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Kann man denn etwas Anderes als einen Satz verstehen?
Oder: Ist es nicht erst ein Satz, wenn man es versteht.
Also:
Kann man etwas anders, als als Satz verstehen?
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Man könnte davon reden “einen Satz zu erleben”.
Lässt sich dieses Erlebnis niederschreiben?
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Da ist es wichtig, dass es in einem gewissen Sinne
keinen halben Satz gibt.
Das heisst, vom halebn Satz gilt, was vom Wort gilt, dass es
nur im Zusammenhang des Satzes Sinn // Bedeutung // hat.
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Das Verstehen fängt aber erst mit dem Satz an.
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Wie es keine Metaphysik gibt, so gibt es keine Metalogik.
Das
Wort “Verstehen”, der Ausdruck “einen Satz verstehen”, ist auch nicht me-
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talogisch, sondern ein Ausdruck wie jeder andre der Sprache.
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Wir haben es also mit dem Verstehen des Satzes
nicht zu tun; denn wir selbst müssen ihn verstehen, dass er für uns ein Satz
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ist.
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Es wäre ja auch seltsam, dass die Wissenschaft und
die Mathema- tik die Sätze gebraucht, aber von ihrem Verstehen nicht spricht.
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Man sieht in dem Verstehen das Eigentliche, im Zeichen das Neben- sächliche. —
Uebrigens, wozu dann das Zeichen überhaupt? —
Nur um sich Andern
verständlich zu machen?
Aber wie ist das überhaupt möglich. —
Hier wird das
Zeichen als eine Art Medizin behandelt betrachtet // angesehen //, dass im [a|A]ndern die
gleichen Magenschmerzen hervorrufen soll, wie ich sie habe.
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Auf die Frage “was meinst du”, muss zur Antwort kommen:
p;
und nicht “ich meine das, was ich mit ‘p’ meine”.
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Die gesamte Sprache kann nicht missverstanden werden.
Denn
sonst gäbe es zu diesem Missverständnis wesentlich keine Erklärung Aufklärung.
Das heisst eben, die ganze Sprache muss für sich selbst spre- chen.
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Man kann es auch so sagen: wenn man sich immer in einem Sprach- system ausdrückt und also, was ein Satz meint, nur durch Sätze dieses
Systems erklärt, so fällt am Schluss die Meinungn ganz aus der Sprache,
also aus der Betrachtung, heraus und es bleibt die Sprache das Einzige,
was wir betrachten können.
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// Gesprochenes // kann man nur durch die Sprache er- klären, darum kann man die Sprache
ˇin diesem Sinne nicht erklären.
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Ich will doch sagen: Die ganze Sprache kann man nicht int[r|e]r- pretieren.
Eine Interpretation ist immer nur eine im Gegensatz zu
einer and andern.
Sie hängt sich an das Zeichen und reiht es in ein
weiteres System ein.
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Alles was ich in der Sprache tun kann, ist etwas sagen:
das eine sagen.
(Das eine sagen im Raume dessen, was ich hätte sagen können.)
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Wenn Frege gegen die formale Auffassung der Arithmetik spricht,
so sagt er gleichsam immer: diese kleinlichen Erklärungen, die Symbole
betreffend, sind müssig, wenn wir diese verstehen.
Und das Verstehen be- steht ist quasi im das Sehen eines Bildes, aus dem dann alle Regeln folgen (wo- durch sie verständlich werden).
Frege sieht aber nicht, dass dieses Bild
nur wieder ein Zeichen ist, oder ein Kalkül, der uns den
geschriebenen Kalkül erklärt.
Aber das Verständnis gleicht überhaupt (immer //sehr//) dem,
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welches wir für einen Kalkül kriegen, wenn wir seine Entstehung, oder
praktische Anwendung, kennen lernen.
Und natürlich lernen wir auch da wie- der nur eienen uns übersichtlichern Symbolismus statt des uns fremdern
kennen.
(Verstehen heisst hier übersehen.)
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Nun könnte man nämlich sagen: Wenn komplizierte Vorgänge beim
Verstehen des Wortes “und” eine Rolle spielen und das Verstehen etwas für uns
Wesentliches ist, wie kommt es, dass diese Vorgänge in der symbolischen Logik
nie erwähnt werden?
Wie kommt es, dass von ihnen in der Logik nie die Rede
ist, noch sein braucht?
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Im gewöhnlichen Leben, wenn ich jemandem einen Befehl
gebe, so ist es mir ganz genug , ihm Zeichen zu geben.
Und ich
würde nie sagen: das sind ja nur Worte, und ich muss hinter die Worte
dringen.
Ebenso, wenn ich jemand etwas gefragt hätte und er gibt mir
393
eine Antwort (also Zeichen), bin ich zufrieden — das war gerade, was ich
erwartete — und wende nicht ein: das ist ja eine blosse Antwort.
Es ist
klar, dass nichts anderes erwartet werden konnte und dass die Antwort
den Gebrauch der Sprache voraussetzte.
Wie alles, was zu sagen ist.
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Wenn man aber sagt “wie soll ich wissen, was er meint, ich sehe
ja nur seine Zeichen”, so sage ich: “wie so[o|l]l er er wissen, was er
meint, er hat ja auch nur seine Zeichen”.
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“Etwas habe ich aber doch gemeint, als ich das sag- te!”
Gut, — aber wie können wir, was es ist, herausbringen?
Doch wohl nur
dadurch, dass er es uns sagt.
Wenn wir nicht sein übriges Verhalten zum
Kriterium nehmen sollen, dann also das, was er uns erklärt.
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“Du hast mit der Hand eine Bewegung gemacht; hast Du etwas da- mit gemeint? —
Ich dachte, Du meintest, ich solle zu Dir kommen”.
Die Frage ist, ob man fragen darf, “ was hast Du gemeint”.
Auf diese Frage (aber) kommt ein Satz zur Antwort.
Während, wenn man so nicht
fragen darf, das Meinen — sozusagen — amorph ist.
Und “ich meine etwas mit
dem Satz” ist dann von derselben Form, wie: “der dieser Satz ist nützlich”, oder “die- ser Satz greift in mein Leben ein”.
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Könnte man aber antworten: “ich habe etwas mit dieser Bewegung
gemeint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken kann”?
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Wir unterscheiden doch Sprache, von dem, was nicht Sprache
ist.
Wir sehen Striche und sagen, wir verstehen sie, und andere, und sagen,
sie bedeuten nichts (oder, uns nichts).
Damit ist doch eine allgemeine Erfah- rung charakterisiert, die wir nennen könnten: “etwas als Sprache verstehen” —
ganz abgesehen davon, was wir aus dem gegebenen Gebilde herauslesen.
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Ich sehe eine deutsche Aufschrift und eine chinesische. —
Ist
die chinesische etwa ungeeignet etwas mitzuteilen? —
Ich sage, ich habe
[c|C]hinesisch nicht gelernt.
Aber das Lernen der Sprache fällt als [gr|bl]osse Ur- sache, Gesicht Geschichte, hera aus der Gegenwart heraus.
Nur auf seine
Wirkungen kommt es an, und die sind Phänomene, die eben nicht eintreten,
wenn ich das Chinesische sehe. // anschaue. //
(Warum sie nicht eintreten, ist
ganz gleichgültig.)
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den Worten
, die uns gesagt werden?
Kommt nicht das Erlebnis der
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mit dem Erlebnis des Hörens der Zeichen, wenn wir ‘die Sprache der Andern
verstehen’?
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Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir dies ebenso, wie, dass ich höre, was er sagt. // wie, dass ich, was er sagt, höre.//
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Denken wir an eine Chiffre: Ein Satz sei uns in der [c|C]hiffre ge- geben und auch der Schlüssel, dann ist uns natürlich, in gewisser Beziehung,
alles zum Verständnis der [c|C]hiffre gegeben.
Und doch würde ich, gefragt
“verstehst Du diesen Satz in der Chiffre”, etwa antworten: Nein, ich muss
ihn erst entziffern; und erst, wenn ich ihn z.B. ins Deutsche übertragen
hätte, würde ich sagen “jetzt verstehe ich ihn”.
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Wenn man hier die Frage stellte: “In welchem Augenblick der
Uebertragung (aus der Chiffre ins Deutsche) verstehe ich den Satz”, würde
man einen Einblick in das Wesen des Verstehens erhalten.
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Ich sage einen Satz “ich sehe einen schwarzen Kreis”; aber auf
die Worte // Wörter // kommt es doch nicht an; sagen // setzen // wir also
statt dessen “a b c d e”.
Aber nun kann ich nicht ohne weiteres mit diesem
Zeichen den oberen Sinn verbinden (es sei denn, dass ich “a b c d e” als
ei ein Wort auffasse und dies als Abkürzung des oberen Satzes).
Diese
Schwierigkeit ist doch aber sonderbar.
Ich könnte sie so ausdrücken: Ich
bin nicht gewöhnt statt ‘ich’ ‘a’ zu sagen und statt ‘sehe’ ‘b’, und statt
‘einen’ ‘c’, etc..
Aber damit meine ich nicht, dass ich, wenn ich daran ge- wöhnt wäre, mit dem Worte ‘a’ sofort das Wort ‘ich’ associieren würde; son- dern dass ich nicht gewöhnt bin ‘a’ an der Stelle von ‘ich’ zu gebrauchen —
in der Bedeutung von ‘ich’.
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“Ich sage das nicht nur, ich meine auch etwas damit”. —
Wenn man
sich überlegt was dabei in uns vorgeht, wenn wir Worte meinen (und
nicht nur sagen) so ist es uns, als wäre dann etwas mit diesen Worten gekup- pelt, während sie sonst leer liefen. —
Als ob sie gleichsam in uns eingrif
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Ich verstehe einen Befehl als Befehl, d.h., ich sehe in ihm
nicht sondern hat — sozusagen — einen Einfluss auf mich.
Ich reagiere auf einen Befehl (auch ehe ich ihn befolge) anders, als etwa auf eine Mitteilung oder Frage.
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Der Satz, wenn ich ihn verstehe, bekommt für mich Tiefe.
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Ich sage: Das Verstehen bestehe darin, dass ich eine bestimmte
Erfahrung habe. — —
Dass diese Erfahrung aber das Verstehen dessen ist — was
ich verstehe — besteht // liegt // darin, dass diese Erfahrung ein Teil
meiner Sprache ist.
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Man kann manchen Satz nur im Zusammenhang mit anderen
verstehen.
Wenn ich z.B. irgendwo lese “nachdem er das gesagt hatte, ver- liess er sie, wie am vorigen Tag”.
Wenn man mich fragt, ob ich diesen Satz
verstehe, wäre es nicht leicht darauf zu antworten.
Es ist ein deutscher
Satz und insofern verstehe ich ihn.
Ich wüsste, wie man diesen Satz etwa
gebrauchen könnte , ich könnte selbst einen Zusammenhang für ihn
erfinden.
Und doch verstehe ich ihn nicht so , wie ich ihn verstünde,
wenn ich das Buch bis zu dieser Stelle gelesen hätte.
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Was heisst es, ein gemaltes Bild zu verstehen?
Auch da gibt es Verständnis und Nichtverstehen.
Und auch hier kann ‘verstehen’ und ‘nicht verstehen’ verschie- denerlei heissen. —
Wir können uns ein Bild denken, das eine Anordnung von
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Gegenständen im dreidimensionalen Raum darstellen soll, aber wir sind für
einen Teil des Bildes unfähig, Körper im Raum darin zu sehen, sondern se- hen nur die gemalte Bildfläche.
Wir können dann sagen, wir verstehen die- se Teile des Bildes nicht.
Es kann sein, dass die räumlichen Gegenstände,
die dargestellt sind, uns bekannt, d.h. Formen sind, die wir aus der Anschau- ung von Körpern her kennen, es können aber auch Formen nach dem Bild dar- gestellt sein, die wir noch nie gesehen haben.
Und da gibt es wieder den
Fall, wo etwas — z.B. — wie ein Vogel aussieht, nur nicht wie einer, dessen
Art ich kenne, oder aber, wo ein räumliches Gebilde dargestellt ist, der- gleichen ich noch nie gesehen habe.
Auch in diesem diesen letzten Fall Fällen kann man
von einem Nichtverstehen des Bildes reden, aber in einem anderen Sinne als
im ersten Fall.
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Aber noch etwas: Angenommen, das Bild stellteten Menschen dar,
wäre aber klein und die Menschen darauf etwa einen Zoll lang.
Angenommen
nun, es gäbe Menschen, die diese Länge hätten, so würden wir sie in dem
Bild erkennen und es würde uns nun einen ganz andern Eindruck machen, obwohl
doch die Illusion der dreidimensionalen Gegenstände ganz dieselbe wäre.
Und
doch ist der dieser tatsächliche Eindruck, wie er da ist, unabhängig davon, dass
ich einmal Menschen in der gewöhnlichen Grösse, und nie Zwerge,
gesehen habe, wenn auch dies die Ursache des Eindrucks ist.
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Dieses Sehen der gemalten Menschen als Menschen (im Gegensatz
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etwa zu Zwergen) ist ganz analog dem // ebenso, wie das // Sehen des Bildes // der Zeichnung // als dreidimensionales Gebilde // … ganz analog dem Se- hen der Malerei als Gruppierung dreidimensionaler Gebilde//.
Wir können
hier nicht sagen, wir sehen immer dasselbe und fassen es nachträglich ein- mal als das eine und einmal als das andre auf, sondern wir sehen jedes Mal
etwas Anderes.
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Und so auch, wenn wir einen Satz mit Verständnis und ohne Ver- ständnis lesen.
(Erinnere Dich daran, wie es ist, wenn man einen Satz mit
falscher Betonung liest, ihn daher nicht versteht und nun <//>endlich // darauf
kommt, wie er zu lesen ist.)
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(Beim Lesen einer schleuderhaften Schrift kann man erkennen, was
es heisst, etwas in das gegebene Bild // Gebilde // hineinsehen. // … er- kennen, wie man etwas in das gegebene … //
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Wenn man eine Uhr abliest, so sieht man einen Komplex von Stri- chen, Flecken etc., aber auf ganz bestimmte Weise, wenn man ihn als Uhr
und Zeiger auffassen will.
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Wir könnten uns den Marsbewohner denken, der auf der Erde erst
nach und nach den Gesichtsausdruck der Menschen als solchen verstehen lern-
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te und den drohenden erst nach gewissen Erfahrungen als solchen empfinden
lernt.
Er hätte bis dahin diese Gesichtsform angeschaut // angesehen//, wie wir die Form eines Steins betrachten.
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Kann ich so nicht sagen: er lernt erst die [B|b]efehlende
Geste in einer gewissen Satzform verstehen?
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Chinesis[h|c]he Gesten verstehen wir so wenig, wie ch[e|i]nesische
Sätze.
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ein Korrelat der
Erklärung, nicht einer — etwa medizinischen — Beeinflussung.
Mit “Missverständnis” meine ich also wesentlich etwas, was sich
durch Erklärung beseitigen lässt.
Eine andere Nichtübereinstimmung nenne
ich nicht “Missverständnis”.
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Verständnis entspricht der Erklärung; so weit
es aber der Erklärung nicht entspricht, ist es unartikuliert und geht uns
deswegen nicht an; oder es ist artikuliert und entspricht dem Satz selbst,
dessen Verständnis wir beschreiben wollten.
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Wissen, was der Satz besagt, kann nur heissen: die Frage beant- worten können “was besagt er?”.
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Den Sinn eines Satzes verstehen // kennen//, kann nur heissen:
die Frage “was ist sein Sinn” beantworten können.
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Denn ist hier “Sinn haben” intransitiv gebraucht, so dass man al- so nicht den Sinn eines Satzes von dem eines anderen Satzes untersch[t|e]iden
kann, dann ist das Sinnhaben eine, den Gebrauch des Satzes begleitende, Ange- legenheit, die uns nicht interessiert.
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Das Triviale, was ich zu sagen habe ist, dass auf den Satz “ich
sage das nicht nur, ich meine etwas damit” und die Frage “was?”, ein
weiterer Satz, in irgendwelchen Zeichen, zur Antwort steht.
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Aber man kann fragen: ist denn das Verständnis nicht
etwas anderes, als der Ausdruck des Verständnisses?
Ist es nicht so, dass
der Ausdruck des Verständnisses eben ein unvollkommener Ausdruck ist?
Das
heisst doch wohl, ein Ausdruck, der wesentlich etwas auslässt, was wesent- lich unausdrückbar ist.
Denn sonst könnte ich ja eben einen besseren fin- den.
Also wäre der Ausdruck ein vollkommener Ausdruck . ---
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Es ist eine Auffassung, dass er Einer gleichsam nur unvollkommen zeigen
kann, ob er verstanden hat.
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Dass er gleichsam nur immer aus der Ferne darauf deuten, auch
sich ihm nähern, es aber nie mit der Hand berühren // ergreifen // kann.
Und
das Letzte immer ungesagt bleibt // bleiben muss//.
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Man will sagen: Er versteht es zwar ganz, kann dies aber
nicht ganz zeigen, da er sonst schon tun müsste, was ja erst in Befolgung
des Befehls geschehen darf.
So kann er es? also nicht zeigen, dass er es ganz
versteht.
D.h. also, er weiss immer mehr, als er zeigen kann.
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Man möchte sagen: er ist mit seinem Verständnis bei der Tat- sache // bei der Ausführung//, aber die Erklärung kann nie die Ausfüh- rung enthalten.
Aber das Verständnis enthält nicht die Ausführung, sondern ist
nur das Symbol, das bei der Ausführung übersetzt wird.
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((Die Schwierigkeit ist, die Grammatik des Wortes
“meinen” klar zu sehen.
Aber der Weg dazu ist nur der über die Antwort auf
die Frage “welches ist das Kriterium dafür, dass wir etwas so meinen”
und welcher Art ist der Ausdruck, den dieses “ so ” vertritt.
Die Ant- wort auf die Frage “wie ist das gemeint” stellt die Verbindung zwischen
zwei sprachlichen Ausdrücken // zwischen zwei Sprachen // her.
Also fragt
auch die Frage nach dieser Verbindung.
Der Gebrauch der Hauptwörter “Sinn”,
“Bedeutung”, “Auffassung” und anderer Wörter verleitet uns, zu glauben,
dass dieser Sinn etc. dem Zeichen so gegenübersteht, wie das Wort, der Na- me, dem Ding, das sein Träger ist.
So dass man sagen könnte: “der Pfeil
hat eine ganz bestimmte Bedeutung, ist in einer ganz bestimmten Weise ge- meint, die ich nur [v|f]aute de mieux wieder durch ein Zeichen ausdrücken
muss”.
Die Meinung, die Intention wäre quasi seine Seele, die ich am lieb-
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303
Was die Erklärung des Pfeiles betrifft, so ist es
klar, dass man sagen kann: “Dieser Pfeil bedeutet // sagt // nicht, dass Du
dorthin (mit der Hand zeigend) gehen sollst, sondern dahin.” —
Und ich würde
diese Erklärung natürlich verstehen. —
“Das müsste man (aber) dazuschreiben”.
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Das Verständnis eines Satzes kann nur die Bedingung dafür
sein, dass wir ihn anwenden können.
D.h., es kann nichts sein, als diese die Bedingung und es muss die Bedingung der Anwendung sein.
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Wenn “einen Satz verstehen” heisst, in gewissem Sinn nach ihm
handeln, dann kann das Verstehen nicht die Bedingung dafür sein, dass wir
nach ihm handeln.
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Das Verstehen einer Beschreibung kann man, mit dem
Zeichnen eines Bildes nach dieser Beschreibung vergleichen.
(Und hier ist
wieder das Gleichnis ein besonderer Fall dessen, wofür es ein Gleichnis
ist.)
Und es würde wird auch in vielen Fällen als der Beweis des Verständnisses
aufgefasst.
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Ich verstehe dieses Bild genau, ich könnte es in Ton kneten . —
Ich verstehe diese Beschreibung genau, ich könnte eine Zeichnung nach ihr
machen.
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Man könnte es? in gewissen Fällen geradezu als Bedingung des
Verstehens setzen, dass man den Sinn des Satzes muss zeichnen können. —
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Es ist sehr sonderbar: Das Verstehen einer Geste
möchten wir durch ihre Uebersetzung in Worte erklären // Wir sind versucht
das Verstehen einer Geste …//, und das Verstehen von Worten durch Gesten. // Es ist sehr sonderbar: Wir sind versucht, das
Verstehen einer Geste durch, ihr entsprechende, Worte , und das
Verstehen von Worten durch, diesen entsprechende Gesten. //
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Und wirklich werden wir Worte durch eine Geste und eine Geste
durch Worte erklären.
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Wenn man mir sagt “bringe eine gelbe Blume” und ich stelle mir
vor, wie ich eine gelbe Blume hole, dass ich den Be- fehl verstanden habe.
Aber ebenso, wenn ich ein Bild des Vorgangs malte. —
Warum?
Wohl, weil ich das, was ich tue, mit Worten des Befehls beschrieben wer- den muss.
Oder soll ich sagen, ich habe tatsächlich einen (dem ersten) ver- wandten Befehl ausgeführt.
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Nun ist die Frage: Muss ich wirklich in so einem Sinne das Zei- chen verstehen, um etwa darnach handeln zu können? —
Wenn jemand sagt: “ge- wiss! sonst wüsste ich ja nicht, was ich zu tun habe”, so würde ich antwor- ten: “Aber es gibt ja keinen Uebergang vom Wissen zum Tun.
Und keine prinzi- pielle Rechtfertigung dessen, dass es das war, was dem Befehl entsprach”.
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Was heisst dann also der Satz: “Ich muss den Befehl verstehen,
ehe ich nach ihm handeln kann”?
Denn dieser Satz // dies zu sagen, // hat
natürlich einen Sinn.
Aber gewiss // jedenfalls // wieder keinen metalogi-
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Die Idee, die man von dem Verstehen hat, ist etwa, dass man
dabei von dem Zeichen näher an die verifizierende Tatsache kommt, etwa
durch die Vorstellung.
Und wenn man auch nicht wesentlich, d.h. logisch,
näher kommt, so ist doch etwas an der Idee richtig, dass das Verstehen in
dem Vorstellen der Tatsache besteht.
Die Sprache der Vorstellung ist in
dem gleichen Sinne wie die Gebärdensprache primitiv.
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“Aber ich muss doch einen Befehl verstehen, um nach ihm handeln zu
können”.
Hier ist das ‘muss’ verdächtig.
Wenn das wirklich ein Muss ist —
ich meine — wenn es ein logisches Muss ist, so handelt es sich hier um ei- ne grammatische Anmerkung.
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Auch wäre da die Frage möglich: Wie lange vor dem Befolgen musst
Du denn den Befehl verstehen?
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Es kann keine notwendige Zwischenstufe zwischen dem Auffassen
eines Befehls und dem Befolgen geben.
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Wenn das Verstehen eine notwendige Vorbereitung des Folgens
war, so muss es dem Zeichen etwas hinzugefügt haben; aber etwas, was je- denfalls nicht die Ausführung war. Kann m
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Wenn gesagt würde, dass der, der den Befehl erhält, eben ausser
den Worten Vorstellungen erhält, die der Ausführung des Befehls ähnlich
sind, (während es die Worte nicht seien sind) so gehe ich noch weiter und nehme
an, dass der Befehl dadurch gegeben wird, dass wir den Andern die Bewegun- gen, die er etwa in 5 Minuten ausführen soll, jetzt durch mechanische Beein- flussung (etwa indem wir seine Hand führen) auszuführen veranlassen; und
näher kann ich doch wohl der Ausführung des Befehls im Ausdruck des Befehls
nicht kommen.
Dann haben wir die Aehnlichkeit der Vorstellung durch eine
viel grössere (Aehnlichkeit) ersetzt.
Und der Weg vom Symbol zur Wirklich- keit scheint hier nun sehr verkürzt zu sein.
(Ebenso könnte ich, um zu beschrei- ben, in welcher Stellung ich mich bei der und der Gelegenheit befunden habe,
diese Stellung einnehmen.)
Es ist damit auch gezeigt, dass das Vorkommen von Phantasiebil- dern, // sogenannten Vorstellungen // für den Gedanken ganz unwesentlich ist.
// Es ist damit auch das Unwesentliche der Phantasiebilder für den Gedanken
gezeigt. //
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Ich könnte auch sagen: Es scheint uns, als ob, wenn wir
den Befehl —
z.B. — verstehen, wir etwas hinzufügen, was die Lücke
füllt.
Sodass wir dem, der <(>uns?<)> sagt “aber Du verstehst ihn ja” antworten kön- nen: Ja, aber nur, weil ich noch etwas hinzufüge: [D|d]ie Deutung nämlich.
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Nun müsste man allerdings darauf sagen: Aber was veranlasst Dich
denn zu gerade dieser der Deutung?
Ist es der Befehl, dann war er ja schon
eindeutig, da er nur diese Deutung befahl.
Oder, hast Du die Deutung willkür- lich hinzugefügt — , dann hast Du ja auch den Befehl nicht verstanden, son- dern erst das, was Du aus ihm (auf eigene Faust) gemacht hast.
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Eine ‘Interpretation’ ist doch wohl etwas, was in Worten gegeben
wird!
Es ist diese Interpretation im Gegensatz zu einer anderen (die an- ders lautet). —
Wenn man also sagt “jeder Satz bedarf noch einer Interpreta- tion”, so hiesse das: kein Satz kann ohne einen Zusatz verstanden werden[:|.]
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“Ich kann den Befehl nicht ausführen, weil ich nicht verstehe,
was Du meinst. —
Ja, jetzt verstehe ich Dich”.
Was ging da vor, als ich plötzlich den Andern Verstand?
Ich
konnte mich natürlich irren, und dass ich den Andern verstand, war eine
Hypothese.
Aber es fiel mir plötzlich eine Deutung ein, die mir einleuch- tete.
Aber war diese Deutung etwas anderes, als ein Satz einer Sprache?
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Es konnten mir auch vor diesem Verstehen mehrere Deutungen vor- schweben, für deren eine ich mich endlich entscheide.
Aber das Vorschweben
der Deutungen war das Vorschweben von Ausdrücken.
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Was heisst es: verstehen, dass etwas ein Befehl ist, wenn man
auch den Befehl selbst noch nicht versteht?
(“Er meint: ich soll etwas tun,
aber was er wünscht, weiss ich nicht.”)
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Deuten. —
Deuten wir denn etwas, wenn uns jemand einen Befehl
gibt? wir fassen auf, was wir sehen; oder: wir sehen, was wir sehen.
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Wenn mich jemand fragt: ‘wieviel Uhr ist es’, so geht in mir
dann keine Arbeit des Deutens vor.
Sondern ich reagiere unmittelbar auf das,
was ich sehe und höre.
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Denken wir uns einen Zerstreuten, der auf den Befehl “rechtsum”
sich nach links gedreht hätte und nun, “an die Stirne greifend”, sagte “ach
so — ‘rechtsum’!” und rechtsum machte.
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Ich deute die Worte; wohl; aber deute ich auch die Mienen?
Deute ich, etwa, einen Gesichtsausdruck als drohend? oder freundlich? —
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Wenn ich nun sag- te: Es ist nicht genug, dass ich das drohende Gesicht wahr neh- me, sondern ich muss es erst deuten.
Es zückt jemand das Messer und ich sage: “ich verstehe das als eine Drohung”.
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Kann man jemandem befehlen, einen Satz zu verstehen?
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Es ist merkwürdig, dass wir uns bei dem Gedanken, dass
es jetzt 3 Uhr sein dürfte, die Zeigerstellung (meist) gar nicht genau
oder überhaupt nicht vorstellen, sondern das Bild gleich- sam in einem Werkzeugkasten ˇder Sprache haben, aus dem wir wissen, das Werkzeug je- derzeit herausnehmen zu können, wenn wir es brauchen
—
Dieser Werkzeugkasten scheint mir die Grammatik mit ihren
Regeln zu sein.
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Es ist so, wie wenn ich mir im Werkzeugkasten der Sprache Werk- zeuge zum künftigen Gebrauc[g|h] herrichtete,.
Ein Werkzeug ist ja auch das
Abbild seines Zwecks.
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Was heisst es, zu sagen “ich sehe zwar kein Rot, aber wenn Du mir einen Farben- kasten gibst, so kann ich es dir darin zeigen”?
Wie kann man wissen , dass man
es zeigen kann, wenn …; dass man es also erkennen kann, wenn man es sieht?
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Ich sage: Hier ist zwar nichts [r|R]otes um mich, aber wenn hier
etwas wäre, so könnte ich es erkennen. —
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Es ist etwa dies mein Wörterbuch: , und ich übersetze darnach den
Satz bdca in fhge.
Nun habe ich, im gewöhnlichen Sinne, gezeigt, dass
ich den Gebrauch des Wörterbuchs verstehe und kann sagen, dass ich
auf gleiche Weise den Satz cdab übersetzen kann, wenn ich will. —
Wenn also
der Satz cdab ein Befehl ist, den entsprechenden Satz in der zweiten Sprache
hinzuschreiben, so verstehe ich diesen Befehl, wie ich etwa den Befehl ver- stehe,
!!!!!! Schritte zu gehen, wenn mir gezeigt wurde, wie die entspre- chenden Befehle mit den Zahlen
!, [II|!!], !!!, ausgeführt werden.
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Aber natürlich kann das nicht anders sein, als wenn ich
z.B. sage “ich will diesen Fleck rot anstreichen”, eine Vorstellung von
der Farbe habe und nun “ weiss ”, wie diese Vorstellung in die Wirk- lichkeit zu übersetzen ist.
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Ja, das ganze Problem ist schon darin enthalten: Was
heisst es, zu wissen, wie der Fleck aussähe, wenn er meiner Vorstellung
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Wenn ich aber die Vorstellung, die bei der Erwartung etc. im
Spiel ist, durch ein wirklich gesehenes Bild ersetzen will, so
etwa folgendes: Ich sollte einen dicken schwarzen Strich ziehen und
habe als Bild einen dünnen gezogen.
Aber die Vorstellung geht noch
weiter und sagt, sie weissa auch schon, dass der Strich dick sein soll.
So ziehe ich einen dicken, aber etwas blasseren Strich, aber die Vor- stellung sagt, sie weiss auch schon dass er nicht grau sondern schwarz sein soll. sollte.
(Ziehe ich aber den dicken schwarzen Strich, so ist das
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Etwas wissen, ist von der Art dessen, einen Zettel in der Lade mei- nes Schreibtisches zu haben, auf dem es aufgeschrieben steht ist.
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Augustinus, wenn er vom Lernen der Sprache redet, redet aus- schliesslich davon, wie wir den Dingen Namen beilegen, oder die Namen
der Dinge verstehen.
Hier scheint also das Benennen Fundament und Um-
und Auf, der Sprache zu sein.
Diese Auffassung des Fundaments der Spra- che ist offenbar äq[i|u]ivalent mit der, die die Erklärungsform “das ist…”
als fundamental auffasst. —
Von einem Unterschied der Worte redet
Augustinus nicht, meint also mit “Namen” offenbar Wörter, wie “Baum”,
“Tisch”, “Brot”, und gewiss die Eigennamen der Personen, dann aber
wohl auch “essen”, “gehen”, “hier”, “dort”; kurz, alle Wörter.
Gewiss
aber denkt er zunächst an Hauptwörter und an die
übrigen als etwas, was sich finden wird.
(Und Plato sagt, dass der Satz
aus Haupt- und Zeitwörtern besteht.)
Sie beschreiben eben das Spiel einfacher, als es ist.
Dieses Spiel kommt aber wohl in der Wirklichkeit vor.
Nehmen
wir etwa an, ich wolle aus Bausteinen ein Haus bauen, die mir ein And- rer zureichen soll, so könnten wir erst ein Uebereinkommen dadurch tref- fen, dass ich auf einen Stein zeigend sagte “dass ist eine Säule”, auf
einen andern zeigend “das ist ein Würfel”, — “das ist eine Platte” u.s.w.
Und nun bestünde die Anwendung im Ausrufen jener Wörter “Säule”, “Platte”,
etc. in der Reihenfolge Ordnung, wie ich sie brauche.
Und ganz ähnlich ist ja
das Uebereinkommen
und etwa eines, was mit Farben arbeiten würde.
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Ich will damit sagen: Augustinus beschreibt wirklich einen
Kalkül; nur ist nicht alles, was wir Sprache nennen, dieser Kalkül.
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(Und das muss mann in einer grossen Anzahl von Fällen
sagen, wo es sich fragt: ist diese Darstellung brauchbar oder unbrauch- bar.
Die Antwort ist dann: “ja, brauchbar; aber nur dafür , nicht
für das ganze Gebiet, das Du darzustellen vorgabst”.)
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12
Es ist also so, wie wenn jemand erklärte: “spielen
besteht darin, dass man Dinge, gewissen Regeln gemäss, auf einer Fläche
verschiebt …” und wir ihm antworteten: Du denkst da gewiss an die
Brettspiele, und auf sie ist Deine Beschreibung auch anwendbar.
Aber das
sind nicht die einzigen Spiele.
Du kannst also Deine Erklärung
richtig- stellen, indem Du sie ausdrücklich auf diese Spiele einschränkst.
(Man könnte also sagen, Augustinus stelle das Lernen der Spra- che // stelle die Sache // zu einfach dar; aber auch: er stelle eine ein- fachere Sache dar.
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(Wer das Schachspiel einfacher beschreibt — mit einfacheren Re- geln — als es ist, beschreibt damit dennoch ein Spiel, aber ein anderes.)
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Ich wollte eigentlich ursprünglich sagen: Wie Augustinus das Lernen der
Sprache beschreibt, kann uns zeigen, woher sich diese Auffassung über- haupt schreibt.
(Von welcher primitiven // Von welchem primi- tiven Bild //)
Man könnte den Fall mit dem einer Schrift vergleichen, in der
Buchstaben zum Bezeichnen von Lauten benützt würden, aber auch zur
Bezeichnung der Stärke und Schwäche der Aussprache und als Interpunktions
zeichen.
Fassen wir dann diese Schrift als eine Sprache zur Beschreibung
des Lautbildes auf, so könnte man sich denken, dass [e|E]iner diese Schrift
beschriebe, als entspräche einfach jedem Buchstaben ein Laut und als hät- ten die Buchstaben nicht auch ganz andere Funktionen. —
Und so einer —
zu einfachen — Beschreibung der Schrift gleicht Augustin's Beschreibung
der Sprache völlig.
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Man kann z.B. — für andre verständlich — von Kombina- tionen von Farben mit Formen sprechen (etwa der
Farben rot und blau mit den Formen Quadrat und Kreis) ebenso wie von
13
Kombinationen verschiedener Formen oder Körper.
Und hier haben wir die
Wurzel des irreleitenden Ausdrucks, die Tatsache sei ein Komplex von Ge- genständen.
Es wird also hier, dass ein Mensch krank ist, vergli- chen mit der Zusammenstellung zweier Dinge, wovon das eine der Mensch
ist, das andere die Krankheit repräsentiert.
hü- ten wir uns vor diesem Gleichnis, oder davor, zu vergessen, dass e[i|s] ein
Gleichnis ist.
Oder man muss sagen, es verhält sich hier mit dem Wort “Kombina- tion”, oder “Komplex”, wie mit dem Wort “Zahl”, das auch in verschiedenen
— mehr oder weniger logisch ähnlichen — Weisen (oder, wenn man will,
Bedeutungen) gebraucht wird.
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“Bedeutung” kommt von “[D|d]deuten”.
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Was wir Bedeutung nennen, muss mit der primitiven
Gebärden- (Zeige-) Sprache zusammenhängen.
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261
Nun ist aber dieses Kollation, wie, auch der Begriff
der Bedeutung ein Ueberbleibsel einer primitiven Anschauung.
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Wenn ich etwa die wirkliche Sitzordnung an einer Tafel nach einer
Aufschreibung kollationiere, so hat es einen guten Sinn, beim Lesen jedes Na- mens auf einen bestimmten Menschen zu zeigen.
S[i|o]llte ich aber etwa die Be- schreibung eines Bildes mit dem Bild vergleichen und ausser dem Personenver- zeichnis sagte die Beschreibung auch dass N den M küsst, so wüsste ich nicht,
worauf ich als Korrelat des Wortes ‘küssen’ zeigen sollte.
Oder, wenn etwa
stünde “A ist grösser als B”, worauf soll ich beim Wort “grösser” zeigen? —
Ganz offenbar kann ich ja gar nicht auf etwas diesem Wort entsprechendes in de[,|m]
Sinne zeigen, wie ich etwa auf die Person A im Bilde zeige.
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Es gibt freilich einen Akt “die Aufmerksamkeit auf die Grösse der
Personen richten”, oder auf ihre Tätigkeit, und in diesem Sinne kann man auch
das Küssen und die Grössenverhältnisse kollationieren.
Das zeigt, wie der all- gemeine Begriff der Bedeutung entstehen konnte.
Es geschieht da etwas Analo- ges, wie wenn das Pigment an Stelle der Farbe tritt.
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Die Wörter haben offenbar ganz verschiedene Funktionen im Satz.
Und diese Funktionen scheinen uns ausgedrückt in den Regeln, die von den
Wörtern gelten.
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Wie in einem Stellwerk mit Handgriffen die verschiedensten Dinge ausgeführt wer- den, so mit den Wörtern der Sprache, die Handgriffen entsprechen.
Ein Handgriff ist der
einer Kurbel und diese kann kontinuierlich verstellt werden; einer gehört zu einem
Schalter und kann nur entweder umgelegt oder aufgestellt werden; ein dritter gehört zu
einem Schalter, der 3 oder mehr Stellungen zulässt; ein vierter ist der Handgriff einer
Pumpe und wirkt nur, wenn er auf- und abbewegt wird etc.: aber alle sind Handgriffe,
werden mit der Hand angefasst.
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357
Vergleich der verschiedenen Arten von Linien // der Li- nien mit verschiedenen Funktionen // auf der Landkarte mit den Wortarten
im Satz.
Der Unbelehrte sieht eine Menge Linien und weiss nicht, dass sie
sehr verschiedene Bedeutungen haben.
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Denken wir uns den Plan eines Weges gezeichnet und mit
einem Strich durchstrichen, der anzeigen soll, dass dieser Plan nicht
auszuführen ist.
Auf dem Plan sind viele Striche gezogen, aber der, der
ihn durchstreicht, hat eine gänzlich andere Funktion als die anderen.
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67
Der Unterschied der Wortarten ist immer wie der Un- terschied der Spielfiguren, oder, wie der noch grössere, einer Spiel- figur und des Schachbrettes.
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Wir können in der alten Ausdrucksweise sagen: das Wesentliche
am Wort ist seine Bedeutung.
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Wir sagen: das Wesentliche am Wort ist seine Bedeutung; wir
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227
können das Wort durch ein anderes ersetzen, das die gleiche Bedeutung hat.
Damit ist gleichsam ein Platz für das Wort fixiert und mann kann ein Wort
für das andere setzen, wenn man es an den gleichen Platz setzt.
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Wenn ich mich entschlösse (in meinen Gedanken) statt
“rot” ein neues Wort zu sagen, wie würde es sich zeigen, dass dieses an
dem Platz des “rot” steht?
Wodurch ist die Stelle der Platz eines Wortes bestimmt?
Angenommen etwa, ich wollte auf einmal alle Wörter meiner Sprache durch
andere ersetzen, wie könnte ich wissen, welches Wort an der Stelle
welches früheren steht.
Sind es die Vorstellungen, die bleiben und
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344
den Platz des Wortes halten?
So dass an einer Vorstellung quasi ein
Haken ist, — und hänge ich an den ein Wort, so ist ihm damit dadurch der
Platz angewiesen?
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Man könnte z.B. ausmachen, im Deutschen statt, ‘nicht’, immer
220
‘not’ zu setzen und dafür statt ‘rot’ ‘nicht’.
So dass das Wort ‘nicht’ in
der Sprache bliebe und doch könnte man nun sagen, dass ‘not’ so gebraucht
wird, wie früher ‘nicht’, und dass jetzt ‘nicht’ anders gebraucht wird
als früher.
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178
Der Ort des eines Wortes in der Sprache ist seine Bedeutung.
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Man kann sagen, dass die Worte “der Träger des Namens ‘N’”
dieselbe Bedeutung haben wie der Name ‘N’. — also für einander einge- setzt werden können.
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Aber heisst es nicht dasselbe, zu sagen “zwei Namen haben
einen Träger” und “zwei Namen haben ein und dieselbe Bedeutung”?
(Morgenstern, Abendstern, Venus.)
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Wenn mit dem Satz “‘a’ und ‘b’ haben denselben Träger” ge- meint ist: “der Träger von ‘a’” bedutet dasselbe wie “der Träger von
‘b’”, so ist alles in Ordnung, weil das dasselbe heisst wie
a = b.
Ist aber mit dem Träger von ‘a’ etwa der Mensch gemeint, von dem es
sich feststellen lässt, dass er auf den Namen ‘a’ getauft ist;? oder
der Mensch, der das Täfelchen mit dem Namen ‘a’ um den Hals trägt; etc.,
so ist es garnicht gesagt, dass ich mit ‘a’ diesen Menschen meine, und
dass die Namen, die den gleichen Träger haben, dasselbe bedeuten.
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Aber zeigen wir nicht zur Erklärung der Bedeutung auf den Gegen- stand, den der Name vertritt?
Ja; aber dieser Gegenstand ist nicht die
Bedeutung, obwohl sie durch das Zeigen auf diesen Gegenstand bestimmt wird.
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“Wenn ich wir auch sage sagen, der Träger des Namens ist
nicht seine Bedeutung, so bestimmt doch der Träger die Bedeutung; und wenn
ich, auf ihn zeigend, sage [“|‘]das ist N’, so ist die Bedeutung von ‘N’ be- stimmt.”
Aber es bestimmt hier schon das richtige Verstehen des Wortes
‘Träger’ in dem besondern Fall (Farbe, Gestalt, Ton, etc.) die Bedeutung
bis auf eine letzte Bestimmung.
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Wenn ich sage “die Farbe dieses Gegenstands
heisst ‘violett’”, so muss ich die Farbe mit den ersten Worten “die Farbe
dieses Gegenstands” schon benannt haben, sie schon zur Taufe gehalten haben,
damit der Akt der Namengebung ?—das sein kann, was er ist—?.
Denn ich könnte
auch sagen “der Namen dieser Farbe (der Farbe dieses Dings) ist von Dir zu
bestimmen”, und der den Namen gibt, müsste nun schon wissen, wem er ihn gibt
(an welchen Platz der Sprache er ihn stellt).
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Ich könnte erklären:
die Farbe dieses Flecks heisst “rot”, die Form “Kreis”.
Und hier stehen die Wörter “Farbe” und “Form” für Anwendungsar- ten (grammatische Regeln) und sind // bezeichnen // in Wirklichkeit Wort- arten, wie “Eigenschaftswort”, “Hauptwort”.
Man könnte sehr wohl in der
(gewöhnlichen?) Grammatik neben diesen Wörtern die Wörter “Farbwort”, “Form- wort”, “Klangwort”, einführen.
(Dass aber nicht jemand einwendet: “warum
dann nicht auch ‘Baumwort’, ‘Buchwort’ und”!)
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Der Name, den ich einem Körper gebe, einer Fläche,
einem Ort, einer Farbe, hat jedes Mal andere Grammatik.
Der Name “a” in
“a ist gelb” hat eine andere Grammatik, wenn a der Name eines Körpers und
wenn es der Name einer Fläche eines Körpers ist; ob nun ein Satz “dieser
Körper ist gelb” sagt, dass die Oberfläche des Körpers gelb ist, oder dass
er durch und durch gelb ist.
“Ich zeige auf a” hat verschiedene Grammatik,
je nachdem a ein Körper, eine Fläche, eine Farbe ist etc..
Und so hat auch
das hinweisende Fürwort “dieser” andere Bedeutung (d.h. Grammatik), wenn
es sich auf Hauptwörter verschiedener Grammatik bezieht. // Hauptwörter
mit verschiedener Grammatik bezieht.//
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Man sagt dem Kind: “nein, kein Stück Zucker mehr!” und nimmt es
ihm weg.
So lernt das Kind die Bedeutung des Wortes ‘kein’.
Hätte man ihm mit denselben Worten ein Stück Zucker gereicht, so
hätte es gelernt, das Wort anders zu verstehen.
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Veranlassen wir es dadurch nicht, Worten einen Sinn beizule- gen, ohne dass wir sie durch ein anderes Zeichen ersetzen, also ohne die- sen Sinn auf andere Weise auszudrücken?
Veranlassen wir es nicht gleichsam,
für sich etwas zu tun, dem kein äusserer Ausdruck gegeben wird, oder wozu
der äussere Ausdruck nur im Verhältnis einer Hindeutung, eines Signals,
steht.
Die Bedeutung liesse sich nicht aussprechen, sondern nur auf sie von
ferne hinweisen.
Aber welchen Sinn hat es dann überhaupt, wenn wir von die- ser Bedeutung reden? Denken wir
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Gibt mir die Erklärung des Wortes die Bedeutung, oder verhilft
sie mir nur zur Bedeutung?
So dass also in der Erklärung
nicht niedergelegt wäre, sondern durch sie nur äusserlich bewirkt, wie die
Krankheit durch eine Speise.
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Das Problem äussert sich auch in der Frage: Wie erweist sich
ein Missverständnis?
Denn das ist dasselbe wie das Problem: Wie zeigt es
sich, dass ich richtig verstanden habe?
Und das ist: Wie kann ich die Bedeu- tung erklären?
Es fragt sich nun: Kann sich ein Missverständnis darin äussern,
dass, was der Eine bejaht, der Andere verneint?
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Nein, denn dies ist eine Meinungsverschiedenheit
und kann als solche aufrecht erhalten werden.
Bis wir annehmen , der
Andere habe Recht ….
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Wenn ich also, um das Wort “lila” zu erklären, auf einen Fleck
zeigend sage “dieser Fleck ist lila”, kann diese Erklärung dann auf zwei
Arten funktionieren?: einerseits als Definition, die den Fleck als Zeichen
229
gebraucht und anderseits als Erläuterung?
Und wie das letztere?
Ich müsste
annehmen, dass der Andere die Wahrheit sagt und dasselbe sieht, was ich se- he.
Der Fall, der wirklich vorkommt, ist der: A erzählt dem B in meiner Ge- genwart, dass ein bestimmter Gegenstand lila ist.
Ich höre das, habe den Ge- genstand auch gesehen und denke mir: “jetzt weiss ich doch, was ‘lila’
heisst”.
Das heisst, ich habe aus jenen Sätzen // jener Beschreibung // eine
Worterklärung gezogen.
Ich könnte sagen: Wenn das, was A dem B erzählt, die Wahrheit
ist, so muss das Wort ‘lila’ diese Bedeutung haben.
Ich kann diese Bedeutung also auch quasi hypothetisch annehmen
und sagen: wenn ich das Wort so verstehe, hat A [r|R]echt.
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Man sagt: “ja, wenn das Wort das bedeutet, so ist der Satz
wahr”.
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Nehmen wir an, die Erklärung der Bedeutung war nur eine Andeu- tung: konnte man da nicht sagen: Ja, wenn diese Andeutung so verstanden
wird, dann gibt das Wort in dieser Verbindung einen wahren Satz etc..
Aber
dann muss nun dieses “so” ausgedrückt sein.
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Die Erklärung eines Zeichens muss jede
Meinungsverschiedenheit im Bezug auf seine
Bedeutung beseitigen können.
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Das sind
Missverständnisse: “Ist
das eine
Orange? ich dachte das sei
eine”.
Kann man sagen: “Ist das rot? ich dachte, das
sei ein Sessel”
Aber kann man sich nicht einbilden (wenn man etwa nicht deutsch
)
“rot” heisse laut
(d.h. werde so gebraucht, wie
“laut” gebraucht wird).
Wie wäre aber die Aufklärung dieses
Missverständ- nisses?
Etwa so: “rot ist eine Farbe, keine
Tonstärke”? —
Eine solche Er- klärung könnte man natürlich geben, aber sie wäre nur
dem verständlich,
der sich bereits ganz in der Grammatik
auskennt.
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Der Satz “ist das rot? ich dachte, das sei ein
Sessel” hat nur
Sinn, wenn das Wort “das”
beide Male im gleichen Sinn gebraucht wird und
dann
muss ich entweder “rot” als
Substantiv, oder “ein Sessel” als Adjek- tiv
auffassen.
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Die
kann nur verstanden werden, wenn sie in
ei- ner Sprache gegeben wird, die unabhängig von dem
Missverständnis besteht.
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290
Ist es denn nicht denkbar, dass ein grammatisches
System
in der Wirklichkeit zwei (oder mehr) Anwendungen
hat.
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Ja, aber wenn wir das überhaupt sagen können, so müssen wir die
beiden
Anwendungen auch durch eine Beschreibung unterscheiden können.
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Zu sagen, dass das Wort “rot” mit
allen Vorschriften, die von ihm
gelten, das bedeuten könnte, was
tatsächlich das Wort “blau” bedeutet;
dass al- so durch diese Regeln die Bedeutung nicht
fixiert ist, hat nur einen Sinn, wenn
ich die beiden Möglichkeiten der
Bedeutung ausdrücken kann und dann sagen, wel- che die von mir
bestimmte ist.
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(Diese letztere Aussage ist aber eben die Regel, die vorher
zur Ein- deutigkeit gefehlt hat.)
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Die Grammatik erklärt die Bedeutung der Wörter, so- weit sie zu
erklären ist.
Und zu erklären ist sie soweit, als nach ihr zu fragen ist
; und
nach ihr fragen kann man soweit,
als sie zu erklären ist.
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Die Bedeutung kann nur das sein
, was wir in der Erklä- rung
ˇder Bedeutung eines Wortes erklären.
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“Das was ein cm3 Wasser wiegt, hat man
‘1 Gramm’ genannt”
—
“Ja, was wiegt er denn?”
(“Bedeutung eines
Wortes”).
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Wenn ich sage, das Symbol ist das, was diesen Effekt
hervorruft, so
fragt es sich eben, wie ich von diesem Effekt reden kann,
wenn er
(noch?) gar nicht da ist.
Und wie ich weiss, dass es
der ist,
den ich gemeint hab
habe , wenn er eintritt. kommt.
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Es ist darum keine Erklärung, zu sagen: sehr einfach,
wir
vergleichen die Tatsache mit unserem Erinnerungsbild, — weil
verglei- chen eine bestimmte Vergleichsmethode voraussetzt, die nicht
gegeben ist.
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Wie soll er wissen, welche Farbe er zu wählen hat, wenn er das
Wort
‘rot’ hört? —
Sehr einfach: er soll die Farbe nehmen, deren Bild ihm
beim
Hören des Wortes einfällt. —
Aber wie soll er wissen, was die ‘Farbe’
ist,
‘deren Bild ihm einfällt’?
Braucht es dafür ein weiteres Kriterium?
u.s.f..
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(Die psychologischen — tri[b|v]ialen —
Erörterungen über Erwartung, Association,
etc.
lassen immer das eigentlich Merkwürdige aus und man
merkt ihnen an, dass sie herumreden,
ohne den
vitalen Punkt zu
berühren.)
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Wenn ich Worte wählen kann, dass sie der Tatsache
— in irgendei- nem Sinne — passen, dann
muss ich also schon vorher einen Begriff dieses
Passens gehabt haben.
Und nun fängt das Problem von neuem an, denn, wie
weiss
ich, dass dieser
Sachverhalt dem Begriffe vom
Passen entspricht.
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Aber warum beschreibe ich dann die Tatsache gerade
so ?
Was
machte liess Dich
diese Worte sagen?
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Und wenn ich nun sagen würde: “alles was geschieht, ist
eben, dass
ich auf diese Gegenstände sehe und dann
diese Worte gebrauche”, so? wäre die
Antwort: “also besteht das Beschreiben in weiter
nichts? und ist es immer
eine Beschreibung, wenn
[e|E]iner …?”
Und darauf müsste ich sagen:
“Nein.
Nur kann ich den Vorgang nicht anders, oder doch nicht mit einer
anderen Mul- tiplizität beschreiben, als indem ich
sage: ‘ich beschreibe was ich sehe’;
und
darum ist keine Erklärung mehr möglich, weil mein Satz bereits
die
richtige // volle
// Multiplizität hat.”
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Ich könnte auch so fragen: Warum verlangst Du
Erklärungen?
Wenn
diese gegeben sein werden würden, wirst Du ja
doch wieder vor einem Ende stehen.
Sie
können Dich nicht weiterführen, als Du jetzt bist.
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In welchem Sinne sagt man, man kennt die Bedeutung des Wortes
A
noch ehe man den Befehl, in dem es vorkommt, befolgt hat?
Und in wiefern
kann man sagen, man hat die Bedeutung durch die
Befolgung des Befehls ken- nen gelernt?
Können die beiden Bedeutungen mit einander in Widerspruch
ste- hen?
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Ich wünsche, einen Apfel zu bekommen.
In welchem Sinne kann ich
sagen,
dass ich noch vor der Erfüllung des Wunsches die
Bedeutung des Wor- tes “Apfel” kenne?
Wie äussert sich denn die Kenntnis der
Bedeutung? d.h.,
was versteht man denn unter
ihr.
Offenbar wird das Verständnis des Wortes durch eine Worterklä- rung
gegeben; welche nicht die Erfüllung des Wunsches ist.
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Die Bedeutung ist eine Festsetzung, nicht Erfahrung.
Und da- mit nicht Kausalität.
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Was das Zeichen suggeriert, findet man durch Erfahrung.
Es
ist die Erfahrung, die uns lehrt, welche Zeichen am seltensten
missver- standen werden.
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Das Zeichen, soweit es suggeriert, also soweit es wirkt,
in- teressiert uns gar</>nicht.
Es i[j|n]teressiert uns nur als Zug in einem Spiel: Glied in
einem Syste[,|m], das selbständig
ist. //; das seine Bedeutung in sich selbst
hat //…, das selbstbedeutend
ist//
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Unsere Weise von den Wörtern zu reden, können wir durch das
beleuchten,
was Sokrates im
“Kratylos” sagt.
Kratylos: “Bei weitem und
ohne
rage ist es vorzüglicher, Sokrates, durch ein
Ähnliches darzu- stellen, was jemand darstellen will, als
durch das erste beste.” — Sokra- tes:
“Wohlgesprochen, …”.
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Es wäre charakteristisch für eine bestimmte irrige
Auffassung, wenn ein
Philosoph glaubte, einen Satz mit roter Farbe drucken
lassen zu müssen, da er erst so ganz das
ausdrücke, was der Autor
sagen will.
(Hier hätten wir die magische Auffassung der Zeichen statt
der logischen.)
(Das magische Zeichen würde wirken wie eine Droge, und für sie
wäre
die Kausalitätstheorie richtig // völlig
zureichend//.(
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Die Untersuchung, ob die Bedeutung eines Zeichens seine Wirkung
228
ist, ist auch eine grammatische
Untersuchung.
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Ich glaube, auf die kausale Theorie der Bedeutung kann man ein- fach
antworten, dass wir, wenn einer einen
Stoss erhält und umfällt,
das Umfallen nicht die
‘Bedeutung’ des Stosses
“nennen nennen .
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Die Verwendung des Plans ist eine Uebersetzung in
unsere Handlungen.
Eine Uebertragung in unsere Handlungen.
(Es ist klar, dass da kausale Zusammenhänge
gesehen werden,
aber es wäre komisch, die als das Wesen eines
Planes auszugeben.)
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Der Sinn der Sprache ist nicht durch ihren Zweck
bestimmt.
Oder: Was man den Sinn, die Bedeutung, in der Sprache nennt,
ist
nicht ihr Zweck.
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Es ist wirklich “the meaning of meaning” was
wir untersuchen:
Nämlich Oder die
Grammatik des Wortes “Bedeutung”.
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Jeder, der einen Satz liest und versteht sieht die
Worte // die
verschiedenen Wortarten //
207
?— inch verschiedener Weise, obwohl
sich ihr Bild und Klang der Art nach nicht
un- terscheidet.—?
Wir vergessen ganz, dass
‘nicht’ und ‘Tisch’ und
‘grün’ als Lau- te oder Schriftbilder betrachtet sich
nicht wesentlich voneinander unter- scheiden und sehen es nur klar in
einer uns fremden Sprache.
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Das ‘Nicht’ macht eine
abwehrende // verneinende //
Geste.
208
Das Verstehen der
Verneinung ist dasselbe, wie das Ver- stehen einer abwehrenden
Geste.
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Gefragt, was ich mit “und” im Satze “gib mir
das Brot und
die Butter” meine, würde ich mit
einer Gebärde antworten, und diese Gebär- de würde die
Bedeutung // würde, was ich meine //
illustrieren.
Wie das
grüne Täfelchen “grün” illustriert und wie
die W-F-Notation “und”,
“nicht”
etc. illustriert.
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Zur Grammatik gehört nur das nicht, was die Wahrheit
und Falschheit
eines Satzes ausmacht.
Nur darum kümmert sich die Grammatik
nicht.
Zu ihr gehören alle Bedingungen des Vergleichs des Satzes mit
der
Wirklichkeit den
Tatsachen.
Das heisst, alle Bedingungen des
Verständnisses,.
(Alle Be- dingungen des Sinnes.)
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Die Anwendung der Sprache geht über diese hinaus, aber nicht die
Deutung.
Die Deutung vollzieht sich noch im Allgemeinen, als Vorbereitung auf
jede Anwendung.
Sie geht in der Sprachlehre vor sich und nicht im
Gebrauch der Sprache.
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Soweit die Bedeutung der Wörter in der Tatsache (Handlung) zum
Vor- schein kommt, kommt sie (schon)
in der Beschreibung der Tatsache zum Vorschein.
(Sie wird also ganz in der Sprache
bestimmt.)
(In</>dem, was sich hat
voraussehen lassen; worüber man schon vor dem
Eintreffen der Tatsache
reden konnte.)
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Ist nicht der Grund, warum wir glauben, mit der hinweisenden
Er- klärung das Gebiet der Sprache, des Zeichensystems, zu verlassen,
dass wir
dieses Heraustreten aus den
Schrift zeichen mit einer Anwendung der
Sprache, etwa einer
Beschreibung dessen, was ich sehe, wir sehen,
verwechseln.
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Man könnte fragen wollen: Ist es denn aber ein Zufall,
dass ich
zur Erklärung von Zeichen, also zur
Vervollständigung des Zeichensystems, aus
291
den Schrift- oder
Lautzeichen heraustreten muss?
Trete ich damit nicht eben in
das Gebiet, in dem //
worin // sich dann das zu Beschreibende
// das Beschrie- bene // abspielt?
Aber dann ist // erscheint // es
seltsam, dass ich überhaupt
mit dem Schriftzeichen
etwas anfangen kann. —
Man fasst es (etwa) so auf,
dass die Schriftzeichen bloss die
Vertreter jener Dinge sind, auf die man
zeigt. —
Aber wie seltsam, dass so eine Vertretung
mög- lich ist.
Und es wäre nun das Wichtigste, zu verstehen, wie denn
Schrift- zeichen die andern Dinge vertreten
können .
Welche Eigenschaft müssen sie haben, die sie zu dieser Vertretung
befähigt.
Denn ich kann nicht sagen: statt Milch trinke ich Wasser und esse
statt Brot Holz, indem ich das Wasser die Milch und Holz das Brot
vertreten
lasse.
Ich kann nun freilich doch sagen, dass das
definiendum das defi- niens
vertritt; und hier steht dieses hinter jenem, wie die Wählerschaft
hin- ter ihrem Vertreter.
Und in diesem Sinne kann man auch sagen, dass das in
der
hinweisenden Definition erklärte Zeichen den Hinweis vertreten kann,
da man ja
diesen wirklich in einer Gebärdensprache für jenes setzen
könnte.
Aber doch
handelt es sich hier um eine Vertretung im Sinne einer
Definition, denn die
Gebärdensprache ist // bleibt
// eine Sprache
Ich möchte sagen: Von einem Befehl in der Gebärdensprache zu
sei- ner Befolgung ist es ebensoweit, wie von diesem Befehl in der
Wortsprache.
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Denn auch die hinweisenden Erklärungen müssen ein für allemal
ge- geben werden.
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D.h., auch sie gehören zu dem Grundstock von
Erklärungen, die den
Kalkül vorbereiten und nicht zu seiner Anwendung
ad hoc.
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Der falsche Ton in der Frage, ob es nicht primäre
Zeichen
(hinweisende Gesten) geben müsse, während unsre Sprache auch
ohne
die andern (Worte) die andern, die Worte,
auskommen könnte, liegt darin, dass man eine
Erklä- rung der bestehenden Sprache zu erhalten erwartet,
statt der blossen
Beschreibung.
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Nicht die Farbe Rot tritt an Stelle des Wortes
“rot”,
sondern die Gebärde, die auf einen roten
Gegenstand hinweist, oder das rote
Täfelchen.
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Nun sage ich aber: “Es gilt mit Recht als
ein Krite- rium des Verstehens // Verständnisses
// des Wortes “rot”,
dass Einer einen
roten Gegenstand auf Befehl aus
anders anderen gefärbten herausgreifen kann;
dagegen
ist das richtige Uebersetzen des Wortes
“rot” ins Englische oder Französische
467
kein Beweis des
Verstehens.
A[,|l]so
ist das rote Täfelchen ein primäres Zei- chen für
“rot”, dagegen jedes Wort
als ein sekundäres //
abgeleitetetes // Zei- chen.”
((Aber das zeigt nur, was ich
dem “Verstehen des Wortes
‘rot’”
// meine//.
Und was heisst “es gilt mit
Recht …”?
Heisst es: Wenn ein Mensch einen roten
Gegenstand auf Befehl etc. etc., dann
hat
er erfahrungsgemäss auch das Wort
‘rot’ verstanden.
Wie man sagen kann,
gewisse Schmerzen gelten mit Recht als
Symptom dieser und dieser Krankheit?
So ist es natürlich nicht gemeint.
Also soll es wohl heissen, dass
die Fä- higkeit rote Gegenstände herauszugreifen der spezifische Test
dessen ist,
was wir Verständnis des Wortes ‘rot’
nennen.
Dann bestimmt diese Angabe, al- so, was wir
unter diesem Verständnis meinen.
Aber dann fragt es sich noch:
wenn wir das
Uebersetzen ins Englische etc. als
Kriterium ansähen, wäre es
nicht auch das Kriterium von dem, was wir ein
Verständnis des Wortes nen- nen?
Es gibt nun den Fall, in welchem wir sagen: ich
weiss nicht, was das
Wort
‘rot’
//‘rouge’// bedeutet,
ich weiss nur, dass es das Gleiche
bedeu- tet, wie das englische
‘red’.
So ist es, wenn ich die beiden Wörter in ei- nem Wörterbuch auf der
gleichen Zeile gesehen habe, und dies ist die Veri- fikation des Satzes
und sein Sinn.
Wenn ich dann sage “ich weiss nicht, was
das Wort ‘rot’
//‘rouge’//
bedeutet”, so bezieht sich dieser Satz auf eine
Möglichkeit der
Erklärung dieser Bedeutung und ich könnte, wenn gefragt
“wie
stellst Du Dir denn vor, dass Du erfahren könntest, was
das Wort be- deutet”, Beispiele solcher Erklärungen geben
(die die Bedeutung des Wortes
“Bedeutung” beleuchten
würden).
Diese Beispiele wären dann entweder der Art,
dass
statt des unverstandenen Wortes ein verstandenes — etwa das
deutsche —
gesetzt würde, oder dass
die Erklärung von der Art wäre “ diese
(Pfeil)
Farbe heiss
‘violett’”.
Im ersten Falle wäre es für mich ein Kriterium da- für,
dass er das Wort ‘rouge’
versteht, dass er sagt, es entspreche dem
deutschen
‘rot’.
“Ja”, wird man sagen, “aber nur, weil Du schon
weisst, was
das deutsche ‘rot’
bedeutet”. —
Aber das bezieht sich ja ebenso auf die
hin-
468
weisende Definition.
Das Hinweisen auf das rote Täfelchen ist auch nur da- rum
// dann // ein Zeichen des
Verständnisses, weil // wenn //
vorausge- setzt wird, dass er die Bedeutung
dieses Zeichens versteht //
kennt//,
was so
viel heisst, als
dass er das Zeichen auf bestimmte Weise
verwendet. —
Es gibt also wohl // allerdings // den
Fall wo Einer sagt “ich weiss,
dass
dieses Wort dasselbe bedeutet wie jenes,
weiss aber nicht, was es bedeutet
(sie
bedeuten)”.
Willst Du den ersten Teil dieses Satzes verstehen, so fra- ge
Dich: “wie konnte er es wissen?”,
— willst Du den zweiten Teil verstehen,
so frage:
“wie kann er erfahren, was das Wort bedeutet?”
—
|
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Welches ist denn das Kriterium unseres Verständnisses:
das
Aufzeigen des roten Täfelchens, wenn gefragt wurde “welches von
diesen
Täfelchen ist rot”, — oder, das Wiederholen der
hinweisenden Definition?
“das (Pfeil)”
ist ‘rot’”?
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Die Lösung beider betrachten wir als
Zeichen des
Verständnisses.
Hören wir jemand das Wort ‘rot’ gebrauchen und
zweifeln daran, dass er es versteht, so können wir ihn
zur Prüfung fragen
470
“welche Farbe
nennen wir ‘rot’”.
Anderseits: wenn wir jemandem die hin- weisende
Erklärung gegeben hätten “diese (Pfeil) Farbe
heisst ‘rot’” und
nun
sehen wollten, ob er diese Erklärung richtig verstanden hat, so
wür- den wir nicht von ihm</>verlangen, dass er sie wiederholt, sondern wir
gäben
ihm etwa die Aufgabe, aus einer Anzahl von Dingen die
roten herauszusuchen.
In jedem Fall ist das, was wir ‘Verständnis’ nennen,
eben dadurch // durch
das // bestimmt,
was wir als Probe des Verständnisses ansehen (durch die
Aufgaben
bestimmt, die wir zur Prüfung des Verständnisses stellen).
))
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Wie ist es, wenn ich eine
Bezeich- nungsweise festsetze; wenn ich z.B. für
den eigenen Gebrauch gewissen
Farbtönen Namen geben
will.
Ich werde das etwa mittels einer Tabelle tun
(es kommt immer auf
derlei hinaus).
Und nun werde ich doch nicht den Namen
zur falschen Farbe schreiben
(zu der Farbe der ich ihn nicht geben will).
Aber warum nicht?
Warum soll nicht ‘rot’ gegenüber dem grünen Täfelchen
stehen und ‘grün’ gegenüber dem roten,
etc.? —
Ja, aber dann müssen wir
doch wenigstens wissen,
dass ‘rot’ nicht das
gegenüberliegende Täfelchen
meint. —
Aber was heisst es “das wissen”,
ausser, dass wir uns etwa neben
der geschriebenen Tabelle noch eine andere vorstellen, in der die Ordnung
richtiggestellt ist. —
“Ja aber dieses Täfelchen ist doch rot, und
nicht dieses !” —
Gewiss; und das ändert sich ja auch nicht, wie
im- mer ich die Täfelchen und Wörter setze; und es wäre natürlich
falsch, auf
das grüne Täfelchen zu zeigen und zu sagen “dieses
ist rot”.
Aber das ist
auch keine Definition, sondern eine Aussage.
—
Gut, dann nimmt aber doch
unter allen möglichen Anordnungen die
gewöhnliche (in der das rote Täfel- chen dem Wort
‘rot’ gegenübersteht) einen ganz besonderen Platz
ein. —
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473
((Da gibt es jedenfalls zwei verschiedene Fälle: Es kann
die Tabelle mit
grün gegenüber ‘rot’
etc. so gebraucht werden, wie wir die Tabelle in der
gewöhnlichen Anordnung gewöhnlich gebrauchen.
Wir würden also etwa de,
der sie gebraucht, von
dem Wort ‘rot’ nicht auf das gegenüberliegende
Tä- felchen blicken sehen, sondern auf das rote, das schräg darunter
steht.
(aber wir müssten auch
diesen Blick nicht sehen) und finden, dass er
dann
statt des Wortes ‘rot’ in einem Ausdruck das rote
Täfelchen einsetzt.
Wir
würden dann sagen, die Tabelle sei nur anders angeordnet (nach
einem an- dern räumlichen Schema), aber sie verbinde die Zeichen,
wie die gewohnte. —
Es könnte aber auch sein, dass der, welcher die
Tabelle benützt, von der
einen Seite horizontal zur andern blickt und nun
in irgend welchen Sätzen
das Wort ‘rot’ durch ein
grünes Täfelchen ersetzt; aber nicht etwa auf den
Befehl “gib
mir das rote Buch” ein grünes bringt, sondern ganz richtig das
rote (d.h. das, welches auch wir
‘rot’ nennen).
Dieser hat nun die Tabelle
anders benützt, als der Erste, aber doch so,
dass ‘rot’ die gleiche
Bedeu- tung für ihn hatte, wie für uns.
(Zu einer Tabelle gehört übrigens wesent- lich die
Tätigkeit des Nachschauens
Aufsuchens in der Tabelle.)
Es ist nun offenbar
der zweite Fall, welcher uns interessiert
und die Frage ist: kann ein grü- nes Täfelchen als
Muster der roten Farbe dienen?
Und da ist es klar,
dass dies (in
einem Sinn) nicht möglich ist.
Ich kann mir eine Ab- machung denken, wonach Einer, dem ich eine
grüne Tafel zeige und sage, male mir diese Farbe, mir ein Rot malt; wenn ich
dasselbe sage und zeige ihm
blau, so hat er gelb zu malen
u.s.w. ˇ immer die
kompl[i|e]mentäre Farbe; und daher kann ich mir auch
denken,
dass Einer meinen Befehl auch ohne eine
vorhergehende Abmachung so deutet.
Ich kann mir ferner denken, dass die Abmachung
gelautet hätte “auf den Be- fehl ‘male mir diese
Farbe’, male immer eine gelblichere, als ich Dir
zei- ge”; und wieder kann ich mir die Deutung auch ohne
Verabredung denken.
Aber kann man sagen, dass einer ein rotes Täfelchen
genau kopiert, indem
er einen bestimmten Ton von grün (oder ein anders
Rot als das des
Täfel-
474
chens) malt und zwar so, wie er eine
gezeichnete Figur, nach verschiedenen
Projektionsmethoden, verschieden
und genau kopieren kann? —
Ist also hier
der Vergleich zwischen Farben und Gestalten richtig, und
kann ein grünes
Täfelchen einerseits als der Name einer bestimmten
Schattierung von rot ste- hen und anderseits als ein Muster dieses
Tones? wie ein Kreis als der Name
einer bestimmten
Elipse verwendet werden kann, aber auch als ihr Muster.
—
Kann man also dort wie hier von verschiedenen
Projektionsmethoden sprechen,
oder gibt es für das Kopieren einer Farbe
nur eine solche: das Malen
der gleichen Farbe?
Wir meinen diese Frage so, dass sie nicht dadurch
ver- neint wird, dass uns die Möglichkeit gezeigt
wird, mittels eines bestimmten
Farbenkreises und der Festsetzung eines
Winkels von einem Farbton auf ir- gend einen andern überzugehn.
Das, glaube ich, zeigt nun, in wiefern das
rote Täfelchen gegenüber dem
Wort ‘rot’ in einem andern Fall ist, als das
grüne.
Uebrigens bezieht sich, was wir hier für die
Farben gesagt haben,
auch auf die Formen von Figuren, wenn das Kopieren
ein Kopieren nach dem
Augenmass und nicht
ˇeines mittels Messinstrumenten ist.
—
Denken wir uns nun aber
doch einen Menschen, der vorgäbe “er
könne die Schattierungen von Rot in
Grün kopieren” und auch
wirklich beim Anblick des roten Täfelchens mit allen
(äusseren) Zeichen des
genauen Kopierens einen grünen Ton mischte und so
fort bei allen ihm
gezeigten roten Tönen.
Der wäre für uns auf derselben
Stufe, wie Einer, der der auf die
gleiche Weise (durch genaues Hinhorchen) Far- ben nach
Violintönen mischte.
Wir würden in in dem dem Fall
sagen: “Ich
weiss nicht,
wie er es macht”; aber nicht in dem Sinne, als
verstünden
wir nicht die verborgenen Vorgänge in seinem Gehirn oder
seinen Muskeln, son- dern, wir verstehen nicht, was es
heisst “dieser Farbton,
sei ist eine Kopie
die- ses Violintones”.
Es sei denn, dass damit nur gemeint ist,
dass ein bestimm- ter Mensch
erfahrungsgemäss einen bestimmten Farbton mit einem
bestimmten
Klang assoziiert (ihn zu sehen behauptet, malt,
etc.).
Der Unterschied zwi- schen dieser Assoziation und dem Kopieren, auch
wenn ich selbst beide Ver- fahren kenne, besteht darin
// zeigt sich darin//, dass
es für die
assoziier-
475
te Gestalt keinen Sinn hat, von
Projektionsmethoden zu reden, und dass ich
von dem
assoziierten Farbton sagen kann “jetzt fällt mir bei dieser
Farbe
(oder diesem Klang) diese Farbe ein, vor 5 Minuten war es
eine andere”,
etc..
Wir könnten auch niemandem sagen “Du hast nicht richtig
assoziiert”,
wohl aber “Du hast nicht richtig
kopiert”.
Und die Kopie einer Farbe — wie
ich das Wort gebrauche — ist
nur eine; und es hat keinen Sinn,
(hier?) von
verschiedenen
Projektionsmethoden zu reden.))
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Es ist die Frage: Wenn sich
die
Regel
ihrem Wesen nach nur auf
die Farben (oder Wörter) blau, rot, grün,
gelb bezieht, ist sie dann nicht
identisch mit der, welche das grüne
Zeichen als Wort für “rot” und umgekehrt
etc. festsetzt?
Denn eine Regel // Allgemeinheit //,
die ihrem logischen We- sen nach einem logischen Produkt äquivalent
ist, ist nichts andres, als dieses
logische Produkt.
(Denn man kann nicht sagen: hier ist das grüne Zeichen;
nun
hole mir ein Ding von der komplementären Farbe, welche immer
das
sein mag .
D.h., “die komplimentäre Farbe von
rot” ist keine Be- schreibung von grün.)
Die Bestimmung, die Komplementärfarbe als Bedeutung
des Täfelchens zu
nehmen, ist dann, wie ein Querstrich in einer Tabelle;
ein Querstrich in der
Grammatik der Farben gezogen.
Anders wäre
es, wenn die Regel (R)
hiesse: das Täfelchen bedeutet immer ei- nen
etwas dunkleren Farbton, als sein eigener // der seine
//
ist.
Man muss nur wieder auf den verschiedenen Sinn der
Farb- und der Ge- staltprojektion achten
(und bei der letzteren wieder auf den Unterschied der
Abbildung nach
visuellen Kriterien und von der
Uebertragung mit
Messinstrumenten).
Das Kopieren nach der Regel R ist ‘kopieren’ in
einem andern Sinne als dem,
in welchem das Hervorbringen des gleichen
Farbtons so genannt wird.
Es han- delt sich also nicht um zwei Projektionsmethoden
vergleichbar, etwa, der
Parallel- und
der Zentralprojektion, durch die ich eine geometrische Figur
mit Zirkel
und Lineal in eine andere projizieren kann.
(Die Metrik der Farb- töne.)
Wenn ich das berücksichtige, so kann ich also in dem veränderten
Sinn
des Wortes “Muster” (der dem veränderten Sinn des
Wortes “kopieren”
entspricht) das hellere
Täfelchen zum Muster des dunkleren Gegenstandes
neh- men.
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Könnten wir nicht zur
hinweisenden Er- klärung von ‘rot’ ebensowohl
ˇauf ein grünes, wie auf ein rotes Täfelchen zeigen?
denn,
wenn diese Definition nur ein Zeichen statt des andern setzt, so
soll- te dies doch aufs gleiche hinauslaufen //
keinen Unterschied machen//. —
Wenn die Erklärung nur ein Wort für ein andres setzt, ist es auch
gleichgül- tig // so macht es auch
keinen//.
Bringt aber die Erklärung das Wort mit
einem Muster in Zusammenhang, so
ist es nun nicht unwesentlich, mit welchem
Täfelchen das Zeichen
verbunden wird (denke auch wieder daran, dass
eine
Farbe der andern nicht im gleichen Sinn zum Muster dienen
kann, wie ihr
selbst).
“Aber dann gibt es also willkürliche Zeichen und solche, die
nicht
willkürlich sind!” —
Aber denken wir nur an die Verständigung durch Landkar- ten,
Zeichnungen, und Sätze anderseits: die Sätze sind so wenig
willkürlich,
wie die Zeichnungen.
Aber die Worte sind willkürlich.
(Vergleiche die Abbil- dung
/ = o , — = x.)
Wird denn aber ein Wort eigentlich als Wort ge- braucht, wenn ich es
nur in Verbindung mit einer Tabelle gebrauche, die
den
Uebergang zu Mustern macht?
Ist es also nicht falsch, zu sagen, ein Satz
sei ein Bild, wenn ich
doch nur ein Bild nach ihm und der Tabelle zusammen- stelle?
Aber so ist also doch der Satz und die Tabelle zusammen ein Bild.
Also zwar nicht adbcb allein, aber dieses Zeichen zusammen mit
Aber es ist offenbar, dass auch
adbcb ein Bild
von
genannt werden
kann.
Ja aber, ist nicht doch das Zeichen adbcb ein
willkürlicheseres
Bild von
als dieses Zeichen von der
Ausführung der
Bewegung?
Etwas ist auch an dieser Uebertragung willkürlich
479
(die Projektionsmethode) und wie
sollte ich bestimmen, was willkürlicher
ist.
Ich vergleiche also die Festsetzung der Wortbedeutung durch die
hin- weisende Definition, der Festsetzung einer Projektionsmethode zur
Abbildung
räumlicher Gebilde.
Dies ist freilich nicht mehr als wie ein
Vergleich.
Ein ganz
guter Vergleich, aber er enthebt uns nicht der Untersuchung
des Funktionie- rens der Worte, ?—getrennt
von dem Fall der räumlichen Projektion—?.
Wir können
allerdings sagen — d.h. es
entspricht ganz dem Sprachgebrauch — , dass wir
uns durch Zeichen verständigen, ob wir Wörter oder Muster gebrauchen;
aber
das Muster ist kein Wort, und das Spiel, sich nach Worten zu
richten, ein
anderes als das, sich nach Mustern
(zu?) richten.
(Wörter sind der Sprache
nicht wesentlich.)
Kann man aber vielleicht sagen, dass Muster ihr
wesentlich
wären?
(Muster sind der Benützung // dem Gebrauch
// von Mustern wesentlich,
Worte, der Benützung
// dem Gebrauch // von Worten.)
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|
?—Vergiss hier auch nicht,
dass die Wortsprache nur
eine unter
vielen möglichen Sprachen ist—? und es
Uebergänge von ihr in
die andern gibt.
Untersuche die Landkarte darauf auf das hin, was in ihr
dem Aus- druck der Wortsprache entspricht.
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‘Primär’ müsste eigentlich
heissen:
unmissverständlich.
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Es klingt wie eine lächerliche Selbstverständlich- keit, wenn ich
sage, dass der, welcher glaubt die Gebärden
// Gesten //
seien die primären Zeichen, die
allen andern zu Grunde liegen, ausser Stan- de
wäre, den gewöhnlichsten Satz durch Gebärden zu ersetzen.
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Regeln der Grammatik, die eine “Verbindung zwischen
Sprache und Wirklichkeit” herstellen, und solche, die es nicht
tun.
Von der
ersten Art etwa: “diese Farbe nenne ich
‘rot’”, — von der zweiten:
“
“non-non-p =
p”.
Aber über diesen Unterschied besteht ein Irrtum: der
Unter- schied scheint prinzipieller Art zu sein; und die Sprache
wesentlich etwas,
dem eine Struktur gegeben, und was dann der
Wirklichkeit aufgepasst wird.
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“Ich will nicht verlangen, dass in der
erklärenden
498
Tabelle das rote
Täfelchen, horizontal gegenüber dem Wort ‘rot’ stehen
soll,
aber irgend ein Gesetz des Lesens der Tabelle
muss es doch geben.
Denn sonst
verliert ja die Tabelle ihren Sinn”.
Ist es aber gesetzlos, wenn die Tabel- le so
aufgefasst wird, wie die Pfeile andeuten?
“Aber muss dann nicht eben das Schema
vorher gegeben werden?”
Nur, sofern auch das
Schema früher gegeben
wird.
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““Wird aber dann nicht wenigstens eine gewisse
Regelmäs- sigkeit im Gebrauch
gefordert?!
Würde es angehen, wenn wir einmal eine Ta- belle nach diesem, einmal
nach jenem Schema zu gebrauchen hätten?
Wie
soll man denn wissen , wie man diese Tabelle zu
gebrauchen
hat?”” —
Ja, wie weiss man es denn
heute ?
Die Zeichenerklärungen ha- ben doch irgend einmal
// irgendwo // ein Ende.
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Nun gebe ich aber natürlich zu, dass ich, ohne
vorher- gehende Abmachung einer Chiffre, ein
Missverständnis hervorrufen würde,
wenn ich, auf den
Punkt A zeigend, sagte, dieser Punkt heisst
‘B’.
Wie
ich ja auch, wenn ich jemandem den Weg weisen will, mit dem Finger
in der
Richtung weiss, in der er gehen soll, und
nicht in der entgegengesetzten.
Aber auch ?—diese Art des
Zeigens—? könnte richtig verstanden werden, und
zwar
ohne dass dieses Verständnis das gegebene
Zeichen durch ein weiteres er- gänzte.
Es liegt in der menschlichen Natur, das Zeigen mit dem Finger
so
zu verstehen.
Und so ist die menschliche Gebärdensprache primär in einem
psychologischen Sinne.
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Ist das Zeigen mit dem Finger unserer Sprache wesent- lich?
Es ist gewiss ein merkwürdiger Zug unserer Sprache,
dass wir Wörter
hinweisend erklären: das ist
ein Baum, das ist ein Pferd, das ist grün, etc..
500
((Ueberall auf der Erde
// bei den Menschen // finden sich Brettspiele,
die
mit kleinen Klötzchen auf Feldern gespielt werden.
Ueberall auf der Erde
findet sich eine
Schrift // eine Zeichensprache//, die aus
geschriebenen
Zeichen auf einer Fläche besteht.))
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Ich bestimme die Be- deutung eines Worts, indem
ich es als Name eines Gegenstandes erkläre, und
auch, indem ich es als
gleichbedeutend mit einem andern Wort erkläre,.
Aber
habe ich denn nicht gesagt, man könne ein Zeichen nur durch ein
anderes
Zeichen erklären?
Und das ist gewiss so, sofern ja die hinweisende
Erklä- rung “das (Pfeil) ist N” ein
Zeichen ist.
Aber ferner bildet hier auch der
Träger von
“N”, auf den gezeigt wird, einen Teil des
Zeichens.
Denn:
/dieser
(Pfeil) hat es getan/ = /N hat es
getan/.
Dann heisst aber ‘N’ der Name
von diesem Menschen, nicht vom Zeichen
“dieser
(Pfeil)”, von dem ein Teil auch dieser Mensch ist.
Und zwar spielt
der Träger in dem Zeichen eine ganz besondere Rolle,
verschieden von der
eines andern Teiles eines Zeichens.
(Eine Rolle, nicht ganz ungleich der
des Musters.)
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Die hinweisende Erklärung eines
Na- mens ist nicht nur äusserlich verschieden von
einer Definition wie
“1+1 =
2”,
indem etwa das eine Zeichen
einer Geste meiner Hand,
statt in einem Laut-
oder Schriftzeichen
besteht, sondern sie unterscheidet sich von dieser lo- gisch;
wie die Definition, die das Wort dem Muster beigesellt von
der ei- nes Wortes durch ein Wort.
Es wird von ihr in andrer Weise Gebrauch
ge
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Wenn ich also einen Namen hinweisend definiere und einen zweiten
durch
ihn // den ersten//, so steht dieser
zu jenem in anderem Verhältnis
// ist dieser zu jenem in
anderer Beziehung//, als zum Zeichen, das in
der
hinweisenden Definition gegeben wurde.//
d.h., dieses letztere ist sei- nem Gebrauch
nach wesentlich von dem Namen verschieden und daher die
Ver-
509
baldefinition und die hinweisende
Definition, ‘Definitionen’ in verschiede- nem Sinne
des Worts.
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[i|I]ch kann von primären und sekundären Zeichen
sprechen — in
einem bestimmten Spiel, einer bestimmten
Sprache. —
Im Musterkatalog
kann ich die Muster die primären Zeichen
und die Nummern die sekundä- ren nennen.
Was soll man aber in einem Fall, wie dem, der gesprochenen
und
geschriebenen Buchstaben sagen?
Welches sind hier die primären, welches die
sekundären
Zeichen?
Die Idee ist doch die: [s|S]ekundär ist ein Zeichen
dann, wenn, um
mich danach zu richten, ich eine Tabelle brauche, die es
mit einem andern
(primären) Zeichen verbindet, über
welches ich mich erst nach dem sekundä- ren richten kann.
Die Tabelle garantiert mir die Gleichheit aller
Uebergänge nicht,
denn sie zwingt mich ja nicht, sie
immer gleich zu gebrauchen.
Sie ist da
wie ein Feld, durch das Wege führen, aber ich kann ja auch
querfeldein ge- hen.
Ich mache den Uebergang in der Tabelle bei jeder
Anwendung von
Neuem.
Er ist nicht, quasi, ein für allemal in der Tabelle gemacht.
(Die Tabelle
verleitet mich höchstens, ihn so zu
machen.)
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Welcher Art ist denn meine Aussage über die Tabelle:
dass sie mich nicht zwingt, sie so und so zu
gebrauchen?
Und: dass die An- wendung durch die Regel
(oder die Tabelle) nicht anticipiert
wird?
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Die Grammatik, das sind die Geschäftsbücher der Spra- che; aus
denen alles zu ersehen sein muss, was nicht Gefühle
betrifft,
sondern Fakten. // Die Grammatik ist
das Geschäftsbuch der Sprache; wo- raus alles zu ersehen sein
muss, was nicht Gefühle betrifft, sondern
har- te Tatsachen. //
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Ich will also eigentlich sagen: Es gibt nicht Grammatik
und
Interpretation der Zeichen.
Sondern, soweit von einer Interpretation,
also von einer Erklärung der
Zeichen, die Rede sein kann, so weit muss
sie?
die Grammatik selbst besorgen.
Denn ich brauchte nur zu fragen: Soll die Interpretation
durch
Sätze erfolgen?
Und in welchem Verhältnis sollen diese Sätze zu der
Spra- che stehen, die sie schaffen?
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|
Wenn ich sage, dass ein Satz, der Mengenlehre
etwa,
in Ordnung ist, aber eine neue Interpretation erhalten
muss, so heisst
das nur, dieser
Teil der Mengenlehre bleibt sic in sich unangetastet,
muss
aber in eine andere grammatische Umgebung
gerückt werden.
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|
115
Wovon unterscheide ich denn einen Satz?
Oder, wovon
will ich ihn denn unterscheiden?
Von Satzteilen in seinem grammatischen Sy- stem (wie die Gleichung
von Gleichheitszeichen), oder (von?)
allem , was
wir nicht Satz nennen, also diesem Sessel,
meiner Uhr, etc. etc.?
Denn, dass
es Schrift- oder
Lautbilder gibt, die Sätzen besonders ähnlich sind, braucht
uns
eigentlich nicht zu kümmern.
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|
Oder wir müssen sagen:
Vom Satzbegriff
// Satz // kann nur in
einem
// innerhalb eines // grammatischen
Systems gesprochen werden.
//… kann [/|n]ur in der Erklärung eines
grammatischen Systems die Rede sein.//
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Es geht mit dem Wort “Satz” wie mit dem Wort
“Gegenstand” und an- dern: Nur auf eine
beschränkte Sphäre angewandt sind sie zulässig und dort
sind sie
natürlich.
Soll die Sphäre ausgedehnt werden, damit der Begriff ein
philosophischer wird, so verflüchtigt sich die Bedeutung der Worte und es
sind leere Schatten.
Wir müssen sie dort aufgeben und wieder in den engen
Grenzen
benützen.
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Nun möchte man aber sagen: “Satz” ist
alles, womit ich etwas mei- ne”.
Und gefragt “was heisst das,
‘etwas’ meinen”,
müsste würde ich Beispiele
an- führen.
Nun haben diese Beispiele zwar ihren Bereich, auf den sie
ausgedehnt
werden können, aber weiter führen sie mich
doch nicht.
Wie ich ja in
der Logik nicht ins Blaue verallgemeinern kann.
Hier handelt es sich aber
nicht um Typen, sondern darum,
dass die Verallgemeinerung selbst etwas
be- stimmtes ist; nämlich ein Zeichen mit vorausbestimmten
grammatischen Regeln.
D.h., dass die Unbestimmtheit
der Allgemeinheit keine logische Unbestimmt- heit ist.
So als hätten wir nun nicht nur Freiheit im logischen Raum, son- dern
auch Freiheit, diesen Raum zu erweitern, oder zu verändern.
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Also nicht nur Bewegungsfreiheit, sondern eine Unbestimmtheit der
116
Geometrie.
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Ueber sich selbst führt uns
kein Zeichen
hinaus; und auch kein
Argument.
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|
Wenn wir sagen, Satz ist jedes Zeichen, womit wir etwas meinen,
so
könnte man fragen: was meinen wir und wann meinen wir
es?
Während
wir das Zeichen geben?
u.s.w.,
u.s.w..
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|
Wenn ich frage “was ist die allgemeine Form des Satzes”,
so kann
die Gegenfrage lauten: “ haben wir
denn einen allgemeinen Begriff vom
Satz, dem wir nun nur
exakt fassen wollen?” —
So wie: Haben wir einen allgemei- nen Begriff von der
Wirklichkeit?
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Die Frage kann auch lauten: Was geschieht, wenn ein neuer
Satz
in die Sprache aufgenommen wird: Was ist das Kriterium
dafür, dass er ein
Satz ist? oder, wenn das
Aufnehmen in die Sprache ihn zum Satz stempelt,
worin besteht diese
Aufnahme?
Oder: was ist Sprache?
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|
Da scheint es nun offenbar, dass man das Zeichengeben
von
anderen Tätigkeiten unterscheidet.
Ein Mensch schläft,
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Was ist ein Satz? wodurch ist dieser Begriff bestimmt?
—
Wie
wird dieses Wort (“Satz”) in der
nicht-philosophischen Sprache gebraucht?
Satz, im Gegensatz wozu?
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Ich kenne einen Satz, wenn ich ihn sehe.
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Diese Frage ist fundamental: Wie, wenn wire eine neue
Erfah- rung machen, etwa einen neuen Geschmack oder einen neuen
Hautreiz kennen
lernen: woher weiss ich,
dass, was diese Erfahrung beschreibt, ein Satz
ist?
Oder, warum soll ich das einen Satz nennen?
Wohl Nun, mit demselben Recht,
womit
// mit welchem // ich von einer neuen Erfahrung
gesprochen habe.
Denn Erfahrung und Satz sind aequivalent.
Aber warum habe ich das Wort
Erfahrung gebraucht, im Gegensatz
wozu?
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Habe ich denn, was geschehen ist, schon bis zu einem Grade da- mit
charakterisiert, dass ich sagte, es sei eine
Erfahrung?
Doch offenbar
107
garnicht .
Aber es scheint doch, als hätte ich es schon getan, als
hätte
ich davon schon etwas ausgesagt:
“dass es eine Erfahrung sei”.
In
diesem falschen Schein liegt unser ganzes Problem.
Denn, was vom Prädikat
“Erfahrung” gilt, gilt vom
Prädikat “Satz”.
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Das Wort “Satz” und das Wort
“Erfahrung” haben schon eine be- stimmte
Grammatik.
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Das heisst, ihre Grammatik muss
im Vorhinein bestimmt sein und
hängt nicht von
irgend einem künftigen Ereignis ab.
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Hier ist auch der Unsinn in der “experimentellen Theorie der
Bedeutung” ausgesprochen.
Denn die Bedeutung ist in der Grammatik festge- legt.
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Wie verhält sich die Grammatik des Wortes “Satz” zur
Grammatik
der Sätze?
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“Satz” ist offenbar die
Ueberschrift der Grammatik der Sätze.
In einem Sinne aber auch die Ueberschrift der
Grammatik überhaupt, also
äquivalent den Worten
“Grammatik” und “Sprache”.
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Das ist es auch, was damit gemeint ist, dass es in
der Welt
zwar Ueberraschungen gibt, aber nicht in
der Grammatik.
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108
Es scheint unsere Frage noch zu erschweren, dass
auch
die Worte “Welt” und
“Wirklichkeit” Aequivalente des
Wortes “Satz” sind.
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Aber es ist doch lächerlich, die Welt, oder die Wirklichkeit,
abgrenzen zu wollen.
Wem soll man sie denn entgegenstellen.
Und so ist es
mit der Bedeutung des Wortes
“Tatsache”.
Aber man gebraucht ja diese Wörter auch nicht als
Begriffswör- ter.
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Etwas ist ein Satz nur in einer Sprache.
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Wenn ich nun sage: aber die Sprache kann sich doch ausdehnen,
so
ist die Antwort: Gewiss, aber wenn dieses
Wort “ausdehnen” hier einen
Sinn hat, so
muss ich jetzt schon wissen, was ich
damit meine, muss
angeben können, wie ich mir so
eine Ausdehnung vorstelle.
Und was ich
jetzt nicht denken kann, das kann ich jetzt auch nicht
ausdrücken, und
auch nicht andeuten.
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Und das Wort “jetzt” bedeutet hier:
“in dies “in
diesem
Kalkül” dieser
Grammatik”, oder: “wenn die Worte
mit? diesen grammatischen Regeln
gebraucht
werden”.
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Hier haben wir dieses bohrende Problem: wie es
möglich ist,
an die Existenz von Dingen auch nur zu denken, wenn wir
immer nur Vorstel- lungen — ihre Abbilder — sehen.
//: wie es denn möglich ist, auch nur auf
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Hierher gehört die alte Frage: “wie bin ich dann aber
überhaupt
zu diesem Begriff gekommen?”
[)|(]etwa zu dem der ausser mir
liegenden Gegen- stände).
(Es ist ein Glück, eine solche Frage aus der Entfernung als alte
Gedankenbewegung betrachten zu können; ohne in ihr verstrickt zu
sein.)
Zu
dieser Frage ist ganz richtig der Nachsatz zu denken:
“ich konnte doch
nicht mein eigenes Denken
transcendieren”, “ich konnte doch nicht
sinnvoll
das transcendieren, was für mich Sinn
hat”.
Es ist das Gefühl, dass ˇich nicht
auf
Schleichwegen (hinterrücks) dahinkommen kann, etwas zu denken, was
zu
denken mir eigentlich verwehrt ist.
Dass es hier keine Schleichwege gibt,
auf denen
ich weiter kommen könnte, als auf dem direkten Weg.
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Wir haben es natürlich wieder mit einer falschen Analogie zu
tun: Es hat guten Sinn zu sagen “ich
weiss, dass er in diesem Zimmer
ist,
weil ich ihn höre, wenn ich auch nicht
hineingehen und ihn
sehen kann”.
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“Satz” ist so allgemein wie
z.B. auch “Ereignis”.
Wie kann mann
ein ” “ein
Ereignis” von dem abgrenzen, was kein Ereignis ist?
Ebenso allgemein ist aber auch “Experiment”, das
vielleicht auf den
ersten Blick spezieller zu sein
scheint.
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“Da geschah ein Ereignis …”:
[d.h.|das]
heisst nicht “ein Ereignis”
im
Gegensatz zu etwas Anderem.
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Rechtmässiger Gebrauch des Wortes
‘Sprache’: Es bedeutet entwe- der die
Erfahrungstatsache, dass Menschen reden (auf
gleicher Stufe mit
der, dass Hunde
bellen), oder es bedeutet: festgesetztes System
der Verstän- digung // festgesetztes System von
Wörtern und grammatischen Regeln // in
den Ausdrücken
“die englische Sprache”, “deutsche
Sprache”, “Sprache der
Neger”
etc..
‘Sprache’ als logischer Begriff könnte nur mit
‘Satz’ äquiva- lent, und dann eine
die Ueberschrift eines Teiles der Grammatik
sein.
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Könnten wir etwas ‘Sprache’ nennen, was nicht wirklich
angewandt
würde?
Könnte man von Sprache reden, wenn nie eine gesprochen worden
wäre?
(Ist denn Sprache ein Begriff, wie
‘Centauer’, , der besteht, auch
wenn es nie
ein solches Wesen gegeben hat?)
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Was tut der, der eine neue Sprache konstruiert (erfindet)?
nach
welchem Prinzip geht er vor?
Denn dieses Prinzip ist der Begriff
‘Sprache’.
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Eine Sprache erfinden, heisst, eine Sprache
konstruieren.
Ihre
Regeln aufstellen.
Ihre Grammatik verfassen.
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Erweitert jede erfundene Sprache den Begriff der Sprache?
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Was für das Wort “Sprache” gilt,
muss auch für den Ausdruck “Sy- stem von
Regeln” gelten.
Also auch für das Wort “Kalkül”.
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Wie bin ich denn zum Begriff ‘Sprache’
gekommen?
Doch nur durch
die Sprachen, die ich gelernt habe.
Aber ˇdie haben mich in gewissem Sinne über sich hinausgeführt,
denn
ich wäre jetzt im Stande, eine neue Sprache zu konstruieren,
z.B. Wörter zu
erfinden.
Also gehört diese Methode der Konstruktion noch zum Begriff der
Sprache.
Aber nur, wenn ich ihn so festlege. ⇐
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Der Begriff: sich einander etwas mitteilen.
Wenn ich z.B. sage:
‘Sprache’ werde ich jedes System von Zeichen nennen, das
Menschen unterein- ander vereinbaren, um sich miteinander zu
verständigen, so könnte man hier
schon fragen: Und was
schliesst Du unter dem Begriff
‘Zeichen’ ein?
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Immer wieder hat mein u.s.w. eine Grenze.
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248
Was nenne ich “Handlung”, was
“Sinneswahrnehmung”?
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Die Worte “Welt”, “Erfahrung”,
“Sprache”, “Satz”,
“Kalkül”, “Ma- thematik” können
alle nur für triviale Abgrenzungen stehen, wie “essen”,
“ruhen”, etc..
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Denn, wenn auch ein solches Wort der Titel unserer Grammatik wä- re
— etwa das Wort “Grammatik” — so hätte doch
dieser Titel nur dieses Buch
von andern Büchern zu unterscheiden.
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Allgemeine Ausführungen über die Welt und die Sprache gibt es
nicht.
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Aber warum zerbreche ich mir über den Begriff
‘[s|S]prache’ den
Kopf, statt Sprache
zu gebrauchen?!
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126
Dieses K[p|o]pfzerbrechen ist nur dann berechtigt, wenn wir
einen
al<l>gemeinen Begriff haben .
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Ich finde bei Plato auf eine
Frage wie “was ist Erkenntnis” nicht
die vorläufige
Antwort: Sehen wir einmal nach, wie
dieses Wort gebraucht
wird.
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Aber wenn so der allgemeine Begriff der Sprache sozusagen
zer- fliesst, zerfliesst da
nicht auch die Philosophie?
Nein, denn ihre Aufgabe
ist es nicht, eine neue Sprache zu schaffen,
sondern die zu reinigen, die
vorhanden ist.
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[d|D]er, welcher darauf aufmerksam macht,
dass ein Wort in zwei ver- schiedenen Bedeutungen
gebraucht wurde, oder dass bei dem Gebrauch
dieses eines
Ausdrucks uns dieses
Bild vorschwebt, und der überhaupt die Regeln fest- stellt
(tabuliert), nach welchen Worte gebraucht werden, hat gar
keine
Pflicht eine Erklärung des (Definition) des
Wortes “Regel” (oder “Wort”,
“Sprache”, “Satz”,
etc.) zu geben. //…, hat
garnicht die Pflicht
üb[r|e]r- nommen, …//
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/Die Philosophie hat es in demselben Sinn mit Kalkülen
zu
[g|t]un, wie sie es mit Gedanken zu tun hat (oder mit
Sätzen und Sprachen).
Hätte sie's aber wesentlich mit dem Begriff des
Kalkül[l|s] zu tun, also
mit dem Begriff des Kalküls vor allen
Kalküllen, so gäbe es eine Meta- philosophie.
Und die gibt es nicht.
(Man könnte alles, was wir zu sagen
haben, so darstellen,
dass das als ein leitender Gedanke
erschiene.)/
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46
So ist es mir erlaubt, das Wort ‘Regel’ zu verwenden,
ohne
notwendig erst die Regeln über dieses Wort zu tabulieren.
Und diese Re- geln sind nicht
Ueber-Regeln.
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Das Wort “Regel” muss in der
Erklärun<…> eines Spiels nicht ge- braucht werden
<(>natürlich auch kein äquivalentes).
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Wie gebrauchen wir denn auch das Wort ‘Regel’ (wenn
wir etwa
von Spielen reden)?
Im Gegensatz wozu?
Wir sagen z.B. “das folgt aus
d
dieser Regel”, aber dann könnten wir ja
die Regel des Spiels zitieren,
und so das Wort “Regel”
ersetzen.
Oder wir sprechen von “allen Regeln des
Spiels” und
müssen sie dann entweder aufgezählt haben (und dann mit
liegt
(wieder?) der erste Fall
vor), oder wir sprechen von den Regeln, als einer
Gruppe, die auf
bestimmte Art aus gegebenen bestimmten
Grundpositionen erzeugt werden
und dann
entste steht das Wortb
“Regel” für den Ausdruck dieser
Grundpositionen und Operationen.
Oder wir sagen “ Das ist eine Regel,
das das nicht”, wenn etwa das
Zweite nur ein einzelnes Wort ist, oder
eine Konfiguration der
Spielsteine.
(Oder: “nein, das ist nach der neuen
Abmachung auch
eine Regel”.)
Wenn wir etwa das Regelverzeichnis des Spiels
aufzuschreiben hätten, so
könnte so etwas gesagt werden und dann hiesse
es:
Das gehört hinein, das
nicht.
Aber nicht vermöge einer bestimmten
Eigenschaft (nämlich der, eine
Regel zu sein), wie wenn man etwa lauter
Aepfel
in eine Kiste packen möchte und sagt “nein, das gehört nicht
hinein,
das ist eine Birne”.
Ja aber wir nennen doch manches “Spiel”, manches
nicht,
und manches “Regel”, und manches
nicht!
Ja, Aber auf die Abgrenzung alles
dessen, was wir
Spiel nennen, gegen alles andere, kommt es ˇja
nie an.
Die
Spiele sind für uns die Spiele, von denen wir gehört
haben, die wir auf- zählen können, und etwa noch einige nach Analogie
anderer neu<∕>gebildete;
und
wenn jemand etwa ein Buch über die Spiele schriebe, so brauchte er
ei-
47
gentlich das Wort “Spiel” auch
im Titel nicht, sondern als Titel könnte
eine Aufzählung der Namen der
einzelnen Spiele stehen.
Und gefragt: Was
ist<…> denn aber das Gemeinsame
aller dieser Dinge, weshalb Du sie
zusammen- fasst? könnte er sagen: ich
weiss es nicht in einem Satz anzugeben,
aber Du
siehst ja viele Analogien.
Im übrigen ist diese // scheint mir
diese
// Frage müssig, da ich auch wieder nach
Analogien fortfahrend,
durch unmerkbare Stufen, zu Gebilden kommen kann,
die niemand mehr im
gewöhnlichen Leben “Spiel” nennen
würde, so dass es doch wieder willkür- lich wäre,
was man “Spiel” nennen wollte.
Ich nenne daher “Spiel” das,
was auf
die[r|s]er Liste steht, wie auch, was diesen Spielen bis zu
einem
gewissen (von mir nicht näher bestimmten) Grade ähnlich
ist.
Im übrigen
behalte ich mir vor, in jedem neuen Fall zu entscheiden, ob
ich etwas zu
den Spielen rechnen will oder nicht.
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Ebenso verhält es sich nun auch mit dem Begriff der
Regel.
Nur
in ganz besonderen // speziellen
// Fällen handelt es sich uns darum, die
[r|R]egeln von etwas abzugrenzen, was nicht Regel ist, und in
allen diesen
Fällen ist es leicht, ein unterscheidendes Kriterium zu
geben.
Das heisst,
wir brauchen das Wort
“Regel” im Gegensatz zu “Wort”,
“Konfiguration der
Steine” und einigem Andern, und
diese Grenzen sind klar gezogen.
Dagegen
ist es müssig, Grenzen dort zu ziehen, wo
wir sie nicht brauchen.
Ver- hält es sich hier nicht ebenso, wie mit dem Begriff
‘Pflanze’?
Wir ge- brauchen dieses Wort in bestimmtem Sinne, aber, im Falle
einzelliger Lebe- wesen war die Frage eine
aZeit</>lang schwebend, ob
man sie Tiere oder Pflan- zen nennen solle, und es
liessen sich auch beliebig viel andere Grenzfälle
konstruieren, für die die Entscheidung, ob etwas noch unter den Begriff
Pflanze falle, erst zu treffen wäre.
Ist aber darum die Bedeutung des Wortes
“Pflanze” in
allen anderen Fällen verschwommen, sodass man sagen
könnte,
wir gebrauchen das Wort, ohne es zu verstehen?
Ja, würde uns eine Defini- tion, die den Begriff nach
verschiedenen Seiten begrenzte, die Bedeutung
48
des Wortes in
allen Sätzen klarer machen, sodass wir auch alle Sätze,
in
denen es vorkommt, besser verstehen würden?
Offenbar nein.
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42
(Sokrates stellt die Frage,
was <…>rkenntnis sei und ist
nicht mit der Aufzählung von Erkenntnissen
zufrieden.
Wir aber kümmern uns
nicht viel um diesen allgemeinen Begriff und sind
froh, wenn wir Schuhmache- rei, Geometrie
etc. verstehen.)
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Wir glauben nicht, dass nur der ein Spiel versteht,
der eine De- finition des Begriffs ‘Spiel’ geben
kann.
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(Ich mache es mir in der Philosophie immer leichter und
leichter.
Aber die Schwierigkeit ist, es sich leichter zu machen und doch exakt
zu
bleiben.)
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Ich glaube nicht, dass die Logik in einem andern
Sinne von Sätzen reden kann, als wir für gewöhnlich tun, wenn wir sagen
“hier steht ein Satz aufgeschrieben” oder
“nein, das sieht nur aus wie ein Satz, ist aber keiner”,
etc.etc.
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Die Frage “was ist ein Wort” ist ganz analog der
“was ist eine Schachfigur”.
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Wir reden von dem [R|r]äumlichen und zeitlichen
Phänomen der Sprache.
Nicht von einem unräumlichen und unzeitlichen Unding.
Aber wir reden von ihr so, wie von den Figuren des Schachspiels, indem
wir Regeln für sie tabulieren, nicht ihre physikalischen Eigenschaften
beschreiben.
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Wir können in der Philosophie auch keine grössere
Allgemein- heit erreichen, als in dem, was wir in Leben
und Wissenschaft sagen //
aus-
260
sprechen//.
(D.h., auch hier lassen wir alles, wie es
ist.)
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So ist eine aufsehenerregende Definition der Zahl keine
// nicht die // Sache der Philosophie.
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Die Philosophie hat es mit den bestehenden Sprachen zu tun und nicht
vorzugeben, dass sie von einer abstrakten Sprache
handeln müsse.
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Wenn ich nämlich über die Sprache — Wort, Satz, etc.
— rede, muss ich die Sprache des Alltags
reden. —
Aber gibt es denn eine andere?
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Ist diese Sprache etwa zu grob, materiell, für das, was wir sa- gen
wollen?
Und kann es eine andere geben?
Und wie merkwürdig, dass wir dann mit der
[U|u]unseren dennoch //
überhaupt // etwas anfangen können.
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Dass ich beim Erklären der Sprache (in unserem
Sinne) schon die volle Sprache (nicht etwa eine
[V|v]orbereitende, vorläufige) [A|a]nwenden
muss, zeigt schon, dass ich nur
Aeusserliches über die Sprache
sagen // vorbringen // kann.
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266
Ja, aber wie können uns diese Ausführungen dann be- friedigen?
—
Nun, Deine Fragen waren ja auch schon in dieser Sprache
abge- fasst; mussten in
dieser Sprache ausgedrückt werden, wenn etwas zu fragen war!
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Und Deine Skrupel sind Missverständnisse.
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Deine Fragen beziehen sich auf Wörter, so muss
ich von Wörtern reden.
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Man sagt: Es kommt doch nicht auf das //
auf's // Wort an, son- dern auf seine
Bedeutung, und denkt dabei immer and die Bedeutung, als ob
sie nun eine Sache von der Art des Worts wäre, allerdings vom Wort
verschieden.
Hier ist das Wort, hier die Bedeutung.
(Das Geld, und die Kuh die man dafür kaufen kann.
Anderseits aber: [D|d]das Geld, und sein
Nutzen.)
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Ueber die Sprache sind nicht mehr Skrupeln
berechtigt, als ein Schachspieler über das Schachspiel hat, nämlich
keine.
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Bei der Frage nach der allgemeinen Satzform bedenken wir,
dass die gewöhnliche Sprache zwar einen bestimmten
Satzrythmus hat, aber nicht alles, was diesen
Rythmus hat, ein Satz ist.
D.h. wie ein Satz klingt und keiner
ist. —
Daher die Idee vom sinnvollen und unsinnigen
‘ Satz ’.
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Anderseits ist dieser Rythmus aber natürlich nicht
wesentlich.
Der Ausdruck “Zucker Tisch” klingt
nicht wie ein Satz, kann aber doch sehr wohl den Satz “auf dem
Tisch liegt Zucker” ersetzen.
[u|U]nd zwar nicht etwa so, dass
wir uns etwas Fehlendes hinzudenken müssten, sondern,
es kommt wieder nur auf System an, dem der Ausdruck
“Zucker Tisch” angehört.
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Es fragt sich also, ob wir ausser diesem
irreführenden Satzklang noch einen allgemeinen Begriff vom Satz
haben.
(Ich rede jetzt von dem, was durch
‘&’,
‘⌵’,
‘C’,
zusammengehalten
wird.)
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/Denken wir uns, wir lassen läsen die Sätze eines
Buches verkehrt, die Worte in umgekehrter Reihenfolge; könnten wir nicht
dennoch den Satz verstehen?
Und klänge er jetzt nicht ganz
unsatzmässig?/
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Hat es einen Sinn, zu sagen: “Ich habe so viele
Schu- he, als eine Wurzel der Gleichung
x³+2x-3 =
0 Einheiten hat”?
Hier könnte es scheinen, als hätten wir eine Notation, der wir es
eventuell nicht ansehen können, ob sie Sinn hat oder nicht.
Wenn der Ausdruck “die Wurzel der Gleichung
F(x) =
0” eine Be- schreibung im
Russell'schen
Sinne wäre, so hätte der Satz “ich habe n
Aep- fel und
n+2 =
6” einen andern Sinn, als der: “ich habe 4
Aepfel”.
Wir haben in dem ersten Satz ein ausserordentlich
lehrreiches Bei- spiel dafür, wie eine Notation auf den ersten Blick
einwandfrei erscheinen kann, nämlich so, als verstünden wir sie; und
dass wir in Wirklichkeit ei- nen unsinnigen Satz
nach Analogie eines sinnvollen gebildet haben und nur
glauben , die Regeln des ersteren zu übersehen.
So ist “ich habe n Schuhe und
n²=4”
ein sinnvoller Satz; aber nicht “ich habe n Schuhe und n²=2”.
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Die Erklärung, die man erhält, wenn man nach dem Wesen des Satzes
fragt: Satz, sei alles, was wahr oder falsch sein könne —
ist nicht so ganz unrichtig.
Es ist die Form der Wahrheitsfunktion (in welcher Form der
Zeichengebung immer ausgedrückt), die das logische Wesen des
Sat- zes ausmacht.
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‘p’
ist wahr = p.
Man gebraucht das Wort “wahr” in Zusammenhängen wie
“was er sagt ist wahr”, das aber sagt dasselbe wie
“er sagt
‘p’,
und p ist der
Fall”.
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“Wahr” und “falsch” sind tatsächlich
nur Wörter einer bestimmten Notation der Wahrheitsfunktion.
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Wenn man sagt, Satz sei alles, was wahr oder falsch sein
370
könne, so
heisst das dasselbe wie: Satz ist
alles, was sich ver- neinen lässt.
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Wenn wir von dem sprechen, was der Satzform als sol- cher
wesentlich ist, so meinen wir die
Wahrheitsfunktionen.funktion.
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31
Man kann natürlich nicht sagen, ‘Satz’
sei dasjenige, wovon man ‘wahr’ und
‘falsch’ aussagen könne
d das
würde nur dann etwas bestimmen, wenn diese Worte in einer
bestimmten Weise gemeint sind
.
Und eben im Zusammenhang mit einem Satz.
Alles, was man machen kann, ist, hier, wie in allen diesen
Fällen, das grammatische Spiel bestimmen., seine Regeln
angeben und es dabei bewenden lassen.
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Was ein Satz ist, wird durch die Grammatik bestimmt.
D.h., inner- halb der Grammatik.
(Dahin zielte auch meine “allgemeine
Satzform”.)
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Man kann nicht sagen “dieser Struktur fehlt noch etwas, um ein
Satz zu sein”.
Sondern es fehlt ihr etwas um
dieser Satz zu sein.
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Den Russen, welche statt “er ist gut” sagen “er
gut” geht nichts verloren, und sie denken sich auch kein Verbum
dazu.
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Den kompletten Satz zu charakterisieren ist so unmöglich, wie die
komplette Tatsache.
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Kann man den Begriff des “Satzes” festlegen? oder
die allgemeine Form des Gesetzes? —
Warum nicht!
Wie man ja auch den Begriff ‘Zahl’ festlegen könnte,
etwa durch das Zeichen
“/0,x,x+1/”.
Es steht mir ja frei, nur das Zahl zu nennen; und so steht es mir auch
frei, eine analoge Vorschrift zur Bildung von Sätzen oder
Gesetzen zu geben und das Wort “Satz” oder
“Gesetz” als ein Aequivalent dieser
Vorschrift zu gebrauchen.
Wehrt man sich dagegen und sagt, es sei doch klar,
dass damit nur gewisse Gesetze von
andern abgegrenzt
worden seien, so antworte ich: Ja, Du kannst freilich nicht
eine Grenze ziehen, wenn Du von vornherein entschlossen bist, keine
anzuer-
644
kennen! —
Sollen die “Sätze” den unendlichen logischen Raum
erfüllen, so kann von keiner allgemeinen Satzform die Rede sein.
Es fragt sich dann natürlich: Wie gebrauchst Du nun das
Wort “Satz”? im Gegensatz wozu?
— Etwa im Gegensatz zu “Wort”,
“Satzteil”, “Buchtitel”,
Erzählung”, etc..
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760
(Ein Satz der von allen Sätzen oder allen Funktionen
handelt.
Was stellt man sich darunter vor? // Was
meint man damit? //
Es wäre wohl ein Satz der Logik.
Denken wir nun daran, wie der Satz
non2np = p
bewiesen wird.)
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Wenn ich “es verhält sich so und so” als allgemeine
Satzform gelten lasse, dann muss ich 2 und
2 2+2 = 4
unter die Sätze rechnen, denn es ist grammatisch richtig, zu sagen:
“es verhält sich so, dass
2+2 gleich 4
ist”.
Es braucht weitere Regeln, um die Sätze der Arithmetik
auszu- schliessen.
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Falsche Ideen über das Funktionieren der Sprache:
Dr Broad, der
sagte, etwas werde e werde eintreffen,
sei kein Satz.
Was spricht man dieser Aussage damit ab?
Etwas anderes, als, dass sie Gegenwärtiges oder
Vergangenes beschreibt? —
Die Magie mit Wörtern.
Ein solcher Satz, wie der Broads, kommt mir so vor, wie ein Versuch, eine chemische
Aende- rung magisch zu bewirken; indem man den
Substanzen, quasi, zu verstehen gibt, wassi sie tun sollen
(wenn man etwa Eisen in Gold überführen wollte, indem man ein
Stück Eisen mit der rechten und zugleich ein S[T|t]ück Gold
mit der linken Hand
fasste[.|)]./
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Man könnte :
Wie mach ich's denn, um ein Wort
immer richtig anzuwenden, schau ich immer in der Grammatik nach?
Nein, dass ich etwas meine — was ich
meine — hindert mich Unsinn zu
sagen[:|.] —
[a|A]ber was meine ich
denn?
Ich sage: ich rede vom Teilen eines Apfels, aber nicht vom Teilen
der Farbe Rot, weil ich beim Teilen eines
Apfels
343
mir etwas denken kann, etwas vorstellen,
etwas wollen kann; beim Aus- druck “Teilen einer
Farbe” nicht.
Und ist es etwa so, dass man bei
d[k|i]e- sem Wort nur noch keine Wirkung auf andere Menschen
beobachtet hat?!
|
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“Woher weiss ich, dass
ich Rot nicht teilen kann?” —
Die Frage selbst heisst nichts.
Ich möchte sagen:
Ich Man
muss mit der Un- terscheidung von Sinn und Unsinn
anfangen .
Vor ihr ist nichts möglich.
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Welcher Art nun sind die Regeln, welche sagen,
dass die und die Zusammenstellungen von Wörtern keinen
Sinn haben?
Sind sie von der Art derjenigen Vorschriften, welche etwa
sagen, dass es keine Spielstel- lung im Schach
ist, wenn zwei Figuren auf dem gleichen Feld stehen, oder wenn eine Figur
auf der Grenze zwischen zwei Feldern steht, etc.?
Diese Sät- ze sind wieder wie gewisse Handlungen,
?—wie wenn man etwa ein
Schachbrett—? aus einem
grösseren Stück karierten Papiers
herausschneidet.
Sie ziehen eine Grenze. —
Was heisst es denn, zu sagen: “diese
Wortzusammenstellung heisst
nichts”.
Von einem Namen kann man sagen “diesen Namen habe ich
niemandem gegeben” und das Namengeben ist eine bestimmte
Handlung (Uumhängen
eines Täfelchens).
Denken wir an die Darstellung einer Reise auf der Erde durch eine Linie
in der Projektion der zwei Halbkugeln und dass wir
sagen: ein
Linien-
578
stück, das auf der
Zeichenebene die Grenzkreise der Projektionen
verlässt, ist in dieser Darstellung sinnlos.
Man könnte auch sagen: nichts ist darüber ausgemacht
worden.
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Gesichtsraum und Retina.
Es ist, wie wenn man eine Kugel orthogonal auf eine, Ebene projiziert,
etwa in der Art, wie die beiden Halbkugeln der Erde in einem Atlas
dargestellt werden, und nun könnte einer glauben, dass,
was auf der Ebene ausserhalb der beiden
Kugelprojektionen vor sich geht, immerhin noch einer möglichen Ausdehnung
dessen entspricht, was sich auf der Kugel befindet.
Hier wird eben ein komplet- ter Raum auf
einen Teil eines andern Raumes projiziert; und analog ist
es mit den Grenzen der Sprache im Wörterbuch.
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Die Methode des Messens, z.B. des räumlichen
Messens, verhält sich zu einer be- stimmten Messung genau so, wie der
Sinn eines Satzes zu seiner Wahr- oder
Falschheit.
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Der Sinn eines des Satzes ist nicht pneumatisch,
sondern ist das, was auf die Frage nach der Erklärung des Sinnes zur
Antwort kommt.
Und — oder — der eine Sinn unterscheidet sich vom andern, wie
die Erklärung des einen von der Erklärung des andern.
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Welche Rolle der Satz im Kalkül spielt, das ist sein Sinn.
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590
Der Sinn steht also
nicht hinter ihm (wie der psychische Vorgang der
Vorstellungen etc.).
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Was heisst es denn: “entdecken,
dass ein Satz keinen Sinn hat”?
Und was heisst das: “wenn ich etwas
damit meine, muss es doch Sinn
haben”?
“Wenn ich etwas damit meine …” — wenn ich
was damit meine?!
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Was heisst es: “Wenn ich mir
etwas dabei vorstellen kann, muss es doch Sinn
haben”?
Wenn ich mir was dabei vorstellen kann?
Das, was ich sage? sagte? —
Das heisst nichts. //
Dann heisst dieser Satz nichts.
// —
Und ‘Etwas’?
Das würde heissen: Wenn ich die Worte
auf diese Weise benützen kann, dann haben sie Sinn.
Oder eigentlich: wenn ich sie zum Kalkulieren benütze, dann haben
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Man könnte auch so fragen: Ist der ganze Satz nur ein
unartiku- liertes Zeichen, in dem ich erst nachträglich
Aehnlichkeiten mit anderen Sät- zen
erkenne?
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Ja, man könnte unsere Frage in einer sehr elementaren Form
stel- len: Warum eine Sprache nicht mit
bloss einem Wort möglich ist //
auskommen könnte//, da es ja doch vorkommt,
dass ein Wort (in einer
Sprache) mehrere Bedeutungen hat.
(Warum also nicht alle?) [Satz zusammengesetzt]: Ist der Sinn die
Wirkg. des Satzes?
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In welchem Sinne kann ich sagen, der Satz sei ein Bild?
Wenn ich darüber denke, möchte ich sagen: er
muss ein Bild sein, damit er mir zeigen kann, was
ich tun soll, damit ich mich nach ihm richten kann.
Aber, dann willst Du
// also
// bloss sagen,
dass Du Dich nach dem Satz richtest in
demselben Sinne, in dem Du Dich nach einem Bild richtest.
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233
Ist jedes Bild ein Satz?
Und was heisst es, etwa zu sagen,
dass jedes als ein Satz gebraucht werden
kann?
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Ich kann die Beschreibung des Gartens in ein gemaltes Bild, das Bild in
eine Beschreibung übersetzen.
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Zu sagen, dass der Satz ein Bild sei, hebt gewisse
Züge in der Grammatik des Wortes “Satz” hervor.
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120
Das Denken ist ganz dem Zeichen von Bildern zu ver- gleichen.
Man kann aber auch sagen: Das Denken ist
(wesentlich) mit keinem Vorgang zu vergleichen und was wie ein
Vergleichsobjekt scheint, ist in Wirklichkeit ein
Beispiel.
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Wenn ich den Satz mit einem Masstab verglichen habe,
so habe ich, strenggenommen, nur einen Satz, der mit Hilfe eines
Masstabes die Länge eines Gegenstands
// eine Länge // beschreibt
aussagt, als Beispiel für alle Sätze
herangezogen. // als Beispiel eines Satzes
herangezogen.//
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Wenn man die Sätze als Vorschriften auffasst, um
Modelle zu bilden, wird ihre
128
Bildhaftigkeit noch
deutlicher.
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129
Wenn man sagt: Nur in Satzzusammenhang hat ein Wort Bedeutung,
so heisst das, dass ein Wort
seine Funktion als Wort nur im Satz hat, und das lässt
sich ebensowenig sagen, wie, dass ein Sessel seine
Aufgabe nur im Raum erfüllt.
Oder vielleicht besser: Wie ein
Zahnrad nur im Eingriff in andere Zähne
seine Funktion ausübt.
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Die Sprache muss von der Mannigfaltigkeit eines
Stellwerks sein, das die Handlungen
veranlasst, die ihren Sätzen
entsprechen.
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Die Uebereinstimmung von Satz und Wirklichkeit ist
die Uebereinstimmung zwischen Bild und Abgebildetem
nur so weit ähnlich, wie der Uebereinstimmung zwischen
einem Erinnerungsbild und dem Gegenwärtigen Gegenstand.
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Der Satz ist der Tatsache so ähnlich wie das Zeichen ‘5’
dem
305
Zeichen
‘3+2’.
Und das gemalte Bild der Tatsache, wie
‘!!!!!’ dem
Zeichen
‘!!+!!!’.
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Z.B. a, b, c, d bedeuten Bewegungen und zwar
a=,
b=,
c=,
d=.
Also heisst z.B. bccbda
der Linienzug
Nun, ist der Satz “bccbad” nicht ähnlich
jenem Linienzug?
Of- fenbar ja, in gewisser Weise.
(Ist es nicht genau die Aehnlichkeit ei- ner
Photographie und des photographierten Gegenstandes?)
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Wie ist es mit den Sätzen, die in Dichtungen vorkommen.
Hier kann doch gewiss von einer Verifikation nicht
geredet werden und doch haben diese Sätze Sinn.
Sie verhalten sich zu den Sätzen, für die es Verifikation gibt, wie ein
Genrebild zu einem Portrait.
Und dieses Gleichnis dürfte wirklich die Sache vollständig
darstellen.
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Wenn ich ein Bild anschaue, so sagt es mir etwas, auch wenn ich keinen
Augenblick glaube (mir einbilde), die Menschen seien wirklich oder
es habe wirkliche Menschen gegeben, von denen dies ein verkleinertes Bild
sei.
“Es sagt mir etwas” kann aber hier nur
heissen,
337
es bringt eine gewisse Einstellung
<…>in mir hervor.
Denn wie, wenn ich fragte: “was sagt es mir
denn”?
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Meine Stellung gegen das Bild ist auch keine hypotheti- sche, so
dass ich mir etwa sagte “wenn es solche
Menschen gäbe, dann …”
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Wenn ich
ein Genre- bild ansehe, so
halte ich die gemalten Menschen darin nicht für wirkliche Menschen,
andererseits ist ihre Aehnlichkeit mit Menschen für das
Ver- ständnis des Bildes wesentlich.
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Wenn man es für selbstverständlich hält, dass sich
der Mensch an seiner Phantasie vergnügt, so bedenke man,
dass diese Phantasie nicht wie ein gemaltes Bild
oder ein plastisches Modell ist, sondern ein kompliziertes
Ge- bilde aus heterogenen Bestandteilen: Wörtern und
Bildern.
Man wird dann das Operieren mit Schrift- und
Lautzeichen nicht mehr in Gegensatz stellen zu dem Operieren mit
“Vorstellungsbildern” der Ereignisse.
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Die Illustration in einem Buch ist dem Buch nichts fremdes, sondern
gesellt sich hinzu wie ein verwandter Behelf einem andern, — wie
etwa ein Reibahle dem Bohrer.
(Wenn einen die Hässlichkeit eines Menschen
abstösst, so kann sie im Bild, im gemalten,
gleichfalls abstossen, aber auch in der
Be- schreibung, in den Worten.)
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“Meine Erwartung ist so gemacht, dass, was
immer kommt, mit ihr übereinstimmen muss, oder
nicht.”
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Der Satz ist als Richter hingestellt und wir fühlen uns vor ihm
verantwortlich.”
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Ich sage, die Hand über demn
Tisch haltend, “ich wollte, dieser Tisch wäre so
hoch”.
Nun ist das Merkwürdige: die Hand über dem Tisch an und für sich
drückt gar nichts aus.
D.h., sie ist eine Hand über einem
Tisch, aber kein Symbol (wie der Pfeil, der etwa die Gehrichtung
anzeigen soll, an sich nichts ausdrückt).
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“Die Hand zeigt dahin”.
Aber in wiefern zeigt sie dahin? einfach, weil sie sich in einer
Richtung verjüngt?
(Zeigt ein Nagel in die Wand?)
D.h., ist es dasselbe zu sagen “sie
zeigt etc.” oder und
“sie verjüngt sich in dieser Richtung”?
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69
Man kann eine Lehne auf das Mass eines Körpers
einstellen, vorbereiten.
Dann liegt in dieser Einstellung zwar das eingestellte
Mass, aber in keiner Weise,
dass ein bestimmter Körper es hat.
Ja vor allem liegt darin keine Annahme darüber, ob der Körper dieses
Mass hat, oder nicht hat.
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Ich sagte, der Satz wäre wie ein Masstab an die
Wirklichkeit an- gelegt: Aber das der
Masstab ist, wie alle richtigen Gleichnisse des
Sat- zes, ein besonderer Fall eines Satzes.
Und auch er bestimmt nichts, solange man nicht mit ihm
misst.
Aber Messen ist Vergleichen (und muss
heissen,
Uebersetzen).
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Man möchte sagen: Lege den Masstab an
einen Körper an; er sagt nicht, dass der Körper so
lang ist.
Vielmehr ist er an sich gleichsam tot und leistet nichts von dem, was
der Gedanke leistet.
Es ist, als hätten wir uns eingebildet, das Wesentliche am lebenden
Menschen sei die äussere
137
Gestalt, und hätten nun
einen Holzblock von dieser Gestalt hergestellt und sähen mit Enttäuschung
den toten Klotz, der auch keine Aehnlichkeit mit dem
Leben hat.
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7
Man könnte sagen, die Erwartung ist kein Bild, sie
bedient sich nur eines Bildes.
Ich erwarte etwa, dass meine Uhr jetzt auf 7
zeigen wird und drücke dies durch ein Bild der Zeigerstellung
aus.
Dieses Bild kann ich nun mit der wirklichen Stellung vergleichen; die
Erwartung
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Mein Gedanke ist immer wenn einer
die Erwartung sehen könnte, dass er
müsste, was erwartet wurde.
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Gut, ich sage: wenn ich meine Uhr herausziehe, wird sie mir jetzt
entweder dieses Bild der Zeigerstellung bieten, oder
nicht.
Aber wie kann ich es ausdrücken, dass ich mich für
eine dieser Annahmen ent- scheide?
Jeder Gedanke ist der Ausdruck eines Gedankens.
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Ich könnte mein Problem so darstellen: Wenn ich
unter- suchen wollte, ob die Krönung Napoleons so und so stattgefunden hat, so
könnte ich mich dabei, als einer Urkunde, des Bildes bedienen, statt
einer Beschreibung.
Und es frägt sich nun, ist die ganze Vergleichung der Urkunde mit der
Wirklichkeit von der Art, wie der Vergleich der
Wirk- lichkeit mit dem Bild, oder gibt es dabei noch etwas Andres, von
andrer Art?
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Aber womit soll man die Wirklichkeit vergleichen,¿?¿, (:) als mit dem Satz?
Und was soll man andres tun, (:) als sie
mit ihm zu vergleichen?
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55
Wenn man das Beispiel von dem, durch Gebärden mitgeteilten Befehl
betrachtet, möchte man einerseits immer
sagen, : Ja,
dieses Beispiel ist eben unvollkommen, die Gebärdensprache zu roh, darum
kann sie den beabsichtigten Sinn nicht vollständig ausdrücken”
— aber tat- sächlich ist sie so gut wie jede denkbare andere, und
erfüllt ihren Zweck so vollständig, wie es überhaupt denkbar ist.
(Es ist eine der wichtigsten Einsichten, dass es
keine Verbesse- rung der Logik gibt.)
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Der Befehl
kommt
uns unvollständig vor.
Es scheint uns, als wäre etwas
nur angedeutet, was nicht ausgesprochen ist.
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Angedeutet aber ist etwas nur insofern, als ein System nicht
aus- drücklich, oder unvollkommen festgelegt ist.
Wir möchten sagen, es sei uns vollkommen angedeutet oder,
das Zeichen suggeriere nur undeutlich, was wir zu tun
hätten.
Es sei etwa in dem Sinn undeutlich, wie eine Tafel mit der
Aufschrift “Links Gehen” deutlicher wird, wenn
zugleich ein Pfeil die Rich- tung zeigt. //
Es sei etwa undeutlich in dem Sinn, in welchem wir der
Deut- lichkeit halber Zeichen ausführlicher
geben.//
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Aber für uns ist der Befehl deutlich, der unzweideutig ist; und einen
deutlichern gibt es nicht.
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Eindeutig aber kann er nur werden, dadurch, dass in
dem System von Befehlen eine Unterscheidung gemacht wird, die
die, wenn sie fehlt, eben die Zweideutigkeit hervorruft.
(Wenn also das System die richtige Mannig- faltigkeit
erhält.)
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Was, in der Logik, nicht nötig ist, hilft auch
nicht. //… ist auch nicht von
Nutzen.//
Was nicht nötig ist, ist überflüssig.
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Die Unbeholfenheit mit der das Zeichen wie ein Stummer durch allerlei
stu suggestive Gebärden sich verständlich zu machen
sucht, verschwindet, wenn wir erkennen, dass das
Wesentliche am Zeichen das System ist, dem es zugehört und sein übriger
Inhalt wegfällt.
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Jedes Symbol scheint als solches etwas offen zu lassen.
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Der Plan ist als Plan etwas Unbefriedigtes.
(Wie der Wunsch, die Erwartung, die Vermutung
u.s.f..)
Ich möchte manchmal mein Gefühl dem Plan gegenüber als eine Innervation
bezeichnen.
Aber auch die Innervation an sich ist nicht un- befriedigt,
ergänzungsbedürftig.
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In wiefern kann man den Wunsch ‘unbefriedigt’ nennen?
Was ist das Urbild // Vorbild // der
Unbefriedigung?
Ist es der leere Hohlraum (in den etwas
hineinpasst)?
Und würde man von einem leeren Raum sagen, er sei
unbe- friedigt?
Wäre das nicht auch eine Metapher?
Ist es nicht ein gewisses Gefühl, das wir Unbefriedigung
nennen?
Etwa der Hunger.
Aber der Hunger ent- hält nicht das Bild seiner Befriedigung.
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Die Hohlform ist nur unbefriedigt in dem System, in dem auch die
entsprechende Vollform vorkommt. // … in dem auch
die Vollform vorkommt.//
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, man kann das Wort “unbefriedigt” nicht
schlechtweg von einer Tatsache gebrauchen.
Es kann aber in einem System eine Tatsache be- schreiben
helfen.
Ich könnte z.B.
// festsetzen//, dass
ich den Hohlzylinder ‘den unbefriedigten Zylinder’
nennen werde, den entsprechenden Vollzylinder,
seine Befriedigung.
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Aber man kann nicht sagen, dass der Wunsch
‘p möge der Fall sein’ durch die Tatsache p
befriedigt wird.
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Einen Satz verstehen, heisst, eine Sprache
verstehen.
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Jeder Satz einer Sprache hat nur Sinn im Gegensatz zu anderen
Wortzusammenstellungen derselben Sprache.
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Wenn ein Satz nicht eine mögliche
unter anderen wäre, so hätte er keine
Funktion.
D.h.: Wenn ein Satz nicht das Ergebnis
einer Entscheidung wäre, hätte er nichts zu sagen.
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Denken ist Pläne machen.
Wenn Du Pläne machst, so machst Duu einen Plan
zum Unterschied von // im Gegensatz zu
// andern Plänen.
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[|]
im Gegensatz zu
ist ein anderes Zeichen als
im Gegen- satz zu
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“Geh so nicht so
” hat
nur Sinn, wenn es die Richtung ist, die dem Pfeil hier wesentlich ist,
und nicht, etwa nur die Länge.
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217
Man muss wissen, worauf im Zeichen man zu sehen
hat.
Etwa: auf welcher Ziffer der Zeiger steht, nicht darauf, wie lang es
ist.
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“Geh' in der Richtung, in der der Zeiger
zeigt”.
“Geh' so viele Meter in der Sekunde, als der Pfeil
cm lang ist”.
“Mach' so viele Schritte, als ich Pfeile
zeichne”.
“Zeichne diesen Pfeil nach”.
Für jeden dieser Befehle kann der gleiche Pfeil stehen.
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“Ich muss auf die Länge achten”,
“ich muss auf die Richtung
ach- ten”, d.h. ˇdas
heisst schon: auf die Länge im Gegensatz
zu anderen, etc..
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Wie soll ich mich nach der Uhr richten?
Wie kann ich mich nach diesem Bild
richten?
( richten ?
(Wie nach jedem andern.)
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Es zeigt mir jemand zum ersten Mal eine Uhr und will,
dass ich mich nach ihr richte.
Ich frage nun: worauf soll ich bei diesem Ding achten.
Und er sagt: auf die Stellung der Zeiger.
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Natürlich, das Zeichen eines Systems bezeichnet es nur im Gegensatz zu
anderen Systemen und setzt selbst ein System voraus.
(In- terne Relation, die nur besteht, wenn ihre Glieder da
sind.
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Was heisst es, wenn man sagt: “ich
kann mir das Gegenteil da- von nicht vorstellen”, oder
“wie wäre es denn, wenn's anders wäre”;
z.B. wenn jemand gesagt hat,
dass meine Vorstellungen privat seien, oder
dass nur ich selbst wissen kann, ob ich Schmerz
empfinde, und dergleichen.
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Wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie es anders wäre, so kann ich mir
auch nicht vorstellen, wie es so sein kann.
“Ich kann mir nicht vorstellen,”
heisst nämlich hier nicht, was es im Satz
“ich kann mir keinen Totenkopf vorstellen”
heisst.
Ich will damit nicht auf eine mangelnde Vorstellungskraft
deuten.
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Ich habe
tatsächlich nie gesehen, dass ein schwarzer Fleck nach
und nach immer heller wird, bis er weiss ist, und
dann immer rötlicher, bis er rot ist; aber ich
weiss, dass es möglich ist,
weil ich es mir vorstellen kann.
D.h., ich o[f|p]feriere mit
meinen Vorstellungen im Raume der Farben und tue mit ihnen, was mit den
Farben möglich wäre.
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Es scheint, als könnte man sagen so etwas sagen
wie: Die Wortsprache lässt
unsinnige Ausdrücke zu, die Sprache der
Vorstel- lungen aber nicht unsinnige Vorstellungen.
(Natürlich kann das, so wie es da steht, nichts
heissen.)
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Wenn es Sinn hat, zu sagen “ich kann
mir vorstellen, dass p der Fall ist”, so
hat es Sinn
zu sagen “p ist der Fall”.
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Was heisst es denn “entdecken,
dass ein Satz ˇkeinen Sinn
hat”?
Oder fragen wir so: Wie kann man denn die Unsinnigkeit
eines Satzes (etwa: “die- ser Körper ist
ausgedehnt”) dadurch bekräftigen, dass man
sagt: “Ich kann mir nicht vorstellen, wie
es? anders wäre”?
Denn, kann ich etwa versuchen, es mir
vorzustellen?
Heisst es nicht: Zu sagen,
dass ich es mir vorstelle, ist sinnlos?
Wie hilft mir dann also diese Umformung von einem Unsinn in einen
andern? —
Und warum sagt man gerade: “ich kann mir nicht
vorstellen, wie es anders wäre”? und nicht
— was doch auf dasselbe hinauskommt — “ich kann mir nicht
vorstellen, wie das wäre”?
Man erkennt scheinbar in dem unsinnigen Satz etwas wie eine Tautologie,
zum Unterschied von einer
Contradiction.
Aber das ist ja auch falsch. —
Man sagt gleichsam: “Ja, es er ist
ausgedehnt, aber wie könnte es denn
306
anders sein?
also, wozu es sagen?”.
Es ist dieselbe Tendenz, die uns auf den Satz “dieser Stab hat
ein bestimmte Länge” nicht antworten lässt
“Unsinn!”, sondern
“Freilich!”.
Was ist aber der Grund (zu?) diese
Tendenz?
Sie könnte auch so beschrieben werden: wenn wir die beiden Sätze
“dieser Stab hat eine Länge” und seine Verneinung
“dieser Stab hat keine Länge” hören, so sind wir
partei- isch und neigen dem ersten Satz zu (statt beide für Unsinn
zu erklären).
Der Grund hiervon ist aber eine Verwechslung: Wir
sehen den er- sten Satz verifiziert (und den zweiten
falsifiziert) dadurch, “dass der Stab
4m hat”.
Und man wird sagen: “und 4m ist doch eine
Länge” und vergisst,
dass man hier einen Satz der Grammatik hat.
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Warum sieht man es als Beweis dafür an, dass ein Satz
Sinn hat, dass ich mir, was er sagt, vorstellen
kann?
Weil ich diese Vorstellung
mit einem dem ersten verwandten Satz beschreiben
müsste.
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Könnte ich malen,
dass es sich so verhält, wenn es keinen
Sinn
312
hätte, zu sagen
“es verhält sich so”?
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Wenn man sagt, die Substanz ist unzerstörbar, so meint man,
es ist sinnlos, in ir- gend einem Zusammenhang — bejahend oder
verneinend — von dem “Zerstören einer Substanz” zu
reden. <[als Beispiel zu einem Fall der log.
Möglichkeit oder Unmöglichkeit] >
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Ich versuche etwas, kann es aber nicht. —
Was heisst es aber: “etwas nicht
versuchen können”?
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“Wir können auch nicht einmal versuchen ,
uns ein rundes Viereck vorzustellen”.
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Der Gebrauch des Satzes, das ist sein Sinn.
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Ich sage z.B. „auf diesem Tisch steht jetzt
keine Vase, aber es könnte eine da stehn; dagegen ist es
sinnlos zu sagen der Raum könnte vier
Dimensionen haben.”
Aber wenn der Satz dadurch sinnvoll
wird, daß er mit den grammatischen Regeln im Einklang ist, nun so machen wir
eben die Regel, die den Satz, <…>nser Raum habe vier
Dimensionen, erlaubt.
Wohl, aber damit ist nun die Grammatik dieses Ausdrucks
noch nicht festgelegt.
Nun müssen erst noch weitere estimmungen darüber
gemacht werden wie ein solcher Satz zu gebrauchen ist, wie er etwa
verifiziert wird.
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Wenn man auch den Satz als Bild des beschriebenen Sachver- halts
auffaßt & sagt der Satz zeige eben wie es ist,
wenn er wahr wä<…>e, er zeige also die Möglichkeit des
behaupteten Sachverhalts, so kann der Satz doch bestenfalls tun was ein
gemaltes oder modelliertes Bild tun kann tut, & er
kann also jedenfalls nicht das hinstellen
[erzeugen] was nun eben nicht der Fall ist.
[a|A]lso hängt es ganz von
Grammatik ab was möglich genannt wird & was
nicht, nämlich eben, was sie
zuläßt.
Aber das ist doch willkürlich! —
Gewiß, aber nicht mit jedem Gebilde kann ich etwas anfangen;
d.h.: nicht jedes Spiel ist nützlich &
wenn ich
ver bin etwas ganz Nutzloses
als Satz zuzulas- sen so geschieht es weil ich
ich mich durch eine Analogie dazu
veleiten lasse & nicht sehe daß mir für meinen Satz
noch die wesentlichen Re- geln der Anwendung fehlen.
So ist es wenn man von einer
unendlichen Baumreihe re- det & sich fragt, wie es denn zu
verifizieren sei, daß eine Baumreihe unend- lich ist & was etwa
die Bezie- hung dieser Verific<…>tion
zu der des Satzes „die Baumreihe hat 100 Bäume”
ist.
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Kann ein logisches Produkt in einem Satz verborgen sein?
Und wenn, wie erfährt man das, und was für Methoden haben wir, das im
Satz Verborgene ans Tageslicht zu
ziehen?
Haben wie noch keine sicheren Methoden,
(es zu finden,) dann können wir auch nicht
davon reden, dass etwas verborgen ist, oder
verborgen sein könnte.
Und haben wir eine Methode des Suchens, so kann das
logische Produkt etwa, im Satz nur so ver- borgen sein, wie es etwa die
Teilbarkeit durch 3 in der Zahl 753 ist, so- lange ich das Kriterium
noch nicht angewandt habe,
9
lange ich
das Kriterium noch nicht angewandt habe; , oder
aber auch die
√7
solange ich sie noch nicht ausgerechnet habe.
Denn, dasver ver- borgene logische Produckt finden,
ist eine mathematische Aufgabe.
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Also ist Eleme[b|n]tarsatz ein solcher, der sich in dem
Kalkül, wie ich es jetzt heute benütze, nicht als
Wahrheitsfunktion anderer Sätze darstellt.
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Die Idee, Elementarsätze zu konstruieren (wie dies
z.B. Carnap
versucht hat), beruht auf einer falschen Auffassung der logischen
Analyse.
Sie betrachtet das Problem dieser Analyse als das,
540
eine
Theorie der Elementarsätze zu finden.
Sie lehnt sich an das an, was, in der Mechanik
z.B., geschieht, wenn eine Anzahl von
Grundgeset- zen gefunden wird, aus denen das ganze System von Sätzen
hervorgeht.
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Meine eigene Auffassung war falsch:
Tteils, weil
ich mir über den Sinn der Worte “in einem Satz ist ein logisches
Produkt versteckt “ (und ähnlicher) nicht
klar war, zweitens, weil auch ich dachte, die logische Analyse müsse
verborgene Dinge an den Tag bringen (wie es die chemische und
physikalische tut).
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Man kann den Satz “dieser Ort ist jetzt rot” (oder
“dieser Kreis ist jetzt rot”, etc.)
einen Elementarsatz nennen, wenn man damit sagen will,
dass er weder eine Wahrheitsfunktion anderer Sätze
ist, noch als solche definiert
(ist?[.|)].
(Ich sehe hier von Verbindungen der Art
p &
(q·⌵·non-q)
und analogen ab.)
Aus “a ist jetzt rot” folgt aber “a
ist jetzt nicht grün” und die Elementarsätze in diesem Sinn sind
also nicht von einander unabhängig, wie
541
die Elementarsätze in
meinem seinerzeit beschriebenen Kalkül, von dem ich annahm, der ganze
Gebrauch der Sätze müsse sich auf ihn zurückführen las- sen; —
verleitet durch einen falschen Begriff von diesem
“zurückführen” // von dieser
Zurückführung//.
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122
Fähigkeit voraus Schmerzen zu fühlen und das kann
keine “physiologische Fähigkeit” sein — denn wie
wüsste man sonst, wozu es die Fähigkeit ist —
sondern eine logische Möglichkeit. —
Ich beschreibe meinen gegenwärtigen Zustand durch die Anspielung auf
Etwas, was nicht der Fall ist.
Wenn diese Hinweisung zu der Beschreibung nötig ist (und nicht
bloss eine Verzierung), so
muss in meinem gegenwärtigen Zustand etwas liegen, was
diese Erwähnung (Hinweisung) nötig
macht.
Ich vergleiche diesen Zustand mit einem anderen, also
muss er mit ihm vergleichbar sein.
Er muss auch im Schmerzraum liegen, wenn auch an
einer andern Stelle. —
Sonst würde mein Satz etwa heissen, mein
gegenwärtiger Zustand hat mit einem schmerzhaften nichts zu
tun ; etwa, wie ich sagen würde, die Farbe dieser Rose hat mit der
Eroberung Galliens durch Cäsar nichts zu tun.
D.h. es ist kein Zusammenhang vorhanden.
Aber ich meine gerade, dass zwischen meinem jetzigen
Zustand und einem schmerzhaften ein Zusammenhang
besteht.
|
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Wenn ich sage, ich habe heute Nacht nicht geträumt, so
muss ich doch wissen, wo nach dem Traum zu suchen
wäre (d.h., der Satz “ich habe
geträumt” darf, auf die Situation angewendet, nur falsch, aber
nicht unsinnig sein.
Ich drücke die gegenwärtige Situation durch eine Stellung — die
negative — der Signalscheibe “Träume — keine
Träume” aus.
Ich muss sie aber trotz ihrer negativen Stellung
von andern Signalscheiben unterscheiden können.
Ich muss wissen, dass ich
diese Signalscheibe in der Hand habe.
Man könnte nun fragen: Heisst das,
dass Du doch etwas gespürt hast, sozusagen die
Andeutung eines Traume, die dir die Stelle zum
Bewusstsein bringt, an der ein Traum ge- standen
wäre?
Oder, wenn ich sage “ich habe keine Schmerzen im Arm”,
heisst das, dass ich eine Art
schattenhaftes Gefühl habe, welches die Stelle andeutet, in die der
Schmerz eintreten würde?
Doch offenbar, nein.
Inwiefern enthält der gegenwärtige, schmerzlose, Zustand die Möglichkeit
der Schmerzen?
Wenn einer sagt: “Damit das Wort Schmerzen Bedeutung
habe, ist es notwendig, dass man Schmerzen als
solche erkennt, wenn sie auftreten”, so kann man
antworten: “Es ist nicht notwendiger, als
dass man das Fehlen von Schmerzen
erkennt”.
“Schmerzen” heisst sozusagen
der ganze Maßstab und nicht einer seiner Teilstriche.
Dass er auf einem bestimmten Teilstrich steht, ist
durch einen Satz auszudrücken.
|
| |
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|
Was wäre das für eine Frage:
‘Könnte denn Alles nicht der Fall sein, und
nichts der-Fall-sein’?
Könnte man sich einen Zustand einer Welt denken, in dem mit
Wahr- heit nur negative Sätze zu sagen wären?
Ist das nicht offenbar alles Unsinn?
Gibt es denn wesentlich negative und positive
Zustände?
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Ist absolute Stille zu verwechseln mit innerer Taubheit, ich meine der
Unbekannt- heit mit dem Begriff des Tones?
Wenn das der Fall wäre, so könnte man den Mangel des Ge- hörsinnes
nicht von dem Mangel eines andern Sinnes unterscheiden.
Ist das aber nicht genau dieselbe Frage wie: Ist der Mann, der
jetzt nichts Rotes um sich sieht, in derselben Lage, wie der, der unfähig
ist, rot zu sehen?
Man kann natürlich sagen: Der Eine kann sich rot doch
vorstellen, aber das vorge- stellte Rot ist ja nicht dasselbe, wie das
gesehene.
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Wenn ich nur etwas Schwarzes sehe und sage, es ist nicht rot, wie
weiss ich, dass ich nicht
Unsinn rede, d.h. dass es rot
sein kann, dass es ot
gibt?
Wenn nicht rot eben ein anderer Teilstrich auf dem Maßstab ist, auf dem
auch schwarz einer ist.
Was ist der Unterschied zwischen “das ist nicht rot”
und “das ist nicht abrakadabra”?
Ich muss offen- bar wissen,
dass “schwarz”, welches den
tatsächlichen Zustand beschreibt (oder beschrei- ben
hilft) das ist, an dessen Stelle in der Beschreibung
“rot” steht.
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Das Gefühlˇ ist, als müsste
non-p,
um p zu verneinen es erst in gewissem Sinne wahr
ma- chen.
Man fragt “ was ist nicht der
Fall”.
Dieses muss dargestellt werden, kann aber doch
nicht so dargestellt werden, dass p wirklich wahr
gemacht wird.
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Man könnte also vielleicht auch sagen:
Der Maßstab muss schon angelegt sein, ich kann
ihn nicht — willkürlich — anlegen, ich kann nur einen Teilstrich
darauf hervorheben.
Das kommt auf Folgendes hinaus: Wenn es um mich her vollkommen
still ist, so kann ich an diese Stille den Gehörsraum nicht willkürlich
anbringen (aufbauen), oder nicht anbringen.
D.h., es ist für mich entweder still im Gegensatz zu
einem Laut, oder das Wort
still hat keine Bedeutung für
mich.
D.h. ich kann nicht wählen zwischen
innerem Gehör und innerer Taubheit.
Und ebenso kann ich, wenn ich grau sehe, nicht zwischen normalem innerem
Sehen, partieller oder vollkommener Farbenblindheit
wählen .
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Kann ich mir Schmerzen in der Spitze meines Nagels
denken, oder in meinen Haaren?
Sind diese Schmerzen nicht ebenso, und ebenso wenig vorstellbar, wie die
an irgend einer Stelle des Körpers, wo ich gerade keine Schmerzen habe
und mich an keine erinnere?
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ie Verneinung enthält eine Art
Allgemeinheit.
Aber freilich muss auch die Bejahung sie enthalten
und nur einen andern Gebrauch von ihr machen.
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Non-p
schliesst p aus; [W|w]as es dann
[g|z]ulässt , hängt von der
Na- tur des
p ab.
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“non-p”
schliesst einfach p aus.
Was dann statt p der Fall
, folgt aus dem
Wesen des Ausgeschlossenen.
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“Wie kann das Wort ‘nicht’
verneinen?”
Ja, haben wir denn abgese- hen von der Verneinung
// ausser der Verneinung //
durch ein Zeichen, noch einen Begriff von der Verneinung?
Doch es fällt uns dabei etwas ein, wie: Hindernis, abwehrende
Geste, Ausschluss.
Aber das alles (ist) doch immer in einem
Zeichen verkörpert.
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Was ist der Unterschied zwischen: Wünschen,
dass etwas geschieht und Wünschen,
dass dasselbe nicht geschieht?
Wollte man es bildlich darstellen, man würde mit dem Bild der Handlung
etwas vornehmen, : es durchstreichen, in
bestimmter Weise ein- rahmen, und dergleichen.
Aber das erscheint uns als eine rohe Methode des
Ausdrucks; aber — ich glaube<,> —
dass jede wesentlich ebenso sein
muss; in der Wortsprache setze ich das Zeichen
“nicht”
67
in den Satz.
Wie gesagt, das scheint ein ungeschickter Behelf und man meint etwa, im
Denken geschieht es schon anders.
Ich glaube aber, im Denken, [e|E]rwarten, Wünschen,
geschieht es ganz ebenso.
Sonst würde ja auch die Diskrepanz zwischen dem Denken und dem Sprechen
— in dem wir ja doch denken — unerträglich sein.
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Noch einmal, der Ausdruck der Verneinung, den wir gebrauchen, wenn wir
uns irgendeiner Sprache Schrift bedienen,
erscheint uns primi- tiv ; als gäbe es einen richtigeren,
der mir nur in den rohen Ver- hältnissen dieser Sprache nicht zur
Verfügung steht.
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Dieses Primitive der Ausdrucks[c|f]orm, das uns bei der
Verneinung aufgefallen ist, haben wir schon früher begegnet; wenn man
nämlich etwa einem Menschen begreiflich machen will,
dass er einen gewissen Weg gehen soll, so kann man
ihm den Weg aufzeichnen, und hierin mit beliebig weitgehender Genauigkeit
verfahren.
Die Andeutung jedoch, die ihm verständlich machen soll,
dass er den Weg gehen soll, ist wieder
von der primitiven Art, die man gerne verbessern möchte.
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“Was hilft es, dass als Negationszeichen nur
ein Haken vor dem Satz p steht, ich muss ja
doch die ganze Negation denken”.
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356
Das Zeichen
“non”
deutet an, Du sollst das, was folgt, negativ
auffassen.
Es deutet an, heisstˇaber,
dass das nicht der letzte sprachliche Ausdruck
ist.
Dass das nicht das Bild des Gedankens ist.
Dass [M|m]ehr in der Negation ist als
wahr. das.
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Ich
sage[,|n]
die Verneinung ist nur eine Veranlassung um etwas viel
Komplexeres zu tun; aber was?
Lässt sich die Frage nicht be- antworten (und
das eine Symbol der Negation durch ein anderes zu ersetzen, ist keine
Antwort) so ist sie unsinnig, und dann ist es auch jener erste
Satz.
Es ist, als veranlasste uns das Zeichen der Negation
zu etwas; aber was, das wird scheinbar nicht gesagt.
Es ist, als brauchte es nur angedeutet werden; als
wüssten wir es schon.
?—Als wäre eine Erklärung jetzt unnötig, da
wir die Sache ohnehin schon kennen.—?
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Gäbe es eine explizitere Ausdrucksweise der Negation, so
müsste sie sich doch in die andere abbilden lassen und
könnte darum nicht von anderer Multiplizität sein.
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Nun wäre aber die Frage: wie zeigt sich das uns
[B|b]ekann- te Spezifische der Negation in den
Regeln, die vom Negationszeichen gelten //
handeln//.
Dass z.B. ein gezeichneter Plan
eines Weges ein Bild des Weges ist, verstehen wir ohne weiteres; wo sich
der gezeichnete Strich nach links biegt, biegt sich auch der Weg nach
links, etc.etc..
Dass aber das Zeichen “nicht”
den Plan ausschliesst, sehen wir nicht.
Eher noch, wenn wir etwas ausgeschlossenes mit einem Strich umfahren,
gleichsam ab- zäunen.
Aber so könnte man ja das
“non”
als eine Tafel auffassen
“erbo- tener
Weg”.
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“Ich sage doch diese Worte nicht bloss,
sondern ich meine auch etwas mit ihnen”.
Wenn ich z.B. sage “Du darfst nicht
hereinkommen”, so ist es der natürliche Akt, zur Begleitung
dieser Worte, mich vor die Tür zu
206
stellen und sie zuzuhalten. Aber es wäre nicht so offenbar naturgemäss,
wenn ich sie ihm bei diesen Worten öffnen würde.
Diese Worte haben, wie sie hier verstanden werden, offenbar etwas mit
jenem Akt zu tun.
Der Akt ist sozusagen eine Illustration zu ihnen —
müsste als Sprache aufgefasst
werden können.
Andrerseits ist er aber auch der Akt, den ich abgesehen von
jedem Symbolismus aus meiner Natur tun will
tue.
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Wie ist es aber mit diesem Gedanken: Wenn
“non-p”
ein
359
Bild sein soll, wäre, was
es bedeutet, nicht am besten dadurch darzustel- len,
dass das ˇim Zeichen nicht der
Fall ist, was darstellen würde, dass p der
Fall ist.
Es ist aber klar, dass so ein Symbolismus nicht
funktioniert.
Es ist dafür keine Erklärung, zu sagen (was ich einmal sagte),
ein solcher negativer Symbolismus ginge schon, er sei nur darum nicht zu
ge- brauchen, weil man aus ihm nicht erfahren könne, was
verneint sei.
Dann ist er eben kein Symbolismus der Negation, wenn er uns nicht das
Nö- tige mitteilt.
Und dann fehlt es ihm
Wesentliche.
Es hat ja seinen Grund, warum in gewissen Fällen der negative
Symbolismus funktioniert und z.B. keine Antwort auch
eine Antwort ist.
In diesen Fällen ist eben der Sinn des Schweigens eindeutig
bestimmt.
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Es wird eine andere Art Portrait entworfen, durch ein Bild, was zeigen
soll, wie es sich nicht verhält, als durch eines, was zeigt wie es sich
verhält.
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Die Farbangabe, dass etwas nicht rot ist, ist von
ande- rer Art als die, dass etwas rot (oder
blau) ge ist.
D.h. sie ist nicht in dem gleichen Sinn eine
Farbangabe.
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Dagegen kann die Negation eines Satzes eine
Angabe gleicher Art sein, wie der negierte Satz.
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Ich brauche im negativen Satz das intakte Bild des
positiven Satzes.
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360
Ich kann ein Bild davon zeichnen, wie Zwei
miteinan- der fechten; aber doch nicht davon, wie Zwei
miteinander nicht fechten (d.h. nicht ein Bild,
dass bloss dies darstellt).
“Sie fechten nicht miteinander”
heisst nicht, dass davon nicht
die Rede ist, sondern, es ist eben davon die Rede und wird
(nur?)
ausgeschlossen.
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Ich glaube, ein Teil der Schwierig- keit
rührt vom Gebrauch der Wörter „ja” &
„nein” her.
Diese beiden lassen es so erscheinen, als wäre ein Satz & sein
Gegenteil im Verhältnis zweier Pole zu einander oder zweier
entgegenge- setzter Richtungen.
Während schon, daß
~~p =
p ist, eine doppelte Beja- hung aber keine Verneinung ist,
zeigen kann, daß dieses Bild falsch ist.
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739
Wenn gefragt würde: ist die Negation //
Verneinung // in der Mathematik, etwa in
non(2+2 =
5), die gleiche, wie die nicht-mathe- matischer
Sätze? so müsste erst bestimmt werden, was als
Charakteristikum der // dieser
// Verneinung als solcher aufzufassen ist.
Die Bedeutung ei- nes Zeichens liegt ja in den Regeln, nach
denen es verwendet wird // in den Regeln, die seinen
Gebrauch vorschreiben //.
Welche dieser Regeln machen das Zeichen
“non”
zur Verneinung?
Denn es ist klar, dass gewisse Regeln, die sich
auf
“non”
beziehen, für beide Fälle die gleichen sind; z.B.
non-non-p
=
p.
Man könnte ja auch fragen: ist die Verneinung eines Satzes
“ich sehe einen roten Fleck” die gleiche, wie die von
“die Erde bewegt sich in einer Elipse um die
Sonne”; und die Antwort müsste auch
sein: Wie hast Du “Ver- neinung”
definiert, durch welche Klasse von Regeln? — daraus wird sich
er- geben, ob wir in beiden Fällen “die gleiche
Verneinung” haben.
Wenn die Lo- gik allgemein von der Verneinung redet, oder einen
Kalkül mit ihr treibt, so ist die Bedeutung des Verneinungszeichens nicht
weiter festgelegt, als die Regeln seines Kalküls.
Wir dürfen hier nicht vergessen, dass ein Wort
seine Bedeutung nicht als etwas, ihm ein für allemal verliehenes, mit
sich herumträgt, sodass wir sicher sind, wenn wir
nach dieser Flasche greifen, auch die bestimmte Flüssigkeit, etwa
Spiritus, zu erwischen. //… auch die bestimmte
Flüssigkeit, z.B. Spiritus, in der Hand zu
halten.//
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Die Grammatik, wenn sie in der Form eines Buches uns vorläge, bestünde
nicht aus einer Reihe bloss nebengeordneter Artikel,
sondern würde eine andere Struktur zeigen.
Und in dieser müsste man — wenn ich Recht
habe — auch den Unterschied zwischen Phänomenologischem und
Nicht-Phänomenologischem sehen.
Es wäre da etwa ein Kapitel von den Far- ben, worin der Gebrauch der
Farbwörter geregelt wäre; aber dem vergleich- bar wäre nicht, was über
die Wörter “nicht”, “oder”,
etc. (die “logischen
365
Konstanten”)
in der Grammatik gesagt würde.
Es würde z.B. aus den Regeln hervorgehen,
dass diese letzteren Wörter in? jedem
Satz anzuwenden seien (nicht aber die Farbwörter).
Und dieses “jedem” hätte nicht den Charakter einer
erfahrungsmässigen Allge- meinheit; sondern der
inappellablen Allgemeinheit einer obersten
Spielre- gel.
Es scheint mir ähnlich, wie das Schachspiel wohl ohne gewisse Figuren
zu spielen (oder doch fortzusetzen) ist, aber nie ohne das
Schachbrett.
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Wie offenbart sich die Zeitlichkeit der Tatsachen, wie drückt sie sich
aus, als dadurch, dass gewisse
Ausdrücke Wendungen in unsern
Sätzen vorkommen müssen.
D.h.: Wie drückt sich die Zeitlichkeit
der Tatsachen aus, als grammatisch?
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Negation und Disjunktion, möchten wir sagen, hat mit dem Wesen
des Satzes zu tun, die Zeit aber nicht, sondern mit seinem Inhalt.
Wie aber kann es sich in der Grammatik zeigen, dass
Etwas mit dem Wesen des Satzes zusammenhängt und [E|e]twas
anderes nicht, wenn sie beide gleich allgemein sind?
Oder sollte ich sagen, die geringere Allgemeinheit wäre auf seiten der
Zeit, da die mathematischen Sätze negiert und disjungiert werden
kön- nen, aber nicht zeitlich sind?
Ein Zusammenhang ist wohl da, wenn auch die- se Form, die Sache
darzustellen, irreführend ist.
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Wie unterscheidet die Grammatik zwischen Satzform und Inhalt?
Denn dies sollen ja ein grammatikalischer Unterschied
sein.
Wie sollte man ihn beschreiben können, wenn ihn die Grammatik nicht
zeigt?
367
Was hat es mit dem Schema “Es verhält sich so und
so” für eine Bewandtnis?
Man könnte sagen, das “Es verhält sich” ist die
Handhabe für den Angriff der Wahrheitsfunktionen.
“Es verhält sich” ist also nur ein Ausdruck aus einer
Notation der Wahrheitsfunktionen.
Ein Ausdruck, der uns zeigt, welcher Teil der Grammatik hier in
Funktion tritt.
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?—Jene zweifache Art der Allgemeinheit wäre so
seltsam—?, wie wenn von zwei Regeln eines
Spiels, die beide gleich ausnahmslos gel- ten, die eine als die
fundamentalere angesprochen würde.
Als könnte man also fragen //
darüber reden//, ob der König oder das Schachbrett
für das Schachspiel essentieller wäre.
Welches von beiden das Wesentlichere, welches das
Zufälligere wäre.
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369
Zum mindesten scheint eine Frage berechtigt: Wenn ich die
Grammatik aufgeschrieben hätte und die verschiedenen Kapitel, über die
Farbwörter, etc.etc. der Reihe nach da
stünden, wie Regeln über alle die Figuren des Schachspiels, wie
wüsste ich dann, dass dies nun
alle Kapitel sind?
Und wenn sich nun in allen vorhandenen Kapiteln eine ge- meinsame
Eigentümlichkeit findet, so haben wir es hier scheinbar mit
ei- ner logischen Allgemeinheit, aber keiner wesentlichen,
d.h. vorausseh- baren Allgemeinheit, zu
tun.
Man kann aber doch nicht sagen, dass die Tatsache,
dass das Schachspiel mit 16 Figuren gespielt wird, ihm
weniger wesentlich ist, als, dass es auf dem
Schachbrett gespielt wird.
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Da Zeit und Wahrheitsfunktionen so verschieden schmecken und da sie ihr
Wesen allein und ganz in der Grammatik offenbaren, so
muss die Grammatik den verschiedenen Geschmack
erklären.
Das eine schmeckt nach Inhalt, das andere nach Darstellungsform.
Sie schmecken so verschieden, wie der Plan und der Strich durch den
Plan.
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Es kommt mir so vor, als wäre die Gegenwart, wie sie in dem Satz
“der Himmel ist blau” steht (wenn dieser Satz
nicht-hypothetisch gemeint ist) keine Form der
Gegenwart Zeit.
Als ob also die Gegenwart in diesem Sinne unzeitlich
wäre.
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merkwürdig,
dass die Zeit, von der ich hier rede, nicht die im
physikalischen Sinne ist.
Es handelt sich hier nicht um eine Zeitmessung.
Und es ist verdächtig, dass etwas, was mit
ei- ner solchen Messung nichts zu tun hat, in den Sätzen eine
ähnliche Rolle spielen soll, wie die physikalische Zeit in den
Hypothesen der Physik.
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<…>
Unterschied
zwischen der Logik des Inhalts und der Logik der Satzform
überhaupt.
Das eine erscheint gleichsam bunt, das andere matt.
Das eine , was das Bild darstellt, das andere, wie der
Rahmen des Bildes ein Charakteristikum der Bildform .
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Dass alle
Sätze die Zeit in irgend einer Weise enthalten, scheint uns zufällig, im
Vergleich da, dass auf alle Sätze die
Wahrheitsfunktionen anwendbar sind.
Das scheint mit ihrem Wesen als Sätzen zusammenzuhängen, das andere mit
dem Wesen der vorgefundenen Realität.
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Eine Hypothese könnte man offenbar durch Bilder erklären.
Ich meine, man könnte z.B. die Hypothese
“hier liegt ein Buch” durch Bilder erklären, die
das Buch im Grund- riss,
Aufriss und verschiedenen Schnitten zeigen.
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Eine solche Darstellung gibt ein Gesetz .
Wie die Gleichung einer Kurve ein Gesetz gibt, nach der die
Ordinatenabschnitte aufzufinden sind, wenn man in verschiedenen Abszissen
schneidet.
Die fl fallweisen Verifikationen entsprechen dann
solchen wirklich ausgeführten Schnitten.
Wenn unsere Erfahrungen die Punkte auf einer Geraden ergeben, so ist der
Satz, dass diese Erfahrungen die verschiedenen
Ansichten einer Geraden sind, eine Hypothese.
Die Hypothese ist eine Art der Darstellung dieser Realität, denn eine neue
Erfah- rung kann mit ihr übereinstimmen oder nicht-übereinstimmen,
bezw. eine Aenderung der
Hypothese nötig machen.
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139'
Drücken wir z.B. den Satz, dass
eine Kugel sich in einer bestimmten Entfernung von unseren Augen befindet
mit Hilfe eines Koordinatensystems und er Kugelgleichung aus, so hat
diese Beschreibung eine grössere
Manni[f|g]faltigkeit, als die einer Verifikation durch das
Auge.
Jene Mannigfaltigkeit entspricht nicht einer Verifikation,
son- dern einem Gesetz , welchem Verifikationen
gehorchen.
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Eine Hypothese ist ein Gesetz zur Bildung von Sätzen.
Man könnte auch sagen: Eine Hypothese ist ein Gesetz zur
Bildung von Erwartungen.
Ein Satz ist sozusagen ein Schnitt durch eine Hypothese
der in einem bestimmten Ort.
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Nach meinem Prinzip müssen die beiden Annahmen ihrem Sinne nach identisch
sein, wenn alle mögliche Erfahrung, die die eine bestätigt,
auch die andere bestä- tigt.
Wenn also keine Entscheidung zwischen durch die Erfahrung denkbar
ist.
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Darstellung einer Linie als Gerade mit Abweichun- gen.
Die Gleichung der Linie enthält einen Parameter, dessen Verlauf die
Abweichungen von der Geraden ausdrückt.
Es ist nicht wesentlich, dass
die-
758 se Abweichungen
“gering” seien.
Sie können so gross sein, dass
die Linie einer Geraden nicht ähnlich sieht.
Die “Gerade mit Abweichungen” ist nur eine Form der
Beschreibung.
Sie erleichtert es mir, einen bestimmten Teil der Beschreibung
auszuschalten, zu vernachlässigen, wenn ich will.
(Die Form “Regel mit Ausnahmen”.)
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Was heisst es, sicher zu sein,
dass man Zahnschmerzen haben wird.
( Kann man nicht sicher sein, dann erlaubt es die
Grammatik nicht, das Wort “sicher” in dieser Verbindung
zu gebrauchen.)
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Man sagt: “Wenn ich sage, dass
ich einen Sessel dort sehe, so sage ich mehr, als ich sicher
weiss”.
Und nun heisst es meistens:
“Aber
154 eines
weiss ich doch sicher”.
Wenn man aber nun sagen will, was das ist, so kommt man in eine gewisse
Verlegenheit.
“Ich sehe etwas Braunes , — das ist
sicher”; damit will man eigentlich sagen,
dass die braune Farbe gesehen, und nicht
vielleicht auch nur bloss vermutet
ist (wie etwa in dem Fall, wo ich es sie aus gewissen
anderen Anzeichen vermute). //…und nicht
vielleicht auch bloss aus anderen An- zeichen
vermutet ist.//
Und man sagt ja auch einfach: “Etwas Braunes
se- he ich”.
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Wenn mir gesagt wird: “Sieh in dieses Fernrohr und
zeichne mir auf, was Du siehst”, so ist, was ich zeichne, der
Ausdruck eines Satzes, nicht einer Hypothese.
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Wenn ich sage “hier steht ein Sessel”, so ist damit
— wie man sagt — “mehr” gemeint, als die
Beschreibung dessen, was ich wahrnehme.
Und das kann nur heissen,
dass dieser Satz nicht wahr sein
muss, auch wenn die Beschreibung des Gesehenen
stimmt.
Unter welchen Umständen werde ich nun sagen, dass
jener Satz nicht wahr war?
Offenbar: wenn gewisse andere Sätze nicht wahr sind, die in dem
ersten mit beinhaltet waren.
Aber es ist nicht so, als ob nun der erste ein logisches Produkt
gewesen wäre.
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Das beste Gleichnis für jede Hypothese, und selbst ein Beispiel, ist
ein Körper mit seinen nach einer bestimmten Regel konstruier- ten
Ansichten aus den verschiedenen Punkten des Raumes.
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Der Vorgang einer Erkenntnis in einer wissenschaftli- chen
Untersuchung (in der Experimentalphysik etwa) ist freilich nicht
der einer Erkenntnis im Leben ausserhalb dem
des Laboratoriums; aber er ist ein ähnlicher und kann,
neben den andern gestellt // gehalten//,
diesen beleuchten.
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Es ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Sätzen wie “das
ist ein Löwe”, “die Sonne ist grösser
als die Erde”, die alle ein “dieses”,
“jetzt”, “hier” enthalten und also an
die Realität unmittel- bar anknüpfen, und Sätzen wie “Menschen
haben zwei Hände” etc.
Denn, wenn zufällig keine Menschen in meiner Umgebung wären, wie wollte
ich diesen Satz kontrollieren?
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Es werden immer Fassetten der Hypothese
verifiziert.
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Ist es nun nicht etwa so, dass das , was
die Hypo- these erklärt, selbst nur wieder durch eine Hypothese
ausdrückbar ist.
Das heisst natürlich: gibt es
überhaupt primäre Sätze; die also endgültig verifizierbar sind,
und nicht die Fassetten einer Hypothese sind?
(Das ist etwa, als würde man fragen “gibt es Flächen, die
nicht Oberflächen von Körpern sind?”)
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Es kann jedenfalls kein Unterschied sein zwischen einer Hypothese, als
Ausdruck einer unmittelbaren Erfahrung gebraucht, und einem Satz im
engeren Sinne.
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334
Es ist ein Unterschied zwischen einem Satz wie “hier liegt
eine Kugel vor mir” und “es schaut so aus, als läge eine
Kugel vor mir”. —
Das zeigt sich auch so: man kann sagen “es scheint eine
Kugel vor mir zu liegen”, aber es ist sinnlos zu sagen:
“es schaut so aus, als schiene eine Kugel hier zu
liegen”.
Wie man auch sagen kann “hier liegt wahrscheinlich eine
Kugel”, aber nicht “wahrscheinlich scheint hier eine
Kugel zu liegen”.
Man würde in so einem Falle sagen: “ob es
scheint , musst Du doch
wissen”.
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In dem, was den Satz mit der gegebenen Tatsache ver- bindet, ist
nichts Hypothetisches.
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Es ist doch klar, dass eine Hypothese von der
Wirklich- keit — ich meine von der unmittelbaren Erfahrung —
einmal mit ja, einmal mit nein beantwortet wird; (wobei freilich das
“ja” und “nein” hier nur Bestätigung
und Fehlen der Bestätigung ausdrückt) und
dass man dieser
336 Bejahung und Verneinung
Ausdruck verleihen kann.
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Die Hypothese wird, mit der Fassette an
die Realität angelegt, zum Satz.
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Ob der Körper, den ich sehe, eine Kugel ist, kann zweifelhaft sein,
aber, dass er von hier etwa eine Kugel zu sein
scheint, kann nicht zweifelhaft sein. —
Der Mechanismus der Hypothese würde nicht funktionieren, wenn
der Schein auch noch zweifelhaft wäre;
338 wenn also auch nicht eine
Fassette der Hypothese unzweifelhaft verifi- ziert
würde.
Wenn es hier Zweifel gäbe, was könnte den Zweifel heben?
Wenn auch diese Verbindung locker wäre, so gäbe es auch nicht
Bestäti- gung einer Hypothese, die Hypothese hinge dann gänzlich
in der Luft und wäre zwecklos (und damit
sinnlos).
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Wenn ich sagte “ich sah einen Sessel”; so
wider- spricht dem (in einem Sinne) nicht der Satz
“es war keiner da”.
Denn den ersten Satz würde ich auch in der Beschreibung eines Traums
verwenden und niemand würde mir dann mit den Worten des zweiten
widerssprechen.
Aber die Beschreibung des Traums mit jenen Worten wirft ein Licht auf
den Sinn der Worte “ ich sah ”.
In dem Satz “es war ja keiner da” kann das
“da” übrigens ver- schiedene Bedeutung haben.
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Ich stimme mit den Anschauungen neuerer Physiker überein, wenn sie
sagen, dass die Zeichen in ihren Gleichungen keine
“Be- deutungen” mehr haben, und
dass die Physik zu keinen solchen Bedeutungen
gelangen können, sondern bei den Zeichen stehen bleiben
müsse: sie sehen nämlich nicht, dass
diese Zeichen insofern Bedeutung haben — und nur inso- fern —
als ihnen, auf welchen Umwegen immer, das beobachtete Phänomen
ent- spricht, oder nicht entspricht.
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Denken wir uns, dass das Schachspiel nicht als
Brettspiel erfunden worden wäre, sondern als Spiel, das mit Ziffern und
Buchstaben auf Papier zu spielen ist und so<…>,
dass sich niemand dabei ein Quadrat mit 64 Feldern
etc. vorgestellt hätte.
Nun aber hätte jemand die Entdeckung gemacht, dass
dieses Spiel ganz einem entspricht, das man auf einem Brett in der und
der Weise spielen könnte.
Diese Erfindung wäre eine grosse Erleichterung des
Spiels ge- wesen (Leute, denen es früher zu schwer gewesen wäre,
könnten es nun spielen).
Aber es ist klar, dass diese neue Illustration der
Spielregeln nur ein neuer, leichter übersehbarer, Symbolismus wäre, der
übrigens mit dem [g|G]eschriebenen auf gleicher Stufe
stünde.
Vergleiche nun damit das Gerede darüber, dass die
Physik heute nicht mehr mit mechanischen Modellen, sondern “nur mit
Symbolen” arbeitet.
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Die Wahrscheinlichkeit einer Hypothese hat ihr Maß darin, wieviel Evidenz
nötig ist, um es vorteilhaft zu machen, sie
umzustossen.
Nur in diesem Sinne kann man sagen, dass wiederholte
gleichförmige Erfahrung in der Vergangenheit das Andauern dieser
Gleichförmigkeit in der Zukunft wahrscheinlich macht.
Wenn ich nun in diesem Sinne sage: Ich nehmen an,
dass morgen die Sonne wieder auf- gehen wird, weil
das Gegenteil zu unwahrscheinlich ist, so meine ich hiermit mit
“wahr- scheinlich” oder
“unwahrscheinlich” etwas ganz Anderes, als mit diesen
Worten im Satz
124'
“es ist
gleichwahrscheinlich, dass ich Kopf oder Adler
werfe” gemeint ist.
Die beiden Bedeutungen des Wortes “wahrscheinlich”
stehen zwar in einem gewissen Zusammenhang, aber sie sind nicht
identisch.
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Man gibt die Hypothese nur um einen immer höheren Preis auf.
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Die Induktion ist ein Vorgang nach einem ökonomischen Prinzip.
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Die Frage der Einfachheit der Darstellung durch eine bestimmte angenommene
Hypo- these hängt, glaube ich, unmittelbar mit der Frage der
Wahrscheinlichkeit zusammen.
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Man kann einen Teil Hypothese vergleichen mit der Bewegung eines Teils
eines Getriebes, einer Bewegung, die man festlegen kann, ohne dadurch die
bezweckte Bewegung zu präjudizieren.
Wohl aber hat man dann das übrige Getriebe auf eine bestimmte Art
ein- zurichten, dass es die gewünschte Bewegung
hervorbringt.
Ich denke an ein Differen[z|t]ial- getriebe.
—
Habe ich die Entscheidung getroffen, dass
von einem gewissen Teil meiner Hypothese nicht abgewichen werden soll,
was immer die zu beschreibende Erfahrung sei, so habe ich eine
Darstellungsweise festgelegt und jener Teil der Hypothe- se ist nun ein
Postulat.
Ein Postulat muss von solcher Art sein,
dass keine denkbare Erfahrung es widerlegen kann,
wann es auch äusserst unbequem sein mag, an dem
Postulat festzu- halten.
In dem Maße, wie man hier von einer grösseren oder
geringeren Bequemlichkeit reden kann, gibt es eine
grössere oder geringere Wahrscheinlichkeit des
Postulats.
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159'
Von einem Maß dieser Wahrscheinlichkeit zu reden, ist nun vor der Hand
sinnlos.
Es verhält sich hier ähnlich, wie im Falle, etwa, zweier Zahlenarten, wo
wir mit einem gewissen Recht sagen können, die eine sei der andern
ähnlicher (stehe ihr näher) als einer dritten, ein
zahlenmässiges Maß der
Aehnlichkeit aber nicht existiert.
Man könn- te sich natürlich auch in solchen Fällen ein Maß
konstruiert denken, indem man etwa die Postulate oder Axiome zählt, die
beide Systeme gemein haben,
etc.etc..
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Ich geben jemandem die Information und nur diese: Du wirst
um die und die Zeit auf der Strecke A B einen Lichtpunkt erscheinen
sehen.
Hat nun die Frage einen Sinn “ist es
wahrscheinlicher, dass dieser Punkt im
Interval A C erscheint, als in C
B”?
Ich glaube, offenbar nein. —
Ich kann freilich bestimmen, dass die
Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis in C B
eintrif[f|t]t, sich zu der, dass es
in A C eintrif[f|t]t, verhalten soll, wie
CB/AC, aber, das ist eine Bestimmung, zu der ich
empirische Gründe haben kann, aber a priori ist darüber nichts zu
sagen.
Die beobachtete Verteilung von Ereignissen kann nicht zu dieser Annahme
führen.
Die Wahrscheinlichkeitm, wo unendlich viele Möglich- keiten
in Betracht kommen, muss natürlich als Limes betrachtet
werden.
Teile ich näm- lich die Strecke A B in beliebig viele, beliebig
ungleiche Teile und betrachte die Wahrscheinlichkeiten,
dass das Ereignis in irgend einem dieser Teile
stattfindet als untereinander glei[v|c]h, so haben wir sofort
den einfachen Fall des Würfels vor u[h|n]s.
Und nun kann ich ein Gesetz — willkürlich — aufstellen,
wonach Teile gleicher Wahrschein- lichkeit gebildet werden
sollen.
Z.B., das Gesetz, dass gleiche
Länge der Teile glei- che Wahrscheinlichkeit bedingt.
Aber auch jedes andere Gesetz ist gleichermaßen er- laubt.
Könnte ich nicht auch im Fall des Würfels etwa 5 Flächen zusammennehmen
als eine Möglichkeit und sie der sechsten als der zweiten Möglichkeit
gegenüberstellen?
Und was, ausser der Erfahrung, kann mich hindern,
diese beiden Möglichkeiten als
gleichwahr- scheinlich zu betrachten?
Denken wir uns etwa einen roten Ball geworfen, der nur eine ganz kleine
grüne Calotte hat.
Ist es in diesem Fall nicht viel wahrscheinlicher,
dass er auf dem roten Teil auffällt, als auf dem
[G|g]rünen? —
Wie würde man aber diesen Satz begründen?
Wohl dadurch, dass der Ball, wenn man ihn wirft,
viel öfter auf die rote, als auf die grüne Fläche auffällt.
Aber das hat nichts mit der Logik zu tun. —
Man könnte die rote und grüne Fläche und die Ereignisse,
die auf ihnen stattfinden immer auf solche Art auf eine Fläche
projizieren, dass die Projektion der grünen Fläche
gleich oder grösser wäre, als die der roten; so,
dass die Ereignisse, in dieser Projektion betrachtet,
ein ganz anderes Wahrscheinlichkeitsverhältnis zu haben scheinen, als auf
der ursprünglichen Fläche.
Wenn ich z.B. die Ereignisse in einem geeigneten
gekrümmten Spiegel sich ab- bilden lasse und mir nun denke, was ich für
das [W|w]ahrscheinlichere Ereignis gehalten hätte, wenn ich
nur das Bild im Spiegel sehe.
Dasjenige, was der Spiegel nicht verändern kann, ist die Anzahl bestimmt
umrisse- ner Möglichkeiten.
Wenn ich also auf meinem Ball n Farbflecke habe, so zeigt der
Spie- gel auch n, und habe ich bestimmt ,
dass diese als
gleichwahrscheinlich gel- ten sollen, so kann ich diese Bestimmung auch
für das Spiegelbild aufrecht erhalten.
Um mich noch deutlicher zu machen: Wenn ich das Experiment im
Hohlspiegel ausführe, d.h. die
Beobachtungen im Hohlspiegel mache, so wird es vielleicht
schei- nen, als fiele der Ball öfter auf die kleine Fläche, als auf die
viel grössere und es ist klar,
dass keinem der Experimente — im Hohlspiegel und
ausserhalb — ein Vorzug ge- bührt.
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Wir können unser altes Prinzip auf die Sätze, die eine Wahrscheinlichkeit
aus- drücken, anwenden und sagen, dass wir ihren
Sinn erkennen werden, wenn wir bedenken, was sie verifiziert.
Wenn ich sage “das wird wahrscheinlich eintreffen”, wird
dieser Satz durch das Eintreffen verifizie[t|r]t, oder durch
das Nichteintreffen falsifiziert?
Ich glaube, of- fenbar nein.
Dann sagt er auch nichts darüber aus.
Denn, wenn ein Streit darüber ent- stünde, ob es wahrscheinlich ist
oder nicht, so würden immer nur Argumente aus der Ver- gangenheit
herangezogen werden.
Und auch dann nur, wenn es bereits bekannt wäre, was ein- getroffen
ist.
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Die Kausalität beruht auf einer beobachteten Gleichförmigkeit.
Nun ist zwar nicht gesagt, dass eine bisher
beobachtete Gleichförmigkeit immer so weiter gehen wird, aber,
dass die Ereignisse bisher gleichförmig waren,
muss feststehen; das kann nicht
wie- der das unsichere Resultat einer empierischen Reihe sein,
die selbst auch wieder nicht gegeben ist, sondern von einer ebenso
unsicheren abhängt, u.s.f. ad
inf.
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Wenn Leute sagen, der Satz “es ist wahrscheinlich,
dass p eintreffen wird” sage etwas über
das Ereignis p, so vergessen sie, dass es auch
wahrscheinlich bleibt, wenn das Ereignis p nicht
ein- trifft.
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Wir sagen mit dem Satz “p wird wahrscheinlich
ein- treffen” zwar etwas über die Zukunft, aber nicht etwas
“ über das Er- eignis p”, wie die
grammatische Form der Aussage uns glauben macht.
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Wenn ich nach dem Grund einer Behauptung frage, so ist die Antwort auf
diese Frage nicht für den Gefragten und eben diese Handlung
(die Behauptung), sondern allgemein gültig.
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Wenn ich sage: “das Wetter deutet auf Regen”,
sage ich etwas über das zukünftige Wetter?
Nein, sondern über das gegenwärtige,
545 mit Hilfe eines Gesetzes,
welches das Wetter zu einer Zeit mit dem Wetter zu einer
späteren // in einer früheren //
Zeit in Verbindung bringt.
Die- ses Gesetz muss bereits vorhanden sein, und
mit seiner Hilfe fassen wir gewisse Aussagen über unsere Erfahrung
zusammen. —
Aber dasselbe könnte man dann auch für historische Aussagen
be- haupten.
Aber es war ˇja auch vorschnell, zu sagen, der Satz “das
Wetter deu- tet auf Regen” sage nichts über das
zukünftige Wetter.
Das kommt darauf an, was man darunter versteht “etwas über
etwas
ˇauszusagen”.
Der Satz sagt eben seinen Wortlaut!
Der Satz “p wird wahrscheinlich eintreten”
sagt // Er sagt // nur etwas über die
Zukunft in einem Sinn, in welchen seine Wahr- und
Falschheit gänzlich unabhängig ist von dem, was in der Zukunft geschehen
wird.
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Wenn wir sagen, “das Gewehr zielt jetzt auf den
Punkt P”, so sagen wir nichts darüber, wohin der
Schuss treffen wird.
Der Punkt auf den es zeigt zielt, ist ein
geometrisches Hilfsmittel zur Angabe seiner Richtung.
Dass wir gerade dieses Mittel verwenden, hängt
allerdings mit gewissen Erfahrungen // Beobachtungen
// zusammen (Wurfparabel, etc.), aber
diese treten jetzt nicht in die Beschreibung der Richtung ein.
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747
Die Gallstone'sche Photographie, das Bild einer Wahrscheinlichkeit.
Das Gesetz der Wahrscheinlichkeit, das Naturgesetz, was man sieht, wenn
man blinzelt.
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Was heisst es: “die Punkte, die das
Experiment lie- fert, liegen durchschnittlich auf einer
Geraden”? oder: “wenn ich mit ei- nem
guten Würfel würfle, so werfe ich durchschnittlich alle 6 Würfel
eine 1”?
Ist dieser Satz mit jeder Erfahrung, die ich etwa mache,
verein- bar?
Wenn er das ist, so sagt er nichts.
Habe ich (vorher) angegeben, mit welcher
Erfahrung er nicht mehr vereinbar ist, welches die Grenze ist, bis zu der
die Ausnahmen von der Regel gehen dürfen, ohne die Regel
umzustos- sen?
Nein.
Hätte ich aber nicht eine solche Grenze aufstellen können?
Ge- wiss. —
Denken wir uns, die Grenze wäre so gezogen: wenn unter 6
aufeinander folgenden Würfen 4 gleiche auftreten, ist der Würfel
schlecht.
Nun fragt man aber: “Wenn das aber nur selten
genug geschieht, ist er dann nicht doch
gut!?” —
Darauf lautet die Antwort: Wenn ich das Auftreten von 4
gleichen Würfen unter 6 aufeinander folgenden für eine bestimmte Zahl von
Würfen er- laube, so ziehe ich damit eine andere Grenze,
als die erste war.
Wenn ich aber sage “jede Anzahl gleicher aufeinander folgender
Würfe ist erlaubt, wenn sie nur selten genug auftritt, dann habe ich
damit die Güte des Würfels im strengen Sinne als unabhängig von
den Wurfresultaten erklärt.
Es sei denn, dass ich unter der Güte des Würfels
nicht eine Eigenschaft des Würfels, sondern eine Eigenschaft einer
bestimmten Partie im Würfelspiel verstehe.
Denn dann kann ich allerdings sagen: Ich nenne den Würfel in
ei- ner Partie gut, wenn unter den N Würfen der Partie nicht mehr
als log N gleiche
aufeinander folgende vorkommen.
Hiermit wäre aber eben kein Test zur Ueberprüfung
von Würfeln gegeben, sondern ein Kriterium zur Beurteilung ei- ner
Partie des Spiels.
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Man sagt, wenn der Würfel ganz gleichmässig und
751 sich selbst überlassen
ist, dann muss die Verteilung der Ziffern 1, 2, 3,
4, 5, 6, unter den Wurfresultaten gleichförmig sein, weil
kein Grund vorhanden ist , weshalb die eine Ziffer öfter
vorkom- men sollte als die andere.
Stellen wir nun aber die Wurfresultate statt durch die Ziffern 1
— bis 6 durch die Worte der Funktion
(x-3)²
für die Argumente 1 bis 6 dar, also durch die Ziffern 0, 1, 4, 9.
Ist ein Grund vorhanden, warum eine dieser Ziffern öfter
in den neuen Wurfresultaten fungieren soll, als eine andere?
Dies lehrt uns, dass das Gesetz a priori der
Wahrscheinlichkeit eine Form von Gesetzen ist, wie die der Minimumgesetze
der Mechanik etc..
Hätte man durch Versuche herausgefunden, dass die
Verteilung der Würfe 1 bis 6 mit einem regelmässigen
Würfel so ausfällt, dass die Verteilung der Werte
(x-3)²
eine gleichmässige wird, so hätte man nun
diese Gleich- mässigkeit als die
Gleichmässigkeit a priori erklärt.
So machen wir es auch in der kinetischen Gastheorie: wir stellen
die Verteilung der Molekülbewegungen in der Form irgend einer
gleich- förmigen Verteilung dar; was aber gleichförmig
verteilt ist — so wie an andrer Stelle was zu einem
Minimum wird — wählen wir so, dass unse- re
Theorie mit der Erfahrung übereinstimmt.
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“Die Moleküle bewegen sich bloss nach den
Gesetzen der Wahrscheinlichkeit”, das soll
heissen: die Physik tritt ab, und die
Mo- leküle bewegen sich jetzt quasi bloss nach
Gesetzen der Logik.
Diese Mei- nung ist verwandt der, dass das
Trägheitsgesetz ein Satz a priori ist; und auch hier redet man
davon, was ein Körper tut, wenn er sich selbst überlas- sen
ist.
Was ist das Kriterium dafür, dass er sich selbst
überlassen ist?
Ist es am Ende das, dass er sich gleichförmig in
einer Geraden bewegt?
Oder ist es ein anderes.
Wenn das letztere, dann ist es eine Sache der Erfahrung,
752 ob das Trägheitsgesetz
stimmt; im ersten Fall aber war es gar kein Ge- setz, sondern eine
Definition.
Und Analoges gilt von einem Satz: “wenn die Teilchen
sich selbst überlassen sind, dann ist die Verteilung ihrer Bewegungen die
und die”.
Welches ist das Kriterium dafür, dass sie sich
selbst überlassen sind? etc..
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/Wenn die Messung ergibt, dass der Würfel
genau und homogen ist, — ich nehme an, dass die
Ziffern auf seinen Flächen die Wurfresultate nicht beeinflussen —
und die werfende Hand bewegt sich regel- los — folgt daraus die
durchschnittlich gleichmässige Verteilung der Würfe
1 bis 6?
Woraus sollte man die schliessen?
Ueber die Bewegung beim Werfen hat man keine
Annahme gemacht und die Prämisse der // Annahme der
// Genauigkeit des Würfels ist doch von ganz anderer
Art // Multiplizität//, als
eine durchschnittlich gleichförmige Verteilung von Resultaten.
Die Prämisse ist gleichsam einfärbig, die Konklusion
gesprenkelt.
Warum hat man gesagt, der Esel werde zwischen den beiden gleichen
Heubündeln verhun- gern, und nicht, er werde durchschnittlich so
oft von dem einen, wie von dem andern fressen // er werde
von beiden durchschnittlich gleich oft
fres- sen//? /
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755
Zu sagen, die Punkte, die dieses Experiment liefert, liegen
durchschnittlich auf dieser Linie, z.B. einer Geraden,
sagt etwas Aehnliches wie:
“aus dieser Entfernung gesehen, scheinen sie in einer
Gera- den zu liegen”.
Ich kann von einer Linie // Strecke //
sagen, der allgemeine Ein- druck ist der einer Geraden; aber
nicht: “die Linie Strecke schaut gerade aus,
denn sie kann das Stück einer Linie sein, die mir als Ganzes
Ganze den Eindruck der Geraden macht”.
(Berge auf der Erde und auf dem Mond.
Erde eine Kugel.)
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Das Experiment des Würfelns dauert eine gewisse Zeit, und unsere
Erwartungen über die zukünftigen Ergebnisse des Würfelns können sich nur
auf Tendenzen gründen, die wir in den Ergebnissen des Ex- periments
wahrnehmen.
D.h., das Experiment kann nur die Erwartung
begrün- den, dass es so weitergehen
wird, wie (es?) das Experiment gezeigt hat.
Aber wir können nicht erwarten, dass das Experiment,
wenn fortgesetzt, nun Ergebnisse liefern wird, die mehr als die des
wirklich ausgeführten Expe- riments mit einer
vorgefassten Meinung über seinen Verlauf
übereinstimmen.
Wenn ich also z.B. Kopf und Adler werfe und in den
Ergebnissen des Experi- ments keine Tendenz der Kopf-
und Adler-Zahlen finde, sich weiter einander zu nähern, so
gibt das Experiment mir keinen Grund zur Annahme, dass
seine Fortsetzung eine solche Annäherung zeigen wird.
Ja, die Erwartung dieser Annäherung muss
sich selbst auf einen bestimmten Zeitpunkt beziehen, denn man kann nicht
sagen, man erwarte, dass ein Ereignis
einmal — in der unendlichen Zukunft — eintreten
werde.
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Alle “begründete Erwartung” ist Erwartung,
dass eine bis jetzt beobachtete Regel
weiterhin // weiter // gelten
wird.
(Die Regel aber muss beobachtet worden sein und
kann nicht selbst wieder bloss erwartet
werden.)
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Die Logik der Wahrscheinlichkeit hat es mit dem Zu- stand der
Erwartung nur soweit zu tun, wie die Logik überhaupt, mit dem
Den- ken.
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Von der Lichtquelle Q wird ein Lichtstrahl
ausge- sandt, der die Scheibe AB trifft, dort einen
Licht- punkt erzeugt und dann die Scheibe AC trifft.
Wir ha- ben nun keinen Grund zur Annahme, der
Lichtpunkt auf AB werde rechts von der Mitte M liegen, noch
zur ent- gegengesetzten; aber auch keinen Grund anzunehmen, der
Lichtpunkt auf AC werde auf der und nicht auf jener
Seite von der Mitte m liegen. // Wir
haben nun keinen Grund, anzunehmen, dass der Lichtpunkt
auf AB eher auf der einen Seite der Mitte M, als auf der
andern liegen wird; aber auch keinen Grund, anzunehmen, der Lichtpunkt
auf AC werde auf der einen und nicht auf der andern Seite der Mitte
m liegen. //
Das gibt also wider- sprechende Wahrscheinlichkeiten.
Wenn ich nun eine Annahme über den Grad der Wahrscheinlichkeiten mache,
dass der eine Lichtpunkt im Stück AM liegt,
759
— wie wird diese Annahme verifiziert.
Wir denken meinen doch, durch einen
Häufig- keitsversuch.
Angenommen nun, dieser bestätigt die Auffassung, dass
die Wahrscheinlichkeiten für das Stück AM und BM gleich sind
(also für Am und Cm verschieden), so ist sie damit als
die richtige erkannt und erweist sich also als eine physikalische
Hypothese.
Die geometrische Konstruktion zeigt nur, dass die
Gleichheit der Strecken AM und BM kein Grund zur
Annahme gleicher Wahrscheinlichkeit war.
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Wenn ich annehme, die Messung ergebe, dass der
Wür- fel genau und homogen ist, und die Ziffern auf seinen Flächen die
Wurfre- sultate nicht beeinflussen, und die Hand, die ihn wirft, bewegt
sich ohne bestimmte Regel; folgt daraus die // eine
// durchschnittlich gleichförmi- ge Verteilung der Würfe
1 bis 6 unter den Wurfergebnissen? —
Woraus sollte sie hervorgehen?
Dass der Würfel genau und homogen ist, kann
doch keine durchschnittlich gleichförmige Verteilung von
Resultaten begründen.
(Die Voraussetzung ist sozusagen homogen, die Folge- rung wäre
gesprenkelt.)
Und über die Bewegung beim Werfen haben wir ja kei- ne Annahme
gemacht.
(Mit der Gleichheit der beiden Heubündel hat man zwar
begründet, dass der Esel in ihrer Mitte verhungern
werde; aber
nicht, dass er ungefähr
gleich</>oft von jedem fressen
werde.) —
Mit unseren Annahmen ist es auch vollkommen vereinbar,
dass mit dem Würfel 100 Einser nacheinander geworfen
werden, wenn Reibung, Handbewegung, Luftwiderstand so
zusammen- treffen.
Die Erfahrung, dass nie das nie
geschieht, ist eine, die diese Faktoren betrifft //
ist eine diese Faktoren betreffende //.
Und die Ver- mutung der gleichmässigen
Verteilung der Wurfergebnisse ist eine Vermutung über das Arbeiten dieser
Faktoren //
Einflüsse//.
Wenn man ein sagt, ein gleicharmiger Hebel, auf den
symmetrische Kräfte wirken, müsse in Ruhe bleiben, weil keine Ursache
vorhanden ist, weshalb er sich eher auf die eine als auf die andre Seite
neigen sollte, so heisst das nur,
dass, wenn wir gleiche Hebelarme und symmetrische
Kräfte
761 konstatiert haben und nun
der Hebel sich nach der einen Seite neigt, wir dies aus den uns bekannten
— oder von uns angenommenen — Voraussetzungen nicht erklären
können.
(Die Form, die wir “Erklärung” nennen,
muss auch asymmetrisch sein; wie die Operation,
?—die aus
“a+b”
“2a+3b”
macht—?.)
Wohl aber können wir die andauernde Ruhe des Hebels aus unsern
Voraussetzungen erklären. —
Aber auch eine schwingende Bewegung, die durchschnittlich gleich oft
von der Mitte // Mittellage // nach
rechts und nach links gerichtet ist?
Die schwingende Bewegung nicht, denn in der ist ja wieder
Asymmetrie.
Nur die Symmetrie in dieser Asymmetrie.
Hätte sich der Hebel gleichförmig nach rechts gedreht, so könnte man
analog sagen: Mit der Symmetrie der Bedingungen kann ich die
Gleichförmigkeit der Bewegung, aber nicht ihre Richtung
erklä- ren.
Eine Ungleichförmigkeit der Verteilung der Wurfresultate ist mit der
Symmetrie des Würfels nicht zu erklären.
Und nur insofern erklärt diese Symmetrie die Gleichförmigkeit der
Verteilung. —
Denn man kann natür- lich sagen: Wenn die Ziffern auf den
Würfelflächen keine Wirkung haben, dann kann ihre Verschiedenheit nicht
eine Ungleichförmigkeit der Verteilung er- klären; und gleiche Umstände
können selbstverständlich nicht Verschiedenhei- ten erklären; soweit
also könnte man auf eine Gleichförmigkeit
schliessen.
Aber woher dann überhaupt verschiedene Wurfresultate?
Gewiss, was diese // Was
diese // erklärt, muss nun auch ihre
durchschnittliche Gleichförmigkeit er- klären.
Die Regelmässigkeit des Würfels stört nur eben diese
Gleichförmig- keit nicht.
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Angenommen, Einer der täglich im Spiel würfelt würde etwa
eine Woche lang nichts als Einser werfen, und zwar mit Würfeln, die nach
allen anderen Arten // Methoden // der
Untersuchung // Prüfung // sich als
gut erweisen, und wenn ein Andrer sie wirft, auch die gewöhnlichen
Resultate geben // liefern
//.
Hat er nun Grund, hier ein Naturgesetz
anzu-
762 nehmen, dem
gemäss er immer Einser wirft //
werfen muss//; hat er
Grund: zu glauben, dass das nun so
weiter gehen wird; — oder
(vielmehr) Grund
anzun[h|e]h- men, dass diese
Regelmässigkeit nicht lange mehr andauern
kann // wird//?
Hat er also Grund das Spiel aufzugeben, da es sich gezeigt hat,
dass er nur Einser werfen kann; oder
weiterzuspielen, da es jetzt nur um so wahrschein- licher ist,
dass er beim nächsten Wurf eine höhere Zahl werfen
wird? —
In Wirklichkeit wird er sich weigern, die
Regelmässigkeit als ein Naturgesetz anzuerkennen;
zum mindesten wird sie lang andauern müssen, ehe er diese
Auf- fassung in Betracht zieht.
Aber warum? —
“Ich glaube, weil so viel frühere Erfahrung seines Lebens
gegen ein solches Gesetz spricht, die alle sozusa- gen — erst
überwunden werden muss, ehe wir eine ganz neue
Betrachtungsweise annehmen.
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Wenn wir aus der relativen Häufigkeit eines Ereignis- ses auf seine
relative Häufigkeit in der Zukunft Schlüsse ziehen, som können
wir das natürlich nur nach der bisher tatsächlich beobachteten
Häufigkeit tun.
Und nicht nach einer, die wir aus der beobachteten durch irgend einen
Prozess der Wahrscheinlichkeitsrechnung erhalten
haben.
Denn die berechnete Wahrscheinlichkeit stimmt mit jeder
beliebigen tatsächlich beobachteten Häufigkeit überein, da sie die
Zeit offen lässt.
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Wenn sich der Spieler, oder die Versicherungsgesell- schaft, nach der
Wahrscheinlichkeit richten, so richten sie sich nicht nach der
Wahrscheinlichkeitsrechnung, denn nach dieser allein kann man sich nicht
richten, da, was immer geschieht, mit ihr in
Uebereinstimmung zu bringen ist; sondern die
Versicherungsgesellschaft richtet sich nach einer tatsächlich
beobachteten Häufigkeit.
Und zwar ist ˇdas natürlich eine absolute Häufigkeit.
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“Er kam ungefähr von dort
(Pfeil)”.
“Ungefähr da ist der hellste Punkt des
Horizontes”.
“Macht' das Brett ungefähr 2m
lang”.
Muss ich, um das sagen zu können, Grenzen wissen, die
den Spielraum dieser Länge bestimmen?
Offenbar nicht.
Genügt es nicht z.B. zu sagen:
“der Spielraum 1 cm ist
ohneweiteres erlaubt; ±2 cm
wäre schon zu viel”? —
Es ist doch dem Sinn meines Satzes auch wesentlich,
dass ich nicht imstande bin, den Spielraum
“genaue” Grenzen zu geben.
Kommt das nicht offenbar daher, dass der Raum, in
dem ich hier arbeite, eine andere Metrik hat, als der
Euklidische?
Wenn man nämlich den Spielraum genau durch Versuch fest- stellen
wollte, indem man die Länge ändert // und sich
den Grenzen des Spielraums nähert // und immer fragt, ob
diese Länge noch angehe oder schon nicht mehr, so käme man nach einigen
Einschränkungen zu Widersprü- chen, indem einmal ein Punkt noch als
innerhalb der Grenzen liegend be- zeichnet würde, ein
andermal ein weiter innerhalb gelegener als schon un- zulässig erklärt
würde; beides etwa mit der Bemerkung, die Angaben Antworten
seien nicht mehr (ganz) sicher.
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16
[d|D]ie Unsicherheit
von der Art, wie
die, der An- gabe des höchsten Punktes einer Kurve.
Wir sind eben nicht im euklidischen
Raum und es gibt nicht
im euklidischen Sinne einen höchsten
Punkt.
Die Antwort wird heissen: “der
höchste Punkt ist ungefähr da ”, und die
Gram- matik des Wortes “ungefähr” — in diesem
Zusammenhang — gehört dann? zur Geometrie
unseres Raumes.
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15
Ist es denn nicht so, wie man etwa beim Fleischhauer nur auf Deka genau
abwiegt, obwohl das anderseits willkürlich ist, und nur bestimmt durch
die herkömmlichen Messinggewichte.
Es genügt hier zu wissen: mehr als P1 wiegt es
nicht und weniger als P2 auch nicht.
Man könnte sagen: die Gewichtsangabe besteht hier prinzipiell
nicht aus einer Zahlangabe, son- dern aus der Angabe
eines Intervalls, und die Intervalle bilden eine
dis- kontinuierliche Reihe.
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Man könnte doch sagen: “halte Dich jedenfalls
innerhalb ±1 cm” damit eine
willkürliche Grenze setzend. —
Würde nun gesagt: “gut, aber dies ist doch
nicht die wirkliche Grenze des zulässigen Spielraums; welche ist es
also?” so wäre etwa die Antwort “ich
weiss keine, ich weiss nur,
dass ±2 cm schon zu viel
wäre”.
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Träte nun auch bei dem Experiment zur Bestimmung der Grenzen kein
Schwanken ein, so lange wir tatsächlich das Experiment weiterführen, so
müssen wir doch damit einmal aufhören und das Ergebnis wird immer nur
sein, dass eine ge[iw|wi]sse Länge noch
erlaubt, eine andere schon unerlaubt ist.
Hier führt uns wieder die eine falsche Vorstellung vom
Unendlichen irre, wenn wir den Prozess
// wenn wir die endlose Möglichkeit dieses Prozesses
// dieser Un- tersuchung uns abgeschlossen denken und
nun von einem Grenzpunkt reden, als gäbe es hier ein Gesetz, eine
geometrische Konstruktion, der der Grenzpunkt entspräche.
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Denken wir uns folgendes psychologisches
Experiment: Wir zeigen dem Subjekt zwei Linien
G1, G2, durch welche quer die Gerade
A gezogen ist.
Das Stück dieser Gera- den, welches zwischen G1 und
G2 liegt, werde ich die Strecke a nennen.
Wir ziehen nun in beliebiger Entfer nung von a und parallel dazu
b und fragen, ob er die Strecke b
grösser sieht als a, oder die beiden Längen nicht
mehr unterschei- det.
Er antwortet, b erscheine grösser als
a.
Darauf nähern wir uns a, in- dem wir die Distanz von a zu
b mit unsern Messinstrumenten halbieren und
ziehen c.
“Siehst Du c grösser als
a?” —
“Ja”.
Wir halbieren die Distanz c—a und ziehen d.
“Siehst Du d grösser als
a?” —
“Ja”.
Wir halbieren a—d.
“Siehst Du e grösser als
a?” —
“Nein”.
Wir halbieren daher e—d.
“Siehst Du f grösser als
e?” —
“Ja”.
Wir halbieren also e—f und ziehen h.
Wir könnten uns so auch von der linken Seite der Strecke a
nähern, und dann sagen, dass einer gesehenen Länge
a im euklidischen Raum nicht
eine Länge, sondern ein Intervall von Längen entspricht,
und in ähnlicher Weise einer ge- sehenen Lage eines
Strichs (etwa des Zeigers eines Instruments) ein Inter- vall von
Lagen im euklidischen Raum: aber
dieses Intervall hat nicht schar- fe Grenzen.
Das heisst: es ist nicht von Punkten begrenzt,
sondern von kon- vergierenden Intervallen, die nicht gegen einen Punkt
konvergieren.
(Wie
744 die Reihe der
Dualbrüche, die wir durch Werfen von Kopf und Adler erzeugen.)
Das Charakteristische zweier Intervalle, die so nicht durch
Punkte sondern unscharf begrenzt sind, ist,
dass auf die Frage, ob sie einander übergreifen oder
getrennt voneinander liegen, in gewissen Fällen die Antwort lautet:
“unentschieden”.
Und dass die Frage, ob sie einander berühren,
ei- nen Endpunkt miteinander gemein haben, immer sinnlos ist, da sie ja
keine Endpunkte haben.
Man könnte aber sagen: sie haben vorläufige
Endpunkte.
In dem Sinne, in welchem die Entwicklung von II ein
vorläufiges Ende hat.
An dieser Eigenschaft des ‘unscharfen’ Intervalls ist
natürlich nichts geheimnisvolles, sondern das etwas Paradoxe
klärt sich durch die dop- pelte Verwendung des Wortes
“Intervall” auf.
Es ist dies der gleiche Fall, wie der der doppelten Verwendung des
Wortes “Schach”, wenn es einmal die Gesamtheit der jetzt
geltenden Schachregeln bedeutet, ein andermal: das Spiel, welches
N.N. in Persien er- funden hat und welches sich
so und so entwickelt hat.
In einem Fall ist es unsinnig, von einer
Aenderung // Entwicklung
// der Schachregeln zu reden, im andern Fall
nicht.
Wir können “Länge einer gemessenen Strecke” entweder
das nennen, was bei einer bestimmten Messung, die ich heute um 5 Uhr
durch- führe, herauskommt, — dann gibt es für diese Längenangabe
kein “± etc.” —, oder
etwas, dem sich Messungen nähern etc.; in den zwei Fällen
wird das Wort “Länge” mit ganz verschiedener Grammatik
gebraucht.
Und ebenso das Wort “Intervall”, wenn ich einmal
etwas Fertiges, einmal etwas sich Entwic- kelndes ein Intervall nenne.
I) die Intervalle liegen getrennt II) sie liegen
getrennt und berühren sich vorläufig III)
unentschieden IV) unentschieden V)
unentschieden VI) sie übergreifen VII) sie
übergreifen
745
Wir können uns aber nicht wundern, dass nun ein
Intervall so seltsame Ei- genschaften haben soll: da wir eben das
Wort “Intervall” jetzt in einem nicht gewöhnlichen Sinn
gebrauchen.
Und wir können nicht sagen, wir haben neue Eigenschaften gewisser
Intervalle entdeckt.
Sowenig wie wir neue Eigen- schaften des Schachkönigs entdecken
würden, wenn wir die Regeln des Spiels änderten, aber die Bezeichnung
“Schach” und “König”
beibehielten.
(Vergl. dagegen Brouwer, über das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten.)
Jener Versuch ergibt also wesentlich, was wir ei[j|n]
“unscharfes” Intervall genannt haben; dagegen wären
natürlich andere Experimente mög- lich //
denkbar//, die statt dessen ein scharfes Intervall
ergeben.
Denken wir etwa, wir bewegten ein Lineal von der Anfangsstellung
b, und parallel zu dieser, gegen a hin, bis in unserm Subjekt
irgend eine bestimmte Reaktion einträte: dann könnten wir den
Punkt, an dem die Reaktion beginnt, die Gren- ze unseres Streifens
nennen. —
So könnten wir natürlich auch ein Wägungs- resultat “das
Gewicht eines Körpers” nennen und es gäbe dann in diesem Sinn
eine absolut genaue Wägung, d.h.
d.i. eine, deren Resultat nicht die Form
“G ±
g” hat.
Wir haben damit unsere Ausdrucksweise geändert, und müssen nun sagen,
dass das Gewicht des Körpers schwankt und zwar nach
einem uns unbe- kannten Gesetz.
(Die Unterscheidung Der Unterschied zwischen
“absolut genauer” Wägung und “wesentlich
ungenauer” Wägung ist eine grammatische ein
grammatischer und bezieht sich auf zwei verschiedene
Bedeutungen des Ausdrucks “Ergebnis der
Wägung”.)
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Die Unbestimmtheit des Wortes “Haufen”.
Ich könnte definieren: ein Körper von gewisser Form und
Konsistenz etc. sei ein Haufe, wenn sein Volumen K
m3 beträgt, oder mehr; was darunter liegt, will
ich ein Häufchen nennen.
Dann gibt es kein grösstes Häufchen; das
heisst: dann ist es sinnlos, von dem
“grössten Häufchen” zu reden.
Umgekehrt könnte ich be- stimmen: Haufe solle alles das sein,
was grösser als K m3
ist, und dann
746 hätte der Ausdruck
“der kleinste Haufe” keine Bedeutung.
Ist aber diese Unterscheidung nicht
müssig?
Gewiss, — wenn wir unter dem Volumen ein
Mes- sungsresultat im gewöhnlichen Sinne verstehen; denn dieses
Resultat hat die Form
“V ±
v”. //
Gewiss, — wenn wir unter dem Resultat der
Messung des Volumens einen Ausdruck von der Form
“V ±
v” verstehen.//
Sonst aber könn- te die // wäre diese
// [u|U]nterscheidung so unbrauchbar sein,
wie // Unter- scheidung nicht
müssiger sein als // die, zwischen einem
Schock Aepfel und 61
Aepfeln.
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417
Zu dem Problem vom “Sandhaufen”: Man könnte
sich hier, wie in ähnlichen Fällen, einen offiziellen
// offiziell festge- setzten <//>
Begriff denken // …denken,
dass es einen offiziellen Begriff, wie den einer
Schrittlänge gäbe, // etwa: Haufe ist alles, was über
ei- nen halben m3 gross
ist.
Dieser wäre aber dennoch nicht unser gewöhnlich gebrauchter
Begriff.
Für diesen liegt keine Abgrenzung vor (und bestim- men wir eine,
so ändern wir den Begriff); sondern es liegen nur Fälle vor, welche
wir zu dem Umfang des Begriffs // zu den Haufen
// rechnen und solche, die wir nicht mehr zu dem Umfang
des Begriffs rechnen.
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“Mach' mir hier einen Haufen Sand”.
—
“Gut, das nennt er gewiss noch einen
Haufen”.
Ich köonnte dem Befehl Folge leisten, also war er in
Ordnung.
Wie aber ist es mit diesem Befehl: “Mach'
mir den kleinsten Hau- fen, den Du noch so nennst”?
Ich würde sagen: das ist Unsinn; ich
kann</>nur eine vorläufige obere
und untere Grenze bestimmen.
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114
Kann ich sagen, mich uns interessiert nur der
Inhalt des Satzes?
Und der Inhalt des Satzes ist in ihm.
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Seinen Inhalt hat der Satz als Glied des Kalküls.
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Ist also “einen Satz verstehen” von der gleichen Art,
wie “einen Kalkül beherrschen”?
Also wie: multiplizieren können?
Das glaube ich.
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Die Bedeutung eines Worts verstehen, heisst, seinen
Ge- brauch kennen, verstehen.
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262
“Ich kann das Wort ‘gelb’ anwenden”
— ist das auf ei- ner anderen Stufe als “ich kann Schach
spielen”, oder “ich kann den König im Schachspiel
verwenden”?
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Die Frage, die unmittelbar mit unserer in Beziehung steht,
ist: die nach dem Sinn der Aussage “ich
kann Schach spie- len”?
“Ich weiss, wie ein Bauer ziehen
darf”.
“Ich weiss, wie das Wort
‘Kugel” gebraucht werden darf”.
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Wenn ich sage “ich kann dieses Gewicht heben”, so
kann man antworten: “das wird sich zeigen, wenn Du es
versuchst”; und geht es dann nicht, so kann man sagen
“siehst Du, Du konntest es nicht”; und ich kann darauf
nicht antworten “doch, ich konnte es, als ich es sagte, nur als
es zum Aufheben kam, konnte ich es nicht”.
Ob man es kann, wird die Erfahrung zeigen.
An- ders ist es, wenn ich sage “ich verstehe diesen
Befehl”; dies ist, oder scheint ein Erlebnis zu sein.
“Ich muss wissen, ob ich ihn
(jetzt) ver- stehe” — aber
nicht: Ich muss wissen, ob ich das Gewicht
jetzt heben kann. —
Wie ist es nun in dieser Hinsicht mit dem Satz “ich
kann Schach spielen”?
Ist das etwas, was sich zeigen wird, oder kann man sagen “als
ich es behauptete, konnte ich Schach spielen, nur jetzt kann ich es
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341
fertigt, nur,
dass ich mich erinnere, früher Schach gespielt zu
haben?
Und etwa, dass ich, aufgefordert zur Probe die Regeln
im Geiste durch- fliegen kann?
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Ist es nicht auch so beim Gebrauch des Wortes
“Kugel”?
Ich gebrauche das Wort instinktiv.
Aufgefordert aber, Rechenschaft ˇdarüber zu geben, ob ich es
verstehe, rufe ich mir, gleichsam zur Probe, gewisse Vorstellungen
hervor.
(Es kann nicht darauf ankommen, ob die Sprache instinktiv oder
halbinstinktiv gebraucht wird.
Wir sind hier im Sumpf der graduel- len Unterschiede, nicht auf dem
festen Grund der Logik.)
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Wenn ich sage “sieh', dort ist eine Kugel”,
oder “dort ist ein Kegel”, so kann die Ansicht (ein
Kreis) auf beides passen, und wenn ich sage “ja, ich sehe
es?”, so unterscheide ich doch zwischen den
beiden Hypothesen.
Wie ich im Schachspiel zwischen einem Bauer und dem König
unterscheide, auch wenn der gegenwärtige Zug einer ist, den beide machen
könnten, und wenn selbst eine Königsfigur als Bauer fungierte.
Das Wort “Kugel” ist mir bekannt und steht
in mir für etwas; d.h., es bringt mich in eine
gewisse Stellung zu sich (wie ein Magnet eine Nadel in seine Richtung
bringt).
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Man ist in der Philosophie immer in der Gefahr, eine Mythologie des
Symbolismus zu geben, oder der Phys
Psychologie.
Statt einfach zu sagen, was jeder weiss und
zugeben muss.
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Wenn ich gefragt würde “kannst Du das Alphabet
hersa- gen”, so würde ich antworten: ja. —
“Bist Du sicher” —
“Ja”.
Wenn ich nun aber im Hersagen steckenbliebe und nicht weiter
wüsste, so gibt es doch einen Fall,
in wel- chem ich sagen würde “ja, als ich sagte, ich könne es
hersagen, da konnte ich es”, und zwar dann, wenn ich es mir
damals “im Geiste” hergesagt hät- te.
Ich würde dies auch als Beweis angeben.
Das heisst aber, dass das
Hersagen im Geiste die Fähigkeit zum wirklichen Hersagen — so wie
wir hier das Wort Fähigkeit verstehen — enthält.
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Etwas tun können hat ja eben jenen schattenhaften
Charak- ter, das heisst, es erscheint wie
als ein Schatten des wirklichen tatsächlichen
Tuns, gera- de wie der Sinn des Satzes als Schatten seiner
Verifikation // als Schat- ten einer Tatsache
// erscheint; oder das Verständnis des Befehles als
Schatten seiner Ausführung.
Der Befehl “wirft, gleichsam, seinen Schatten schon
voraus”, oder, im Befehl wirft die Tat ihren
Schatten voraus. —
Die-
390 ser Schatten aber,
was immer er sein mag, ist, was er ist, und nicht das
Ereignis.
Er ist in sich selbst abgeschlossen und weist nicht weiter als er
selbst reicht.
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Kannst Du das Alphabet?
Bist Du sicher? —
Ja! —
Ist das damit ver- einbar, dass Du versuchen
wirst es herzusagen und stecken bleiben wirst? —
Ja !
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Das ist doch der gleiche Fall wie: “Kannst Du Deinen
Arm heben?”
In welchem Falle würde ich dies verneinen müssen, oder
bezweifeln?
Solche Fälle sind leicht zu denken.
Als Die Bestätigung dessen, dass
wir den Arm heben können, sehen wir etwa ein in einem Zucken mit
den Muskeln an, oder eine kleine einer kleinen Bewegung des Arms.
Oder die geforderte in der gefordeten Bewegung selbst, jetzt
ausgeführt, als Kriterium dafür, dass ich sie gleich
darauf ausführen kann .
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Das schwierigste Problem scheint der Gegensatz, das
Verhältnis, zu sein zwischen dem Operieren mit der Sprache in der
Zeit // im Lauf der Zeit // und dem
momentanen Erfassen des Satzes.
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Aber wann erfassen oder verstehen wir den
Satz?!
Nach- dem wir ihn ausgesprochen haben? —
Und wenn, während wir ihn aussprechen; ist das Verstehen ein
artikulierter Vorgang, wie das Bilden des Satzes, oder ein
inartikulierter?
Und wenn ein artikulierter: muss er nicht
projektiv mit dem andern verbunden sein?
Denn sonst wäre seine Artikulation von der ersten unabhängig.
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“Er sagt das, und meint es”:
Vergleiche das einerseits mit: “er sagt das, und
schreibt es nieder”; anderseits mit:
735 “er
das und
unterschreibt es ”.
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Man könnte fragen: Wie lange braucht es man,
um einen Satz zu ver- stehen.
Und wenn man ihn eine Stunde lang versteht, beginnt man da immer wieder
vom frischen?
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Ist das Verstehen nicht das Erfassen des Satzes, so kann es
auch nach diesem (und warum nicht auch vorher) vor sich
gehen.
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Ist das Verstehen eines Satzes dem Verstehen eines
Schachzuges als solchen nicht analog?
Wer das Schachspiel gar nicht kennt und sieht jemand einen Zug machen,
der wird ihn nicht verstehen, d.h. nicht als Zug
eines Spieles verstehen.
Und es ist etwas anderes, dem Spiel Zug mit Verständnis zu
folgen, als es ihn bloss zu
sehen.
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Was ist es aber dann, was
wir uns immer das Gefühl gibt, dass das
Verstehen eines Satzes das Verstehen von etwas
ausserhalb ihm Liegendem ist und ˇzwar
nicht von der Welt ausserhalb des
Zei Zeichens, wie sie eben ist, sondern
von der Welt, wie das Zeichen
— gleichsam — wünscht.
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Man würde etwa (so?) sagen:
Ich sage ja nicht nur “zeichne einen Kreis”,
sondern ich wünsche doch, dass der Andre
e[f|t]was tut.
(Gewiss!)
Und die- ses Tun ist doch etwas anderes als das Sagen, und ist eben
das Ausserhalb worauf ich weise
// worauf der Satz weist//.
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Das Verstehen eines Satzes der Wortsprache ist dem Verstehen eines
musikalischen Themas (oder Musikstückes) viel verwandter, als man
glaubt.
Und zwar so, dass das Verstehen des sprachlichen
Satzes näher als man denkt dem Ort liegt, was man gewöhnlich
das Verständnis des musikalischen Ausdrucks nennt. —
Warum pfeife ich das gerade so ? warum bringe ich
den
der Stärke und des
Zeitmasses gerade auf dieses ganz bestimmte
?
Ich möchte sagen: “weil ich weiss, was
das alles heisst” — aber was
heisst es denn? —
Ich wüsste es nicht zu sagen,
ausser durch eine Uebersetzung
in einen Vorgang vom gleichen Rhythmus.
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Das Können und Verstehen ,
wie
der Zahnschmerz, und das ist die falsche Analogie, unter der ich
laborie- re.
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269
Wie, wenn man fragte: Wann kannst Du Schach
spielen?
Immer? oder während Du es sagst? aber während des ganzen
Satzes? —
Und wie seltsam, dass Schachspielen-Können so
kurze Zeit braucht // dauert // und
eine Schachpartie so viel länger!
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Wenn man nun “das Wort ‘gelb’
verstehen” heisst, es anwenden können, so
besteht ist die gleiche Frage:
Wann kannst Du es anwenden.
Redest Du von einer Disposition?
Ist es eine Vermutung?
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Augustinus:
“ Wann messe ich ein[n|e]n
Zeitraum?
Aehnlich meiner Frage:
Wann kann ich Schach spielen.
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Es ist eine ,
dass ich mich bei dem Gebrauch der Sprache nicht
erinnere, wie ich sie gelernt habe.
Ich sage “hier sehe ich eine schwarze Kugel”.
Ich weiss nicht, wie ich
“schwarz” und “Kugel” gelernt
habe.
Meine Anwendung der Wörter ist un- abhängig von diesem
Erlernen.
Es ist so, als hätte ich die Wörter selbst geprägt.
Wenn die Grammatik, die von den Wörtern
handelt, für ihre Bedeutung wesentlich ist,
muss ich die grammatischen Regeln, die von einem
Wort handeln, alle im Kopf haben, wenn es für mich nicht
etwas bedeuten soll?
Oder ist es hier, wie im Mechanismus: Das Rad, das
stillsteht, oder auch sich dreht, das Rad in
einer Lage, weiss, gleichsam, nicht, welche Bewegung
ihm noch erlaubt ist, der Kolben weiss nicht,
welches Gesetz seiner Bewegung vorgeschrie- ben ist; und doch wirkt das
Rad und der Kolben nur durch jene Gebunden- heit //
jenes Gebundenseins //.
Soll ich also sagen: Die grammatischen Regeln wirken in der
Zeit?
(Wie jene Führung.)
Also: Das Wort “Kugel” wirkt nur in der
Art durch die Art seiner Anwendung.
Und es wäre die seltsame Frage denkbar: “wie kann ich denn
dann gleich wissen, was ich mit ‘Kugel’
meine, ich kann doch nicht die ganze Art der Anwendung auf
einmal im Kopfe haben?”
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Und ist nicht ähnlich mit dem Schachspiel: in ir- gend einem
Sinne kann man sagen, ich wisse die Regeln des Schachspiels (habe sie
im Kopf), während ich spiele.
Aber ist dieses “sie im Kopf haben” nicht wirklich
nur eine Hypothese.
Habe ich sie nicht nur insofern im Kopf, als ich sie in jedem besondern
Falle anwende? —
Gewiss, dies wissen ist nur das hypothetische
Reservoir, worau[f|s] das wirklich gesehene Wasser
fliesst.
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Das Verständnis der Sprache — quasi des Spiels — scheint wie
ein Hintergrund, auf dem der einzelne Satz erst Bedeutung
ge- winnt.
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Die allgemeine Regel erst enthüllt den Freiheitsgrad, die Beweglichkeit
des Mechanismus.
Das Bild des Mechanismus in einer sei- ner Stellungen enthält
hievon nichts.
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Soll ich nun sagen, der Freiheitsgrad des Mechanismus kann sich nur mit
der Zeit enthüllen?
Aber wie kann ich dann je wissen,
387 dass
er gewisse Bewegungen nicht machen kann, (und
dass er gewisse Bewegungen machen kann, die er
gerade noch nicht gemacht hat).
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Das Verständnis als eine Disposition der Seele, oder des
Gehirns, geht uns nichts an.
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180
Kann ich nicht sagen: ich meine die Verneinung, wel- che
verdoppelt eine Bejahung gibt?
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Wäre das nicht, als würde man sagen: Ich meine die Gerade,
de- ren zwei sich in einem Punkt schneiden.
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Das heisst: Wenn Du von Rot gesprochen
hast, hast Du dann das gemeint, wovon man sagen kann, es sei hell, aber
nicht grün, auch wenn Du an diese Regel nicht gedacht, oder von ihr
Gebrauch gemacht hast? —
Hast Du das
‘non’
verwendet, wofür
non—non—non—p
= non—p ist? auch wenn
Du diese Regel nicht verwendet hast?
Ist es etwa eine Hypothese, dass es das
non
war?
Kann es zweifelhaft sein, ob es dasselbe war, und durch die Erfahrung
bestätigt werden.
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Was heisst die Frage: Ist das dasselbe
‘non’,
für welches die Regel
non—non—non—p
= non—p gilt?
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184
“Meinst Du das
‘non’
so, dass ich aus
non—p
non—non—non—p
schliessen kann?”
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Das Schachspiel ist gewiss durch seine Regeln (sein Regelverzeichnis)
charakterisiert.
, daß Einer, der eine Partie Schach spielt und
jetzt einen Zug macht, etwas anderes tut, als der, der nicht Schach
spielen kann (d.h. das Spiel nicht kennt) und
nun eine Figur in die Hand nimmt und sie zufällig der Regel
gemäss bewegt.
An- derseits ist es klar,
dass der Unterschied nicht darin besteht,
dass der Erste in irgendeiner Form die Regeln des
Schachspiels vor sich hersagt und oder
überdenkt. —
Wenn ich nun sage:
das er Schach
spielen kann , be- steht darin, dass er die
Regeln kennt, ist diese Kenntnis der Regeln in
je- dem Zuge in irgendeiner Form enthalten?
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264
Kann man eine Intention haben, ohne sie
auszudrücken?
Kann man die Absicht haben, Schach zu spielen (in dem Sinne, in welchem
man apodiktisch sagt, “ich hatte die Absicht Schach zu
spielen; ic ich
muss es doch wiss
es doch wissen ”), ohne einen Ausdruck dieser
Ab- sicht? —
Könnte man da nicht fragen: Woher weisst
Du, dass das, was Du hat- test,
diese Absicht war?
Ist die Absicht, Schach zu spielen etwa wie die Vorliebe für das
Spiel, oder für eine Person.
Wo? man auch fragen könnte: Hast Du diese
Vorliebe die ganze Zeit oder etc., und die Antwortt
ist, dass “eine Vorliebe haben”
gewisse Handlungen, Gedanken und Gefühle einschliesst
und andere aus- schliesst.
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Muss ich nicht sagen:
“Ich weiss, dass
ich die Absicht hatte, denn ich habe mir gedacht
‘jetzt komme ich endlich zum Schachspielen’”
oder etc. etc..
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Es würde sich mit der Absicht in diesem Sinne auch vollkommen
vertragen,
// wenn // ich beim ersten Zug darauf käme,
dass ich alle Schachregeln vergessen habe, und zwar
so, dass ich nicht etwa sagen könnte “ja,
als ich den Vorsatz hatte //
fasste//, da hatte
// habe // ich sie noch
gewusst”.
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Es wäre wichtig, den Fehler allgemein auszudrücken, den ich in allen
diesen Betrachtungen zu machen neige // geneigt
bin//.
Die falsche Analogie, aus der er entspringt.
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Ich glaube, jener Fehler liegt in der Idee, dass die
Bedeutung eines Wortes eine Vorstellung ist, die das Wort
begleitet.
Und diese
Conception hat wieder
mit der des Bewusst-Seins zu tun.
// [u|U]nd diese
Conception steht wieder
… in
Verbindung.//
Dessen, was ich immer “das Primäre” nannte.
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Es stört uns quasi, dass der Gedanke
eines Satzes in kei- nem Moment ganz vorhanden ist.
Hier sehen wir, dass wir den Gedanken mit einem
Ding vergleichen, welches wir erzeugen, und das wir nie als Ganzes
besitzen; sondern, kaum entsteht ein Teil, so verschwindet ein
5 andrer.
Das hat gewissermassen etwas
unbefriedigendes, weil wir — wieder durch eine Erklärung
// ein Gleichnis // verführt — uns etwas
Anderes er- warten.
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267
Der Spieler, der die Intention hatte, Schach zu spielen, hatte sie
schon dadurch, dass er zu sich etwa die Worte sagte
“jetzt wollen wir Schach spielen”.
Ich will sagen, dass das Wort
“Schach” eben auch (nur) ein
Stein in einem Kalkül ist.
Wird der Kalkül beschrieben, so müssen wir die Regeln
tabulieren // tabuliert vor uns haben//,
wird er aber angewandt, so wird jetzt gemäss der
einen, dann gemäss der andern Regel vorgegangen, dabei
kann uns ihr Ausdruck vorschweben, oder auch nicht.
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Muss denn dem, der das Wort
“Schach” gebraucht, eine Definition des Wortes
vorschweben?
Gewiss nicht. —
Gefragt, was er unter “Schach” ver- steht, wird er
selber erst eine geben.
Diese Definition ist selber ein be- stimmter Schritt in
seinem Kalkül.
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Wenn ich ihn aber nun fragte: Wie Du das Wort ausgesprochen
hast, was hast Du damit gemeint? —
Wenn er mir darauf antwortet: “ich habe das Spiel
gemeint, das wir so oft gesp[ei|ie]lt haben etc.,
etc.”, so weiss ich,
dass ihm diese Erklärung in keiner Weise beim
Gebrauch des Wortes vorgeschwebt hatte, und dass
seine Antwort meine Frage nicht in dem Sinn beantwortet,
dass sie mir sagt, was, quasi, “in ihm
vorging // vorgegangen ist//”,
als er dieses Wort sagte.
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Denn die Frage ist eben, ob unter der “Bedeutung, in der man
ein Wort gebraucht” ein Vorgang verstanden werden soll, den wir
beim Sprechen oder Hören des Wortes erleben.
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Die Quelle des Fehlers scheint die Idee vom Gedanken zu
sein, der den Satz begleitet .
Oder der seinem Ausdruck vorangeht.
Dem Wortausdruck kann natürlich ein andrer Ausdruck vorangehen, aber
für uns kommt der Unterschied // Artunterschied
// dieser beiden
Aus-
268 drücke — oder Gedanken — nicht
in Betracht.
Und es kann der Gedanke unmittel- bar in seiner Wortform gedacht
werden.
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“Er hat diese Worte gesagt, sich dabei aber dabei gar
nichts ge- dacht.” —
“Doch, ich habe mir etwas dabei gedacht”. —
“Und zwar was denn?” —
“Nun, das, was ich gesagt habe”.
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Man könnte sagen: auf die Aussage “dieser Satz
hat Sinn” kann man nicht wesentlich fragen
“welchen?”
So wie man ja auch auf den Satz “diese Worte sind ein
Satz” nicht fragen kann “welcher?”
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“Dieses Wort hat doch eine ganz bestimmte
Bedeutung”.
Wie ist sie denn (ganz)
bestimmt?
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”Ich habe etwas bestimmtes damit gemeint, als ich sagte
…”. —
“Wann hast Du es gemeint und wie lange hat es gebraucht.
[u|U]nd hast Du bei je- dem Wort etwas anderes
gemeint, oder während des ganzen Satzes dasselbe?”
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Uebrigens komisch, dass,
wenn man bei jedem — sagen wir, deut- schen — Wort etwas
meint, eine Zusammenstellung solcher Wörter Unsinn sein kann!
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“Ich meine aber doch mit diesen Worten etwas”.
Gewiss: im Gegensatz
zu dem Falle, wo
ich nichts meine, wo ich etwa Silben ihres komischen Klangs wegen
aneinander reihe.
Ich will eigentlich sagen, dass
‘ich meine etwas mit den Worten’ nur
heisst: ich unterscheide doch diesen Fall von dem
des sinnlosen Plapperns etc..
Und das ist zugegeben.
Aber es ist damit noch keine besondere Theorie des Meinens
gegeben.
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Und so geht es in allen solchen Fällen.
Wenn etwa jemand sagt: “aber ich meine doch wirklich,
dass der Andere Zahnschmerzen hat; nicht,
dass er sich bloss so
benimmt”.
Immer muss man antworten:
“Gewiss” und zugeben,
dass auch wir diese Unterscheidung machen
müssen. //dass diese
Unterscheidung besteht.//
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“Jetzt sehe ich's erst, er zeigt immer auf die Leute,
die dort vorübergehen”.
Er hat ein System verstanden: wie Einer, dem ich die Ziffern 1,
4, 9, 16 zeige und der sagt “ich versteh' jetzt das
System, ich kann jetzt selbst weiterschreiben”.
Aber was ist diesem Menschen geschehen, als er das System plötzlich
verstand?
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Es handelt sich beim Verstehen nicht um einen Akt des momentanen,
sozusagen nicht diskursiven, Erfassens der Grammatik.
Als könnte man sie gleichsam auf einmal herunterschlucken.
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Das also, was der macht, der auf einmal die Bewegung des Andern deutet
(ich sage nicht “richtig deutet”), ist ein Schritt
in einem Kalkül.
Er tut ungefähr, was er sagt , wenn er
seinem Verständnis Ausdruck gibt. —
Und das ist ja immer unser
Prinzip
—.
Und wenn ich sage “was er macht, ist der Schritt eines
Kalküls”, so heisst das,
dass ich
die-
310 sen Kalkül schon kenne; in dem Sinne, in
dem ich die deutsche Sprache kenne, oder dass Einmaleins.
Welche ich ja auch nicht so in mir habe, als wäre wären
die ganze deut- sche Grammatik und die Einmaleins-Sätze
zusammengeschoben auf Etwas, was man auf einmal, als
[g|G]anzes, erfassen kann. // was
ich nun auf einmal, als Ganzes, besitze. //
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Gewiss, der Vorgang des “jetzt
versteh' ich …!” ist ein ganz
spezifischer, aber es ist eben auch ein ganz
spezifischer Vorgang, wenn wir auf einen bekannten Kalkül
stossen, wenn wir “weiter
wissen”.
Aber dieses Weiter-Wissen ist eben auch diskursiv
(nicht intuitiv).
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Intuitives Denken, das wäre so, wie eine Schachpartie auf die Form
eines dauernden, gleichbleibenden Zustandes gebracht (ebenso
undenkbar).
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250
Und doch ist noch etwas unklar // nicht klar
//, was sich z.B. in der dreifachen
Verwendung des Wortes ‘ist’ zeigt.
Denn, was heisst es, wenn ich sage,
dass im Satz ‘die Rose ist rot’ das
‘ist’ eine andere Bedeutung hat, als in
‘zweimal zwei ist vier’?
Wenn man sagt, es heisse,
dass verschiedene Regeln von diesen beiden Wörtern
[v|g]elten, so muss man zunächst sagen,
dass wir hier nur ein Wort haben.
Zu sagen aber: von diesem gelten in einem Fall die
Regeln im anderen jene, ist Unsinn.
Und das häng[z|t] wieder mit der Frage zusammen, wie wir uns
denn aller Regeln bewusst sind, wenn wir ein Wort in
einer bestimmten Bedeutung gebrauchen, und doch die Regeln die Bedeutung
ausmachen?
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195
Wenn ich nun aber das Wort “ist”
betrachte: Wie kann ich hier zwei verschiedene
Anwendungsarten unterscheiden, wenn ich nur auf die grammatischen Regeln
sehe // achte //?
Denn diese erlauben ja eben die Ver- wendung des Wortes im
Zusammenhang “die Rose ist rot” und “zweimal zwei
ist vier”.
An diesen Regeln sehe ich nicht, dass
es sich klar um zwei verschiedene Wör[f|t]er handelt
// dass wir hier zwei verschiedene Wörter
haben//. —
Ich ersehe es aber z.B. wenn ich versuche, in
beiden Sätzen statt “ist” “ist
gleich” zu setzen // einzusetzen
// (oder auch den Ausdruck “hat die
Eigen- schaft”).
Aber nur wieder, weil ich für den Ausdruck “ist gleich”
die Regel kennen, dass er in “die
Rose … rot” nicht eingesetzt werden darf
// nicht stehen darf//.
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196
Wenn ich mich weigere ein Wort, z.B. das Wort
‘ist gleich’ in zwei Zusammenhängen zu gebrauchen, so
ist der Grund das, was wir mit den Worten beschreiben “das
Wort habe in den beiden Fällen verschiedene Bedeutung”.
// das Wort werde in diesen Fällen in verschiedenem
Sinn ge- braucht. //
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Kann ich nun aber das, was die grammatischen Regeln von einem Worte
sagen, auch anders beschreiben, nämlich durch die Beschreibung des
Vor- gangs, der beim Verstehen des Wortes stattfindet?
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Wenn also die Grammatik — z.B. — die
Geometrie der Verneinung ist, kann ich sie durch eine Beschreibung dessen
ersetzen, was bei der Verwendung sozusagen hinter dem Wort
‘nicht’ steht?
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Aber so eine Beschreibung wäre doch — wie gesagt — ein Ersatz
des Wortes // für das Wort //
‘nicht’, etwa wie
und könnte die
Grammatik nicht ersetzen. (?)
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In meiner Darstellung schienen doch die grammatischen Regeln die
Auseinanderlegung dessen, was ich im Gebrauch des Wortes auf einmal
erlebe.
Sozusagen (nur?) Folgen,
Aeusserungen, der Eigenschaften,
die ich beim Ver- stehen auf einmal erlebe.
Das muss natürlich ein Unsinn sein.
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Man würde ja geradezu sagen: die eine Verneinung
hat die Eigenschaft, dass sie verdoppelt eine
Bejahung ergibt.
([e|E]twa wie: Eisen hat die Eigenschaft, mit
Schwefelsäure Eisensulfat zu geben.)
Während die Regel die Verneinung nicht näher beschreibt,
sondern konstruiert. konstituiert.
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Dass wir dieses Wort dieser Regel
gemäss gebrauchen, das dafür
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“Wie ich einen Körper durch seine verschiedenen An- sichten
geben kann und er mit diesen äquivalent ist, so offenbart sich die Natur
der Negation in den verschiedenen, grammatisch erlaubten Anwen- dungen
des Negationszeichens.”
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”Die doppelte Negation gibt eine Bejahung”, das klingt
so wie: Kohle und Sauerstoff gibt Kohlensäure.
Aber in Wirklichkeit gibt die doppelte Negation nichts,
sondern ist etwas.
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”Wer die Negation versteht, der weiss,
dass die doppelte Negation …”
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Es täuscht uns da etwas eine Tatsache
vor.
So, als sähen wir ein Ergebnis des logischen
Prozes- ses.
Während das Ergebnis nur das des
Prozesses ist.
197
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Das Wort ‘nicht’ in der grammatischen Regel hat keine
Bedeutung, sonst könnte das nicht von ihm aus
gesagt ausgesagt werden.
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Die Negation hat keine andere Eigenschaft, als etwa die, in
ge- wissen Sätzen, die Wahrheit zu ergeben.
Und ebenso hat ein Kreis die Eigenschaft, da oder dort zu ste- hen,
diese Farbe zu haben, von einer Geraden tatsächlich
ge- schnitten zu werden; aber nicht, was ihm die Geometrie
zuzuschreiben scheint.
(Nämlich diese Eigenschaften haben zu können.)
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Was heisst es: “Dieses Papier
ist nicht schwarz und ‘nicht’ ist hier in dem
Sinne // ist hier so // gebraucht,
dass eine dreifache Vernei- nung eine Verneinung
ergibt”?
Wie hat sich denn das im Gebrauch
geäussert?
Oder: “Dieses Papier ist nicht schwarz und zwei von
diesen Ver- neinungen geben eine Bejahung”.
Kann ich das sagen?
Oder: “Dieses Buch ist rot und die Rose ist rot und
die beiden Wörter ‘rot’ haben die gleiche
Bedeutung”.
(Dieser Satz ist von gleicher Art wie die beiden oberen.)
Was ist denn das für ein Satz? ein grammati- scher?
Sagt er etwas über das Buch und die Rose?
Ist der Zusatz zum Verständnis des ersten Satzes nicht nötig, so ist er
Unsinn, und wenn nötig, dann war das erste noch kein Satz; und dasselbe
gilt in den oberen Fällen.
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“Dass 3 Verneinungen wieder eine Verneinung
ergeben, muss doch schon in der einen Verneinung,
die ich jetzt gebrauche, liegen”.
Aber deute ich hier nicht schon wieder?
(D.h. bin ich nicht im Begriffe, eine
Mytholo- gie zu erfinden?)
|
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Heisst es etwas, zu sagen, dass
drei solche Verneinungen eine Verneinung ergeben.
(Das erinnert immer an “drei solche Pferde können
diesen Wagen fortbewegen”.)
Aber, wie gesagt, in jenem logischen Satz ist gar nicht von der
Verneinung die Rede (von der Verneinung handeln nur Sätze wie:
Es es regnet nicht) sondern nur vom
Wort ‘nicht’, und es ist eine Regel über die Ersetzung
eines Zeichens durch ein anderes.
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Aber können wir die Berechtigung dieser Regel nicht einsehen, wenn wir
die Verneinung verstehen?
Ist sie nicht eine Folge aus dem Wesen der Verneinung?
Sie ist nicht eine Folge, aber ein Ausdruck dieses Wesens.
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Was wir sehen, wenn wir einsehen, dass eine doppelte
Verneinung etc.… muss von der
Art dessen sein, was wir im Zeichen
wahrnehmen.
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Die Geometrie spricht aber so wenig von Würfeln, wie die Logik von der
Verneinung.
(Man möchte hier vielleicht einwenden, dass die
Geometrie vom Begriff des Würfels und die Logik vom Begriff der Negation
handelt.
Aber die- se Begriffe gibt es nicht.)
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Man kann einen Würfel — ich meine das Wesentliche des Würfels
— nicht beschreiben.
Aber kann ich denn nicht beschreiben, wie man z.B.
eine Kiste macht? und ist damit nicht eine Beschreibung
des eines Würfels gegeben?
Das Wesentliche am Würfel ist damit nicht beschrieben, das steckt
vielmehr in der Möglichkeit dieser Beschreibung,
d.h. darin, dass sie eine
Beschreibung ist; nicht darin, dass sie
zutrifft.
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Nun kann ich doch aber sagen: “Ich sehe die Figur
3-dimensional”.
Aber dieser Satz entspricht der Beschreibung einer Kiste.
Er beschreibt einen bestimmten Würfel, nicht die Würfelform.
Freilich kann ich das Wort “Würfelform”
definieren.
D.h. Zeichen geben, durch die es ersetzt werden
kann darf.
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Man kann eine geometrische Figur nicht beschreiben.
Auch die Gleichung beschreibt sie nicht,
?—sondern vertritt sie durch die Regeln,
die von ihr gelten—?.
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Und haben wir hier nicht das Wort “Figur” so
angewendet // an- gewandt//, wie in
unseren Betrachtungen so oft das Wort “Gedanke” oder
“Symbol”?
Die Art der Anwendung dieses Wortes, von welcher ich sagte, es
be- deute dann kein Phänomen, sondern sei quasi ein unvollständiges
Zeichen // Symbol // und
entspreche einer
Funktion.
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Man kann auch nicht sagen, die Würfelform habe die Eigenschaft,
200 lauter gleiche Seiten zu
besitzen.
Wohl aber hat ein Holzklotz diese Eigen- schaft.
(Noch hat “die Eins die Eigenschaft, zu sich selbst addiert,
zwei zu ergeben”.)
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Ich sagte doch: Es schien, als wären die grammatischen Regeln
die ‘Folgen in der Zeit’ dessen, was wir in einem
Augenblick wahrnehmen, wenn wir eine Verneinung verstehen.
Und als gebe es also zwei Darstellungen des Wesens der
Verneinung: Den Akt (etwa den seelischen Akt) der
Verneinung selbst, und seine Spiegelung in dem System der
Grammatik.
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Man ist versucht zu sagen // könnte
sagen//: die Gestalt eines Würfels wird doch sowohl
durch die Grammatik des Wortes “Würfel”, als auch durch
einen Würfel, dargestellt.
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In
“non-p
& (non-non-” kann der zweite Teil nur eine
Spiel- regel sein.
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Es hat den Anschein, als könnte man aus der Bedeutung der Negation
schliessen , dass
non-non-,
p heisst.
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Als würden aus der Natur der Negation die Regeln über das
Nega- tionszeichen folgen .
So dass, in gewissem Sinne, die Negation zuerst
vorhanden wäre ist und dann die Regeln der
Grammatik.
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Es ist also, als hätte das Wesen der Negation einen zweifachen Ausdruck
in der Sprache: Dasjenige, was ich sehe, wenn ich die Negation
ver- stehe, und die Folgen dieses Wesens in der Grammatik.
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202
Zu sagen, dass eine Vierteldrehung ein Quadrat mit
sich selbst zur Deckung bringt, heisst doch offenbar
nichts andres als: Das Quadrat ist um? zwei
zueinander senkrechte Achsen symmetrisch, und das wie- der,
dass es Sinn hat, von zwei senkrechten Achsen zu reden,
ob sie vorhan- den sind oder nicht.
Dies ist ein Satz der Grammatik.
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Die Schwierigkeit ist wieder, dass es scheint, als
wäre in ei- nem Satz, der etwa das Wort ‘Quadrat’
enthält, schon der Schatten eines an- dern Satzes mit diesem Worte
enthalten. —
Nämlich eben die Möglich- keit jenen anderen Satz zu
bilden, die ja, wie ich sagte, im Sinn des Wortes
‘Quadrat’ liegt.
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Und doch kann man eben nur sagen, der andere Satz ist nicht mit diesem
ausgesprochen, auch nicht schattenhaft.
(Und wird vielleicht nie aus-
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Statt der Betrachtung der Negation, könnte ich auch die eines Pfeiles
setzen und z.B. sagen: wenn ich ihn zweimal um
180o drehe, zeigt er wieder,
wohin er jetzt zeigt: welcher Satz dem
non-non-p
= p entspricht.
Wie ist es nun hier mit der Darstellung des Wesens dieses Pfeils durch
die Sprache?
Jener Satz muss doch unmittelbar von diesem Wesen
abgeleitet // ab- gelesen // sein
und es also darstellen.
Oder nehmen wir den Fall eines Quadrats und eines Rechtecks und die
Sätze, dass das Quadrat durch eine Vierteldrehung mit
sich selbst zur Deckung gebracht werden kann; das Rechteck aber erst
durch eine halbe Dre- hung.
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Es frägt sich: Was ist das für ein Satz
“das Wort ‘ist’ in ‘die Rose ist
rot’ ist dasselbe, wie in ‘das Buch ist rot’,
aber nicht dasselbe, wie in ‘zweimal zwei ist
vier’”?
Man kann nicht antworten, es heis- se,
verschiedene Regeln gelten von den beiden Wörtern, denn damit geht man im
Zirkel.
Wohl aber heisst es, das Wort ist in seinen
verschiedenen Verbin- dungen durch zwei Zeichen ersetzbar,
die nicht für einander einzusetzen sind.
Ersetze ich dagegen das Wort in den beiden ersten Sätzen durch zwei
ver- schiedene Wörter, so
ich sie für einander einsetzen.
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204
Nun könnte ich wieder fragen: sind diese Regeln
// ist diese Regel // nur eine
Folge de[w|s] Ersten :
dass im einen Falle die beiden Wörter
‘ist’ die gleiche Bedeutung haben, im andern Fall
nicht?
Oder ist es so, dass diese Regel eben der sprachliche
Ausdruck dafür ist, dass die Wörter das Gleiche
bedeuten?
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Ich will es damit vergleichen, dass das Wort
‘ist’ einen andern Wortkörper hinter sich hat .
Dass es beide Male die gleiche Fläche ist,
[w|d]ie einem andern Körper angehört, wie wenn ich ein Dreieck im
Vordergrund sehe, das das eine Mal die Endfläche eines Prismas, das andre
Mal eines Tetraeders ist.
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Oder denken wir uns diesen Fall: Wir hätten Glaswürfel, deren
ei- ne Seite // Seitenfläche // rot
gefärbt wäre.
Wenn wir sie aneinander reihen, so wird im Raum nur eine ganz
bestimmte Anordnung roter Quadrate entstehen können, bedingt durch die
Würfelform der Körper.
Ich könnte nun die Regel, nach der hier rote Quadrate angeordnet sein
können, auch ohne Erwähnung der Würfel angeben, aber in ihr
wäre doch bereits das Wesen der Würfelform prä- judiziert.
Freilich nicht, dass wir gläserne Würfel haben wohl
aber die Geo- metrie des Würfels.
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Wenn wir nun aber einen solchen Würfel sehen , sind
da- mit wirklich schon alle Gesetze der möglichen
Zusammenstellung gegeben?!
Also die ganze Geometrie.
Kann ich die Geometrie des Würfels von einem Würfel ablesen?
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Der Würfel ist dann eine Notation der Regel.
Und hätten wir eine solche Regel gefunden, so könnten wir sie wirklich
nicht besser notieren als durch die Zeichnung eines Würfels (und
dass es hier eine Zeichnung tut, ist wieder ungemein
wichtig // bedeutsam//).
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205
Und nun ist die Frage: in wiefern kann der Würfel oder die
Zeichnung (denn die beiden kommen hier auf dasselbe hinaus
// auf eins hinaus//) als Notation der
geometrischen Regeln dienen?
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Doch auch nur, sofern er einem System angehört: nämlich der
Würfel mit der einen roten Endfläche wird etwas anderes notieren, als
eine Pyramide mit quadratischer roter Basis,
etc..
D.h., es wird dasjenige Merk- mal der Regeln
notieren, worin sich z.B. der Würfel von der Pyramide
un- terscheidet.
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Jedes Zeichen der Negation ist gleichwertig jedem andern, denn
“
ist ebenso ein Komplex von Strichen, wie das Wort “nicht”,
und zur Negation wird es nur durch die Art, wie es
‘ wirkt ’.
Hier aber ist nicht die Wirkung im Sinne der Psychologie (das Wort
‘Wirkung’ also nicht kausal) gemeint, sondern die
Form seiner Wirkung.
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Ich möchte sagen: Nur dynamisch wirkt das Zeichen, nicht
sta- tisch.
Der Gedanke ist dynamisch.
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Dass die Tautologie und Kontradiktion nichts sagen,
geht nicht etwa aus dem W-F-Schema hervor, sondern
muss festgesetzt werden.
Und die Schemata machen nur die Form der allgemeinen Festsetzung
einfach.
378
<>
// …machen nur die Festsetzung der Form
leicht. einfach.//
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Du sagst, das Hinweisen auf einen roten Gegenstand ist das
primäre Zeichen für ‘rot’.
Aber das Hinweisen auf einen roten Ge- genstand ist nicht mehr, als
die bestimmte Handbewegung gegen einen roten Gegenstand, und ist
vorläufig gar kein Zeichen.
Wenn Du sagst, Du meinst: das Hinweisen auf den roten Gegenstand
als Zeichen verstan- den — so sage ich: das
Verständnis, auf das es uns ankommt, ist kein Vorgang, der das Hindeuten
begleitet (etwa ein Vorgang im Gehirn) und wenn Du doch so einen
Vorgang meinst, so ist dieser an sich wieder kein Zeichen.
((Die Idee ist hier immer wieder, dass die
Meinung, die Interpretation, ein Vorgang sei, der das Hinweisen begleitet
und ihm sozusagen die Seele gibt (ohne welche es tot wäre).
Das scheint besonders dort so, wo ein Zeichen die
ganze Grammatik zusammenzufassen scheint, dass wir sie
aus ihm ablei- ten können, und es scheint,
dass sie in ihm enthalten wäre, wie
Per- lenschnur in
einer Schachtel und wir sie nur herausziehen
müssten.
(Aber
511 dieses Bild
ist es eben, was welches uns
irreführt.)
Als wäre das Verständnis ein momentanes Erfassen von
etwas, wovon später nur die Konsequenzen gezo- gen werden; und zwar so,
dass diese Konsequenzen bereits in einem ideellen
Sinn existieren, ehe sie gezogen wurden.
Als ob also der Würfel schon die ganze Geometrie des Würfels enthielte und ich sie
nun nur noch auszubreiten habe hätte.
Aber welcher Würfel?
Der Gesichtswürfel, oder ein Eisen- würfel?
Oder gibt es einen ideellen Würfel? —
Offenbar schwebt uns der Vor- gang vor,
aus einer Zeichnung, Vorstellung (oder einem Modell) Sätze der
Geometrie ableiten.
Aber welche Rolle spielt dabei das
Modell?
Doch wohl die des Zeichens!
Des Zeichen[,|s], welches eine bestimmte
Verwendungsart hat und nur durch dieses bezeichnet.
Es ist allerdings interessant und merkwür- dig, wie dieses Zeichen
verwendet wird, wie wir etwa die Zeichnung des
Wür- fels wieder und wieder bringen
mit immer
andern
Zutaten.
Einmal sind die Diagonalen gezogen, einmal Würfel aneinander gereiht,
etc. etc..
Und es ist dieses Zeichen ( mit der Identität eines
des Zeichens ), welches wir für jenen Würfel nehmen, in
dem die geometrischen Gesetze be- reits liegen.
(Sie liegen in ihm so wenig, wie im Schachkönig eine
die Dis- positionen, in gewisser Weise benützt zu
werden.)
Die geometrischen Gesetze konstituieren den Begriff des
Würfels (sie geben eine Konstitu- tion, eine Verfassung).
Was ich seinerzeit über den “Wortkörper”
geschrie- ben habe, ist der klare Ausdruck des besprochenen
Irrtums.))
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Denn, wenn ich erkläre “
‘non-p’ ist wahr, wenn
‘p’ nicht wahr ist”, so setzt das
voraus, dass ich verstehe, was es
heisst, ‘p’ sei nicht
wahr.
Dann ha- be ich aber nichts getan als zu definieren:
non-p = ‘p’ ist falsch.
Es kommt nämlich wesentlich darauf an, daß es nicht möglich ist, das
Zeichen “p” auf der rechten Seite der Definition
auszulassen, bezw. durch ein anderes zu
ersetzen (es sei denn wieder durch eine Definition).
Solange das nicht möglich ist, kann und muß man auch die rechte Seite als
Funktion auffassen von p, nämlich: ‘( )’
ist falsch, oder, wie Russell schreiben würde: ‘ !!FIX!! ’
ist falsch.
Das hängt auch damit zusammen, daß ja der Tintenstrich nicht
falsch ist.
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Wenn ich also auch dem Schriftzug “p” den Namen
A gebe und daher schrei- be:
non-p = A ist
falsch, so hat das nur einen Sinn,
d.h. die rechte Sei- te kann nur verstanden
werden, wenn A für uns als Satzzeichen steht.
Dann aber ist nichts gewonnen: zum mind- esten keine
Erklärung der Negation.
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Und dasselbe muss der Fall sein, wenn man erklärt,
“(x).fx” sei wahr, wenn
f( ) für alle Substitutionen
wahr ist.
Man muss auch dazu schon den lo- gischen
Mechanismus der Verallgemeinerung verstehen.
Es ist auch nicht so, dass man erst ahnungslos ist,
und die Verallgemeinerung nun durch die Erklärung erst zum
Funktionieren gebracht wird.
Wie wenn man in eine Ma- schine ein Rad einsetzt und sie dann
erst funktioniert (oder, die Maschine erst in zwei
getrennten Teilen da ist und sie nun erst durch das Zusammensetzen als
diese Maschine funktionieren).
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374
Wie schaut die Erklärung eines Zeichens aus?
Das müsste doch eine für die Sprache
ausserordentlich wichtige Form sein, sei dieser
Behelf nun ein Satz oder nicht.
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Denken wir uns aber eine Sprache, in der ich “A
ist grösser als B” nicht nur so
ausdrücke: “
ist
grösser als ”, sondern in der ich auch statt des
Wortes “grösser” eine Geste mache,
die die Be- deutung des Wortes zeigt. —
Wie könnte ich nun so eine Sprache erklären?
(Wie könnte ich die Zeichen so einer Sprache erklären?)
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Auch das Kind lernt
nur eine Sprache vermittels einer
an- deren.
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209
Die Gebärdensprache ist eine Sprache und wir haben sie
nicht — im gewöhnlichen Sinne — gelernt.
Das heisst: Sie wurde uns nicht
()
geflissent- lich gelehrt.
—
Und jedenfalls nicht durch Zeichenerklärungen.
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Man sich das Lernen einer
Sprache aber analog dem Fingerhut- suchen
vorstellen, wo die gewünschte Bewegung durch
“heiss, heiss”,
“kalt, kalt” herbeigeführt wird.
Man könnte sich denken, dass der Lehrende statt
dieser Worte auf irgendeine Weise (etwa durch Mienen) angenehme und
unangenehme Empfindungen hervorruft, und der Lernende nun dazu gebracht
wird, die Bewegung auf den Befehl hin auszuführen, die
regelmässig von der angenehmen Empfindung begleitet
wird (oder zu ihr führt).
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Verbindung von Wort und Sache durch die Erklärung
// das Leh- ren der Sprache//
hergestellt.
Was ist das für eine Verbindung, welche Art?
Was für Arten von Verbindungen gibt es?
Eine Verbindung kann funktionieren oder nicht
funktionieren: Anwendung auf die Verbindung, die die
Worterklä- rung herstellt.
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Die Zuordnung von Gegenstand und Name ist keine andere, als die durch
die Worte “das ist …” oder eine Tabelle
erzeugte etc..
Sie ist ein Teil des Symbolismus.
Es ist daher
, die Beziehung von zwischen
Name und Gegenstand sei eine psychologische.
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Das Wort ‘Teekanne’ hat
Bedeutung; gewiss, im Gegensatz zum Wor¿te¿
‘Abracadabra’, nämlich in der
deutschen Sprache.
Aber wir könnten ihm na- türlich auch eine Bedeutung geben; das wäre
ein Akt ganz analog dem, wenn ich ein Täfelchen mit der Aufschrift
‘Teekanne’ an eine Teekanne hänge.
Aber was habe ich hier anders als eine Teekanne mit einer Tafel, auf
der Striche zu sehen sind?
Also wieder nichts logisch Interessantes.
Die Festsetzung der Bedeutung eines Wortes kann nie
(wesentlich) anderer Art sein.
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Vielleicht ist die eigentliche Schwierigkeit die:
dass ich das Wort “rot” erkläre,
indem ich auf etwas Rotes zeige und sage “das ist rot”,
während doch dieses Rote später meinem Blick ent- schwindet.
Und nun scheinbar etwas <…> Anderes an seine Stelle
tritt (die Erinnerung oder wie man es heissen
mag).
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“Also so wird dieses Wort
gebraucht!”
Aber wie bewahre ich denn dieses So in der
Erinnerung?
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183
Das Lernen der Sprache ist in ihrer Benützung nicht enthalten.
(Wie die Ursache eben nicht in ihrer Wirkung.)
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Ich kann die Regel selbst festsetzen und nicht
mich eine die Sprache lehren.
Ich gehe spazieren und sage mir: Wo immer ich einen Baum
treffe, soll mir das das Zeichen sein, bei der nächsten Kreuzung links zu
gehen, und nun richte ich mich nach den Bäumen in dieser Weise (fasse
ihre Stellung als einen Befehl auf).
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Wie kann ich mir vornehmen, einer Regel zu
folgen?
Nicht nur soweit, als ich die Regel ausdrücken kann?
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Welche Wirkung hatte nun die hinweisende Erklärung?
Hatte sie so- zusagen nur eine automatische Wirkung?
Das heisst aber, wird sie nun immer wieder
benötigt, oder hatte sie eine ursächliche Wirkung, wie etwa eine
Imp- fung, die uns ein für alle Mal, oder doch bis auf weiteres,
geändert hat.
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Ich sage “wähle alle blauen Kugeln aus”; er aber
weiss nicht, was “blau”
heisst.
Nun zeige ich und sage “das ist blau”.
Nun versteht er mich und kann meinem Befehl folgen.
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164
Ich setze ihn in Stand, dem Befehl zu folgen.
Was geschieht nun aber, wenn er in Zukunft diesen Befehl
hört?
Ist es nötig, dass er sich je- ner
Erklärung , d.h. des einmaligen
Ereignisses jener Erklärung er- innert?
Ist es nötig, dass das Vorstellungsbild des blauen
Gegenstands oder eines blauen
Gegenstandes vor
seine Seele tritt?
Alles das scheint nicht nötig zu sein, obwohl es
möglicherweise geschieht.
Und doch das Wort
“blau” jetzt einen anderen
Aspect für ihn , als da es ihm noch nicht erklärt
war.
Es gewinnt gleichsam Tiefe.
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In wiefern hilft die hinweisende Erklärung “ das
ist ‘rot’” zum
Ver- ständnis des Wortes.
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(Sie ‘ hilft ’ gar nicht, sondern
ist eben eine der symbolischen Regeln für den Gebrauch des
Wortes ‘rot’.)
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Eine Erklärung kann nicht in die Ferne wirken.
Ich meine: sie wirkt nur, wo sie angewandt wird.
Wenn sie ausserdem noch eine
“Wirkung” hat, dann nicht als
Erklärung.
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((Soll das so viel heissen, als
, dass eine
Erklärung, eine Tabelle, zuerst so gebraucht werden kann,
dass man sie “nachschlägt”;
dass man sie dann gleichsam im Kopf nach- schlägt,
d.h., sie sich vor das innere Auge ruft (oder
dergleichen); und dass man endlich ohne diese
Tabelle arbeitet, also so, als wäre sie nie da gewesen.
In diesem letzten Fall spielt man also ein anderes
Spiel.
Denn es ist nun nicht so, dass jene Tabelle ja doch
im Hintergrund steht und man immer auf sie zurückgreifen kann; sie ist aus
unserm Spiel ausgeschieden und wenn ich auf sie
‘zurückgreife’, so tue ich, was der Erblindete tut, der
etwa auf den Tastsinn
zu-
476 rückgreift.
Eine Erklärung ist das Anlegen einer Tabelle
und sie wird Geschichte, wenn ich die Tabelle nicht mehr benütze.
Eine Tabelle Erklärung
eine Tabelle an und sie
wird zur Geschichte, wenn …
Ich muss unterscheiden zwischen den Fällen:
wenn ich mich einmal nach einer Tabelle richte, und ein andermal in
Uebereinstimmung mit der Tabelle (der Regel, welche
die Tabelle ausdrückt) handle, ohne die Tabelle zu be- nützen.
—
Die Regel, deren Erlernung uns veranlasste, jetzt so
und so zu handeln, ist als Ursache unserer Handlungsweise Geschichte und für
uns ohne Interesse.
Sofern sie aber eine allgemeine Beschreibung unserer Hand- lungsweise
ist, ist sie eine Hypothese.
Es ist die Hypothese, dass diese zwei Leute, die
am über dem Schachbrett sitzen , so und so
handeln wer- den (wobei auch ein Verstoss gegen
die Spielregeln unter die Hypothese fällt, denn diese sagt dann etwas
darüber aus, wie sich die Beiden benehmen werden, wenn sie auf diesen
Verstoss aufmerksam werden).
Die Spieler kön- nen aber die Regel auch benützen, indem sie in jedem
besonderen Fall nach- schlagen, was zu tun ist; hier tritt die Regel in
die Spielhandlung selbst ein und verhält sich zu ihr nicht, wie eine
Hypothese zu ihrer Bestätigung.
“Hier gibt es aber eine Schwierigkeit.
Denn der Spieler, welcher ohne Be- nützung des Regelverzeichnisses
spielt, ja, der nie eins gesehen hätte, könnte dennoch, wenn es
verlangt würde, ein Regelverzeichnis anlegen und zwar nicht —
behaviouristisch — indem er durch wiederholte Beobachtung
fest- stellte, wie er in diesem und in jenem Fall gehandelt hat
//handelt //, sondern, indem er, vor einem Zug
stehend, sagt: ‘in diesem Fall zieht man
so ’”. —
Aber wenn das so ist, so zeigt es doch nur, dass er
unter gewissen Umständen eine Regel aussprechen wird, nicht,
dass er von ihr beim Zug
expliciten Gebrauch gemacht hat.
Dass er ein Regelverzeichnis anlegen würde
// wird //, wenn man es verlangte
verlangt, ist eine Hypothese und wenn man ei- ne Disposition,
ein Vermögen, ein Regelverzeichnis anzulegen annimmt, so ist es eine
psychische Disposition auf gleicher Stufe mit einer
physiologi- schen.
Wenn gesagt wird, diese
Disposition
477 charakterisiert den Vorgang des Spiels,
so charakterisiert sie ihn als einen psychischen oder
physiologi- schen, was er tatsächlich ist.
(Im im Studium des Symbolismus gibt es keinen Vordergrund und
Hintergrund, nicht ein sichtbares //
greifbares// Zeichen und ein es begleitendes
unsichtbares // ungreifbares// Vermögen,
oder Ver- ständnis.)
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Wie wirkt nun die hinweisende Erklärung?
Sie lehrt den Gebrauch eines Zeichens; und das Merkwürdige ist nur,
dass sie ihn auch für die Fälle zu lehren scheint, in
denen ein Zurückgehen auf das hinweisende Zeichen nicht möglich ist.
Aber geschieht das nicht, indem wir, quasi, die in der hinwei- senden
Definition gelernten Regeln in bestimmter Weise transformieren?
(Wenn z.B. der Mann, der mir vorgestellt wurde,
abwesend ist und ich nun trotzdem seinen Namen gebrauche, dessen Gebrauch
mir durch die Vorstellung — hinweisende Erklärung — erklärt
wurde.)
Wenn ich ihn nun brauche, z.B. der Mann, der mir
vorgestellt wurde, abwesend ist und ich nun trotzdem seinen Namen gebrauche,
dessen Gebrauch mir durch die Vorstellung — hinweisende Erklärung
— erklärt wurde.)
Wenn ich ihn nun brauche, in wiefern mache ich da von der
Erklärung<,> Gebrauch ?
Offenbar nicht in der Weise, in welcher ich in der Anwesenheit des
Menschen von ihr Gebrauch machen konnte.
Es gibt ein Spiel, worin ich immer statt des Namens das hinweisende
Zeichen geben kann, und eins, in welchem das nicht mehr möglich ist.
(Und wir müssen nur daran festhalten, dass die
Erklärung, als fortwirkende Ursache unseres Gebrauchs von
Zeichen, uns nicht interessiert, sondern nur, sofern wir von ihr in unserm
Kalkül Gebrauch machen können.)
Eine Schwierigkeit Es macht eine Schwierigkeit in der
Erklärung des Gebrauchs der hinwei- senden Definition macht es
dass wir Definition, dass
wir verschiedene Kriterien der Identität anwenden
(also das Wort “Identität” in verschiedener Weise
gebrauchen), je nachdem, ob ein Ding sich vor unsern Augen bewegt, oder
unserm Blick ent- schwindet und vielleicht wieder erscheint.
Das ist wichtig, denn für den zweiten Fall gibt uns die hinweisende
Definition eigentlich nur ein Muster und tut nur, was auch der
Hinweis auf ein Bild tut.
Das drückt sich darin aus, dass die gegebene
hinweisende Erklärung nichts nützt, wenn wir vergessen haben, wie der
Mensch, auf den gezeigt wurde, aussah. ))
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Man könnte eine wesentliche Frage auch so stellen: Wenn ich
jemandem sage “male diesen Kreis rot”, wie entnimmt er aus
dem Wort ‘rot’, welche Farbe er zu nehmen hat?
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[h|H]eisst es etwas, zu sagen,
dass das Wort ‘rot’, um ein
brauchbares Zeichen zu sein, ein Supplement — etwa im Gedächtnis —
braucht?
D.h., in wiefern ist es allein nicht
Zeichen?
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Wenn ich eine Erfahrung mit den Worten beschreibe “vor mir steht
ein blauer Kessel”, ist die Rechtfertigung dieser Worte,
ausser der Erfahrung die in den Worten beschrieben
wird, noch eine andere, etwa die Erinne- rung,
dass ich das Wort ‘blau’ immer für
diese Farbe verwendet habe, etc.?
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Wenn ich jemandem sage “wenn ich läute, komm' zu
mir”, so wird er zu- erst, wenn er läuten hört, sich diesen
Befehl (das Läuten) in Worte übersetzen und erst den übersetzten
befolgen.
Nach einiger Zeit aber wird er das Läuten ohne Intervention anderer
Zeichen in die Handlung übersetzen.
Und so, wenn ich sage “zeige auf einen roten Fleck”,
befolgt er diesen Befehl, ohne daß ihm dabei zuerst das Phantasiebild eines
roten Flecks als Zeichen für ‘rot’ erscheint.
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Wenn er läutet, so komme ich zu ihm, ohne mir erst ein Bild meiner
Bewegungen vorzustellen, wonach ich (dann)
handle.
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Ich kann gewiss sagen: “Tu
jetzt, was Du, Deiner Erinnerung nach, gestern um diese Zeit getan
hast”.
Und wenn er sich daran erinnert, kann er seiner Erinnerung folgen.
Erinnert er sich aber nicht, so hat der Befehl keinen Sinn für
ihn.
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Wäre dieser Befehl also wie der: “Tu, was auf dem
Zettel in dieser
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Wenn ich jemandem sage “male das Grün Deiner Zimmertür nach dem
Gedächtnis, so bestimmt das, was er zu tun hat, nicht eindeutiger, als der
Befehl “male das Grün, das Du auf dieser Tafel
siehst”.
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Wenn es bei der Bedeutung des Wortes “rot” auf das Bild
ankommt,
287 das mein Gedächtnis beim Klang diese
Wortes automatisch reproduziert, so muss ich mich auf
diese Reproduktion gerade so verlassen, als wäre ich
, die
Bedeutung durch nachschlagen in einem Buche, zu bestimmen, wobei ich mich
diesem Buche quasi auf Gnade
und Ungnade ergeben würde.
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Ich bin dem Gedächtnis ausgeliefert.
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Freilich kann man sagen: das rote Täfelchen ist in Wirklichkeit auch nicht
maßgebend, weil das Gedächtnis als Kontrolle des Täfelchen verwendet
wird.
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Die Frage aber ist: Ist im Falle einer relativen Veränderung
der Farbe des Täfelchens zu meinem Gedächtnis (ein gewagter Ausdruck)
in irgend einem Sinne unbedingt der Deutung der Vorzug zu geben, das
Täfelchen habe sich geändert und ich müsse mich also nach dem Gedächtnis
richten?
Offenbar nein.
Uebrigens besagt die
‘Deutung’, das Täfelchen und nicht das Gedächtnis habe
sich verändert, nichts als eine Worterklärung der Wörter
“verändern” “gleichbleiben”.
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Könnte ich behaupten, dass mein Gedächtnis immer
etwas nachdunkle?
Jedenfalls könnte ich sagen: “wähle die Farbe, die Du im
Gedächt-
299 nis hast” und auch
“wähle eine etwas dunklere Farbe, als die die Du im Gedächtnis
hast.”
Von einem Nachdunkeln kann man natürlich nur im
Vergleich zu Etwas // etwas andrem//
sprechen und es genügt nicht, zu sagen “nun, mit der Farbe, wie sie
wirklich war”, weil hier die besondere Art der Verifikation,
d.h., die (besondere)
Grammatik der Worte “wie sie war” noch nicht
festge- legt ist, diese Worte (also) noch
mehrdeutig sind.
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Mit einem Draht nach einem Kurzschluss suchen:
er ist gefunden, wenn es läutet.
Aber suche ich dabei auch nach etwas, was der Idee des Klingelns gleich
ist? ,
u.s.w..
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Der Befehl sei: “Stelle Dir einen roten Kreis
vor”.
Und ich tue es.
Wie konnte ich den Worten auf diese Weise folgen?
Das ist doch ein Zeichen // Beweis//
dafür, dass wir den Worten auch ohne Vorstellungen
gehorchen können.
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Wie kann ich es rechtfertigen , dass ich
mir auf diese Worte hin diese Vorstellung mache?
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Hat mir jemand die Vorstellung der blauen Farbe gezeigt und gesagt,
dass sie das ist?
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Es ist also richtig: “Ich erinnere mich
daran ”, ˇan das, was ich hier vor mir
sehe..
Das Bild ist dann in einem gewissen Sinne gegenwärtig und
vergangen.
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304
Der Vorgang des Vergleiches eines Bildes mit der Wirklichkeit ist also der
Erinnerung nicht wesentlich.
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Es ist instruktiv zu denken,
dass, wenn wir mit einem gelben Täfelchen die Blume
suchen, uns jedenfalls nicht die Relation der Farbengleichheit in einem
weiteren Bild gegenwärtig ist.
Sondern wir sind mit dem einen ganz zufrieden.
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(So wie wir nicht für einen Augenblick daran dächten, ein Kind die
Ge- bärdensprache zu lehren.)
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kann ˇ die Bedeutung der
Zeichen, , durch die Tabelle
erklären; aber diese Tabelle
wieder erklären, indem ich sie so schreibe
und sie einer anderen
entgegenstelle:
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Aber konnte denn auch die erste Erklärung wegbleiben?
Gewiss, wenn die Zeichen
uns (etwa) ursprünglich
ebenso beigebracht worden wären, wie die Wörter “Kirche”,
“Haus”, “Stadt”.
Aber diese mussten uns doch erklärt werden!
—
Soweit sie uns überhaupt ‘erklärt’ wurden, geschah es
durch eine Gebärdensprache, die uns nicht erklärt wurde.
— Aber wäre denn diese Gebärdensprache einer Erklärung fähig
gewesen? —
Gewiss; z.B. durch eine
Wortsprache.
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Denken wir an das laute Lesen nach der Schrift (oder
501 das Schreiben nach
dem Gehör).
Wir könnten uns natürlich eine Art Tabelle denken, nach der wir uns dabei
richten könnten.
Aber wir richten uns nach keiner.
Kein Akt des Gedächtnisses, nichts, vermittelt zwischen dem geschriebenen
Zeichen und dem Laut.
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(Das Wort ‘rot’ ist ein Stein in einem Kalkül und das
rote Täfelchen ist auch einer.)
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es ist ein anderes Spiel, mit einem Täfelchen
herumgehen, es an die Ge- genstände anzulegen und so die
Farbengleichheit zu prüfen; und anderseits: ohne ein solches Muster
nach Wörtern in einer Wortsprache handeln.
Man denkt nun: Ja, das erste Spiel verstehe ich; das ist ja
ganz einfach: Der erste Schritt ist der, von einem geschriebenen
Wort auf das gleiche ge- schriebene Wort des Musters; der zweite ist
der Uebergang von dem Wort auf dem Mustertäfelchen zu
der Farbe auf dem gleichen Täfelchen; und der dritte, das
Vergleichen von Farben.
Jeden Schritt dieses Kalküls gehen wir also auf einer Brücke.
(Wir sind geführt, der Schritt ist vorgezeich- net.)
Aber wir sind doch hier nur insofern geführt, als wir uns führen
lassen.
Auf diese Weise kann ich alles, und
muss ich nichts eine Füh- rung
nennen. —
Und am Schluss tu ich, was ich tue und das ist
Alles.
Aber ein Unterschied bleibt doch: Wenn ich gefragt werde
“warum nennst Du gerade diese Farbe
‘rot’, so würde ich tatsächlich
antworten: weil sie auf dem gleichen Täfelchen mit dem Wort
‘rot’ steht.
Würde ich aber in dem zweiten Spiel gefragt “warum nennst Du
diese Farbe ‘rot’ ”, so gäbe es darauf keine
Antwort und die Frage hätte keinen Sinn. —
Aber im ersten Spiel hat die Frage keinen Sinn: “warum
nennst Du die Farbe ‘rot’, die auf dem
gleichen Täfelchen mit dem Wort ‘rot’
steht”.
So handle ich eben (und man kann dafür wohl eine Ursache angeben, aber
keinen Grund).
Das Gedächtnis ist jedenfalls nicht immer die letzte Instanz.
Bedenke vor allem: Wie weiss man,
dass das Täfelchen rot bleibt?
Braucht man dazu wieder ein Bild?
Und wie ist es mit dem? etc..
Woran erkennt er das Vorbild als Vorbild?
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(Ein Grund lässt sich nur innerhalb
eines Spiels angeben.)
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514
Die Kette der Gründe kommt zu einem Ende und zwar dem Ende in
diesem Spiel // und zwar
(an?) ? der Grenze des
Spiels+ .
//
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Man kann sagen: Die Regeln des Spiels sind die, die gelehrt
werden, wenn das Spiel gelehrt wird. —
Nun wird z.B. dem Menschen, der lesen lernt,
tat- sächlich gelehrt: das ist ein a, das ist ein e,
etc.; also, könnte man sagen, gehören diese Regeln, gehört
diese Tabelle mit zum Spiel. —
Aber erstens: lehrt man denn auch den Gebrauch dieser
Tabelle? und könnte man ihn, anderseits, nicht
lehren?
Und zweitens kann doch das Spiel wirklich auf zwei
verschiedene Arten gespielt werden.
Man kann nun fragen: ist es denn aber auch noch ein Spiel, wenn
Einer die Buchstaben abbc sieht und irgend etwas
macht?
Und wo hört das Spiel auf, und wo fängt es an?
Die Antwort ist natürlich: Spiel ist es, wenn es nach einer Regel
vor sich geht.
Aber was ist noch eine Regel und was keine mehr?
Eine Regel kann ich nicht anders geben, als durch ihren Ausdruck; denn
auch Beispiele, wenn sie Beispiele sein sollen, sind ein Ausdruck für die
Regel, wie jeder andre.
Wenn ich also sage: Spiel nenne ich es nur, wenn es einer Regel
gemäss geschieht und die Regel ist eine Tabelle, so
kann ich nicht die Verwendungs- art // die
Art des Gebrauches // dieser Tabelle garantieren,
denn ich kann sie nur durch eine weitere Tabelle festlegen, oder durch
Beispiele.
Diese Beispiele tragen nicht weiter, als sie selbst gehen
// reichen // und die zweite Tabelle ist im
gleichen Fall wie die erste.
Ich könnte auch sagen: was ist das Schachspiel andres
(oder was ist vom Schachspiel andres vorhanden), als
Regelverzeichnisse (gesprochen, geschrie- ben,
etc.) und die Beschreibung einer Anzahl von
Schachpartien?
Es steht mir (danach) natürlich
frei, ‘Spielregel’ nur ein Ding
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Uebereinstimmung von Gedanke und
Wirklichkeit.
Wie alles Metaphysische ist die (prästabilierte) Harmonie zwischen
Gedanken und Wirklichkeit in der Grammatik der Sprache
aufzufinden.
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Es ist wohl auch Unsinn zu sagen, die
Uebereinstimmung (
Nichtüber- einstimmung) zwischen Satz und
Welt // Realität// sei willkürlich durch
eine Zuordnung/geschaffen.
Denn, wie ist die Zuordnung auszudrücken?
Sie besteht darin, dass der Satz
“p” sagt, es sei gerade das der
Fall.
Aber wie ist dieses “gerade das” ausgedrückt
// gegeben//?
Wenn durch einen andern Satz, so gewinnen wir nichts dabei; wenn aber
durch die Realität, dann muss diese schon in
bestimmter Weise — artikuliert —
aufge- fasst sein.
Das heisst: man kann nicht auf einen Satz und
auf eine Realität deuten und sagen: “ das
entspricht dem ”.
Sondern, dem Satz ent- spricht nur wieder das schon
Artikulierte.
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Um in einer Sprache im Chinesischen einen Satz bilden zu
können, dazu genügt es nicht, die Lautreihe zu lernen und zu wissen,
dass sie, etwa in der Fibel neben einem bestimmten Bild
steht.
Denn das befähigt mich nicht, die Tatsache in jener Sprache auf
Chinesisch zu porträtieren.
Ja, wenn es mir im Deutschen so geschähe, dass ich
die ganze Sprache vergässe, mir aber bei einer
bestimmten Gelegenheit doch die Lautverbindung des Satzes einfiele, die man
in diesem Falle gebraucht, so würde ich diese Lautverbin- dung in
diesem Falle mit nicht verstehen .
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Wenn man jemanden fragt “wie weisst Du,
dass diese Beschreibung wieder- gibt, was Du
siehst”, so könnte er etwa antworten “ich meine das mit
die- sen Worten”.
Aber was ist dieses “ das ”, wenn es nicht
(selbst) wieder artikuliert, also schon
Sprache ist?
Also ist “ich meine das” gar keine Antwort.
Die Antwort ist eine Erklärung der Bedeutung der Worte.
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Wenn ich die Beschreibung nach Regeln bilde, was auch möglich ist, dann
übersetze ich sie als eine Sprache aus einer anderen.
Und das kann ich na- türlich mit Grammatik und Wörterbuch tun und so
rechtfertigen. —
Aber dann ist die Uebertragung von Artikuliertem in
Artikuliertes.
Und wenn ich sie durch Berufung auf die Grammatik und das Wörterbuch
rechtfertige, so tue ich nichts, als eine Beziehung zwischen Wirklichkeit
und Beschreibung (eine projektive Beziehung) festzustellen, von der
Intention aber, meiner Be- schreibung ist hiebei keine Rede.
(D.h., ich kann eben nur die
Aehnlichkeit des Bildes prüfen, nichts
weiter.)
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könnte ich nicht die Sprache als soziale
Einrichtung betrachten, die gewissen Regeln unterliegt, weil sie sonst nicht
wirksam wäre // wirken würde//.
Aber hier liegt es: dieses Letztere // Letzte
// kann ich nicht sagen; eine Rechtfertigung der Regeln kann
ich, auch so, nicht geben.
Ich könnte sie nur als ein Spiel, das die Menschen spielen,
beschreiben.
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Aber wie ist es: Ich gehe diesen Weg, um dorthin zu kommen;
ich drehe den Hahn auf, um Wasser zu erhalten, ich winke, damit jemand zu
mir kommt und endlich teile ich ihm meinen Wunsch mit, damit er ihn
erfüllt!
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Aber was geht vor sich, wenn ich den Hahn aufdrehe, damit
Wasser herausfliesst?
Was geschieht, ist, dass ich den Hahn aufdrehe, und
dass dann Wasser herauskommt, oder nicht.
Was geschieht, ist also, dass ich den Hahn
aufdrehe. —
125 ich den Hahn aufdrehe.
—
Was auf das Wort “damit” folgt, die Absicht, ist darin
nicht enthalten.
Ist sie vorhanden, so muss sie ausgedrückt sein und
sie kann nur dann be- reits durch das Aufdrehen des Hahnes ausgedrückt
sein, wenn es das Teil ei- ner Sprache
ist.
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Wenn man sagte: Sprache ist alles, womit man sich verständigen kann,
so muss //
müsste // man fragen: Aber
worin besteht es, ‘sich verständigen’ ?
Ich könnte als Antwort darauf einen realen oder fiktiven Fall einer
Verständigung von Menschen oder andern Lebewesen beschreiben.
In dieser Beschreibung werden dann fingierte kausale Verbindungen eine
Rolle spielen.
Aber wenn der Begriff Sprache durch solche bestimmt ist, so
interes- siert er uns nicht.
Aber Und abgesehen von jenen empirischen
Regelmässigkeiten der Ereignisse
haben wir dann nur noch einen willkürlichen
// beliebi- gen // Kalkül.
—
Aber worin besteht denn das Wesentliche eines Kalküls?
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‘Sprache’ und
‘Lebewesen’.
Der Begriff des Lebewesens hat die gleiche Unbestimmtheit wie der der
Sprache // … ist so unbestimmt wie
… //
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“Ein Zeichen ist doch immer für ein lebendes Wesen da, also
muss das etwas dem Zeichen Wesentliches
sein”.
Gewiss: auch ein Sessel ist immer nur für einen
Menschen da, aber er lässt sich beschreiben, ohne
dass wir von seinem Zweck reden
// //.
Das Zeichen hat nur einen Zweck in der menschli- chen Gesellschaft,
aber dieser Zweck kümmert uns gar nicht.
Ja am Schluss sagen wir überhaupt keine Eigenschaften
von den Zeichen aus — denn diese interessieren uns nicht — sondern
nur die (allgemeinen) Regeln ihres
Gebrauchs.
Wer das Schachspiel beschreibt, gibt weder Eigen- schaften der
Schachfiguren an, noch redet er vom Nutzen und Gebrauch des
Schachspiels.
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Denken wir uns den Standpunkt eines Forschers: er findet,
dass in der Sprache der Erde ein Zeichen benützt wird,
das nach diesen und diesen Re- geln (etwa nach denen der
Negation) gebraucht wird, und fragt sich: Wozu können sie das
brauchen?
Die Antwort wäre aber: Wenn immer ein Zeichen mit
diesen Regeln zu gebrauchen ist.
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Eine Sprache erfinden, heisst nicht auf Grund von
Naturgesetzen (oder im Einklang mit ihnen
// in Uebereinstimmung mit ihnen
//) eine Vorrich- tung zu einem bestimmten Zweck
erfinden.
Wie es etwa die Erfindung des Benzinmotors oder der Nähmaschine
ist.
Auch die Erfindung eines Spiels ist nicht in diesem Sinne
eine Erfindung, aber vergleichbar der Erfin- dung einer
Sprache.
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Ich brauche nicht zu sagen, dass ich nur die
Grammatik des Wortes “Sprache” weiter beschreibe, indem
ich sie mit der Grammatik des Wortes
“Verbindung”
“Erfindung” in Verbindung bringe.
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Ist alles, was ich sagen darf // kann//
damit gesagt: Man kann nicht von den grammatischen Regeln sagen,
sie seien eine Einrichtung dazu, dass die Sprache ihren
Zweck erfüllen könne.
Wie man etwa sagt: wenn die Dampf- maschine keine Steuerung
hätte, so könnte der Kolben nicht hin und her gehen, wie er soll.
Als könne man sich eine Sprache auch ohne Grammatik denken.
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Die grammatischen Regeln sind, wie sie nun einmal da sind, Regeln des
Gebrauchs der Wörter.
Uebertreten wir sie, so können wir deswegen die
Wör- ter dennoch mit Sinn gebrauchen.
Wozu wären dann die grammatischen Regeln da?
Um den Gebrauch der Sprache im Ganzen gleichförmig zu machen?
(etwa aus ästhetischen Gründen?)
Um den Gebrauch der Sprache als gesellschaftli-
221 schaftliche Einrichtung zu
ermöglichen? also wie eine Verkehrsordnung, damit kei- ne
Kollision geschieht // entsteht
//?
(Aber was macht es uns // geht es uns an
//, wenn eine entsteht?)
Die Kollision, die nicht geschehen // entstehen
// darf, darf nicht entstehen können!
D.h., ohne Grammatik ist es nicht eine schlechte
Sprache, sondern keine Sprache.
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Anderseits muss man doch sagen, die
Grammatik einer Sprache als allgemein anerkannte Institution
ist eine Ver- kehrsordnung.
Denn, dass man das Wort “Tisch”
immer in dieser Weise gebraucht, ist nicht der Sprache
als solcher wesentlich, sondern quasi nur eine
praktische Einrichtung.
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Wie unterscheiden sich die Sprachregeln von denen des
Anstandes?
Wenn man kein Ziel angeben kann, das
nicht erreicht würde, wenn diese Regeln anders wären.
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Der Zweck der Grammatik ist nur der Zweck der Sprache.
Der Zweck der Grammatik ist der Zweck der Sprache.
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Woher die Bedeutung der Sprache?
Kann man denn sagen: Ohne Sprache könnten wir uns nicht
miteinander verständigen.
Nein, das ist ja nicht so, wie: ohne Telephon könnten wir nicht von
Amerika nach Europa reden.
(Es sei denn, dass wir unter
“Telephon” jede Vorrichtung verstehen, welche
etc etc..)
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Wir können aber sagen: Ohne Sprache könnten wir die Menschen
nicht beeinflussen.
232
Oder, nicht trösten.
Oder: nicht ohne eine Sprache Häuser und Maschinen bauen.
Ohne Sprache könnten wir die Menschen nicht bewegen unseren Willen zu
tun.
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Es ist auch richtig // sinnvoll
// zu sagen, ohne den Gebrauch des Mundes oder der Hände
können sich Menschen nicht verständigen.
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Die Worte, die Einer bei gewisser Gelegenheit sagt, sind insofern
nicht willkürlich, als gerade diese in der Sprache, die
er sprechen will (oder muss) das meinen, was er
sagen will; d.h., als gerade für sie diese
grammatischen Regeln gelten.
Was er aber meint, d.h. als er Zweck nur so glaubt
erreichen zu können.
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Wie, wenn eine Sprache aus lauter einfachen und unabhängigen Signalen
bestünde?!
Denken wir uns diesen Fall: Es handle sich etwa um die
Beschrei-
259 bung einer Fläche, auf
der in schwarz und weiss sich allerlei Figu- ren
zeigen können.
Wäre es nun möglich, alle möglichen Figuren durch un- abhängige
Symbole zu bezeichnen // kennzeichnen
//?
(Ich nehme dabei an, dass ich nur über, sagen wir
10000 Figuren reden will.)
Wenn ich Recht ha- be, so muss die ganze
Geometrie in den Regeln über die Verwendung dieser 10000 Signale
wiederkehren.
(Und zwar ebenso, wie die Arithmetik, wenn wir statt 10 unabhängiger
Zahlzeichen eine Billion verwendeten.)
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Um eine Abhängigkeit auszudrücken, bedarf es einer Abhängigkeit.
253
werden.
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Denken wir uns ein Tagebuch mit Signalen geführt.
Etwa die Seite in Ab- schnitte für jede Stunde eingeteilt und nun
heisst ‘A’ ich schlafe,
‘B’ ich stehe auf, ‘C’ ich
schreibe, etc..
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Muss denn nicht die Regel der Sprache —
dass also dieses Zeichen das bedeutet
— irgendwo niedergelegt sein?
Freilich auch: Mehr als die Regel niederlegen,
kann ich nicht.
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Und warum soll ich, dass ‘A’
in dieser Zeile steht, nicht ein Bild dessen nennen,
dass ich dann schlafen gehe?
Freilich, dass es die Multipli- zität dessen
wiedergeben soll die in jenen Worten liegt, kann ich nicht
verlangen.
Der Akt des Schlafengehens war ja auch nicht dadurch bestimmt.
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Wie kann ich denn kontrollieren, dass es immer
dasselbe ist, was ich ‘A’ nenne.
Es sei denn, dass ich etwa ein Erinnerungsbild
zuziehe.
Das aber dann zum Zeichen gehört.
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Wenn z.B. Einer fragte: wie
weisst Du, dass Du jetzt dasselbe
tust, wie vor einer Stunde, und ich antwortete: ich habe
mir's ja aufgeschrieben, hier steht ja ein
‘A’!
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254
Wenn ich mich in dieser Sprache ausdrücke, so werde
ich also mit ‘B’ immer dasselbe meinen.
Es
einen // keinen
// Sinn haben, zu sagen,
dass ich beide Male dasselbe tue, wenn ich den Befehl
‘B’ befolge (oder dasselbe getan habe, als ich
tat, was ich durch ‘B’
bezeichnete).
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D.h. die Sprache funktioniert als Sprache nur durch
die Regeln, nach denen wir uns in ihrem Gebrauch richten.
(Wie das Spiel nur durch Regeln als Spiel funktioniert.)
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Und zwar, ob ich zu mir oder Andern rede.
Denn auch mir teile ich nichts mit, wenn ich Lautgruppen ad hoc
mit irgend welchen Fakten associiere.
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Ich muss, auch wenn ˇ ich zu mir rede,
schon auf einem bestehenden gegebe- nen
Sprachklavier spielen.
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‘Ich verstehe diese Worte’ (die ich etwa zu mir
selbst sage), ‘ich meine etwas damit’, ‘sie
haben einen Sinn’ muss immer dasselbe
heis<…>-
144 sen,
wie: ‘sie sind nicht ad hoc
erfundene Laute, sondern Zeichen aus einem System’.
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Etwa?, wie die Teilstriche auf einem
Masstab nur solche sind, wenn sie ein System
bilden.
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Denn, wenn wir einen Befehl befolgen, so deuten wir die Worte nicht
will- kürlich.
D.h. wieder, wir müssen die Unterscheidung
anerkennen zwischen dem ‘Be- folgen eines Befehls’
und einem ‘willkürlichen Zuordnen einer Handlung’.
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⇐
Das Aussprechen eines Satzes wäre kein Porträtieren, wenn ich meine
Wor- te nicht aus einem System wählte, so dass man
sagen kann, ich wähle sie im Gegensatz zu anderen.
Aber die Worte, wenn sie nicht in einem grammatischen System stehen, sind
ja alle gleichwertig und also wäre es dann ganz gleichgültig, welche ich
wählte, ja, — man könnte sagen — als Worte würden sie sich
(dann) voneinander gar nicht
unterscheiden.
Man muss die Worte wählen, wie //
in demselben Sinne wie // man die Striche wählt, mit denen man einen Körper abbildet.
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Warum wir ein Wort — und nicht ein anderes — an dieser Stelle
gebrauchen, erfahren wir, wenn wir jemand fragen: warum gebrauchst Du
hier das Wort A.
Die Antwort wird sein:
das und das heisst A.
Und das ist eine Regel der Grammatik, die die Position des Wortes in der
Sprache bestimmt.
Und (zum Zeichen, dass es sich hier
wirklich um Grammatik handelt) wenn A das Wort
“und” gewesen wäre, so könnte man weiter nichts tun,
als die Regeln für “und” angeben.
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Sage ich jemandem “bringe eine rote Blume” und er bringt
eine, und nun frage ich “warum hast Du mir eine von dieser Farbe
gebracht?” — und er: “diese
Farbe nenne ich heisst doch
‘rot’”: so ist
dies Letzte ein Satz der Grammatik.
Er rechtfertigt eine Anwendung des Worts.
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Fehlt dieser Satz // diese Regel//, so
ist die Grammatik des Worts (seine Bedeutung) eine andere.
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Wenn man einen Satz braucht, so muss er schon
irgendwie funktionieren .
Das heisst, man gebraucht ihn nicht, um einer
Tatsache einen Lärm beizuordnen.
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400
Es wäre doch nicht, einen Tatbestand porträtieren, wenn ich etwa
beliebi- ge Striche auf das Papier kritzelte und sagte “es
gibt gewiss eine Projek- tionsmethode, die diesen
Tatbestand in diese Zeichnung projiziert”.
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Ja auch hier (beim Porträtieren //
Abbilden//) fühle ich mich schon beim ersten Strich
verpflichtet — d.h. er ist nicht
willkürlich.
Jeden- falls aber fängt das Bild erst dort an, wo die
Verpflichtung an- fängt.
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Ich halte meine Wange, und jemand fragt, warum ich es tue und ich
ant- worte: “Zahnschmerzen”.
Das heisst offenbar dasselbe, wie “ich habe
Zahn- schmerzen”, aber weder stelle ich mir die fehlenden
Worte im Geiste vor, noch gehen sie mir im Sinn irgendwie ab.
“Daher ist es auch möglich, dass ich die
Worte “ich habe Zahnschmerzen” in dem
Sinne ausspreche, als sagte ich nur das letzte Wort oder, als wären
die drei nur ein Wort.”
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Ein einfaches Sprachspiel ist z.B. dieses:
Man spricht zu einem Kind (es kann aber auch ein Erwachsener
sein), indem man das elektrische Licht in einem Raum andreht:
“Licht”, dann, indem man es abdreht:
“Finster”; und tut das etwa mehrere Male mit
Betonung und variierenden Zeitlängen.
Dann geht man etwa in das Nebenzimmer, dreht von dort aus das Licht im
ersten an und bringt das Kind dazu, dass es
mitteilt, ob es licht oder finster ist. //
dass es mitteilt:
“Licht”, oder
“Finster”.//
Soll ich da nun “Licht” und
“Finster” ‘Sätze’
nennen?
Nun, wie ich will.
— Und wie ist es mit der
‘Uebereinstimmung mit der
Wirklichkeit’?
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Wenn ich bestimmte einfache Spiele beschreibe, so geschieht es nicht, um
mit ihnen nach und nach die wirklichen Vorgänge der ausgebildeten Sprache
— oder des Denkens — aufzubauen, was nur zu Ungerechtigkeiten
führt, — sondern ich stelle die Spiele als solche hin, und lasse sie
ihre aufklärende Wirkung auf die besonderen Probleme ausstrahlen.
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Man könnte eben sagen: “die Worte
‘Licht’, ‘Finster’ sind hier
als Sätze gemeint und sind nicht einfach Wörter”.
Das heisst, sie sind hier nicht so gebraucht, wie wir
sie in der gewöhnlichen Sprache gebrauchen (obwohl wir tatsächlich auch
oft so sprechen).
Aber wenn ich plötzlich ohne sichtbaren Anlass das
Wort “Licht” isoliert ausspreche, so wird man
allerdings sagen: “was heisst/das? das ist doch kein Satz” oder:
“Du sagst ‘Licht’, nun was soll's
damit?”
Das Aussprechen des Wortes “Licht” ist in diesem
Fall sozusagen noch ?— kein
(kompletter) Zug des Spiels,
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Wie unterscheidet sich nun “Licht”, wenn es den
Wunsch nach Licht ausdrückt, von “Licht”, wenn es
konstatiert, dass es im Zimmer licht ist?
Dass wir es in jedem Fall anders
meinen ?
Und worin besteht das?
In bestimmten Vorgängen, die das Aussprechen begleiten, oder in einem
be- stimmten Benehmen, das ihm vorangeht, eventuell es begleitet, und
ihm folgt?
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Wenn ein Mann im Ertrinken “Hilfe!” schreit,
— konstatiert er die Tat- sache, dass er
Hilfe bedarf? dass er ohne Hilfe ertrinken
wird? —
Dagegen gibt es den Fall, in dem man, quasi, sich beobachtend, sagt
“ich hätte jetzt (oder: habe) jetzt den
Wunsch nach …”.
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Ich sage das Wort “Licht!”, — der Andere
fragt mich:
596 “was meinst
Du?” — und ich sage // antworte
//: “Ich meinte, Du sollst Licht
machen”. —
Wie war das, als ich es meinte ?
Sprach ich den “kompletten Satz” in der Vorstellung
unhörbar aus, oder den entsprechenden in einer andern Sprache?
(Ja, das kann vorkommen oder auch nicht.)
Die Fälle, die man alle mit dem Ausdruck “ich meinte”
zusammenfasst, sind sehr
mannigfach .
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Nun kann man ruhig annehmen: ‘ich meinte, Du solltest Licht
machen’ heisst, dass mir
dabei ein Phantasiebild von Dir in dieser Tätigkeit vorge- schwebt hat,
und ebensogut: der Satz heisst,
dass mir dabei die Worte des vollständigen Satzes in
der Phantasie gegenwärtig waren, oder, dass eins von
diesen beiden der Fall war; — nur muss ich wissen,
dass ich da- mit eine Festsetzung über die Worte
“ich meinte” getroffen habe und eine engere als
die ist, welche dem tatsächlichen allgemeinen Gebrauch des Aus- drucks
entspricht.
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Wenn das Meinen für uns irgendw eine Bedeutung, Wichtigkeit, haben
soll, so muss dem System der Sätze ein System der
Meinungen zugeordnet sein, was immer für Vorgänge die
Meinungen sein sollen.
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Inwiefern stimmt nun das Wort “Licht” im
obigen Symbolismus oder Zeichen- spiel mit einer Wirklichkeit
überein, — oder nicht überein?
Wie gebrauchen wir überhaupt das Wort
“übereinstimmen”? —
Wir sagen “die beiden Uhren stimmen überein”, wenn sie
die gleiche Zeit zeigen, “die bei- den
Masstäbe stimmen überein”, wenn gewisse
Teilstriche zusammenfallen,
597 “die beiden
Farben stimmen überein”, wenn etwa ihre Zusammenstellung uns
ange- nehm ist.
Wir sagen “die beiden Längen stimmen überein”, wenn sie
gleich sind, aber auch, wenn sie in einem von uns gewünschten Verhältnis
stehen.
Und, dass sie “übereinstimmen”
heisst dann nichts andres, als
dass sie in diesem Verhältnis — etwa
1:2 —
stehen.
So muss also in jedem Fall erst festgesetzt werden,
was unter “Uebereinstimmung” zu
verstehen ist. —
So ist es nun auch mit der Uebereinstimmung einer
Längenangabe mit einer Länge.
Wenn ich sage: “dieser Stab ist 2m
lang”, so kann ich z.B. erklären
// eine Erklärung geben//, wie man nach diesem
Satz mit einem Masstab die Länge des Stabes
kontrolliert, wie man etwa nach diesem Satz einen
Messtreifen für den Stab erzeugt.
Und ich sage nun, der Satz stimmt mit der Wirklichkeit überein, wenn der
auf diese Weise konstruierte Mess- streifen mit
dem Stab übereinstimmt.
Diese Konstruktion eines Messtreifens illustriert
übrigens, was ich in der “Abhandlung” damit meinte,
dass der Satz bis an die Wirklichkeit herankommt.
—
Man könnte das auch so klar ma- chen: Wenn ich die
Wirklichkeit daraufhin prüfen will, ob sie mit einem Satz übereinstimmt, so
kann ich das auch so machen, dass ich sie nun
be- schreibe und sehe, ob der gleiche Satz herauskommt.
Oder: ich kann die Wirklichkeit nach grammatischen Regeln in die
Sprache des Satzes überset- zen und nun im Land der Sprache
?—den Vergleich
durchführen—?.
Als ich nun dem Andern erklärte: “Licht” (indem
ich Licht machte), “Fin- ster” (indem ich
auslöschte), hätte ich auch sagen können und mit genau derselben
Bedeutung: “das ist //
heisst//
‘Licht’” (wobei ich Licht ma- che) und
“das ist //
heisst//
‘Finster’” etc., und auch
ebensogut: “das stimmt mit ‘Licht’
überein”, “das stimmt mit
‘Finster’ überein”.
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Es kommt eben wieder auf die Grammatik des Wortes
“Uebereinstimmung” an, auf seinen
Gebrauch.
Und hier liegt die Verwechslung mit
‘Aehnlich- keit’ nahe, in dem
Sinn, in dem zwei Personen einander ähnlich
598 sind, wenn ich sie
leicht miteinander verwechseln kann.
Ich kann auch wirklich nach der Aussage über die Gestalt eines Körpers
eine Hohlform konstruieren, in die nun der Körper
passt, oder nicht passt, je
nachdem die Beschreibung richtig oder falsch war, und die konstruierte
Hohlform gehört dann in dieser Auffassung noch zur Sprache (die bis an
die Wirklichkeit herankommt).
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Aber auch die Hohlform macht kein finsteres Gesicht, wenn der Körper nicht
in sie passt.
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Wenn das Wort “Uebereinstimmung mit der
Wirklichkeit” gebraucht wird // werden
darf//, dann nicht als metalogischer Ausdruck, sondern als
Teil eines Kalküls, als Teil der gewöhnlichen Sprache.
Man kann etwa sagen: Im Sprachspiel
“Licht! — Finster!” kommt
der Ausdruck “Uebereinstimmung mit der
Wirklichkeit” nicht vor.
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In dem Sprachspiel “Licht — Finster”
kommt keine Frage vor. —
Aber wir könnten es auch mit Fragen spielen.
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Das Frege'sche
Behauptungszeichen ist am Platze, wenn es nichts weiter bezeichnen soll, als
den Anfang des Satzes.
Man könnte sagen “den Anfang der Behauptung”, im
Gegensatz zu den Sätzen, die in der Behauptung vorkommen können.
Das Behauptungszeichen dient dann demselben Zweck, wie der
Schlusspunkt des vorhergehenden Satzes.
“Ich denke p” hat dann mit
“!-p” eben nur
das Zeichen “p” gemein<…>
.
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Was zum Wesen des Satzes gehört, kann die Sprache schon darum nicht
ausdrücken, weil es für jeden Satz das Gleiche wäre; und ein Zeichen, das in
jedem Satz vorkommen muss, logisch eine
blosse Spielerei wäre.
Die Zeichen des Satzes sind ja nicht Talismane oder magische
Zeichen, die auf den Betrachter einen bestimmten Eindruck
hervorrufen sollen.
Gäbe es philosophische Zeichen im Satz, so müsste
ihre Wirkung // Funktion// eine solche
unmittelbare sein.
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601
Man hat natürlich das Recht, ein Behauptungszeichen zu verwenden, wenn man
es im Gegensatz etwa zu einem Fragezeichen gebraucht.
Irreleitend ist es nur, wenn man meint, dass die
Behauptung nun aus zwei Akten bestehe, dem Erwägen und dem Behaupten
(Beilegen des Wahrheitswertes, oder dergl.) und
dass wir diese Akte nach dem geschriebenen Satz
ausführen, ungefähr wie wir nach Noten Klavier spielen.
Mit dem Klavierspielen nach Noten ist nun allerdings das laute oder auch
leise, Lesen nach dem geschriebenen oder gedruckten Satz zu vergleichen und
ganz analog; aber nichts, was wir ‘denken’ nennen.
Ist also z.B. ein Behauptungszeichen im
geschriebenen Satz, so wird wieder ein Behauptungs zeichen im
gelesenen sein (etwa die Betonung, oder der Stimmfall).
Aber nicht, als ob im geschriebenen Satz das die Zeichen, im
gedachten aber die Bedeutung anwesend wäre. —
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Eine Sprache (ich meine eine Sprechart) ist denkbar, in
der es keine Behauptungssätze gibt, sondern nur Fragen und die Bejahung und
Verneinung.
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Behauptung, Annahme, Frage.
Man kann auf dem Schachbrett einen Zug in einer Schachpartie machen,
— aber auch während eines Gesprächs über ein Schachproblem zur
Illustration, oder wenn man jemand das Spiel lehrt, —
etc..
Man sagt dann auch etwa: “angenommen, ich zöge
so , …”.
So ein Zug hat Aehnlichkeit mit dem, was man in der
Sprache ‘Annahme’ nennt.
Ich sage etwa “im Nebenzimmer ist ein
Dieb”, — der Andre fragt mich “woher
weisst Du das?” und ich antworte:
“ic “oh ich wollte nicht sagen,
dass wirklich ein Dieb im Nebenzimmer ist, ich habe es
nur in Erwägung gezogen”. —
Möchte man da nicht fragen: Was hast Du
erwogen? wie Du Dich benehmen würdest, wenn ein Dieb da wäre, oder,
was für ein Geräusch es machen würde, oder, was er Dir wohl stehlen
würde?
Freges Anschauung könnte
man so wiedergeben: dass die Annahme (so wie
er das Wort gebraucht) das ist, was die Behauptung,
dass p der Fall ist, mit der Frage, ob
p der Fall
ist, gemeinsam hat.
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Wenn es so etwas gäbe, wie eine Annahme im Sinne Freges, müsste dann nicht die Annahme,
dass p der Fall ist gleich der sein,
dass non-p der Fall ist?
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In dem Sinn, in welchem die Frage “ist
p der
Fall?” die gleiche ist wie “ist
p nicht der
Fall?”.
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599
Es gibt wirkliche Annahmen, die wir eben durch Sätze von der Form
“angenommen p wäre (oder: ist) der
Fall” ausdrücken.
Aber solche Sätze nennen wir nicht vollständig und sie scheinen
sehr ähnlich den Sätzen der Form //
erinnern uns an Sätze der Form// “wenn
p der Fall
ist, …”.
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Ist nun aber eine solche Annahme ein Teil
einer Behauptung?
Ist das nicht, als sagte man, die Frage, ob
p der
Fall ist, sei ein Teil der Behauptung,
dass p der Fall ist?
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Ist es aber nicht auffällig, dass
wir es in unsern gewöhnlich philosophisch-grammatischen Problemen nie
damit zu tun haben, ob sie sich auf Behauptungen oder Fragen
beziehen?
(Etwa in dem Problem vom Idealismus und
Realismus.)
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Und welcher Art ist ein Satz, wenn sich Einer eine mögliche Situation,
etwa ihrer Seltsamkeit wegen, notiert?
Oder: die Erzählung eines Witzes?
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Man ist (durch die
Grammatik) versucht, zu fragen:
“wie denkt man den Satz p, wie erwartet man,
dass das und das eintreffen wird” (wie
macht man das).
Und ˇin dieser falschen Frage liegt wohl die ganze Schwierigkeit
in nuce enthalten.
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“Wie arbeitet der Gedanke, wie bedient er sich seines
Ausdrucks?” — das ist
//klingt// analog der Frage:
“wie arbeitet der
, wie bedient er sich der
Karten?”
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Das Gefühl ist, dass mit dem Satz “ich
glaube, dass p der Fall ist” der Vorgang des
Glaubens nicht beschrieben sei (dass vom Webstuhl
nur die Karten gegeben seien und alles übrige bloss
angedeutet ist).
Dass man die Beschreibung “ich glaube
p”
durch die Beschreibung eines Mechanismus ersetzen könnte, worin dann
p,
d.h. jetzt die Wortfolge
“p”, wie die Karten im Webstuhl nur
als ein Bestandteil vorkommen würde.
Aber hier ist der Irrtum: Was immer diese Beschreibung
enthielte, wäre für uns wertlos, ausser eben der Satz
p mit
seiner Grammatik .
Sie ist der eigentliche Mechanismus, in
welchem dem er eingebettet liegt.
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Wenn man fragt “wie macht der Gedanke //
Satz// das, dass er
darstellt?”
So könnte die Antwort sein:
“Weisst Du es denn
(wirklich) nicht?
Du siehst es doch, wenn Du denkst // wenn Du ihn
benützt//”.
Es ist ja nichts verborgen.
Wie macht der Satz das? —
Weisst Du es denn nicht?
Es ist
ja
155 nichts versteckt.
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Dass ‘alles
fliesst’, scheint uns am Ausdruck der Wahrheit
zu hindern, denn es ist, als ob wir sie nicht auffassen könnten, da sie
uns entgleitet.
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Aber es hindert uns eben nicht am Ausdruck. —
Was es heisst, etwas Entfliehendes in der
Beschreibung festhalten zu wollen, wissen wir.
Das geschieht etwa, wenn wir das Eine vergessen, während wir das Andere
beschreiben wollen.
Aber darum handelt es sich doch hier nicht.
Und so ist der Ausdruck // das Wort//
“entfliehen” anzuwenden.
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Aber auf die Antwort “Du weisst ja, wie es
der Satz macht”, es ist ja nichts verborgen”,
möchte man sagen: “ja, aber es fliesst
alles so rasch vorüber und ich möchte es gleichsam breiter auseinander
gelegt sehen”.
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Aber auch hier irren wir uns.
Denn es geschieht dabei auch nichts, was uns durch die
Geschwindigkeit entgeht.
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156
Warum können wir uns keine Maschine mit einem Gedächtnis denken?
Es wurde oft gesagt, dass das Gedächtnis darin
besteht, dass Ereignisse Spuren hinterlassen, in denen
nun gewisse Vorgänge vor sich gehen müssten.
Wie wenn Wasser sich ein Bett macht und das folgende Wasser in diesem Bett
fliessen muss; der eine
Vorgang fährt für den nächsten das Gleise aus. // der
eine Vorgang fährt das Gleise aus, das den andern führt.
Geschieht dies nun aber in einer Maschine, wie es wirklich geschieht, so
sagt niemand, die Maschine habe Gedächtnis, oder habe sich den einen Vorgang
gemerkt.
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Nun ist das aber ganz so, wie wenn man sagt, eine Maschine kann nicht
denken, oder kann keine Schmerzen haben.
Und hier kommt es darauf an, was man darunter versteht “Schmerzen
zu haben”.
Es ist klar, dass ich mir eine Maschine denken kann,
die sich genau so benimmt (in allen Details), wie ein Mensch der
Schmerzen hat.
Oder vielmehr: ich kann den Andern eine Maschine nennen, die
Schmerzen hat, d.h.: den andern
Körper .
Und ebenso, natürlich, meinen Körper.
Dagegen hat das Phänomen der Schmerzen, wie es auftritt, wenn
‘ich Schmerzen habe’, mit meinem Körper,
d.h. mit demn
Erfahrungen, die ich als Existenz meines Körpers zusammenfasse, gar nichts
zu tun.
(Ich kann Zahnschmerzen haben ohne Zähne.)
Und hier hat nun die Maschine gar keinen Platz. —
Es ist klar, die Maschine kann nur einen physikalischen Körper
ersetzen.
Und in dem Sinne, wie man von einem solchen sagen
kann, er “habe” Schmerzen, kann man es auch von einer
Maschine sagen.
Oder wieder, die Körper , von denen wir sagen, sie hätten
Schmerzen, können wir mit Maschinen vergleichen, und auch Maschinen
nennen.
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Und ganz ebenso verhält es sich mit dem Denken und dem Gedächtnis.
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Es ist uns — wie gesagt — als ginge es uns mit dem
Gedanken
157 so,
wie mit einer Landschaft, die wir gesehen haben und beschreiben sollen, aber
wir erinnern uns ihrer nicht genau genug, um sie in? allen
ihren Zusammenhängen beschreiben zu können.
So, glauben wir, können wir das Denken nachträglich nicht beschreiben,
weil uns alle die vielen feineren Vorgänge dann verloren
gegangen sind.
Diese feinen Verhäkelungen möchten wir sozusagen unter der Lupe
sehen.
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Wir fragen: Was ist ein Gedanke, welcher Art
muss etwas sein, um die Funktion des Gedankens
verrichten zu können?
Und diese Frage ist ganz analog der: Was ist, oder, wie
funktioniert, eine Nähmaschine.
“Wie macht sie das?”
Aber die Antwort könnte sein: Schau den Stich an; alles, was
der Nähmaschine wesentlich ist,
ist in ihm zu sehen; alles andre kann so, oder anders sein.
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Wir fragen, wie muss der Gedanke
beschaffen sein, um seine Bestimmung
Funktion zu erfüllen; aber was ist denn seine
Bestimmung Funktion?
Wenn sie nicht in ihm selbst liegt<…>
(d.h. wenn sie nicht ist,
(das?) zu sein, was er
ist) liegt sie in seiner Wirkung ; aber die
interessiert uns nicht.
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Wir sind nicht im Bereiche der Erklärungen und jede Erklärung klingt
? uns trivial.
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Aber dieser Verzicht auf die Erklärung macht es so schwer zu
sagen, was der Gedanke
.
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Man kann sagen: Er rechnet auf Grund von
Gegebenem und endet in einer Handlung.
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Die Berechnung der Wandstärke eines Kessels und, der
69 entsprechenden, Verfertigung ist ein
sicheres Beispiel des Denkens. // …
muss ein Beispiel des Denkens sein.
// //die
Berechnung der Wandstärke eines Kessels und die dieser entsprechenden
Verfertigung …
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Der Schritt, der von der Berechnung auf dem Papier zur Handlung führt, ist
noch ein Schritt der Rechnung.
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Wir werden das Denken untersuchen von dem Standpunkt aus,
dass es auch von einer Maschine ausgeführt werden
könnte.
Aber hier befinden wir uns in einer falschen
Betrachtungsweise.
Wir sehen das Denken für einen Vorgang
wie das Schreiben an, oder das Weben das Erzeugen eines Stoffes,
etc..
Und dann lässt sich natürlich sagen,
dass dieser Vorgang der Erzeugung ˇsich im
Wesentlichen auch maschinell muss denken
lassen.
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Sokrates zu
Theaitetos: “Und
wer vorstellt, sollte nicht etwas vorstellen?”
Th.: “Notwendig”.
Sok.: “Und wer etwas vorstellt,
nichts
16
Wirkliches?”
Th.: “So scheint es”.
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“Ist die Vorstellung nur die Vorstellung, oder ist sie
Vorstellung von Etwas in der Wirklichkeit?”
Und von dieser Frage ˇaus könnte man //
Und von dieser Frage aus könnte man…// auch die
Beziehung der Vorstellung zum gemalten Bild erfassen.
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Die Frage könnte aber nicht heissen:
“Ist die Vorstellung immer Vorstellung von etwas, in
der was in der Wirklichkeit existiert?”
— denn das ist sie offenbar nicht immer —; sondern, es
müsste heissen: bezieht sich
die Vorstellung immer, wahr oder falsch, auf Wirklichkeit. —
Denn das kann man von einem gemalten Bild nicht sagen. —
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Aber warum sollte man dann nicht sagen, dass eine
Vorstellung Vorstellung eines Traumes sei?
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Wenn mir heute geträumt hat, dass N mich
besuche und N besucht mich wirklich, so
war darum jene Traumphantasie? keine
Erwartung, und die Tatsache, dass N mich
besuchte, keine Erfüllung der einer Erwartung.
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[d|D]iese
Situation ist nicht denkbar: Ich habe
irgend ein Vorstellungsbild vor mir und sage: “jetzt
weiss ich nicht, ist das eine Erwartung oder eine
Erinnerung, oder nur ein Bild ohne jede Beziehung zur
Wirklichkeit”.
Denn ich erwarte ebenso wirklich, wie ich warte .
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Eine Gedankenprothese ist darum nicht möglich, weil der Gedanke für uns
nichts Menschliches ist.
Wir könnten die Rechenmaschine als eine Prothese statt der 10 Finger
ansehen, aber die Rechnung ist nichts spezifisch
Menschliches und für sie gibt es keinen
Ersatz keine Prothese.
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Eine der gefährlichsten Ideen ist, merkwürdigerweise,
dass wir mit dem Kopf, oder im Kopf denken.
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Die Idee von einem Vorgang im Kopf, in dem gänzlich abgeschlossenen Raum,
gibt dem Denken etwas Okultes.
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“Das Denken geht im Kopf vor sich”
heisst eigentlich nichts anderes, als, unser Kopf hat
etwas mit dem Denken zu tun.
Man sagt freilich auch: “ich denke mit der Feder auf dem
Papier” und diese Ortsangabe ist mindestens so gut, wie die
erste.
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Wenn wir fragen “wo geht das Denken vor sich”, so ist
dahinter immer die Vorstellung eines maschinellen Prozesses, der in einem
abgeschlossenen Raum vor sich geht, sehr ähnlich, wie der Vorgang in der
Rechenmaschine.
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Schon die Bezeichnung ‘Tätigkeit’ für's Denken
ist in einer Weise irreführend.
Wir sagen: das Reden ist eine Tätigkeit unseres Mundes.
Denn wir sehen dabei unseren Mund sich bewegen und fühlen es,
etc.
In demselben diesem Sinne kann man nicht sagen, das
Denken sei eine Tätigkeit unseres Gehirns.
Und kann man sagen, das Denken sei eine Tätigkeit des Mundes oder des
Kehlkopfs oder der Hände (etwa, wenn wir schreibend denken)?
Zu sagen, Denken sei eben eine Tätigkeit des Geistes, wie
Sprechen des Mundes, ist eine Travestie (der
Wahrheit).
Wir gebrauchen eben ein Bild, wenn wir von der Tätigkeit des Geistes
reden.
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Das Denken ist nicht mit der Tätigkeit eines Mechanismus zu vergleichen,
die wir von aussen sehen //
der wir von aussen
zuschauen//, deren Inneres wir
aber sehen
müssten // müssen//
um sie zu verstehen.
// Das Denken ist nicht die Tätigkeit eines Mechanismus, der
wir von aussen zusehen, deren Inneres aber erforscht
werden muss.//
// Das Denken ist nicht mit der Tätigkeit eines Mechanismus zu
vergleichen, den wir von aussen sehen, in dessen
Inneres wir aber erst dringen müssen.//
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161
Die Wendung “dass etwas in unserem Geist vor
sich geht”, soll, glaube ich, andeuten, dass
es im physikalischen Raum nicht lokalisierbar ist.
Von Magenschmerzen sagt man nicht, dass sie in
unserem Geist vor sich gehen, obwohl der physikalische Magen ja nicht der
unmittelbare Ort der Schmerzen ist.
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der Gedanke
wesentlich das , was durch den Satz ausgedrückt ist, wobei
‘ausgedrückt’ nicht heisst
‘hervorgerufen’.
Ein Schnupfen wird durch ein kaltes Bad hervorgerufen, aber nicht
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Man hat nicht den Gedanken, und daneben die Sprache.
—
Es ist also nicht so, dass man für den
Andern die Zeichen,
für sich selbst aber einen stummen Gedanken hat.
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Man könnte so sagen, am Gedanken ist nichts
ˇwesentlich privat.—
Es kann jeder in ihn Einsicht nehmen.
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Man hat nicht den Zeichenausdruck und daneben, für sich selbst, den
(gleichsam dunkeln) Gedanken.
Dann wäre es doch auch zu merkwürdig, dass man den
Gedanken durch die Worte sollte wiedergeben können.
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D.h.: wenn der Gedanke nicht schon artikuliert
wäre, wie könnte der Ausdruck durch die Sprache ihn artikulieren.
Der artikulierte Gedanke aber ist in allem Wesentlichen ein Satz.
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Wie sich der Gedanke zur Rede verhält, kann man am besten verstehen, wenn
man bedenkt, ob etwa das ‘Verständnis’ (der Gedanke)
einer Rechnung (etwa
z.B. einer Multiplikation) als
gesonderter Prozess neben dem Rechnungsvorgang
einherläuft.
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Wenn man das Verstehen, Wissen, etc., als
Zustand auffasst, dann nur hypothetisch
im Sinne einer psychischen Disposition, welche auf derselben Stufe steht,
wie eine physiologische Disposition.
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“Dachtest Du denn, als Du den Satz sagtest, daran,
dass Napoleon…” — “ich dachte nur, was ich
sagte”.
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Plato nennt die Hoffnung eine
Rede.
(Philebos)
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Der Gedanke ist kein geheimer — und verschwommener —
Prozess von dem wir nur Andeutungen in der Sprache
sehen, als wäre die Negation ein Stoss und der Gedanke
darauf wie? ein unbestimmter Schmerz, von diesem
Stoss hervorgerufen, aber gänzlich von ihm
verschieden.
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Gedankenlesen kann nur darin bestehen, dass wir
Zeichen interpretieren, also einfach lesen (nur vielleicht
andere Zeichen).
Oder aber es besteht darin, dass Einem, wenn man des
Anderen Hand hält (oder in andrer Art mit ihm in Kontakt steht)
Gedanken kommen, die durch nachträgliche Fragen als die Gedanken auch des
Anderen erkannt werden.
Aber da handelt es sich überhaupt um kein Lesen, sondern es wäre nur die
Hypothese erlaubt, dass zwei Leute unter
gewissen Umständen das Gleiche dächten.
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Ist das Denken ein augenblicklicher Vorgang oder etwa ein andauernder
Zustand, wovon die Worte, der Satz, nur eine ungeschickte Wiedergabe sind
(sodass man etwa sagen könnte, wie von dem Eindruck
einer Landschaft: Worte können das gar nicht
wiedergeben)?
Der Gedanke braucht solange wie sein Ausdruck.
Weil der Ausdruck der Gedanke ist.
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Ich habe einmal gelesen, dass ein französischer
Politiker gesagt hat, die französische Sprache sei dadurch ausgezeichnet,
dass
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Niemand würde fragen, ob die Multiplikation zweier Zahlen (etwa nach
der gewöhnlichen Art durchgeführt) gleichläuft mit dem Gedanken.
Weil jeder die Multiplikation als ein ein Instrument ansieht.
Während man den Gedanken nicht als ein Instrument ansieht.
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Die Idee, dass eine Sprache eine Wortfolge haben
kann, die der Reihenfolge des Denkens entspricht, im Gegensatz zu einer
anderen Sprache, rührt von der Auffassung her, dass das
Denken vom Ausdruck der Gedanken getrennt vorgeht.
Also ein wesentlich anderer Vorgang ist.
Nach dieser Auffassung könnte man nun freilich sagen: Die
wesentlichen Eigenschaften des Negationszeichens offenbaren sich freilich
erst nach und nach im Gebrauch, aber ich denke die
Negation auf einmal.
Das Zeichen “nicht” ist ja nur ein Hinweis auf den
Gedanken “nicht”.
Es stösst mich nur, dass ich das
Rechte denke.
(Es ist nur Signal.)
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Willkürlichkeit des sprachlichen Ausdrucks: Könnte man
sagen: das Kind muss das Sprechen
einer bestimmten Sprache zwar lernen, aber nicht das Denken,
d.h. es würde von selber denken, auch ohne irgend eine
Sprache zu lernen?
(([D.h. Willkürlichkeit, wie sie
gewöhnlich aufgefasst wird.
¿So¿zusagen: “auf den Gedanken kommt es an, nicht
auf die Worte”.))
Ich meine aber, wenn es denkt, so macht es sich eben Bilder und
diese sind in einem gewissen Sinne willkürlich, insofern nämlich, als andere
Bilder denselben Dienst geleistet hätten.
Und andererseits ist ja die Sprache auch natürlich entstanden,
d.h., es muss wohl einen ersten
Menschen gegeben haben, der einen bestimmten Gedanken zum ersten Mal in
gesprochenen Worten ausgedrückt hat.
Und übrigens ist das Ganze gleichgültig, weil jedes Kind, das die Sprache
lernt, sie nur in dieser Weise lernt, dass es anfängt
in ihr zu denken.
Plötzlich anfängt; ich meine: Es gibt kein Vorstadium, in
welchem das Kind die Sprache zwar schon gebraucht, sozusagen zur
Verständigung gebraucht, aber noch nicht in ihr denkt.
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Ist es quasi eine Verunreinigung des Sinnes, dass wir
ihn in einer bestimmten Sprache, mit ihren Zufälligkeiten, ausdrücken und
nicht gleichsam körperlos und rein?? ∫
Nein, denn es ist wesentlich, dass ich die
Idee der Uebersetzung von einer Sprache in die andere
verstehe.
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Spiele ich eigentlich doch nicht das Schachspiel selbst, da die Figuren
ja? auch anders sein könnten?!
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Da der Sinn eines Satzes ganz in der Sprache fixiert ist, und es auf den
Sinn ankommt, so ist jede Sprache gleich gut.
Der Sinn aber ist, was Sätze, die in einander
übersetzbar sind, gemein haben. Sätze
kön-
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50
Der Gedanke, soweit man überhaupt man von ihm reden
kann, muss etwas ganz hausbackenes sein.
(Man pflegt sich ihn als etwas ätherisches,
noch unerforschtes, zu denken; als handle es
sich um Etwas, dessen Aussenseite
blos wir kennen, dessen Wesen aber noch unerforscht
ist, etwa wie das unseres Gehirns unser Gehirn.)
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Der Gedanke hat aber nur eine Aussenseite und kein
Innen.
Und ihn analysieren heisst nicht in ihn
dringen.
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Man kann wieder nur die Grammatik des Wortes
explicit machen.
(Und so des Wortes “denken”
,
etc..)
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Wozu denkt der Mensch? wozu ist es nütze?
Wozu berechnet er Dampfkessel und
überlässt nicht dem Zufall, wie stark er ihre
Wand Wände macht // wie stark die Wand des
Kessels wird//?
Es ist doch nur Erfahrungstatsache, dass Kessel, die
so berechnet wurden, nicht so oft explodieren
explodierten.
Aber so, wie er alles eher täte, als die Hand ins Feuer stecken, das ihn
früher gebrannt hat, so wird er alles eher tun, als den Kessel nicht
berechnen.
Da uns aber Ursachen nicht interessieren, so können können wir nur
sagen: die Menschen denken tatsächlich: sie gehen
(z.B.) auf diese Weise vor, wenn sie einen
Dampfkessel bauen. —
Und dieses Vorgehen hat sich bewahrt.
Kann nun ein so erzeugter Kessel nicht explodieren?
Oh ja. —
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Sich etwas überlegen.
Ich überlege, ob ich jetzt ins Kino gehen soll.
Ich mache mir ein Bild der Zeiteinteilung des Abends.
Aber wozu tue ich das??
Ich mache ja kein “Gedankenexperiment”!
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Wir verstehen alle, was es heisst, in einem
Kalender nachschlagen, an welchem Tag der Woche wir frei sind.
Das Bild, das wir sehen, ist etwa und wir
sagen nun, wir seien nur Freitag frei, und handeln
demgemäss.
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Wir erwarten etwas und handeln
Muss
die
105 Erwartung eintreffen?
Nein.
Warum aber handeln wir nach der Erwartung?
Weil wir dazu getrieben werden, wie dazu, einem Automobil auszuweichen,
uns niederzusetzen, wenn wir müde sind und aufzuspringen, wenn wir uns auf
einen Dorn gesetzt haben.
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134'
Die Natur des Glaubens an die Gleichförmigkeit des Geschehens wird
vielleicht am klarsten im Falle, in dem wir Furcht vor dem erwarteten
Ereignis empfinden.
Nichts könnte mich dazu bewesegen, meine Hand in die Flamme zu
stecken, obwohl ich mich doch nur in der Vergangenheit
verbrannt habe.
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Dass mich das Feuer brennen wird, wenn ich die Hand
hineinstecke: das ist Sicherheit.
D.h., da sehe ich was Sicherheit bedeutet.
(Nicht nur was das Wort “Sicherheit” bedeutet,
sondern auch, was es mit ihr auf sich hat.)
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Der Glaube, dass mich das Feuer brennen wird, ist von
der Natur der Furcht, dass es mich brennen
wird.
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Wenn man mich ins Feuer zöge, so würde ich mich wehren und nicht gutwillig
gehn; und ebenso würde ich schreien: “das Feuer wird mich
brennen!” und ich würde nicht schreien:
“vielleicht wird es ganz angenehm sein!”
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Ich kalkuliere so , weil ich nicht anders kalkulieren
kann.
(Ich glaube das , weil ich nicht anders glauben
kann.)
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Es lässt sich
ˇkein //Man kann keinen// Grund
angeben, weswegen man denken soll.
Es sei denn ein Grund von der Art dessen, weswegen man essen
soll.
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Man kann einen Gedanken aus anderen begründen, aber nicht das
Denken.
Das, glaube ich, ist es, was unsere Untersuchung rein beschreibend
macht.
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Es lässt sich kein rationaler Grund angeben, weshalb
wir denken .
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Ich nehme an, dass dieses Haus nicht in einer halben
Stunde zusammenstürzen wird.
Wann nehme ich das an?
Die ganze Zeit? und was ist dieses Annehmen für eine
Tätigkeit?
Heisst, das annehmen, nicht (wieder)
zweierlei?
Einmal bezeichnet es eine hypothetische psychologische Disposition; einmal
den Akt des Denkens, Ausdrückens, jenes Satzes
// des Satzes “das Haus wird nicht
einstürzen”//.
Im ersten Sinne ist das Kriterium dafür
dass ich jene Annahme mache
// das annehme// das, was ich sonst sage, fühle
und tue; im andern Sinn, dass ich einen Satz sage, der
wieder ein Glied einer Rechnung //
Kalkulation// ist.
Nun sagt man: Du musst aber doch einen Grund
haben, das anzunehmen, sonst ist die Annahme ungestützt und wertlos
(erinnere Dich daran, dass wir zwar auf der Erde
stehen, die Erde aber nicht wieder auf irgend etwas; und Kinder glauben, sie
müsse fallen, wenn sie nicht gestützt ist).
Nun, ich habe auch Gründe zu meiner Annahme.
Sie lauten etwa: dass das Haus schon jahrelang
gestanden hat, aber nicht so lang, dass es schon
baufällig sein könnte, etc.etc..
Was ein Grund wofür ist (Was als
Grund wofür gilt), kann von vornherein angegeben werden und
beschreibt // bestimmt// einen Kalkül, in
welchem // dem// eben das eine ein Grund
des andern ist.
Soll aber nun ein Grund für diesen ganzen Kalkül gegeben werden, so sehen
wir, dass er fehlt.
Fragt man aber, ob der Kalkül also eine willkürliche Annahme ist, so ist
die Antwort, dass er so wenig ist, wie die Furcht vor
dem Feuer oder einem wütenden Menschen, der sich uns nähert.
Wenn man nun sagt: gewiss sind doch die Regeln
der
Grammatik,
580 nach denen wir
vorgehen und operieren, nicht willkürlich; so müsste
man zur Antwort fragen: Gut also, warum denkt denn ein Mensch
wie er denkt? warum geht er denn durch diese Denkhandlungen?
(gefragt ist hier natürlich nach den Gründen , nicht
Ursachen).
Nun, da lassen sich Gründe in dem Kalkül angeben; und ganz zum
Schluss ist man dann versucht zu sagen:
“es ist eben sehr wahrscheinlich, dass
sich das Ding jetzt so verhalten wird, wie es sich immer verhalten
hat” //…dass das Ding
jetzt das gleiche Verhalten zeigen wird, das es immer gezeigt
hat”//, — oder dergleichen.
Eine Redensart, die den Anfang des
Raisonnements verhüllt und
hier // an diesem
Anfang// eine ähnliche Rolle spielt, wie der Schöpfer am
Beginn // Anfang// der Welt, der
// welcher// zwar in Wirklichkeit nichts erklärt,
aber ein einen den Menschen acceptabler
acceptablen Anfang ist. macht.
Das, was so schwer einzusehen ist, ist, dass,
solange wir ein Wahr-Falsch-Spiel spielen
// dass, solange wir im
Bereich der Wahr- Falsch-Spiele bleiben //, eine
Aenderung der Grammatik uns nur von einem solchen
ˇSpiel zu einem andern führen kann, aber nicht von etwas
Wahrem zu etwas Falschem.
Und wenn wir anderseits aus dem Bereich dieser Spiele heraustreten, so
nennen wir es eben nicht mehr Grammatik, und zu einem Widerspruch mit der
Wirklichkeit kommen wir wieder nicht.
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Denken wir uns die Tätigkeit in einem Haus, in einer Werkstätte.
Da wird gehobelt, gesägt, gestrichen,
etc.etc.; und ausserdem
gibt es da eine Tätigkeit, die man ‘rRechnen’ nennt, und die sich scheinbar
von allen den andern unterscheidet // von allen diesen
unterscheidet//, besonders, was den //
ihren// Grund anbelangt.
Wir machen da etwa ein Bild, die Tätigkeit des Rechnens (Zeichnens,
etc.) verbindet Teile der andern Tätigkeit.
Er setzt aus, rechnet etwas, dann misst er und
arbeitet mit dem Hobel weiter.
Er setzt auch manchmal aus, um das Hobelmesser zu schleifen; aber
ist
581 diese Tätigkeit
analog der andern des Kalkulierens? —
“Aber Du glaubst doch auch, dass mehr
Kessel explodieren würden // mehr Kesselexplosionen wären
//, wenn die Kessel nicht berechnet würden”.
“Ja, ich glaube es; — aber was will das
sagen?”
Folgt daraus, dass weniger sein
werden?
Und was ist denn die Grundlage dieses Glaubens?
Wenn man nun nach dem Grund einer einzelnen Denkhandlung
(Kalkülhandlung) fragt, so erhält man als Antwort die
Auseinandersetzung eines Systems dem die Handlung angehört.
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Angenommen, wir lassen die Uebersetzung in die
Gebärdensprache fort; zeigt es sich dann in der Anwendung (ich
meine, in den grammatischen Regeln der Anwendung),
dass diese Uebersetzung möglich
ist?
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257
Und kann es sich nur zeigen, dass die
möglich ist, oder auch, dass sie
notwendig ist?
Wenn sie notwendig ist, so heisst das,
dass die Sprache vermittels des roten Täfelchens in
irgend einem Sinn notwendig ist; und nicht gleichberechtigt der
Wortsprache.
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Aber wie könnte das sein? denn dann wären ja die hinweisenden
Erklärungen überflüssig: das heisst aber schon,
implicite in den andern enthalten.
Wie kann denn eine Regel eines Spiels überflüssig ˇsein,
wenn es eben das Spiel sein soll, was auch durch
diese Regel charakterisiert wird.
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Der Mein Fehler besteht hier immer wieder darin,
dass ich vergesse dass erst
alle Regeln das Spiel, die Sprache, charakterisieren, und
dass diese Regeln nicht einer Wirklichkeit
verantwortlich sind, so dass sie von ihr kontrolliert
würden, und so dass man von einer Regel bezweifeln
könnte, dass sie notwendig, oder richtig, wäre.
(Vergleiche das Problem der Widerspruchsfreiheit der
Nicht-euklidischen
Geometrie.)
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Die Grammatik ist keiner Wirklichkeit verantwortlich.
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(Die Grammatik ist der Wirklichkeit nicht Rechenschaft
schuldig.)
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diese hinweisende Erklärung mit den übrigen Regeln der
Verwendung des Worts kollidieren?
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Denn eigentlich
ja Regeln nicht kollidieren,
ausser sie widersprechen einander.
Denn im Uebrigen bestimmen sie ja eine Bedeutung, und
sind nicht einer verantwortlich, so dass sie ihr
widersprechen könnten.
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Eine Sprache ist, was sie ist, und eine andere Sprache ist nicht
diese Sprache.
Ich gebrauche also die Nummern des Musterkataloges anders, als die Wörter
“rot”, “blau”,
etc..
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Es kann keine Diskussion darüber geben, ob diese Regeln oder
andere die richtigen für das Wort ‘nicht’
sind.?
Denn das Wort hat ohne diese die Regeln noch keine
Bedeutung, und wenn wir die Regeln ändern, so hat es nun eine andere
Bedeutung (oder keine) und wir können dann ebensogut auch das Wort
ändern.
Daher sind diese Regeln willkürlich, weil die Regeln erst das Zeichen
machen.
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Das einzige Korrelat, in der Sprache, zu einer Naturnotwendigkeit ist eine
willkürliche Regel.
Sie ist das einzige, was man von dieser Notwendigkeit in Sätze
// einen Satz // abziehen kann.
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Wenn man fragt “warum gibst Du Eier in diesen Teig”, so
ist die Antwort etwa “weil der Kuchen dann besser
schmeckt”.
Also, man hört // erfährt// eine
Wirkung und sie wird als Grund gegeben.
Wenn ich dem Holzblock eine bestimmte Form geben will, so ist der Hieb der
richtige, der diese Form erzeugt. —
Ich nenne aber nicht das Argument das richtige, das die erwünschten Folgen
hat.
Vielmehr nenne ich die Rechnung falsch, obwohl // auch
wenn// die Handlungen, die dem Resultat entspringen, zum
gewünschten Ende geführt haben.
(“Ich mach' den Haupttreffer, und er will mich
belehren!”)
Das zeigt, dass die Rechtfertigungen in den beiden
Fällen verschiedene sind, und also “Rechtfertigung”
verschiedenes in beiden bedeutet.
In einem Fall kann man sagen: “Wart' nur,
Du wirst schon sehen, dass das Richtige
(d.h. hier: Gewünschte)
herauskommt”; im andern ist dies keine Rechtfertigung.
Wenn man nun von der Willkürlichkeit der grammatischen Regeln spricht, so
kann das nur bedeuten, dass es die Rechtfertigung, die
in der Grammatik als solche gilt, nicht
für die Grammatik gilt.
Und
wenn
582 man das Rechnen
und // aber// nicht das Kochen dem Spiel
vergleicht, ?—so ist es eben aus aus eben
diesem Grunde—?.
Das ist aber auch der Grund, warum man das Kochen keinen Kalkül nennen
würde.
Wie ist es aber mit dem Aufräumen eines Zimmers, oder dem Ordnen eines
Bücherschrankes, — oder dem Stricken eines bestimmten
Musters?
Diese Dinge kommen dem Spiel in irgendeiner Weise nä- her.
Ich glaube, der Grund, warum man das Kochen kein Spiel zu nennen versucht
ist, ist der: es gibt natürlich auch für das Kochen Regeln, aber
“Kochen” bezeichnet nicht wesentlich eine Tätigkeit nach
diesen Regeln, sondern eine Tätigkeit, die ein bestimmtes Resultat
hat.
Es ist z.B. ˇetwa eine Regel,
dass man Eier 3 Minuten lang kocht, um weiche Eier zu
erhalten; wird aber durch irgend welche Umstände das gleiche Ergebnis durch
5 Minuten langes Kochen erreicht, so sagt man nun nicht “das
heisst dann nicht ‘weiche Eier
kochen’”.
Dagegen heisst “Schachspielen”
nicht die Tätigkeit, die ein bestimmtes Ergebnis hat, sondern dieses Wort
bedeutet eine Tätigkeit, die nach gewissen Regeln ausgeführt wird.
Die Regeln der Kochkunst hängen mit der Grammatik des Wortes
“kochen” anders zusammen, als die Regeln des Schachspiels
mit der Grammatik des Wortes “Schach spielen” und als die
Regeln des Multiplizierens mit der Grammatik des Wortes
“multiplizieren”.
Die Regeln der Grammatik sind so (d.h. in
demselben Sinne) willkürlich, & in demselben Sinne nicht
willkürlich wie die Wahl einer Masseinheit.
Aber das kann doch nur heissen,
dass sie von der Länge des
Zzumessenden
unabhängig ist.
Und dass nicht die Wahl der einen Einheit
‘wahr’, der andern ‘falsch’ ist, wie die
Angabe der Länge wahr oder falsch ist.
Was natürlich nur eine Bemerkung über die Grammatik des Wortes
“Längeneinheit” ist.
Man ist versucht, die Regeln der Grammatik durch Sätze zu rechtfertigen
von der Art: “Aber es gibt doch wirklich 4 primäre
Farben”; und gegen die Möglichkeit dieser Rechtfertigung, die nach
dem Modell der Rechtfertigung eines Satzes durch
(den?) Hinweis auf seine Verifikation
gebaut ist, richtet sich das Wort, dass die
Regeln der Grammatik willkürlich sind.
583
Kann man aber nicht doch in irgend einem Sinne sagen,
dass die Grammatik der Farbwörter die Welt, wie sie
tatsächlich ist, charakterisiert?
Man möchte sagen: kann ich nicht wirklich vergebens
einer nach einer fünften primären Farbe suchen?
(Und wenn man suchen kann, dann ist ein Finden denkbar.)
Nimmt man nicht die primären Farben zusammen, weil sie eine
Aehnlichkeit haben, oder zum mindesten die Farben, im
Gegensatz z.B. von // zu
den// Formen oder Tönen, weil sie eine
Aehnlichkeit haben?
Oder habe ich, wenn ich diese Einteilung der Welt als die richtige
hinstelle, schon eine vorgefasste Idee als Paradigma im
Kopf?
Von der ich dann etwa nur sagen kann: “ja, das ist die
Weise // Art//, wie
wir die Dinge betrachten”, oder “wir wollen eben ein
solches Bild (von der Wirklichkeit)
machen”.
Wenn ich nämlich sage: “die primären Farben haben doch eine
bestimmte Aehnlichkeit miteinander” —
woher nehme ich den Begriff dieser
Aehnlichkeit?
D.h.: habe ich hier eine Funktion
“x ähnlich mit y”, in die ich die Farben als
Argumente einsetzen kann?
Ist nicht so, wie der Begriff “primäre Farbe” nichts
andres ist, als “blau oder rot oder grün oder gelb”,
— auch der Begriff jener Aehnlichkeit nur durch
die vier Farben gegeben?
Ja, sind sie nicht die gleichen!
— “Ja, könnte man denn auch rot, grün und kreisförmig
zusammenfassen?” —
Warum nicht?!
Die Wichtigkeit in einem Spiel liegt darin,
dass wir dieses Spiel spielen.
Dass wir diese Handlungen
ausführen.
Es verliert seine Wichtigkeit nicht dadurch, dass es
selbst nicht wieder eine Handlung in einem andern (übergeordneten)
Spiel ist.
Warum nenne ich die Regeln des Kochens nicht willkürlich; und warum bin
ich versucht, die Regeln der Grammatik willkürlich zu nennen?
Weil das ‘Kochen’ durch seinen Zweck definiert ist,
dagegen der Gebrauch der Sprache nicht.
Darum ist der Gebrauch der Sprache in einem gewissen Sinne autonom, in dem
das Kochen und Waschen es nicht ist.
Denn, wer sich beim Kochen nach andern als den richtigen Regeln richtet,
kocht schlecht; aber wer sich nach andern Regeln als denen des Schach
richtet, spielt ein anderes Spiel und wer sich nach andern
grammatischen Regeln richtet, als
den
584 und den, spricht darum
nichts Falsches, sondern etwas von etwas Anderem.
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Könnte ich den Zweck der grammatischen Konventionen dadurch beschreiben,
dass ich sagte, ich müsste sie
machen, weil etwa die Farben gewisse Eigenschaften haben, so wären damit
diese Konventionen überflüssig, denn dann könnte ich eben das sagen, was die
Konvention gerade ausschliessen.
Umgekehrt, wenn die Konventionen nötigb waren, also gewisse
Kombinationen der Wörter als unsinnig ausgeschlossen werden
mussten, dann kann ich eben darum nicht eine
Eigenschaft der Farben angeben, die die Konventionen nötig machte, denn dann
wäre es denkbar, dass die Farben diese Eigenschaft
nicht hätten und das könnte nur entgegen den Konventionen ausgedrückt
werden.
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Ich nenne die Regel der Darstellung keine Konvention, die sich durch Sätze
rechtfertigen lässt, Sätze, welche das Dargestellte
beschreiben und zeigen, dass die Darstellung adäquat
ist.
Die Konventionen der Grammatik lassen sich nicht durch eine Beschreibung
des Dargestellten rechtfertigen.
Jede solche Beschreibung setzt schon die Regeln der Grammatik
voraus.
D.h., was in der zu rechtfertigenden
Grammatik als Unsinn gilt, kann in der Grammatik der
rechtfertigenden Sätze auch nicht als Sinn gelten,
u.u.
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