Basis, etc.. D.h., es wird dasjenige Merk-
mal der Regeln notieren, worin sich z.B. der Würfel von der Pyramide un-
terscheidet.

     
Ts-212,514



            Jedes Zeichen der Negation ist gleichwertig jedem andern, denn
p!
W!
F!

F
W
ist ebenso ein Komplex von Strichen, wie das Wort “nicht”, und zur
Negation wird es nur durch die Art, wie es ‘   wirkt  ’. Hier aber
ist nicht die Wirkung im Sinne der Psychologie (das Wort ‘Wirkung’ also
nicht kausal) gemeint, sondern die Form seiner Wirkung.
     



            Ich möchte sagen: Nur dynamisch wirkt das Zeichen, nicht sta-
tisch.

            Der Gedanke ist dynamisch.

     
Ts-212,515



                  Dass die Tautologie und Kontradiktion nichts sagen, geht
nicht etwa aus dem W-F-Schema hervor, sondern muss festgesetzt werden. Und
die Schemata machen nur die Form der allgemeinen Festsetzung einfach.
Ts-212,516


378
<> // …machen nur die Festsetzung der Form leicht. einfach.//

     
Ts-212,517



                      Du sagst, das Hinweisen auf einen roten Gegenstand
ist das primäre Zeichen für ‘rot’. Aber das Hinweisen auf einen roten Ge-
genstand ist nicht mehr, als die bestimmte Handbewegung gegen einen roten
Gegenstand, und ist vorläufig gar kein Zeichen. Wenn Du sagst, Du meinst:
das Hinweisen auf den roten Gegenstand    als Zeichen verstan-
den
   — so sage ich: das Verständnis, auf das es uns ankommt, ist kein
Vorgang, der das Hindeuten begleitet (etwa ein Vorgang im Gehirn) und wenn
Du doch so einen Vorgang meinst, so ist dieser an sich wieder kein Zeichen.
((Die Idee ist hier immer wieder, dass die Meinung, die Interpretation, ein
Vorgang sei, der das Hinweisen begleitet und ihm sozusagen die Seele gibt
(ohne welche es tot wäre). Das scheint besonders dort so, wo ein Zeichen
die ganze Grammatik zusammenzufassen scheint, dass wir sie aus ihm ablei-
ten können, und es scheint, dass sie in ihm enthalten wäre, wie Per-
lenschnur in einer Schachtel und wir sie nur herausziehen müssten. (Aber
Ts-212,518


511
dieses Bild ist es eben, was welches uns irreführt.) Als wäre das Verständnis
ein momentanes Erfassen von etwas, wovon später nur die Konsequenzen gezo-
gen werden; und zwar so, dass diese Konsequenzen bereits in einem ideellen
Sinn existieren, ehe sie gezogen wurden. Als ob also der Würfel
schon die ganze Geometrie des Würfels enthielte und ich sie nun nur noch
auszubreiten habe hätte. Aber welcher Würfel? Der Gesichtswürfel, oder ein Eisen-
würfel? Oder gibt es einen ideellen Würfel? — Offenbar schwebt uns der Vor-
gang vor, aus einer Zeichnung, Vorstellung (oder einem Modell) Sätze der
Geometrie ableiten. Aber welche Rolle spielt dabei das Modell? Doch wohl
die des Zeichens! Des Zeichen[,|s], welches eine bestimmte Verwendungsart hat
und nur durch dieses bezeichnet. Es ist allerdings interessant und merkwür-
dig, wie dieses Zeichen verwendet wird, wie wir etwa die Zeichnung des Wür-
fels wieder und wieder bringen mit immer andern Zutaten. Einmal sind die
Diagonalen gezogen, einmal Würfel aneinander gereiht, etc. etc.. Und es ist
dieses Zeichen (   mit der Identität eines des Zeichens  ),
welches wir für jenen Würfel nehmen, in dem die geometrischen Gesetze be-
reits liegen. (Sie liegen in ihm so wenig, wie im Schachkönig eine die Dis-
positionen, in gewisser Weise benützt zu werden.) Die geometrischen Gesetze
   konstituieren   den Begriff des Würfels (sie geben eine Konstitu-
tion, eine Verfassung). Was ich seinerzeit über den “Wortkörper” geschrie-
ben habe, ist der klare Ausdruck des besprochenen Irrtums.))

     
Ts-212,519


     
Ts-212,520






































     
Ts-212,521



            Denn, wenn ich erkläre “ ‘non-p’ ist wahr, wenn ‘p’ nicht wahr
ist”, so setzt das voraus, dass ich verstehe, was es heisst, ‘p’ sei
nicht wahr. Dann ha-
be ich aber nichts getan als zu definieren:
non-p = ‘p’ ist falsch.

             Es kommt nämlich wesentlich darauf an, daß es nicht möglich
ist, das Zeichen “p” auf der rechten Seite der Definition auszulassen,
bezw. durch ein anderes zu ersetzen (es sei denn wieder durch eine Definition). Solange das nicht möglich ist, kann und muß man auch die rechte Seite als Funktion auffassen von p, nämlich: ‘( )’ ist falsch,
oder, wie Russell schreiben würde: ‘ !!FIX!! ’ ist falsch
.

            Das hängt auch damit zusammen, daß ja der Tintenstrich nicht
   falsch   ist.
     
Ts-212,522



            Wenn ich also auch dem Schriftzug “p” den Namen A gebe und
daher schrei-
be: non-p = A ist falsch, so hat das nur einen Sinn,
d.h. die rechte Sei-
te kann nur verstanden werden, wenn A für uns als
   Satzzeichen   steht. Dann aber ist nichts gewonnen: zum mind-
esten keine    Erklärung   der Negation.

     

            Und dasselbe muss der Fall sein, wenn man erklärt, “(x).fx” sei wahr, wenn f( ) für alle Substitutionen wahr ist. Man muss auch dazu schon den lo-
gischen Mechanismus der Verallgemeinerung verstehen. Es ist auch nicht so, dass man erst ahnungslos ist, und die Verallgemeinerung nun durch die Erklärung erst zum Funktionieren gebracht wird. Wie wenn man in eine Ma-
schine ein Rad einsetzt und sie dann erst funktioniert (oder, die Maschine erst in zwei getrennten Teilen da ist und sie nun erst durch das Zusammensetzen als diese Maschine funktionieren).
     
Ts-212,523


374

            Wie schaut die Erklärung eines Zeichens aus? Das müsste
doch eine für die Sprache ausserordentlich wichtige Form sein, sei dieser
Behelf
nun ein Satz oder nicht.

            
     
Ts-212,524



            Denken wir uns aber eine Sprache, in der ich “A ist
grösser als B” nicht nur so ausdrücke: “ ist grösser als ”, sondern
in der ich auch statt des Wortes “grösser” eine Geste mache, die die Be-
deutung des Wortes zeigt. — Wie könnte ich nun so eine Sprache erklären?
(Wie könnte ich die Zeichen so einer Sprache erklären?)
     
Ts-212,525



            Auch das Kind    lernt   nur eine Sprache vermittels einer an-
deren.
     
Ts-212,526


209

            Die Gebärdensprache ist eine    Sprache   und
wir haben sie nicht — im gewöhnlichen Sinne — gelernt. Das heisst: Sie
wurde uns nicht () geflissent-
lich gelehrt. — Und jedenfalls nicht durch Zeichenerklärungen.
     
Ts-212,527



            Man sich das Lernen einer Sprache aber analog dem Fingerhut-
suchen vorstellen, wo die gewünschte Bewegung durch “heiss, heiss”, “kalt,
kalt” herbeigeführt wird. Man könnte sich denken, dass der Lehrende statt
dieser Worte auf irgendeine Weise (etwa durch Mienen) angenehme und unangenehme Empfindungen hervorruft, und der Lernende nun dazu gebracht wird,
   die   Bewegung auf den Befehl hin auszuführen, die regelmässig von der
angenehmen Empfindung begleitet wird (oder zu ihr führt).
     
Ts-212,528



            Verbindung von Wort und Sache durch die Erklärung // das Leh-
ren der Sprache// hergestellt. Was ist das für eine Verbindung, welche
Art? Was für Arten von Verbindungen gibt es?

            Eine Verbindung kann funktionieren oder nicht funktionieren:
Anwendung auf die Verbindung, die die Worterklä-
rung herstellt.
     
Ts-212,529



            Die Zuordnung von Gegenstand und Name ist keine andere, als die
durch die Worte “das ist …” oder eine Tabelle erzeugte etc.. Sie ist ein
Teil des Symbolismus. Es ist daher , die Beziehung von zwischen Name
und Gegenstand sei eine psychologische.
     
Ts-212,530



            Das Wort ‘Teekanne’ hat Bedeutung; gewiss, im Gegensatz zum Wor¿te¿
‘Abracadabra’, nämlich in der deutschen Sprache. Aber wir könnten ihm na-
türlich auch eine Bedeutung geben; das wäre ein Akt ganz analog dem, wenn
ich ein Täfelchen mit der Aufschrift ‘Teekanne’ an eine Teekanne hänge. Aber
was habe ich hier anders als eine Teekanne mit einer Tafel, auf der Striche
zu sehen sind? Also wieder nichts logisch Interessantes. Die Festsetzung der
Bedeutung eines Wortes kann nie (wesentlich) anderer Art sein.
     
     
     
     
Ts-212,533


empty










































     
Ts-212,534



            Vielleicht ist die eigentliche Schwierigkeit die:
dass ich das Wort “rot” erkläre, indem ich auf etwas Rotes zeige und
sage “das ist rot”, während doch dieses Rote später meinem Blick ent-
schwindet. Und nun scheinbar    etwas <…> Anderes   an seine
Stelle tritt (die Erinnerung oder wie man es heissen mag).

     

            “Also    so   wird dieses Wort gebraucht!” Aber wie
bewahre ich denn dieses    So   in der Erinnerung?
     
Ts-212,535


183

            Das Lernen der Sprache ist in ihrer Benützung nicht enthalten. (Wie die Ursache eben nicht in ihrer Wirkung.)
     
Ts-212,536



            Ich kann die Regel selbst    festsetzen   und nicht mich eine die Sprache lehren. Ich gehe spazieren und sage mir: Wo immer ich einen Baum treffe, soll mir das das Zeichen sein, bei der nächsten Kreuzung links zu gehen, und nun richte ich mich nach den Bäumen in dieser Weise (fasse ihre Stellung als einen Befehl auf).
     
Ts-212,537



            Wie kann ich mir vornehmen, einer Regel
zu folgen?
            Nicht nur soweit, als ich die Regel ausdrücken kann?
     
Ts-212,538



            Welche Wirkung hatte nun die hinweisende Erklärung? Hatte sie so-
zusagen nur eine automatische Wirkung? Das heisst aber, wird sie nun immer
wieder benötigt, oder hatte sie eine ursächliche Wirkung, wie etwa eine Imp-
fung, die uns ein für alle Mal, oder doch bis auf weiteres, geändert hat.
     
Ts-212,539



            Ich sage “wähle alle blauen Kugeln aus”; er aber weiss nicht,
was “blau” heisst. Nun zeige ich und sage “das ist blau”. Nun versteht er
mich und kann meinem Befehl folgen.
     
Ts-212,540


164

            Ich setze ihn in Stand, dem Befehl zu folgen. Was geschieht nun
aber, wenn er in Zukunft diesen Befehl hört? Ist es nötig, dass er sich je-
ner    Erklärung  , d.h. des einmaligen Ereignisses jener Erklärung er-
innert? Ist es nötig, dass das Vorstellungsbild des blauen Gegenstands oder eines blauen Gegenstandes vor seine Seele tritt? Alles das scheint    nicht  
nötig zu sein, obwohl es möglicherweise geschieht. Und doch das Wort
“blau” jetzt einen anderen Aspect für ihn , als da es ihm noch nicht erklärt
war. Es gewinnt gleichsam Tiefe.
     
Ts-212,541



            In wiefern hilft die hinweisende Erklärung “   das   ist ‘rot’”
zum Ver-
ständnis des Wortes.

     

            (Sie ‘   hilft  ’ gar nicht, sondern    ist   eben eine der symbolischen Regeln für den Gebrauch des Wortes ‘rot’.)
     
Ts-212,542



            Eine Erklärung kann nicht in die Ferne wirken. Ich meine: sie
wirkt nur, wo sie angewandt wird. Wenn sie ausserdem noch eine “Wirkung” hat, dann nicht als Erklärung.
     
Ts-212,543



            ((Soll das so viel heissen, als , dass eine Erklärung, eine Tabelle, zuerst so gebraucht werden kann, dass man sie “nachschlägt”; dass man sie dann gleichsam im Kopf nach-
schlägt, d.h., sie sich vor das innere Auge ruft (oder dergleichen); und dass man endlich ohne diese Tabelle arbeitet, also so, als wäre sie nie da gewesen. In diesem letzten Fall spielt man also ein anderes Spiel. Denn es ist nun nicht so, dass jene Tabelle ja doch im Hintergrund steht und man immer auf sie zurückgreifen kann; sie ist aus unserm Spiel ausgeschieden und wenn ich auf sie ‘zurückgreife’, so tue ich, was der Erblindete tut, der etwa auf den Tastsinn zu-
Ts-212,544


476
rückgreift. Eine Erklärung ist das Anlegen einer Tabelle und sie wird Geschichte, wenn ich die Tabelle nicht mehr benütze. Eine Tabelle Erklärung eine Tabelle an und sie wird zur Geschichte, wenn … Ich muss unterscheiden zwischen den Fällen: wenn ich mich einmal nach einer Tabelle richte, und ein andermal in Uebereinstimmung mit der Tabelle (der Regel, welche die Tabelle ausdrückt) handle, ohne die Tabelle zu be-
nützen. — Die Regel, deren Erlernung uns veranlasste, jetzt so und so zu handeln, ist als Ursache unserer Handlungsweise Geschichte und für uns ohne Interesse. Sofern sie aber eine allgemeine Beschreibung unserer Hand-
lungsweise ist, ist sie eine Hypothese. Es ist die Hypothese, dass diese zwei Leute, die am über dem Schachbrett sitzen , so und so handeln wer-
den (wobei auch ein Verstoss gegen die Spielregeln unter die Hypothese fällt, denn diese sagt dann etwas darüber aus, wie sich die Beiden benehmen werden, wenn sie auf diesen Verstoss aufmerksam werden). Die Spieler kön-
nen aber die Regel auch benützen, indem sie in jedem besonderen Fall nach-
schlagen, was zu tun ist; hier tritt die Regel in die Spielhandlung selbst ein und verhält sich zu ihr nicht, wie eine Hypothese zu ihrer Bestätigung. “Hier gibt es aber eine Schwierigkeit. Denn der Spieler, welcher ohne Be-
nützung des Regelverzeichnisses spielt, ja, der nie eins gesehen hätte, könnte dennoch, wenn es verlangt würde, ein Regelverzeichnis anlegen und zwar nicht — behaviouristisch — indem er durch wiederholte Beobachtung fest-
stellte, wie er in diesem und in jenem Fall gehandelt hat //handelt //, sondern, indem er, vor einem Zug stehend, sagt: ‘in diesem Fall    zieht man so  ’”. — Aber wenn das so ist, so zeigt es doch nur, dass er unter gewissen Umständen eine Regel aussprechen wird, nicht, dass er von ihr beim Zug expliciten Gebrauch gemacht hat. Dass er ein Regelverzeichnis anlegen würde // wird //, wenn man es verlangte verlangt, ist eine Hypothese und wenn man ei-
ne Disposition, ein Vermögen, ein Regelverzeichnis anzulegen annimmt, so ist es eine psychische Disposition auf gleicher Stufe mit einer physiologi-
schen. Wenn gesagt wird, diese Disposition
Ts-212,545


477
charakterisiert den Vorgang des Spiels, so charakterisiert sie ihn als einen psychischen oder physiologi-
schen, was er tatsächlich ist. (Im im Studium des Symbolismus gibt es keinen Vordergrund und Hintergrund, nicht ein sichtbares // greifbares// Zeichen und ein es begleitendes unsichtbares // ungreifbares// Vermögen, oder Ver-
ständnis.)
     
Ts-212,546



            Wie wirkt nun die hinweisende Erklärung? Sie lehrt den Gebrauch eines Zeichens; und das Merkwürdige ist nur, dass sie ihn auch für die Fälle zu lehren scheint, in denen ein Zurückgehen auf das hinweisende Zeichen nicht möglich ist. Aber geschieht das nicht, indem wir, quasi, die in der hinwei-
senden Definition gelernten Regeln in bestimmter Weise transformieren? (Wenn z.B. der Mann, der mir vorgestellt wurde, abwesend ist und ich nun trotzdem seinen Namen gebrauche, dessen Gebrauch mir durch die Vorstellung — hinweisende Erklärung — erklärt wurde.) Wenn ich ihn nun brauche, z.B. der Mann, der mir vorgestellt wurde, abwesend ist und ich nun trotzdem seinen Namen gebrauche, dessen Gebrauch mir durch die Vorstellung — hinweisende Erklärung — erklärt wurde.) Wenn ich ihn nun brauche,    in wiefern mache ich da von der Erklärung<,> Gebrauch  ? Offenbar nicht in der Weise, in welcher ich in der Anwesenheit des Menschen von ihr Gebrauch machen konnte. Es gibt ein Spiel, worin ich immer statt des Namens das hinweisende Zeichen geben kann, und eins, in welchem das nicht mehr möglich ist. (Und wir müssen nur daran festhalten, dass die Erklärung, als fortwirkende    Ursache   unseres Gebrauchs von Zeichen, uns nicht interessiert, sondern nur, sofern wir von ihr in unserm Kalkül Gebrauch machen können.) Eine Schwierigkeit Es macht eine Schwierigkeit in der Erklärung des Gebrauchs der hinwei-
senden Definition macht es dass wir Definition, dass wir verschiedene Kriterien der Identität anwenden (also das Wort “Identität” in
verschiedener Weise gebrauchen), je nachdem, ob ein Ding sich vor unsern Augen bewegt, oder unserm Blick ent-
schwindet und vielleicht wieder erscheint. Das ist wichtig, denn für den zweiten Fall gibt uns die hinweisende Definition eigentlich nur ein    Muster   und tut nur, was auch der Hinweis auf ein Bild tut. Das drückt sich darin aus, dass die gegebene hinweisende Erklärung
nichts nützt, wenn wir vergessen haben, wie der Mensch, auf den gezeigt wurde,
aussah. ))
     
     
Ts-212,550


            
empty






































     
Ts-212,551



            Man könnte eine wesentliche Frage auch so stellen: Wenn ich jemandem sage “male diesen Kreis rot”, wie entnimmt er aus dem Wort ‘rot’, welche Farbe er zu nehmen hat?
     
Ts-212,552



             [h|H]eisst es etwas, zu sagen, dass das Wort ‘rot’, um ein brauchbares Zeichen zu sein, ein Supplement — etwa im Gedächtnis — braucht?
            D.h., in wiefern ist es allein nicht Zeichen?
     
Ts-212,553



            Wenn ich eine Erfahrung mit den Worten beschreibe “vor mir steht ein blauer Kessel”, ist die Rechtfertigung dieser Worte, ausser der Erfahrung die in den Worten beschrieben wird, noch eine andere, etwa die Erinne-
rung, dass ich das Wort ‘blau’ immer für diese Farbe verwendet habe, etc.?
     
Ts-212,554



            Wenn ich jemandem sage “wenn ich läute, komm' zu mir”, so wird er zu-
erst, wenn er läuten hört, sich diesen Befehl (das Läuten) in Worte übersetzen und erst den übersetzten befolgen. Nach einiger Zeit aber wird er das Läuten ohne Intervention anderer Zeichen in die Handlung übersetzen.
            Und so, wenn ich sage “zeige auf einen roten Fleck”, befolgt er diesen Befehl, ohne daß ihm dabei zuerst das Phantasiebild eines roten Flecks als Zeichen für ‘rot’ erscheint.
     

            Wenn er läutet, so komme ich zu ihm, ohne mir erst ein Bild meiner Bewegungen vorzustellen, wonach ich (dann) handle.
     
Ts-212,555



            Ich kann gewiss sagen: “Tu jetzt, was Du, Deiner Erinnerung nach, gestern um diese Zeit getan hast”. Und wenn er sich daran erinnert, kann er seiner Erinnerung folgen. Erinnert er sich aber nicht, so hat der Befehl keinen Sinn für ihn.
     

            Wäre dieser Befehl also wie der: “Tu, was auf dem Zettel in dieser
     
Ts-212,556


Wenn ich jemandem sage “male das Grün Deiner Zimmertür nach dem Gedächtnis, so bestimmt das, was er zu tun hat, nicht eindeutiger, als der Befehl “male das Grün, das Du auf dieser Tafel siehst”.
     
Ts-212,557


Wenn es bei der Bedeutung des Wortes “rot” auf das Bild ankommt,
Ts-212,558


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das mein Gedächtnis beim Klang diese Wortes automatisch reproduziert, so muss ich mich auf diese Reproduktion gerade so verlassen, als wäre ich , die Bedeutung durch nachschlagen in einem Buche, zu bestimmen, wobei ich mich diesem Buche quasi auf Gnade und Ungnade ergeben würde.
     
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            Ich bin dem Gedächtnis ausgeliefert.
     
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Freilich kann man sagen: das rote Täfelchen ist in Wirklichkeit auch nicht maßgebend, weil das Gedächtnis als Kontrolle des Täfelchen verwendet wird.
     
Ts-212,561


Die Frage aber ist: Ist im Falle einer relativen Veränderung der Farbe des Täfelchens zu meinem Gedächtnis (ein gewagter Ausdruck) in irgend einem Sinne unbedingt der Deutung der Vorzug zu geben, das Täfelchen habe sich geändert und ich müsse mich also nach dem Gedächtnis richten? Offenbar nein. Uebrigens besagt die ‘Deutung’, das Täfelchen und nicht das Gedächtnis habe sich verändert, nichts als eine Worterklärung der Wörter “verändern” “gleichbleiben”.
     
Ts-212,562



            Könnte ich behaupten, dass mein Gedächtnis immer etwas nachdunkle?
            Jedenfalls könnte ich sagen: “wähle die Farbe, die Du im Gedächt-
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nis hast” und auch “wähle eine etwas dunklere Farbe, als die die Du im Gedächtnis hast.” Von einem Nachdunkeln kann man natürlich nur im Vergleich zu Etwas // etwas andrem// sprechen und es genügt nicht, zu sagen “nun, mit der Farbe, wie sie wirklich war”, weil hier die besondere Art der Verifikation, d.h., die (besondere) Grammatik der Worte “wie sie war” noch nicht festge-
legt ist, diese Worte (also) noch mehrdeutig sind.
     
Ts-212,564



            Mit einem Draht nach einem Kurzschluss suchen: er ist gefunden, wenn es läutet. Aber suche ich dabei auch nach etwas, was der Idee des Klingelns gleich ist? , u.s.w..
     
Ts-212,565



            Der Befehl sei: “Stelle Dir einen roten Kreis vor”. Und ich tue es. Wie konnte ich den Worten auf diese Weise folgen?
            Das ist doch ein Zeichen // Beweis// dafür, dass wir den Worten auch ohne Vorstellungen gehorchen können.
     
Ts-212,566



            Wie kann ich es    rechtfertigen  , dass ich mir auf diese Worte hin diese Vorstellung mache?
     
Ts-212,567


Hat mir jemand die Vorstellung der blauen Farbe gezeigt und gesagt, dass sie das ist?
     
Ts-212,568



            Es ist also richtig: “Ich erinnere mich    daran  ”, ˇan das, was ich hier vor mir sehe.. Das Bild ist dann in einem gewissen Sinne gegenwärtig und vergangen.
     
Ts-212,569


304

            Der Vorgang des Vergleiches eines Bildes mit der Wirklichkeit ist also der Erinnerung nicht wesentlich.
     
Ts-212,570



             Es ist instruktiv zu denken, dass, wenn wir mit einem gelben Täfelchen die Blume suchen, uns jedenfalls nicht die Relation der Farbengleichheit in einem weiteren Bild gegenwärtig ist. Sondern wir sind mit dem einen ganz zufrieden.

     

            (So wie wir nicht für einen Augenblick daran dächten, ein Kind die Ge-
bärdensprache zu lehren.)
     
Ts-212,571



             kann ˇ die Bedeutung der Zeichen, , durch die Tabelle erklären; aber diese Tabelle wieder erklären, indem ich sie so schreibe
     
und sie einer anderen entgegenstelle:
     




     

            Aber konnte denn auch die erste Erklärung wegbleiben? Gewiss, wenn die Zeichen uns (etwa) ursprünglich ebenso beigebracht worden wären, wie die Wörter “Kirche”, “Haus”, “Stadt”. Aber diese mussten uns doch erklärt werden! — Soweit sie uns überhaupt ‘erklärt’ wurden, geschah es durch eine Gebärdensprache, die uns nicht erklärt wurde. — Aber wäre denn diese Gebärdensprache einer Erklärung fähig gewesen? — Gewiss; z.B. durch eine Wortsprache.
     
Ts-212,572



            Denken wir an das laute Lesen nach der Schrift (oder
Ts-212,573


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das Schreiben nach dem Gehör). Wir könnten uns natürlich eine Art Tabelle denken, nach der wir uns dabei richten könnten. Aber wir richten uns nach keiner. Kein Akt des Gedächtnisses, nichts, vermittelt zwischen dem geschriebenen Zeichen und dem Laut.
     
Ts-212,574



            (Das Wort ‘rot’ ist ein Stein in einem Kalkül und das rote Täfelchen ist auch einer.)
     
Ts-212,575



             es ist ein anderes Spiel, mit einem Täfelchen herumgehen, es an die Ge-
genstände anzulegen und so die Farbengleichheit zu prüfen; und anderseits: ohne ein solches Muster nach Wörtern in einer Wortsprache handeln.
            Man denkt nun: Ja, das erste Spiel verstehe ich; das ist ja ganz einfach: Der erste Schritt ist der, von einem geschriebenen Wort auf das gleiche ge-
schriebene Wort des Musters; der zweite ist der Uebergang von dem Wort auf dem Mustertäfelchen zu der Farbe auf dem    gleichen   Täfelchen; und der dritte, das Vergleichen von Farben. Jeden Schritt dieses Kalküls gehen wir also auf einer Brücke. (Wir sind geführt, der Schritt ist vorgezeich-
net.)
            Aber wir sind doch hier nur insofern geführt, als wir uns führen lassen. Auf diese Weise    kann   ich alles, und    muss   ich nichts eine Füh-
rung nennen. — Und am Schluss tu ich, was ich tue und das ist Alles.
            Aber ein Unterschied bleibt doch: Wenn ich gefragt werde “warum nennst Du gerade diese Farbe ‘rot’, so würde ich tatsächlich antworten: weil sie auf dem gleichen Täfelchen mit dem Wort ‘rot’ steht. Würde ich aber in dem zweiten Spiel gefragt “warum nennst Du diese Farbe ‘rot’ ”, so gäbe es darauf keine Antwort und die Frage hätte keinen Sinn. — Aber im ersten Spiel hat die Frage keinen Sinn: “warum nennst Du    die   Farbe ‘rot’, die auf dem gleichen Täfelchen mit dem Wort ‘rot’ steht”. So handle ich eben (und man kann dafür wohl eine Ursache angeben, aber keinen Grund). Das Gedächtnis ist jedenfalls nicht immer die letzte Instanz.
            Bedenke vor allem: Wie weiss man, dass das Täfelchen rot bleibt? Braucht man dazu wieder ein Bild? Und wie ist es mit dem? etc.. Woran erkennt er das Vorbild als Vorbild?

     

            (Ein Grund lässt sich nur    innerhalb   eines Spiels angeben.)
     
Ts-212,576


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            Die Kette der Gründe kommt zu einem Ende und zwar dem Ende in diesem Spiel // und zwar (an?) ? der Grenze des Spiels+ . //

     

            Man kann sagen: Die Regeln des Spiels sind die, die gelehrt werden, wenn das Spiel gelehrt wird. — Nun wird z.B. dem Menschen, der lesen lernt, tat-
sächlich gelehrt: das ist ein a, das ist ein e, etc.; also, könnte man sagen, gehören diese Regeln, gehört diese Tabelle mit zum Spiel. — Aber erstens: lehrt man denn auch den Gebrauch dieser Tabelle? und    könnte   man ihn, anderseits, nicht lehren? Und zweitens kann doch das Spiel    wirklich   auf zwei verschiedene Arten gespielt werden.
            Man kann nun fragen: ist es denn aber auch noch ein Spiel, wenn Einer die Buchstaben abbc sieht und    irgend etwas   macht? Und wo hört das Spiel auf, und wo fängt es an?
            Die Antwort ist natürlich: Spiel ist es, wenn es nach einer Regel vor sich geht. Aber was ist noch eine Regel und was keine mehr?
            Eine Regel kann ich nicht anders geben, als durch ihren Ausdruck; denn auch Beispiele, wenn sie Beispiele sein sollen, sind ein Ausdruck für die Regel, wie jeder andre.
            Wenn ich also sage: Spiel nenne ich es nur, wenn es einer Regel gemäss geschieht und die Regel ist eine Tabelle, so kann ich nicht die Verwendungs-
art // die Art des Gebrauches // dieser Tabelle garantieren, denn ich kann sie nur durch eine weitere Tabelle festlegen, oder durch Beispiele. Diese Beispiele tragen nicht weiter, als sie selbst gehen // reichen // und die zweite Tabelle ist im gleichen Fall wie die erste.
            Ich könnte auch sagen: was ist das Schachspiel andres (oder was ist vom Schachspiel andres vorhanden), als Regelverzeichnisse (gesprochen, geschrie-
ben, etc.) und die Beschreibung einer Anzahl von Schachpartien?
            Es steht mir (danach) natürlich frei, ‘Spielregel’ nur ein Ding
     
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Ts-212,578



            Uebereinstimmung von Gedanke und Wirklichkeit. Wie alles Metaphysische ist die (prästabilierte) Harmonie zwischen Gedanken und Wirklichkeit in der Grammatik der Sprache aufzufinden.
     
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            Es ist wohl auch Unsinn zu sagen, die Uebereinstimmung ( Nichtüber-
einstimmung) zwischen Satz und Welt // Realität// sei willkürlich durch eine Zuordnung/geschaffen. Denn, wie ist die Zuordnung auszudrücken? Sie besteht darin, dass der Satz “p” sagt, es sei    gerade das   der Fall. Aber wie ist dieses “gerade das” ausgedrückt // gegeben//? Wenn durch einen andern Satz, so gewinnen wir nichts dabei; wenn aber durch die Realität, dann muss diese schon in bestimmter Weise — artikuliert — aufge-
fasst sein. Das heisst: man kann nicht auf einen Satz und auf eine Realität deuten und sagen: “   das   entspricht    dem  ”. Sondern, dem Satz ent-
spricht nur wieder das schon Artikulierte.
     
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            Um in einer Sprache im Chinesischen einen Satz bilden zu können, dazu genügt es nicht, die Lautreihe zu lernen und zu wissen, dass sie, etwa in der Fibel neben einem bestimmten Bild steht. Denn das befähigt mich nicht, die Tatsache in jener Sprache auf Chinesisch zu porträtieren.
            Ja, wenn es mir im Deutschen so geschähe, dass ich die ganze Sprache vergässe, mir aber bei einer bestimmten Gelegenheit doch die Lautverbindung des Satzes einfiele, die man in diesem Falle gebraucht, so würde ich diese Lautverbin-
dung in diesem Falle mit nicht    verstehen  .

     

            Wenn man jemanden fragt “wie weisst Du, dass diese Beschreibung wieder-
gibt, was Du siehst”, so könnte er etwa antworten “ich meine das mit die-
sen Worten”. Aber was ist dieses “   das  ”, wenn es nicht (selbst) wieder artikuliert, also schon Sprache ist? Also ist “ich meine das” gar keine Antwort. Die Antwort ist eine Erklärung der Bedeutung der Worte.

     

            Wenn ich die Beschreibung nach Regeln bilde, was auch möglich ist, dann übersetze ich sie als eine Sprache aus einer anderen. Und das kann ich na-
türlich mit Grammatik und Wörterbuch tun und so rechtfertigen. — Aber dann ist die Uebertragung von Artikuliertem in Artikuliertes. Und wenn ich sie durch Berufung auf die Grammatik und das Wörterbuch rechtfertige, so tue ich nichts, als eine Beziehung zwischen Wirklichkeit und Beschreibung (eine projektive Beziehung) festzustellen, von der Intention aber, meiner Be-
schreibung ist hiebei keine Rede. (D.h., ich kann eben nur die Aehnlichkeit des Bildes prüfen, nichts weiter.)
     
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             könnte ich nicht die Sprache als soziale Einrichtung betrachten, die gewissen Regeln unterliegt, weil sie sonst nicht wirksam wäre // wirken würde//. Aber hier liegt es: dieses Letztere // Letzte // kann ich nicht sagen; eine Rechtfertigung der Regeln kann ich, auch so, nicht geben. Ich könnte sie nur als ein Spiel, das die Menschen spielen, beschreiben.
     
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            Aber wie ist es: Ich gehe diesen Weg, um dorthin zu kommen; ich drehe den Hahn auf, um Wasser zu erhalten, ich winke, damit jemand zu mir kommt und endlich teile ich ihm meinen Wunsch mit, damit er ihn erfüllt!

     

            Aber was geht vor sich, wenn ich den Hahn aufdrehe,    damit   Wasser herausfliesst? Was geschieht, ist, dass ich den Hahn aufdrehe, und dass dann Wasser herauskommt, oder nicht. Was geschieht, ist also, dass ich den Hahn aufdrehe. —
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ich den Hahn aufdrehe. — Was auf das Wort “damit” folgt, die Absicht, ist darin nicht enthalten. Ist sie vorhanden, so muss sie ausgedrückt sein und sie kann nur dann be-
reits durch das Aufdrehen des Hahnes ausgedrückt sein, wenn es das Teil ei-
ner Sprache ist.
     
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            Wenn man sagte: Sprache ist alles, womit man sich verständigen kann, so muss // müsste // man fragen: Aber worin besteht es, ‘sich verständigen’ ?
            Ich könnte als Antwort darauf einen realen oder fiktiven Fall einer Verständigung von Menschen oder andern Lebewesen beschreiben. In dieser Beschreibung werden dann fingierte kausale Verbindungen eine Rolle spielen. Aber wenn der Begriff Sprache durch solche bestimmt ist, so interes-
siert er uns nicht. Aber Und abgesehen von jenen empirischen Regelmässigkeiten der Ereignisse haben wir dann nur noch einen willkürlichen // beliebi-
gen
// Kalkül. — Aber worin besteht denn das Wesentliche eines Kalküls?

     

            ‘Sprache’ und ‘Lebewesen’. Der Begriff des Lebewesens hat die gleiche Unbestimmtheit wie der der Sprache // … ist so unbestimmt wie … //
     
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            “Ein Zeichen ist doch immer für ein lebendes Wesen da, also muss das etwas dem Zeichen Wesentliches sein”. Gewiss: auch ein Sessel ist immer nur für einen Menschen da, aber er lässt sich beschreiben, ohne dass wir von seinem Zweck reden // //. Das Zeichen hat nur einen Zweck in der menschli-
chen Gesellschaft, aber dieser Zweck kümmert uns gar nicht.
            Ja am Schluss sagen wir überhaupt keine Eigenschaften von den Zeichen aus — denn diese interessieren uns nicht — sondern nur die (allgemeinen) Regeln ihres Gebrauchs. Wer das Schachspiel beschreibt, gibt weder Eigen-
schaften der Schachfiguren an, noch redet er vom Nutzen und Gebrauch des Schachspiels.
     
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            Denken wir uns den Standpunkt eines Forschers: er findet, dass in der Sprache der Erde ein Zeichen benützt wird, das nach diesen und diesen Re-
geln (etwa nach denen der Negation) gebraucht wird, und fragt sich: Wozu können sie das brauchen? Die Antwort wäre aber: Wenn immer ein Zeichen mit diesen Regeln zu gebrauchen ist.
     
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            Eine Sprache erfinden, heisst nicht auf Grund von Naturgesetzen (oder im Einklang mit ihnen // in Uebereinstimmung mit ihnen //) eine Vorrich-
tung zu einem bestimmten Zweck erfinden. Wie es etwa die Erfindung des Benzinmotors oder der Nähmaschine ist. Auch die Erfindung eines Spiels ist nicht in    diesem   Sinne eine Erfindung, aber vergleichbar der Erfin-
dung einer Sprache.

     

            Ich brauche nicht zu sagen, dass ich nur die Grammatik des Wortes “Sprache” weiter beschreibe, indem ich sie mit der Grammatik des Wortes “Verbindung” “Erfindung” in Verbindung bringe.
     
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            Ist alles, was ich sagen darf // kann// damit gesagt: Man kann nicht von den grammatischen Regeln sagen, sie seien eine Einrichtung dazu, dass die Sprache ihren Zweck erfüllen könne. Wie man etwa sagt: wenn die Dampf-
maschine keine Steuerung hätte, so könnte der Kolben nicht hin und her gehen, wie er soll. Als könne man sich eine Sprache auch ohne Grammatik denken.

     

            Die grammatischen Regeln sind, wie sie nun einmal da sind, Regeln des Gebrauchs der Wörter. Uebertreten wir sie, so können wir deswegen die Wör-
ter dennoch mit Sinn gebrauchen. Wozu wären dann die grammatischen Regeln da? Um den Gebrauch der Sprache im Ganzen gleichförmig zu machen? (etwa aus ästhetischen Gründen?) Um den Gebrauch der Sprache als gesellschaftli-
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schaftliche Einrichtung zu ermöglichen? also wie eine Verkehrsordnung, damit kei-
ne Kollision geschieht // entsteht //? (Aber was macht es uns // geht es uns an //, wenn eine entsteht?) Die Kollision, die nicht geschehen // entstehen // darf, darf nicht entstehen können! D.h., ohne Grammatik ist es nicht eine schlechte Sprache, sondern keine Sprache.
     
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            Anderseits muss man doch sagen, die Grammatik einer Sprache als    allgemein anerkannte Institution ist   eine Ver-
kehrsordnung
. Denn, dass man das Wort “Tisch”    immer   in dieser Weise gebraucht, ist nicht der Sprache als solcher wesentlich, sondern quasi nur eine praktische Einrichtung.
     
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            Wie unterscheiden sich die Sprachregeln von denen des Anstandes?
            Wenn man kein Ziel angeben kann, das nicht erreicht würde, wenn diese Regeln anders wären.
     
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            Der Zweck der Grammatik ist nur der Zweck der Sprache.
            Der Zweck der Grammatik ist der Zweck der Sprache.
     
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            Woher die Bedeutung der Sprache? Kann man denn sagen: Ohne Sprache könnten wir uns nicht miteinander verständigen. Nein, das ist ja nicht so, wie: ohne Telephon könnten wir nicht von Amerika nach Europa reden. (Es sei denn, dass wir unter “Telephon” jede Vorrichtung verstehen, welche etc etc..)

     

            Wir können aber sagen: Ohne Sprache könnten wir die Menschen nicht beeinflussen.
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Oder, nicht trösten. Oder: nicht ohne eine Sprache Häuser und Maschinen bauen.
            Ohne Sprache könnten wir die Menschen nicht bewegen unseren Willen zu tun.

     

            Es ist auch richtig // sinnvoll // zu sagen, ohne den Gebrauch des Mundes oder der Hände können sich Menschen nicht verständigen.
     
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            Die Worte, die Einer bei gewisser Gelegenheit sagt, sind insofern nicht willkürlich, als gerade    diese   in der Sprache, die er sprechen will (oder muss) das meinen, was er sagen will; d.h., als gerade für sie diese grammatischen Regeln gelten. Was er aber meint, d.h. als er Zweck nur so glaubt erreichen zu können.
     
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            Wie, wenn eine Sprache aus lauter einfachen und unabhängigen Signalen bestünde?! Denken wir uns diesen Fall: Es handle sich etwa um die Beschrei-
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bung einer Fläche, auf der in schwarz und weiss sich allerlei Figu-
ren zeigen können. Wäre es nun möglich, alle möglichen Figuren durch un-
abhängige Symbole zu bezeichnen // kennzeichnen //? (Ich nehme dabei an, dass ich nur über, sagen wir 10000 Figuren reden will.) Wenn ich Recht ha-
be, so muss die ganze Geometrie in den Regeln über die Verwendung dieser 10000 Signale wiederkehren. (Und zwar ebenso, wie die Arithmetik, wenn wir statt 10 unabhängiger Zahlzeichen eine Billion verwendeten.)

     

            Um eine Abhängigkeit auszudrücken, bedarf es einer Abhängigkeit.
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werden.
     

            Denken wir uns ein Tagebuch mit Signalen geführt. Etwa die Seite in Ab-
schnitte für jede Stunde eingeteilt und nun heisst ‘A’ ich schlafe, ‘B’ ich stehe auf, ‘C’ ich schreibe, etc..
     

            Muss denn nicht die Regel der Sprache — dass also dieses Zeichen    das   bedeutet — irgendwo niedergelegt sein?
            
            Freilich auch:    Mehr   als die Regel niederlegen, kann ich nicht.

     

            Und warum soll ich, dass ‘A’ in dieser Zeile steht, nicht ein Bild dessen nennen, dass ich dann schlafen gehe? Freilich, dass es die Multipli-
zität dessen wiedergeben soll die in jenen Worten liegt, kann ich nicht verlangen.
            Der Akt des Schlafengehens war ja auch nicht dadurch bestimmt.
            

     

            Wie kann ich denn kontrollieren, dass es immer dasselbe ist, was ich ‘A’ nenne. Es sei denn, dass ich etwa ein Erinnerungsbild zuziehe. Das aber dann zum Zeichen gehört.
     


     

            Wenn z.B. Einer fragte: wie weisst Du, dass Du jetzt dasselbe tust, wie vor einer Stunde, und ich antwortete: ich habe mir's ja aufgeschrieben, hier steht ja ein ‘A’!
     
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            Wenn ich mich in    dieser   Sprache ausdrücke, so werde ich also mit ‘B’ immer dasselbe meinen. Es einen // keinen // Sinn haben, zu sagen, dass ich beide Male dasselbe tue, wenn ich den Befehl ‘B’ befolge (oder dasselbe getan habe, als ich tat, was ich durch ‘B’ bezeichnete).
     
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D.h. die Sprache funktioniert als Sprache nur durch die Regeln, nach denen wir uns in ihrem Gebrauch richten. (Wie das Spiel nur durch Regeln als Spiel funktioniert.)

     

            Und zwar, ob ich zu mir oder Andern rede. Denn auch mir teile ich nichts mit, wenn ich Lautgruppen ad hoc mit irgend welchen Fakten associiere.

     

            Ich muss, auch wenn ˇ ich zu mir rede, schon auf einem bestehenden gegebe-
nen
Sprachklavier spielen.
     
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            ‘Ich verstehe diese Worte’ (die ich etwa zu mir selbst sage), ‘ich meine etwas damit’, ‘sie haben einen Sinn’ muss immer dasselbe heis<…>-
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sen, wie: ‘sie sind nicht ad hoc erfundene Laute, sondern Zeichen aus einem System’.

     

            Etwa?, wie die Teilstriche auf einem Masstab nur solche sind, wenn sie ein System bilden.
     
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            Denn, wenn wir einen Befehl befolgen, so deuten wir die Worte nicht will-
kürlich.
            D.h. wieder, wir müssen die Unterscheidung anerkennen zwischen dem ‘Be-
folgen eines Befehls’ und einem ‘willkürlichen Zuordnen einer Handlung’.
     
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             Das Aussprechen eines Satzes wäre kein Porträtieren, wenn ich meine Wor-
te nicht aus einem System wählte, so dass man sagen kann, ich wähle    sie   im Gegensatz zu anderen.
            Aber die Worte, wenn sie nicht in einem grammatischen System stehen, sind ja alle gleichwertig und also wäre es dann ganz gleichgültig, welche ich wählte, ja, — man könnte sagen — als Worte würden sie sich (dann) voneinander gar nicht unterscheiden.
            Man muss die Worte wählen, wie // in demselben Sinne wie // man die Striche wählt, mit denen man einen Körper abbildet.
     
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            Warum wir ein Wort — und nicht ein anderes — an dieser Stelle gebrauchen, erfahren wir, wenn wir jemand fragen: warum gebrauchst Du hier das Wort A. Die Antwort wird sein: das und das heisst A. Und das ist eine Regel der Grammatik, die die Position des Wortes in der Sprache bestimmt. Und (zum Zeichen, dass es sich hier wirklich um Grammatik handelt) wenn A das Wort “und” gewesen wäre, so könnte man weiter nichts tun, als die Regeln für “und” angeben.
     
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            Sage ich jemandem “bringe eine rote Blume” und er bringt eine, und nun frage ich “warum hast Du mir eine von dieser Farbe gebracht?” — und er: “diese Farbe nenne ich heisst doch ‘rot’”: so ist dies Letzte ein Satz der Grammatik. Er rechtfertigt eine Anwendung des Worts.

     

            Fehlt dieser Satz // diese Regel//, so ist die Grammatik des Worts (seine Bedeutung) eine andere.
     
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            Wenn man einen Satz braucht, so muss er schon irgendwie    funktionieren  . Das heisst, man gebraucht ihn nicht, um einer Tatsache einen Lärm beizuordnen.
     
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            Es wäre doch nicht, einen Tatbestand porträtieren, wenn ich etwa beliebi-
ge Striche auf das Papier kritzelte und sagte “es gibt gewiss eine Projek-
tionsmethode, die diesen Tatbestand in diese Zeichnung projiziert”.
     

            Ja auch hier (beim Porträtieren // Abbilden//) fühle ich mich schon beim ersten Strich verpflichtet — d.h. er ist nicht willkürlich. Jeden-
falls aber fängt das    Bild   erst dort an, wo die Verpflichtung an-
fängt.
     
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            Ich halte meine Wange, und jemand fragt, warum ich es tue und ich ant-
worte: “Zahnschmerzen”. Das heisst offenbar dasselbe, wie “ich habe Zahn-
schmerzen”, aber weder stelle ich mir die fehlenden Worte im Geiste vor, noch gehen sie mir im Sinn irgendwie ab. “Daher ist es auch möglich, dass ich die Worte “ich habe Zahnschmerzen” in    dem   Sinne ausspreche, als sagte ich nur das letzte Wort oder, als wären die drei nur    ein   Wort.”
            
     
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            Ein einfaches Sprachspiel ist z.B. dieses: Man spricht zu einem Kind (es kann aber auch ein Erwachsener sein), indem man das elektrische Licht in einem Raum andreht: “Licht”, dann, indem man es abdreht: “Finster”; und tut das etwa mehrere Male mit Betonung und variierenden Zeitlängen. Dann geht man etwa in das Nebenzimmer, dreht von dort aus das Licht im ersten an und bringt das Kind dazu, dass es mitteilt, ob es licht oder finster ist. // dass es mitteilt: “Licht”, oder “Finster”.//
            Soll ich da nun “Licht” und “Finster” ‘Sätze’ nennen? Nun, wie ich will. — Und wie ist es mit der ‘Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit’?
     

            Wenn ich bestimmte einfache Spiele beschreibe, so geschieht es nicht, um mit ihnen nach und nach die wirklichen Vorgänge der ausgebildeten Sprache — oder des Denkens — aufzubauen, was nur zu Ungerechtigkeiten führt, — sondern ich stelle die Spiele als solche hin, und lasse sie ihre aufklärende Wirkung auf die besonderen Probleme ausstrahlen.
     
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            Man könnte eben sagen: “die Worte ‘Licht’, ‘Finster’ sind hier als Sätze gemeint und sind nicht einfach Wörter”. Das heisst, sie sind hier nicht so gebraucht, wie wir sie in der gewöhnlichen Sprache gebrauchen (obwohl wir tatsächlich auch oft    so   sprechen). Aber wenn ich plötzlich ohne sichtbaren Anlass das Wort “Licht” isoliert ausspreche, so wird man allerdings sagen: “was heisst/das? das ist doch kein Satz” oder: “Du sagst ‘Licht’, nun was soll's damit?” Das Aussprechen des Wortes “Licht” ist in diesem Fall sozusagen noch ?— kein (kompletter) Zug des Spiels,

     

            Wie unterscheidet sich nun “Licht”, wenn es den Wunsch nach Licht ausdrückt, von “Licht”, wenn es konstatiert, dass es im Zimmer licht ist? Dass wir es in jedem Fall anders    meinen  ? Und worin besteht das? In bestimmten Vorgängen, die das Aussprechen begleiten, oder in einem be-
stimmten Benehmen, das ihm vorangeht, eventuell es begleitet, und ihm folgt?

     

            Wenn ein Mann im Ertrinken “Hilfe!” schreit, — konstatiert er die Tat-
sache, dass er Hilfe bedarf? dass er ohne Hilfe ertrinken wird? — Dagegen gibt es den Fall, in dem man, quasi, sich beobachtend, sagt “ich hätte jetzt (oder: habe) jetzt den Wunsch nach …”.

     
             Ich sage das Wort “Licht!”, — der Andere fragt mich:
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“was meinst Du?” — und ich sage // antworte //: “Ich meinte, Du sollst Licht machen”. — Wie war das, als ich es    meinte  ? Sprach ich den “kompletten Satz” in der Vorstellung unhörbar aus, oder den entsprechenden in einer andern Sprache? (Ja, das    kann   vorkommen oder auch nicht.) Die Fälle, die man alle mit dem Ausdruck “ich meinte” zusammenfasst, sind    sehr mannigfach  .

     

            Nun kann man ruhig annehmen: ‘ich meinte, Du solltest Licht machen’ heisst, dass mir dabei ein Phantasiebild von Dir in dieser Tätigkeit vorge-
schwebt hat, und ebensogut: der Satz heisst, dass mir dabei die Worte des vollständigen Satzes in der Phantasie gegenwärtig waren, oder, dass eins von diesen beiden der Fall war; — nur muss ich wissen, dass ich da-
mit eine Festsetzung über die Worte “ich meinte” getroffen habe und eine engere als die ist, welche dem tatsächlichen allgemeinen Gebrauch des Aus-
drucks entspricht.

     

            Wenn das Meinen für uns irgendw eine Bedeutung, Wichtigkeit, haben soll, so muss dem System der Sätze ein System der Meinungen zugeordnet sein,    was immer   für Vorgänge die Meinungen sein sollen.

     

            Inwiefern stimmt nun das Wort “Licht” im obigen Symbolismus oder Zeichen-
spiel mit einer Wirklichkeit überein, — oder nicht überein?
            Wie gebrauchen wir überhaupt das Wort “übereinstimmen”? — Wir sagen “die beiden Uhren stimmen überein”, wenn sie die gleiche Zeit zeigen, “die bei-
den Masstäbe stimmen überein”, wenn gewisse Teilstriche zusammenfallen,
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“die beiden Farben stimmen überein”, wenn etwa ihre Zusammenstellung uns ange-
nehm ist. Wir sagen “die beiden Längen stimmen überein”, wenn sie gleich sind, aber auch, wenn sie in einem von uns gewünschten Verhältnis stehen. Und, dass sie “übereinstimmen” heisst dann nichts andres, als dass sie in diesem Verhältnis — etwa 1:2 — stehen. So muss also in jedem Fall erst festgesetzt werden, was unter “Uebereinstimmung” zu verstehen ist. — So ist es nun auch mit der Uebereinstimmung einer Längenangabe mit einer Länge. Wenn ich sage: “dieser Stab ist 2m lang”, so kann ich z.B. erklären // eine Erklärung geben//, wie man nach diesem Satz mit einem Masstab die Länge des Stabes kontrolliert, wie man etwa nach diesem Satz einen Messtreifen für den Stab erzeugt. Und ich sage nun, der Satz stimmt mit der Wirklichkeit überein, wenn der auf diese Weise konstruierte Mess-
streifen mit dem Stab übereinstimmt. Diese Konstruktion eines Messtreifens illustriert übrigens, was ich in der “Abhandlung” damit meinte, dass der Satz bis an die Wirklichkeit herankommt. — Man könnte das auch so klar ma-
chen: Wenn ich die Wirklichkeit daraufhin prüfen will, ob sie mit einem Satz übereinstimmt, so kann ich das auch so machen, dass ich sie nun be-
schreibe und sehe, ob der gleiche Satz herauskommt. Oder: ich kann die Wirklichkeit nach grammatischen Regeln in die Sprache des Satzes überset-
zen und nun im Land der Sprache ?—den Vergleich durchführen—?.
            Als ich nun dem Andern erklärte: “Licht” (indem ich Licht machte), “Fin-
ster” (indem ich auslöschte), hätte ich auch sagen können und mit genau derselben Bedeutung: “das ist // heisst// ‘Licht’” (wobei ich Licht ma-
che) und “das ist // heisst// ‘Finster’” etc., und auch ebensogut: “das stimmt mit ‘Licht’ überein”, “das stimmt mit ‘Finster’ überein”.

     

            Es kommt eben wieder auf die Grammatik des Wortes “Uebereinstimmung” an, auf seinen Gebrauch. Und hier liegt die Verwechslung mit ‘Aehnlich-
keit’ nahe, in dem Sinn, in dem zwei Personen einander ähnlich
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sind, wenn ich sie leicht miteinander verwechseln kann.
            Ich kann auch wirklich nach der Aussage über die Gestalt eines Körpers eine Hohlform konstruieren, in die nun der Körper passt, oder nicht passt, je nachdem die Beschreibung richtig oder falsch war, und die konstruierte Hohlform gehört dann in dieser Auffassung noch zur Sprache (die bis an die Wirklichkeit herankommt).

     

            Aber auch die Hohlform macht kein finsteres Gesicht, wenn der Körper nicht in sie passt.
     
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            Wenn das Wort “Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit” gebraucht wird // werden darf//, dann nicht als metalogischer Ausdruck, sondern als Teil eines Kalküls, als Teil der gewöhnlichen Sprache. Man kann etwa sagen: Im Sprachspiel “Licht! — Finster!” kommt der Ausdruck “Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit” nicht vor.
     
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            In dem Sprachspiel “Licht — Finster” kommt keine Frage vor. — Aber wir könnten es auch mit Fragen spielen.
     
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            Das Frege'sche Behauptungszeichen ist am Platze, wenn es nichts weiter bezeichnen soll, als den Anfang des Satzes. Man könnte sagen “den Anfang der Behauptung”, im Gegensatz zu den Sätzen, die in der Behauptung vorkommen können. Das Behauptungszeichen dient dann demselben Zweck, wie der Schlusspunkt des vorhergehenden Satzes.
            “Ich denke p” hat dann mit “!-p” eben    nur   das Zeichen “p” gemein<…> .
     
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            Was zum Wesen des Satzes gehört, kann die Sprache schon darum nicht ausdrücken, weil es für jeden Satz das Gleiche wäre; und ein Zeichen, das in jedem Satz vorkommen muss, logisch eine blosse Spielerei wäre. Die Zeichen des Satzes sind ja nicht Talismane oder magische Zeichen, die auf den Betrachter einen bestimmten Eindruck hervorrufen sollen.
            Gäbe es philosophische Zeichen im Satz, so müsste ihre Wirkung // Funktion// eine solche unmittelbare sein.
     
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            Man hat natürlich das Recht, ein Behauptungszeichen zu verwenden, wenn man es im Gegensatz etwa zu einem Fragezeichen gebraucht. Irreleitend ist es nur, wenn man meint, dass die Behauptung nun aus zwei Akten bestehe, dem Erwägen und dem Behaupten (Beilegen des Wahrheitswertes, oder dergl.) und dass wir diese Akte nach dem geschriebenen Satz ausführen, ungefähr wie wir nach Noten Klavier spielen.
            Mit dem Klavierspielen nach Noten ist nun allerdings das laute oder auch leise, Lesen nach dem geschriebenen oder gedruckten Satz zu vergleichen und ganz analog; aber nichts, was wir ‘denken’ nennen. Ist also z.B. ein Behauptungszeichen im geschriebenen Satz, so wird wieder ein Behauptungs   zeichen   im gelesenen sein (etwa die Betonung, oder der Stimmfall). Aber nicht, als ob im geschriebenen Satz das die Zeichen, im gedachten aber die Bedeutung anwesend wäre. —

     

            Eine Sprache (ich meine eine Sprechart) ist denkbar, in der es keine Behauptungssätze gibt, sondern nur Fragen und die Bejahung und Verneinung.
     
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            Behauptung, Annahme, Frage. Man kann auf dem Schachbrett einen Zug in einer Schachpartie machen, — aber auch während eines Gesprächs über ein Schachproblem zur Illustration, oder wenn man jemand das Spiel lehrt, — etc.. Man sagt dann auch etwa: “angenommen, ich zöge    so  , …”. So ein Zug hat Aehnlichkeit mit dem, was man in der Sprache ‘Annahme’ nennt. Ich sage etwa “im Nebenzimmer ist ein Dieb”, — der Andre fragt mich “woher weisst Du das?” und ich antworte: “ic “oh ich wollte nicht sagen, dass wirklich ein Dieb im Nebenzimmer ist, ich habe es nur in Erwägung gezogen”. — Möchte man da nicht fragen:    Was   hast Du erwogen? wie Du Dich benehmen würdest, wenn ein Dieb da wäre, oder, was für ein Geräusch es machen würde, oder, was er Dir wohl stehlen würde?
            Freges Anschauung könnte man so wiedergeben: dass die Annahme (so wie er das Wort gebraucht) das ist, was die Behauptung, dass p der Fall ist, mit der Frage, ob p der Fall ist, gemeinsam hat.
     
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            Wenn es so etwas gäbe, wie eine Annahme im Sinne Freges, müsste dann nicht die Annahme, dass p der Fall ist gleich der sein, dass non-p der Fall ist?

     

            In dem Sinn, in welchem die Frage “ist p der Fall?” die gleiche ist wie “ist p nicht der Fall?”.
     
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            Es gibt wirkliche Annahmen, die wir eben durch Sätze von der Form “angenommen p wäre (oder: ist) der Fall” ausdrücken. Aber solche Sätze nennen wir nicht vollständig und sie scheinen sehr ähnlich den Sätzen der Form // erinnern uns an Sätze der Form// “wenn p der Fall ist, …”.
     
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            Ist nun aber eine solche Annahme    ein Teil   einer Behauptung? Ist das nicht, als sagte man, die Frage, ob p der Fall ist, sei ein Teil der Behauptung, dass p der Fall ist?
     
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             Ist es aber nicht auffällig, dass wir es in unsern gewöhnlich philosophisch-grammatischen Problemen nie damit zu tun haben, ob sie sich auf Behauptungen oder Fragen beziehen? (Etwa in dem Problem vom Idealismus und Realismus.)
     
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            Und welcher Art ist ein Satz, wenn sich Einer eine mögliche Situation, etwa ihrer Seltsamkeit wegen, notiert? Oder: die Erzählung eines Witzes?
     
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            Man ist (durch die Grammatik) versucht, zu fragen: “wie denkt man den Satz p, wie erwartet man, dass das und das eintreffen wird” (wie macht man das). Und ˇin dieser falschen Frage liegt wohl die ganze Schwierigkeit in nuce enthalten.
     
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            “Wie arbeitet der Gedanke, wie bedient er sich seines Ausdrucks?” — das ist //klingt// analog der Frage: “wie arbeitet der , wie bedient er sich der Karten?”

     
             Das Gefühl ist, dass mit dem Satz “ich glaube, dass p der Fall ist” der Vorgang des Glaubens nicht beschrieben sei (dass vom Webstuhl nur die Karten gegeben seien und alles übrige bloss angedeutet ist). Dass man die Beschreibung “ich glaube p” durch die Beschreibung eines Mechanismus ersetzen könnte, worin dann p, d.h. jetzt die Wortfolge “p”, wie die Karten im Webstuhl nur als    ein   Bestandteil vorkommen würde. Aber hier ist der Irrtum: Was immer diese Beschreibung enthielte, wäre für uns wertlos, ausser eben der Satz p    mit seiner Grammatik  . Sie ist der eigentliche Mechanismus, in welchem dem er eingebettet liegt.
     
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            Wenn man fragt “wie macht der Gedanke // Satz// das, dass er darstellt?” So könnte die Antwort sein: “Weisst Du es denn (wirklich) nicht? Du siehst es doch, wenn Du denkst // wenn Du ihn benützt//”. Es ist ja nichts verborgen.
            Wie macht der Satz das? — Weisst Du es denn nicht? Es ist ja
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nichts versteckt.

     

            Dass ‘alles fliesst’, scheint uns am Ausdruck der Wahrheit zu hindern, denn es ist, als ob wir sie nicht auffassen könnten, da sie uns entgleitet.

     
Aber es hindert uns eben nicht am Ausdruck. — Was es heisst, etwas Entfliehendes in der Beschreibung festhalten zu wollen, wissen wir. Das geschieht etwa, wenn wir das Eine vergessen, während wir das Andere beschreiben wollen. Aber darum handelt es sich doch hier nicht. Und so ist der Ausdruck // das Wort// “entfliehen” anzuwenden.
     
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            Aber auf die Antwort “Du weisst ja, wie es der Satz macht, es ist ja nichts verborgen”, möchte man sagen: “ja, aber es fliesst alles so rasch vorüber und ich möchte es gleichsam breiter auseinander gelegt sehen”.

     

            Aber auch hier irren wir uns. Denn es geschieht dabei auch nichts, was uns durch die Geschwindigkeit entgeht.
     
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            Warum können wir uns keine Maschine mit einem Gedächtnis denken? Es wurde oft gesagt, dass das Gedächtnis darin besteht, dass Ereignisse Spuren hinterlassen, in denen nun gewisse Vorgänge vor sich gehen müssten. Wie wenn Wasser sich ein Bett macht und das folgende Wasser in diesem Bett fliessen muss; der eine Vorgang fährt für den nächsten das Gleise aus. // der eine Vorgang fährt das Gleise aus, das den andern führt. Geschieht dies nun aber in einer Maschine, wie es wirklich geschieht, so sagt niemand, die Maschine habe Gedächtnis, oder habe sich den einen Vorgang gemerkt.

     

            Nun ist das aber ganz so, wie wenn man sagt, eine Maschine kann nicht denken, oder kann keine Schmerzen haben. Und hier kommt es darauf an, was man darunter versteht “Schmerzen zu haben”. Es ist klar, dass ich mir eine Maschine denken kann, die sich genau so benimmt (in allen Details), wie ein Mensch der Schmerzen hat. Oder vielmehr: ich kann den Andern eine Maschine nennen, die Schmerzen hat, d.h.: den andern    Körper  . Und ebenso, natürlich, meinen Körper. Dagegen hat das Phänomen der Schmerzen, wie es auftritt, wenn ‘ich Schmerzen habe’, mit meinem Körper, d.h. mit demn Erfahrungen, die ich als Existenz meines Körpers zusammenfasse, gar nichts zu tun. (Ich kann Zahnschmerzen haben ohne Zähne.) Und hier hat nun die Maschine gar keinen Platz. — Es ist klar, die Maschine kann nur einen physikalischen Körper ersetzen. Und in dem Sinne, wie man von einem solchen sagen kann, er “habe” Schmerzen, kann man es auch von einer Maschine sagen. Oder wieder, die    Körper  , von denen wir sagen, sie hätten Schmerzen, können wir mit Maschinen vergleichen, und auch Maschinen nennen.

     

            Und ganz ebenso verhält es sich mit dem Denken und dem Gedächtnis.

     

            Es ist uns — wie gesagt — als ginge es uns mit dem Gedanken
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so, wie mit einer Landschaft, die wir gesehen haben und beschreiben sollen, aber wir erinnern uns ihrer nicht genau genug, um sie in? allen ihren Zusammenhängen beschreiben zu können. So, glauben wir, können wir das Denken nachträglich nicht beschreiben, weil uns alle die vielen feineren Vorgänge dann verloren gegangen sind.
            Diese feinen Verhäkelungen möchten wir sozusagen unter der Lupe sehen.
     
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            Wir fragen: Was ist ein Gedanke, welcher Art muss etwas sein, um die Funktion des Gedankens verrichten zu können? Und diese Frage ist ganz analog der: Was ist, oder, wie funktioniert, eine Nähmaschine. “Wie macht sie das?” Aber die Antwort könnte sein: Schau den Stich an; alles, was der Nähmaschine    wesentlich   ist, ist in ihm zu sehen; alles andre kann so, oder anders sein.
     
             Wir fragen, wie muss der Gedanke beschaffen sein, um seine Bestimmung Funktion zu erfüllen; aber was ist denn seine Bestimmung Funktion? Wenn sie nicht in ihm selbst liegt<…> (d.h. wenn sie nicht ist, (das?) zu sein, was er ist) liegt sie in seiner    Wirkung  ; aber die interessiert uns nicht.
     
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            Wir sind nicht im Bereiche der Erklärungen und jede Erklärung klingt ? uns trivial.

     

            Aber dieser Verzicht auf die Erklärung macht es so schwer zu sagen, was der Gedanke .

     

            Man kann sagen: Er rechnet auf Grund von Gegebenem und endet in einer Handlung.

     

             Die Berechnung der Wandstärke eines Kessels und,    der  
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entsprechenden, Verfertigung ist ein sicheres Beispiel des Denkens. // … muss ein Beispiel des Denkens sein. // //die Berechnung der Wandstärke eines Kessels und die dieser entsprechenden Verfertigung …

     

            Der Schritt, der von der Berechnung auf dem Papier zur Handlung führt, ist noch ein Schritt der Rechnung.
     
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Wir werden das Denken untersuchen von dem Standpunkt aus, dass es auch von einer Maschine ausgeführt werden könnte.
            Aber hier befinden wir uns in einer falschen Betrachtungsweise. Wir sehen das Denken für einen Vorgang wie das Schreiben an, oder das Weben das Erzeugen eines Stoffes, etc.. Und dann lässt sich natürlich sagen, dass dieser Vorgang der Erzeugung ˇsich im Wesentlichen auch maschinell muss denken lassen.
     
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            Sokrates zu Theaitetos: “Und wer vorstellt, sollte nicht etwas vorstellen?” Th.: “Notwendig”. Sok.: “Und wer etwas vorstellt, nichts
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Wirkliches?” Th.: “So scheint es”.
     
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            “Ist die Vorstellung nur die Vorstellung, oder ist sie Vorstellung von Etwas in der Wirklichkeit?”
            Und von dieser Frage ˇaus könnte man // Und von dieser Frage aus könnte man…// auch die Beziehung der Vorstellung zum gemalten Bild erfassen.

     

            Die Frage könnte aber nicht heissen: “Ist die Vorstellung immer Vorstellung von etwas, in der was in der Wirklichkeit existiert?” — denn das ist sie offenbar nicht immer —; sondern, es müsste heissen: bezieht sich die Vorstellung immer, wahr oder falsch, auf Wirklichkeit. — Denn das kann man von einem gemalten Bild nicht sagen. —

     

            Aber warum sollte man dann nicht sagen, dass eine Vorstellung Vorstellung eines Traumes sei?
     
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            Wenn mir heute geträumt hat, dass N mich besuche und N besucht mich wirklich, so war darum jene Traumphantasie? keine Erwartung, und die Tatsache, dass N mich besuchte, keine Erfüllung der einer Erwartung.
     
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             [d|D]iese Situation ist nicht denkbar: Ich habe irgend ein Vorstellungsbild vor mir und sage: “jetzt weiss ich nicht, ist das eine Erwartung oder eine Erinnerung, oder nur ein Bild ohne jede Beziehung zur Wirklichkeit”.
             Denn ich erwarte ebenso wirklich, wie ich    warte  .
     
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            Eine Gedankenprothese ist darum nicht möglich, weil der Gedanke für uns nichts Menschliches ist.
            Wir könnten die Rechenmaschine als eine Prothese statt der 10 Finger ansehen, aber die    Rechnung   ist nichts spezifisch Menschliches und für sie gibt es keinen Ersatz keine Prothese.
     
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            Eine der gefährlichsten Ideen ist, merkwürdigerweise, dass wir mit dem Kopf, oder im Kopf denken.

     

            Die Idee von einem Vorgang im Kopf, in dem gänzlich abgeschlossenen Raum, gibt dem Denken etwas Okultes.
     
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            “Das Denken geht im Kopf vor sich” heisst eigentlich nichts anderes, als, unser Kopf hat etwas mit dem Denken zu tun. Man sagt freilich auch: “ich denke mit der Feder auf dem Papier” und diese Ortsangabe ist mindestens so gut, wie die erste.

     

            Wenn wir fragen “wo geht das Denken vor sich”, so ist dahinter immer die Vorstellung eines maschinellen Prozesses, der in einem abgeschlossenen Raum vor sich geht, sehr ähnlich, wie der Vorgang in der Rechenmaschine.
     
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            Schon die Bezeichnung ‘Tätigkeit’ für's Denken ist in einer Weise irreführend. Wir sagen: das Reden ist eine Tätigkeit unseres Mundes. Denn wir sehen dabei unseren Mund sich bewegen und fühlen es, etc. In demselben diesem Sinne kann man nicht sagen, das Denken sei eine Tätigkeit unseres Gehirns.
            Und kann man sagen, das Denken sei eine Tätigkeit des Mundes oder des Kehlkopfs oder der Hände (etwa, wenn wir schreibend denken)?
            Zu sagen, Denken sei eben eine Tätigkeit des Geistes, wie Sprechen des Mundes, ist eine Travestie (der Wahrheit).
            Wir gebrauchen eben ein Bild, wenn wir von der Tätigkeit des Geistes reden.

     

            Das Denken ist nicht mit der Tätigkeit eines Mechanismus zu vergleichen, die wir von aussen sehen // der wir von aussen zuschauen//, deren Inneres wir aber sehen müssten // müssen// um sie zu verstehen.
            // Das Denken ist nicht die Tätigkeit eines Mechanismus, der wir von aussen zusehen, deren Inneres aber erforscht werden muss.//
            // Das Denken ist nicht mit der Tätigkeit eines Mechanismus zu vergleichen, den wir von aussen sehen, in dessen Inneres wir aber erst dringen müssen.//
     
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            Die Wendung “dass etwas in unserem Geist vor sich geht”, soll, glaube ich, andeuten, dass es im physikalischen Raum nicht lokalisierbar ist. Von Magenschmerzen sagt man nicht, dass sie in unserem Geist vor sich gehen, obwohl der physikalische Magen ja nicht der unmittelbare Ort der Schmerzen ist.
     
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             der Gedanke wesentlich das , was durch den Satz ausgedrückt ist, wobei ‘ausgedrückt’ nicht heisst ‘hervorgerufen’. Ein Schnupfen wird durch ein kaltes Bad hervorgerufen, aber nicht
     
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            Man hat nicht den Gedanken, und    daneben   die Sprache. — Es ist also nicht so, dass man für den Andern die Zeichen, für sich selbst aber einen stummen Gedanken hat.
     
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            Man könnte so sagen, am    Gedanken   ist nichts ˇwesentlich privat.— Es kann jeder in ihn Einsicht nehmen.

     

            Man hat nicht den Zeichenausdruck und daneben, für sich selbst, den (gleichsam dunkeln) Gedanken. Dann wäre es doch auch zu merkwürdig, dass man den Gedanken durch die Worte sollte wiedergeben können.
     

            D.h.: wenn der Gedanke nicht schon artikuliert wäre, wie könnte der Ausdruck durch die Sprache ihn artikulieren. Der artikulierte Gedanke aber ist in allem Wesentlichen ein Satz.
     
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            Wie sich der Gedanke zur Rede verhält, kann man am besten verstehen, wenn man bedenkt, ob etwa das ‘Verständnis’ (der Gedanke) einer Rechnung (etwa z.B. einer Multiplikation) als gesonderter Prozess neben dem Rechnungsvorgang einherläuft.

     

            Wenn man das Verstehen, Wissen, etc., als    Zustand   auffasst, dann nur hypothetisch im Sinne einer psychischen Disposition, welche auf derselben Stufe steht, wie eine physiologische Disposition.

     

            “Dachtest Du denn, als Du den Satz sagtest, daran, dass Napoleon…” — “ich dachte nur, was ich sagte”.
     
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            Plato nennt die Hoffnung eine Rede. (Philebos)
     
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            Der Gedanke ist kein geheimer — und verschwommener — Prozess von dem wir nur Andeutungen in der Sprache sehen, als wäre die Negation ein Stoss und der Gedanke darauf wie? ein unbestimmter Schmerz, von diesem Stoss hervorgerufen, aber gänzlich von ihm verschieden.
     
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            Gedankenlesen kann nur darin bestehen, dass wir Zeichen interpretieren, also einfach lesen (nur vielleicht    andere   Zeichen). Oder aber es besteht darin, dass Einem, wenn man des Anderen Hand hält (oder in andrer Art mit ihm in Kontakt steht) Gedanken kommen, die durch nachträgliche Fragen als die Gedanken auch des Anderen erkannt werden. Aber da handelt es sich überhaupt um kein Lesen, sondern es wäre nur die    Hypothese   erlaubt, dass zwei Leute unter gewissen Umständen das Gleiche dächten.

     

            Ist das Denken ein augenblicklicher Vorgang oder etwa ein andauernder Zustand, wovon die Worte, der Satz, nur eine ungeschickte Wiedergabe sind (sodass man etwa sagen könnte, wie von dem Eindruck einer Landschaft: Worte können das gar nicht wiedergeben)? Der Gedanke braucht solange wie sein Ausdruck. Weil der Ausdruck der Gedanke ist.

     

            Ich habe einmal gelesen, dass ein französischer Politiker gesagt hat, die französische Sprache sei dadurch ausgezeichnet, dass
     
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            Niemand würde fragen, ob die Multiplikation zweier Zahlen (etwa nach der gewöhnlichen Art durchgeführt) gleichläuft mit dem Gedanken. Weil jeder die Multiplikation als ein ein Instrument ansieht. Während man den Gedanken nicht als ein Instrument ansieht.
     
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            Die Idee, dass eine Sprache eine Wortfolge haben kann, die der Reihenfolge des Denkens entspricht, im Gegensatz zu einer anderen Sprache, rührt von der Auffassung her, dass das Denken vom Ausdruck der Gedanken getrennt vorgeht. Also ein wesentlich anderer Vorgang ist. Nach dieser Auffassung könnte man nun freilich sagen: Die wesentlichen Eigenschaften des Negationszeichens offenbaren sich freilich erst nach und nach im Gebrauch, aber ich    denke   die Negation auf einmal. Das Zeichen “nicht” ist ja nur ein Hinweis auf den Gedanken “nicht”. Es stösst mich nur, dass ich das Rechte denke. (Es ist nur Signal.)
     
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            Willkürlichkeit des sprachlichen Ausdrucks: Könnte man sagen: das Kind muss das Sprechen einer bestimmten Sprache zwar lernen, aber nicht das Denken, d.h. es würde von selber denken, auch ohne irgend eine Sprache zu lernen? (([D.h. Willkürlichkeit, wie sie gewöhnlich aufgefasst wird. ¿So¿zusagen: “auf den Gedanken kommt es an, nicht auf die Worte”.))
             Ich meine aber, wenn es denkt, so macht es sich eben Bilder und diese sind in einem gewissen Sinne willkürlich, insofern nämlich, als andere Bilder denselben Dienst geleistet hätten. Und andererseits ist ja die Sprache auch natürlich entstanden, d.h., es muss wohl einen ersten Menschen gegeben haben, der einen bestimmten Gedanken zum ersten Mal in gesprochenen Worten ausgedrückt hat. Und übrigens ist das Ganze gleichgültig, weil jedes Kind, das die Sprache lernt, sie nur in dieser Weise lernt, dass es anfängt in ihr zu denken. Plötzlich anfängt; ich meine: Es gibt kein Vorstadium, in welchem das Kind die Sprache zwar schon gebraucht, sozusagen zur Verständigung gebraucht, aber noch nicht in ihr denkt.
     
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             Ist es quasi eine Verunreinigung des Sinnes, dass wir ihn in einer bestimmten Sprache, mit ihren Zufälligkeiten, ausdrücken und nicht gleichsam körperlos und rein?? ∫ Nein, denn es ist wesentlich, dass ich die Idee der Uebersetzung von einer Sprache in die andere verstehe.
     
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            Spiele ich eigentlich doch nicht das Schachspiel selbst, da die Figuren ja? auch anders sein könnten?!

     

            Da der Sinn eines Satzes ganz in der Sprache fixiert ist, und es auf den Sinn ankommt, so ist jede Sprache gleich gut. Der Sinn aber ist, was Sätze, die in einander übersetzbar sind, gemein haben. Sätze kön-
     
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            Der Gedanke, soweit man überhaupt man von ihm reden kann, muss etwas ganz hausbackenes sein. (Man pflegt sich ihn als etwas ätherisches, noch unerforschtes, zu denken; als handle es sich um Etwas, dessen Aussenseite blos wir kennen, dessen Wesen aber noch unerforscht ist, etwa wie das unseres Gehirns unser Gehirn.)

     

            Der Gedanke hat aber nur eine Aussenseite und kein Innen. Und ihn analysieren heisst nicht in ihn dringen.
     
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            Man kann wieder nur die Grammatik des Wortes explicit machen. (Und so des Wortes “denken” , etc..)
     
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            Wozu denkt der Mensch? wozu ist es nütze? Wozu    berechnet   er Dampfkessel und überlässt nicht dem Zufall, wie stark er ihre Wand Wände macht // wie stark die Wand des Kessels wird//? Es ist doch nur Erfahrungstatsache, dass Kessel, die so berechnet wurden, nicht so oft explodieren explodierten. Aber so, wie er alles eher täte, als die Hand ins Feuer stecken, das ihn früher gebrannt hat, so wird er alles eher tun, als den Kessel nicht berechnen. Da uns aber Ursachen nicht interessieren, so können können wir nur sagen: die Menschen denken tatsächlich: sie gehen (z.B.) auf diese Weise vor, wenn sie einen Dampfkessel bauen. — Und dieses Vorgehen hat sich bewahrt. Kann nun ein so erzeugter Kessel nicht explodieren? Oh ja. —
     
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            Sich etwas überlegen. Ich überlege, ob ich jetzt ins Kino gehen soll. Ich mache mir ein Bild der Zeiteinteilung des Abends. Aber    wozu   tue ich das?? Ich mache ja kein “Gedankenexperiment”!
     
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            Wir verstehen alle, was es heisst, in einem Kalender nachschlagen, an welchem Tag der Woche wir frei sind. Das Bild, das wir sehen, ist etwa und wir sagen nun, wir seien nur Freitag frei, und handeln demgemäss.
     
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            Wir erwarten etwas und handeln Muss die
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Erwartung eintreffen? Nein. Warum aber handeln wir nach der Erwartung? Weil wir dazu getrieben werden, wie dazu, einem Automobil auszuweichen, uns niederzusetzen, wenn wir müde sind und aufzuspringen, wenn wir uns auf einen Dorn gesetzt haben.
     
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            Die Natur des Glaubens an die Gleichförmigkeit des Geschehens wird vielleicht am klarsten im Falle, in dem wir Furcht vor dem erwarteten Ereignis empfinden. Nichts könnte mich dazu bewesegen, meine Hand in die Flamme zu stecken, obwohl ich mich doch    nur in der Vergangenheit   verbrannt habe.
     
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            Dass mich das Feuer brennen wird, wenn ich die Hand hineinstecke: das ist Sicherheit.
            D.h., da sehe ich was Sicherheit bedeutet. (Nicht nur was das Wort “Sicherheit” bedeutet, sondern auch, was es mit ihr auf sich hat.)
     
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            Der Glaube, dass mich das Feuer brennen wird, ist von der Natur der Furcht, dass es mich brennen wird.

     

            Wenn man mich ins Feuer zöge, so würde ich mich wehren und nicht gutwillig gehn; und ebenso würde ich schreien: “das Feuer wird mich brennen!” und ich würde nicht schreien: “vielleicht wird es ganz angenehm sein!”

     

            Ich kalkuliere    so  , weil ich nicht anders kalkulieren kann. (Ich glaube    das  , weil ich nicht anders glauben kann.)
     
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            Es lässt sich ˇkein //Man kann keinen// Grund angeben, weswegen man denken soll.
            Es sei denn ein Grund von der Art dessen, weswegen man essen soll.

     

            Man kann einen Gedanken aus anderen begründen, aber nicht das Denken. Das, glaube ich, ist es, was unsere Untersuchung rein beschreibend macht.
     
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            Es lässt sich kein rationaler Grund angeben, weshalb wir denken .
     
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            Ich nehme an, dass dieses Haus nicht in einer halben Stunde zusammenstürzen wird. Wann nehme ich das an? Die ganze Zeit? und was ist dieses Annehmen für eine Tätigkeit? Heisst, das annehmen, nicht (wieder) zweierlei? Einmal bezeichnet es eine hypothetische psychologische Disposition; einmal den Akt des Denkens, Ausdrückens, jenes Satzes // des Satzes “das Haus wird nicht einstürzen”//. Im ersten Sinne ist das Kriterium dafür dass ich jene Annahme mache // das annehme// das, was ich sonst sage, fühle und tue; im andern Sinn, dass ich einen Satz sage, der wieder ein Glied einer Rechnung // Kalkulation// ist. Nun sagt man: Du musst aber doch einen Grund haben, das anzunehmen, sonst ist die Annahme ungestützt und wertlos (erinnere Dich daran, dass wir zwar auf der Erde stehen, die Erde aber nicht wieder auf irgend etwas; und Kinder glauben, sie müsse fallen, wenn sie nicht gestützt ist). Nun, ich habe auch Gründe zu meiner Annahme. Sie lauten etwa: dass das Haus schon jahrelang gestanden hat, aber nicht so lang, dass es schon baufällig sein könnte, etc.etc..    Was   ein Grund    wofür   ist (Was als Grund wofür gilt), kann von vornherein angegeben werden und beschreibt // bestimmt// einen Kalkül, in welchem // dem// eben das eine ein Grund des andern ist. Soll aber nun ein Grund für diesen ganzen Kalkül gegeben werden, so sehen wir, dass er fehlt. Fragt man aber, ob der Kalkül also eine willkürliche Annahme ist, so ist die Antwort, dass er so wenig ist, wie die Furcht vor dem Feuer oder einem wütenden Menschen, der sich uns nähert.
            Wenn man nun sagt: gewiss sind doch die Regeln der Grammatik,
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nach denen wir vorgehen und operieren, nicht willkürlich; so müsste man zur Antwort fragen: Gut also, warum denkt denn ein Mensch wie er denkt? warum geht er denn durch diese Denkhandlungen? (gefragt ist hier natürlich nach den    Gründen  , nicht Ursachen). Nun, da lassen sich Gründe in dem Kalkül angeben; und ganz zum Schluss ist man dann versucht zu sagen: “es ist eben sehr wahrscheinlich, dass sich das Ding jetzt so verhalten wird, wie es sich immer verhalten hat” //…dass das Ding jetzt das gleiche Verhalten zeigen wird, das es immer gezeigt hat”//, — oder dergleichen. Eine Redensart, die den Anfang des Raisonnements verhüllt und hier // an diesem Anfang// eine ähnliche Rolle spielt, wie der Schöpfer am Beginn // Anfang// der Welt, der // welcher// zwar in Wirklichkeit nichts erklärt, aber ein einen den Menschen acceptabler acceptablen Anfang ist. macht.
            Das, was so schwer einzusehen ist, ist, dass,    solange   wir ein Wahr-Falsch-Spiel spielen // dass,    solange   wir im Bereich der Wahr-
Falsch-Spiele bleiben //, eine Aenderung der Grammatik uns nur von einem solchen ˇSpiel zu einem andern führen kann, aber nicht von etwas Wahrem zu etwas Falschem. Und wenn wir anderseits aus dem Bereich dieser Spiele heraustreten, so nennen wir es eben nicht mehr Grammatik, und zu einem Widerspruch mit der Wirklichkeit kommen wir wieder nicht.

     

            Denken wir uns die Tätigkeit in einem Haus, in einer Werkstätte. Da wird gehobelt, gesägt, gestrichen, etc.etc.; und ausserdem gibt es da eine Tätigkeit, die man ‘rRechnen’ nennt, und die sich scheinbar von allen den andern unterscheidet // von allen diesen unterscheidet//, besonders, was den // ihren// Grund anbelangt. Wir machen da etwa ein Bild, die Tätigkeit des Rechnens (Zeichnens, etc.) verbindet Teile der andern Tätigkeit. Er setzt aus, rechnet etwas, dann misst er und arbeitet mit dem Hobel weiter. Er setzt auch manchmal aus, um das Hobelmesser zu schleifen; aber ist
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diese Tätigkeit analog der andern des Kalkulierens? — “Aber Du glaubst doch auch, dass mehr Kessel explodieren würden // mehr Kesselexplosionen wären //, wenn die Kessel nicht berechnet würden”. “Ja, ich glaube es; — aber was will das sagen?” Folgt daraus, dass weniger    sein   werden? Und was ist denn die Grundlage dieses Glaubens?
            Wenn man nun nach dem Grund einer einzelnen Denkhandlung (Kalkülhandlung) fragt, so erhält man als Antwort die Auseinandersetzung eines Systems dem die Handlung angehört.
     
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            Angenommen, wir lassen die Uebersetzung in die Gebärdensprache fort; zeigt es sich dann in der Anwendung (ich meine, in den grammatischen Regeln der Anwendung), dass diese Uebersetzung möglich ist?
     
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            Und kann es sich nur zeigen, dass die    möglich   ist, oder auch, dass sie notwendig ist?
            Wenn sie    notwendig   ist, so heisst das, dass die Sprache vermittels des roten Täfelchens in irgend einem Sinn notwendig ist; und nicht gleichberechtigt der Wortsprache.

     

            Aber wie könnte das sein? denn dann wären ja die hinweisenden Erklärungen überflüssig: das heisst aber schon, implicite in den andern enthalten. Wie kann denn eine Regel eines Spiels überflüssig ˇsein,    wenn   es eben    das   Spiel sein soll, was auch durch    diese   Regel charakterisiert wird.
     

            Der Mein Fehler besteht hier immer wieder darin, dass ich vergesse dass erst    alle   Regeln das Spiel, die Sprache, charakterisieren, und dass diese Regeln nicht einer Wirklichkeit verantwortlich sind, so dass sie von ihr kontrolliert würden, und so dass man von einer Regel bezweifeln könnte, dass sie notwendig, oder richtig, wäre. (Vergleiche das Problem der Widerspruchsfreiheit der Nicht-euklidischen Geometrie.)

     

            Die Grammatik ist keiner Wirklichkeit verantwortlich.

     

            (Die Grammatik ist der Wirklichkeit nicht Rechenschaft schuldig.)
     
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             diese hinweisende Erklärung mit den übrigen Regeln der Verwendung des Worts kollidieren?
     

            Denn eigentlich ja Regeln nicht kollidieren, ausser sie widersprechen einander. Denn im Uebrigen bestimmen sie ja eine Bedeutung, und sind nicht einer verantwortlich, so dass sie ihr widersprechen könnten.
     
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            Eine Sprache ist, was sie ist, und eine andere Sprache ist nicht    diese   Sprache. Ich gebrauche also die Nummern des Musterkataloges anders, als die Wörter “rot”, “blau”, etc..
     
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            Es kann keine Diskussion darüber geben, ob diese Regeln oder andere die richtigen für das Wort ‘nicht’ sind.? Denn das Wort hat ohne diese die Regeln noch keine Bedeutung, und wenn wir die Regeln ändern, so hat es nun eine andere Bedeutung (oder keine) und wir können dann ebensogut auch das Wort ändern. Daher sind diese Regeln willkürlich, weil die Regeln erst das Zeichen machen.
     
Ts-212,695



            Das einzige Korrelat, in der Sprache, zu einer Naturnotwendigkeit ist eine willkürliche Regel. Sie ist das einzige, was man von dieser Notwendigkeit in Sätze // einen Satz // abziehen kann.
     
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            Wenn man fragt “warum gibst Du Eier in diesen Teig”, so ist die Antwort etwa “weil der Kuchen dann besser schmeckt”. Also, man hört // erfährt// eine Wirkung und sie wird als Grund gegeben.
            Wenn ich dem Holzblock eine bestimmte Form geben will, so ist der Hieb der richtige, der diese Form erzeugt. — Ich nenne aber nicht das Argument das richtige, das die erwünschten Folgen hat. Vielmehr nenne ich die Rechnung falsch, obwohl // auch wenn// die Handlungen, die dem Resultat entspringen, zum gewünschten Ende geführt haben. (“Ich mach' den Haupttreffer, und er will mich belehren!”) Das zeigt, dass die Rechtfertigungen in den beiden Fällen verschiedene sind, und also “Rechtfertigung” verschiedenes in beiden bedeutet. In einem Fall kann man sagen: “Wart' nur, Du wirst schon sehen, dass das Richtige (d.h. hier: Gewünschte) herauskommt”; im andern ist dies keine Rechtfertigung.
            Wenn man nun von der Willkürlichkeit der grammatischen Regeln spricht, so kann das nur bedeuten, dass es die Rechtfertigung, die    in   der Grammatik als solche gilt, nicht    für   die Grammatik gilt. Und wenn
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man das Rechnen und // aber// nicht das Kochen dem Spiel vergleicht, ?—so ist es eben aus aus eben diesem Grunde—?. Das ist aber auch der Grund, warum man das Kochen keinen Kalkül nennen würde. Wie ist es aber mit dem Aufräumen eines Zimmers, oder dem Ordnen eines Bücherschrankes, — oder dem Stricken eines bestimmten Musters? Diese Dinge kommen dem Spiel in irgendeiner Weise nä-
her. Ich glaube, der Grund, warum man das Kochen kein Spiel zu nennen versucht ist, ist der: es gibt natürlich auch für das Kochen Regeln, aber “Kochen” bezeichnet nicht wesentlich eine Tätigkeit nach diesen Regeln, sondern eine Tätigkeit, die ein bestimmtes Resultat hat. Es ist z.B. ˇetwa eine Regel, dass man Eier 3 Minuten lang kocht, um weiche Eier zu erhalten; wird aber durch irgend welche Umstände das gleiche Ergebnis durch 5 Minuten langes Kochen erreicht, so sagt man nun nicht “das heisst dann nicht ‘weiche Eier kochen’”. Dagegen heisst “Schachspielen” nicht die Tätigkeit, die ein bestimmtes Ergebnis hat, sondern dieses Wort bedeutet eine Tätigkeit, die nach gewissen Regeln ausgeführt wird. Die Regeln der Kochkunst hängen mit der Grammatik des Wortes “kochen” anders zusammen, als die Regeln des Schachspiels mit der Grammatik des Wortes “Schach spielen” und als die Regeln des Multiplizierens mit der Grammatik des Wortes “multiplizieren”.
            Die Regeln der Grammatik sind so (d.h. in demselben Sinne) willkürlich, & in demselben Sinne nicht willkürlich wie die Wahl einer Masseinheit. Aber das kann doch nur heissen, dass sie von der Länge des Zzumessenden unabhängig ist. Und dass nicht die Wahl der einen Einheit ‘wahr’, der andern ‘falsch’ ist, wie die Angabe der Länge wahr oder falsch ist. Was natürlich nur eine Bemerkung über die Grammatik des Wortes “Längeneinheit” ist.
            Man ist versucht, die Regeln der Grammatik durch Sätze zu rechtfertigen von der Art: “Aber es gibt doch wirklich 4 primäre Farben”; und gegen die Möglichkeit dieser Rechtfertigung, die nach dem Modell der Rechtfertigung eines Satzes durch (den?) Hinweis auf seine Verifikation gebaut ist, richtet sich das Wort, dass die Regeln der Grammatik willkürlich sind.
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            Kann man aber nicht doch in irgend einem Sinne sagen, dass die Grammatik der Farbwörter die Welt, wie sie tatsächlich ist, charakterisiert? Man möchte sagen: kann ich nicht wirklich vergebens einer nach einer fünften primären Farbe suchen? (Und wenn man suchen kann, dann ist ein Finden denkbar.) Nimmt man nicht die primären Farben zusammen, weil sie eine Aehnlichkeit haben, oder zum mindesten die Farben, im Gegensatz z.B. von // zu den// Formen oder Tönen, weil sie eine Aehnlichkeit haben? Oder habe ich, wenn ich diese Einteilung der Welt als die richtige hinstelle, schon eine vorgefasste Idee als Paradigma im Kopf? Von der ich dann etwa nur sagen kann: “ja, das ist die Weise // Art//, wie wir die Dinge betrachten”, oder “wir wollen eben ein solches Bild (von der Wirklichkeit) machen”. Wenn ich nämlich sage: “die primären Farben haben doch eine bestimmte Aehnlichkeit miteinander” — woher nehme ich den Begriff dieser Aehnlichkeit? D.h.: habe ich hier eine Funktion “x ähnlich mit y”, in die ich die Farben als Argumente einsetzen kann? Ist nicht so, wie der Begriff “primäre Farbe” nichts andres ist, als “blau oder rot oder grün oder gelb”, — auch der Begriff jener Aehnlichkeit nur durch die vier Farben gegeben? Ja, sind sie nicht die gleichen! — “Ja, könnte man denn auch rot, grün und kreisförmig zusammenfassen?” — Warum nicht?!
            Die Wichtigkeit in einem Spiel liegt darin, dass wir dieses Spiel spielen. Dass wir    diese   Handlungen ausführen. Es verliert seine Wichtigkeit nicht dadurch, dass es selbst nicht wieder eine Handlung in einem andern (übergeordneten) Spiel ist.
             Warum nenne ich die Regeln des Kochens nicht willkürlich; und warum bin ich versucht, die Regeln der Grammatik willkürlich zu nennen? Weil das ‘Kochen’ durch seinen Zweck definiert ist, dagegen der Gebrauch der Sprache nicht. Darum ist der Gebrauch der Sprache in einem gewissen Sinne autonom, in dem das Kochen und Waschen es nicht ist. Denn, wer sich beim Kochen nach andern als den richtigen Regeln richtet, kocht schlecht; aber wer sich nach andern Regeln als denen des Schach richtet, spielt    ein anderes Spiel   und wer sich nach andern grammatischen Regeln richtet, als den
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und den, spricht darum nichts Falsches, sondern etwas von etwas Anderem.
     
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            Könnte ich den Zweck der grammatischen Konventionen dadurch beschreiben, dass ich sagte, ich müsste sie machen, weil etwa die Farben gewisse Eigenschaften haben, so wären damit diese Konventionen überflüssig, denn dann könnte ich eben das sagen, was die Konvention gerade ausschliessen. Umgekehrt, wenn die Konventionen nötigb waren, also gewisse Kombinationen der Wörter als unsinnig ausgeschlossen werden mussten, dann kann ich eben darum nicht eine Eigenschaft der Farben angeben, die die Konventionen nötig machte, denn dann wäre es denkbar, dass die Farben diese Eigenschaft nicht hätten und das könnte nur entgegen den Konventionen ausgedrückt werden.
     
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            Ich nenne die Regel der Darstellung keine Konvention, die sich durch Sätze rechtfertigen lässt, Sätze, welche das Dargestellte beschreiben und zeigen, dass die Darstellung adäquat ist. Die Konventionen der Grammatik lassen sich nicht durch eine Beschreibung des Dargestellten rechtfertigen. Jede solche Beschreibung setzt schon die Regeln der Grammatik voraus. D.h., was in der zu rechtfertigenden Grammatik als Unsinn gilt, kann in der Grammatik der rechtfertigenden Sätze auch nicht als Sinn gelten, u.u.