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1
Das Verstehen, die Meinung, fällt aus unsrer Betrachtung
heraus.
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Kann man denn etwas Anderes als
einen Satz
verstehen?
Oder : Ist es nicht erst ein Satz, wenn man es
versteht.
Also: Kann man Etwas anders, als als Satz
verstehen?
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Man möchte
davon reden, “einen Satz zu
erleben”.
Lässt sich dieses Erlebnis niederschreiben?
⇄
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Da ist es wichtig, dass es in einem gewissen Sinne
keinen halben Satz gibt.
Das heisst, vom halben Satz gilt, was vom Wort gilt,
dass
nur im Zusammenhangdes Satzes Sinn // Bedeutung //
hat.
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Das Verstehen fängt aber erst mit
dem Satz an (nd darum
interessiert es uns nicht)
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Wie es keine Metaphysik gibt, so gibt es keine Metalogik.
Das Wort “Verstehen”, der Ausdruck “einen
Satz verstehen”, istauch nicht metalo- gisch, sondern ein Ausdruck wie
jeder andre der Sprache.
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Wir haben es
in unsern Betrachtungen mit dem Verstehen des Sat- zes
nicht zu tun; denn wir müssen ihn verstehen,
damit er für uns ein Satz ist.
2
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Es wäre ja auch seltsam, dass die Wissenschaft und
die Mathematik die Sätze gebraucht, aber von ihrem Verstehen
nicht</>spricht.
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Man sieht in dem Verstehen das Eigentliche, im Zeichen das
Nebensächli- che. —
Uebrigens, wozu dann das Zeichen
überhaupt? —
Nur um sich Andern verständlich zu machen?
Aber wie ist das
möglich. —
Hier wird das Zeichen als eine
Medizin betrachtet // angesehen
//, die im Andern die gleichen
schmerzen hervorrufen soll, wie ich
sie habe.
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Auf die Frage “was meinst du”,
muss zur Antwort kommen: p; und
nich[z|t] “ich meine das, was
ich mit ‘p’ meine”.
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Die gesamte Sprache kann nicht missverstanden
werden. Denn sonst gäbe es zu diesem Missverständnis
wesentlich keine
Aufk[k|l]ärung .
ie
Sprache muss für sich selbst sprechen.
⇄⇆
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Man kann es auch so sagen: wenn man sich immer in einem Sprachsystem
aus- drückt und also, was ein Satz meint, nur durch Sätze dieses
Systems erklärt, so fällt am Schluss ˇdie
Meinung ganz aus der Sprache, also aus der Betrachtung, heraus und es
bleibt die Sprache das Einzige, was wir betrachten
können.
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Gesprochenes kann man nur durch die Sprache erklären,
[,|d]arum kann man
die Sprache (in diesem Sinne)
nicht erklären.
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Ich will doch sagen: Die ganze Sprache kann man nicht
interpretieren.
Eine Interpretation ist immer nur eine im Gegensatz zu einer
an- dern.
Sie hängt sich an das Zeichen und reiht es in ein weiteres
S[¿u¿|y]stem ein.
3
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Alles was ich in der Sprache tun kann, ist etwas
sagen: das eine sagen.
(Das eine sagen im Raume dessen, was ich
hätte sagen kön- nen.)
⇄
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Wenn Frege gegen die formale
Auffassung der Arithmetik spricht, so sagt er gleichsam:
diese kleinlichen Erklärungen, die Symbole betreffend, sind
müssig, wenn wir diese verstehen.
Und das Verstehen besteht quasi im Sehen // ist
quasi das Se[e|h][h|e]n // eines
Bildes, aus demdann alle Regeln folgen
(wodurch sie verständlich werden).
Frege sieht aber nicht,
dass dieses Bild nur wieder ein Zeichen ist, oder
ein Kalkül, der uns dem ge- schriebenen Kalkül
erklärt.
Aber das Verständnis gleicht überha[i|u]pt
dem, welches wir für ei- nen Kalkül
kriegen, wenn wir seine
Entstehung , oder praktische
Anwendung kennen lernen.
Und wir auch da
nur einen
über- sichtlichern
ˇSymbolismus statt des fremden kennen.
(Verstehen heisst hier
übersehen.)
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Wenn komplizierte ˇseelische
Vorgänge beim Verstehen des Wortes “und” eine
Rolle spielen wie kommt es, dass von ihnen in der Logik nie die
Rede ist, noch sein braucht?
⇄
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wenn ich jemandem einen Befehl
gebe, so ist es mir gan ganz genug ,
ihm Zeichen zu geben.
Und ich würde nie sagen: das sind ja nur Worte, und ich
muss hinter die Worte dringen.
Ebenso, wenn ich jemand etwas gefragt hätte und er gibt
mir eine Antwort (also ein Zei- chen), bin ich zufrieden —
das war gerade, was ich erwartete — und wende nicht ein: das
ist ja eine blosse Antwort.
Es ist klar, dass nichts ande- res erwartet
werden konnte und dass die Antwort den
Gebrauch der Sprache
voraussetz<t>e. Wie
alles, was zu
sagen ist.
4
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Wenn man aber sagt “wie soll ich wissen, was er meint, ich sehe
ja nur seine Zeichen”, so sage ich:
“wie soll er wissen, was er meint, er hat ja auch
nur seine Zeichen”.
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“Etwas habe ich aber doch gemeint, als ich das
sagte!” —
Gut, aber wie können wir, was es ist, herausbringen?
Doch wohl nur<|>dadurch,
dass er es uns sagt.
Wenn wir nicht sein übriges Verhalten zum
Kriterium nehmen sollen, dann also das, was er uns erklärt.
Du meinst, was Du sagst.
5
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2
“Verstehen”
amorph
gebraucht.
“Verstehen”
mehrdeutig.
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“Du hast mit der Hand eine Bewegung gemacht; hast Du etwas
damit ge- meint? —
Ich dachte, Du meintest, ich solle zu Dir kommen”.
Wie meinte er etwas?
Hat er ˇalso etwas Anderes gemeint, als, was er
ausdrückte
.
Oder ist die Frage nur: hat er gemeint was er
zeigte?
“ was hast Du
gemeint”.
—
Auf die- se Frage
kommt ein Satz zur Antwort.
fragen darf, das Meinen — sozusagen —
amo[p|r]ph .
Und “ich meine etwas mit dem Satz” ist dann von
wie: “dieser Satz ist nützlich”,
oder “dieser Satz greift in mein Leben ein”.
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Könnte [,|m]an aber
antworten: “ich habe etwas mit dieser
Bewegung ge- meint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken
kann”?
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Wir unterscheiden Sprache, von dem, was nicht Sprache ist
.
Wir sehen Striche und sagen, wir verstehen sie;
und andere, und sagen,
sie bedeuten nichts (oder, uns nichts).
Damit ist doch eine allgemeine Erfah- rung
charakterisiert, die wir nennen könnten: “etwas als Sprache
verste- hen” — ganz abgesehen davon , was wir aus dem gegebenen
Gebilde
heraus- lesen.
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Ich sehe eine deutsche Aufschrift und eine
chinesische. Ist die
chine- sische etwa ungeeignet etwas mitzuteilen?
— Ich sage, ich habe [c|C]hinesisch nicht
gelernt.
Aber das Lernen der Sprache fällt fällt als Ursache,
Geschichte, aus der
heraus.
Nur auf seine Wirkungen kommt es an, und die sind Phänomene, die eben
nicht eintreten, wenn ich das Chinesische
6a sehe
[—|//] anschaue//.
(Warum sie nicht eintreten, ist
gleichgültig.)
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Geben wir denn den Worten, die uns gesagt werden,
willkürliche Inter- pretationen?
Kommt nicht das Erlebnis des Verstehens ˇmit dem Erlebnis des
Hö- rens der Zeichen, wenn wir ‘die
S[ö|p]rache der Andern
verstehen’?
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Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir dies
ebenso, wie,
dass ich, was er sagt,
hö- re.
Und hier ist Verstehen das Phänomen, welches sich einstellt, wenn ich einen deutschen Satz höre, und
welches dieses Hören vom Hören eines Satzes einer mir nicht
Sprache
unterscheidet.
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|
Denken wir an eine Chiffre: Ein Satz sei
uns in der Chiffre gegeben und auch der
Schlüssel, dann ist uns natürlich, in
gewisser Beziehung
,
[a|A]lles zum Verständnis der Chiffre
gegeben.
Und doch würde ich, gefragt “verstehst Du diesen Satz in der
Chiffre”,
antworten: Nein, ich muss ihn erst
entziffern; und erst, wenn ich ihn
z.B. ins Deutsche
übertragen hätte, wür- de ich sagen “jetzt verstehe ich
ihn”.
Wenn man hier die Frage stellte: “In welchem
Augenblick der Uebertra- gung (aus der Chiffre
ins Deutsche) verstehe ich den Satz”, so würde man einen
Einblick in das Wesen dessen erhalten, was wir
“verstehen” nennen. // in das Wesen
des Verstehens erhalten.//
|
| |
|
|
Ich sage einen Satz “ich sehe einen schwarzen Kreis”;
aber auf die Wor- te // Wörter //
kommt es doch nicht an; sagen // setzen
// wir also statt dieses Satzes “a b c d
e”.
Aber nun kann ich nicht ohne weiteres mit diesem Zeichen den oberen
Sinn verbinden (es sei denn, dass ich es als
ein Wort auffasse und dies als Abkürzung des oberen
Satzes).
Diese Schwierig-
6b sehe [—|//]
anschaue//.
(Warum sie nicht eintreten, ist
gleichgültig.)
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|
Geben wir denn den Worten, die uns gesagt werden,
willkürliche Inter- pretationen?
Kommt nicht das Erlebnis des Verstehens ˇmit dem Erlebnis des
Hö- rens der Zeichen, wenn wir ‘die S[ö|p]rache der
Andern verstehen’?
|
| |
|
|
Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir dies
ebenso, wie,
dass ich, was er sagt,
hö- re.
Und hier ist Verstehen das Phänomen, welches sich einstellt, wenn ich
einen deutschen Satz höre, und welches dieses Hören vom Hören eines
Satzes einer mir nicht geläufigen
Sprache unterscheidet.
|
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|
Denken wir an eine Chiffre: Ein Satz sei uns in der Chiffre
gegeben und auch der Schlüssel, dann ist uns natürlich, in gewisser
Beziehung, [a|A]lles zum Verständnis der Chiffre
gegeben.
Und doch würde ich, gefragt “verstehst Du diesen Satz in der
Chiffre”, etwa antworten: Nein, ich
muss ihn erst entziffern; und erst, wenn ich ihn
z.B. ins Deutsche übertragen hätte, wür- de ich
sagen “jetzt verstehe ich ihn”.
Wenn man hier die Frage stellte: “In welchem
Augenblick der Uebertra- gung (aus der Chiffre
ins Deutsche) verstehe ich den Satz”, so würde man einen
Einblick in das Wesen dessen erhalten, was wir
“verstehen” nennen. // in das Wesen
des Verstehens erhalten.//
|
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|
Ich sage einen Satz “ich sehe einen schwarzen Kreis”;
aber auf die Wor- te // Wörter //
kommt es doch nicht an; sagen // setzen
// wir also statt dieses Satzes “a b c d
e”.
Aber nun kann ich nicht ohne weiteres mit diesem Zeichen den oberen
Sinn verbinden (es sei denn, dass ich es als
ein Wort auffasse und dies als Abkürzung des oberen
Satzes).
Diese Schwierig-
7 keit ist doch aber sonderbar.
Ich könnte sie so ausdrücken: Ich bin nicht gewöhnt statt
‘ich’ ‘a’ zu sagen und statt
‘sehe’ ‘b’, und statt
‘einen’ ‘c’,
etc..
Aber damit meine ich nicht, dass ich, wenn ich daran
gewöhnt wä- re, mit dem Worte ‘a’ sofort das
Wort ‘ich’ assoziieren würde; sondern,
dass ich nicht gewöhnt bin
‘a’ an der Stelle von ‘ich’ zu
gebrauchen — in der Bedeutung von ‘ich’.
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⇐⇐
“Ich sage das nicht nur, ich meine auch etwas
damit”. —
Wenn man sich überlegt, was dabei in uns vorgeht, wenn wir Worte
meinen (und nicht nur sagen), so ist es uns, als wäre
dann etwas mit diesen Worten gekuppelt, während sie sonst leer
liefen. —
Als ob sie gleichsam in uns eingriffen.
⇆
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Ich verstehe einen Befehl als Befehl,
d.h., ich sehe
ˇin ihm nicht nur diese Struktur von Lauten oder Strichen, sondern
sie hat — sozusagen — einen Ein- fluss
auf mich.
Ich reagiere auf einen Befehl (auch ehe ich ihn befolge)
an- ders, als etwa auf eine Mitteilung oder Frage.
⇆
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⇐Der Satz, wenn ich ihn verstehe, bekommt
für mich Tiefe.
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Ich sage: Das Verstehen bestehe darin,
dass ich eine bestimmte Erfah- rung
habe. — —
Dass diese Erfahrung aber das Verstehen
dessen ist — was ich ver- stehe
— besteht darin,
dass diese Erfahrung ein Teil meiner
Sprache ist.
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Wenn ich
irgendwo
lese:
“nachdem er das gesagt hatte, verliess er
sie, wie am vorigen
Tag”
Fragt man mich, ob
ich diesen Satz verstehe, so
nicht leicht,
darauf zu
antworten.
Es ist ein deutscher Satz und insofern
8
verstehe ich ihn.
Ich wüsste, wie man diesen Satz etwa gebrauchen
könnte , ich könnte selbst einen Zusammenhang für
ihn erfinden.
Und doch verstehe ich ihn nicht so , wie ich ihn
verstünde, wenn ich bis zu dieser Stelle gelesen hätte.
(Vergleiche Sprachspiele.)
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Was heisst es, ein gemaltes Bild zu
verstehen?
Auch da gibt es
Ver- ständnis und Nichtverstehen.
Und auch
hier kann
“Verstehen” und “nicht verstehen”
verschiedenerlei heissen.
eine Anordnung von Gegenständen im
Raum dar
, aber einen Teil des Bildes
unfähig, zu sehen;
sondern sehe nur
Bildfläche.
Wir können dann sagen,
verstehe
diese Teile des Bildes nicht.
es
können aber auch
auch auf dem Bild dargestellt
sein, die wir noch nie gesehen ha- ben.
Und da gibt es den Fall, wo etwas
z.B.
wie ein Vogel
aus- sieht, nur nicht wie einer, dessen Art ich kenne; oder
aber ein räum- liches Gebilde
dargestellt , dergleichen ich
nie gesehen habe.
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Angenommen, das Bild
stellte¿len¿ Menschen dar und die Menschen darauf etwa
ein Zoll lang.
Angenommen nun, es gäbe Menschen, die diese Länge hätten, so
würden wir sie
in dem Bild erkennen und es würde uns nun einen ganz
andern Eindruck machen, ob- wohl doch die Illusion der
dreidimensionalen Gegenstände ganz dieselbe wäre.
Und doch ist der
tatsächliche // dieser
tatsächl[¿o¿|i]che // Eindruck,
wie er da ist, unabhängig davon, dass ich einmal
Menschen in der gewöhn- lichen Grösse, und nie
Zwerge, gesehen habe
, wenn auch dies
die Ursache
9
des Eindrucks ist.
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Dieses Sehen der gemalten Menschen als Menschen (im Gegensatz etwa
zu Zwergen) ist ganz analog dem Sehen des Bildes
// der Zeichnung // als dreidimensionales
Gebilde.
Wir können hier nicht sagen, wir sehen immer dasselbe und fassen es
nachträglich einmal als das Eine
einmal als das Andre auf,
sondern wir sehen jedes Mal etwas [a|A]nderes.
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Und so auch, wenn wir einen Satz mit Verständnis und ohne Verständnis
lesen.
(Erinnere Dich daran, wie es ist, wenn man einen Satz mit falscher
Betonung liest, ihn daher nicht versteht und nun auf einmal
daraufkommt, wie er zu lesen ist.)
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Lesen einer schleuderhaften
Schrift
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Wenn man eine Uhr abliest, so sieht man einen
Komple[¿l¿|x] von Strichen, Flecken
etc., aber auf ganz bestimmte W[i|e]ise, wenn man
ihn als Uhr und Zei- ger auffassen will.
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⇒
Wir könnten uns den Marsbewohner denken, der auf der Erde erst nach und
nach den Gesichtsausdruck der Menschen als solchen verstehen lernte und
den drohenden erst nach gewissen Erfahrungen als solchen empfinden
lernt.
Er hätte bis dahin diese Gesichtsform angeschaut
angesehen, wie wir die [D|F]orm eines Steins
betrachten.
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⇒
Kann ich nicht sagen: er lernt erst die
befehlende Geste in einer gewissen Satzform verstehen?
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⇒
Chinesische Gesten verstehen wir so wenig, wie chinesische Sätze.
11
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3
Das Verstehen als Korrelat einer Erklärung .
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“Verstehen”, damit meine ich
ein Korrelat der Erklärung
, nicht ei- ner — etwa
medizinischen — Beeinflussung.
Mit dem Worte “Missverständnis”
meine ich also wesentlich etwas, was sich durch Erklärung beseitigen
lässt.
Eine andere Nichtübereinstimmung nenne ich nicht
“Missverständnis”.
⇆
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Verständnis ents[ö|p]richt der Erklärung; soweit es aber
der Erklärung nicht entspricht, ist es unartikuliert und geht uns
deswegen nichts an ; oder
es ist artikuliert und entspricht dem Satz selbst, dessen
Verständ- nis wir beschreiben wollten.
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Wissen, was der Satz besagt, kann nur heissen:
die Frage beantworten können “was sagt
er?”.
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Den Sinn eines Satzes verstehen // kennen
//, kann nur
heissen : die Frage “was ist sein
Sinn” beantworten können.
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Denn ist hier “Sinn haben”
intransitiv gebraucht, so dass man also nicht
den Sinn eines Satzes von dem eines anderen Satzes
unterscheiden kann, dann ist das Sinnhaben eine, den Gebrauch des
Satzes begleitende, Angelegenheit, die uns nicht interessiert.
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Das Triviale, was ich zu sagen habe, ist, dass auf
den Satz “ich sa- ge das nicht nur, ich meine
etwas damit” und die Frage “was?”, ein
wei- terer Satz, in irgend welchen Zeichen, zur Antwort kommt.
12
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Aber man kann fragen: Ist denn das Verständnis nicht etwas
anderes als der Ausdruck des Verständnisses?
Ist es nicht so, dass der Ausdruck des
Verständnisses eben ein unvollkommener Ausdruck ist?
Das heisst doch wohl, ein Ausdruck, der etwas
auslässt, was wesentlich
ausdrückbar ist.
Denn sonst könnte ich ja einen bessern finden.
Also wäre der Ausdruck ein voll[¿,¿|k]ommener
Ausdruck . ---
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Es ist eine
Auffassung, dass Einer
gleichsam nur unvollkommen
Dass er gleichsam nur immer aus der Ferne
darauf deuten, auch sich ihm nähern, es aber nie mit der
Hand berühren // ergreifen//
kann.
Und das Letzte immer ungesagt bleiben
muss.
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Man will sagen: Er versteht
zwar ganz, kann dies aber nicht ganz
zei- gen, da er sonst schon tun müsste, was ja
erst die in Befolgung des Befehls geschehen
darf .
So kann er also nicht zeigen, dass er es ganz
versteht.
D.h. also, er weiss immer mehr,
als er zeigen kann.
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Man möchte sagen: er ist mit seinem Verständnis
bei der Tatsache //
bei bei der
Ausführung//, aber die Erklärung kann nie die
Ausfüh- rung enthalten.
Aber das Verständnis enthält nicht die Ausführung, sondern ist nur das
Symbol, das bei der Ausführung übersetzt wird.
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Die Schwierigkeit ist, die Grammatik des Wortes
“meinen” klar zu sehen. Aber der Weg dazu ist nur der über
die Antwort auf die Frage “welches ist das Kriterium dafür,
dass wir etwas so meinen” und
welcher Art ist der Ausdruck, den dieses “so”
vertritt.
Die Antwort aufdie Frage
“wie ist das gemeint”
die Verbindung zwischen zwei sprachlichen
Ausdrücken // zwi-
13 schen zwei Sprachen //
her.
Also fragt auch die Frage nach dieser Verbin- dung.
Der Gebrauch der Hauptwörter “Sinn”,
“Bedeutung”, “Auffassung” und
anderer
Wörter verleitet uns zu glauben, dass dieser Sinn
etc. dem Zeichen so gegenübersteht, wie das
Wort der Name
dem Ding, das sein Träger ist.
Sodass man sagen könnte: “
der Pfeil hat
eine ganz bestimmte Bedeutung, ist in einer ganz
bestimmten Weise gemeint, die ich nur faute de mieux wie- der
durch ein Zeichen ausdrücken muss”.
Die Meinung, die Intention wäre [¿w¿|q]uasi seine
Seele, die ich am liebsten direkt zeigen möchte, aber auf die ich leider
nur indirekt durch ihren Körper hinweisen kann. —
Wenn ich sage:
“ich meine diesen Pfeil so, dass man ihm durch
eine Be- wegung in der Richtung vom Schwanz zur Spitze folgt”,
so gebe ich eine De- finition (ich setze ein Zeichen für ein
andres), während es scheint, als hätte ich sozusagen die
Aussage // Angabe // des
Pfeils ergänzt.
Ich habe den Pfeil durch ein neues Zeichen ersetzt, das wir statt des
Pfeiles ge- brauchen können.
— Gebrauchen können — .
Während es scheint , als wäre der Pfeil selbst wesentlich
unvollständig ,
ergän- zungsbedürftig, und als hätte ich ihm nu[r|n] die
nötige Ergänzung gegeben.
Wie man eine Beschreibung eines Gegenstandes als unvollkommen erkennt
und ver- vollständigt // vervollständigen kann
//.
Als hätte der Pfeil die Beschrei- bung angefangen und wir sie durch
den Satz vollendet.—
Auch so: Wenn ich wie oben sage
“ich meine diesen Pfeil so, dass
…”, so macht es den Ein- druck, als hätte ich jetzt
erst das Eigentliche beschrieben, die Meinung; als wäre der
Pfeil gleichsam nur das Musikinstrument, die Meinung aber die Musik, oder
besser: der Pfeil, das Zeichen — das heisst
in diesem Falle — die Ursache des inneren, seelischen, Vorgangs, und
die Worte der Erklärung erst die Beschreibung dieses Vorgangs.
Hier spukt die Auffassung des Satzes als eines Zeichens des Gedankens;
und des Gedankens als eines Vorgangs in der Seele, oder im Kopf.
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Was die Erklärung des Pfeiles betrifft, so ist es klar,
dass man sagen kann: “Dieser
Pfeil bedeutet // sagt// nicht,
dass du dorthin (mit der
Hand zeigend) gehen sollst, sondern dahin.” —
Und ich würde diese Erklärung natürlich verstehen. —
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4
Das Verstehen des Befehls, die Bedingung dafür, dass
wir ihn befolgen .
Das Verstehen des Satzes, die Bedingung dafür, dass
wir uns nach ihm richten.
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Das
Verständnis eines Satzes kann nur die Bedingung dafür sein,
dass wir ihn anwenden können.
D.h., es kann nichts sein, als diese
Bedingung // die Bedingung // und es
muss die Bedingung der Anwendung
sein.
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Wenn “einen Satz verstehen” heisst,
in gewissem Sinn
nach ihm handeln, dann kann das Verstehen nicht die logische Bedingung
dafür sein, dass wir nach ihm handeln.
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⇐
Das Verstehen einer Beschreibung kann man mit dem Zeichnen
eines Bil- des nach dieser Beschreibung vergleichen.
(Und hier ist wieder das Gleich- nis ein besonderer Fall dessen,
wofür es ein Gleichnis ist.)
Und es würde // wird // auch in
vielen Fällen als der Beweis // das Kriterium
// des Verständnisses
aufgefasst.
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⇐
Ich verstehe dieses Bild genau, ich könnte es in Ton kneten
// plastisch wiedergeben //. —
Ich verstehe diese Beschreibung genau, ich könnte eine Zeichnung nach
ihr machen.
⇆
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Man könnte es in gewissen Fällen als Kriterium des
Verständnis- ses // Verstehens //
setzen, dass man den Sinn des Satzes
muss zeichnerisch darstellen können.
16
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Es ist sonderbar: Das Verstehen einer
Geste möchten wir durch ihre
// mit Hilfe ihrer //
Uebersetzung in Worte erklären und das Verste- hen
von Worten durch eine Uebersetzung in Gesten.
// Es ist sehr sonder- bar: Wir
sind versucht, das Verstehen einer Geste durch ihr entsprechen- de
Worte zu erklären, und das Verstehen von Worten durch diesen
entspre- chende Gesten. // //… das
Verstehen einer Ge[¿a¿|s]te als Fähigkeit zur
er- klären, sie in Worte zu übersetzen, …//
⇄
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|
Und wirklich werden wir Worte durch eine Geste und eine Geste durch
Worte erklären.
⇄
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Wenn man mir sagt “bringe eine gelbe Blume” und ich
stelle mir vor, wie ich eine gelbe Blume hole, so kann das zeigen,
dass ich den Befehl ver- standen habe.
Aber ebenso, wenn ich ein Bild des Vorgangs male. —
Warum?
Wohl, weil das, was ich tue, mit Worten des Befehls beschrieben werden
muss.
Oder soll ich sagen, ich habe tatsächlich einen (dem
ersten) ver- wandten Befehl ausgeführt.
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| |
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Nun ist die Frage: Muss ich wirklich in
so einem Sinne das Zeichen ver- stehen, um etwa darnach handeln zu
können? —
Wenn jemand sagt: “gewiss!
sonst wüsste ich ja nicht, was ich zu tun
habe”, so würde ich antworten: “Aber
es gibt ja keinen Uebergang vom Wissen zum
Tun.
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Was heisst dann also der Satz:
“Ich muss den Befehl verstehen, ehe
ich nach ihm handeln kann[?|”]?
Denn dieser Satz // dies zu sagen, //
hat natür- lich einen Sinn.
Aber gewiss // jedenfalls
// wieder keinen metalogischen.
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Die Idee, die man von dem Verstehen hat, ist etwa,
dass man dabei von
17 dem Zeichen näher an die verifizierende
Tatsache kommt, etwa durch die Vor- stellung.
Und wenn man auch nicht wesentlich,
d.h. logisch,
näher kommt, so ist doch etwas an der Idee richtig,
dass das Verstehen in dem Vorstellen der Tatsache
besteht.
Die Sprache der Vorstellung ist in dem gleichen Sin- ne wie die
Gebärdensprache primitiv.
|
| |
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|
⇐
“Aber ich muss doch einen Befehl verstehen,
um nach ihm handeln zu kön- nen”.
Hier ist das ‘muss’
verdächtig.
Wenn das wirklich ein Muss ist —
ich meine — wenn es eine logisches
Muss ist, so handelt es sich hier um eine
grammatische Anmerkung.
⇄
|
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[¿“¿|A]uch wäre da die Frage möglich:
Wie lange vor dem Befolgen musst Du denn den
Befehl verstehen?
⇄
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(Es kann keine notwendige Zwischenstufe zwischen
dem Auffassen eines Be- fehls und dem Befolgen geben.)
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Wenn das Verstehen eine notwendige Vorbereitung
des Folgens war, so muss es dem Zeichen etwas
hinzugefügt haben; aber
etwas, was
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Wenn gesagt würde, dass der, der den Befehl erhält,
eben ausser den
Wor- ten Vorstellungen erhält, die der Ausführung des Befehls ähnlich
sind (wäh- rend es die Worte nicht sind), so
gehe ich noch weiter und nehme an, dass der Befehl
dadurch gegeben wird, dass wir de[m|n]
Andern die Bewegungen, die er
in 5 Minuten ausführen soll, jetzt durch mechanische Beeinflussung
auszuführen veranlassen; und näher kann ich doch wohl der Ausführung des
Befehls i[¿k¿|m]
Ausdruck nicht kommen.
Dann haben wir die Aehnlichkeit der Vorstellung durch
eine viel
18 grössere
Aehnlichkeit ersetzt.
Und der Weg vom Symbol zur
Wirklichkeit
scheint hier // nun // sehr verkürzt zu
sein.
⇒
Es ist damit auch gezeigt,
dass
Phantasiebilder, Vor- stellungen,
für den Gedanken unwes[r|e]ntlich
.
////
⇄
|
| |
|
|
Ich könnte auch sagen: Es scheint uns, als ob, wenn wir
den Befehl
z.B.
verstehen, wir
etwas hinzufügen, was die
Lücke ˇzwischen Befehl & Ausführung füllt.
So dass wir dem, der sagt “aber Du
verstehst ihn ja”
antworten können: … Ja, aber nur,
weil ich noch etwas hinzufüge: die Deutung
nämlich.
⇒
⇄
|
| |
|
|
⇒
Aber was veranlasst Dich
denn zu gerade dieser Deutung?
Ist es der Befehl, dann war er ja schon eindeutig, da er
diese Deutung befahl.
Oder hast Du die Deutung will- kürlich hinzugefügt —
, dann hast Du ja auch den Befehl nicht verstanden, sondern
erst das, was Du aus ihm gemacht
hast.
|
| |
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|
⇒
Eine ‘Interpretation’ ist doch wohl etwas, was in
Worten gegeben wird.
Es ist diese Interpretation im Gegensatz zu einer anderen
(die an- ders lautet). —
Wenn man also sagt “jeder
Satz bedarf noch einer Interpre- tation”, so
hiesse das: kein Satz kann ohne einen Zusatz
verstanden wer- den.
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“Ich kann den Befehl nicht
ausführen, weil ich nicht verstehe, was Du meinst. —
Ja, jetzt verstehe ich Dich”.
Was ging da vor, als ich plötzlich den Andern Verstand?
Ich konnte mich natürlich irren, und dass
ich den Andern verstand, war eine Hypothese.
Aber
19 es fiel mir etwa
plötzlich eine Deutung ein, die mir einleuchtete.
Aber war diese Deutung etwas anderes als ein Satz der
Sprache?
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Es konnten mir auch vor
diesem Verstehen mehrere Deutungen
vorschwe- ben, für deren eine ich mich endlich
entscheide.
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Was heisst es: verstehen,
dass etwas ein Befehl ist, wenn man auch
den Befehl selbst noch nicht versteht?
(“Er meint: ich soll etwas tun, aber
was er wünscht, weiss ich
nicht.”) ⇄
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5
Deuten wir jedes Zeichen?
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Deuten wir denn etwas, wenn uns jemand einen Befehl gibt?
Wir fassen auf, was wir hören oder sehen; oder; wir sehen, was wir
sehen.
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Es gibt Fälle, in denen wir einen erhaltenen Befehl deuten und
[¿D¿|F]älle, in denen wir es nicht tun.
Eine Deutung ist eine Ergänzung des gedeuteten Zeichens durch ein
Zei- chen.
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Wenn mich jemand fragt: “wieviel Uhr ist es”, so
geht in mir dann keine Arbeit des Deutens vor.
ich reagiere unmittelbar auf das, was ich sehe
und höre.
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⇐
Denken wir uns einen Zerstreuten, der auf den Befehl “rechtsum”
sich nach links gedreht hätte und nun, an die Stirne greifend, sagte
“ach so — ‘rechtsum’!”
und rechtsum machte. ⇄
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Ich deute die Worte; wohl; aber deute ich auch die Mienen?
Deute ich, etwa, einen Gesichtsausdruck als
drohend oder
freundlich? —
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Wenn ich nun sagte: Es ist nicht genug,
dass ich das drohende Gesicht wahrnehme, sondern ich
muss es erst deuten. —
Es zückt jemand das Messer
21
und
ich sage: “ich verstehe das als eine
Drohung”.
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Kann man jemandem befehlen, einen Satz zu verstehen?
Hier muss man verschiedene Fälle
unterscheiden.
⇄
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⇒
6
Man sagt: ein Wort verstehen heisst, wissen,
wie es gebraucht wird.
Was heisst es, das zu wissen?
Dieses Wissen haben wir sozusagen im Vorrat.
⇆
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⇒
Es ist merkwürdig, dass wir uns bei dem Gedanken,
dass es jetzt 3 Uhr sein dürfte, die Zeigerstellung
meist gar nicht genau oder überhaupt nicht vorstellen, sondern das
Bild gleichsam in einem Werkzeugkasten
der Sprache haben, aus dem wir wissen, das Werkzeug jederzeit
hervorziehen // herausnehmen// zu können,
wenn wir es brauchen. —
Dieser Werkzeugka- sten scheint mir die Grammatik mit ihren
Regeln zu sein.
(Denken wir aber, welcher Art dieses Wissen ist.)
⇄
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Es ist so, wie wenn ich mir im Werkzeugkasten der Sprache Werkzeuge zum
künftigen Gebrauch herrichtete.
Ein Werkzeug ist ja auch das Abbild seines
Zwecks. ⇒ ⇄
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Was heisst es, zu sagen “ich sehe zwar kein
Rot, aber wenn Du mir einen Farbkasten gibst, so kann ich es Dir darin
zeigen”?
Wie kann man wis- sen , dass man es
zeigen kann, wenn …; dass man es also
erkennen kann, wenn man es sieht? Ich
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Ich sage: Hier ist zwar nichts Rotes um mich, aber wenn
hier etwas wä- re, so Weißt Du, welche Farbe ‘rot’
bedeutet? Ja, wenn hier etwas rotes wäre so…
könnte ich es erkennen.
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Es ist etwa dies mein Wörterbuch und ich übersetze dar- nach
den Satz b[¿e¿|d]ca in
fhge.
Nun habe ich im ge- wöhnlichen Sinne gezeigt,
dass ich den Gebrauch des Wör-
23 terbuchs verstehe und kann sagen,
dass ich auf gleiche Weise den Satz cdab
übersetzen kann, wenn ich will. —
Wenn also der Satz cdab ein Befehl ist, den entsprechenden Satz
in der zweiten Sprache hinzuschreiben, so verstehe ich diesen Befehl, wie
ich etwa den Befehl verstehe, !!!!!!
Schritte zu gehen, wenn mir gezeigt wurde, wie die entsprechenden Befehle
mit den Zahlen !, !!,
!!!, ausgeführt
werden.
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Aber natürlich kann das nicht anders sein, als wenn ich
z.B. sage “ich will diesen Fleck rot
anstreichen”, eine Vorstellung von der Farbe habe und nun
“ weiss “, wie diese
Vorstellung in die Wirklichkeit zu über- setzen ist.
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⇒
Ja, das ganze Problem ist schon darin enthalten: Was
heisst es, zu wis- sen, wie der Fleck aussähe,
wenn er meiner Vorstellung entspräche? ⇄
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⇒
Wenn ich die Vorstellung, die bei der Erwartung
etc. im
Spiel ist, durch ein wirklich gesehenes Bild ersetzen will, so scheint
etwa folgendes zu geschehen: Ich sollte einen dicken
schwarzen Strich ziehen und habe als Bild einen dünnen gezogen.
Aber die Vorstellung geht noch weiter und sagt, sie
weiss auch schon, dass der Strich
dick sein soll.
So ziehe ich einen dicken, aber etwas blasseren Strich; aber die
Vorstellung sagt, sie weiss auch schon,
dass er nicht grau sondern schwarz sein sollte.
(Ziehe ich aber den dicken schwarzen Strich, so ist das kein Bild
mehr.) ⇄
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Etwas wissen, ist von der Art einen Zettel
in der Lade meines Schreibtisches zu haben, auf dem es aufgeschrieben steht
// ist//.
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7
Der Begriff der Bedeutung stammt aus einer primitiven
Auffassung der Sprache her.
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Augustinus, wenn er
vom Lernen der Sprache redet, redet
ausschliess- lich davon, wie wir den Dingen Namen
beilegen, oder die Namen der Dinge verstehen.
Hier scheint also das Benennen Fundament und Um und Auf der
Sprache zu sein.
Diese Auffassung des Fundaments der Sprache ist offenbar
aequivalent mit der, die die Erklärungsform “das
ist…” als fundamental
auffasst.—
Von einem Unterschied der Worte redet Augustinus nicht, meint also mit
“Namen” offenbar Wörter,
wie “Baum”, “Tisch”,
“Brot”, und gewiss die
Ei- gennamen der Personen; dann aber wohl auch
“essen”, “gehen”,
“hier”, “dort”; kurz, alle
Wörter.
Gewiss aber denkt er zunächst an
Haupt- wörter und an die übrigen als etwas, was sich
finden wird.
(Und Plato sagt,
dass der Satz aus Haupt- und
Zeitwörtern besteht.)
Sie beschreiben eben das Spiel einfacher, als es ist.
Dieses Spiel kommt aber wohl in der Wirklichkeit vor. —
Nehmen wir etwa an, ich wollte aus Bausteinen<,> ein
Haus aufführen, die mir ein Andrer zureichen soll, ein Haus
aufführen, so könnten wir erst ein
Uebereinkommen dadurch treffen,
dass ich auf einen Stein zeigend sagte “das
ist eine Säu- le”, auf einen andern zeigend “das
heisst Würfel”, — “das
heisst Platte”
u.s.w..
Und nun bestünde die Anwendung im Ausrufen jener Wörter
“Säule”, “Platte”,
etc. in der Ordnung, wie ich die Bausteine brauche.
Und ganz
26 ähnlich ist ja das
Uebereinkommen
und etwa
eines, das mit Farben arbeiten würde.
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Augustinus beschreibt
wirklich einen Kalkül; nur ist nicht alles, was wir Sprache nennen,
dieser Kalkül.
(Und das muss man in einer
grossen Anzahl von Fällen sagen, wo es
sic[(|h] fragt: ist diese Darstellung brauchbar oder
unbrauchbar.
Die Ant- wort ist dann: “ja, brauchbar; aber nur
dafür , nicht für das gan- ze Gebiet, das Du darzustellen
vorgabst”.)
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Es ist so,
erklärte : “spielen besteht darin,
dass man Dinge, gewissen Regeln
gemäss, auf einer Fläche verschiebt
…” und wir ¿in¿ ihm
antworteten: Du denkst da gewiss an die
Brettspiele, und auf sie ist Deine Beschreibung auch anwendbar.
Aber das sind nicht die einzigen Spiele.
Du kannst also Deine Erklärung richtigstellen, indem Du sie
ausdrücklich auf diese Spiele einschränkst.
Man könnte also sagen, Augustinus stelle das Lernen der Sprache zu einfach dar
// stelle die Sache zu einfach dar//; aber
auch: er stelle eine einfachere Sache dar.
(Wer das Schachspiel einfacher beschreibt — mit einfacheren Regeln
— als es ist, beschreibt damit dennoch ein Spiel, aber ein
anderes.)
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Wie
Augustinus das Lernen der
Sprache beschreibt, das kann uns zeigen, woher sich diese
Auffassung überhaupt
schreibt // …, von welcher
welchem primitiven Anschauung Bild
…//.
Man könnte den Fall mit dem einer Schrift vergleichen, in der
Buch- staben zum Bezeichnen von Lauten benützt würden, aber auch zur
Bezeich- nung der Stärke Betonung und als
Interpunktionszeichen.
Fassen wir dann diese Schrift als eine Sprache zur Beschreibung des
Lautbildes auf, so
27 könnte man sich denken,
dass Einer diese Schrift so
auffasste, als entsprä- che einfach jedem
Buchstaben ein Laut und als hätten die Buchstaben nicht auch ganz andere
Funktio[¿h¿|n]en. —
Und so einer — zu einfachen — Beschreibung der Schrift
gleicht Augustinus'
Beschreibung der Sprache völlig.
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Man kann — für
[a|A]ndere
verständlich — von
Kombinationen von Farben mit Formen sprechen (etwa der
Farben rot und blau mit den Formen Q[i|u]adrat und
Kreis) ebenso wie von
Kombinationen verschiedener Formen oder Körper.
Und hier haben wir die Wurzel des
irreleitenden Ausdrucks, die Tatsache sei ein Komplex von
Ge- genständen.
Es wird also, dass ein Mensch krank ist,
verglichen mit der Zusammenstellung zweier Dinge, wovon das
eine der Mensch<,> ist das andere die Krankheit
wäre.
Hüten wir uns , zu
ve[f|r]gessen, dass das
ein
Gleichnis ist.
Oder man muss sagen, es verhält sich hier mit dem
Wort “Kombination”, oder “Komplex”,
wie mit dem Wort “Zahl”, das auch in verschiedenen —
mehr oder weniger logisch ähnlichen — Weisen (Bedeutungen)
gebraucht wird. ⇄
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Was wir Bedeutung nennen, muss mit der primitiven
Gebärdensprache (Zei- gesprache) zusammenhängen.
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Wenn ich etwa die wirkliche Sitzordnung an einer Tafel nach einer
Auf- schreibung kollationiere, so hat es einen guten Sinn, beim Lesen
jedes Na- mens auf einen bestimmten Menschen zu zeigen.
Sollte ich aber etwa die Be- schreibung eines Bildes mit dem Bild
vergleichen und ausser dem
Personen-
28 verzeichnis sagte die
Beschreibung auch, dass eine gewisse Person eine
andere küsst, so wüsste ich nicht,
worauf ich als Korrelat des Wortes “küs- sen” zeigen
sollte.
Oder, wenn etwas
stünde “A ist grösser als
B”, worauf soll ich beim Wort
“grösser” zeigen? —
Ganz offenbar kann ich ja gar nicht auf etwas diesem Wort
entsprechendes in dem Sinne zeigen, wie ich etwa auf die Person A
im Bilde zeige.
Es gibt freilich einen Akt “die Aufmerksamkeit auf die
Grösse der Per- sonen richten”, oder auf
ihre Tätigkeit, und in diesem Sinne kann man au[v|c]h das
Küssen und die Grössenverhältnisse
kollationieren.
Das zeigt, wie der allgemeine Begriff der Bedeutung entstehen
konnte.
Es geschieht da etwas Analoges, wie wenn ¿man¿ das
Pigment an Stelle der Farbe tritt.
Und der Gebrauch des Wortes “kollationieren” ist hier so
schwankend, wie der Gebrauch des Wortes
“Bedeutung”.
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Die Wörter haben offenbar ganz verschiedene Funktionen im Satz und
die- se Funktionen erscheinen uns ausgedrückt in den Regeln,
die von den Wörtern gelten.
Wie in einem Stellwerk mi
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Wie in einem Stellwerk mit Handgriffen die verschiedensten Dinge
ausge- führt werden, so mit den Wörtern der Sprache, die Handgriffen
entsprechen.
Ein Handgriff ist der einer Kurbel und diese kann kontinuierlich
verstellt werden; einer gehört zu einem Schalter und kann nur entweder
umgelegt oder aufgestellt werden; ein dritter gehört zu einem Schalter,
der drei oder mehr Stellungen zulässt; ein vierter
ist der Handgriff einer Pumpe und wirkt nur, wenn
solange er auf- und abbewegt wird;
etc.: aber alle sind Handgriffe, werden mit der
Hand angefasst.
⇆
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Vergleich der verschiedenen Arten von Linien // der Linien mit verschie- denen Funktionen// auf der
Landkarte mit den Wortarten im Satz.
Der Unbe-
29 lehrte sieht eine Menge Linien und
weiss nicht, dass sie sehr
verschiedene Bedeutungen haben.
Denken wir uns den Plan [w|e]ines Weges gezeichnet und
mit einem Strich durchstrichen, der anzeigen soll,
dass dieser Plan nicht auszuführen ist
// dass dieser Weg nicht zu gehen
ist//.
Auf dem Plan sind viele Striche gezogen, aber der, der ihn
durchstreicht, hat eine gänzlich andere Funktion a[a|l]s die
anderen.
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Der Unterschied der Wortarten ist wie der Unterschied der Spielfiguren,
oder, wie der noch grössere, einer Spielfigur und des
Schachbrettes.
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30
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8
Bedeutung, der Ort des Wortes im grammatischen Raum.
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W[o|i]r können in der alten
Ausdrucksweise sagen: das Wesentliche am Wort ist
seine Bedeutung.
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Wir sagen: das Wesentliche am
Wort ist seine Bedeutung; wir können da[¿x¿|s] Wort
durch ein anderes ersetzen, das die gleiche Bedeutung hat
.
Damit ist gleichsam ein Platz für das Wort fixiert und man
kann ein Wort für das an- dere setzen, wenn man es an den gleichen
Platz setzt.
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⇆
Wenn ich micht entschlösse (in meinen Gedanken)
statt “rot” ein neues Wort zu sagen, wie würde es sich
zeigen, dass dieses an dem Platze des Wortes
“rot” steht?
Wodurch ist die Stelle // der Platz //
eines Wortes bestimmt?
Angenommen etwa, ich wollte auf einmal alle Wörter meiner Spra- che
durchandere ersetzen, wie
könnte ich wissen, welches Wort an der Stelle
eines früheren steht.
Sind es die Vorstellungen, die den Platz des Wortes halten?
So dass an einer Vorstellung quasi ein Haken ist,
— und hänge ich an den ein Wort, so ist ihm damit
dadurch der Platz an- gewiesen?
Oder: Wenn ich mir den Platz merke, was merke ich mir
da?
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Man könnte
z.B. ausmachen, im Deutschen statt
“nicht” immer
“
” zu setzen und dafür statt
“rot” “nicht”.
So dass das Wort “nicht” in der
31 Sprache bliebe und doch könnte man nun
sagen, dass
“
” so gebraucht wird,
wie früher “nicht”, und dass jetzt
“nicht” anders gebraucht wird als
früher.
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Der Ort eines Wortes in der
Grammatik ist seine
Bedeutung. ⇄
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Wäre es nicht ähnlich, wenn ich mich entschlösse, die Formen der
Schach- figuren zu ändern, oder etwa eine Figur, die wir jetzt
“Rössl” nennen wür- den, als Königsfigur
zu nehmen? // …oder etwa die Figur eines
Pferdchens als König zu nehmen? //
Wie würde es sich nun zeigen, dass das
hö[z|l]zerne Pferdchen Schachkönig ist?
Kann ich hier nicht sehr gut von einem Wechsel der Bedeutung
reden?
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Wir verstehen unter “Bedeutung des Namens” nicht
den Träger des Namens.
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Man kann sagen, dass die Worte “der Träger
des Namens ‘
N’” dieselbe
Be<d>eutung haben wie der Name
[“|‘]
N’ — also für
einander eingesetzt werden kön- nen.
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Aber heisst es nicht dasselbe, zu sagen
“zwei Namen haben einen Träger” und
“zwei Namen haben ein- und dieselbe
Bedeutung” ?
(Morgenstern, Abendstern,
Venus.)
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Wenn mit dem Satz “ ‘A’ und
‘B’ haben denselben Träger” gemeint
ist: “der Träger ‘A’” bedeutet dasselbe
wie “der Träger ‘B’ ”, so ist alles
in Ordnung, weil das dasselbe heisst wie
A =
B.
Ist aber mit dem Träger von ‘A’ etwa der Mensch
gemeint, von dem es sich feststellen lässt,
32 dass er auf den Namen
‘A’ getauft ist; oder der Mensch, der das
Täfelchen mit dem Namen ‘A’ um den Hals trägt;
etc., so ist es gar nicht gesagt,
dass ich mit ‘A’ diesen
Menschen meine, und dass die Namen, die den gleichen
Träger haben, dasselbe bedeuten.
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Aber zeigen wir nicht zur Erklärung der Bedeutung auf den Gegenstand,
den der Name vertritt?
Ja; aber dieser Gegenstand ist nicht ‘die Bedeutung’,
obwohl sie durch das Zeigen auf diesen Gegenstand bestimmt wird.
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Aber es bestimmt hier schon das richtige Verstehen des Wortes
‘Träger’ in dem besondern Fall (Farbe, Gestalt, Ton,
etc.) die Bedeutung bis auf
ei- ne letzte Bestimmung.
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Wenn ich sage “die Farbe dieses Gegenstands
heisst ‘violett’”, so
muss ich die Farbe mit den ersten Worten
“die Farbe dieses Gegenstands” schon be- nannt haben,
sie schon zur Taufe gehalten haben, damit der Akt der
Namenge- bung das sein kann, was er ist.
Denn ich könnte auch sagen “der Name dieser Farbe (der
Farbe dieses Dings) ist von Dir zu
bestimmen<”>”, und der den Namen
gibt, müsste nun schon wissen, wem er ihn gibt (an
welchen Platz der Spra- che er ihn
stellt[.|)].
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Ich könnte also so erklären, die Farbe dieses Flecks
heisst “rot”, die Form
“Kreis”.
Und hier stehen die Wörter “Farbe” und
“Form” für Anwendungsarten (gram- matische
Regeln) und sind // bezeichnen // in
Wirklichkeit Wortarten, wie “Eigenschaftswort”,
“Hauptwort”.
Man könnte sehr wohl in der (gewöhnlichen
) Grammatik neben diesen Wörtern die
Wörter “Farbwort”,
“Formwort”, “Klang- wort”
einführen.
(Aber auch
“Baumwort”, “Buchwort” ?)
33
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Der Name, den ich einem Körper gebe, einer Fläche, einem Ort, einer
Far- be, hat andere Grammatik.
“A” in “A ist
ge¿[bl|lb]¿” hat eine andere Grammatik, wenn
A der Name eines Körpers
wenn es der Name der
Fläche eines Körpers ist; ob nun
Satz “dieser
Körper ist gelb” sagt, dass die Oberfläche
des Körpers gelb ist, oder dass er durch und durch
gelb ist.
“Ich zeige auf A” hat verschiedene
Grammatik, je nachdem A ein Körper, eine Fläche, eine Farbe ist
etc..
Und so hat auch das hinweisende Fürwort “dieser”
andere Bedeutung (
d.h. Grammatik), wenn es sich
auf Hauptwörter verschiedener Grammatik
bez[e|i][i|e]ht //
… Hauptwörter mit verschiedener Gram- matik
bezieht.//
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9
⇐ Die Bedeutung eines Wortes ist das, was die
Erklärung der Bedeutung erklärt.
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Man sagt dem Kind: “nein, kein Stück Zucker
mehr!” und nimmt es ihm weg.
So lernt das Kind die Bedeutung des Wortes
‘kein’.
Hätte man ˇihm mit denselben Worten ein Stück Zucker gereicht, so
hätte es ge- lernt, das Wort anders zu verstehen.
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Veranlassen wir es dadurch nicht, Worten einen Sinn beizulegen, ohne
dass wir sie durch ein anderes Zeichen ersetzen,
also ohne diesen Sinn au[¿c¿|f] andere Weise
auszudrücken?
Veranlassen wir es nicht gleichsam, für sich etwas zu tun, dem kein
äusserer Ausdruck gegeben wird, oder wozu der
äussere Aus- druck nur im Verhältnis einer
Hindeutung steht?
Die Bedeutung liesse sich nicht aussprechen,
sondern nur auf sie von ferne hinweisen.
Sie liesse sich gleichsam nur verursachen.
Aber welchen Sinn hat es dann überhaupt, wenn wir von dieser Bedeutung
reden?
(Schlag und Schmerz)
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Gibt mir die Erklärung des Wortes die Bedeutung, oder verhilft sie mir
nur zur Bedeutung?
So dass also das Verständnis in der Erklärung nicht
nie- dergelegt wäre, sondern durch sie nur
äusserlich bewirkt, wie die Krankheit durch eine Speise.
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Das Problem äussert sich auch in der Frage:
Wie erweist sich ein
Miss- verständnis?
Denn das ist dasselbe wie das Problem: Wie zeigt es
sich, dass
35 ich richtig verstanden habe?
Und das ist: Wie kann ich die Bedeutung
erklä- ren?
Es fragt sich nun: Kann sich ein
Missverständnis darin äussern,
dass, was der Eine bejaht, der Andere
verneint?
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Nein, denn dies ist eine Meinungsverschiedenheit und kann als solche
auf- recht erhalten werden.
Bis wir annehmen , der Andere habe Recht….
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Wenn ich also, um das Wort “lila” zu erklären, auf einen
Fleck zeigend sage “dieser Fleck ist lila”, kann diese
Erklärung dann auf zwei Arten funk- tionieren? einerseits als
Definition, die den Fleck als Zeichen gebraucht, anderseits als
Erläuterung?
Und wie das letztere?
Ich müsste annehmen, dass der
Andere die Wahrheit sagt und dasselbe sieht, was ich sehe.
Der Fall, der wirklich vorkommt, ist etwa folgender: A
erzählt dem B in meiner Gegenwart, dass ein
bestimmter Gegenstand lila ist.
Ich höre das, habe den Gegenstand auch gesehen und denke mir:
“jetzt weiss ich doch, was
‘lila’ heisst”.
Das heisst, ich habe aus jenen Sätzen
// jener Beschreibung // eine
Worterklä- rung gezogen.
Ich könnte sagen: Wenn das, was A dem B erzählt,
[wa|di]e Wahrheit ist, so muss das Wort
“[L|l]ila”
diese Bedeutung haben.
Ich kann diese Bedeutung also auch quasi hypothetisch annehmen und
sagen: wenn ich das Wort so verstehe, hat A
Recht.
⇄
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Man sagt: “Ja, wenn das Wort das
bedeutet, so ist der Satz wahr”.
⇄
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Nehmen wir an, die Erklärung der Bedeutung war nur eine
Andeutung: konn- te man nicht sagen: Ja,
wenn diese Andeutung so verstanden wird, dann gibt das Wort
in dieser Verbindung einen wahren Satz
etc..
Aber dann muss ¿nun¿ nun
dieses “so” ausgedrückt sein.
36
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Die Erklärung eines Zeichens
muss
jede Meinungsverschiedenheit
in Bezug auf seine Bedeutung beseitigen können.
Und ist dann noch eine Frage nach der Bedeutung zu entscheiden?
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Missverständnis nenne ich das, was durch eine
Erklärung zu beseitigen ist.
Die Erklärung der Bedeutung eines Wortes schliesst
Missverständnisse aus.
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Das sind Missverständnisse
“Ist das eine Orange? ich dachte
das sei eine”.
“Ist das
rot? ich dachte, das sei ein
Sessel”?
kann man sich nicht einbilden (wenn man
nicht deutsch ver- steht<)>
“rot” heisse laut)
( werde so gebraucht, wie tatsächlich
das Wort “laut” gebraucht
wird).
Wie wäre die Aufklärung dieses
Missver- ständnisses?
Etwa so: “rot ist
Farbe, keine
Tonstärke” —
Eine solche Erklärung könnte man natürlich geben, aber sie wäre nur dem
verständlich, der sich bereits in der Grammatik
auskennt.
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Der Satz “ist das rot? ich dachte, das sei ein
Sessel” hat nur Sinn, wenn das Wort “das”
beide Male im gleichen Sinn gebraucht wird und dann
muss ich entweder “rot” als
Substantiv, oder “ein Sessel” als Adjektiv
auffassen.
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Die Aufklärung kann nur verstanden werden, wenn sie in einer
Sprache gegeben wird, die unabhängig von dem
Missverständnis besteht.
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Ist es denn nicht denkbar, dass ein grammatisches
System in der Wirk- lichkeit zwei (oder mehr) Anwendungen
hat?
Ja, aber wenn wir das überhaupt sagen können, so müssen wir die beiden
37 Anwendungen auch durch eine Beschreibung
unterscheiden können.
⇄
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Zu sagen, ˇdass das Wort
“rot” mit allen Vorschriften, die von ihm gelten, das
bedeuten könnte, was tatsächlich das Wort “blau” bedeutet;
dass al[¿z¿|s]o durch diese
Regeln die Bedeutung nicht fixiert ist, hat nur einen Sinn, wenn ich die
beiden Möglichkeiten der Bedeutung ausdrücken kann und dann sagen, welche
die von mir bestimmte ist.
(Diese letztere Aussage ist aber eben die Regel, die vorher
zur Eindeu- tigkeit gefehlt hat.) ⇄
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Die Grammatik erklärt die Bedeutung der Wörter, soweit sie zu erklären
ist.
Und zu erklären ist sie soweit, als nach ihr gefragt werden kann; und
nach ihr fragen kann man soweit, als sie zu erklären ist.
Die Bedeutung ist das, was wir in der Erklärung der Bedeutung eines
Wortes erklären.
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⇐“Das, was
ein
cm3 Wasser
wiegt, hat man ‘l Gramm’
genannt” —
“Ja, was wiegt er denn?”
(Bedeutung eines
Wortes).
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10
“Die Bedeutung eines Zeichens ist durch seine Wirkung (die
Assoziationen, die es auslöst,
etc.)
gegeben.”
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Wenn ich sage, das Symbol ist das, was diesen Effekt hervorruft, so
fragt es sich eben, wie ich von diesem Effekt reden kann, wenn er gar
nicht da ist.
Und wie ich weiss, dass es
der ist, den ich gemeint habe , wenn er eintritt
// kommt //.
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Es ist darum keine Erklärung, zu sagen: sehr einfach, wir
vergleichen die Tatsache mit unserem Erinnerungsbild, —
weil vergleichen eine bestimm- te Vergleichsmethode voraussetzt,
die nicht gegeben ist.
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Wie soll er wissen, welche Farbe er zu wählen hat, wenn er das Wort
“rot” hört? —
Sehr einfach: er soll die Farbe nehmen, deren Bild ihm beim Hören
des Wortes einfällt. —
Aber wie soll er wissen, was die “Farbe” ist,
“deren Bild ihm einfällt”?
Braucht es dafür ein weiteres Kriterium?
u.s.f..
Es gibt auch ein
Spiel: die Farbe wählen, die einem beim Wort
“rot” einfällt.
|
| |
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|
(Die psychologischen — trivialen — Erörterungen über
Erwartung, Assozia- tion,
etc. lassen immer das
eigentlich Merkwürdige aus und man merkt ihnen an,
dass sie herumreden, ohne den springenden Punkt zu
berühren.)
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Wenn ich Worte wählen kann, dass sie der Tatsache
— in irgend einem Sin-
39 ne — passen, dann muss ich also schon
vorher einen Begriff dieses Passens gehabt haben.
Und nun fängt das Problem von Neuem an, denn, wie
weiss ich, dass dieser
Sachverhalt dem Begriff vom ‘Passen’ entspricht.
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Aber warum beschreibe ich dann die Tatsache gerade
so ?
Was liess Dich diese Worte
sagen?
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Und wenn ich nun sagen würde: “alles was geschieht, ist
eben, dass ich auf diese Gegenstände sehe und dann
diese Worte gebrauche,” so wäre die Ant- wort:
“also besteht das Beschreiben in weiter nichts? und ist es
immer ei- ne Beschreibung, wenn Einer…?”
Und darauf müsste ich sagen:
“Nein.
Nur kann ich den Vorgang nicht anders, oder doch nicht mit einer andern
Multiplizität beschreiben, als, indem ich sage: ‘ich
beschreibe, was ich sehe’; und darum ist keine
Erklärung mehr möglich, weil mein Satz bereits die richtige Multiplizität
hat.”
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Ich könnte fragen: Warum verlangst Du
Erklärungen?
Wenn diese gegeben sein werden // würden
//, wirst Du ja doch wieder vor einem Ende stehen.
Sie können Dich nicht weiter führen, als Du jetzt bist.
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In welchem Sinne sagt man, man kennt die Bedeutung des Wortes A,
noch ehe man den Befehl, in dem es vorkommt, befolgt hat?
Und inwiefern kann man sagen, man hat die Bedeutung durch die Befolgung
des Befehls kennenge- lernt?
Können die beiden Bedeutungen miteinander in Widerspruch stehen?
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Ich wünsche einen Apfel zu
be[j|k]ommen.
In welchem Sinne kann ich sagen, dass ich noch vor
der Erfüllung des Wunsches die Bedeutung des Wortes
“Ap- fel” kenne?
Wie äusser[¿s¿|t] sich denn die
Kenntnis der Bedeutung?
d.h., was versteht
man denn unter ihr.
Offenbar wird das Verständnis des Wortes durch eine Worterklärung
gege-
40 ben, welche nicht die Erfüllung des
Wunsches ist.
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Die Bedeutung ist eine Festsetzung, nicht Erfahrung.
Und damit nicht Kausalität.
Was das Zeichen suggeriert, findet man durch Erfahrung.
Es ist die Erfahrung, die uns lehrt, welche Zeichen am seltensten
missverstanden werden.
Das Zeichen, soweit es suggeriert, also soweit es wirkt,
interes- siert uns nicht.
Es interessiert uns nur als Zug in einem Spiel: Glied
in einem System, das selbständig ist. //
Glied in einem System; das seine Be- deutung in sich selbst
hat.// Glied in einem System, das
selbstbedeutend ist; das seine Bedeutung in sich selbst
hat.//
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Unsere Weise von den Wörtern zu reden, können wir durch das beleuchten,
was Sokrates im
“Kratylos”
sagt.
Kratylos: “Bei weitem und ohne Frage
ist es vorzüglicher, Sokrates, durch ein Aehnliches
darzustellen, was jemand darstellen will, als durch das erste
beste.” — Sokrates: “Wohl
gesprochen, …”.
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einen Satz
mit roter Farbe drucken lassen zu müssen,
da ers erst so ganz das ausdrücke, was der Autor sagen
will.
(Hier hätten wir die magische Auffassung der Zeichen statt der
logischen.)
(Das magische Zeichen würde wirken wie eine Droge, und für sie wäre
die kausale Theorie richtig.) ⇄
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Die Untersuchung, ob die Bedeutung eines Zeichens seine Wirkung ist,
ist eine grammatische Untersuchung.
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Ich glaube, auf die kausale Theorie der Bedeutung kann man einfach
ant- worten, dass wir, wenn Einer einen
Stoss erhält und umfällt, das Umfallen
41 nicht die Bedeutung des
Stosses nennen
nennen .
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Die Verwendung eines Plans ist eine
Uebersetzung in unsere Handlungen.
Eine Uebertragung in unsere
Handlungen.
Es ist klar, dass da kausale
Zu- sammenhänge gesehen werden, aber
eswäre komisch, die als das
Wesen eines Planes auszugeben.
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Der Sinn der Sprache ist nicht durch
bestimmt.
Oder: Was man den Sinn, die Bedeutung, in der Sprache
nennt, ist nicht ihr
.
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Es ist wirklich “the meaning of meaning” was
wir untersuchen: Nämlich //
[o|O]der
// die Grammatik des Wortes
“Bedeutung”.
42
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11
Bedeutung als Gefühl, hinter dem Wort stehend; durch eine Geste
ausgedrückt.
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Jeder<,> Beistrich der einen Satz liest und
versteht, sieht die Worte // die verschiedenen
Wortarten// in verschiedener Weise, obwohl sich ihr Bild
und Klang der Art
nach nicht unterscheidet.
Wir vergessen ganz, dass ‘nicht’
und ‘Tisch’ und ‘grün’ als Laute oder
Schriftbilder betrachtet sich nicht wesentlich voneinander unterscheiden
und sehen es nur klar in einer uns fremden Sprache.
(James.)
⇄
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Das “Nicht” macht eine abwehrende
// verneinende// Geste.
Nein, es ist eine abwehrende Geste.
“Das Verstehen der Verneinung ist dasselbe, wie das Verstehen
einer ab- wehrenden Geste.”
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Gefragt, was ich mit “und” im Satze “gib mir
das Brot und die But- ter” meine, würde ich mit
einer Gebärde antworten, und diese Gebärde würde die Bedeutung
// würde, was ich meine// illustrieren.
Wie das grüne Täfel- chen “grün” illustriert und
wie die W-F-Notation “und”,
“nicht”,
etc. illu- striert.
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12
Man tritt mit der hinweisenden Erklärung der Zeichen nicht aus der
Sprach- lehre heraus.
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Zur Grammatik gehört nur das nicht, was die Wahrheit und Falschheit
eines Satzes ausmacht.
Nur darum kümmert sich die Grammatik nicht.
Zu ihr gehören alle Bedingungen des Vergleichs des Satzes mit der
Wirklichkeit // mit den Tatsachen
//.
Das heisst, alle Bedingungen des
Verständnisses.
(Alle Bedin- gungen des Sinnes.)
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Die Anwendung der Sprache geht über diese hinaus,
aber nicht die Deutung der Schrift-
und oder Lautzeichen. Die Deutung
vollzieht sich noch im Allge- meinen, als Vorbereitung auf jede
Anwendung.
Sie geht in der Sprach- lehre vor sich und nicht im
Gebrauch der Sprache.
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Soweit die Bedeutung der Wörter in der Tatsache (Handlung)
zum Vorschein kommt, kommt sie
in der
Beschreibung der Tatsache zum Vorschein.
(Sie wird also ganz in der Sprachlehre bestimmt.)
(In dem, was sich hat voraussehen lassen; worüber man schon vor dem
Ein- treffen der Tatsache reden konnte.)
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Ist nicht der Grund, warum wir glauben, mit der hinweisende Erklärung
44 das Gebiet der
Sprache, des Zeichensystems, zu verlassen, dass wir
dieses Heraustreten aus den Schriftzeichen mit einer
Anwendung der Sprache, etwa einer Beschreibung dessen,
was wir sehen
, verwechseln.
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Man könnte fragen wollen: Ist es denn aber ein Zufall,
dass ich zur Er- klärung
vo Zeichen, also zur
Ver[f|v]ollständigung des Zeichensystems aus
de
Schrift- oder Lautzeichen heraustreten
muss?
Trete ich damit nicht eben in das Gebiet, in dem //
worin// sich dann das zu Beschreibende //
das Beschriebene//
absp[¿e¿|i]elt?
Aber dann ist // erscheint // es seltsam,
dass ich überhaupt mit dem
Schriftzeichen etwas anfangen
kann.
—
Man fasst es etwa so auf,
dass die
Schriftzeichen bloss die Vertreter jener Dinge sind,
auf die man zeigt. —
Aber wie seltsam, dass so eine Vertretung möglich
ist.
Und es wäre nun das Wichtigste, zu verstehen, wie denn Schriftzeichen
die andern Dinge vertreten können .
Welche Eigenschaft müssen sie haben, die sie zu dieser
[B|V]ertretung befä- higt.
Denn ich kann nicht sagen: statt Milch trinke ich Wasser und esse
statt Brot Holz, indem ich das Wasser die Milch und Holz das Brot
vertre- ten lasse.
(Erinnert an Frege.)
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Ich kann nun freilich doch sagen, dass das
Definiendum das Definiens vertr[¿e¿|i]tt; und hier
steht dieses hinter jenem, wie die Wählerschaft hinter ihrem
Vertreter.
Und in diesem Sinne kann</>man
auch sagen, dass das in der hinweisenden Definition
erklärte Zeichen den Hinweis vertreten kann, da man ja diesen wirklich in
einer Gebärdensprache für jenes setzen könnte.
Aber doch handelt es sich hier um eine Vertretung im Sinne einer
Defini- tion, denn die Gebärdensprache ˇist
// bleibt // eine Sprache.
Ich möchte sagen: Von einem Befehl in der Gebärdensprache zu
seiner Befolgung ist es ebenso weit, wie von diesem Befehl in der
Wortsprache.
Denn auch die hinweisenden Erklärungen müssen ein für allemal gegeben
werden.
45 werden.
D.h., auch sie gehören zu dem Grundstock von
Erklärungen, die den Kal- kül vorbereiten, und nicht zu seiner
Anwendung ad hoc.
46
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13
⇐“Primäre und sekundäre Zeichen”.
Wort und Muster.
Hinweisende Definition.
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Der falsche Ton in der Frage, ob es nicht primäre Zeichen
(hinweisende Gesten) geben müsse , während
unsre Sprache auch
ohne die andern, die Worte, aus[l|k]ommen könnte, liegt darin,
dass man eine Erklärung der
bestehenden Sprache zu erhalten erwartet, statt der
blossen
Beschreibung.
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Nicht die Farbe Rot tritt an Stelle des Wortes “rot”,
sondern die Ge- bärde, die auf einen roten Gegenstand
hinweist, oder das rote Täfelchen.
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Nun sage ich aber: “Es gilt mit Recht als ein
Kriterium des Verstehens // Verständnisses // des
Wortes “rot”, dass Einer einen roten
Gegenstand auf Befehl aus anders gefärbten herausgreifen kann; dagegen
ist das richti- ge Uebersetzen des Wortes
“rot” ins Englische oder
Französische kein Be- weis des Verstehens. Darum
ist das rote Täfelchen ein primäres Zeichen für “rot”,
dagegen jedes Wort ein sekundäres // abgeleitetes //
Zeichen.” ((Aber das zeigt nur, was ich mit dem
“Verstehen des Wortes rot” meine.
Und was heisst “es gilt mit
Recht …”?
Heisst es: Wenn ein Mensch einen roten
Gegenstand auf Befehl
etc.
etc., dann hat er
erfahrungsgemäss
47 auch das Wort ‘rot’
verstanden.
Wie man sagen kann, gewisse Schmerzen gel- ten mit Recht als Symptom
dieser und dieser Krankheit?
So ist es natürlich nicht gemeint.
Also soll es wohl heissen, dass
die Fähigkeit, rote Gegen- stände herauszugreifen, der
spezifische Test dessen ist, was wir
Verständ- nis des Wortes ‘rot’ nennen.
Dann bestimmt diese Angabe also, was wir
un- ter mit diesem Verständnis
meinen.
Aber dann fragt es sich noch: wenn wir das
Uebersetzen ins Englische
etc. als
Kriterium ansähen, wäre es nicht auch das Kriterium von dem, was wir ein
Verständnis des Wortes nennen?
Es gibt nun den Fall, in welchem wir sagen: ich
weiss nicht, was das Wort
‘rot’
//‘rouge’// bedeutet,
ich weiss nur, dass es das Gleiche
bedeutet, wie das Englische ‘red’.
So ist es, wenn ich die beiden Wörter in einem Wörterbuch auf der
gleichen Zeile gesehen habe, und dies ist die Verifikation des Satzes und
sein Sinn.
Wenn ich denn sage “ich weiss nicht, was das
Wort ‘rot’
//‘rouge’//
bedeutet”, so bezieht sich dieser Satz auf eine Möglich- keit
der Erklärung die[¿w¿|s]er Bedeutung und ich könnte, wenn
gefragt “wie stellst Du Dir denn vor, dass
Du erfahren könntest, was das Wort bedeutet”, Beispiele solcher
Erklärungen geben (die die Bedeutung des Wortes
“Bedeu- tung” beleuchten würden).
Diese Beispiele wären dann entweder der Art, dass
statt des unverstandenen Worts ein verstandenes — etwa das deutsche
— ge¿[w|s]¿etzt würde, oder,
dass die Erklärung von der Art wäre
“ diese (hinweisend) Farbe
heisst ‘violett’”.
Im ersten Falle wäre es für mich ein Kriterium dafür,
dass er das Wort ‘rouge’
versteht, <:> dass er
sagt, es entspreche dem deutschen ‘rot’.
“Ja”, wird man sagen, “aber nur, weil Du
schon weisst, was das deutsche ‘rot’
bedeutet”. —
Aber das bezieht sich ja ebenso auf die hinweisende Definition.
Das Hinweisen auf das rote Täfel- chen
ist</>auch nur darum
// dann// ein Zeichen des
Verständnisses, weil //wenn //
vorausgesetzt wird, dass er die Bedeutung
dieses Zei- chens versteht //
kennt//, was etwa soviel heisst, als
dass er das Zeichen auf bestimmte Weise
verwendet. —
Es gibt also wohl // allerdings//
den
48 Fall, wo Einer sagt “ich
weiss, dass dieses Wort dasselbe
bedeutet, wie je- nes, weiss aber nicht, was es
bedeutet (sie bedeuten)”.
Willst Du den er- sten Teil dieses Satzes verstehen, so frage
Dich: “wie konnte er es wis- sen?”
— willst Du den zweiten Teil verstehen, so frage: “wie
kann er er- fahren, was das Wort bedeutet?” —
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Welches ist denn das Kriterium unseres Verständnisses: das
Aufzeigen des roten Täfelchens, wenn gefragt wurde “welches von
diesen Täfelchen ist rot”, — oder, das Wiederholen der
hinweisenden Definition “ das ist
‘rot’”?
Die Lösung be[k|i]der Aufgaben betrachten wir als Zeichen des
Verständnis- ses.
Hören wir jemand das Wort ‘rot’ gebrauchen und zweifeln
daran, dass er es versteht, so können wir ihn zur
Prüfung fragen “welche Farbe nennen wir ‘rot’”.
Anderseits: “wenn wir jemandem die hinweisende
Erklärung gege- ben hätten und nun
sehen wollten, ob er
richtig verstanden hat, würden wir nicht
von ihm verlangen, dass er sie wiederholt,
sondern wir gäben ihm etwa die Aufgabe, aus einer Anzahl
von Dingen die roten herauszusuchen.
In jeden Fall ist das, was wir “Verständnis” nennen,
eben dadurch // durch das// bestimmt, was
wir als Probe des Verständnisses ansehen (durch die Aufgaben bestimmt,
die wir zur Prüfung des Verständnisses stellen).
))
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⇆
Wie ist es, wenn ich eine Bezeichnungsweise festsetze; wenn ich
z.B. für den eigenen Gebrauch gewissen Farbtönen
Namen geben will.
Ich werde das etwa mittels einer Tabelle tun (es kommt immer auf
derlei hinaus).
Und nun werde ich doch nicht den Namen zur falschen Farbe schreiben
(zu der Farbe der ich ihn nicht geben will).
Aber warum nicht?
Warum soll nicht ‘rot’ gegenüber dem grünen Täfelchen
stehen und ‘grün’ gegenüber dem roten,
etc.? —
Ja, aber dann müssen wir doch wenigstens wissen, dass
‘rot’ nicht das ge-
49 genüberliegende Täfelchen meint.
—
Aber was heisst es “das wissen”,
aus- ser, dass wir uns etwa
neben der geschriebenen Tabelle noch eine andere vorstellen, in der die
Ordnung richtiggestellt ist. —
“Ja aber dieses Täfelchen ist doch
r[p|o]t, und nicht dieses !”
—
Gewiss; und das ändert sich ja auch nicht, wie
immer ich die Täfelchen und Wörter setze; und es wäre natürlich falsch,
auf das grüne Täfelchen zu zeigen und zu sagen “die- ses ist
rot”.
Aber das ist auch keine Definition, sondern eine Aussage. —
Gut, dann nimmt aber doch unter allen möglichen Anordnungen die
gewöhnli- che (in der das rote Täfelchen dem Wort
‘rot’ gegenübersteht) einen ganz besonderen Platz
ein.—
((Da gibt es jedenfalls zwei verschiedene
[¿D¿|F]älle: Es kann die Tabelle mit grün
gegenüber ‘rot’
etc. so gebraucht werden,
wie wir die Tabelle in der gewöhnlichen Anordnung gewöhnlich
gebrauchen.
Wir würden also etwa dem, den, der sie
gebraucht, von dem Wort ‘rot’ nicht auf das
gegenüberliegende Täfelchen blicken sehen, sondern auf das rote, das
schräg darunter steht (aber wir müssten auch diesen
Blick nicht sehen) und finden, dass er dann statt
des Wortes ‘rot’ in einen Ausdruck das rote
Tä- felchen einsetzt.
Wir würden dann sagen, die Tabelle sei nur anders ange- ordnet
(nach einem andern räumlichen Schema), aber sie verbinde die
Zei- chen, wie die gewohnte. —
Es könnte aber auch sein, dass der, welcher die
Tabelle benützt, von der einen Seite horizontal zur andern blickt und nun
in irgend welchen Sätzen das Wort ‘rot’ durch ein grünes
Täfelchen ersetzt; aber nicht etwa auf den Befehl “gib mir das
rote Buch” ein grünes bringt, sondern ganz richtig das rote
(
d.h. das, welches auch wir ‘rot’
nennen).
Dieser hat nun die Tabelle anders benützt, als der Erste, aber
[¿c¿|d]och so, dass ‘rot’ die gleiche Bedeutung für ihn hatte, wie
für uns.
(Zu einer Ta- belle gehört übrigens wesentlich die
Tätigkeit des Nachschauens
Aufsuchens in der Ta- belle.)
Es ist nun der zweite Fall, welcher
uns interessiert und die Frage ist: kann ein
grünes Täfelchen als Muster der roten Farbe
dienen?
Und da ist es klar, dass dies (in
einem Sinn) nicht möglich
50 ist.
Ich kann mir eine Abmachung denken, wonach Einer, dem ich eine grüne
Tafel zeige und sage, male mir diese Farbe, mir ein Rot malt; wenn ich
das- selbe sage und zeige ihm blau, so hat er gelb zu malen
u.s.w., immer die komplementäre Farbe; und
daher kann ich mir auch denken, dass Einer meinen
Befehl auch ohne eine vorhergehende Abmachung so deutet.
Ich kann mir fer- ner denken, dass die Abmachung
gelautet hätte “auf den Befehl ‘male mir diese
Farbe’, male immer eine gelblichere, als ich Dir zeige”;
und wieder kann ich mir die Deutung auch ohne Verabredung denken.
Aber kann man sagen, dass einer ein rotes
Täfelchen genau kopiert, indem er einen bestimmten Ton von grün (oder
ein anderes Rot alsd das des Täfelchens) malt und zwar so, wie
er eine gezeichnete Figur, nach verschiedenen Projektionsmethoden,
ver- schieden und genau kopieren kann? —
Ist also hier der Vergleich zwischen Farben und Gestalten richtig, und
kann ein grünes Täfelchen einerseits als der Name einer bestimmten
Schattierung von rot stehen und anderseits als ein Muster dieses
Tones? wie ein Kreis als der Name einer bestimmten
Elipse verwendet werden kann, aber auch als ihr Muster.
—
Kann man also dort wie hier von verschiedenen Projektionsmethoden
sprechen, oder gibt es für das Kopieren einer Farbe nur eine
solche: das Malen der gleichen Farbe?
Wir meinen diese Frage so, dass sie nicht dadurch
verneint wird, dass uns die Möglichkeit gezeigt
wird, mittels eines be[w|s]timmten Farbenkreises und der
Festsetzung eines Winkels von einem Farbton auf irgend einen andern
über- zugehn.
Das, glaube ich, zeigt nun, in wiefern das rote Täfelchen gegenüber dem
Wort ‘rot’ in einem andern Fall ist, als das
grüne.
Uebrigens bezieht sich, was wir hier für die
Farben gesagt haben, auch auf die Formen von Fi- guren, wenn das
Kopieren ein Kopieren nach dem Augenmass und nicht
eines mittels Messinstrumenten ist. —
Denken wir uns nun aber doch einen Menschen, der vorgäbe “er
könne die Schattierungen von Rot in Grün kopieren” und auch
wirklich beim Anblick des roten Täfelchens mit allen
(äusseren) Zeichen des genauen
Kopierens einen grünen Ton mischte und so fort bei allen ihm
gezeig-
51 ten roten Tönen.
der der auf die gleiche Weise (auch durch
genaues Hinhorchen) Farben nach Violintönen mischte.
Wir würden in dem Fall sagen:
“Ich weiss nicht, wie er
es macht”; aber nicht in dem Sinne, als verstünden wir nicht die
verborgenen Vorgänge in seinem Gehirn oder seinen Muskeln, sondern, wir
verstehen nicht, was es heisst “dieser
Farbton sei eine Kopie dieses Violintones”.
Es sei denn, dass damit nur gemeint ist,
dass ein bestimmter Mensch
erfahrungsge- mäss einen bestimmten Farbton mit
einem bestimmten Klag a Klang assoziiert
(ihn zu sehen behauptet, malt,
etc.).
Der Unterschied zwischen dieser Asso- ziation und dem Kopieren, auch
wenn ich selbst beide Verfahren kenne, be- steht darin
// zeigt sich darin //, dass
es für die assoziierte Gestalt kei- nen Sinn hat, von
Projektionsmethoden zu reden, und dass ich von dem
assozi- ierten Farbton sagen kann “jetzt fällt mir bei dieser
Farbe (oder diesem Klang) diese Farbe ein, vor 5 Minuten war es
eine andere”.
Etc..
Wir könnten auch niemandem sagen “Du hast nicht richtig
assoziiert”, wohl aber “Du hast nicht richtig
kopiert”.
Und die Kopie einer Farbe — wie ich das Wort gebrau- che —
ist nur eine ; und es hat keinen Sinn, (hier) von
verschiedenen Projektionsmethoden zu reden.))
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Es ist die Frage: Wenn sich die Regel, das Muster stehe für
die Komple- mentärfarbe, ihrem Wesen nach nur auf die Farben (oder
Wörter) blau, rot, grün, gelb bezieht, ist sie dann nicht identisch
mit der, welche das grüne Zeichen als Wort für “rot”,
und umgekehrt,
etc. festsetzt?
Denn eine Regel // Allgemeinheit//,
die ihrem logischen Wesen nach einem logischen Produkt äquivalent ist,
ist nichts anderes, als dieses logische Produkt.
(Denn man kann nicht sagen: hier ist das grüne Zeichen; nun
hole mir ein Ding von der komplementären Farbe, welche immer das
sein mag .
D.h., “die komplimentäre Farbe von
rot” ist keine Beschreibung von grün; wie “das Produkt
von 2 und 2” keine Beschreibung von 4<.>)
Die Bestimmung, die Komplemen-
52 tärfarbe zu nehmen, als
Bedeutung des Täfelchens zu nehmen, ist dann wie ein Querstrich in
einer Tabelle; ein Querstrich in der Grammatik der Far- ben
gezogen.
Es ist klar, dass ich mit Hilfe einer solchen
Regel eine Tabelle herstellen //
konstruieren// kann, ohne noch aus der Grammatik
herauszutreten, also von vor jeder
An- wendung der Sprache.
Anders wäre es, wenn die Regel (R)
hiesse: das Täfel- chen bedeutet immer einen
etwas dunkleren Farbton, als sein eigener // der
seine// ist.
Man muss nur wieder auf den verschiedenen Sinn der
Farb- und der Gestaltprojektion achten (und
bei der letzteren wieder auf den Unter- schied der Abbildung nach
visuellen Kriterien von und der
Uebertragung mit
Mess- instrumenten).
Das kopieren nach der Regel R ist ‘kopieren’ in
einem andern Sinne als dem, in welchem das Hervorbringen des gleichen
Farbtons so genannt wird.
Es handelt sich also nicht um zwei Projektionsmethoden, vergleichbar
etwa der Parallel- und der Zentralprojektion,
durch die ich eine geometri- sche Figur mit Zirkel und Lineal in eine
andere projizieren kann.
(Die Me- trik der Farbtöne.)
Wenn ich das berücksichtige, so kann ich also in dem veränderten Sinn
des Wortes “Muster” (der dem veränderten Sinn des Worts
“kopieren” ent- spricht), das hellere
Täfelchen zum Muster des dunkleren Gegenstandes
neh- men. ⇄
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Könnten wir nicht zur hinweisenden Erklärung von
‘rot’ ebensowohl auf ein grünes, wie auf ein rotes
Täfelchen zeigen? denn, wenn diese Definition nur ein Zeichen
statt des andern setzt, so sollte dies doch aufs gleiche
hinauslaufen // keinen Unterschied
machen//. —
Wenn die Erklärung nur ein Wort für ein andres setzt, ist es auch
gleichgültig // so macht esa auch
keinen//.
Bringt aber die Erklärung das Wort mit einem Muster in
Zusammen- hang, so ist es nun nicht unwesentlich, mit welchem Täfelchen
das Zeichen verbunden wird (denke auch wieder daran,
dass eine Farbe der andern nicht
53 im gleichen Sinn zum Muster dienen kann, wie
ihr selbst).
“Aber dann gibt es also willkürliche Zeichen und solche, die
nicht willkürlich sind!” —
Aber denken wir nur an die Verständigung durch Landkarten, Zeichnungen,
und Sätze anderseits: die Sätze sind so wenig willkürlich, wie die
Zeichnungen,.
Aber die Worte sind willkürlich.
(Vergleiche die Abbildung / = o , — =
x.)
Wird denn aber ein Wort eigentlich als Wort gebraucht, wenn ich es nur
in Verbindung mit einer Tabelle gebrauche, die den
Uebergang zu Mustern macht?
Ist es also nicht falsch, zu sagen, ein Satz sei ein Bild, wenn ich doch
nur ein Bild nach ihm und der Tabelle zusammenstelle?
Aber so ist also doch der Satz und die Tabelle zusammen ein
Bild.
Also zwar nicht adbcb allein, aber dieses Zeichen zusammen mit
Aber es ist offenbar, dass auch adbcb ein Bild
von  genannt werden
kann.
Ja aber, ist nicht doch das Zeichen adbcb ein willkürlicheres
Bild von  als dieses Zeichen von
der Ausführung der Bewegung?
Etwas ist auch an dieser Uebertragung willkürlich
(die Projektionsmethode) und wie sollte ich bestim- men, was
willkürlicher ist.
Ich vergleiche also die Festsetzung der Wortbedeutung durch die
hinweisen- de Definition, der Festsetzung einer Projektionsmethode zur
Abbildung räum- licher Gebilde.
Dies ist freilich
nicht mehr als
wie ein Vergleich.
Ein ganz gu- ter Vergleich, aber er enthebt uns nicht der
Untersuchung des Funktionierens der Worte,
?—getrennt von dem Fall der räumlichen
Projektion—?.
Wir können aller- dings sagen —
d.h. es
entspr[o|i]cht ganz dem Sprachgebrauch — ,
dass wir uns durch Zeichen verständigen, ob wir
Wörter oder Muster gebrauchen; aber das Muster ist kein Wort, und das
Spiel, sich nach Worten zu richten, ein ande- res als das, sich nach
Mustern (zu?) richten.
(Wörters sind der Sprache nicht
wesentlich.)
Kann man aber vielleicht sagen, dass Muster ihr
wesentlich wä-
54 ren?
(Muster sind der Benützung //dem
Gebrauch// von Mustern wesentlich, Worte, der
Benützung // dem Gebrauch// von
Worten.)
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?—Vergiss hier auch
nicht, dass die Wortsprache nur eine
unter vielen möglichen Sprachen ist—? und es
Uebergänge von ihr in die andern gibt.
Unter- suche die Landkarte darauf auf das hin, was
in ihr dem Ausdruck der Wortsprache ent- spricht.
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‘Primär’ müsste eigentlich
heissen:
unmissverständlich.
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Es klingt wie eine lächerliche Selbstverständlichkeit, wenn ich sage,
dass der, welcher glaubt die Gebärden
// Gesten// seien die primären Zeichen, die allen
andern zu Grunde liegen, ausser Stande wäre, den
gewöhnlichsten Satz durch Gebärden zu ersetzen.
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Regeln der Grammatik, die eine “Verbindung zwischen Sprache
und Wirklich- keit” herstellen, und solche, die es nicht
tun.
Von der ersten Art etwa: “diese Farbe nenne ich
‘rot’ ”, — von der zweiten:
“non-non-p = p”.
Aber über diesen Unterschied besteht ein Irrtum: der Unterschied
scheint prinzi- pieller Art zu sein; und die Sprache
etwas, dem eine Struktur ge- geben, und
dann der Wirklichkeit
aufgepasst wird.
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“Ich will nicht verlangen, dass in der
erklärenden Tabelle das rote Tä- felchen horizontal
gegenüber dem Wort ‘rot’ stehen soll, aber irgend ein
Gesetz des Lesens der Tabelle muss es doch
geben.
Denn sonst verliert ja die Tabelle ihren Sinn”.
Ist es aber gesetzlos, wenn die Tabelle so
aufgefasst wird, wie die Pfeile andeuten?
“Aber muss dann nicht eben das Schema der
Pfeile vorher gegeben werden?”
Nur, sofern auch das Schema
55
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““Wird da aber dann nicht
wenigstens eine gewisse Regelmässigkeit im
Ge- brauch gefordert?!
Würde es angehen, wenn wir einmal eine Tabelle nach die- sem, einmal
nach jenem Schema zu gebrauchen hätten?
Wie soll man denn wissen , wie man diese Tabelle zu
gebrauchen hat?”” —
Ja, wie weiss man es denn
heute ?
Die Zeichenerklärungen haben doch irgend einmal //
irgendwo// ein Ende.
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Nun gebe ich aber natürlich zu, dass ich, ohne
vorhergehende Abmachung einer Chiffre, ein
Missverständnis hervorrufen würde, wenn ich, auf den
Punkt A zeigend, sagte, dieser Punkt heisst
[“|‘]B’.
Wie ich ja auch, wenn ich jemandem den Weg weisen will, mit dem Finger
in der Richtung weise, in der er gehen soll, und nicht in der
entgegengesetzten.
Aber auch ?—diese Art des
Zeigens—? könnte richtig verstanden
w[a|e]rden, und zwar ohne dass dieses
Verständ- nis das gegebene Zeichen durch ein weiteres
ergänzte.
Es liegt in der mensch- lichen Natur, das Zeigen mit dem Finger
so zu verstehen.
Und so ist die menschliche Gebärdensprache primär in einem
psychologischen Sinne.
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Ist das Zeigen mit dem Finger unserer Sprache wesentlich?
Es ist gewiss ein merkwürdiger Zug unserer
Sprache, dass wir Wörter hinweisend erklären:
das ist ein Baum, das ist ein Pferd, das ist grün,
etc..
(Ueberall auf der Erde
// bei den Menschen // finden sich Brettspiele,
die mit kleinen Klötz- chen auf Feldern gespielt werden.
Ueberall auf der Erde findet sich eine
Schrift // eine Zeichensprache //, die aus
geschriebenen Zeichen auf einer Fläche besteht.)
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Ich bestimme die Bedeutung eines Worts, indem ich es als Name eines
Ge- genstandes erkläre, und auch, indem ich es als gleichbedeutend mit
einem an- dern Wort erkläre.
Aber habe ich denn nicht gesagt, man könne ein Zeichen nur durch ein
anderes Zeichen erklären?
Und das ist gewiss so, sofern ja die
56 hinweisende Erklärung
“das (Pfeil) ist
N” ein Zeichen
ist.
Aber ferner bildet hier auch der Träger von
“
N”, auf den gezeigt wird, einen Teil des
Zeichens.
Denn:
/dieser (Pfeil) hat es getan/
= /
N hat es getan/
.
Dann heisst aber ‘
N’ der
Name von diesem Menschen, nicht vom Zeichen “die- ser
(Pfeil)”, von dem ein Teil auch dieser Mensch ist.
Und zwar spielt der Träger in dem Zeichen eine ganz besondere Rolle,
verschieden von der eines andern Teiles eines Zeichens.
(Eine Rolle, nicht ganz ungleich der des Mu- sters.)
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Die hinweisende Erklärung eines Namens ist nicht nur
äusserlich ver- schieden von einer Definition wie
“1 + 1 =
2”, indem etwa das eine Zeichen aus
in einer Geste meiner Hand, statt in einem
Laut- oder Schriftzeichen be- steht, sondern sie
unterscheidet sich von dieser logisch; wie die Defini- tion,
die das Wort dem Muster beigesellt, von der eines Wortes durch ein
Wort.
Es wird von ihr in andrer Weise Gebrauch gemacht.
Wenn ich also einen Namen hinweisend definiere und einen zweiten durch
ihn // den ersten//, so steht dieser
zu jenem in anderem Verhältnis //ist dieser zu jenem in
anderer Beziehung//, als zum Zeichen, das in der
hin- weisenden Definition gegeben würde.
D.h., dieses letztere ist seinem Ge- brauch
nach wesentlich von dem Namen verschieden und daher die
Verbaldefi- nition und die hinweisende Definition,
‘Definitionen’ im verschiedenen Sin- ne des
Worts.
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Ich kann von primären und sekundären Zeichen sprechen — in
einem bestimmten Spiel, einer bestimmten Sprache.
—
Im Musterkatalog kann ich die Muster die primären Zeichen
und die Nummern die sekundären nennen.
Was soll man aber in einem Fall, wie dem der gesprochenen und
geschriebe- nen Buchstaben sagen?
Welches sind hier die primären, welches die sekundä- ren
Zeichen?
57
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Der Begriff vom sekundären Zeichen ist doch dieser: Sekundär
ist ein Zeichen dann, wenn, um mich nach ihm zu richten, ich eine Tabelle
brauche, die es mit einem andern (primären) Zeichen verbindet,
über welches ich mich erst nach dem sekundären richten
kann.
Die Tabelle garantiert mir die Gleichheit aller
Uebergänge nicht, denn sie zwingt mich ja nicht, sie
immerg gleich zu gebrauchen.
Sie ist da wie ein Feld, durch das Wege führen, aber ich kann ja auch
querfeldein gehen.
Ich mache den Uebergang in der Tabelle bei jeder
Anwendung von Neuem.
Er ist nicht, quasi, ein für allemal in der Tabelle gemacht.
(Die Tabelle verleitet mich höchstens, ihn zu
machen.)
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Welcher Art ist denn meine Aussage über die Tabelle:
dass sie mich nicht zwingt,
sie so und so zu gebrauchen?
Und: dass die Anwendung
durch die Re- gel (oder die Tabelle) nicht
anticipiert
wird.
58
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14
Das, was uns am Zeichen
interessiert; die Bedeutung, die für uns
massgebend ist, ist das, was in der
Grammatik des Zeichens niedergelegt ist.
⇆
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Die Grammatik, das sind die Geschäftsbücher der Sprache; aus denen
al- les zu ersehen sein muss, was nicht
Gefühle betrifft, sondern
Fakten. // der Sprache; woraus alles zu
ersehen sein muss, was nicht Gefühle betrifft,
sondern Tatsachen.//
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Ich will also eigentlich sagen: es gibt nicht Grammatik und
Interpreta- tion der Zeichen.
Sondern, soweit von einer Interpretation, also von einer
Erklärung der Zeichen, die Rede sein
kann, soweit muss sie die Grammatik selbst
besorgen.
Denn ich brauchte nur zu fragen: Soll die Interpretation durch
Sätze er- folgen?
Und in welchem Verhältnis sollen diese Sätze zu der Sprache
stehen, die sie schaffen?
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Wenn ich sage, dass ein Satz, der Mengenlehre etwa,
in Ordnung ist, aber eine neue Interpretation erhalten
muss, so heisst das nur,
dass dieser Teil der Mengenlehre bleibt
in sich unangetastet, muss aber in eine andere
gram- matische Umgebung gerückt werden.
59
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Satz .
Sinn des Satzes .
60
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15
‘Satz’ und ‘Sprache’
verschwimmende Begriffe.
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Wovon unterscheide ich denn einen Satz?
Oder, wovon will ich ihn denn unterscheiden?
Von Satzteilen in seinem grammatischen System (wie die Glei- chung
vom Gleichheitszeichen oder von
allen , was wir nicht Satz nen- nen, also diesem Sessel,
meiner Uhr,
etc.
etc.?
Denn, dass es Schrift- oder
Lautbilder gibt, die Sätzen besonders ähnlich sind, braucht uns
eigentlich nicht zu kümmern.
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Oder wir müssen sagen: Vom Satzbegriff
// Satz// kann nur in einem
// in- nerhalb eines // grammatischen
Systems gesprochen werden.
//… kann nur in der Erklärung eines grammatischen
Systems die Rede sein.//
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Es geht mit dem Wort “Satz” wie mit dem Wort
“Gegenstand” und andern: Nur auf eine
beschränkte Sphäre angewandt sind sie zulässig und dort sind sie
natürlich.
Soll die Sphäre ausgedehnt werden, damit der Begriff ein
philosophischer wird, so verflüchtigt sich die Bedeutung der Worte und es
sind leere Schatten.
Wir müssen sie dort aufgeben und wieder in den Gren- zen
benützen.
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Nun möchte man aber sagen: “Satz ist alles, womit ich etwas
meine”.
Und
61 gefragt “was
heisst das, ‘etwas’ meinen”,
müsste würde ich Beispiele
anführen.
Nun haben diese Beispiele zwar ihren Bereich, auf den sie
ausgedehnt wer- den können, aber weiter führen sie
mich doch nicht.
Wie ich ja in der Logik nicht ins Blaue verallgemeinern kann.
Hier handelt es sich aber nicht um Typen, sondern darum,
dass die Verallgemeinerung selbst etwas
be- stimmtes ist; nämlich ein Zeichen mit vorausbestimmten
grammatischen Re- geln.
D.h., dass die Unbestimmtheit
der Allgemeinheit keine logische Unbe- stimmtheit ist.
So als hätten wir nun nicht nur Freiheit im logischen Raum, sondern
auch Freiheit, diesen Raum zu erweitern, oder zu verändern.
Also nicht nur Bewegungsfreiheit, sondern eine Unbestimmtheit der
Geo- metrie.
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Ueber sich selbst führt uns kein Zeichen
hinaus; und auch kein Argument.
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Wenn wir sagen, Satz ist jedes Zeichen, womit wir etwas
meinen, so könn- te man fragen: was meinen wir und
wann meinen wir es?
Während wir das Zeichen geben?
u.s.w.,
u.s.w..
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Wenn ich frage “was ist die allgemeine Form des Satzes”,
so kann die Gegenfrage lauten: “ haben wir
denn einen allgemeinen Begriff vom Satz, den wir nun nur
exakt fassen wollen?” —
So wie: Haben wir einen allge- meinen Begriff von der
Wirklichkeit?
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Die Frage kann auch lauten: Was geschieht, wenn ein neuer Satz
in die Sprache aufgenommen wird: Was ist das Kriterium dafür,
dass er ein Satz ist? oder, wenn das
Aufnehmen in die Sprache ihn zum Satz stempelt, worin besteht diese
Aufnahme?
Oder: was ist Sprache?
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¿¿
Da scheint es nun offenbar, dass man das Zeichengeben
von ande- ren Tätigkeiten unterscheidet.
Ein Mensch schläft, isst,
62 trinkt, gibt Zeichen (bedient sich einer
Sprache).
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Was ist ein Satz?
Wodurch ist dieser Begriff bestimmt? —
Wie wird dieses Wort (“Satz”) in der
nicht-philosophischen Sprache gebraucht?
Satz, im Ge- gensatz wozu?
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Ich kenne einen Satz, wenn ich ihn sehe.
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Diese Frage ist fundamental: Wie, wenn wir eine neue Erfahrung
machen, etwa einen neuen Geschmack oder einen neuen Hautreiz kennen
lernen: woher weiss ich,
dass, was diese Erfahrung beschreibt,
ein Satz ist ?
Oder, warum soll ich das einen Satz nennen?
Wohl Nun, mit demselben Recht, womit
// mit wel- chem
// ich von einer neuen
Erfahrung gesprochen
habe.
Aber warum habe ich das Wort Erfahrung gebraucht, im Gegensatz
wozu?
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Habe ich denn, was geschehen ist, schon bis zu einem Grade damit
charak- terisiert, dass ich sagte, es sei eine
Erfahrung?
Doch offenbar gar nicht .
Aber es scheint doch, als hätte ich es schon getan, als hätte
ich davon schon etwas ausgesagt:
“dass es eine Erfahrung ist”.
In diesem falschen Schein liegt unser ganzes Problem.
Denn, was vom Prädikat “Erfah- rung” gilt, gilt vom
Prädikat “Satz”.
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Das Wort “Satz” und das Wort
“Erfahrung” haben schon eine bestimmte
Gram- matik.
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Das heisst, ihre Grammatik muss
im Vorhinein bestimmt sein und hängt nicht von
irgend einem künftigen Ereignis ab.
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Hier ist auch der Unsinn in der “experimentellen Theorie der
Bedeutung”
63 ausgesprochen.
Denn die Bedeutung ist in der Grammatik festgelegt.
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Wie verhält sich die Grammatik des Wortes “Satz” zur
Grammatik der Sät- ze?
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“Satz” ist offenbar die
Ueberschrift der Grammatik der Sätze.
In einem Sinne aber auch die Ueberschrift der
Grammatik überhaupt, also äquivalent den Worten
“Grammatik” und “Sprache”.
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Das ist auch, was damit gemeint ist, dass es in der
Welt zwar Ueber- raschungen gibt, aber nicht in
der Grammatik.
⇆
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Es scheint unsere Frage noch zu erschweren, dass auch
die Worte “Welt” und “Wirklichkeit”
Aequivalente des Wortes “Satz”
sind.
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Aber es ist doch lächerlich, die Welt, oder/die Wirklichkeit, abgrenzen zu wollen.
Wem soll man sie denn entgegenstellen.
Und so ist es mit der Bedeu- tung des Wortes
“Tatsache”.
Aber man gebraucht ja diese Wörter auch nicht als
Begriffswörter.
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Etwas ist ein Satz nur in einer Sprache. ⇄
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Wenn ich nun sage: aber die Sprache kann sich
doch ausdehnen, so ist die Antwort:
Gewiss, aber wenn dieses Wort
“ausdehnen” hier einen Sinn hat, so
muss ich jetzt schon wissen, was ich
damit meine, muss angeben können, wie ich mir so
eine Ausdehnung vorstelle.
Und was ich jetzt nicht denken kann, das kann ich jetzt auch nicht
ausdrücken, und auch nicht andeuten.
⇄
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| |
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|
Und das Wort “jetzt” bedeutet hier: “in
diesem Kalkül” dieser
Grammatik”, oder: “wenn die Worte
mit? diesen grammatischen Regeln gebraucht
werden”.
64
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Hier haben wir dieses bohrende Problem: wie es
möglich ist, an die Exi- stenz von Dingen auch nur zu denken,
w[d|e]nn wir immer nur Vorstellungen — ih- re Abbilder
— sehen. //: wie es denn möglich ist, auch
nur auf den Gedanken zu kommen!//
⇄
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Hierher gehört die alte Frage: “wie bin ich dann aber
überhaupt zu die- sem Begriff gekommen” (etwa zu dem der
ausser mir liegenden Gegenstände).
(Es ist ein Glück, [d|e]ine solche Frage aus der Entfernung
als alte Gedankenbe- wegung betrachten zu können; ohne in ihr
verstrickt zu sein.)
Zu dieser Fra- ge ist ganz richtig der Nachsatz zu denken:
“ich konnte doch nicht mein ei- genes Denken
transcendieren”, “ich konnte doch nicht
sinnvoll das transcen- dieren, was für mich Sinn
hat”.
Es ist das Gefühl, dass ich nicht auf
Schleichwegen (hinterrücks) dahin kommen kann, etwas zu denken, was zu
den- ken mir eigentlich verwehrt ist.
Dass es hier keine Schleichwege gibt, auf denen
ich weiter kommen könnte, als auf dem direkten Weg.
⇄
|
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|
Wir haben es natürlich wieder mit einer falschen Analogie zu
tun: Es hat guten Sinn zu sagen “ich
weiss, dass er in diesem Zimmer
ist, weil ich ihn höre, wenn ich auch nicht hineingehen und ihn sehen
kann”.
⇄
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| |
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|
“Satz” ist so allgemein wie
z.B. auch “Ereignis”.
Wie kann man “ein Er- eignis” von dem abgrenzen,
was kein Ereignis ist?
Ebenso allgemein ist aber auch “Experiment”, das
vielleicht auf den er- sten Blick spezieller zu sein
scheint.
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“Da geschah ein Ereignis …”: das
heisst nicht “ein Ereignis”
im Ge- gensatz zu etwas Anderem.
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Rechtmässiger Gebrauch des Wortes
‘Sprache’: Es bedeutet entweder die
Er- fahrungstatsache, dass Menschen reden (auf
gleicher Stufe mit der, dass
65 Hunde bellen), oder es
bedeutet: festgesetztes System der Verständigung
// festgesetztes System von Wörtern und grammatischen
Regeln// in den Ausdrücken “die englische
Sprache”, “deutsche Sprache”, “Sprache
der Neger”
etc..
‘Sprache’ als logischer Begriff könnte nur mit
‘Satz’ äquiva- lent, und dann eine
die Ueberschrift eines Teiles der Grammatik
sein.
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Könnten wir etwas ‘Sprache’ nennen, was nicht wirklich
angewandt wür- de?
Könnte man von Sprache reden, wenn nie eine gesprochen worden
wäre?
(Ist denn Sprache ein Begriff, wie
‘Centaur’ //
vergleichbar mit dem Be- griff
‘Centaur’//, der
besteht, auch wenn es nie ein solches Wesen ge- geben
hat?)
(Vergleiche damit ein Spiel, das nie gespielt wurde, eine Regel,
nach der nie gehandelt wurde.)
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Was tut der, der eine neue Sprache konstruiert (erfindet)?
nach welchem Prinzip geht er vor?
Denn dieses Prinzip ist der Begriff ‘Sprache’.
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Eine Sprache erfinden, heisst, eine Sprache
konstruieren.
Ihre Regeln aufstellen.
Ihre Grammatik verfassen.
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Erweitert jede erfundene
Sprache den Begriff der Sprache?
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Was für das Wort “Sprache” gilt,
muss auch für den Ausdruck “System von
Regeln” gelten.
Also auch für das Wort “Kalkül”.
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Wie bin ich denn zum Begriff ‘Sprache’
gekommen?
Doch nur durch die Sprachen, die ich gelernt habe.
Aber die haben mich in gewissem Sinne über sich hinausgeführt, denn ich
wäre jetzt im Stande, eine neue Sprache zu konstruieren,
z.B. Wörter zu
66 erfinden.
Also gehört diese Methode der Konstruktion noch zum Begriff der
Sprache.
Aber nur, wenn ich ihn so festlege.
Immer wieder hat mein
“
u.s. w.” eine
Grenze.
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Der Begriff: sich einander etwas mitteilen.
Wenn ich
z.B. sage:
‘Spra- che’ werde ich jedes System von Zeichen
nennen, das Menschen untereinan- der vereinbaren, um sich miteinander
zu verständigen, so könnte man hier schon fragen: Und was
schliesst Du unter dem Begriff
‘Zeichen’ ein?
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Was nenne ich “Handlung”, was
“Sinneswahrnehmung”?
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Die Worte “Welt”, “Erfahrung”,
“Sprache”, “Satz”,
“Kalkül”, “Mathema- tik” können
alle nur für triviale Abgrenzungen stehen, wie “essen”,
“ru- hen”,
etc..
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Denn, wenn auch ein solches Wort der Titel unserer Grammatik wäre —
et- wa das Wort “Grammatik” — so hätte doch
dieser Titel nur dieses Buch von andern Büchern zu unterscheiden.
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Allgemeine Ausführungen über die Welt und die Sprache gibt es
nicht.
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Aber warum zerbreche ich mir über den Begriff ‘Sprache’
den Kopf, statt Sprache zu gebrauchen?!
Dieses Kopfzerbrechen ist nur dann berechtigt, wenn wir einen
allge- meinen Begriff haben .
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Ich finde bei Plato auf eine
Frage wie “was ist Erkenntnis” nicht die vorläufige
Antwort: Sehen wir einmal nach, wie dieses Wort gebraucht
wird.
Sokrates weist es immer zurück,
von Erkenntnissen statt von der Erkennt- nis zu reden.
67
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Aber wenn so der allgemeine Begriff der Sprache sozusagen
zerfliesst, zer- fliesst da
nicht auch die Philosophie?
Nein, denn ihre Aufgabe ist es nicht, eine
Sprache zu schaffen,
sondern die zu reinigen, die vorhanden ist.
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Der, welcher darauf aufmerksam macht, dass ein Wort
in zwei verschiede- nen Bedeutungen gebraucht wurde, oder
dass bei dem Gebrauch dieses
eines Aus- drucks uns dieses Bild vorschwebt, und
der überhaupt die Regeln feststellt (tabuliert), nach welchen Worte
gebraucht werden, hat gar keine Pflicht, ei- ne Erklärung
(Definition) des Wortes “Regel” (oder
“Wort”, “Sprache”,
“Satz”,
etc.) zu geben.
// …, hat garnicht die Pflicht
übernommen, …//
⇆
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/Die Philosophie hat es in demselben Sinn mit
Kalkülen zu tun, wie sie es mit Gedanken zu tun hat (oder mit Sätzen
und Sprachen).
Hätte sie's aber wesentlich mit dem Begriff des Kalküls zu
tun, also mit dem Begriff des Kalküls vor allen Kalkülen, so gäbe es eine
Metaphilosophie.
Und die gibt es nicht.
(Man könnte alles, was wir zu sagen haben, so darstellen,
dass das als ein leitender Gedanke
erschiene.)/
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↺
So ist es mir erlaubt, das Wort ‘Regel’ zu verwenden,
ohne notwendig erst die Regeln über dieses Wort zu tabulieren.
Und diese Regeln sind nicht
Ueber-Regeln. ⇄
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Das Wort “Regel” muss in der
Erklärung eines Spiels nicht gebraucht werden (natürlich auch kein
äquivalentes).
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Wie gebrauchen wir denn das Wort
‘Regel’ wenn wir etwa von
Spie- len reden?
Im Gegensatz wozu?
Wir sagen
z.B. “das folgt aus dieser
Regel”, aber dann könnten wir ja/die Regel des Spiels zitieren, und so das Wort
68
“Regel” ersetzen.
Oder wir sprechen von “allen Regeln des Spiels” und
müssen sie dann entweder aufgezählt haben (und dann liegt
wieder der
erste Fall vor), oder wir sprechen von den Regeln als einer
Gruppe, die auf bestimmte Art aus gegebenen bestimmten
Grundpositionen erzeugt
werden und dann steht das Wort “Regel” für den Ausdruck
dieser Grundpositionen
und Operationen.
Oder wir sagen “ Das ist eine Regel,
das nicht”, wenn etwa das Zweite nur ein einzelnes
Wort ist, oder eine Konfiguration der Spielsteine.
(Oder: “nein, das ist nach der neuen Abmachung auch
ei- ne Regel”.)
Wenn wir etwa das Regelverzeichnis des Spiels aufzuschreiben hätten, so
könnte so etwas gesagt werden und dann hiesse es:
Das ge- hört hinein, das
nicht.
Aber nicht vermöge einer bestimmten Eigen- schaft (nämlich der,
eine Regel zu sein), wie wenn man etwa lauter
Aep- [¿v¿|f]el in eine
Kisten packen möchte und sagt “nein, das gehört nicht
hinein, das ist eine Birne”.
Ja aber wir
nennen doch manches “Spiel”, manches nicht, und manches
“Regel”, und manches nicht!
Aber auf die Abgrenzung alles dessen, was wir Spiel nennen, gegen
alles andere, kommt es ja nie an.
Die Spiele sind für uns die Spiele, von denen wir gehört
haben, die wir aufzählen können, und etwa noch einige nach Analogie
anderer neu gebildete; und wenn jemand etwa ein Buch über die Spiele
schriebe, so brauchte er eigentlich das Wort “Spiel”
auch im Titel nicht, sondern als Titel könnte eine Aufzählung der Namen
der einzelnen Spiele stehen.
Und gefragt: Was ist denn aber das Gemeinsame aller dieser
Dinge, weshalb Du sie
zusammenfasst? könnte er sagen: ich
weiss es nicht in einem Satz anzugeben,
aber Du siehst ja viele Analogien.
Im übrigen ist diese // scheint mir
diese// Frage müssig, da ich auch
wieder nach Analogien fortfahrend, durch unmerkbare Stufen,
zu Gebilden kommen kann, die nie- mand mehr im gewöhnlichen Leben
“Spiel” nennen wollte.
Ich nenne daher “Spiel” das, was auf dieser Liste
steht, wie auch, was diesen Spielen bis zu einem gewissen (von mir
nicht näher bestimmten) Grade ähnlich ist.
69
Im übrigen behalte ich mir vor, in jedem neuen Fall zu entscheiden, ob
ich etwas zu den Spielen rechnen will oder nicht.
|
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|
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Ebenso verhält es sich nun auch mit dem Begriff der
Regel.
Nur in ganz besonderen // speziellen
// Fällen handelt es sich uns darum, die Regeln von
etwas abzugrenzen, was nicht Regel ist, und in allen diesen Fällen ist es
leicht, ein unterscheidendes Kriterium zu geben.
Das heisst, wir brau- chen das Wort
“Regel” im Gegensatz zu “Wort”
“Konfiguration der Steine” und einigem Andern, und
diese Grenzen sind klar gezogen.
Dagegen ist es müssig, Grenzen dort zu
ziehen, wo
wir sie nicht brauchen.
Wir gebrauchen Wort
in bestimmtem Sinne,
aber, im Falle einzelliger Lebew[a|e]sen war die Frage eine
Zeit lang schwebend, ob man sie Tiere oder Pflanzen nennen sol- le, und
es liessen sich auch beliebig viel andere Grenzfälle
konstruieren, für die die Entscheidung, ob etwas noch unter den Begriff
Pflanze falle, erst zu treffen wäre.
I[x|s]t aber darum die Bedeutung des Wortes
“Pflanze” in allen anderen Fällen verschwommen,
sodass man sagen könnte, wir gebrau- chen das
Wort, ohne es zu verstehen?
Ja, würde uns eine Definition, die den Begriff nach
verschiedenen Seiten begrenzte, die Bedeutung des Wortes in
allen Sätzen klarer machen, sodass wira auch
alle Sätze, in denen es vorkommt, besser verstehen würden?
Offenbar nein.
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(Sokrates stellt die Frage,
was Erkenntnis sei und ist nicht mit der Aufzählung von Erkenntnissen
zufrieden.
Wir aber kümmern uns nicht viel um diesen allgemeinen Begriff und sind
froh, wenn wir Schuhmacherei, Geo- metrie
etc.
verstehen.)
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Wir glauben nicht, dass nur der ein Spiel
versteht, der eine Definition des Begriffs
‘Spiel’ geben kann.
70
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(Ich mache es mir in der Philosophie immer leichter und
leichter.
Aber die Schwierigkeit ist, es sich leichter zu machen und doch exakt
zu blei- ben.)
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16
Die Logik redet von Sätzen und Wörtern im gewöhnlichen Sinn, nicht von
Sätzen und Wörtern in irgend einem abstrakten Sinn.
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Ich glaube nicht, dass die Logik in einem andern
Sinne von Sätzen re- den kann, als wir für gewöhnlich tun, wenn wir
sagen “hier steht ein Satz aufgeschrieben” oder
“nein, das sieht nur aus wie ein Satz, ist aber
kei- ner”,
etc.
etc.
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Die Frage “was ist ein Wort” ist ganz analog der
“was ist eine Schach- figur”.
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Wir reden von dem räumlichen und zeitlichen
Phänomen der Sprache.
Nicht von einem unräumlichen und unzeitlichen Unding.
Aber wir reden von ihr so, wie von den Figuren des Schachspiels,
indem wir Regeln für sie tabulieren, nicht ihre physikalischen
Eigenschaften beschreiben .
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| |
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Wir können in der Philosophie auch keine grössere
Allgemein- heit erreichen, als in dem, was wir in Leben
und Wissenschaft sagen //
aussprechen//.
(
D.h., auch hier lassen wir alles, wie es
ist.)
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So ist eine aufsehenerregende Definition der Zahl keine
// nicht die// Sache der Philosophie.
72
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Die Philosophie hat es mit den bestehenden Sprachen zu tun und nicht
vorzugeben, dass sie von einer abstrakten Sprache
handeln müsse.
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Wenn ich nämlich über die Sprache — Wort, Satz,
etc.
— rede, muss ich die Sprache des Alltags reden,
—
Aber gibt es denn eine andere?
|
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|
Ist diese Sprache etwa zu grob, materiell, für das, was wir sagen
wol- len?
Und kann es eine andere geben?
Und wie merkwürdig, dass wir dann mit der unseren
dennoch // überhaupt// etwas anfangen
können.
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|
Dass ich beim Erklären der Sprache (in unserem
Sinne) schon die volle Sprache (nicht etwa eine vorbereitende,
vorläufige) anwenden muss, zeigt schon,
dass ich nur
Aeusserliches über die Sprache
sagen // vorbringen// kann.
|
| |
|
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Ja, aber wie können uns diese Ausführungen dann befriedigen?
—
Nun, Dei- ne Fragen waren ja auch schon in dieser Sprache
abgefasst; mussten in
die- ser Sprache ausgedrückt werden, wenn etwas zu fragen
war!
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Und Deine Skrupel sind Missverständnisse.
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Deine Fragen beziehen sich auf Wörter, so muss
ich von Wörtern reden.
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Man sagt: Es kommt nicht auf das //
auf's // Wort an, sondern auf seine Bedeutung,
und denkt dabei immer an die Bedeutung, als ob sie nun eine Sache von der
Art des Worts wäre, allerdings vom Wort verschieden.
Hier ist das Wort, hier die Bedeutung.
(Das Geld, und die Kuh, die man da- für kaufen kann.
Anderseits aber: das Geld, und sein Nutzen.)
73.
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Ueber die Sprache sind nicht mehr
berechtigt, als ein
Schach- spieler über das Schachspiel hat, nämlich keine.
((Hier ist nicht gemeint “über den Begriff der
Sprache”.
Sondern es heisst eher: “sprich ruhig
da- rauf los, wie ein Schachspieler spielt, es kann Dir nichts
passieren, Dei- ne Skrupel sind ja nur
Missverständnisse, ‘philosophische’
Sätze.”))
74
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Bei der Frage nach der allgemeinen Satzform bedenken wir,
dass die ge- wöhnliche Sprache zwar einen
bestimmten Satzrythmus hat, aber nicht alles, was diesen
Rythmus hat, ein Satz ist.
D.h. wie ein Satz klingt und keiner
ist. —
Daher die Idee vom sinnvollen und unsinnigen
‘ Satz ’.
|
| |
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Anderseits ist dieser Rythmus aber natürlich nicht
wesentlich.
Der Aus- druck “Zucker Tisch” klingt
nicht wie ein Satz, kann aber doch sehr wohl den Satz “auf dem
Tisch liegt Zucker” ersetzen.
Und zwar nicht etwa so, dass wir uns etwas
Fehlendes hinzudenken müssten, sondern, es kommt
wieder nur auf das System an, dem der Ausdruck “Zucker
Tisch” angehört.
|
| |
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Es fragt sich also, ob wir ausser diesem
irreführenden Satzklang noch einen allgemeinen Begriff vom Satz
haben.
(Ich rede jetzt von dem, was durch
[“|‘]&’,
‘V’, ‘C’,
zusammengehalten wird.)
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/Denken wir uns, wir läsen die Sätze eines Buches verkehrt, die
Worte in umgekehrter Reihenfolge; könnten wir nicht dennoch den Satz
verstehen?
Und klänge er jetzt nicht ganz
unsatzmässig?/
75
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Hat es Sinn, zu sagen: “Ich habe so
viele Schuhe, als eine Wurzel der Gleichung
x³ + 2x - 3
= 0 Einheiten hat”
?
Hier könnte es scheinen als hätten wir eine Notation, der
wir es eventuell nicht ansehen können, ob sie Sinn hat oder
nicht.
Wenn der Ausdruck “die Wurzel der Gleichung
F(x) =
0” eine Beschreibung im
Russell'schen Sinne wäre, so
hätte der Satz “ich habe n Aepfel und
n + 2 =
6” einen andern Sinn, als der: “ich habe
4 Aepfel”.
Wir haben in dem ersten Satz ein
ausserordentlich lehrreiches Beispiel
dafür, wie [s|e]ine Notation auf den ersten Blick einwandfrei
erscheinen kann, nämlich so, als verstünden wir sie; und
dass wir in Wirklichkeit einen un- sinnigen Satz
nach Analogie eines sinnvollen gebildet haben und nur
glauben , die Regeln des ersteren zu übersehen.
So ist “ich habe n Schuhe und
n² =
4” ein sinnvoller Satz; aber nicht “ich habe
n Schuhe und n²
= 2”. ⇄
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18
Was als Satz gelten soll, ist in der Grammatik
bestimmt.
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Die Erklärung, Satz sei alles, was wahr oder
falsch sein könne — ist nicht so ganz unrichtig.
Es ist die Form der Wahrheitsfunktion (in welcher Form der
Zeichengebung immer ausgedrückt), die das logische Wesen des Satzes
aus- macht.
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‘p’ ist wahr = p.
Man gebraucht das Wort “wahr” in Zusammenhängen wie
“was er sagt ist wahr”, das aber sagt dasselbe wie
“er sagt ‘p’, und p ist der
Fall”.
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“Wahr” und “falsch” sind tatsächlich
nur Wörter einer bestimmten Nota- tion der Wahrheitsfunktion.
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Wenn man sagt, Satz sei alles, was wahr oder falsch sein könne, so
heisst das dasselbe wie: Satz ist
alles, was sich verneinen lässt.
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Wenn wir von dem sprechen, was der Satzform als solcher
wesentlich ist, so meinen wir die
Wahrheitsfunktionenfunktion.
77
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Man kann natürlich auch nicht/sagen, ‘Satz’ sei dasjenige, wovon man
‘wahr’ und ‘falsch’ aussagen könne, in
dem Sinn, als könnte man versuchen, zu welchen Symbolen die Wörter
‘wahr’ und ‘falsch’
passten und danach ent- scheiden, ob etwas ein
Satz ist.
Denn das würde nur dann etwas bestimmen, wenn diese Worte in einer
bestimmten Weise gemeint [i|s]ind, das aber können sie nur im
Zusammenhang sein. //…wenn diese Worte in einer
bestimmten Weise gemeint sind,
d.h. bereits eine
bestimmte Grammatik haben.//
Und eben im Zusammenhang mit einem Satz.
Alles, was man machen kann, ist hier, wie in allen diesen Fällen, das
grammatische Spiel bestimmen, seine Regeln an- geben und es dabei
bewenden lassen.
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Was ein Satz ist, wird durch die Grammatik bestimmt.
D.h., innerhalb der Grammatik.
(Dahin zielte auch meine “allgemeine
Satzform”.)
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Man kann nicht sagen “dieser Struktur fehlt noch etwas, um ein
Satz zu sein”.
Sondern es fehlt ihr etwas, um in dieser Sprache ein Satz
zu sein.
Wie man sagen kann // Man kann
sagen//: dem Zeichenausdruck
“2+2
4” fehlt etwas, um eine Gleichung zu sein.
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Den Russen, welche statt “er ist gut” sagen “er
gut” geht nichts verlo- ren, und sie denken sich auch kein
Verbum dazu.
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Den kompletten Satz zu charakterisieren ist so unmöglich, wie die
kom- plette Tatsache.
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Kann man den Begriff des “Satzes” festlegen? oder
die allgemeine Form des Gesetzes? —
Warum nicht!
Wie man ja auch den Begriff ‘Zahl’ festlegen
könn- te, etwa durch das Zeichen
“/0,x,
x+1/”.
Es steht mir ja frei, nur das Zahl
78 zu nennen; und so steht es mir
auch [¿c¿|f]rei, eine analoge Vorschrift zur
Bil- dung von Sätzen oder Gesetzen zu geben und das Wort
“Satz” oder “Gesetz”
als ein
Aequivalent dieser Vorschrift zu gebrauchen.
Wehrt man sich dagegen und sagt, es sei doch klar,
dass damit nur gewisse Gesetze von andern
abge- grenzt worden seien, so antworte ich: Ja, Du kannst
freilich nicht eine Grenze ziehen, wenn Du von vornherein entschlossen
bist, keine anzuerken- nen! —
Sollen die “Sätze” den unendlichen logischen Raum
erfüllen, so kann von keiner allgemeinen Satzform die Rede sein.
Es fragt sich dann natür- lich: Wie gebrauchst Du nun das
Wort “Satz”? im Gegensatz wozu?
Etwa im Gegensatz zu “Wort”,
“Satzteil”, “Buchteil”,
Erzählung”,
etc..
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(Ein Satz, der von allen Sätzen oder allen Funktionen handelt.
Was stellt man sich darunter vor? //
Was meint man damit? //
Es wäre wohl ein Satz der Logik.
Denken wir nun daran, wie der Satz non2n p
= p bewiesen wird.)
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Wenn ich “es verhält sich so und so” als allgemeine
Satzform gelten las- se, dann muss ich
2+2 = 4 unter
die Sätze rechnen, denn es ist grammatisch richtig, zu sagen:
“es verhält sich so, dass
2+2 gleich 4
ist”.
Es braucht weitere Regeln, um die Sätze der Arithmetik
auszuschliessen.
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Falsche Ideen über das Funktionieren der Sprache:
Broad, der sagte,
et- was werde eintreffen, sei kein Satz.
Was spricht man dieser Aussage damit ab?
Etwas anderes, als, dass sie Gegenwärtiges oder
Vergangenes be- schreibt? —
Die Magie mit Wörtern.
Ein solcher Satz, wie der Broads, kommt mir so vor, wie ein Versuch, eine chemische
Aenderung magisch zu bewirken; indem man den
Substanzen, quasi, zu verstehen gibt, was sie tun sollen (wenn man
etwa Eisen in Gold überführen wollte, indem man ein Stück Eisen mit der
rechten und zugleich ein Stück Gold mit der linken Hand
fasste).
79
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19
Die grammatischen Regeln bestimmen den Sinn des Satzes; und ob eine
Wortzusammenstellung Sinn hat oder nicht.
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Man könnte sagen: “Wie mach ich's denn, um
ein Wort immer richtig
anzu- wenden, schau ich immer in der Grammatik nach?
Nein, dass ich etwas mei- ne — was ich
meine, hindert mich Unsinn zu sagen.<”>
Aber was meine ich denn?
Ich sage: ich rede vom Teilen eines Apfels, aber nicht vom Teilen
der Farbe Rot, weil ich beim “Teilen eines Apfels” mir
etwas denken kann, etwas vorstellen, etwas wollen kann; beim Ausdruck
“Teilen einer Farbe” nicht.
Und ist es etwa so
dass man bei diesem Wort nur noch keine Wirkung auf
andere Menschen beobachtet hat?!
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“Woher weiss ich, dass
Rot nicht teilen
kann?” —
Die Frage selbst heisst nichts.
Ich möchte sagen: Ich Man
muss mit der Unterscheidung von Sinn und Unsinn
anfangen .
Vor ihr ist nichts möglich.
Ich kann sie nicht begründen.
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Welcher Art sind die Regeln, welche sagen,
dass die und die Zusam- menstellungen von Wörtern
keinen Sinn haben?
Sind sie von der Art derjeni- gen Vorschriften welche
sagen, dass es keine Spielstellung im
Schach ist, wenn zwei Figuren auf dem gleichen Feld stehen, oder wenn
eine Figur
80 auf der Grenze zwischen zwei Feldern steht,
etc.?
Diese Sätze sind wieder wie gewisse
Handlungen, ?—wie wenn man etwa ein
Schachbrett —? aus einem grös- seren Stück
karierten Papiers
herausschneidet.
Sie ziehen eine Grenze. —
Was heisst es denn, zu sagen: “diese
Wortzusammenstellung heisst nichts”.
Von einem Namen kann man sagen “diesen Namen habe ich niemandem
gegeben” und das Namengeben ist eine bestimmte Handlung
( umhängen eines
Täfelchens).
Denken wir an Darstellung
einer Reise auf der Erde durch eine Linie in der Projektion der
zwei Halbkugeln und dass wir sagen: ein Linienstück, das auf der Zeichenebene die
Grenzkreise der Projektionen
verlässt, ist in dieser Darstellung sinnlos.
Man könnte auch sagen:
nichts ist darüber
ausgemacht worden.
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Gesichtsraum und Retina.
Es ist, wie wenn man eine Kugel orthogonal auf eine Ebene projiziert,
etwa in der Art, wie die beiden Halbkugeln der Erde in einem Atlas
dargestellt werden, und nun könnte einer glauben, dass,
was auf der Ebene ausserhalb der beiden
Kugelprojektionen vor sich geht, im- merhin noch einer möglichen
Ausdehnung dessen entspricht, was sich auf der Kugel befindet.
Hier wird eben ein kompletter Raum auf ei- nen
Teil eines andern Raumes projiziert; und analog ist es mit
den Grenzen der Sprache im Wörterbuch. // in der
Grammatik.//
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20
Der Sinn des Satzes keine Seele .
⇒
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Die Methode des Messens,
z.B. des räumlichen
Messens, verhält sich zu einer bestimmten Messung genau so,
wie der Sinn eines Satzes zu seiner Wahr- oder
Falschheit.
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Der Sinn eines des Satzes ist nicht pneumatisch, sondern
ist das, was auf die Frage nach der Erklärung des Sinnes zur Antwort
kommt.
Und — oder — der eine Sinn unterscheidet sich vom andern, wie
die Erklärung des einen von der Erklärung des andern.
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Welche Rolle der Satz im Kalkül spielt, das ist sein
Sinn.
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Der Sinn (also) nicht hinter
ihm (wie der psychische Vor- gang der Vorstellung
etc.).
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Was heisst es denn: “entdecken,
dass ein Satz keinen Sinn hat”?
Und was heisst das: “wenn ich etwas
damit meine, muss es doch Sinn
ha- ben”?
“Wenn ich etwas damit meine …” — wenn ich
was damit meine?!
82
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Was heisst es: “Wenn ich mir
etwas dabei vorstellen kann, muss es doch Sinn
haben”?
Wenn ich mir was dabei vorstellen kann?
Das, was ich sage? sagte? —
Das heisst nichts. //
Dann heisst dieser Satz nichts.
// —
Und ‘Etwas’?
Das würde heissen: Wenn ich die Worte
auf diese Weise benützen kann, dann haben sie Sinn.
Oder eigentlich: wenn ich sie zum Kalkulieren benütze, dann haben
sie Sinn.
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⇐
Man könnte auch so fragen: Ist der ganze Satz nur ein
unartikuliertes Zeichen, in dem ich erst nachträglich
Aehnlichkeiten mit anderen Sätzen
er- kenne?
Das wäre etwa so, wenn jeder Satz eine Droge //
Medizin // mit bestimm- ter Wirkung wäre und man käme
erst nachträglich durch Analyse darauf, dass zwei
Medizinen gewisse Ingredientien mit einander gemein
hätten.
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Ja, man könnte unsere Frage in einer sehr elementaren Form stellen:
Wa- rum eine Sprache nicht mit bloss einem
Wort möglich ist // auskommen
könn- te//, da es ja doch vorkommt,
dass ein Wort (in einer
Sprache) mehrere Bedeutungen hat.
(Warum also nicht alle?)
83
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21
Aehnlichkeit von Satz und Bild.
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In welchem Sinne kann ich sagen, der Satz sei ein Bild?
Wenn ich da- rüber denke, möchte ich sagen: er
muss ein Bild sein, damit er mir zeigen kann, was
ich tun soll, damit ich mich nach ihm richten kann.
Aber, dann willst Du // also //
bloss sagen, dass Du Dich nach dem
Satz richtest in demselben Sinne, in dem Du Dich nach einem Bild
richtest.
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Ist jedes Bild ein Satz?
Und was heisst es, etwa zu sagen,
dass jedes als ein Satz gebraucht werden
kann?
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Ich kann die Beschreibung des Gartens in ein gemaltes Bild, das Bild in
eine Beschreibung übersetzen.
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Zu sagen, dass der Satz ein Bild ist, hebt gewisse
Züge in der Gramma- tik des Wortes “Satz”
hervor.
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Das Denken ist ganz dem Zeichen von Bildern zu
vergleichen.
Man kann aber auch sagen: Das Denken ist (wesentlich)
mit keinem Vor- gang zu vergleichen und was wie ein
Vergleichsobjekt scheint, ist in
84 Wirklichkeit ein Beispiel.
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Wenn ich den Satz mit einem Masstab verglichen habe,
so habe ich, strenggenommen, nur einen Satz, der mit Hilfe
eines Masstabes die Länge eines Gegenstands
// eine Länge // aussagt
beschreibt aussagt, als Beispiel für alle
Sätze herangezogen. // als Beispiel eines Satzes
herangezogen.//
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Wenn man die Sätze als Vorschriften auffasst, um
Modelle zu bilden, wird ihre Bildhaftigkeit noch deutlicher.
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Die Sprache muss von der Mannigfaltigkeit eines
Stellwerks sein, das die Handlungen veranlasst, die
ihren Sätzen entsprechen.
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Die Uebereinstimmung von Satz und Wirklichkeit ist
der Uebereinstimmung zwischen Bild und Abgebildetem
nur so weit ähnlich, wie der Uebereinstim- mung
zwischen einem Erinnerungsbild und dem gegenwärtigen Gegenstand.
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Der Satz ist der Tatsache so ähnlich wie das Zeichen ‘5’
dem Zeichen
‘3+2’.
Und das gemalte Bild der Tatsache , wie
‘!!!!!’ dem
Zeichen ‘!!+!!!’.
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Z.B. a, b, c, d bedeuten Bewegungen und zwar
a= ↓, b=
↑, c=
→, d=
←.
Also heisst
z.B. bccbda
der Linienzug
.
Nun, ist der Satz
“bccb ”
nicht ähnlich jenem Linienzug?
Offenbar ja, in gewisser Weise.
(Ist es nicht genau die Aehnlichkeit einer
Photographie und des photographierten Gegenstandes?)
85
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22
Sätze mit Genrebildern verglichen.
( Verwandt damit: Verstehen eines Bildes.)
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Wie ist es mit den Sätzen, die in Dichtungen vorkommen.
Hier kann doch gewiss von einer Verifikation nicht
geredet werden und doch haben diese Sätze Sinn.
Sie verhalten sich zu den Sätzen, für die es (eine)
Verifika- tion gibt, wie ein Genrebild zu einem Portrait.
Und dieses Gleichnis dürf- te wirklich die Sache
vollständig darstellen.
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Wenn ich ein Bild anschaue, so sagt es mir etwas, auch wenn ich keinen
Augenblick glaube (mir einbilde), die Menschen seien wirklich oder es
ha- be wirkliche Menschen gegeben, von denen dies ein verkleinertes
Bild sei.
“Es sagt mir etwas” kann aber hier nur
heissen, es bringt eine
bestimmte Einstellung in mir hervor.”
Denn wie, wenn ich fragte: “ was sagt es mir
denn?
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Meine Stellung gegen das Bild ist auch keine hypothetische, so
dass ich mir etwa sagte “wenn es solche
Menschen gäbe, dann …”
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Wenn ich ein Genrebild ansehe, so halte ich die gemalten Menschen darin
nicht für wirkliche Menschen, andererseits ist ihre
Aehnlichkeit mit Men- schen für das Verständnis
des Bildes wesentlich.
86
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Wenn man es für selbstverständlich hält, dass sich
der Mensch an seiner Phantasie vergnügt, so bedenke man,
dass diese Phantasie nicht wie ein gemaltes Bild
oder ein plastisches Modell ist, sondern ein kom- pliziertes Gebilde
aus heterogenen Bestandteilen: Wörtern und Bildern.
Man wird dann das Operieren mit Schrift- und
Lautzeichen nicht mehr in Gegensatz stellen zu dem Operieren mit
“Vorstellungsbildern” der Ereig- nisse.
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Die Illustration in einem Buch ist dem Buch nichts fremdes, sondern
gesellt sich hinzu wie ein verwandter Behelf einem andern, — wie
etwa eine Reibahle dem Bohrer.
(Wenn einen die Hässlichkeit eines Menschen
abstösst, so kann sie im Bild, im gemalten,
gleichfalls abstossen, aber auch in der
Beschreibung, in den Worten.)
87
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23
⇐ Mit dem Satz scheint die Realität wesentlich übereinstimmen oder nicht
übereinstimmen zu können.
Er scheint sie zu fordern, sich mit ihm zu vergleichen.
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“Meine Erwartung ist so gemacht, dass, was
immer kommt, mit ihr über- einstimmen muss, oder
nicht.”
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Der Satz ist als Richter hingestellt und wir fühlen
uns vor ihm verant- wortlich.
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Ich sage, die Hand über demn Tisch haltend, “ich wollte, dieser Tisch wäre so
hoch”.
Nun ist das Merkwürdige: die Hand über dem Tisch an und für sich
drückt gar nichts aus.
D.h., sie ist eine Hand über einem Tisch, aber
kein Symbol (wie der Pfeil, der etwa die Gehrichtung anzeigen soll, an
sich nichts ausdrückt).
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“Die Hand zeigt dahin”.
Aber in wiefern zeigt sie dahin? einfach, weil sie sich in einer
Richtung verjüngt?
(Zeigt ein Nagel in die Wand?)
D.h., ist es dasselbe zu sagen “sie
zeigt
etc.” oder und “sie
verjüngts sich in dieser Richtung”?
88
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Man kann eine Lehne auf das Mass eines Körpers
einstellen, vorberei- ten.
Dann liegt in dieser Einstellung zwar das eingestellte
Mass, aber in keiner Weise,
dass ein bestimmter Körper es hat.
Ja vor allem liegt darin keine Annahme darüber, ob der Körper dieses
Mass hat, oder nicht hat.
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Ich sagte, der Satz wäre wie ein Masstab an die
Wirklichkeit angelegt: Aber
der Masstab ist, wie alle
Gleichnisse des Satzes, ein be- sonderer
Fall eines Satzes.
Und auch er bestimmt nichts, solange man nicht mit ihm
misst.
Aber Messen ist Vergleichen (und muss
heissen,
Ueber- setzen).
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Man möchte sagen: Lege den Masstab an
einen Körper an; er sagt nicht, dass der Körper so
lang ist.
Vielmehr ist er an sich tot und leistet nichts von dem, was der Gedanke
leistet.
Es ist, als hätten wir uns eingebildet, das Wesentliche am lebenden
Menschen sei die äussere Ge- stalt, und hätten nun
einen Holzblock von</>dieser
Gestalt hergestellt und sähen mit Enttäuschung den toten Klotz, der auch
keine Aehnlichkeit mit dem Leben
hat.
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Man könnte sagen, “die Erwartung ist kein Bild, sie bedient sich
nur eines Bildes<”>.
Ich erwarte etwa, dass meine Uhr jetzt auf 7 zeigen
wird und drücke dies durch ein Bild der Zeigerstellung aus.
Dieses Bild kann ich nun mit der wirklichen Stellung vergleichen; die
Erwartung aber nicht.
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Mein Gedanke ist immer: wenn einer die Erwartung sehen könnte,
dass er sehen //
erkennen// müsste, was erwartet
wurde.
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Gut, ich sage: wenn ich meine Uhr herausziehe, wird sie mir jetzt
ent- weder dieses Bild der Zeigerstellung bieten, oder
nicht.
Aber wie
89 kann ich es ausdrücken,
dass ich mich für eine dieser Annahmen
entschei- de?
Jeder Gedanke ist der Ausdruck eines Gedankens.
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Ich könnte mein Problem so darstellen: Wenn ich untersuchen
wollte, ob die Krönung Napoleons so und so stattgefunden hat, so könnte ich mich
da- bei, als einer Urkunde, des Bildes bedienen, statt einer
Beschreibung.
Und es frägt sich nun, ist die ganze Vergleichung der Urkunde mit der
Wirk- lichkeit von der Art, wie der Vergleich der Wirklichkeit mit dem
Bild, oder gibt es dabei noch etwas Andres, von andrer Art?
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Aber womit soll man die Wirklichkeit vergleichen,
(:) als mit dem Satz?
Und was soll man andres tun, (:) als sie
mit ihm zu vergleichen?
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Wenn man das Beispiel von dem, durch Gebärden mitgeteilten Befehl
be- trachtet, möchte man einerseits immer sagen:
Ja, dieses Beispiel ist eben unvollkommen, die
Gebärdensprache zu roh, darum kann sie den beabsichtig- ten Sinn nicht
vollständig ausdrücken” — aber tatsächlich ist sie so gut
wie jede denkbare andere, und erfüllt ihren Zweck so vollständig, wie es
überhaupt denkbar ist.
(Es ist eine der wichtigsten Einsichten, dass es
keine Verbesserung der Logik gibt.)
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⇐
Der Befehl kommt uns unvollständig vor.
Es scheint uns, als wäre etwa nur angedeutet, was nicht ausgesprochen
ist. ⇄
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Angedeutet aber ist etwas nur insofern, als ein System nicht
ausdrück- lich, oder unvollkommen festgelegt ist.
Wir möchten sagen, es sei uns un- vollkommen angedeutet oder, das
Zeichen suggeriere nur undeutlich, was
90 wir zu tun
hätten.
Es sei etwa in dem Sinn undeutlich, wie eine Tafel mit der
Aufschrift “Links Gehen” deutlicher wird, wenn
zugleich ein Pfeil die Richtung zeigt. // Es
sei etwa undeutlich in dem Sinn, in welchem wir der Deutlichkeit halber
Zeichen ausführlicher geben.//
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Aber für uns ist der Befehl deutlich, der unzweideutig ist; und einen
deutlicheren gibt es nicht.
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Eindeutig aber kann er nur werden, dadurch, dass in
dem System von Be- fehlen eine Unterscheidung gemacht wird, die, wenn
sie fehlt, eben die Zweideutigkeit hervorruft.
(Wenn also das System die richtige Mannigfal- tigkeit
erhält.)
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Was, in der Logik, nicht nötig ist, hilft auch
nicht. //… ist auch nicht von
Nutzen.//
Was nicht nötig ist, ist überflüssig.
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Die Unbeholfenheit, mit der das Zeichen wie ein Stummer durch allerlei
suggestive Gebärden sich verständlich zu machen sucht, verschwindet, wenn wir erkennen, dass das
Wesentliche am Zeichen das System ist, dem es zu- gehört und sein
übriger Inhalt wegfällt. ⇄
91
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24
Das Symbol (der Gedanke), scheint als solches unbefriedigt zu
sein.
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Jedes Symbol scheint als solches etwas offen zu lassen.
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Der Plan ist als Plan etwas Unbefriedigtes.
(Wie der Wunsch, die Er- wartung, die Vermutung
u.s.f..)
Ich möchte manchmal mein Gefühl dem Plan gegenüber als eine
Innerva- tion bezeichnen.
Aber auch die Innervation an sich ist nicht unbefriedigt,
ergänzungsbedürftig.
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In wiefern kann man den Wunsch als solchen, die Erwartung
‘unbefrie- digt’ nennen?
Was ist das Urbild // Vorbild// der
Unbefriedigung?
Ist es der leere Hohlraum (in den etwas
hineinpasst)?
Und würde man von einem leeren Raum sagen, er sei
unbefriedigt?
Wäre das nicht auch eine Me- tapher?
Ist es nicht ein gewisses Gefühl, das wir Unbefriedigung nennen?
Etwa der Hunger.
Aber der Hunger enthält nicht das Bild seiner Befriedi- gung.
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Die Hohlform ist nur unbefriedigt in dem System, in dem auch die
ent- sprechende Vollform vorkommt. // … in
dem auch die Vollform vorkommt.//
92
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Ich meine man kann das Wort “unbefriedigt” nicht
schlechtweg von ei- ner Tatsache gebrauchen.
Es kann aber in einem System eine Tatsache be- schreiben
helfen.
Ich könnte
z.B. festsetzen,
dass ich den Hohlzylinder ‘den
unbefriedigten Zylinder’ nennen werden, den
entsprechenden Vollzy- linder, seine
Befriedigung.
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Aber man kann nicht sagen, dass der Wunsch
‘p möge der Fall sein’, durch die Tatsache
p befriedigt wird, es sei denn als Zeichenregel: /der
Wunsch p möge der Fall sein/ = /der Wunsch, der
durch die Tatsache p befriedigt wird/.
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25
Ein Satz ist ein Zeichen in einem System von Zeichen.
Er ist eine Zeichen- verbindung von mehreren möglichen und im
Gegensatz zu den andern möglichen.
Gleichsam eine Zeigerstellung im Gegensatz zu andern möglichen.
⇐
⇆
Wort nur im Satzzusammenhang
Bedeutg..
Satz Komplex.
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Einen Satz verstehen heisst, eine Sprache
verstehen.
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Jeder Satz einer Sprache hat nur Sinn im Gegensatz zu anderen
Wortzusam- menstellungen derselben Sprache.
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Wenn ein Satz nicht eine mögliche Verbindung unter anderen
wäre, so hätte er keine Funktion.
D.h.: Wenn ein Satz nicht das Ergebnis einer Entscheidung wäre, hätte er
nichts zu sagen.
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Denken ist Pläne machen.
Wenn Du Pläne machst, so machst Du
ein[¿n¿|e]n Plan zum Unterschied
von // im Gegensatz zu // andern
Plänen.
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↑ im Gegensatz zu
↗ ist ein anderes
Zeichen als ↑ im Gegensatz zu
94
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“Geh so nicht so
” hat nur Sinn, wenn es die Richtung ist,
die dem Pfeil hier wesentlich ist, und nicht, etwa nur die Länge.
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Man muss wissen, worauf im Zeichen man zu sehen
hat.
Etwa: auf welcher Ziffer der Zeiger steht, nicht darauf, wie
lange er ist.
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“Geh' in der Richtung, in der der Zeiger
zeigt”.
“Geh' so viele Meter in der Sekunde, als der Pfeil
cm lang ist”.
“Mach' so viele Schritte, als ich Pfeile
zeichne”.
“Zeichne diesen Pfeil nach”.
Für jeden dieser Befehle kann der Gleiche Pfeil stehen.
---
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“Ich muss auf die Länge
achten”. “ich muss auf die
Richtung achten”, das heisst schon:
auf die Länge im Gegensatz zu anderen,
etc..
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Wie soll ich mich nach der Uhr richten?
Wie kann ich mich nach diesem Bild
richten ?
(Wie nach jedem andern.)
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Es zeigt mir jemand zum ersten Mal eine Uhr und will,
dass ich mich nach ihr richte.
Ich frage nun: worauf soll ich bei diesem Ding achten.
Und er sagt: auf die Stellung der Zeiger.
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Natürlich, das Zeichen eines Systems bezeichnet es nur im Gegensatz zu
anderen Systemen und setzt selbst ein System voraus.
(Interne Relation, die nur besteht, wenn ihre Glieder da
sind.)
95
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26
Sich vorstellen können, <‘>wie es wäre,<’>
als Kriterium dafür, dass ein Satz Sinn hat.
|
| |
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Was heisst es, wenn man sagt: “ich
kann mir das Gegenteil davon nicht vorstellen”, oder
“wie wäre es denn, wenn's anders wäre”;
z.B. wenn je- mand gesagt hat,
dass meine Vorstellungen privat seien, oder
dass nur ich selbst wissen kann, ob ich Schmerzen
empfinde, und dergleichen.
|
| |
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Wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie es anders wäre, so kann ich mir
auch nicht vorstellen, wie es so sein kann.
“Ich kann mir nicht vorstellen”
heisst nämlich hier nicht, was es im Satz
“ich kann mir keinen Totenkopf vorstellen”
heisst.
Ich will damit nicht auf eine mangelnde Vorstellungskraft
deuten.
|
| |
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ˇUeberlege: “Ich
habe tatsächlich nie gesehen, dass ein schwarzer Fleck
nach und nach immer heller wird, bis er weiss ist,
und dann immer [t|r]ötlicher, bis er rot ist; aber ich
weiss, dass es möglich ist, weil
ich es mir vorstel- len kann.
D.h., ich operiere mit meinen Vorstellungen im Raume
der Farben und tue mit ihnen, was mit den Farben möglich
wäre.”
⇒
96
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| |
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|
Es scheint, als könnte man sagen
:
Die Wortsprache lässt un- sinnige
Ausdrücke zu,
die Sprache der Vorstellung aber nicht unsinnige
Vor- stellungen.
(Natürlich kann das, so wie es da steht, nichts
heissen.)
|
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Was heisst es denn “entdecken,
dass ein Satz keinen Sinn hat”?
Oder fra- gen wir so: Wie kann man denn die Unsinnigkeit
eines Satzes (etwa: “die- ser
Körper ist ausgedehnt”) dadurch bekräftigen,
dass man sagt: “Ich kann mir
nicht vorstellen, wie es anders wäre”?
Denn, kann ich etwa versuchen, es mir vorzustellen?
Heisst es nicht: Zu sagen,
dass ich es mir vorstelle, ist sinnlos?
Wie hilft mir dann also die- se Umformung von einem Unsinn in einen
andern? —
Und warum sagt man gerade: “ich kann mir nicht
vorstellen, wie es anders wäre”? und nicht
— was doch auf dasselbe hinauskommt — “ich kann mir
nicht vorstellen, wie das wäre”?
Man erkennt scheinbar in dem unsinnigen Satz etwas, wie eine
Tautologie, zum Unterschied von einer Kontradiktion.
Aber das ist ja auch falsch. —
Man sagt gleichsam: “Ja, es //
er // ist ausgedehnt, aber wie könnte es denn anders
sein? also, wozu es sagen?”
Es ist dieselbe Tendenz, die uns auf den Satz “dieser Stab hat
eine be- stimmte Länge” nicht antworten
lässt “Unsinn!”, sondern
“Freilich!”.
Was ist aber der Grund (zu) dieser
Tendenz?
Sie könnte auch so be- schrieben werden: wenn wir die beiden
Sätze “dieser Stab hat eine Länge” und seine Verneinung
“dieser Stab hat keine Länge” hören, so sind wir
par- teiisch und neigen dem ersten Satz zu (statt beide für Unsinn
zu erklären).
Der Grund hievon ist aber eine Verwechslung: Wir
sehen den ersten Satz verifiziert (und den zweiten falsifiziert)
dadurch, “dass der Stab 4
m
hat”.
Und man wird sagen: “und 4
m ist doch eine
Länge” und vergisst, dass
man hier einen Satz der Grammatik hat.
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Warum sieht man es als Beweis dafür an, dass ein Satz
Sinn hat, <:> dass
ich
97 mir, was er sagt, vorstellen
kann?
Ich könnte sagen: Weil ich diese Vor- stellung mit einem
dem ersten verwandten Satz beschreiben müsste.
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Könnte ich durch eine Zeichnung darstellen, wie es ist, wenn es sich so
verhält, wenn es keinen Sinn hätte, zu sagen “es verhält sich
so”?
Zu sagen, “ich kann aufzeichnen wie es ist, wenn es sich so
verhält” ist hier eine grammatische Bestimmung über den
betrachteten Satz (denn ich will ja nicht sagen, ich
könne es zeichnen, etwa weil ich zeichnen gelernt habe
u.s.w.).
Wie wenn ich sagte: “ist das kein Spiel, da ich doch
darin gewinnen und verlieren kann?” —
Nun, wenn das Dein Kriterium eines Spieles ist, dann ist es ein
Spiel.
|
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“Ich Weiss, dass es
möglich ist, weil …”
Diese Ausdrucksform ist von Fällen hergenommen, wie:
“Ich weiss, dass es
möglich ist, die Tür mit die- sem Schlüssel aufzusperren, weil ich es
schon einmal getan habe”.
Vermute ich also in dem Sinn, dass
dieser Farbenübergang möglich sein wird, weil ich mir ihn vorstellen
kann?!
Muss es nicht vielmehr
heissen: der Satz “der Farbenübergang
ist möglich” heisst dasselbe wie der:
“ich kann ihn mir vorstellen”, oder: der erste
Satz folgt aus dem zweiten? —
Wie ist es damit: “Das ABC
lässt sich laut hersagen,
weil ich es mir im Geiste vorsagen
kann”?
“Ich kann mir vorstellen, wie es wäre”, oder — was
wieder ebenso gut ist — : “ich kann es aufzeichnen,
wie es wäre, wenn p der Fall ist” gibt eine
Anwendung des Satzes.
Es sagt etwas über den Kalkül, in wel- chem wir p
verwenden.
98
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27 ⇐
“Logische Möglichkeit und Unmöglichkeit”. —
Das Bild des ‘Könnens’ ultra- physisch
angewandt.
Aehnlich: “Das
ausgeschlossene Dritte”.)
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Wenn man sagt, die Substanz ist unzerstörbar, so meint man,
es ist sinnlos, in irgend einem Zusammenhang — bejahend oder
verneinend — von dem “Zerstören einer Substanz” zu
reden.
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Ich versuche etwas, kann es aber nicht. —
Was heisst es aber: “etwas nicht
versuchen können”?
“Wir können auch nicht einmal versuchen ,
uns ein rundes Vier- eck vorzustellen”.
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Logische Möglichkeit und Sinn.
Kann man fragen: “wie müssen die gramma- tischen
Regeln für die Wörter beschaffen sein, damit sie einem Satz Sinn
geben”?
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Der Gebrauch des Satzes, das ist sein Sinn.
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Ich sage
z.B. “auf diesem Tisch steht jetzt
keine Vase, aber es könnte eine da stehn; dagegen ist es sinnlos
// unsinnig// zu sagen, der Raum könnte vier
Dimensionen haben.”
Aber wenn der Satz dadurch sinnvoll wird, dass er
mit den grammatischen Regeln im Einklang ist, nun, so machen wir
99 eben die Regel, die den Satz, unser Raum
habe vier Dimensionen, erlaubt.
Wohl, aber damit ist nun die Grammatik dieses Ausdrucks noch nicht
festge- legt.
Nun müssen erst noch weitere Bestimmungen darüber gemacht
// [¿v¿|g]etrof- fen//
werden, wie ein solcher Satz zu gebrauchen ist, wie er etwa
verifi- ziert wird.
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Wenn man auch den Satz als Bild des beschriebenen Sachverhalts
auf- fasst und sagt, der Satz zeige eben wie es
ist, wenn er wahr wäre, er zei- ge also die Möglichkeit des behaupteten
Sachverhalts, so kann der Satz doch bestenfalls tun, was ein gemaltes
oder modelliertes Bild tut, und er kann also jedenfalls nicht das
hinstellen // erzeugen //, was nicht der Fall ist.
Also hängt es ganz von unserer Grammatik ab, was mög- lich genannt
wird und was nicht, nämlich eben, was sie
zulässt.
Aber das ist doch willkürlich! —
Gewiss, aber nicht mit jedem Gebilde kann ich
et- was anfangen;
d.h.: nicht jedes Spiel
ist nützlich und wenn ich versucht bin, etwas ganz
als Satz zuzulassen, so geschieht es, weil ich mich durch eine Analogie dazu
verleiten lasse und nicht sehe, dass mir für meinen
Satz noch die wesentlichen Regeln der Anwendung fehlen.
So ist es
z.B., wenn man von einer unendlichen
Baumreihe redet und sich fragt, wie es denn zu verifizieren sei,
dass eine Baumreihe unendlich ist, und was etwa die
Beziehung dieser Verifikation zu der des Satzes “die
Baumrei- he hat 100 Bäume” ist.
100
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Kann ein logisches Produkt in einem Satz verborgen sein?
Und wenn, wie erfährt man das, und was für Methoden haben wir, das im
Satz Verborgene ans Tageslicht zu
ziehen?
Haben wir noch keine
Methode,
(es zu finden,) dann können wir auch
nicht davon reden, dass etwas verborgen ist,
oder verborgen sein könnte.
Und haben wir eine Methode des Suchens, so kann das
logische Produkt im Satz nur so verborgen sein, wie
es etwa .
Denn, das verborgene logische Produkt finden, ist eine
mathematische Aufgabe.
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Also ist Elementarsatz ein solcher, der sich in dem Kalkül, wie ich
jetzt
benütze, nicht als Wahrheitsfunktion anderer Sätze darstellt.
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Die Idee, Elementarsätze zu konstruieren (wie dies
z.B. Carnap
ver- sucht hat), beruht auf einer falschen Auffassung der logischen
Analyse.
Problem dieser
Analyse eine
Theorie der Elementarsätze zu
finden.
101 Mechanik
z.B.,
geschieht, wenn eine Anzahl von Grundgesetzen gefunden wird, aus denen
das ganze System von Sätzen hervorgeht.
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Meine Auffassung war falsch:
weil ich mir über
den Sinn der Worte “in einem Satz iste ein logisches
Produkt versteckt “ (und ähnlicher) nicht
klar war,
weil auch ich dachte, die logi- sche Analyse
müsse verborgene Dinge an den Tag bringen (wie es die chemi- sche
und physikalische tut).
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Man kann den Satz “dieser Ort ist jetzt rot” (oder
“dieser Kreis ist jetzt rot”,
etc.)
einen Elemen[f|t]arsatz nennen, wenn man damit sagen will,
dass er weder eine Wahrheitsfunktion anderer Sätze ist,
noch als solche de- finiert
(ist?).
(Ich sehe hier von Verbindungen der Art p & (q .⌵.
non-q) und analogen
ab.)
Aus “a ist jetzt rot” folgt aber “a
ist jetzt nicht grün” und die Ele- mentarsätze in diesem Sinn
sind also nicht von einander unabhängig, wie die Elementarsätze in meinem
seinerzeit beschriebenen Kalkül, von dem ich an- nahm, der ganze
Gebrauch der Sätze müsse sich auf ihn <…> zurückführen lassen;
— verleitet durch einen falschen Begriff von diesem
“zurückführen” // von dieser
Zurückführung//.
102
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29
“Wie ist die Möglichkeit von p in der Tatsache,
dass non-p der
Fall ist, enthalten?”
“Wie enthält
z.B. der schmerzlose Zustand
die Möglichkeit der Schmerzen?”
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Fähigkeit
voraus Schmerzen zu fühlen und das kann keine
“ physiologische
Fähigkeit
”
sein, — denn wie wüsste man sonst,
wozu es die Fähigkeit ist — sondern eine logische
Möglichkeit. —
Ich beschreibe meinen gegenwärtigen Zustand durch die Anspielung auf
Etwas, was nicht der Fall ist.
Wenn diese Hinweisung zu der Beschreibung nötig ist (und nicht
bloss eine Verzierung), so
muss in meinem gegenwärtigen Zustand
e[g|t]was liegen, was diese Erwähnung (Hinweisung) nötig
macht.
Ich vergleiche diesen Zustand mit einem anderen, also
muss er mit ihm vergleichbar sein.
Er muss auch im Schmerzraum liegen, wenn auch an
einer andern Stelle. —
Sonst würde mein Satz etwa heissen, mein
gegenwärtiger Zustand hat mit einem schmerzhaften nichts zu
tun ; etwa, wie ich sagen würde, die Farbe dieser Rose hat mit der
Eroberung Gal- liens durch Cäsar nichts zu tun.
D.h. es ist kein Zusammenhang vorhanden.
Aber ich meine gerade, dass zwischen meinem jetzigen
Zustand und einem schmerzhaften ein Zusammenhang
besteht.”
Ich meine nur, was ich sage.
In wiefern ist aber Schmerzlosigkeit ein Zustand .
Was nenne ich einen “Zustand”?
103
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Wenn ich sage, ich habe heute Nacht nicht geträumt, so
muss ich doch wissen, wo nach dem Traum zu suchen
wäre (
d.h., der Satz “ich habe
ge- träumt” darf, auf die Situation angewendet, nur falsch,
aber nicht unsinnig sein.
Ich drücke die gegenwärtige Situation durch eine Stellung — die
negati- ve — der Signalscheibe “Träume — keine
Träume” aus.
Ich muss sie aber trotz ihrer negativen Stellung
von andern Signalscheiben unterscheiden können.
Ich muss wissen, dass ich
diese Signalscheibe in der Hand habe.
Man könnte nun fragen: Heisst das,
dass Du doch etwas gesprüt gespürt
hast, sozusagen die Andeutung eines Traums, die Dir die Stelle zum
Bewusst- sein bringt, an der ein Traum gestanden
wäre?
Oder, wenn ich sage “ich habe keine Schmerzen im
Arm”, heisst das, dass
ich eine Art schattenhaftes Ge- fühl habe, welches die Stelle andeutet,
in die der Schmerz eintreten würde?
Doch offenbar, nein.
In wiefern enthält der gegenwärtige, schmerzlose Zustand die
Möglichkeit der Schmerzen?
Wenn einer sagt: “Damit das Wort Schmerzen Bedeutung
habe, ist es notwen- dig, dass man Schmerzen als
solche erkennt, wenn sie auftreten”, so kann man
antworten: “Es ist nicht notwendiger, als
dass man das Fehlen von Schmerzen
erkennt”.
“Schmerzen” heisst sozusagen
der ganze Masstab und nicht einer seiner
Teilstriche.
Dass er auf einem bestimmten Teilstrich steht, ist
durch einen Satz auszudrücken.
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“Was wäre das für eine Frage:
¿‘¿Könnte denn Alles nicht der Fall
sein, und nichts der — Fall — sein’?
Könnte man sich einen Zustand einer Welt denken, in dem mit Wahrheit
nur negative Sätze zu sagen wären?
Ist das nicht offenbar alles Unsinn?
Gibt es denn wesentlich negative und posi- tive
Zustände?”
Nun, es kommt darauf an, was man ‘Zustände’
nennt.
104
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Ist absolute Stille zu verwechseln mit innerer Taubheit, ich meine der
Unbekanntheit mit dem Begriff des Tones?
Wenn das der Fall wäre, so könnte man den Mangel des
Gehörssinnes nicht von dem Mangel eines andern Sinnes
un- terscheiden.
Ist das aber nicht genau dieselbe Frage wie: Ist der Mann, der
jetzt nichts Rotes um sich sieht, in derselben Lage, wie der, der unfähig
ist, rot zu sehen?
Man kann natürlich sagen: Der Eine kann sich rot doch
vorstellen, aber das vorgestellte Rot ist ja nicht dasselbe, wie das
gesehene.
Nun, worin äussert sich denn die Fähigkeit, rot zu
sehen und worin die Bekanntschaft mit dem Begriff des Tons?
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Wenn ich nur etwas Schwarzes sehe und sage, es ist nicht rot, wie
weiss ich, dass ich nicht
Unsinn rede,
d.h. dass es rot
sein kann kann ,
dass es Rot gibt?
Wenn nicht rot eben ein anderer Teilstrich auf dem
Masstab ist, auf dem auch schwarze einer
ist.
Was ist der Unterschied zwischen “das ist nicht rot”
und “das ist nicht
abracadabra”?
Ich muss offenbar
wis- sen, dass
“schwarz”, welches den tatsächlichen Zustand beschreibt
(oder beschreiben hilft) das ist, an dessen Stelle in der
Beschreibung “rot” steht.
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Das Gefühl ist, als müsste <…>
non-p, um
p zu verneinen, es erst in gewis- sem Sinne wahr machen.
Man fragt “ was ist nicht der
Fall”.
Dieses muss dargestellt werden, kann aber doch
nicht so dargestellt werden, dass p
wirk- lich wahr gemacht wird.
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“Das Grau muss bereits im Raum von dunkler
und heller vorgestellt sein, wenn ich davon reden will,
dass es dunkler [¿u¿|o]der heller
werden kann.
Man könnte also vielleicht auch sagen: Der
Masstab muss schon angelegt
105 sein, ich
kann ihn nicht — willkürlich — anlegen, ich kann nur einen
Teil- strich darauf hervorheben.
Das kommt auf Folgendes hinaus: Wenn es um mich her vollkommen
still ist, so kann ich an diese Stille den Gehörsraum nicht willkürlich
anbringen[,| (]auf- bauen), oder nicht
anbringen.
D.h., es ist für mich entweder still im
Gegen- satz zu einem Laut, oder das Wort still hat keine Bedeutung für
mich.
D.h. ich kann nicht wählen zwischen
innerem Gehör und innerer Taubheit.
Und ebenso kann ich, wenn ich grau sehe, nicht
zwischen normalem innerem Sehen, partieller oder vollkommener
Farbenblindheit wählen .”
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“Kann ich mir Schmerzen in der Spitze meines Nagels denken, oder
in mei- nen Ha[¿z¿|a]ren?
Sind diese Schmerzen nicht
ebenso, und ebenso wenig vorstellbar, wie die an irgend
einer Stelle des Körpers, wo ich gerade keine Schmerzen habe und mich an
keine erinnere?”
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Wir sind versucht zu sagen; “ich habe jetzt in der Hand keine
Schmerzen” heisst nur etwas, wenn ich
weiss, wie es ist, wenn man Schmerzen in der Hand
hat.
Was heisst es, das zu wissen?
Was ist unser Kriterium dafür, dass man es
weiss?
Nun, ich würde sagen: “ich habe schon öfters Schmerzen
gehabt”, “ich habe öfters Schmerzen an dieser Stelle
gehabt”, oder “ich habe zwar nicht an
dieser Stelle Schmerzen gehabt, aber an andern Stellen meines
Kör- pers”.
Es könnte gefragt werden: worin besteht die Erinnerung an Deine
ver- gangenen Schmerzen? fühlst Du sie in einer Art
schattenhafter Weise wieder?
Aber sei diese Erfahrung (des Sich-Erinnerns) wie immer, sie ist
eine be- stimmte Erfahrung und ich nenne sie die Erinnerung
“an Schmerzen, die ich gehabt habe” und dies zeigt
eben, wie ich das Wort “Schmerzen” und den
Aus-
106 druck der Vergangenheit
gebrauche.
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Die Verneinung enthält eine Art Allgemeinheit durch das Gebiet von
Mög- lichkeiten, die sie offen lässt.
Aber freilich muss auch die Bejahung sie enthalten
und nur einen andern Gebrauch von ihr machen.
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⇐
Non-p
schliesst p aus; was es dann
zulässt , hängt von der Natur,
d.h. der Grammatik, des p ab.
// “non-p”
schliesst einfach p aus. Was dann
statt p der Fall sein kann, folgt aus dem Wesen des
Ausgeschlossenen.//
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30
“Wie kann das Wort ‘nicht’
verneinen?”
Das Wort “nicht” erscheint uns wie ein
Anstoss zu einer kompl<i>zierten Tätigkeit des
Verneinens.
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“Wie kann das Wort ‘nicht’
verneinen?”
Ja, haben wir denn abgesehen von der Verneinung //
ausser der Verneinung // durch ein
Ze[¿z¿|i]chen, noch einen Begriff von der
Verneinung?
Doch es fällt uns dabei etwas ein, wie: Hindernis, abwehrende
Geste, Ausschluss.
Aber das alles (ist) doch immer in einem
Zeichen verkörpert.
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Was ist der Unterschied zwischen: Wünschen,
dass etwas geschieht und Wünschen,
dass dasselbe nicht geschieht?
Wollte man es bildlich darstellen, man würde mit dem Bild der
Handlung etwas vornehmen: es durchstreichen, in bestimmter
Weise , und
dergleichen.
Aber das erscheint uns als eine rohe Methode des
Aus- drucks; aber ich glaube, dass
jede wesentlich ebenso sein muss; in
der Wortsprache setze ich das Zeichen “nicht” in den
Satz.
ein ungeschickter Behelf und man meint etwa,
im Denken ge- schieht es schon anders.
aber, im Denken, Erwarten, Wünschen, geschieht es ganz
ebenso.
Sonst würde ja auch die Diskrepanz zwischen dem Denken und dem
Sprechen — in dem wir ja doch denken —
unerträglich sein.
108
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der Ausdruck der Verneinung, den wir
gebrauchen, wenn wir uns irgendeiner
bedienen, erscheint uns primitiv ; als gä- be es einen
richtigeren, der mir nur in den rohen Verhältnissen dieser
nicht zur
Verfügung steht.
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Dieses Primitive der Ausdrucksform, das
uns bei der Verneinung aufge- fallen ist, haben wir begegnet; wenn man nämlich etwa einem Menschen
begreiflich machen will, dass er einen gewissen Weg
gehen soll, so kann man ihm den Weg aufzeichen, und hierin
mit beliebig weitgehender Ge- nauigkeit verfahren.
Die Andeutung jedoch, die ihm verständlich machen soll,
dass er den Weg gehen soll, ist wieder
von der primitiven Art, die man gerne verbessern möchte.
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“Was hil[¿c¿|f]t es, dass
als Negationszeichen nur ein Haken vor dem Satz p steht, ich
muss ja doch die ganze Negation
denken”.
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“Das Zeichen ‘ non
’ deutet an, Du sollst , was
folgt, negativ
auf[c|f]as- sen”
Es deutet an
heisst aber, dass
das nicht der
letzte sprachliche Aus- druck ist.
ass das nicht das Bild des Gedankens ist.
Dass mehr in der Ne- gation ist als
das.
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Ich möchte sagen:
Verneinung
ist nur eine Veranlassung um etwas
zu tun;
aber was?
si Lässt sich die Frage
nicht beantwor- ten , so ist sie
unsinnig, und dann ist es auch jener erste Satz.
Es ist, als veranlasste uns das Zeichen der Negation
zu etwas; aber
das wird nicht
gesagt.
Es ist, als brauchte es nur angedeutet werden; als
wüssten wir es schon.
?—Als wäre eine Erklärung
unnötig, da wir die Sache ohnehin schon
kennen.—?
109
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Gäbe es eine explizitere Ausdrucksweise der Negation, so
müsste sie sich doch in/die andere abbilden lassen und könnte darum nicht von anderer
Multiplizität sein.
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Nun wäre aber die Frage: wie zeigt sich das uns bekannte
Spezifische der Negation in den Regeln, die vom Negationszeichen
gelten // handeln //.
Dass
z.B. ein gezeichneter Plan
eines Weges ein Bild des Weges ist, ver- stehen wir ohne weiteres; wo
sich der gezeichnete Strich nach links biegt, biegt auch
der Weg nach links,
etc.
etc..
Dass aber das Zeichen “nicht”
den Plan ausschliesst, sehen wir nicht.
Eher noch, wenn wir etwas ausge- schlossenes mit einem Strich
umfahren, gleichsam abzäumen.
Aber so könnte man ja das “non” als
eine Tafel auffassen “Verbotener Weg”.
Denken wir aber daran, wie jemandem wirklich die Bedeutung so einer
Ta- fel gelehrt würde.
Man würde ihn etwa zurückhalten, den Weg zu gehen.
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“Ich sage doch diese Worte nicht bloss,
sondern ich meine auch etwas mit ihnen”.
Wenn ich
z.B. sage “Du darfst nicht
herein[i|k]ommen”, so ist es der natürliche Akt, zur
Begleitung dieser Worte, mich vor die Tür zu stellen und sie
zuzuhalten.
Aber es wäre nicht so offenbar naturgemäss,
wenn ich sie ihm bei diesen Worten öffnen würde.
Diese Worte haben, wie sie hier verstanden werden, offenbar etwas mit
jenem Akt zu tun.
Der Akt ist sozusagen eine Illustration zu ihnen —
müsste als Sprache aufgefasst
werden können.
Andrerseits ist er aber auch der Akt, den ich abgesehen von
jedem Symbolismus aus meiner Natur tun will.
tue.
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Wie ist es aber mit diesem Gedanken: Wenn
“non-p”
ein Bild sein soll, wäre, was es bedeutet, nicht am besten dadurch
darzustellen, dass das im Zeichen
nicht der Fall ist, was
darstellen würde, dass p der Fall ist.
Es ist aber klar, dass so ein Symbolismus nicht
funktioniert. Es ist dafür keine Erklärung, zu sagen
(was ich einmal sagte), ein sol-
110 cher negativer Symbolismus ginge schon,
er sei nur darum nicht
zu gebrau- chen, weil man aus ihm nicht erfahren könne,
was verneint sei.
Dann ist er eben kein Symbolismus der Negation, wenn er uns nicht das
Nötige mitteilt.
[u|U]nd dann fehlt es ihm am Wesentlichen.
Es hat ja seinen Grund, warum in gewissen Fällen der negative
Symbolis- mus funktioniert und
z.B. keine Antwort
auch eine Antwort ist.
In diesen Fällen ist eben der Sinn des Schweigens eindeutig
bestimmt.
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Es wird eine andere Art Porträt entworfen, durch ein Bild, was zeigen
soll, wie es sich nicht verhält, als durch eines, was zeigt wie es sich
verhält.
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Die Farbangabe, dass etwas nicht rot ist, ist von
anderer Art als die, dass etwas rot (oder
blau) ist.
D.h. sie ist nicht in dem gleichen Sinn eine
Farbangabe.
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Dagegen
kann die Negation eines Satzes eine Angabe gleicher Art
sein, wie der negierte Satz.
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“Ich brauche im negativen Satz das intakte Bild des positiven
Satzes.”
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“Ich kann ein Bild davon zeichnen, wie Zwei miteinander
fechten; aber doch nicht davon, wie Zwei miteinander nicht fechten
(
d.h. nicht ein Bild, das
bloss dies darstellt).
‘Sie fechten nicht miteinander’
heisst nicht, dass davon nicht die
Rede ist, sondern, es ist eben davon die Rede und wird
(nur?) ausgeschlossen”.
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Die Idee der Negation ist nur in einer Zeichenerklärung verkörpert und
soweit wir eine solche Idee besitzen, besitzen wir sie nur in der Form so
111 einer
Er[¿l¿|k]lärung.
Denn wenn man fragen kann “ was meinst Du
damit // mit diesem
Zeichen//”, so ist die Antwort nur eine
Zeichenerklärung (irgendei- ner Art).
Den Begriff der Negation //
Verneinung// besitzen wir nur in einem
Sym- bolismus.
Und darum kann man nicht sagen: “auf die und die Art kann
man die Negation nicht darstellen, weil diese Art nicht eindeutig
wäre” — als han- delte es sich um die Beschreibung eines
Gegenstandes, die nicht eindeutig gegeben worden wäre.
Wenn der Symbolismus nicht erkennen lässt, was
ver- neint wurde, so verneint er nicht; wie ein Schachbrett ohne Felder
kein schlechtes,
d.h. unpraktisches Schachbrett
ist, sondern keins.
Und wenn ich glaubte, auf //
mit// einem Brett ohne Felder Schach spielen zu
können, so habe ich das Spiel einfach missverstanden
und werde etwa jetzt darauf auf das
Miss- verständnis auf- merksam
gemacht.
Ein Symbolismus, der die Negation “nicht darstellen
kann”, ist kein Sym- bolismus der Negation.
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Ich glaube, ein Teil der Schwierigkeit rührt vom Gebrauch der Wörter
“ja” und “nein” her (auch
“wahr” und “falsch”).
Diese beiden lassen es so erscheinen, als wäre ein Satz und sein
Gegenteil im Verhältnis zweier Pole zueinander oder zweier
entgegengesetzter Richtungen.
Während schon, dass
non-non-p
= p ist, eine doppelte Bejahung aber keine Verneinung ist,
zei- gen kann, dass dieses Bild falsch
ist.
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Wenn gefragt würde: ist die Negation
//Verneinung // in der Mathematik, etwa in
non(2+2 =
5), die gleiche, wie die nicht-mathematischer Sätze?
so müsste erst bestimmt werden, was als
Charakteristikum der // dieser
// Ver- neinung als solcher aufzufassen
ist.
Die Bedeutung eines Zeichens liegt ja in den Regeln, nach denen es
verwendet wird // in den Regeln, die seinen Gebrauch
vorschreiben//.
Welche dieser Regeln machen das Zeichen
“non”
112 zur Verneinung?
Denn es ist klar, dass gewisse Regeln, die sich auf
“non”
beziehen, für beide Fälle die gleichen sind;
z.B.
non-non-p
= p.
Man könnte ja auch fragen: ist die Verneinung eines Satzes
“ich sehe einen roten Fleck” die gleiche, wie die von
“die Erde bewegt sich in einer Elipse um die
Sonne”; und die Antwort müsste auch
sein: Wie hast Du “Verneinung”
de- finiert, durch welche Klasse von Regeln? — daraus wird
sich ergeben, ob wir in beiden Fällen “die gleiche
Verneinung” haben.
Wenn die Logik allge- mein von der Verneinung redet, oder einen
Kalkül mit ihr treibt, so ist die Bedeutung des Verneinungszeichens nicht
weiter festgelegt, als die Re- geln <…> seines
Kalküls.
Wir dürfen hier nicht vergessen, dass ein
Wort seine Bedeutung nicht als etwas, ihm ein für allemal verliehenes,
mit sich herumträgt, sodass wir sicher sind, wenn
wir nach dieser Flasche greifen, auch die bestimmte Flüssigkeit,
etwa Spiritus, zu erwischen. //… auch die
bestimmte Flüssigkeit,
z.B. Spiritus, in der Hand zu
halten.//
113
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31
Ist die Zeit den Sätzen wesentlich?
Vergleich von: Zeit und Wahrheitsfunktionen.
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Die Grammatik, wenn sie in der Form eines Buches [a|u]ns
vorlä<…>e, bestün- de nicht aus einer Reihe
bloss nebengeordneter Artikel, sondern würde eine
andere Struktur zeigen.
Und in dieser müsste man — wenn ich Recht
habe — auch den Unterschied zwischen Phänomenologischem und
Nicht-Phäno- menologischem sehen.
Es wäre da etwa ein Kapitel von den Farben, worin der Gebrauch der
Farbwörter geregelt wäre; aber dem vergleichbar wäre nicht, was über die
Wörter “nicht”, “oder”,
etc. (die “logischen
Konstan- ten”) in der Grammatik gesagt würde.
Es würde
z.B. aus den Regeln hervorgehen,
dass diese letzteren Wörter in? jedem
Satz anzuwenden seien (nicht aber die Farbwörter).
Und dieses “jedem” hätte nicht den Charakter einer
erfahrungsmässigen Allgemein- heit; sondern der
inappellablen Allgemeinheit einer obersten Spielregel.
Es scheint mir ähnlich, wie das Schachspiel wohl ohne gewisse Figuren
zu spielen (oder doch fortzusetzen) ist, aber nie ohne das
Schachbrett.
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Wie offenbart sich die Zeitlichkeit der Tatsachen, wie drückt sie sich
aus, als dadurch, dass gewisse Ausdrücke
Wendungen in unsern Sätzen vorkommen
114 müssen.
D.h.: Wie drückt sich die Zeitlichkeit
der Tatsachen aus, als grammatisch?
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Negation und Disjunktion, möchten wir sagen, hat mit dem Wesen des
Sat- zes zu tun, die Zeit aber nicht, sondern mit seinem
Inhalt.
Wie aber kann es sich in der Grammatik zeigen, dass
Etwas mit dem Wesen des Satzes zusammenhängt und etwas anderes nicht,
wenn sie beide gleich allgemein sind?
Oder sollte ich sagen, die geringere Allgemeinheit wäre auf seiten der
Zeit, da die mathematischen Sätze negiert und disjungiert werden können,
aber nicht zeitlich sind?
Ein Zusammenhang ist wohl da, wenn auch diese Form, die Sache
darzustellen, irreführend ist.
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Wie unterscheidet die Grammatik zwischen Satzform und Inhalt?
Denn dies soll ja ein grammatikalischer Unterschied sein.
Wie sollte man ihn be- schreiben können, wenn ihn die Grammatik nicht
ezeigt?
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Was hat es mit dem Schema “Es verhält sich so und
so” für eine Bewandt- nis?
Man könnte sagen, das “Es verhält sich” ist
die Handhabe für den An- griff der
Wahrheitsfunktionen.
“Es verhält sich” ist also nur ein Ausdruck aus einer
Notation der Wahr- heitsfu[¿t¿|n]ktionen.
Ein Ausdruck, der uns zeigt, welcher Teil der Grammatik hier in
Funktion tritt.
⇄
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?—Jene Zweifache Art der
Allgemeinheit wäre so seltsam—?, wie wenn von
zwei Regeln eines Spiels, die beide gleich ausnahmslos gelten, die eine
als die fundamentalere angesprochen würde.
Als könnte man also fragen //
darüber reden//, ob der König oder das
Schachbrett für das Schachspiel essentiel- ler wäre.
Welches von beiden das Wesentlichere, welches das
Zufälligere wäre.
115
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Zum mindesten scheint eine Frage berechtigt: Wenn ich die
Grammatik aufgeschrieben hätte und die verschiedenen Kapitel, über die
Farbwörter,
etc.
etc. der Reihe nach da
¿sün¿ stünden, wie Regeln über alle die
Figuren des Schachspiels, wie wüsste ich dann,
dass dies nun alle Kapitel
sind?
Und wenn sich nun in allen vorhandenen Kapiteln eine gemeinsame
Ei- gentümlichkeit findet, so haben wir es hier scheinbar mit
einer logischen Allgemeinheit, aber keiner wesentlichen,
d.h. voraussehbaren Allgemein- heit, zu
tun.
Man kann aber doch nicht sagen, dass die Tatsache,
dass das Schachspiel mit 16 Figuren gespielt
wird, ihm weniger wesentlich ist, als, dass es auf
dem Schachbrett gespielt wird.
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Da Zeit und Wahrheitsfunktionen so verschieden schmecken und da sie ihr
Wesen allein und ganz in der Grammatik offenbaren, so
muss die Grammatik den verschiedenen Geschmack
erklären.
Das eine schmeckt nach Inhalt, das andere nach Darstellungsform.
Sie schmecken so verschieden, wie der Plan und der Strich durch den
Plan.
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Es kommt mir so vor, als wäre die Gegenwart, wie sie in dem Satz
“der Himmel ist blau” steht (wenn dieser Satz
nicht-hypothetisch gemeint ist), keine Form der Zeit.
Als ob also die Gegenwart in diesem Sinne un- zeitlich
wäre.
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Es ist merkwürdig, dass die Zeit, von der ich hier
rede, nicht die im physikalischen Sinne ist.
Es handelt sich hier nicht um eine Zeitmessung.
Und es ist verdächtig, dass etwas, was mit einer
solchen Messung nichts zu tun hat, in den Sätzen eine ähnliche
Rolle spielen soll, wie die physi- kalische Zeit in den Hypothesen der
Physik.
116
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Diskutiere: Der Unterschied zwischen der Logik des
Inhalts und der Logik der Satz- form überhaupt.
Das eine erscheint gleichsam bunt, das andere matt.
Das eine scheint von dem zu handeln, was das Bild darstellt, das
andere, wie der Rahmen des Bildes ein
Charakteristi[¿u¿|k]um der Bildform zu sein.
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Dass alle Sätze die Zeit in irgend einer Weise
enthalten, scheint uns zufällig, im Vergleich damit,
dass auf alle Sätze die Wahrheitsfunktionen
anwendbar sind.
Das scheint mit ihrem Wesen als Sätzen zusammenzuhängen, das andere mit
dem Wesen der vorgefundenen Realität.
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Eine Hypothese könnte man offenbar durch Bilder erklären.
Ich meine, man könnte
z.B. die Hypothese
“hier liegt ein Buch” durch Bilder erklären, die das
Buch im Grundriss, Aufriss und
verschiedenen Schnitten zeigen.
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Eine solche Darstellung gibt ein Gesetz .
Wie die Gleichung einer Kurve ein Gesetz gibt, nach der die
Ord[n|i]natenabschnitte aufzufinden sind, wenn man in
verschiedenen Abszissen schneidet.
Die fallweisen Verifikationen entsprechen dann solchen wirklich
ausge- führten Schnitten.
Wenn unsere Erfahru[g|n]gen die Punkte auf einer
Geraden ergeben, so ist der Satz, dass diese
Erfahrungen die verschiedenen Ansichten einer Geraden sind, eine
Hypothese.
Die Hypothese ist eine Art der Darstellung dieser Realität, denn eine
neue Erfahrung kann mit ihr übereinstimmen oder nicht-übereinstimmen,
bezw. eine Aenderung der
Hypothese nötig machen.
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Drücken wir
z.B. den Satz, dass
eine Kugel sich in einer bestimmten Entfernung von unseren Augen
befindet, mit Hilfe eines Koordinatensystems
118 und der Kugelgleichung aus, so hat diese
Beschreibung eine grössere Man- nigfaltigkeit, als
die einer Verifikation durch das Auge.
Jene Mannigfal- tigkeit entspricht nicht einer
Verifikation, sondern einem Ge- setz , welchem
Verifikationen gehorchen.
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Eine Hypothese ist ein Gesetz zur Bildung von Sätzen.
Man könnte auch sagen: Eine Hypothese ist ein Gesetz zur
Bildung von Erwartungen.
Ein Satz ist sozusagen ein Schnitt durch eine Hypothese in einem
be- stimmten Ort.
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Nach meinem Prinzip müssen die beiden Annahmen ihrem Sinne nach
iden- tisch sein, wenn alle mögliche Erfahrung, die die
eine bestätigt, auch die andere bestätigt.
Wenn also keine Entscheidung zwischen durch die
Erfahrung denkbar ist.
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Darstellung einer Linie als Gerade mit Abweichungen.
Die Gleichung der Linie enthält einen Parameter, dessen Verlauf die
Abweichungen von der Ge- raden ausdrückt.
Es ist nicht wes[¿r¿|e]ntlich,
dass diese Abweichungen “gering”
seien.
Sie können so gross sein, dass
die Linie einer Geraden nicht ähnlich sieht.
Die “Gerade mit Abweichungen” ist nur eine Form der
Beschreibung.
Sie erleichtert es mir, einen bestimmten Teil der Beschreibung
auszuschalten, zu vernachlässigen, wenn ich will.
(Die Form “Regel mit Ausnahmen”.)
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Was hei[w|s]st es, sicher zu sein,
dass man Zahnschmerzen haben wird.
( Kann man nicht sicher sein, dann erlaubt es die
Grammatik nicht, das Wort “sicher” in dieser Verbindung
zu gebrauchen.)
Grammatik des Wortes “sicher sein”.
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Man sagt: “Wenn ich sage, dass
ich einen Sessel dort sehe, so sage ich mehr, als ich sicher
weiss”.
Und nun heisst es meistens:
“Aber eines weiss ich
doch sicher”.
Wenn man aber nun sagen will, was das ist, so kommt man in eine gewisse
Verlegenheit.
“Ich sehe etwas Braunes , — das ist
sicher”; damit will man ei- gentlich sagen,
dass die braune Farbe gesehen, und nicht
vielleicht auch nur bloss vermutet
ist (wie etwa in dem Fall, wo ich es sie aus gewissen
anderen An- zeichen vermute). //…und
nicht vielleicht auch bloss aus anderen
Anzei- chen vermutet ist.//
Und man sagt ja auch einfach: “Etwas Braunes
sehe ich”.
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Wenn mir gesagt wird: “Sieh in dieses Fernrohr und
zeichne mir auf, was Du siehst”, so ist, was ich zeichne, der
Ausdruck eines Satzes, nicht ei- ner Hypothese.
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Wenn ich sage “hier steht ein Sessel”, so ist damit
— wie man sagt — “mehr” gemeint, als die
Beschreibung dessen, was ich wahrnehme.
Und das kann nur heissen,
dass dieser Satz nicht wahr sein
muss, auch wenn die
Be- [w|s]chreibung des Gesehenen stimmt.
Unter welchen [u|U]mständen werde ich nun sa- gen,
dass jener Satz nicht wahr war?
Offenbar: wenn gewisse andere Sätze nicht wahr sind, die in dem
ersten mit beinhaltet waren.
Aber es ist nicht so, als ob nun der erste ein logisches Produkt
gewesen wäre.
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Das beste Gleichnis für jede Hypothese, und selbst ein Beispiel, ist
ein Körper mit seinen nach einer bestimmten Regel konstruierten Ansichten
aus den verschiedenen Punkten des Raumes.
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Der Vorgang einer Erkenntnis in einer wissenschaftlichen Untersuchung
(in der Experimentalphysik etwa) ist freilich nicht der einer
Erkenntnis im Leben ausserhalb dem des
// Laboratoriums; aber er ist ein
ähnli-
120 cher
und kann, neben den andern gestellt //
gehalten//, diesen be- leuchten.
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Es ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Sätzen wie “das ist
ein Löwe”, “die Sonne ist grösser
als die Erde”, die alle ein “dieses”,
“jetzt”, “hier” enthalten und also an
die Realität unmittelbar anknüpfen, und Sät- zen wie “Menschen
haben zwei Hände”
etc.
Denn, wenn zu[a|f]ällig keine Menschen in meiner Umgebung
wären, wie wollte ich diesen Satz kontrollieren?
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Es werden immer Fassetten der Hypothese
verifiziert.
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Ist es nun nicht etwa so, dass das , was
die Hypothese erklärt, selbst nur wieder durch eine Hypothese ausdrückbar
ist.
Das heisst natürlich: gibt es überhaupt
primäre Sätze; die also endgültig verifizierbar sind, und nicht die
Fassetten einer Hypothese sind?
(Das ist etwa, als würde man fra- gen “gibt es Flächen,
die nicht Oberflächen von Körpern sind?”)
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Es kann jedenfalls kein Unterschied sein zwischen einer Hypothese, als
Ausdruck einer unmittelbaren Erfahrung gebraucht, und einem Satz im
engeren Sinne.
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Es ist ein Unterschied zwischen einem Satz wie “hier liegt eine
Kugel vor mir” und “es schaut so aus, als läge eine
Kugel vor mir”. —
Das zeigt sich auch so: man kann sagen “es scheint eine
Kugel vor mir zu liegen”, aber es ist sinnloss zu
sagen: “es schaut so aus, als schiene eine Kugel hier zu
liegen”.
Wie man auch sagen kann “hier liegt wahrscheinlich eine
Kugel”, aber nicht “wahrscheinlich scheint hier eine Kugel
zu liegen”.
Man würde in so einem Falle sagen: “ob es
scheint , musst Du doch
wissen”.
121
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In dem, was den Satz mit der gegebenen Tatsache verbindet, ist nichts
Hypothetisches.
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Es ist doch klar, dass eine Hypothese von der
Wirklichkeit — ich meine von der unmittelbaren Erfahrung —
einmal mit ja, einmal mit nein beantwor- tet wird; (wobei freilich
das “ja” und “nein” hier nur Bestätigung
und Feh- len der Bestätigung ausdrückt) und
dass man dieser Bejahung und Verneinung Ausdruck
verleihen kann.
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Die Hypothese wird, mit der Fassette an
die Realität angelegt, zum Satz.
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Ob der Körper, den ich sehe, eine Kugel ist, kann zweifelhaft sein,
aber, dass er von hier etwa eine
[M|K]ugel zu sein scheint, kann nicht zweifelhaft sein.
—
Der Mechanismus der Hypothese würde nicht funktionieren, wenn der
Schein noch zweifelhaft wäre; wenn also auch nicht eine
Fassette der Hypo- these unzweifelhaft verifiziert
würde.
Wenn es hier Zweifel gäbe, was könn- te den Zweifel heben?
Wenn auch diese Verbindung locker wäre, so gäbe es auch nicht
Bestätigung einer Hypothese, die Hypothese hinge dann gänzlich in der
Luft und wäre zwecklos (und damit sinnlos).
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Wenn ich sagte “ich sah einen Sessel”; so widerspricht
dem (in einem Sinne) nicht der Satz “es war
keiner da”.
Denn den ersten Satz würde ich auch in der Beschreibung eines Traums
verwenden und niemand würde mir dann mit den Worten des zweiten
widersprechen.
Aber die Beschreibung des Traums mit jenen Worten wirft ein Licht auf
den Sinn der Worte “ ich sah ”.
In dem Satz “es war ja keiner da” kann das
“da” übrigens verschiedene Bedeutung haben.
122 haben.
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Ich stimme mit den Anschauungen neuerer
Physiker überein, wenn sie sa- gen, dass die
Zeichen in ihren Gleichungen keine “Bedeutungen” mehr
haben, und dass die Physik zu keinen solchen
Bedeutungen gelangen könne, sondern bei den Zeichen stehen bleiben
müsse: sie sehen nämlich nicht, dass diese
Zeichen insofern Bedeutung haben — und nur insofern — als ihnen,
auf welchen Umwegen immer, das beobachtete Phänomen entspricht, oder
nicht</>entspricht.
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Denken wir uns, dass das Schachspiel nicht als
Brettspiel erfunden worden wäre, sondern als Spiel, das mit Ziffern und
Buchstaben auf Papier zu spie- len ist und so,
dass sich niemand dabei ein Qu[d|a]drat mit
64 Feldern
etc. vor- gestellt hätte.
Nun aber hätte jemand die Entdeckung gemacht, dass
dieses Spiel ganz einem entspricht, das man auf einem Brett in der und
der Weise spielen könnte.
Diese Erfindung wäre eine grosse Erleichterung des
Spiels gewesen (Leute, denen es früher zu schwer gewesen wäre, könnten
es nun spie- len).
Aber es ist klar, dass diese neue Illustration der
Spielregeln nur ein neuer, leichter übersehbarer, Symbolismus wäre, der
übrigens mit dem Ge- schriebenen auf gleicher Stufe stünde.
Vergleiche nun damit das Gerede da- rüber, dass
die Physik heute nicht mehr mit mechanischen Modellen, sondern
“nur mit Symbolen” arbeitet.
123
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Die Wahrscheinlichkeit einer Hypothese hat ihr Mass
darin, wieviel Evi- denz nötig ist, um es vorteilhaft zu machen, sie
umzustossen.
Nur in diesem Sinne kann man sagen, dass wiederholte
gleichförmige Erfah- rung in der Vergangenheit das Andauern dieser
Gleichförmigkeit in der Zu- kunft wahrscheinlich macht.
Wenn ich nun in diesem Sinne sage: Ich nehme an,
dass morgen die Sonne wieder aufgehen wird, weil das
Gegenteil zu unwahrscheinlich ist, so meine ich hier mit
“wahrscheinlich” oder “unwahrscheinlich”
etwas ganz Anderes, als mit diesen Worten im Satz “es ist gleich
wahrscheinlich, dass ich Kopf oder
[¿D¿|A]dler werfe” gemeint ist.
Die beiden Bedeutungen des Wortes
“wahr- scheinlich” stehen zwar in einem gewissen
Zusammenhang, aber sie sind nicht identisch.
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Man gibt die Hypothese nur um einen immer höheren Preis auf.
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Die Induktion ist ein Vorgang nach einem ökonomischen Prinzip.
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Die Frage der Einfachheit der Darstellung durch eine bestimmte
angenom- mene Hypothese hängt, glaube ich, unmittelbar mit der Frage
der Wahrschein- lichkeit zusammen.
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Man kann einen Teil einer Hypothese vergleichen mit der Bewegung eines
Teils eines Getriebes, einer Bewegung, die man festlegen kann, ohne
da- durch die bezweckte Bewegung zu präjudizieren.
Wohl aber hat man dann das übrige Getriebe auf eine bestimmte Art
einzurichten, dass es die gewünschte Bewegung
hervorbringt.
Ich denke an ein Differentialgetriebe. —
Habe ich
die Entscheidung getroffen,
dass von einem gewissen Teil meiner Hypothese nicht
abgewichen werden soll, was immer die zu beschreibende Erfahrung sei, so
ha- be ich eine Darstellungsweise festgelegt und jener Teil der
Hypothese ist nun ein Postulat.
Ein Postu- lat muss von solcher Art sein,
dass keine denkbare Erfahrung es widerlegen kann,
wann es auch äusserst unbequem sein mag, an dem
Postulat festzuhalten.
In dem Masse, wie man hier von einer
grösseren oder geringeren Bequemlichkeit reden kann,
gibt es eine grössere oder geringere Wahrscheinlichkeit
des Postulats.
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Von einem Mass dieser Wahrscheinlichkeit zu reden,
ist nun <…> vor der Hand sinnlos.
Es verhält sich hier ähnlich, wie im Falle, etwa, zweier
Zahlen- arten, wo wir mit einem gewissen Recht sagen können, die eine
sei der an- dern ähnlicher (stehe ihr näher) als einer dritten,
ein zahlenmässiges Mass der
Aehnlichkeit aber nicht existiert.
Man könnte sich natürlich auch in solchen Fällen ein
Mass konstruiert denken, indem man etwa die
Postulate
125 oder Axiome zählt, die beide Systeme gemein
haben,
etc.
etc..
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Ich gebe jemandem die Information undd nur diese: Du wirst
um die und die Zeit auf der Strecke A B einen Lichtpunkt erscheinen
sehen.
Hat nun die Frage einen Sinn, “ist es wahrscheinlicher,
dass dieser Punkt im
In[v|t]erval A C erscheint, als in C
B”?
Ich glaube, offenbar nein. —
Ich kann freilich bestimmen, dass die
Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis in C B
eintritt, sich zu der, dass es in A C
eintritt, verhalten soll, wie CB/AC, aber das ist eine
Bestim- mung, zu der ich empirische Gründe haben kann, aber a
priori ist darüber nichts zu sagen.
Die beobachtete Verteilung von Ereignissen kann nicht zu dieser Annahme
führen.
Die Wahrscheinlichkeit, wo unendlich viele Möglich- keiten in
Betracht kommen, muss natürlich als Limes betrachtet
werden.
Tei- le ich nämlich die Strecke A B in beliebig viele, beliebig
ungleiche Teile und betrachte die Wahrscheinlichkeiten,
dass das Ereignis in irgend einem dieser Teile
stattfindet, als untereinander gleich, so haben wir sofort den einfachen
Fall des Würfels vor uns.
Und nun kann ich ein Gesetz — willkür- lich — aufstellen,
wonach Teile gleicher Wahrscheinlichkeit gebildet werden sollen.
Z.B., das Gesetz, dass gleiche
Länge der Teile gleiche Wahrschein- lichkeit
bedingt,.
Aber auch jedes andere Gesetz ist gleichermassen
erlaubt.
Könnte ich nicht auch im Fall des Würfels etwa 5 Flächen zusammennehmen
als eine Möglichkeit und sie der sechsten als der zweiten Möglichkeit
ge- genüberstellen?
Und was, ausser der Erfahrung, kann mich hindern,
diese b[d|e]i- den Möglichkeiten als gleich wahrscheinlich
zu betrachten?
Denken wir uns etwa einen roten Ball geworfen, der nur eine ganz kleine
grüne Calotte hat.
Ist es in diesem Fall nicht viel wahrscheinlicher,
dass er auf dem roten Teil auffällt, als auf dem
grünen? —
Wie würde man aber diesen Satz begründen?
Wohl dadurch, dass der Ball, wenn man ihn wirft,
viel öfter auf die rote, als auf die grüne Fläche auffällt.
Aber das hat nichts
126 mit der Logik zu tun. —
Man könnte die rote und grüne Fläche und die Er- eignisse, die auf
ihnen stattfinden, immer auf solche Art auf eine Fläche projizieren,
dass die Projektion der grünen Fläche gleich oder
grösser wäre als die der roten; so,
dass die Ereignisse, in dieser Projektion
betrach- tet, ein ganz anderes Wahrscheinlichkeitsverhältnis zu haben
scheinen, als auf der ursprünglichen Fläche.
Wenn ich
z.B. die Ereignisse in einem
geeig- neten gekrümmten Spiegel sich abbilden lasse und mir nun denke,
was ich für das wahrscheinlichere Ereignis gehalten hätte, wenn ich nur
das Bild im Spiegel sehe.
Dasjenige, was der Spiegel nicht verändern kann, ist die Anzahl
bestimmt umrissener Möglichkeiten.
Wenn ich also auf meinem Ball n Farbenflecke ha- be, so zeigt
der Spiegel auch n, und habe ich bestimmt ,
dass die- se als gleich wahrscheinlich gelten
sollen, so kann ich diese Bestimmung auch für das Spiegelbild aufrecht
erhalten.
Um mich noch deutlicher zu machen: Wenn ich das Experiment im
Hohlspie- gel ausführe,
d.h. die
Beobachtungen im Hohlspiegel mache, so wird es vielleicht
scheinen, als fiele der Ball öfter auf die kleine Fläche, als auf
die viel grössere und es ist klar,
dass keinem der Experimente — im Hohlspiegel
und ausserhalb — ein Vorzug gebührt.
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Wir können unser altes Prinzip auf die Sätze, die eine
Wahrscheinlich- keit ausdrücken, anwenden und sagen,
dass wir ihren Sinn erkennen werden, wenn wir
bedenken, was sie verifiziert.
Wenn ich sage “das wird wahrscheinlich eintreffen”, wird
dieser Satz durch das Eintreffen ver[f|i]fiziert, oder durch
das Nichteintreffen falsifi- ziert?
Ich glaube, offenbar nein.
Dann sagt er <…> auch nichts darüber aus.
Denn, wenn ein Strei[¿e¿|t] darüber entstünde, ob es
wahrscheinlich ist oder
127 nicht, so würden immer nur Argumente aus
der Vergangenheit herangezogen werden.
Und auch dann nur, wenn es bereits bekannt wäre, was eingetroffen
ist.
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Die Kausalität beruht auf einer beobachteten Gleichförmigkeit.
Nun ist zwar nicht gesagt, dass eine bisher
beobachtete Gleichförmigkeit immer so weiter gehen wird, aber,
dass die Ereignisse bisher gleichförmig waren,
muss feststehen; das kann nicht wieder
das unsichere Resultat einer em- pirischen Reihe sein, die selbst
<…> auch wieder nicht gegeben ist, sondern von einer ebenso
unsicheren abhängt,
u.s.f. ad
inf.
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Wenn Leute sagen, der Satz “es ist wahrscheinlich,
dass p eintreffen wird” sage etwas
über das Ereignis p, so vergessen sie, dass es
auch wahr- scheinlich bleibt, wenn das Ereignis p
nicht eintrifft.
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Wir sagen mit dem Satz “p wird wahrscheinlich
eintreffen” zwar etwas über die Zukunft, ˇaber
nicht etwas “ über das Ereignis p”, wie
die gramma- tische Form der Aussage uns glauben macht.
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Wenn ich nach dem Grund einer Behauptung frage, so ist die Antwort auf
diese Frage nicht für den Gefragten und eben diese Handlung
(die Be- hauptung), sondern allgemein
gültig.
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Wenn ich sage: “das Wetter deutet auf Regen”, sage
ich etwas über das zukünftige Wetter?
Nein, sondern über das gegenwärtige, mit Hilfe eines Ge- setzes,
welches das Wetter zu einer Zeit mit dem Wetter zu einer
späteren // in einer früheren//
Zeit in Verbindung bringt.
Dieses Gesetz muss be- reits vorhanden sein, und
mit seiner Hilfe fassen wir gewisse Aussagen über
128 unsere Erfahrung zusammen.
—
Aber dasselbe könnte man dann auch für historische Aussagen
behaup- ten.
Aber es war ja auch vorschnell, zu sagen, der Satz “das Wetter
deutet auf Regen” sage nichts über das zukünftige
Wetter.
Das kommt darauf an, was man darunter versteht “etwas über
etwas auszusagen”.
Der Satz sagt eben sei- nen Wortlaut!
Der Satz “p wird wahrscheinlich eintreten”
sagt // Er sagt// nur etwas über die
Zukunft in einem Sinn, in welchen seine Wahr- und
Falschheit gänz- lich unabhängig ist von dem, was in der Zukunft
geschehen wird.
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Wenn wir sagen, “das Gewehr zielt jetzta auf den Punkt
P”, so sagen wir
nichts darüber, wohin der
Schuss treffen wird.
Der Punkt auf den es zielt, ist ein geometrisches
Hilfsmittel zur Angabe seiner Richtung.
Dass wir gerade dieses Mittel ver- wenden, hängt
allerdings mit gewissen Erfahrungen //
Beobachtungen// zu- sammen (Wurfparabel,
etc.), aber diese treten jetzt nicht in die
Beschrei- bung der Richtung ein.
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Die
Gallton'sche Photographie, das Bild einer
Wahrscheinlichkeit.
Das Gesetz der Wahrscheinlichkeit, das Naturgesetz, was man sieht, wenn
man blinzelt.
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Was heisst es: “die Punkte, die das
Experiment liefert, liegen durch- schnittlich auf einer
Geraden”? oder: “wenn ich mit einem guten
Würfel würf- le, so werfe ich durchschnittlich alle 6 Würfe eine
1”?
Ist dieser Satz mit jeder Erfahrung, die ich etwa mache,
vereinbar?
Wenn er das ist, so sagt er nichts.
Habe ich (vorher) angegeben, mit welcher
Erfahrung er nicht mehr vereinbar ist, welches die Grenze ist, bis zu der
die Ausnahmen von der Regel gehen dürfen, ohne die Regel
umzustossen?
Nein.
Hätte ich aber
129 nicht eine solche Grenze aufstellen
können?
Gewiss. —
Denken wir uns, die Grenze wäre so gezogen: wenn unter 6
aufeinander folgenden Würfen 4 glei- che auftreten, ist der Würfel
schlecht.
Nun fragt man aber: “Wenn das aber nur selten
genug geschieht, ist er dann nicht doch gut!?”
—
Darauf lautet die Antwort: Wenn ich das Auftreten von 4
gleichen Würfen unter 6 aufeinan- der folgenden für eine bestimmte Zahl
von Würfen erlaube, so ziehe ich da- mit eine andere
Grenze, als die erste war.
Wenn ich aber sage “jede Anzahl gleicher aufeinander folgender
Würfe ist erlaubt, wenn sie nur sel- ten genug auftritt, dann habe ich
damit die Güte des Würfels im strengen Sinne als unabhängig von
den Wurfresultaten erklärt.
Es sei denn, dass ich unter der Güte des Würfels
nicht eine Eigenschaft des Würfels, sondern eine Eigenschaft einer
bestimmten Partie im Würfelspiel verstehe.
Denn dann kann ich allerdings sagen: Ich nenne den Würfel
in einer Partie gu[,|t], wenn unter den
N Würfen der
Partie nicht mehr als log
N gleiche aufeinander folgende vorkommen.
Hiermit wäre aber eben kein Test zur Ueberprüfung von
Würfeln gegeben, sondern ein Kriterium zur Beurteilung einer Partie des
Spiels.
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Man sagt, wenn der Würfel gla ganz
gleichmässig und sich selbst überlas- sen ist,
dann muss die Verteilung der Ziffern 1, 2, 3, 4, 5, 6
unter den Wurfresultaten gleichförmig sein, weil kein Grund
vorhan- den ist , weshalb die eine Ziffer öfter vorkommen sollte
als die ande- re.
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Stellen wir nun aber die Wurfresultate statt durch die Ziffern 1 bis 6
durch die Worte der Funktion
(x-3)²
für die Argumente 1 bis 6 dar, also durch die Ziffern 0, 1, 4, 9.
Ist ein Grund vorhanden, warum eine die- ser Ziffern
öfter in den neuen Wurfresultaten fungieren soll, als eine
andere?
Dies lehrt uns, dass das Gesetz a priori der
Wahrscheinlichkeit eine Form von Gesetzen ist, wie die der Minimumgesetze
der Mechanik
etc..
130
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Hätte man durch Versuche herausgefunden, dass die
Verteilung der Würfe 1 bis 6 mit einem regelmässigen
Würfel so ausfällt, dass die Verteilung der Werte
(x—3)²
eine gleichmässige wird, so hätte man nun
diese Gleichmässigkeit als die
Gleichmässigkeit a priori erklärt.
So machen wir es auch in der kinetischen Gastheorie: wir
stellen die Verteilung der Molekülbewegungen in der Form irgend einer
gleichförmigen Verteilung dar; was aber gleichförmig
verteilt ist — so wie an andrer Stelle was zu einem
Minimum wird — wählen wir so, dass unsere
Theorie mit der Erfahrung übereinstimmt.
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“Die Moleküle bewegen sich bloss nach den
Gesetzen der Wahrscheinlich- keit”, das soll
heissen: die Physik tritt ab, und die Moleküle
bewegen sich jetzt quasi bloss nach Gesetzen der
Logik.
Diese Meinung ist ver- wandt der, dass das
Trägheitsgesetz ein Satz a priori ist; und auch hier redet man
davon, [d|w]as ein Körper tut, wenn er sich selbst überlassen
ist.
Was ist das Kriterium dafür, dass er sich selbst
überlassen ist?
Ist es am Ende das, dass er sich gleichförmig in
einer Geraden bewegt?
Oder ist es ein anderes.
Wenn das letztere, dann ist es eine Sache der Erfahrung, ob das
Trägheitsgesetz stimmt; im ersten Fall aber war es gar kein Gesetz,
son- dern eine Definition.
Und Analoges gilt von einem Satz: “wenn die Teilchen
sich selbst überlassen sind, dann ist die Verteilung ihrer Bewegungen die
und die”.
Welches ist das Kriterium dafür, dass sie sich selbst
überlassen sind?
etc..
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/Wenn die Messung ergibt, dass der Würfel genau
und homogen ist, — ich nehme an, dass die
Ziffern auf seinen Flächen die Wurfresultate nicht be- einflussen
— und die werfende Hand bewegt sich regellos — folgt daraus die
durchschnittlich gleichmässige Verteilung der Würfe 1
bis 6?
Woraus sollte man die schliessen?
Ueber die [N|B]ewegung beim Werfen
hat man keine Annahme
131 gemacht und die Prämisse der
// Annahme der// Genauigkeit des Würfels ist
doch von ganz anderer Art
//Multiplizität//, als eine
durchschnittlich gleichförmige Verteilung von Resultaten.
Die Prämisse ist gleichsam ein- färbig, die Konklusion
gesprenkelt.
Warum hat man gesagt, der Esel werde zwischen den beiden gleichen
Heubündeln verhungern, und nicht, er werde durchschnittlich so oft
von dem einen, wie von dem andern fressen // er werde von
beiden durchschnittlich gleich oft fressen //?
/
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Zu sagen, die Punkte, die dieses Experiment [.|l]iefert,
liegen durch- schnittlich auf dieser Linie,
z.B.
einer Geraden, sagt etwas Aehnliches
wie: “aus dieser Entfernung gesehen, scheinen
sie in einer Geraden zu liegen”.
Ich kann von einer Linie // Strecke //
sagen, der allgemeine Eindruck ist der einer Geraden; aber nicht:
“die Linie Strecke schaut gerade aus, denn sie
kann das Stück einer Linie sein, die mir als Ganzes
Ganze den Eindruck der Gera- den macht”.
(Berge auf der Erde und auf dem Mond.
Erde eine Kugel.)
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Das Experiment des Würfelns dauert eine gewisse Zeit, und unsere
Erwar- tungen über die zukünftigen Ergebnisse des Würfelns können sich
nur auf Tendenzen gründen, die wir in den Ergebnissen des Experiments
wahrnehmen.
D.h., das Experiment kann nur die Erwartung
begründen, dass es so wei- tergehen
wird, wie (es?) das Experiment gezeigt hat.
Aber wir können nicht erwarten, dass das
Experiment, wenn fortgesetzt, nun Ergebnisse liefern wird, die mehr als
die des wirklich ausgeführten Experiments mit einer
vor- gefassten Meinung über seinen Verlauf
übereinstimmen.
Wenn ich also
z.B. Kopf und Adler werfe und in
den Ergebnissen des Experiments keine Tendenz der Kopf-
und Adler-Zahlen finde, sich weiter <…> einander zu
nähern, so gibt das Experiment mir keinen Grund zur Annahme,
dass seine Fortsetzung eine solche Annäherung zeigen
wird.
Ja die Erwartung dieser Annäherung muss sich
selbst auf einen bestimmten Zeitpunkt beziehen, denn man kann nicht
sagen, man erwarte, dass ein Ereignis
einmal — in der unendlichen
132 Zukunft — eintreten werde.
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Alle “begründete Erwartung” ist Erwartung,
dass eine bis jetzt beobach- tete Regel
weiterhin // weiter // gelten
wird.
(Die Regel aber muss beobachtet worden sein und
kann nicht selbst wie- der bloss erwartet
werden.)
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Die Logik der Wahrscheinlichkeit hat es mit dem Zustand der Erwartung
nur soweit zu tun, wie die Logik überhaupt, mit dem Denken.
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Von der Lichtquelle Q wird ein Lichtstrahl ausgesandt, der die
Scheibe AB trifft, dort einen Lichtpunkt er- zeugt und dann die
Scheibe AC trifft.
Wir haben nun kei- nen Grund zur Annahme, der
Lichtpunkt auf AB werde rechts von der Mitte M liegen, noch
zur entgegengesetz- ten; aber auch keinen Grund anzunehmen, der
Lichtpunkt auf AC werde auf der und nicht auf jener
Seite von der Mitte m liegen. // Wir
haben nun keinen Grund, anzunehmen, dass der Lichtpunkt
auf AB eher auf der einen Seite der Mitte M, als auf der
andern liegen wird; aber auch keinen Grund, anzunehmen, der Lichtpunkt
auf AC werde auf der einen und nicht auf der andern Seite der Mitte
m liegen.
Das gibt also widerspre- chende Wahrscheinlichkeiten.
Wenn ich nun eine Annahme über den Grad der Wahrscheinlichkeiten mache,
dass der eine Lichtpunkt im Stück AM liegt,
— wie wird diese Annahme verifiziert.
Wir denken meinen doch, durch einen
Häufig- keitsversuch.
Angenommen nun, dieser bestätigt die Auffassung, dass
die Wahrscheinlichkeiten für das Stück AM und BM gleich sind
(also für Am und Cm verschieden), so ist sie damit als
die richtige erkannt und erweist sich also als eine physikalische
Hypothese.
Die geometrische Konstruktion zeigt nur, dass die
Gleichheit der Strecken AM und BM kein Grund
zur Annahme gleicher Wahrscheinlichkeit war.
133
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Wenn ich annehme, die Messung ergebe, dass der Würfel
genau und homogen ist, und die Ziffern auf seinen Flächen die
Wurfresultate nicht beeinflus- sen, und die Hand, die ihn wirft, bewegt
sich ohne bestimmte Regel; folgt daraus die //
eine// durchschnittlich gleichförmige Verteilung der Würfe
1 bis 6 unter den Wurfergebnissen? —
Woraus sollte sie hervorgehen?
Dass der Würfel genau und homogen ist, kann doch
keine durchschnitt- lich gleichförmige Verteilung von
Resultaten begründen.
(Die Voraussetzung ist sozusagen homogen, die Folgerung wäre
gesprenkelt.)
Und über die Bewegung beim Werfen haben wir ja keine Annahme
gemacht.
(Mit der Gleichheit der beiden Heubündel hat man zwar
begründet, dass der Esel in ihrer Mitte verhungern
(werde); aber nicht, dass
er ungefähr gleich oft von jedem fressen werde.) —
Mit unseren Annahmen ist es auch vollkommen ver- einbar,
dass mit dem Würfel 100 Einser nacheinander geworfen
werden, wenn Reibung, Handbewegung, Luftwiderstand so
zusammentreffen.
Die Erfahrung, dass das nie geschieht, ist
eine, die diese Faktoren betrifft // ist eine diese
Faktoren betreffende//.
Und die Vermutung der gleichmässigen
Vertei- lung der Wurfergebnisse ist eine Vermutung über das Arbeiten
dieser Fakto- ren //
Einflüsse//.
Wenn man sagt, ein gleicharmiger Hebel, auf den symmetrische Kräfte
wir- ken, müsse in Ruhe bleiben, weil keine Ursache vorhanden ist,
weshalb er sich eher auf die eine als auf die andre Seite neigen sollte,
so heisst das nur, dass, wenn
wir gleiche Hebelarme und symmetrische Kräfte konstatiert haben und nun
der Hebel sich nach der einen Seite neigt, wir dies aus den uns bekannten
— oder von uns angenommenen <—> Voraussetzungen nicht
erklären können.
(Die Form, die wir “Erklärung” nennen,
muss auch asymmetrisch sein; wie die Operation,
?—die aus
“a+b”
“2a¿“¿
“2a+3b”
macht—?.)
Wohl aber können wir die andauernde Ruhe des Hebels aus unsern
Voraussetzungen erklären. —
Aber auch eine schwingende Bewegung, die durchschnittlich gleich oft
von der Mitte //Mittellage// nach
rechts und nach links gerichtet ist?
Die schwin-
134 gende Bewegung nicht, denn in der ist ja
wieder Asymmetrie.
Nur die Symme- trie in dieser Asymmetrie.
Hätte sich der Hebel gleichför[,|m]ig nach rechts
ge- dreht, so könnte man analog sagen: Mit der Symmetrie
der Be[g|d]ingungen kann ich die Gleichförmigkeit der
Bewegung, aber nicht ihre Richtung erklären.
Eine Ungleichförmigkeit der Verteilung der Wurfresultate ist mit der
Symmetrie des Würfels nicht zu erklären.
Und nur insofern erklärt die- se Symmetrie die Gleichförmigkeit der
Verteilung. —
Denn man kann natürlich sagen: Wenn die Ziffern auf den
Würfelflächen keine Wirkung haben, dann kann ihre Verschiedenheit nicht
eine Ungleichförmigkeit der Verteilung erklären; und gleiche Umstände
können selbstverständlich nicht Verschiedenheiten er- klären; soweit
also könnte man auf eine Gleichförmigkeit
schliessen.
Aber woher dann überhaupt verschiedene Wurfresultate?
Gewiss, was diese // Was
diese // erklärt, muss nun auch ihre
durchschnittliche Gleichförmigkeit er- klären.
Die Regelmässigkeit des Würfels stört nur eben diese
Gleichförmig- keit nicht.
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Angenommen, Einer der täglich im Spiel würfelt, würde etwa eine Woche
lang nichts als Einser werfen, und zwar mit Würfeln, die nach allen
anderen Arten // Methoden// der
Untersuchung [P|//] Prüfung//
sich als gut erweisen, und wenn ein Andrer sie wirft, auch die
gewöhnlichen Resultate geben
//lie- fern//.
Hat er nun Grund, hier ein Naturgesetz anzunehmen, dem
gemäss er im- mer Einser wirft
// werfen muss//; hat er
Grund zu glauben, dass das nun so weiter gehen wird,
— oder (vielmehr) Grund anzunehmen,
dass diese Regelmäs- sigkeit
nicht lange mehr andauern kann //
wird//?
Hat er also Grund das Spiel aufzugeben, da es sich gezeigt hat,
dass er nur Einser werfen kann; oder
weiterzuspielen, da es jetzt nur um so wahrscheinlicher ist,
dass er beim nächsten Wurf eine höhere Zahl werfen
wird? —
In Wirklichkeit wird er sich weigern, die
Regelmässigkeit als ein Naturgesetz anzuerkennen; zum
min- desten wird sie lang andauern müssen, ehe er diese
Auffassung in Betracht
135 zieht.
Aber warum? —
“Ich glaube, weil so viel frühere Erfahrung seines Lebens
gegen ein solches Gesetz spricht, die alle sozusagen — erst
über- wunden werden muss, ehe wir eine ganz neue
Betrachtungsweise annehmen.
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Wenn wir aus der relativen Häufigkeit eines Ereignisses auf seine
rela- tive Häufigkeit in der Zukunft Schlüsse ziehen, so können wir das
natürlich nur nach der bisher tatsächlich beobachteten Häufigkeit
tun.
Und/nicht nach einer, die
wir aus der beobachteten durch irgend einen Prozess der
Wahr- scheinlichkeitsrechnung erhalten haben.
Denn die berechnete Wahrscheinlich- keit stimmt mit jeder
beliebigen tatsächlich beobachteten Häufigkeit überein, da sie die
Zeit offen lässt.
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Wenn sich der Spieler, oder die Versicherungsgesellschaft, nach der
Wahrscheinlichkeit richten, so richten sie sich nicht nach der
Wahrschein- lichkeitsrechnung, denn nach dieser allein kann man sich
nicht richten, da, was immer geschieht, mit ihr in
Uebereinstimmung zu bringen ist; sondern die
Versicherungsgesellschaft richtet sich nach einer tatsächlich
beobachteten Häufigkeit.
Und zwar ist das natürlich eine absolute Häufig- keit.
136
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34
Der Begriff “ungefähr”.
Problem des ‘Sandhaufens’.
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“Er kam ungefähr von dort
(Pfeil)”.
“Ungefähr da ist der hellste Punkt des
Horizontes”.
“Mach' das Brett ungefähr 2
m
lang”.
Muss ich, um das sagen zu können, Grenzen wissen, die
den Spielraum dieser Länge bestimmen?
Offenbar nicht.
Genügt es nicht
z.B. zu sagen:
“der Spielraum ± 1
cm ist
ohneweiteres erlaubt; ± 2
cm wäre schon zu viel”? —
Es ist doch dem Sinn meines Satzes auch wesentlich,
dass ich nicht im- stande bin,
den Spielraum “genaue” Grenzen zu
geben.
Kommt das ˇnicht offenbar da- her, dass
der Raum, in dem ich hier arbeite, eine andere Metrik
¿is¿ hat, als der
Euklidische?
Wenn man nämlich den Spielraum genau durch Versuch feststellen
woll- te, indem man die Länge ändert // und sich
den Grenzen des Spielraums nä- hert // und immer fragt,
ob diese Länge noch angehe oder schon nicht mehr, so käme man nach
einigen Einschränkungen zu Widersprüchen, indem einmal ein Punkt noch als
innerhalb der Grenzen liegend bezeichnet würde, ein ander- mal ein
weiter innerhalb gelegener als schon unzulässig erklärt würde; bei- des
etwa mit der Bemerkung, die Angaben Antworten seien nicht
mehr (ganz) sicher.
137
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Die Unsicherheit ist von der Art, wie die, der Angabe des höchsten
Punk- tes einer Kurve.
Wir sind eben nicht im ek
euklidischen Raum und es gibt hier nicht
im euklidischen Sinne einen höchsten
Punkt.
Die Antwort wird heissen: “der
höchste Punkt ist ungefähr da ”, und die Grammatik des
Wor- tes “ungefähr” — in diesem Zusammenhang
— gehört dann? zur Geometrie unseres
Raumes.
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Ist es denn nicht so, wie man etwa beim Fleischhauer nur auf Deka genau
abwiegt, obwohln das anderseits willkürlich ist, und nur bestimmt
durch die herkömmlichen Messinggewichte.
Es genügt hier zu wissen: mehr als P1 wiegt es
nicht undw weniger als P2 auch nicht.
Man könnte sagen: die Gewichtsan- gabe besteht hier prinzipiell
nicht aus einer Zahlangabe, sondern aus der Angabe eines Intervalls, und
die Intervalle bilden eine diskontinuierliche Reihe.
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Man könnte doch sagen: “halte Dich jedenfalls
innerhalb ± 1
cm” damit eine
willkürliche Grenze setzend. —
Würde nun gesagt: “gut, aber dies ist doch nicht die
wirkliche Grenze des zulässigen Spielraums: welche ist es
also?” so wäre etwa die Antwort “ich
weiss keine, ich weiss nur,
dass ± 2
cm schon zu viel
wäre”.
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Denken wir uns folgendes psychologisches Experiment:
Wir zeigen dem Subjekt zwei Linien G1,
G2, durch wel- che quer die Gerade A gezogen
ist.
Das Stü[f|c]k dieser Geraden, welches zwischen
G1 und G2 liegt, werde ich die Strecke
a nennen.
Wir z[ei|ie]hen nun in beliebiger Entfernung von a und
parallel dazu b und fragen, ob er die Strecke b
grösser sieht als a, oder die beiden Längen nicht
mehr unterscheidet.
Er antwortet, b erscheine grösser als
a.
Darauf nähern wir
138 uns a, indem wir die Distanz von
a zu b mit unsern Messinstrumenten
halbie- ren und ziehen c.
“Siehst Du c grösser als
a?” —
“Ja”.
Wir halbieren die Distanz c—a und ziehen d.
“Siehst Du d grösser als
a?” —
“Ja”.
Wir halbie- ren a—d.
“Siehst Du e grösser als
a?” —
“Nein”.
Wir halbieren daher e—d.
“Siehst Du f grösser als
e?” —
“Ja”.
Wir halbieren also e—f und ziehen h.
Wir könnten uns so auch von der linken Seite der Strecke a nähern,
und dann sagen, dass einer gesehenen Länge a
im euklidischen Raum nicht
eine Länge, sondern ein Intervall von Längen entspricht,
und in ähnlicher Weise einer gesehenen Lage eines Strichs
(etwa des Zeigers eines Instruments) ein Intervall von Lagen im
euklidischen Raum: aber dieses
Intervall hat nicht scharfe Grenzen.
Das heisst: es ist nicht von Punkten begrenzt,
son- dern von konvergierenden Intervallen, die nicht gegen einen Punkt
konver- gieren.
(Wie die Reihe der Dualbrüche, die wir durch Werfen von Kopf und
Adler erzeugen.)
Das Charakteristische zweier Intervalle, die so nicht durch Punkte
sondern unscharf begrenzt sind, ist, dass
auf die Frage, ob sie einander übergreifen oder getrennt voneinander
liegen, in gewissen Fäl- len die Antwort lautet:
“unentschieden”.
Und dass die Frage, ob sie einan- der berühren,
einen En[f|d]punkt miteinander gemein haben, immer sinnlos ist,
da sie ja keine Endpunkte haben.
Man könnte aber sagen: sie haben vorläu- fige
Endpunkte.
In dem Sinne, in welchem die Entwicklung von II
ein vorläufiges Ende hat.
An dieser Eigenschaft des ‘unscharfen’
Intervalls ist natürlich nichts geheimnisvolles, sondern das
etwas Paradoxe k[¿k¿|l]ärt sich durch die
doppelte Verwendung des Wortes “Intervall” auf.
Es ist dies der gleiche Fall, wie der der doppelten Verwendung des
Wor- tes “Schach”, wenn es einmal die Gesamtheit der
jetzt geltenden Schachre- geln bedeutet, ein andermal: das Spiel,
welches
N.N. in Persien erfunden hat
und welches sich so und so entwickelt hat.
In einem Fall ist es unsin- nig, von einer
Aenderung // Entwicklung
// der Schachregeln zu reden, im andern Fall
nicht.
Wir können “Länge einer gemessenen Strecke” entweder
das nennen, was bei einer bestimmten Messung, die ich heute um 5 Uhr
durch-
139 führe, herauskommt, — dann gibt es für
diese Lä[m|n]genangabe kein “±
etc.” ¿[,|—]¿ oder
etwas, dem sich Messungen nähern
etc.: in den zwei
Fällen wird das Wort “Länge” mit ganz verschiedener
Grammatik gebraucht.
Und ebenso das Wort “Intervall”, wenn ich einmal
etwas Fertiges, einmal etwas sich Entwik- kelndes
ein Intervall nenne.
I) die Intervalle liegen getrennt
II) sie
liegen getrennt und berüh- ren sich vorläufig III)
sie lie unentschieden IV)
unentschieden V) unentschieden VI) sie
übergreifen VII) sie übergreifen
Wir können uns aber nicht wundern, dass nun ein
Intervall so seltsame Ei- genschaften haben soll: da wir eben das
Wort “Intervall” jetzt in einem nicht gewöhnlichen Sinn
gebrauchen.
Und wir können nicht sagen, wir haben neue Eigenschaften gewisser
Intervalle entdeckt.
Sowenig wie wir neue Eigen- schaften des Schachkönigs entdecken
würden, wenn wir die Regeln des Spiels änderten, aber die Bezeichnung
“Schach” und “König”
beibehielten.
(
Vergl. da- gegen Brouwer, über das Gesetz des ausgeschlossenen
Dritten.)
Jener Versuch ergibt also wesentlich, was wir ein
“unscharfes” Intervall genannt haben; dagegen wären
natürlich andere Experimente möglich //
denk- bar//, die statt dessen ein scharfes Intervall
ergeben.
Denken wir etwa, wir bewegten ein Lineal von der Anfangsstellung
b, und parallel zu dieser, gegen a hin, bis in unserm Subjekt
irgend eine bestimmte Reaktion einträte: dann könnten wir den
Punkt, an dem die Reaktion beginnt, die Grenze unseres Streifens
nennen. —
So könnten wir natürlich auch ein Wägungsresultat “das Gewicht
eines Körpers” nennen und es gäbe dann in diesem Sinn eine
absolut genaue Wägung,
d.i. eine, deren Resultat
nicht die Form “G ± g” hat.
Wir ha-
140 ben damit unsere Ausdrucksweise geändert,
und müssen nun sagen, dass das Gewicht des Körpers
schwankt und zwar nach einem uns unbekannten Gesetz.
(Die Unterscheidung Der Unterschied
[¿t¿|z]wischen “absolut genauer” Wägung
und “wesentlich un- genauer” Wägung ist eine
grammatische ein grammatischer und bezieht sich auf
zwei verschie- dene Bedeutungen des Ausdrucks “Ergebnis der
Wägung”.)
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Die Unbestimmtheit des Wortes “Haufen”.
Ich könnte definieren: ein Körper von gewisser Form und
Konsistenz
etc. sei ein Haufe, wenn sein Vo- lumen
K
m3 beträgt, oder mehr; was darunter
liegt, will ich ein Häufchen nennen.
Dann gibt es kein grösstes Häufchen; das
heisst: dann ist es sinn- los, von dem
“grössten Häufchen” zu reden.
Umgekehrt könnte ich bestimmen: Haufe solle alles das sein, was
grösser als K
m3 ist,
und dann hätte der Ausdruck “der kleinste Haufe” keine
Bedeutung.
Ist aber diese Unterschei- dung nicht
müssig?
Gewiss, — wenn wir unter dem Volumen ein
Messungsresul- tat im gewöhnlichen Sinne verstehen; denn dieses
Resultat hat die Form
“V ±
v”. //
Gewiss, — wenn wir unter dem Resultat der
Messung des Volumens einen Ausdruck von der Form
“V ±
v” verstehen.//
Sonst aber könnte die // wäre diese //
Unterscheidung so unbrauchbar sein, wie // Unterscheidung nicht
müssiger sein als // die, zwischen einem Schock Aepfel und 61
Aepfeln.
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|
Zu dem Problem vom “Sandhaufen”: Man
kö[h|n]nte sich hier, wie in ähnlichen Fällen, einen
offiziellen //offiziell festgesetzten//
Begriff denken //…denken,
dass es einen offiziellen Begriff, wie den einer
Schrittlän- ge gäbe, // etwa: Haufe ist alles, was
über einen ha[k|l]ben
m3
gross ist.
Die- ser wäre aber dennoch nicht unser gewöhnlich gebrauchter
Begriff.
Für die- sen liegt keine Abgrenzung vor (und bestimmen wir eine,
so ändern wir den Begriff); sondern es liegen nur Fälle vor,
welche wir zum dem
Umfang des Begriffs // zu den Haufen//
rechnen und solche, die wir nicht mehr zu dem Umfang des Begriffs
rechnen.
141
|
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|
“Mach' mir hier einen Haufen Sand”.
—
“Gut, das nennt er gewiss noch einen
Haufen”.
Ich konnte dem Befehl Folge leisten, also war er in Ordnung.
Wie aber ist es mit diesem Befehl: “Mach'
mir den kleinsten Haufen, den Du noch so nennst”?
Ich würde sagen: das ist Unsinn; ich kann nur eine vor- läufige
obere und untere Grenze bestimmen.
1
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|
Das augenblickliche Verstehn und die Anwendung des Worts in der
Zeit . ⇐
143
2
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35
⇐Ein Wort verstehen = es anwenden
können .
Eine Sprache verstehen : Einen Kalkül
beherrschen .
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Kann ich sagen
mich uns interessiert nur der Inhalt
des Satzes Und der Inhalt des Satzes ist in
ihm.
⇄
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Seinen Inhalt hat der Satz als Glied des Kalküls.
⇄
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Ist also “einen Satz verstehen” von der gleichen Art,
wie “einen Kalkül beherrschen”?
Also wie: multiplizieren können?
⇄
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Die Bedeutung eines Worts verstehen, heisst, seinen
Gebrauch kennen, verstehen.
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“Ich kann das Wort ‘gelb’ anwenden”
— ist das auf einer anderen Stufe als “ich kann Schach
spielen”, oder “ich kann den König im Schachspiel
verwenden”?
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Die Frage, die unmittelbar mit unserer in Beziehung steht, ist die nach
dem Sinn der Aussage “ich kann Schach
spielen”?
“Ich weiss, wie ein Bauer
[d|z]iehen darf”.
“Ich weiss, wie das Wort
‘Kugel’ gebraucht werden darf”.
3
144
|
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Wenn ich sage “ich kann dieses Gewicht heben”, so kann
man antworten: “das wird sich zeigen, wenn Du es
versuchst”; und geht e[w|s] dann nicht, so kann man
sagen “siehst Du, Du konntest es nicht”; und ich kann
darauf nicht antworten “doch, ich konnte es, als ich es sagte,
nur als es zum Aufheben kam, konnte ich es nicht”.
Ob man es kann, wird die Er- fahrung zeigen .
Anders ist es, wenn ich sage “ich verstehe diesen
Befehl”; dies ist, oder scheint ein Erlebnis zu sein.
“Ich muss wissen, ob ich ihn
(jetzt) verstehe” — aber
nicht: Ich muss wissen, ob ich das
Gewicht jetzt heben kann. —
Wie ist es nun in dieser Hinsicht mit dem Satz “ich
kann Schach spielen”?
Ist das etwas, was sich zeigen wird, oder kann man sagen “als
ich es behauptete, konnte ich Schach spielen, nur jetzt kann ich es
nicht”.
Ist nicht das, was mich rechtfertigt, nur, dass ich
mich erinnere, frü- her Schach gespielt zu haben?
Und etwa, dass ich, aufgefordert zur Probe die
Regeln im Geiste durchfliegen kann?
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| |
|
|
Ist es nicht auch so beim Gebrauch des Wortes
“Kugel”?
Ich gebrauche das Wort instinktiv.
Aufgefordert aber, Rechenschaft darüber zu geben, ob ich es verstehe,
rufe ich mir, gleichsam zur Probe, gewisse Vorstellungen hervor.
(Es kann nicht darauf ankommen, ob die Sprache instinktiv oder
halbin- stinktiv gebraucht wird.
Wir sind hier im Sumpf der graduellen Unterschie- de, nicht auf dem
festen Grund der Logik.)
|
| |
|
|
⇒ ⇐
Wenn ich sage “sieh', dort ist
eine Kugel”, oder “dort ist ein Kegel
”, so kann die Ansicht auf beides passen, und
wenn ich sage “ja, ich sehe es
”, so unterscheide ich doch zwischen den beiden
Hypothesen.
Wie ich im Schachspiel zwischen einem Bauer und dem König unterscheide,
auch
4
145
wenn der gegenwärtige Zug einer ist, den beide machen könnten, und wenn
selbst eine Königsfigur als Bauer fungierte.
Das Wort “Kugel” ist mir bekannt und steht
in mir für etwas;
d.h., es bringt mich in eine
gewisse Stellung zu sich (wie ein Magnet ei- ne Nadel in seine
Richtung bringt).
⇄
|
| |
|
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Man ist in der Philosophie immer in der Gefahr, eine Mythologie des
Symbolismus zu geben, oder der Psychologie.
Statt einfach zu sagen, was jeder weiss und
zugeben muss.
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|
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Wenn ich gefragt würde “kannst Du das Alphabet
hersagen”, so würde ich antworten: ja. —
“Bist Du sicher” —
“Ja”.
Wenn ich nun aber im Hersa- gen steckenbliebe und nicht weiter
wüsste, so gibt es doch einen Fall, in welchem ich
sagen würde “ja, als ich sagte, ich könne es hersagen, da konnte
ich es”, und zwar dann, wenn ich es mir dama[.|l]s
“im Geiste” herge- sagt hätte.
Ich würde dies auch als Beweis angeben.
Das heisst aber, dass das
Hersagen im Geiste die Fähigkeit zum wirklichen Hersagen — so wie
wir hier das Wort Fähigkeit verstehen — enthält.
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Etwas tun können hat ja eben jenen schattenhaften Charakter,
das heisst, es erscheint wie als
ein Schatten des wirklichen tatsächlichen Tuns, gerade wie
der Sinn des Satzes als Schatten seiner Verifikation
// als Schatten einer Tatsache // erscheint;
oder das Verständnis des Befehles als Schatten sei- ner
Ausführung.
Der Befehl “wirft, gleichsam, seinen Schatten schon
vor- aus”, oder, im Befehl wirft die Tat
ihren Schatten voraus”. —
Dieser Schatten aber, was immer er sein mag, ist, was er
ist, und nicht das Ereignis.
Er ist in sich selbst abgeschlossen und weist nicht weiter als er
selbst reicht. ⇄
|
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Das ist doch der gleiche Fall wie: “Kannst Du Deinen
Arm heben?”
In welchem Falle würde ich dies verneinen müssen, oder
bezweifeln?
Solche
5
146 Fälle sind
leicht zu denken.
Als Die Bestätigung dessen, dass
wir den Arm heben können, sehen wir etwas ein in einem
Zucken mit den Muskeln an, oder eine kleine einer
kleinen Bewegung des
Arms.
Oder die geforderte Bewegung selbst, jetzt ausgeführt, als Kriterium
dafür, dass ich sie gleich darauf ausführen
kann .
6
147
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36
Wie begleitet das Verstehen des Satzes das Aussprechen oder Hören des
Satzes?
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Das schwierigste Problem scheint der Gegensatz, das Verhältnis
zu sein zwischen dem Operieren mit der Sprache in der Zeit
// im Lauf der Zeit // und dem momentanen
Erfassen des Satzes.
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|
Aber wann erfassen oder verstehen wir den
Satz?!
Nachdem wir ihn ausgesprochen haben? —
Und wenn, während wir ihn
aussprechen; ist das Verstehen ein
artikulierter Vorgang, wie das Bilden des Satzes, oder ein
unartikulierter?
Und wenn ein artikulierter: muss er nicht
projektiv mit dem andern verbunden sein?
Denn sonst wäre seine Artikulation von der ersten unabhängig.
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“Er sagt das, und meint es”:
Vergleiche das einerseits mit: “er sagt das, und
schreibt es nieder”; anderseits mit:
“er schreibt das und unterschreibt
es ”.
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Man könnte fragen: Wie lange braucht es man,
um einen Satz zu verstehen.
Und wenn man ihn eine Stunde lang versteht, beginnt man da immer wieder
vom frischen?
7
148
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Ist das Verstehen nicht das Erfassen des Satzes, so kann es auch nach
diesem (und warum nicht auch vorher) vor sich gehen.
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Ist das Verstehen eines Satzes dem Verstehen eines Schachzuges, als
sol- chen , nicht
analog?
Wer das Schachspiel gar nicht kennt und sieht jemand einen Zug machen,
der wird ihn nicht verstehen,
d.h. nicht als Zug
eines Spieles verstehen.
Und es ist etwas anderes, dem Spiel Zug mit Verständnis zu
folgen, als es ihn bloss zu
sehen.
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Was ist es aber dann, das uns
immer das Gefühl gibt, dass das Verstehen eines
Satzes das Verstehen von etwas ausserhalb ihm
Liegendem ist und zwar nicht von der Welt
ausserhalb des Zeichens, wie sie eben ist, sondern
von der Welt, wie das Zeichen sie — gleichsam —
wünscht.
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Man würde etwa (so?) sagen:
Ich sage ja nicht nur “zeichne einen Kreis”,
sondern ich wünsche doch, dass der Andre
etwas tut.
(Gewiss!)
Und dieses Tun ist doch etwas anderes als das Sagen, und ist
eben das Ausserhalb, wo- rauf ich weise
// worauf der Satz weist //.
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⇐
Das Verstehen eines Satzes der Wortsprache ist dem Verstehen eines
mu- sikalischen Themas (oder Musikstückes) viel verwandter, als
man glaubt.
Und zwar so, dass das Verstehen des sprachlichen
Satzes näher als man denkt dem liegt, was man gewöhnlich das Verständnis
des musikalischen Ausdrucks nennt. —
Warum pfeife ich das gerade so ? warum
ich den Wechsel der
Stärke und des Zeitmasses gerade auf dieses ganz
bestimmte Ideal ?
Ich möchte sagen: “weil ich weiss, was
das alles heisst” — aber was
heisst es denn? —
Ich wüsste es nicht zu sagen,
ausser durch eine Uebersetzung
in einen Vorgang vom gleichen Ry Rhythmus.
8
149
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Das Können und Verstehen wird von der Sprache scheinbar als Zustand
dargestellt, wie der Zahnschmerz, und das ist die falsche Analogie, unter
der ich laboriere.
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Wie, wenn man fragte: Wann kannst Du Schach
spielen?
Immer? oder während Du es sagst?
aber während des ganzen
Satzes? — Und wie seltsam , dass
Schachspielen-Können so kurze Zeit braucht //
dauert// und eine Schachpartie so viel länger!
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|
Wenn nun “das Wort ‘gelb’ verstehen”
heisst, es anwenden können, so
besteht ist die gleiche Frage:
Wann kannst Du es anwenden.
Redest Du von einer Dispo[w|s]ition?
Ist es eine Vermutung?
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Augustinus:
“ Wann messe ich einen Zeitraum?
Aehnlich meiner Frage:
Wann kann ich Schach spielen.
9
150
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37
Zeigt sich die Bedeutung eines Wortes in der Zeit?
Wie der tatsächliche Freiheitsgrad eines Mechanismus.
Enthüllt sich die Bedeutung des Worts erst nach und nach wie seine
Anwendung fortschr[¿i¿|e]itet?
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|
|
Es ist eine sehr merkwürdige Tatsache, dass ich mich
bei dem Gebrauch der Sprache nicht erinnere, wie ich sie gelernt
habe.
Ich sage “hier sehe ich eine schwarze Kugel”.
Ich wei[w|s]s nicht, wie ich
“schwarz” und “Kugel” gelernt
habe.
Meine Anwendung der Wörter ist unabhängig von diesem
Erler- nen.
Es ist so, als hätte ich die Wörter selbst geprägt.
Und hier werden wir wieder zu der Frage geführt: Wenn die
Grammatik, die von den Wörtern handelt, für ihre Bedeutung
wesentlich ist, muss ich die grammatischen
Re- geln, die von einem Wort handeln, alle im Kopf haben, wenn es für
mich et- was bedeuten soll?
Oder ist es hier, wie im Mechanismus: Das Rad,
das stillsteht, oder auch sich dreht, das Rad
in einer Lage, weiss, gleichsam,
nicht, welche Bewegung ihm noch erlaubt ist, der Kolben
weiss nicht, wel- ches Gesetz seiner Bewegung
vorgeschrieben ist; und doch wirkt das Rad und der Kolben nur durch
jene Gebundenheit // jenes
Gebundensein//.
Soll ich also sagen: Die grammatischen Regeln wirken in der
Zeit?
(Wie jene Führung.)
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|
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Also: Das Wort “Kugel” wirkt nur in der
Art durch die Art seiner Anwendung.
Und es
10
151
wäre die
seltsame Frage denkbar: “wie kann ich denn dann
gleich wissen, was ich mit ‘Kugel’ meine
, ich kann doch nicht die ganze Art der Anwendung
auf einmal im Kopfe
haben?”
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| |
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Und ist es nicht ähnlich mit dem
Schachspiel: in irgend einem Sinne kann man sagen, ich wisse die
Regeln des Schachspiels (habe sie im
Kopf), wäh- rend
ich spiele.
Aber ist dieses “sie im Kopf haben” nicht wirklich nur
ei- ne Hypothese.
Habe ich sie nicht nur insofern im Kopf, als si ich
sie in je- dem besondern Falle anwende? —
Gewiss, dies
issen ist nur das hypotheti- sche Reservoir, woraus das
wirklich gesehene Wasser fliesst.
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Das Verständnis der Sprache — quasi des Spiels — scheint wie ein
Hinter- grund, auf dem der einzelne Satz erst Bedeutung
gewinnt.
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Die allgemeine Regel erst enthüllt den [D|F]reiheitsgrad, die
Beweglichkeit des Mechanismus.
Das Bild des Mechanismus in einer seiner Stellungen ent- hält
hievon nicht.
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Soll ich nun sagen, der Freiheitsgrad des Mechanismus kann sich nur mit
der Zeit enthüllen?
Aber wie kann ich dann je wissen, dass er gewisse
Bewe- gungen nicht machen kann (und
dass er gewisse Bewegungen machen kann, die er
gerade noch nicht gemacht hat).
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Das Verständnis als eine Disposition der Seele, oder des
Gehirns, geht uns nichts an.
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38
Begleitet eine Kenntnis der grammatischen Regeln den Ausdruck des
Sat- zes, wenn wir ihn — seine Worte — verstehn?
⇐
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Kann ich nicht sagen: ich meine die Verneinung, welche verdoppelt
eine Bejahung gibt?
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Wäre das nicht, als würde man sagen: Ich meine die Gerade,
deren zwei sich in einem Punkt schneiden.
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Wenn Du von Rot
gesprochen hast, hast Du dann das gemeint, wovon man sagen kann, es sei
hell, aber nicht grün, auch wenn Du an
diese Regel nicht gedacht, oder von ihr
Gebrauch gemacht hast? —
Hast Du das ‘non’ verwendet, wofür
non—non—non—p =
non—p ist? auch wenn Du diese Regel nicht verwendet
hast?
Ist es etwa eine Hypothese, dass es
das non war?
Kann es zweifelhaft sein, ob es dasselbe war, und durch die
Er- fahrung bestätigt werden.
|
| |
|
|
Was heisst die Frage: Ist das dasselbe
‘non’, für welches die Regel
non—non—non—p =
non—p gilt?
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“Meinst Du das ‘non’ so,
dass ich aus non—p
non—non—non—p schliessen
kann?”
12
153
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Das Schachspiel ist gewiss durch seine Regeln
(sein Regelverzeichnis) charakterisiert.
Und wir sagen, daß Einer, der eine Partie Schach spielt und jetzt einen
Zug macht, etwas anderes tut, als der, der nicht Schach spielen kann
(
d.h. das Spiel nicht kennt) und nun eine Figur
in die Hand nimmt und sie zufällig der Regel gemäss
bewegt.
Anderseits ist es klar, dass der Unterschied nicht
darin besteht, dass der Erste in irgend einer Form die
Regeln des Schachspiels vor sich hersagt oder überdenkt. —
Wenn ich nun sage: “dass er Schach
spielen kann, (wirklich Schach spielt, die Absicht hat, Schach zu
spielen) besteht darin, dass er die Regeln
kennt”, ist diese Kenntnis der Regeln in jedem Zuge in
irgendeiner Form enthalten?
Was heisst das: “er tut etwas
anderes”?
Hierin liegt schon die Verwen- dung eines falschen
Bildes.
Worin besteht der Unterschied?
Man denkt da wieder an Gehirnvorgänge.
|
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Wenn das Schachspiel durch seine Regeln definiert ist, so gehören diese
Regeln zur Grammatik des Wortes “Schach”.
13
154
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Kann man eine Intention haben, ohne sie auszudrücken?
Kann man die Ab- sicht haben, Schach zu spielen (in dem Sinne, in
welchem man apodiktisch sagt “ich hatte die Absicht Schach zu
spielen; ich muss es doch
wissen”), ohne einen Ausdruck dieser Absicht?
—
Könnte man da nicht fragen: Woher
weisst Du, dass das, was Du
hattest, diese Ab- sicht war?
Ist die Absicht Schach zu spielen etwa wie die Vorliebe für das Spiel,
oder für eine Person.
Wo ? man auch fragen könnte: Hast Du diese
Vorliebe die ganze Zeit oder
etc., und die Antwort ist,
dass “eine Vorliebe haben” gewisse
Handlungen, Gedanken und Gefühle einschliesst und
andere aus- schliesst.
⇄
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ich nicht sagen: “Ich weiss,
dass ich die Absicht hatte, denn ich
habe mir gedacht ‘jetzt komme ich endlich zum
Schachspielen’” oder
etc.
etc..
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Es würde sich mit der Absicht in diesem Sinne auch vollkommen
vertra- gen, wenn ich beim ersten Zug darauf käme,
dass ich alle Schachregeln ver- gessen habe, und
zwar so, dass ich nicht etwa sagen könnte “ja,
als ich den Vorsatz hatte //
fasste //, da hatte
// habe// ich sie noch
gewusst”. ⇄
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Es wäre wichtig, den Fehler allgemein auszudrücken, den ich in allen
diesen Betrachtungen zu machen neige //geneigt bin
//.
Die falsche Analo- gie, aus der er entspringt.
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Ich glaube, jener Fehler liegt in der Idee, dass die
Bedeutung eines Wortes eine Vorstellung ist, die das Wort
begleitet.
Und diese Conception hat
wieder mit der des Bewusst-Seins zu tun.
// Und diese
Conception steht wieder
…
in Verbindung.//
Dessen, was ich immmer “das Primäre”
nannte.
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⇒
Es stört uns quasi, dass der Gedanke eines
Satzes in [m|k]einem Moment ganz vorhanden ist.
Hier sehen wir, dass wir den Gedanken mit einem Ding
ver- gleichen, welches wir erzeugen, und das wir nie als Ganzes
besitzen; son- dern, kaum entsteht ein Teil, so verschwindet ein
andrer.
Das hat gewisser- massen
etwas unbefriedigendes, weil wir — wieder durch eine Erklärung
//ein Gleichnis// verführt — uns etwas
Anderes erwarten.
⇄⇄
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Der Spieler, der die Intention hatte, Schach zu spielen, hatte sie
schon dadurch, dass er zu sich etwa die Worte sagte
“jetzt wollen wir Schach spielen”.
14
155
spielen”. Ich will sagen,
dass das Wort “Schach” eben
auch (nur) ein Stein in einem
ist .
Wird der Kalkül beschrieben, so müssen wir die Regeln
tabulieren // tabuliert vor uns haben//,
wird er aber angewandt, so wird jetzt gemäss der
einen, dann gemäss der andern Regel vorgegangen,
dabei kann uns ihr Ausdruck vorschweben, oder auch nicht.
⇄
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Muss denn dem, der das Wort
“Schach” gebraucht, eine Definition des Wortes
vorschweben?
Gewiss nicht. —
Gefragt, was er unter “Schach” ver- steht, wird er
erst eine geben.
Diese Definition ist selber ein bestimm- ter Schritt
.
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Wenn ich aber nun fragte: Wie Du das Wort
ausgesprochen hast, was hast Du damit gemeint? —
Wenn er mir darauf antwortet: “ich habe das Spiel
gemeint, das wir so oft gespielt haben
etc..
etc.”, so
weiss ich, dass ihm diese
Erklärung in keiner Weise beim Gebrauch des Wortes vorgeschwebt hatte,
und dass seine Antwort meine Frage nicht in
dem Sinn beantwor- tet, dass sie mir
sagt, was, , “in ihm vorging //
vorgegangen ist//”, als er dieses Wort
sagte.
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Denn die Frage ist eben, ob unter der “Bedeutung, in der man ein
Wort gebraucht” ein Vorgang verstanden werden soll, den wir beim
Sprechen oder Hören des Wortes erleben.
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Die Quelle des Fehlers scheint die Idee vom
Gedanken zu sein, der
den Satz begleitet .
Oder seinem Ausdruck
voran- geht.
Dem Wortausdruck kann natürlich ein andrer Ausdruck vorangehen, aber
für uns kommt der [u|U]nterschied //
Artunterschied// dieser beiden
Ausdrük- ke — oder Gedanken — nicht in
Betracht.
Und es kann der Gedanke unmittel-
15
156 bar in seiner
Wortform gedacht werden.
⇆
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Man könnte sagen: auf die Aussage “dieser Satz hat
Sinn” kann man nicht wesentlich fragen
“welchen?”
So wie man ja auch auf den Satz “diese Worte
sind ein Satz” nicht fragen kann
“welcher?”
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↺
“Er hat diese Worte gesagt, sich aber dabei gar
nichts gedacht.” —
“Doch, ich habe mir etwas
gedacht”. —
“Und zwar was denn?” —
“Nun, , was ich gesagt
habe”. ⇄
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“Dieses Wort hat doch eine ganz bestimmte
Bedeutung”.
Wie ist sie denn (ganz)
bestimmt?
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”Ich habe etwas bestimmtes damit gemeint, als ich sagte
…”. —
hast Du
bei jedem Wort etwas anderes gemeint, oder während des ganzen Satzes
dasselbe?”
⇄
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Uebrigens komisch,
wenn man bei
jedem — sagen wir, deutschen — Wort etwas meint,
eine Zusammenstellung solcher
Wörter Unsinn sein kann!
⇄
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“Ich meine aber doch mit diesen Worten etwas”.
Gewiss: im Gegensatz
zu dem Falle, wo ich
nichts meine, wo ich etwa Silben ihres komischen Klangs wegen aneinander
reihe.
Ich will eigentlich sagen, dass
‘ich meine etwas mit den Worten’ nur
heisst: ich unterscheide doch diesen Fall von dem
des sinnlossen Plapperns
etc..
Und das ist zugegeben.
Aber es ist damit noch keine besondere Theorie des Meinens
gegeben.
|
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|
Und so geht es in allen solchen Fällen.
Wenn etwa jemand sagt: “aber ich meine doch wirklich,
dass der Andere Zahnschmerzen hat; nicht,
dass er
16
157 sich
bloss so benimmt”.
Immer muss man antworten:
“Gewiss” und zugeben,
dass auch wir diese Unterscheidung machen
müssen. //dass diese
Unterschei- dung besteht.//
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“Jetzt
“Jetzt sehe ich's erst, er zeigt immer auf die Leute,
die dort vorüber- gehen”.
Er hat ein System verstanden: wie Einer, dem ich die Ziffern 1,
4, 9, 16 zeige und der sagt “ich versteh' jetzt das
System, ich kann jetzt selbst weiterschreiben”.
Aber was ist diesem Menschen geschehen, als er das System plötzlich
verstand?
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Es handelt sich beim Verstehen nicht um einen Akt des
momentanen, sozu- sagen nicht diskursiven,
Erfassens der Grammatik.
Als könnte man sie gleich- sam auf einmal herunterschlucken.
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Das also, was der macht ,
der auf einmal die Bewegung des Andern deutet (ich
sage nicht “richtig deutet”), ist ein Schritt in einem
Kalkül.
Er tut ungefähr was er sagt , wenn er
seinem Verständnis Ausdruck
gibt. —
Und wenn ich sage “was er macht, ist der Schritt eines
Kalküls”, so heisst das,
dass ich diesen Kal- kül schon kenne; in dem
Sinne, in dem ich die deutsche Sprache kenne, oder das
Ei[i|n]maleins.
Welche ich ja auch nicht so in mir habe, als wäre wären
die ganze deutsche Grammatik und die Einmaleins-Sätze
zusammengeschoben auf Etwas, was man auf einmal, als Ganzes,
erfassen kann. // was ich nun als Gan- zes besitze. //
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| |
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Gewiss, der Vorgang des “jetzt
versteh' ich …!” ist ein ganz
spezi-
17
158 fischer,
aber es ist eben auch ein ganz spezifischer Vorgang,
wenn wir auf einen bekannten Kalkül
stossen, wenn wir “weiter
wissen”.
Aber dieses Weiter-Wissen ist eben auch diskursiv
(nicht intui- tiv).
|
| |
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|
Intuitives Denken, das wäre
so, wie eine Schachpartie auf die Form eines
dauernden, gleichbleibenden Zustandes
gebracht ⇄
18
159
|
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39
Die grammatischen Regeln — und die Bedeutung eines Wortes.
Ist die Bedeutung, wenn wir sie verstehen, ‘auf einmal’
erfasst: und in den grammatischen Regeln
gleichsam ausgebreitet?
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Und doch ist noch etwas unklar // nicht
klar//, was sich
z.B. in der
dreifachen Verwendung des Wortes ‘ist’ zeigt.
Denn, was heisst es, wenn ich sage,
dass im Satz ‘die Rose ist rot’ das
ist eine andere Bedeutung hat, als in ‘zweimal zwei ist
vier’?
Wenn man sagt, es heisse, dass
ver- schiedene Regeln von diesen beiden Wörtern gelten, so
muss man zunächst sagen, dass
wir hier nur ein Wort haben.
Zu sagen aber: von diesem gelten in einem Fall die
Regeln, im anderen jene, ist Unsinn.
Und das hängt wieder mit der Frage zusammen, wie wir uns denn aller
Re- geln bewusst sind, wenn wir ein Wort in einer
bestimmten Bedeutung gebrau- chen, und doch die Regeln die Bedeutung
ausmachen?
|
| |
|
|
Wenn ich nun aber das Wort “ist”
betrachte: Wie kann ich hier zwei ver- schiedene
Anwendungsarten unterscheiden, wenn ich nur auf die grammati- schen
Regeln sehe //achte //?
Denn diese erlauben ja eben die Verwendung des Wortes im
Zusammenhang “die Rose ist rot” und “zweimal zwei
ist vier”.
An diesen Regeln sehe ich nicht, dass
es sich um zwei verschiedene Wörter
19
160 handelt
// dass wir hier zwei verschiedene Wörter
haben //. —
Ich ersehe es aber
z.B. wenn ich versuche, in
beiden Sätzen statt “ist” “ist
gleich” zu setzen //
einzusetzen// (oder auch den Ausdruck “hat die
Eigenschaft”).
Aber nur wieder, weil ich für den Ausdruck “ist gleich”
die Regel kenne, dass er in “die Rose
…rot” nicht eingesetzt werden darf
//nicht stehen darf//.
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| |
|
|
Wenn ich mich weigere ein Wort,
z.B. das Wort
‘ist gleich’ in zwei Zu- sammenhängen zu gebrauchen,
so ist der Grund das, was wir mit den Worten beschreiben
“das Wort habe in den beiden Fällen verschiedene
Bedeutung”. //das Wort
werde in diesen Fällen in verschiedenem Sinn
gebraucht.//
⇆
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|
Kann ich nun aber das, was die grammatischen Regeln von einem Worte
sa- gen, auch anders beschreiben, nämlich durch die Beschreibung des
Vorgangs, der beim Verstehen des Wortes stattfindet?
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|
Wenn also die Grammatik —
z.B. — die
Geometrie der Verneinung ist, kann ich sie durch eine Beschreibung dessen
ersetzen, was bei der Verwendung sozusagen hinter dem Wort
‘nicht’ steht?
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Aber so eine Beschreibung wäre doch — wie gesagt — ein Ersatz
des Wor- tes // für das Wort //
‘nicht’, etwa wie
und könnte die Grammatik
nicht ersetzen. (?)
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|
In meiner Darstellung schienen doch die grammatischen Regeln die
Aus- einanderlegung dessen, was ich im Gebrauch des Wortes auf einmal
erlebe.
Sozusagen (nur?) Folgen,
Aeusserungen, der Eigenschaften,
die ich beim Ver-
20
161 stehen auf
einmal erlebe.
Das muss natürliche ein Unsinn sein.
⇄
|
| |
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|
Man
sagen: die Verneinung hat die
Eigenschaft, sie verdoppelt
eine Bejahung .
Während die Regel die Verneinung nicht näher beschreibt,
sondern konstituiert. ⇄
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Dass wir dieses Wort dieser Regel
gemäss gebrauchen, das dafür einsetzen
etc., damit dokumentieren wir, wie wir es meinen.
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|
|
“Wie ich einen Körper durch seine verschiedenen Ansichten geben
kann und er mit diesen äquivalent ist, so offenbart sich die Natur der
Negation in den verschiedenen, grammatisch erlaubten Anwendungen des
Negationszei- chens.”
⇆
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| |
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”Die doppelte Negation gibt eine Bejahung”, das klingt
so wie: Kohle und Sauerstoff gibt Kohlensäure.
Aber in Wirklichkeit gibt die doppel- te Negation
nichts, sondern ist etwas.
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| |
|
|
”Wer die Negation versteht, der weiss,
dass die doppelte Negation …” ⇄
|
| |
|
|
Es täuscht uns da etwas eine physikalische Tatsache vor.
So, als sähen wir ein Ergebnis des logischen
Prozesses.
Während das Ergebnis nur das des physikalischen Prozesses
ist.
⇆⇆
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| |
|
|
Das Wort ‘nicht’ in der grammatischen Regel hat keine
Bedeutung, sonst könnte das nicht von ihm ausgesagt
werden.
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| |
|
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Die Negation hat keine andere Eigenschaft, als etwa die, in gewissen
21
162
Sätzen, die Wahrheit zu ergeben.
Und ebenso hat ein Kreis die Eigenschaft, da oder dort zu
stehen, diese Farbe zu haben, von einer Geraden
tatsächlich geschnitten zu werden; aber nicht, was ihm die
Geometrie zuzuschreiben scheint.
(Nämlich diese Eigenschaften haben zu können.) ⇄
|
| |
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|
Was heisst es: “Dieses Papier
ist nicht schwarz und ‘nicht’ ist hier in dem
Sinne // ist hier so// gebraucht,
dass eine dreifache Verneinung eine Verneinung
ergibt”?
Wie hat sich denn das im Gebrauch
geäussert?
Oder: “Dieses Papier ist nicht schwarz und zwei von
diesen Verneinungen geben eine Bejahung”.
Kann ich das sagen?
Oder: “Dieses Buch ist rot und die Rose ist rot und
die beiden Wörter ‘rot’ haben die gleiche
Bedeutung”.
(Dieser Satz ist von gleicher Art wie die beiden oberen.)
Was ist denn das für ein Satz? ein grammatischer?
Sagt er et- was über das Buch und die Rose?
Ist der Zusatz zum Verständnis des ersten Satzes nicht nötig, so ist er
Un- sinn, und wenn nötig, dann war das erste noch kein Satz; und
dasselbe gilt in den oberen Fällen.
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| |
|
|
“Dass 3 Verneinungen wieder eine Verneinung
ergeben, muss doch schon in der einen Verneinung,
die ich jetzt gebrauche, liegen”.
Aber deute ich hier nicht schon wieder?
(
D.h. bin ich nicht im Begriffe, eine
Mythologie zu erfinden?)
|
| |
|
|
Heisst es etwas, zu sagen, dass
drei solche Verneinungen eine Ver- neinu[g|n]g
ergeben.
(Das erinnert immer an “drei solche Pferde können diesen
Wa- gen fortbewegen”.)
Aber, wie gesagt, in jenem logischen Satz ist gar nicht von der
Verneinung die Rede (von der Verneinung handeln nur Sätze wie: es
reg- net nicht) sondern nur vom Wort ‘nicht’, und
es ist eine Regel über die Er- setzung eines Zeichens durch ein
anderes.
22
163
|
| |
|
|
Aber können wir die Berechtigung dieser Regel nicht einsehen, wenn wir
die Verneinung verstehen?
Ist sie nicht eine Folge aus dem Wesen der Ver- neinung?
Sie ist nicht eine Folge, aber ein Ausdruck dieses Wesens.
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Was wir sehen, wenn wir einsehen, dass eine
doppelte Verneinung
etc.…
muss von der Art dessen sein, was wir im Zeichen
wahrnehmen.
(?)
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Die Geometrie spricht so wenig von Würfeln, wie die Logik
von der Verneinung.
(Man möchte hier vielleicht einwenden, dass die
Geometrie vom Begriff des Würfels und die Logik vom Begriff der Negation
handelt.
Aber diese Be- griffe gibt es nicht.)
|
| |
|
|
Man kann einen Würfel beschreiben.
Aber kann ich denn nicht beschreiben, wie man
z.B.
eine Kiste macht? und ist damit nicht eine
Beschreib[j|u]ng gegeben?
Das We- sentliche am Würfel ist damit nicht beschrieben, das steckt
vielmehr in der Möglichkeit dieser Beschreibung,
d.h. darin, dass sie eine
Beschreibung ist; nicht darin, dass sie
zutrifft.
|
| |
|
|
Nun kann ich doch aber sagen: “Ich sehe die Figur

3-dimensional”.
Aber dieser Satz entspricht der Be- schreibung einer Kiste.
Er beschreibt einen bestimmten Würfel, nicht die Würfelform.
Freilich kann ich das Wort “Würfelform”
definieren.
D.h. Zei- chen geben, durch die es ersetzt
werden kann. darf.
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| |
|
|
Man kann eine geometrische Figur nicht
be[¿w¿|s]chreiben.
Auch die Gleichung beschreibt sie nicht,
?—sondern vertritt sie durch die Regeln, die von
ihr gelten—?.
23
164
⇄
|
| |
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|
Und haben wir hier nicht das Wort “Figur” so
angewendet // angewandt//, wie in
unseren Betrachtungen so oft das Wort “Gedanke” oder
“Symbol”?
Die Art der Anwendung dieses Wortes, von welcher ich sagte, es bedeute
dann kein Phänomen, sondern sei quasi ein unvollständiges
Zeichen //Symbol// und
ent- spreche eher einer Funktion.
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| |
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Man kann auch nicht sagen, die Würfelform habe die Eigenschaft, lauter
gleiche Seiten zu besitzen.
Wohl aber hat ein Holzklotz diese Eigenschaft.
(Noch hat “die Eins die Eigenschaft, zu sich selbst
addiert, zwei zu erge- ben”.)
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| |
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Ich sagte doch: Es schien, als wären die grammatischen Regeln
die ‘Folgen in der Zeit’ dessen, was wir in einem
Augenblick wahrnehmen, wenn wir eine Verneinung verstehen.
Und als gebe es also zwei Darstellungen des Wesens der Verneinung:
Den Akt (etwa den seelischen Akt) der Verneinung selbst, und
seine Spiegelung in dem System der Grammatik.
|
| |
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Man ist versucht zu sagen // könnte
sagen//: die Gestalt eines Würfels wird doch sowohl
durch die Grammatik des Wortes
“Würfel[’|”], als auch durch
ei- nen Würfel, dargestellt.
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In “non-p & (non-non-p =
p)” kann der zweite Teil nur eine Spielregel
sein.
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Es hat den Anschein, als könnte man aus der Bedeutung der Negation
schliessen , dass
non-non-p, p
heisst.
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Als würden aus der Natur der Negation die Regeln über das
Negationszeichen folgen .
24
folgen .
So dass, in gewissem Sinne, die Negation zuerst
vorhanden wäre ist und dann die Regeln der
Grammatik.
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Es ist also, als hätte das Wesen der Negation einen zweifachen Ausdruck
in der Sprache: Dasjenige, was ich sehe, wenn ich die Negation
verstehe, und die Folgen dieses Wesens in der Grammatik.
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Zu sagen, dass eine Vierteldrehung ein Quadrat mit
sich selbst zur Deckung bringt,
heisst doch offenbar nichts andres als: Das
Quadrat ist um ? zwei zueinander senkrechte Achsen
symmetrisch, und das wieder, dass es Sinn hat, von
zwei senkrechten Achsen zu reden, ob sie vorhanden sind oder nicht.
Dies ist ein Satz der Grammatik.
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| |
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|
Die Schwierigkeit ist wieder, dass es
scheint, als wäre in einem Satz,
der das Wort
‘Quadrat’
enthält, schon der Schatten
eines andern Satzes mit diesem Worte enthalten.
—
Nämlich eben die Möglichkeit je- nen anderen Satz
zu
bilden, die ja, wie ich sagte, im Sinn des Wortes
‘Qua- drat’ liegt.
Und doch kann man eben nur sagen, der andere Satz ist nicht mit diesem
ausgesprochen, auch nicht schattenhaft. ⇐
|
| |
|
|
Statt der Betrachtung der Negation, könnte ich auch die eines Pfeiles
setzen und
z.B. sagen: wenn ich ihn zweimal um
180o drehe, zeigt er wieder,
wohin er jetzt zeigt: welcher Satz dem non-non-p = p
entspricht.
Wie ist es nun hier mit der Darstellung des Wesens dieses Pfeils durch
die Sprache?
Jener Satz muss doch unmittelbar von diesem Wesen
abgeleitet // abgelesen // sein und es
also darstellen.
25
darstellen.
Oder nehmen wir den Fall eines Quadrats und eines Rechtecks und die
Sät- ze, dass das Quadrat durch eine
Vierteldrehung mit sich selbst zur Deckung gebracht werden kann; das
Rechteck aber erst durch eine halbe Drehung.
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Es frägt sich: Was ist das für ein Satz “das Wort
‘ist’ in ‘die Rose ist rot’ ist
dasselbe, wie in ‘das Bu[h|c]h ist rot’, aber
nicht dasselbe, wie in ‘zweimal zwei ist
vier’?
Man kann nicht antworten, es heisse, verschiedene
Regeln gelten von den beiden Wörtern, denn damit geht man im Zirkel.
Wohl aber heisst es, das Wort ist in seinen
verschiedenen Verbindungen durch zwei Zeichen ersetzbar, die
nicht für einander einzusetzen sind.
Ersetze ich da- gegen das Wort in den beiden ersten Sätzen durch zwei
verschiedene Wörter, so darf ich sie für einander
einsetze[h|n].
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Nun könnte ich wieder fragen: sind diese Regeln
// ist diese Regel// nur eine
Folge des Ersten :
dass im einen Fall die beiden Wörter
‘ist’ die gleiche Bedeutung haben, im andern Fall
nicht?
Oder ist es so, dass diese Regel eben der
sprachliche Ausdruck dafür ist, dass die Wörter das
Gleiche be- deuten?
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Ich will es damit vergleichen , dass das Wort
‘ist’ einen andern
körper hinter sich hat .
Dass es beide Male die gleiche Fläche
ist, die einem andern Körper angehört, wie
wenn ich ein Dreieck im Vordergrund sehe, das das eine Mal die
Endfläche eines Prismas, das andre Mal eine[w|s] Tetraeders
ist.
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Oder denken wir unsd diesen Fall: Wir hätten
Glaswürfel,
deren eine Seite //Seitenfläche// rot
gefärbt wäre.
Wenn wir sie aneinander reihen, so w[r|i]rd
¿im¿ Raum nur
eine ganz bestimmte
Anordnung roter
Quadrate entstehen können, be- dingt durch die Würfelform der
Körper.
Ich könnte nun die Regel, nach der
26 hier rote
Qud Quadrate angeordnet sein können, auch ohne
Erwähnung der Würfel angeben ,
aber in ihr wäre doch bereits das Wesen der Würfelform präjudiziert.
Freilich nicht, dass wir gläserne
Würfel haben wohl aber die Geometrie des Würfels.
|
| |
|
|
Wenn wir nun aber einen Würfel sehen , sind
damit wirk- lich schon alle Gesetze der möglichen
Zusammenstellung ge[b|g]eben?!
Also die
Geometrie.
Kann ich die Geometrie des Würfels von einem Würfel ablesen?
|
| |
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|
Der Würfel ist dann eine Notation der Regel.
Und hätten wir eine solche Regel gefunden, so könnten wir sie wirklich
nicht besser notieren, als durch die Zeichnung eines Würfels (und
dass es hier eine Zeichnung tut, ist wieder ungemein
bedeutsam
).
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Und nun ist die Frage: in wiefern
kann der Würfel oder die Zeichnung (denn die beiden
kommen hier auf dasselbe hinaus // auf eine
hinaus//) als Nota- tion der geometrischen Regeln
dienen?
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| |
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Doch nur, sofern er einem System angehört
: nämli[h|c]h
der Würfel mit der einen roten Endfläche wird etwas anderes notieren, als
eine Pyramide mit qua- dratischer roter Basis,
etc..
D.h., es wird dasjenige
Merkmal der Regeln no- tieren, worin sich
z.B. der Würfel von der Pyramide
unterscheidet.
|
| |
|
|
Jedes Zeichen der Negation ist gleichwertig jedem andern, denn
ist ebenso ein Komplex
von Strichen, wie das Wort “nicht”, und zur Negation
wird es nur durch die Art, wie es
‘ wirkt ’.
27
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|
Ich möchte sagen: Nur dynamisch wirkt das Zeichen, nicht
statisch.
Der Gedanke ist dynamisch.
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|
|
Dass die Tautologie und Kontradiktion nichts sagen,
geht nicht etwa aus dem W-F-Schema hervor, sondern
muss festgesetzt werden.
Und die Schemata machen nur die Form der allgemeinen
Festsetzung einfach. // …machen nur die
Fest- setzung der Form leicht.
einfach.//
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Du sagst, das Hinweisen auf einen roten Gegenstand ist das primäre
Zeichen für ‘rot’.
Aber das Hinweisen auf einen roten Gegenstand ist nicht mehr, als die
bestimmte Handbewegung gegen einen roten Gegenstand, und ist
gar kein Zeichen.
Wenn Du sagst, Du meinst: das Hinweisen auf den roten
Gegenstand als Zeichen verstanden — so sage ich:
das Verständnis, auf das es uns ankommt, ist kein Vorgang, der das
Hindeuten begleitet (etwa ein Vorgang im Gehirn) und wenn Du doch
so einen Vorgang meinst, so ist dieser an sich wieder kein
Zeichen.
((Die Idee ist hier immer wieder, dass die
Meinung, die Interpretation, ein Vorgang sei, der das Hinweisen begleitet
und ihm sozu- sagen die Seele gibt (ohne welche es tot
wäre).
Das scheint besonders dort so, wo ein Zeichen die ganze
Grammatik zusammenzufassen scheint, dass wir sie aus
ihm ableiten können
sie in ihm enthalten wäre, wie eine
Perlenschnur in einer Schachtel und wir sie nur
herausziehen müssten.
(Aber dieses Bild ist es eben, was welches
uns irreführt.)
Als wäre das Ver- ständnis ein momentanes Erfassen von
etwas, wovon später nur die Konsequen- zen gezogen werden; und zwar so,
dass diese Konsequenzen bereits in einem ideellen
Sinn existieren, ehe sie gezogen wurden.
Als ob der Würfel schon die ganze Geometrie des Würfels enthielte und
ich sie nun nur noch auszubreiten habe hätte.
Aber welcher Würfel?
Der Gesichtswürfel, oder ein Eisen- würfel?
Oder gibt es einen Würfel? —
Offenbar schwebt uns der Vor- gang vor, aus
einer Zeichnung, Vorstellung (oder einem Modell) Sätze der
Geo-
28 metrie ableiten.
Aber welche Rolle spielt dabei das Modell?
Doch wohl die des Zeichens:
Des Zeichens, welches eine bestimmte Verwendungsart hat
und nur durch diese
bezeichnet.
Es ist allerdings interessant und merkwürdig, wie dieses Zeichen
verwendet wird, wie wir etwa die Zeichnung des
Würfels wieder und wieder bringen mit immer
andern
Zutaten.
Einmal sind die Diagonalen ge- zogen, einmal Würfel aneinander
gereiht,
etc.
etc..
Und es ist dieses Zeichen ( mit der Identität eines
des Zeichens ), welches wir für jenen Würfel nehmen, in
dem die geometrischen Gesetze bereits liegen.
(Sie liegen in ihm so wenig, wie im Schachkönig die Dispositionen, in
gewis- ser Weise benützt zu werden.)
Die geometrischen Gesetze konstituie- ren den Begriff
des Würfels (sie geben eine Konstitution, eine Verfassung).
Was ich seinerzeit über den “Wortkörper” geschrieben
habe, ist der klare Aus- druck des besprochenen
Irrtums.)) ⇄
170
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40
Lernen, Erklärung, der Sprache.
Kann man die Sprache durch die Erklärung gleichsam aufbauen, zum
Funktionieren bringen? ⇐
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Wenn ich erkläre “ ‘non-p’ ist wahr,
wenn ‘p’ nicht wahr ist”, so setzt
das voraus, dass ich verstehe, was es
heisst, ‘p’ sei nicht
wahr.
Dann ha- be ich aber nichts getan als zu definieren:
non-p = ‘p’ ist
falsch.
Es kommt nämlich wesentlich darauf an, dass es nicht
möglich ist, das Zeichen “p” auf der rechten
Seite der Definition auszulassen,
bezw. durch
ein anderes zu ersetzen (es sei denn wieder durch eine
// mit Hilfe einer// Definition).
Solange das nicht möglich ist, kann und muss man auch
die rechte Seite als Funktion auffassen von p, nämlich:
‘( )’ ist falsch.
Das hängt auch damit zusammen, dass ja der
Tintenstrich nicht falsch ist.
Wie er schwarz oder krumm ist.
⇄
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Wenn ich also auch dem Schriftzug “p” den Namen
A gebe und daher schrei- be:
“non-p = A ist falsch”, so
hat das nur einen Sinn,
d.h. die rechte Sei- te
kann nur verstanden werden, wenn A für uns als
Satzzeichen steht.
Dann aber ist nichts gewonnen: zum mindesten keine
Erklärung
172 des Mechanismus der
Negation.
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|
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Und dasselbe muss der Fall sein, wenn man erklärt,
“(x).fx” sei wahr, wenn
f( ) für alle Substitutionen
wahr ist.
Man muss auch dazu schon den lo- gischen
Mechanismus der Verallgemeinerung verstehen.
Es ist (auch) nicht so,
dass man erst ahnungslos ist, und die Verallgemeinerung
nun durch die Erklärung erst zum Funktionieren gebracht
wird.
Wie wenn man in eine Ma- schine ein Rad einsetzt und sie dann
// nun// erst funktioniert (oder, die
Maschine erst in zwei getrennten Teilen da ist und sie nun erst durch das
Zusammensetzen als diese Maschine funktionieren).
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Die Erklärung einer Sprache (der Zeichen einer Sprache) führt uns
nur von einer Sprache in eine andere.
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Wie schaut die Erklärung eines Zeichens aus?
Das müsste doch eine für die Sprache
ausserordentlich wichtige Form sein, sei dieser
Behelf nun ein Satz oder nicht.
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Denken wir uns eine Sprache, in der ich “A ist
grösser als B” nicht nur so
ausdrücke: “ ist grösser als ”,
sondern in der ich auch statt des Wortes
“grösser” eine Geste mache, die die
Bedeutung des Wortes zeigt. —
Wie könnte ich nun so eine Sprache erklären?
(Wie könnte ich die Zeichen so einer Sprache erklären?)
Und würde ich nun noch das frühere Bedürfnis nach einer Erklärung
fühlen?
Eine Erklärung für die Bedeutung eines Zeichens tritt an Stelle des
er- klärten Zeichens.
173
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Auch das Kind lernt in diesem Sinne //
durch Erklärungen// nur ei- ne Sprache vermittels einer
anderen.
Die Wortsprache durch die Gebärden- sprache.
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Die Gebärdensprache ist eine Sprache und wir haben sie nicht
— im gewöhnlichen Sinne — gelernt.
Das heisst: sie wurde uns nicht
geflissent- lich gelehrt. —
Und jedenfalls nicht durch Zeichenerklärungen.
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Man kann sich das Lernen einer Sprache in anderm Sinne aber analog dem
Fingerhutsuchen vorstellen, wo die gewünschte Bewegung durch
“heiss,
heiss”, “kalt, kalt”
herbeigeführt wird.
Man könnte sich denken, dass der Lehrende statt
dieser Worte auf irgendeine Weise (etwa durch Mienen) angenehme und
unangenehme Empfindungen hervorruft, und der Lernende nun dazu gebracht
wird, die Bewegung auf den Befehl hin auszuführen, die
regelmässig von der angenehmen Empfindung begleitet
wird (oder zu ihr führt).
⇄
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Verbindung von Wort und Sache durch die Erklärung
// das Lehren der Sprache//
hergestellt.
Was ist das für eine Verbindung, welche Art?
Was für Arten von Verbindungen gibt es?
Eine elektrische, mechanische, psychische Verbindung kann
funktionieren oder nicht funktionieren: Anwendung auf die
Verbindung, die die Worterklä- rung herstellt.
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Die Zuordnung von Gegenstand und Name ist keine andere, als die durch
die Worte “das ist…” oder eine Tabelle erzeugte
etc..
Sie ist ein Teil des Symbolismus.
Es ist daher unrichtig, die Beziehung von
// zwi- schen// Name und Gegenstand sei eine
psychologische.
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Das Wort ‘Teekanne’ hat doch Bedeutung;
gewiss, im Gegensatz zum Worte
174
‘Abracadabra’, nämlich in der
deutschen Sprache.
Aber wir könnten ihm na- türlich auch eine Bedeutung geben;
das wäre ein Akt ganz analog dem, wenn ich ein Täfelchen mit der
Aufschrift ‘Teekanne’ an eine Teekanne hänge.
Aber was habe ich hier anders als eine Teekanne mit einer Tafel, auf
der Striche zu sehen sind?
Also wieder nichts logisch Interessantes.
Die Festsetzung der Bedeutung eines Wortes kann nie
(wesentlich) anderer Art sein.
175
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41
⇐Wie wirkt die einmalige Erklärung der
Sprache, das Verständnis?
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[B|V]ielleicht ist die eigentliche
Schwierigkeit die: dass ich das Wort
“rot” erkläre, indem ich auf etwas Rotes zeige und sage
“das ist rot”, während doch dieses Rote später meinem
Blick entschwindet.
Und nun s[d|c]hein- bar etwas Anderes an
seine Stelle tritt (die Erinnerung oder [d|w]ie man es
heissen mag).
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“Also so wird dieses Wort
gebraucht!”
Aber wie bewahre ich denn dieses So in der
Erinnerung?
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Das Lernen der Sprache ist in ihrer Benützung
// ihrem Gebrauch// nicht
en enthalten .
(Wie die Ursache eben nicht in ihrer Wir- kung.)
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Ich kann die Regel selbst festsetzen und mich eine
die Sprache lehren.
Ich gehe spazieren und sage mir: Wo immer ich einen Baum
treffe, soll mir das das Zeichen sein, bei der nächsten Kreuzung links zu
gehen, und nun richte ich mich nach den Bäumen in dieser Weise (fasse
ihre Stel- lung als einen Befehl auf).
176
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Wie kann ich mir vornehmen, einer Regel zu folgen?
Nicht nur soweit, als ich die Regel ausdrücken kann?
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Welche Wirkung hatte nun die hinweisende Erklärung?
Hatte sie sozusagen nur eine automatische Wirkung?
Das heisst aber, wird sie nun immer wieder
benötigt, oder hatte sie eine Wirkung, wie etwa eine
Impfung, die uns ein für allemal, oder doch bis auf weiteres,
geändert hat.
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Ich sage “wähle alle blauen Kugeln aus”; er aber
weiss nicht, was “blau”
heisst.
Nun zeige ich und sage “das ist blau”.
Nun versteht er mich und kann meinem Befehl folgen.
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Ich setze ihn in Stand, dem Befehl zu folgen.
Was geschieht nun aber, wenn er in Zukunft diesen Befehl
hört?
Ist es nötig, dass er sich jener
Erklärung ,
d.h. des einmaligen
Ereignisses jener Erklärung erin- nert?
Ist es nötig, dass das Vorstellungsbild
die des blauen Gegenstands oder eines blauen Gegenstands vor
seine Seele tritt?
Alles das scheint nicht nötig zu sein, obwohl es
möglicherweise geschieht.
Und doch scheint das Wort “blau” jetzt einen anderen
Aspect für ihn zu haben, als da es ihm noch nicht
erklärt war.
Es gewinnt gleichsam Tiefe.
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In wiefern hilft die hinweisende Erklärung “ das ist
‘rot’” zum Ver- ständnis des Wortes.
(Sie ‘ hilft ’ gar nicht, sondern
ist eben eine der symbolischen Regeln für den Gebrauch des
Wortes ‘rot’.)
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Eine Erklärung kann nicht in die Ferne wirken.
Ich meine: sie wirkt nur,
177 wo sie angewandt wird.
Wenn sie ausserdem noch eine
“Wirkung” hat, dann nicht die als
Erklärung.
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Ist es so, dass eine Erklärung, eine Tabelle
, zuerst so gebraucht
werden kann ,
dass man sie “nachschlägt”;
dass man sie dann gleichsam im Kopf nach- schlägt,
d.h., sie sich vor das innere Auge ruft (oder
dergleichen); und dass man endlich ohne diese
Tabelle arbeitet, also so, als wäre sie nie da gewesen.
In diesem letzten Fall spielt man also ein
anderes Spiel.
sie ist aus unserm
Spiel ausgeschieden und wenn ich auf sie
zurückgreife, so tue ich, was der
Erblindete tut, der etwa auf den Tastsinn zurückgreift.
Eine Erklärung ist das Anlegen
// die Konstruktion //
Anfertigung // einer
Tabelle und
wird Geschichte, wenn ich die Tabelle nicht mehr benütze.
Eine Erklärung fertigt eine Tabelle an und sie wird zur Geschichte,
wenn …
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Ich muss unterscheiden zwischen den Fällen:
wenn ich mich einmal nach einer Tabelle richte, und ein andermal in
Uebereinstimmung mit der Tabelle (der Regel,
welche die Tabelle ausdrückt) handle, ohne die Tabelle zu
be- nützen. —
Die Regel, deren Erlernung uns veranlasste, jetzt so
und so zu handeln, ist als Ursache unserer Handlungsweise
Geschichte
Sofern sie aber eine allgemeine Beschreibung unserer Hand- lungsweise
ist, ist sie eine Hypothese.
die Hypothese, dass diese
zwei Leute, die am // über dem
// Schachbrett sitzen, so und so handeln wer- den
(wobei auch ein Verstoss gegen die
Spielregeln unter die Hypothese fällt, denn diese sagt dann etwas darüber
aus, wie sich die Beiden benehmen werden, wenn sie auf diesen
Verstoss aufmerk[d|s]am
werden).
Die Spieler kön- nen aber die Regel auch benützen, indem sie in jedem
besonderen Fall nach- schlagen, was zu tun ist; hier tritt die Regel in
die Spielhandlung selbst
178 ein und verhält sich zu ihr
nicht, wie eine Hypothese zu ihrer Bestätigung.
“Hier gibt es aber eine Schwierigkeit.
Denn der Spieler, welcher ohne Be- nützung des Regelverzeichnisses
spielt, ja, der nie eins gesehen hätte, könnte dennoch, wenn es verlangt
würde, ein Regelverzeichnis anlegen und zwar nicht
— behaviouristisch — indem er durch wiederholte
Beobachtung fest- stellte, wie er in diesem und in jenem Fall
gehandelt hat //handelt //,
sondern, indem er vor einem Zug stehend
sagt: ‘in diesem Fall zieht man
so ’”. —
Aber wenn
so ist, so zeigt es doch nur, dass er unter gewissen
Umständen eine Regel aussprechen wird, nicht, dass er
von ihr beim Zug
expliciten
Gebrauch gemacht hat.
Dass er ein Regelverzeichnis anlegen würde
// wird //, wenn man es verlangte
verlangt, ist eine Hypothese und wenn man ei- ne Disposition,
ein Vermögen, ein Regelverzeichnis anzulegen annimmt, so ist es eine
psychische Disposition auf gleicher Stufe mit einer
physiologi- schen.
Wenn gesagt wird, diese Disposition charakterisiert den Vorgang des
Spiels, so charakterisiert sie ihn als einen psychischen oder
physiologi- schen, was er tatsächlich ist.
(Im Stdium des Symbolismus gibt es keinen Vordergrund und Hintergrund,
nicht ein sichtbares // greifbares//
Zeichen und ein es begleitendes unsichtbares //
ungreifbares// Vermögen, oder Ver- ständnis.)
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Wie wirkt nun die hinweisende Erklärung?
Sie lehrt den Gebrauch eines Zeichens; und das Merkwürdige ist nur,
dass sie ihn auch für die Fälle zu lehren scheint,
in denen ein Zurückgehen auf das hinweisende Zeichen nicht möglich
ist.
Aber geschieht das nicht, indem wir, quasi, die in der hinwei- senden
Definition gelernte
Regel
in bestimmter Weise transformieren?
(Wenn
z.B. der Mann, der mir
vorgestellt wurde, abwesend ist und ich nun trotzdem seinen Namen
gebrauche, in wiefern mache ich da von der
hinweisenden Erklärung Gebrauch ?
Es gibt ein Spiel, worin ich immer statt des Namens das hinweisende
Zeichen geben kann, und eins, in welchem das nicht möglich
ist.
Und wir müssen nur daran festhalten,
dass die Erklärung, als fortwirkende
Ursache unseres Gebrauchs von Zeichen, uns nicht
interessiert, sondern nur, sofern wir von ihr in unserm Kalkül
Gebrauch machen können.
Eine Schwierigkeit // Es macht eine
Schwieri[k|g]keit // in der Erklärung des Gebrauchs
der hinwei- senden Definition macht es dass wir
Definition, dass wir verschiedene Kriterien
der Identität anwenden (also das Wort
Identität
in verschiedener Weise
gebrauchen), je nachdem, ob ein Ding sich vor unsern Augen bewegt,
oder unserm Blick ent- schwindet und vielleicht wieder
erscheint.
Das ist wichtig, denn für den zweiten Fall gibt uns die hinweisende
Definition ein Muster
Muster und tut , was auch der Hinweis auf
ein Bild tut.
Das drückt sich darin aus, dass die
gegebene hinweisende Erklärung nichts nützt, wenn wir vergessen haben, wie der Mensch,
auf den gezeigt wurde, aussah. ⇄
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Es ist möglich, dass Einer die Bedeutung des Wortes
“blau” vergisst.
Was hat er da vergessen?: Wie
äussert sich das?
Da gibt es verschiedene
Fälle: Er zeigt
etwa auf verschieden gefärbte Täfelchen und sagt: “ich
weiss nicht mehr, welche von diesen man
‘blau’ nennt”.
Oder aber, er weiss überhaupt nicht mehr, was
das Wort // es// be- deutet, und
nur, dass es ein deutsches Wort ist
// ein Wort der deutschen Sprache
ist//.
Wenn wir ihn nun fragen: “weisst Du,
was das Wort ‘blau’ bedeutet”, und er sagt
“ja”; da konnte er verschiedene Kriterien anwenden, um
sich “zu überzeugen”, dass er die
Bedeutung wisse.
(Denken wir wieder an die entspre- chenden Kriterien dafür,
dass er das Alphabet hersagen kann.)
Vielleicht rief er sich ein blaues Vorstellungsbild vor die Seele,
vielleicht sah er nach einem blauen Gegenstand im Zimmer, vielleicht fiel
ihm das englische Wort “blue” ein, oder er
dachte an einen “blauen Fleck”, den er sich geholt
180 hatte,
etc.,
etc..
Wenn nun gefragt würde: wie kann er sich denn zur Probe seines
Ver- ständnisses ein blaues Vorstellungsbild vor die Seele
rufen, denn, wie kann ihm das Wort ‘blau’ zeigen,
welche Farbe aus dem Farbenkasten seiner Vorstellung er zu wählen hat,
— so ist zu sagen, dass es sich
ebenso so
zeigt,
dass das Bild vom Wählen, etwa, eines blaues
Gegenstands mittels eines blauen Mustertäfelchens hier
unpassend // ungeeignet//
ist.
Und der Vorgang eher mit dem zu vergleichen ist, wenn beim Drücken
eines Knopfes, auf dem das Wort “blau” geschrieben
steht, automatisch ein blau- es Täfelchen vorspringt, oder, wenn der
Mechanismus versagt, nicht vor- springt.
Man könnte nun sagen: Der, welcher die Bedeutung des Wortes
“blau” vergessen hat und aufgefordert wurde, einen
blauen Gegenstand aus anderen auszuwählen, fühlt beim Ansehen dieser
Gegenstände, dass die Verbindung zwischen dem Wort
“blau” und jenen Farben nicht mehr besteht
(unterbro- chen ist).
Und die Verbindung wird wieder hergestellt, wenn wir ihm die
Erklärung des Wortes wiederholen.
Aber wir konnten die Verbindung auf man- nigfache Weise wieder
herstellen: Wir konnten einen blauen Gegenstand
zeigen und die hinweisende Definition geben, oder ihm sagen
“erinnere Dich an Deinen ‘blauen
Fleck’”, oder wir konnten ihm das Wort
“blue” zu- flüstern,
etc.
etc..
Und wenn ich sagte, wir konnten die Verbindung auf diese verschiedenen
Arten herstellen, so liegt nun der Gedanke nahe,
dass ich ein bestimmtes Phänomen,
welches ich die Verbindung zwischen Wort und Farbe, oder das Verständnis
des Wortes nenne, auf alle diese ver- schiedenen Arten hervorgerufen
habe; wie ich etwa sage, dass ich die En- den
zweier Drähte durch Drahtstücke verschiedener Länge und Materialien
leitend miteinander verbinden kann.
Aber von so einem Phänomen, etwa dem Entstehen eines blauen
Vorstellungsbildes, muss keine Rede sein und das
Verständnis wird sich dann dadurch zeigen, dass er etwa
die blaue Kugel
181 aus den andern tatsächlich auswählt, oder
sagt, er könne es nun tun, wol- le es aber nicht;
etc.,
etc.
etc..
Wir können dann immer ein Spiel fest- setzen, welches
eine Möglichkeit so eines Vorgangs darstellt, und müssen
nicht vergessen, dass in Wirklichkeit
hundert verschiedene und ih- re Kreuzungen mit den Worten
“die Bedeutung vergessen”, “sich an die
Be- deutung erinnern”, “die Bedeutung
kennen” beschrieben werden.
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42
Kann man etwas Rotes nach dem Wort “rot” suchen?
braucht man ein Bild dazu?
Verschiedene Suchspiele.
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Man könnte eine wesentliche Frage auch so stellen: Wenn ich
jemandem sage “male diesen Kreis rot”, wie entnimmt er
aus dem Wort rot, welche Farbe er zu nehmen hat?
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Heisst es etwas, zu sagen, dass
das Wort ‘rot’, um ein brauchbares Zeichen zu sein, ein
Supplement — etwa im Gedächtnis — braucht?
D.h., inwiefern ist es allein nicht
Zeichen?
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Wenn ich eine Erfahrung mit den Worten beschreibe “vor mir steht
ein blauer Kessel”, ist die Rechtfertigung dieser Worte,
ausser der Erfahrung die in den Worten beschrieben
wird, noch eine andere, etwa die Erinne- rung,
dass ich das Wort ‘blau’ immer für
diese Farbe verwendet habe,
etc.?
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Wenn ich jemandem sage “wenn ich läute, komm' zu
mir”, so wird er zu- erst, wenn er läuten hört, sich diesen
Befehl (das Läuten) in Worte über-
183 setzen und erst
den übersetzten befolgen.
Nach einiger Zeit aber wird er das Läuten ohne Intervention anderer
Zeichen in die Handlung übersetzen.
Und so, wenn ich sage “zeige auf einen roten Fleck”,
befolgt er diesen Befehl, ohne daß ihm dabei zuerst das Phantasiebild
eines roten Flecks als Zeichen für ‘rot’
erscheint.
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Wenn er läutet, som komme ich zu ihm, ohne mir erst ein Bild
meiner Bewegungen vorzustellen, wonach ich
(dann) handle.
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Ich kann gewiss sagen:
“Tu jetzt,
was Du Deiner Erinnerung nach
ge- stern um diese Zeit
getan hast”.
Und wenn er sich daran erinnert, kann er seiner Erinnerung folgen.
Erinnert er sich aber nicht, so hat der Befehl keinen Sinn für
ihn.
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Wäre dieser Befehl also wie der:
“Tu, was auf dem Zettel in dieser La- de aufgeschrieben
steht”.
Wenn in der Lade kein Zettel ist, so ist das kein Befehl.
Oder denken wir uns, dass auf dem
Zettel eine unsinnige sinnlose Wort- verbindung
steht.
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Wenn ich jemandem sage “male das Grün Deiner Zimmertür nach dem
Ge- dächtnis”, so bestimmt das, was er zu tun hat, nicht
eindeutiger, als der Befehl “male das Grün, was Du auf dieser
Tafel siehst”.
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Wenn es bei der Bedeutung des Wortes “rot” auf das Bild
ankommt, das mein Gedächtnis beim Klang dieses Wortes automatisch
reproduziert, so muss ich mich auf diese
Reproduktion gerade so verlassen, als wäre ich entschlossen, die
Bedeutung durch Nachschlagen in einem Buche zu bestim- men, wobei ich
mich diesem Buche, dem Täfelchen, das ich darin fände, quasi auf Gnade
und Ungnade ergeben würde.
184
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Ich bin dem Gedächtnis ausgeliefert.
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Freilich kann man sagen: das rote Täfelchen ist in Wirklichkeit
auch nicht massgebend, weil das Gedächtnis immer als
Kontrolle des Täfelchens verwendet wird.
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Die Frage aber ist: Ist im Falle einer relativen Veränderung
der Farbe des Täfelchens zu meinem Gedächtnis (ein gewagter
Ausdruck) in irgend ei- nem Sinne unbedingt der Deutung der Vorzug
zu geben, das Täfelchen habe sich geändert und ich müsse mich also nach
dem Gedächtnis richten?
Offen- bar nein.
Uebrigens besagt die
‘Deutung’, das Täfelchen und nicht das
Ge- dächtnisbild habe sich verändert, nichts als eine Worterklärung der
Wör- ter “verändern” und
“gleichbleiben”.
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Könnte ich behaupten, dass mein Gedächtnis immer
etwas nachdunkle?
Jedenfalls könnte ich sagen: “wähle die Farbe, die Du im
Gedächtnis hast” und auch “wähle eine etwas dunklere
Farbe, als die Du im Gedächtnis hast”.
Von einem Nachdunkeln kann man natürlich nur im Vergleich zu
Etwas // etwas andrem// sprechen und
es genügt nicht, zu sagen “nun, mit der Farbe, wie sie wirklich
war”, weil hier die besondere Art der Verifikation,
d.h., die (besondere)
Grammatik der Worte “wie sie war” noch nicht
festge- legt ist, diese Worte
(al[w|s]o) noch mehrdeutig
sind.
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Mit einem Draht nach einem Kurzschluss suchen:
er ist gefunden, wenn es läutet.
Aber suche ich dabei auch nach etwas, was der Idee des Klingelns gleich
ist?
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Der Befehl sei: “Stelle Dir einen roten Kreis
vor”.
Und ich tue es. Wie
185 konnte ich den Worten auf diese
Weise folgen?
Das ist doch ein Zeichen // Beweis//
dafür, dass wir den Worten auch ohne Vorstellungen
gehorchen können.
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Wie kann ich es rechtfertigen , dass ich
mir auf diese Worte hin diese Vorstellung mache?
Hat mir jemand die Vorstellung der blauen Farbe gezeigt und gesagt,
dass sie das ist?
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Es ist also richtig: “Ich erinnere mich
daran ”, an das, was ich hier vor mir sehe.
Das Bild ist dann in einem gewissen Sinne
gegenwärtig und
vergangen.
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Der Vorgang des Vergleiches eines Bildes mit der Wirklichkeit ist also
der Erinnerung nicht wesentlich.
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Es ist instruktiv zu denken, dass, wenn wir mit einem
gelben Täfelchen die Blume suchen, uns jedenfalls nicht die Relation der
Farbengleichheit in einem weiteren Bild gegenwärtig ist.
Sondern wir sind mit dem einen ganz zufrieden.
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(So wie wir nicht für einen Augenblick daran dächten, ein Kind die
Ge- bärdensprache zu lehren.)
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Ich kann die Bedeutung der Zeichen,
, durch
die Tabelle
erklären; aber diese
Tabelle wieder erklären, indem ich sie so schreibe
und sie einer anderen
entgegenstelle:
186
Aber konnte denn auch die erste Erklärung wegbleiben?
Gewiss, wenn die Zeichen , , ,
uns (etwa) ursprünglich ebenso
beigebracht worden wären, wie die Wörter “Kirche”,
“Haus”, “Stadt”.
Aber diese mussten uns doch erklärt werden!
—
Soweit sie uns überhaupt ‘erklärt’ wurden, geschah es
durch eine Gebärdensprache, die uns nicht erklärt wurde.
— Aber wäre denn diese Gebärdensprache einer Erklärung fähig
gewesen? —
Gewiss;
z.B. durch eine
Wortsprache.
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Denken wir an das laute Lesen nach der Schrift (oder das Schreiben
nach dem Gehör).
Wir könnten uns natürlich eine Art Tabelle denken, nach der wir uns
dabei richten könnten.
Aber wir richten uns nach keiner.
Kein Akt des Gedächtnisses, nichts, vermittelt zwischen dem
geschriebenen Zeichen und dem Laut.
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(Das Wort ‘rot’ ist ein Stein in einem Kalkül und das
rote Täfelchen ist auch einer.)
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Es ist ein anderes Spiel, mit einem Täfelchen herumgehen, es an die
Ge- genstände anzulegen und so die Farbengleichheit zu prüfen; und
anderseits: ohne ein solches Muster nach Wörtern in einer
Wortsprache handeln.
Man denkt nun: Ja, das erste Spiel
verstehe ich; das ist ja ganz einfach: Der erste Schritt ist
der, von einem geschriebenen Wort auf das gleiche ge- schriebene Wort
des Musters; der zweite ist der Uebergang von dem Wort
auf dem Mustertäfelchen zu der Farbe auf dem gleichen
Täfelchen; und der dritte, das Vergleichen von Farben.
Jeden Schritt die[w|s]es Kalküls gehen wir also auf einer
Brücke.
(Wir sind geführt, der Schritt ist
vorgezeich- net.)
Aber wir sind doch hier nur insofern
geführt, als wir uns
führen lassen.
Auf diese Weise ka kann ich alles, und
muss ich nichts eine Füh- rung
nennen. —
Und am Schluss tu ich, was ich tue und das ist
Alles.
187 Alles.
Aber ein Unterschied bleibt doch: Wenn ich gefragt werde
“warum nennst Du gerade diese Farbe
‘rot’, so würde ich tatsächlich
antworten: weil sie auf dem gleichen Täfelchen mit dem Wort
‘rot’ steht.
Würde ich aber in dem gleichen Täfelchen mit zweiten Spiel
gefragt “warum nennst Du diese Farbe ‘rot’
”, so gäbe es darauf keine Antwort und die Frage hätte keinen
Sinn. —
Aber im ersten Spiel hat die Frage keinen Sinn:
“warum nennst Du die Farbe
‘rot’, die auf dem gleichen Täfelchen mit dem Wort
‘rot’ steht”.
So handle ich eben (und man kann dafür wohl eine Ursache angeben,
aber keinen Grund).
Bedenke vor allem: Wie weiss man,
dass das Täfelchen rot bleibt?
Braucht man dazu wieder ein Bild?
Und wie ist es mit dem?
etc..
Woran erkennt er das Vorbild als Vorbild?
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(Ein Grund lässt sich nur innerhalb
eines Spiels angeben.)
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Die Kette der Gründe kommt zu einem Ende und zwar dem Ende in
diesem Spiel // und zwar
(an?) der Grenze des Spiels
//.
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Man kann sagen: Die Regeln des Spiels sind die, die gelehrt
werden, wenn das Spiel gelehrt wird. —
Nun wird
z.B. dem Menschen, der lesen lernt,
tat- sächlich gelehrt: das ist ein a, das ist ein e,
etc.; also, könnte man sagen, gehören diese Regeln,
gehört diese Tabelle mit zum Spiel. —
Aber erstens: lehrt man denn auch den Gebrauch dieser
Tabelle? und könnte man ihn, anderseits, nicht
lehren?
Und zweitens kan[h|n] doch das Spiel wirklich
auf zwei verschiedene Arten gespielt werden.
Man kann nun fragen: ist es denn aber auch noch ein Spiel, wenn
Einer die Buchstaben abbc sieht und irgend etwas
macht?
Und wo hört das Spiel auf, und wo fängt es an?
Die Antwort ist natürlich: Spiel ist es, wenn es nach einer Regel
vor
188 sich geht.
Aber was ist noch eine Regel und was keine mehr?
Eine Regel kann ich nicht anders geben, als durch ihren Ausdruck; denn
auch Beispiele, wenn sie Beispiele sein sollen, sind ein Ausdruck für die
Regel, wie jeder andre.
Wenn ich also sage: Spiel nenne ich es nur, wenn es einer Regel
gemäss geschieht und die Regel ist eine Tabelle, so
kann ich nicht die Verwendungs- art // die
Art des Gebrauches // dieser Tabelle garantieren,
denn ich kann sie nur durch eine weitere Tabelle festlegen, oder durch
Beispiele.
Diese Beispiele tragen nicht weiter, als sie selbst gehen
// reichen // und die zwei[f|t]e
Tabelle ist im gleichen Fall wie die erste.
Ich könnte auch sagen: was ist das Schachspiel andres (oder was
ist vom Schachspiel andres vorhanden[,|)], als
Regelverzeichnisse (gesprochen, geschrie- ben,
etc.) und die Beschreibung einer Anzahl von
Schachpartien?
Es steht mir (danach) natürlich frei,
‘Spielregel’ nur ein Ding von be- stimmt festgelegter
Form zu nennen.
189
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43
“Die Beziehung // Verbindung
// zwischen Sprache und Wirklichkeit” ist durch
die Worterklärungen hergestellt // gemacht
//, welche wieder zur Sprachlehre gehören.
So dass die Sprache in sich geschlossen, autonom,
bleibt.
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Uebereinstimmung von Gedanke und
Wirklichkeit.
Wie alles Metaphysische ist die (prästabilierte) Harmonie
zwischen Gedanken und Wirklichkeit in der Grammatik der Sprache
aufzufinden.
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Es ist auch
zu sagen, die
Uebereinstimmung (und
Nichtüber- einstimmung) zwischen Satz und Welt
// Realität// sei willkürlich durch eine
Zuordnung</>geschaffen.
Denn, wie ist die Zuordnung auszudrücken?
Sie besteht darin, dass der Satz
“p” sagt, es sei gerade das der
Fall.
Aber wie ist dieses “gerade das” ausgedrückt
// gegeben//?
Wenn durch einen andern Satz, so gewinnen wir nichts dabei; wenn aber
durch die Realität, dann muss diese schon
in bestimmter Weise — artikuliert —
aufge- fasst sein.
Das heisst: man kann nicht auf einen Satz und
auf eine Realität deuten und sagen: “ das
entspricht dem ”.
Sondern, dem Satz ent- spricht nur wieder das schon
Artikulierte.
D.h., es gibt keine hinweisende
190 Erklärung für
Sätze .
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Um in einer Sprache im Chinesischen einen Satz bilden zu
können, dazu genügt es nicht, die Lautreihe zu lernen und zu wissen,
dass sie, etwa in der Fibel neben einem bestimmten
Bild steht.
Denn das befähigt mich nicht, die Tatsache in jener Sprache
auf Chinesisch zu porträtieren.
Ja, wenn es mir im Deutschen so geschähe, dass ich
die ganze Sprache vergässe
, mir aber bei einer bestimmten Gelegenheit doch die
Lautverbindung einfiele, die man in diesem Falle
gebraucht , so würde ich
diese Lautverbin- dung in diesem Falle
nicht
verstehen .
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Wenn man jemanden fragt “wie weisst Du,
dass diese Beschreibung wieder- gibt,
was Du siehst”, so könnte er etwa antworten “ich
meine das mit die- sen Worten”.
Aber was ist dieses “ das ”, wenn es nicht
(selbst) wieder artikuliert, also schon
Sprache ist?
Also ist “ich meine das” gar keine
Antwort.
Die Antwort ist eine Erklärung der Bedeutung der Worte.
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Wenn ich die Beschreibung nach Regeln bilde, dann
übersetze ich sie als eine Sprache aus einer anderen.
Und das kann ich na- türlich mit Grammatik und Wörterbuch tun und so
rechtfertigen. —
Aber dann ist die Uebertragung von Artikuliertem
in Artikuliertes.
Und wenn ich sie durch Berufung auf die Grammatik und das Wörterbuch
rechtfertige, so tue ich nichts, als eine Beziehung zwischen Wirklichkeit
und Beschreibung (ei- ne projektive Beziehung) festzustellen, von
der Intention aber, meiner Be- schreibung ist hiebei keine
Rede.
(
D.h., ich kann eben nur die
Aehnlichkeit des Bildes
prüfen, nichts weiter.)
191
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44
Die Sprache in unserem Sinn nicht als Einrichtung definiert, die einen
bestimmten Zwe[f|c]k erfüllt.
Die Grammatik kein Mechanismus, der durch seinen Zweck gerechtfertigt
ist.
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Könnte ich nicht die Sprache als soziale Einrichtung betrachten, die
gewissen Regeln unterliegt, weil sie sonst nicht wirksam wäre
// wirken würde//.
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Aber wie ist es: Ich gehe diesen Weg, um dorthin zu kommen;
ich drehe den Hahn auf, um Wasser zu erhalten, ich winke, damit jemand zu
mir kommt und endlich teile ich ihm meinen Wunsch mit, damit er ihn
erfüllt!
((
D.h.: War also die Mitteilung
meines Wunsches nicht nur das Ziehen eines Hebels und der Sinn meiner
Mitteilung hr Zweck?))
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Aber was geht vor sich, wenn ich den Hahn aufdrehe,
damit Wasser
herausfliesst?
Was geschieht, ist, dass ich den Hahn aufdrehe, und
dass dann Wasser herauskommt, oder nicht.
Was geschieht, ist also, dass ich den Hahn
aufdrehe. —
192
aufdrehe.
Was auf das Wort “damit” folgt, die Absicht, ist darin
nicht enthalten.
Ist sie vorhanden, so muss [d|s]ie
ausgedrückt sein und sie kann nur dann be- reits durch das Aufdrehen
des Hahnes ausgedrückt sein, wenn das Teil ei- ner Sprache ist.
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Wenn man sagte: Sprache ist alles, womit man sich verständigen kann,
so muss //
müsste // man fragen: Aber
worin besteht ,es, ‘sich verständigen’
?
Ich könnte als Antwort darauf einen realen oder fiktiven Fall einer
Verständigung von Menschen oder andern Lebewesen beschreiben.
In dieser Beschreibung werden dann fingierte kausale Verbindungen eine
Rolle spie- len.
Aber wenn der Begriff Sprache durch solche bestimmt ist, so
interes- siert er uns nicht.
Und abgesehen von jenen empirischen
Regelmässigkeiten der Ereignisse, haben
wir dann nur noch einen willkürlichen //
beliebi- gen // Kalkül. —
Aber worin besteht denn das Wesentliche eines Kalküls?
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‘Sprache’ und
‘Lebewesen’.
Der Begriff des Lebewesens hat die gleiche Unbestimmtheit wie der
der Sprache // … ist so unbestimmt wie
… //
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“Ein Zeichen ist doch immer für ein lebendes Wesen da, also
muss das etwas dem Zeichen Wesentliches
sein”.
Gewiss: auch ein Sessel ist immer nur für
einen Menschen da, a[v|b]er er lässt sich
beschreiben, ohne dass wir von seinem Zweck
reden.
Das Zeichen hat nur einen Zweck in der menschli- chen Gesellschaft,
aber dieser Zweck kümmert uns gar nicht.
Ja am Schluss sagen wir überhaupt keine Eigenschaften
von den Zeichen aus — denn diese interessieren uns nicht —
sondern nur die (allgemeinen) Regeln ihres
Gebrauchs.
Wer das Schachspiel beschreibt, gibt weder Eigen- schaften der
Schachfiguren an, noch redet er vom Nutzen und Gebrauch des
Schachspiels.
193
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Denken wir uns den Standpunkt eines Forschers: er findet,
dass in der Sprache der Erde ein Zeichen benützt
wird, das nach diesen und diesen Re- geln (etwa nach denen der
Negation) gebraucht wird, und fragt sicht: Wozu
können sie das brauchen?
Die Antwort wäre aber: Wenn immer ein Zeichen mit
diesen Regeln zu gebrauchen ist.
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Eine Sprache erfinden, heisst nicht auf Grund von
Naturgesetzen (oder im Einklang mit ihnen
// in Uebereinstimmung mit ihnen
//) eine Vorrich- tung zu einem bestimmten Zweck
erfinden.
Wie es etwa die Erfindung des Benzinmotors oder der Nähmaschine
ist.
Auch die Erfindung eines Spiels ist nicht in diesem Sinne
eine Erfindung, aber vergleichbar der Erfin- dung einer
Sprache.
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Ich brauche nicht zu sagen, dass ich nur die
Grammatik des Wortes “Spra- che” weiter beschreibe,
indem ich sie mit der Grammatik des Wortes
“Erfin- dung” in Verbindung bringe.
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Ist alles, was ich sagen darf // kann//
damit gesagt: Man kann nicht von den grammatischen Regeln
sagen, sie seien eine Einrichtung dazu, dass die
Sprache ihren Zweck erfüllen könne.
Wie man etwa sagt: wenn die Dampf- maschine keine Steuerung
hätte, so könnte der Kolben nicht hin und her gehen, wie er soll.
Als könne man sich eine Sprache auch ohne Grammatik denken.
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Die grammatischen Regeln sind, wie sie nun einmal da sind, Regeln des
Gebrauchs der Wörter.
Uebertreten wir sie, so können wir deswegen die
Wör- ter dennoch mit Sinn gebrauchen.
Wozu wären dann die grammatischen Regeln da?
Um den Gebrauch der Sprache im Ganzen gleichförmig zu machen?
(etwa aus ästhetischen Gründen?)
Um den Gebrauch der Sprache als
gesellschaftli-
194 che Einrichtung zu
ermöglichen? also wie eine Verkehrsordnung, damit kei- ne
Kollision geschieht //
entsteht//?
(Aber was macht es uns // geht es uns
an//, wenn eine entsteht?)
Die Kollision, die nicht geschehen //
entstehen// darf, darf nicht entstehen können!
D.h., ohne Grammatik ist es nicht eine schlechte
Sprache, sondern keine Sprache.
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Anderseits muss man doch sagen, die Grammatik einer
Sprache als all- gemein anerkannte Institution ist eine
Ver- kehrsordnung.
Denn, dass man das Wort “Tisch”
immer in dieser Weise gebraucht, ist nicht der Sprache
als solcher wesentlich, sondern quasi nur eine praktische
Einrichtung.
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Wie unterscheiden sich die Sprachregeln von denen des Anstandes?
Wenn man kein Ziel angeben kann, das nicht erreicht würde, wenn diese
Regeln anders wären.
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Der Zweck der Grammatik ist nur der Zweck der Sprache.
Der Zweck der Grammatik ist der Zweck der Sprache.
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Woher die Bedeutung der Sprache?
Kann man denn sagen: Ohne Sprache könnten wir uns nicht miteinander
verständigen.
Nein, das ist ja nicht so, wie: ohne Telephon könnten wir nicht
von Amerika nach Europa reden.
(Es sei denn, dass wir unter
“Telephon” jede Vorrichtung verstehen, welche
etc
etc..)
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Wir können aber sagen: Ohne Sprache könnten wir die Menschen
nicht be- einflussen.
Oder, nicht trösten.
Oder: nicht ohne eine Sprache Häuser und Maschinen bauen.
195
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Es ist auch richtig //
sinnvoll// zu sagen, ohne den Gebrauch des Mun- des oder
der Hände können sich Menschen nicht verständigen.
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Die Worte, die Einer bei gewisser Gelegenheit sagt, sind insofern nicht
willkürlich, als gerade diese in der Sprache, die er sprechen
will (oder muss) das meinen, was er sagen
will;
d.h., als gerade für sie diese grammatischen
Regeln gelten.
Was er aber meint,
d.h. das grammatische Spiel,
das er spielt, ist insofern nicht willkürlich, als er etwa seinen Zweck
nur so glaubt erreichen zu können.
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45
Die Sprache funktioniert als Sprache nur durch die Regeln, nach denen
wir uns in ihrem Gebrauch richten, wie das Spiel nur durch seine Regeln
ein Spiel ist.
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Wie, wenn eine Sprache aus lauter einfachen und unabhängigen Signalen
bestünde?!
Denken wir uns diesen Fall: Es handle sich etwa um die
Be- schreibung einer Fläche, auf der in schwarz und
weiss [i|s]ich allerlei Figu- ren
zeigen können.
Wäre es nun möglich, alle möglichen Figuren durch un- abhängige
Symbole zu bezeichnen //
kennzeichnen//?
(Ich nehme dabei an, dass ich nur über, sagen
wir 10000 Figuren reden will.)
Wenn ich Recht ha- be, so muss die ganze
Geometrie in den Regeln über die Verwendung dieser 10000 Signale
wiederkehren.
(Und zwar ebenso, wie die Arithmetik, wenn wir statt 10 unabhängiger
Zahlzeichen eine Billion verwendeten.)
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Um eine Abhängigkeit auszudrücken, bedarf es einer Abhängigkeit.
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Denken wir uns ein Tagebuch mit Signalen geführt.
Etwa die Seite in Ab- schnitte für jede Stunde eingeteilt und nun
heisst ‘A’ ich schlafe,
‘B’ ich stehe auf, ‘C’
ich schreibe,
etc..
197
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Muss denn nicht die Regel der Sprache —
dass also dieses Zeichen das bedeutet
— irgendwo niedergelegt sein?
Freilich auch: Mehr als die Regel niederlegen,
kann ich nicht.
Ist die Regel niedergelegt, so ist es eben eine andere Sprache, als
wenn sie nicht niedergelegt ist.
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Und warum soll ich, dass ‘A’
in dieser Zeile steht, nicht ein Bidl Bild dessen
nennen, dass ich dann schlafen gehe?
Freilich, dass es die Multipli- zität dessen
wiedergeben soll die in jenen Worten liegt, kann ich nicht
verlangen.
Der Akt des Schlafengehens war ja auch nicht dadurch bestimmt.
Denken wir, ich zeichne einen Sitzplan
,
ist ein Kreuzchen das Bild eines Menschen oder nicht? —
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Wie kann ich denn kontrollieren, dass es immer
dasselbe ist, was ich ‘A’ nenne.
Es sei denn, dass ich etwa ein Erinnerungsbild
zuziehe.
Das aber dann zum Zeichen gehört.
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Wenn
z.B. Einer fragte: wie
weisst Du, dass Du jetzt dasselbe
tust, wie vor einer Stunde, und ich antwortete: ich habe
mir's ja aufgeschrieben, hier steht ja ein
‘A’!
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Wenn ich mich in dieser Sprache ausdrücke, so werde ich also
mit ‘B’ immer dasselbe meinen.
Es kann einen // keinen // Sinn haben,
zu sagen, dass ich beide Male dasselbe tue, wenn ich
den Befehl ‘B’ befolge (oder dasselbe getan
habe, als ich tat, was <…> ich durch
‘B’ bezeichnete).
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D.h. die Sprache funktioniert als Sprache nur durch
die Regeln, nach
198 denen wir uns in
ihrem Gebrauch richten.
(Wie das Spiel nur durch Regeln als Spiel funktioniert.)
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Und zwar, ob ich zu mir oder Andern rede.
Denn auch mir teile ich nichts mit, wenn ich Lautgruppen ad hoc
mit irgend welchen Fakten associiere.
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Ich muss, wenn ich zu mir rede,
schon auf einem bestehenden //
gegebe- nen// Sprachklavier spielen.
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‘Ich verstehe diese Worte’ (die ich etwa zu mir
selbst sage), ‘ich meine etwas damit’, ‘sie
haben einen Sinn’ muss immer
dasselbe heissen wie: ‘sie sind nicht
ad hoc erfundene Laute, sondern Zeichen aus einem
System ’.
Ich spiele ein Spiel mit ihnen .
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Etwa?, wie die Teilstriche auf einem
Masstab nur solche sind, wenn sie ein System
bilden.
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Denn, wenn wir einen Befehl befolgen, so deuten wir die
Worte nicht will- kürlich.
D.h. wieder, wir müssen die Unterscheidung
anerkennen zwischen dem ‘Be- folgen eines Befehls’
und einem ‘willkürlichen Zuordnen einer Handlung’.
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Das Aussprechen eines Satzes wäre kein Porträtieren, wenn ich meine
Wor- te nicht aus einem System wählte, so dass man
sagen kann, ich wähle sie im Gegensatz zu anderen.
Aber die Worte, wenn sie nicht in einem grammatischen System stehen,
sind ja alle gleichwertig und also wäre es dann ˇganz
gleichgültig, welche ich wählte, ja, — man könnte sagen — als
Worte würden sie sich (dann) voneinander
gar
199 nicht unterscheiden.
Man muss die Worte wählen, wie //
in demselben Sinne wie// man die Striche und Farben wählt,
mit denen man einen Körper abbildet.
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Warum wir ein Wort — und nicht ein anderes — an dieser Stelle
gebrauchen, erfahren wir, wenn wir jemand fragen: warum gebrauchst
Du hier das Wort A.
Die Antwort wird sein: das und das
heisst A.
Und das ist eine Regel der Grammatik, die die Position des Wortes in
der Sprache bestimmt.
(Und Und (zum Zeichen,
dass es sich hier wi[l|r]klich um Grammatik
handelt) wenn A das Wort “und” gewesen wäre,
so könnte man weiter nichts tun, als die Regeln für
“und” angeben.
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Sage ich jemandem “bringe eine rote Blume” und er bringt
eine, und nun frage ich “warum hast Di mir
eine von dieser Farbe gebracht?” — und er:
“diese Farbe nenne ich //
heisst doch// rot”: so
ist dies Letzte ein Satz der Grammatik.
Er rechtfertigt eine Anwendung des Worts.
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Fehlt dieser Satz // diese Regel//, so
ist die Grammatik des Worts (sei- ne Bedeutung) eine
andere.
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Wenn man einen Satz braucht, so muss er schon
irgendwie funktio- nieren .
Das heisst, man gebraucht ihn nicht, um einer
Tatsache einen Lärm beizuordnen.
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Es wäre doch nicht, einen Tatbestand porträtieren, wenn ich etwa
beliebi- ge Striche auf das Papier kritzelte und sagte “es
gibt gewiss eine Projek- tionsmethode, die diesen
Tatbestand in diese Zeichnung projiziert”.
200
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Ja auch hier (beim Porträtieren //
Abbilden//) fühle ich mich schon beim ersten Strich
verpflichtet —
d.h. er ist nicht
willkürlich.
Jeden- falls aber fängt das Bild erst dort an, wo die
Verpflichtung an- fängt.
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201
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46
Funktionieren des Satzes an einem Sprachspiel erläutert.
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Ich halte meine Wange, und jemand fragt, warum ich es tue und ich
ant- worte: “Zahnschmerzen”.
Das heisst offenbar dasselbe, wie “ich habe
Zahn- schmerzen”, aber weder stelle ich mir die fehlenden
Worte im Geiste vor, noch gehen sie mir im Sinn irgendwie
ab.
Daher ist es auch möglich,
dass ich die Worte
“ich habe Zahnschmerzen” in dem
Sinne aussprache, als sagte ich nur das letzte Wort oder, als wären
die drei nur ei[h|n]
Wort.
(Eliptischer Satz.
Was tut die Grammatik, wenn sie sagt: “ ‘Hut
und Stock!’ heisst
eigentlich ‘gib mir meinen Hut und meinen Stock!’
”)
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Ein einfaches Sprachspiel ist
z.B. dieses:
Man spricht zueinem Kind (es
kann aber auch ein Erwachsener sein), indem man das elektrische Licht
in einem Raum andreht: “Licht”, dann, indem
man es abdreht: “Finster”; und tut das etwa
mehrere Male mit Betonung und variierenden Zeitlängen.
Dann geht man etwa in das Nebenzimmer, dreht von dort aus das Licht im
ersten an und bringt das Kind dazu, dass es
mitteilt, ob es licht oder finster ist. //
dasse es mitteilt:
“Licht”, oder
“Finster”.
Soll ich da nun “Licht” und
“Finster” ‘Sätze’
nennen?
Nun, wie ich will.
— Und wie ist es mit der
‘Uebereinstimmung mit der
Wirklichkeit’?
202
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Wenn ich bestimmte einfache Spiele
beschreibe, so geschieht es nicht, um mit ihnen nach und nach die
Vorgänge der Sprache —
oder des Denkens — aufzubauen, was nur zu
Ungerchtigkeiten führt, — sondern ich stelle
die Spiele als solche hin, und lasse sie ihre aufklärende Wirkung auf die
besonderen Probleme ausstrahlen.
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Man könnte
sagen: “die Worte ‘Licht’,
‘Finster’ sind hiera als Sätze gemeint
und sind nicht einfach Wörter”.
Das he[k|i]sst, sie sind hier nicht so
gebraucht, wie wir sie in der gewöhnlichen Sprache gebrauchen (obwohl
wir tatsächlich auch oft so sprechen).
wenn ich plötzlich ohne sichtbaren
Anlass das Wort “Licht”
isoliert ausspreche, so wird man allerdings sagen: “was
heisst</>das? das ist
doch kein Satz” oder: “Du sagst
‘Licht’, was soll's
damit?”
Das Aussprechen des Wortes “Licht” ist in
diesem Fall sozusagen noch ?—kein
(kompletter) Zug des Spiels, das, wie
wir annehmen, der Andre spielt. —?
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Wie unterscheidet sich nun
“Licht”, wenn es den Wunsch nach Licht
aus- drüc[j|k]t, von “Licht”, wenn
es konstatiert, dass es im Zimmer licht ist?
Dass wir es in jedem Fall anders
meinen ?
Und worin besteht das?
In bestimmten Vorgängen, die das Aussprechen
begleicheten, oder in einem
be- stimmten Benehmen, das ihm vorangeht, eventuell es begleitet, und
ihm folgt?
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Wenn ein Mann im Ertrinken “Hilfe!” schreit,
— konstatiert er die Tat- sache, dass er
Hilfe bedarf? dass er ohne Hilfe ertrinken
wird? —
Dagegen gibt es den Fall, in dem man, quasi sich
beobachtend sagt “ich hätte (oder:
habe) jetzt den Wunsch nach…”.
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Ich sage das Wort “Licht!”, — der Andere
fragt mich: “was meinst Du?”
—
203 und ich sage
// antworte //: “Ich meinte,
Du sollst Licht machen”. —
Wie war das, als ich es meinte ?
Sprach ich den “[j|k]ompletten Satz” in
der Vorstellung unhörbar aus, oder den entsprechenden in einer andern
Sprache?
(Ja, das kann vorkommen oder auch nicht.)
Die Fälle, die man alle mit dem Ausdruck “ich meinte”
zusammenfasst, sind sehr
mannigfach .
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Nun kann man ruhig annehmen: ‘ich meinte, Du solltest Licht
machen’ heisst, dass
mir dabei ein Phantasiebild von Dir in dieser Tätigkeit vorge- schwebt
hat, und ebensogut: der Satz heisst,
dass mir dabei die Worte des vollständigen Satzes in
der <…> Phantasie gegenwärtig waren, oder,
dass eins von diesen beiden der Fall war; —
<…> nur muss ich wissen,
dass ich da- mit eine Festsetzung über die Worte
“ich meinte” getroffen habe und eine engere als die
ist, welche dem tatsächlichen allgemeinen Gebrauch des
Aus- druckse entspricht.
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Wenn das Meinen für uns irgend eine Bedeutung, Wichtigkeit, haben soll,
so muss dem System der Sätze ein System der Meinungen
zugeordnet sein, was immer für Vorgänge die Meinungen sein
sollen .
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Inwiefern stimmt nun das Wort “Licht” im
obigen Symbolismus oder Zeichen- spiel mit einer Wirklichkeit
überein, — oder nicht überein?
Wie gebrauchen wir das Wort
“übereinstimmen”? —
Wir sagen “die beiden Uhren stimmen überein”, wenn
sie die gleiche Zeit zeigen, “die bei- den
Masstäbe stimmen überein”, wenn gewisse
Teilstriche zusammenfallen, “die beiden Farben stimmen
überein”, wenn etwa ihre Zusammenstellung uns ange- nehm
ist.
Wir sagen “die beiden Längen stimmen überein”, wenn sie
gleich sind, aber auch, wenn sie in einem von uns gewünschten Verhältnis
stehen.
Und, dass sie “übereinstimmen”
heisst dann nichts andres, als
dass sie in diesem Verhältnis — etwa
1:2 —
stehen.
So muss also in jedem Fall erst
204 festgesetzt werden, was unter
“Uebersti
“Uebereinstimmung” zu verstehen
ist. —
So ist es nun auch mit der Uebereinstimmung einer
Längenangabe mit einer Länge .
Wenn ich sage: “dieser Stab ist 2
m
lang”, so kann ich
z.B. erklären
// eine Erklärung geben//, wie man nach diesem
Satz mit einem Masstab die Länge des Stabes
kontrolliert, wie man etwa nach diesem Satz einen
Messtreifen für den Stab
erzeugt.
Und ich sage nun, der Satz stimmt mit der Wirklichkeit überein, wenn
der auf diese Weise konstruierte Mess- streifen
mit dem Stab übereinstimmt.
Diese Konstruktion eines Messtreifens illustriert
übrigens, was ich in der
“Abhandlung⇒” damit meinte,
dass der Satz bis an die Wirklichkeit
herankommt. —
Man könnte das auch so klar ma- chen: Wenn ich die
Wirklichkeit daraufhin prüfen will, ob sie mit einem Satz übereinstimmt,
so kann ich das auch so machen, dass ich sie nun
be- schreibe und sehe, ob der gleiche Satz herauskommt.
Oder: ich kann die Wirklichkeit nach grammatischen Regeln in die
Sprache des Satzes überset- zen und nun im Land der Sprache
?—den Vergleich
durchführen—?.
Als ich nun dem Andern erklärte: “Licht” (indem
ich Licht machte), “Fin- ster”
(indem ich auslöschte), hätte ich auch sagen können und mit genau
derselben Bedeutung: “das ist //
heisst//
‘Licht’” (wobei ich Licht ma- che) und
“das ist //
heisst//
‘Finster’”
etc., und
auch ebensogut : “das stimmt mit
‘Licht’ überein”, “das stimmt mit
‘Finster’ überein”.
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Es kommt eben wieder auf die Grammatik des Wortes
“Uebereinstimmung” an, auf seinen
Gebrauch.
Und hier liegt die Verwechslung mit
‘Aehnlich- keit’ nahe, in dem
Sinn, in dem zwei Personen einander ähnlich sind, wenn ich sie leicht
miteinander verwechseln kann.
Ich kann auch wirklich nach der Aussage über die Gestalt eines Körpers
eine Hohlform konstruieren, in die nun der Körper
passt, oder nicht passt, je
nachdem die Beschreibung richtig oder falsch war, und die konstruierte
Hohlform gehört dann in dieser Auffassung noch zur Sprache (die bis an
die Wirklichkeit herankommt).
205
Aber auch die Hohlform macht kein finsteres Gesicht, wenn der Körper
nicht in sie passt.
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Wenn das Wort “Uebereinstimmung mit der
Wirklichkeit” gebraucht wird // werden
darf//, dann nicht als metalogischer Ausdruck, sondern
als Teil eines Kalküls, als Teil der gewöhnlichen Sprache.
Man kann etwas sagen: Im Sprachspiel
“Licht! — Finster!” kommt
der Ausdruck “Uebereinstimmung mit der
Wirklichkeit” nicht vor.
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In dem Sprachspiel “Licht — Finster”
kommt keine Frage vor. —
Aber wir könnten es auch mit Fragen spielen.
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47
Behauptung, Frage, Annahme,
etc.
⇐
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Das Frege'sche
Behauptungszeichen ist am Platze, wenn es nichts wei- ter bezeichnen
soll, als den Anfang des Satzes.
Man könnte sagen “den Anfang der Behauptung”, im
Gegensatz zu den Sätzen, die in der Behaup- tung vorkommen
können.
Das Behauptungszeichen dient dann demselben Zweck, wie der
Schlusspunkt des vorhergehenden Satzes.
“Ich denke p” hat dann mit
“!-p” eben nur
das Zeichen “p” gemein //
gemeinsam//.
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Was zum Wesen des Satzes gehört, kann die Sprache schon darum nicht
ausdrücken, weil es für jeden Satz das Gleiche wäre; und ein Zeichen, das
in jedem Satz vorkommen muss, logisch eine
blosse Spielerei wäre.
Die Zeichen des Satzes sind ja nicht Talismane oder magische
Zeichen, die auf den Betrachter einen bestimmten Eindruck
hervorrufen sollen.
Gäbe es philosophische Zeichen im Satz, so müsste
ihre Wirkung // Funk- tion// eine
solche unmittelbare sein.
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Man hat natürlich das Recht, ein Behauptungszeichen zu
verwenden, wenn man es im Gegensatz etwa zu einem Fragezeichen
gebraucht.
Irreleitend
207 ist es nur, wenn man meint,
dass die Behauptung nun aus zwei Akten beste- he,
dem Erwägen und dem Behaupten (Beilegen des Wahrheitswertes, oder
dergl.) und dass wir diese Akte nach
dem geschriebenen Satz ausführen, un- gefähr wie wir nach Noten
.
Mit dem Klavierspielen nach Noten ist nun allerdings das laute oder
auch leise, Lesen nach dem geschriebenen oder gedruckten Satz zu
verglei- chen und ganz analog; aber
n[k|i]chts, was wir ‘denken’ nennen
.
Ist also
z.B. ein Behauptungszeichen im
geschriebenen Satz, so wird wieder ein
Behaup- tungs zeichen im gelesenen sein (etwa die
Betonung, oder der Stimmfall).
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Eine Sprache (ich meine eine Sprechart) ist denkbar, in
der es keine Behauptungssätze gibt, sondern nur Fragen und die Bejahung
und Verneinung.
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Behauptung, Annahme, Frage.
Man kann auf dem Schachbrett einen Zug in einer Schachpartie machen,
— aber auch während eines
Gespräches
über ein Schachproblem zur Illustration, oder wenn man jemand
das Spiel lehrt, —
etc..
Man sagt dann auch etwa: “angenommen, ich zöge
so , …”.
So ein Zug hat Aehnlichkeit mit dem, was man in
der Sprache ‘Annahme’ nennt.
Ich sage nun etwa “im Nebenzimmer ist ein Dieb”, —
der Andre fragt mich “woher weisst Du
das?” und ich antworte:
“oh ich wollte nicht
sagen, dass wirklich ein Dieb im Nebenzimmer ist,
ich habe es nur in Erwägung gezogen”. —
Möchte man da nicht fragen: Was hast Du
erwogen? wie Du Dich benehmen würdest, wenn ein Dieb da wäre,
oder, was für ein Geräusch es machen würde, oder, was er Dir wohl stehlen
würde?
Freges Anschauung könnte
man so wiedergeben: dass die Annahme (so
wie er das Wort gebraucht) das ist, was die Behauptung,
dass p der Fall ist, mit der Frage, ob
p der Fall
ist, gemeinsam hat.
Oder auch, dass
208 die Annahme dasselbe
ist wie die Frage.
Man könnte auch eine Behauptung immer als eine Frage mit einer Bejahung
darstellen.
Statt “Es regnet”: “Regnet
es?
Ja!”
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Wenn es so etwas gäbe, wie eine Annahme im Sinne Freges, müsste dann nicht die
Annahme, dass p der Fall ist gleich der sein,
dass non-p der Fall ist?
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In dem Sinn, in welchem die Frage “ist
p der
Fall?” die gleiche ist wie “ist
p nicht der
Fall?”.
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Es gibt wirkliche Annahmen, die wir eben durch Sätze von der Form
“an- genommen p wäre (oder: ist) der
Fall” ausdrücken.
Aber solche Sätze nen- nen wir nicht vollständig und sie
scheinen sehr ähnlich den Sätzen der Form
// erinnern uns an Sätze der Form//
“wenn p der Fall ist, …”.
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Ist nun aber eine solche Annahme ein Teil einer
Behauptung?
Ist das nicht, als sagte man, die Frage, ob
p der Fall
ist, sei ein Teil der Behauptung, dass
p der Fall
ist?
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Ist es aber nicht auffällig, dass wir es in unsern
gewöhnlich philoso- phisch-grammatischen Problemen nie damit zu tun
haben, ob sie sich auf Behauptungen oder Fragen beziehen?
(Etwa in dem Problem vom Idealismus und Realismus.)
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Und welcher Art ist ein Satz, wenn sich Einer eine mögliche Situation,
etwa ihrer Seltsamkeit wegen, notiert?
Oder: die Erzählung eines Witzes?
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Sprachspiel: eine Geschichte erfinden.
Oder: eine Geschichte erfinden
209 und zeichnen. —
Etc..
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Wir könnten uns
auch eine Sprache denken, die nur aus Befehlen be- steht.
So eine Sprache verhält sich zu der unseren, wie eine primitive
Arithmetik zu unserer.
Und wie jene Arithmetik nicht wesentlich unvoll- ständig ist, so ist
es auch die primitivere Form der Sprache nicht.
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48
Wie denkt man den Satz ‘p’, wie
erwartet, (glaubt, wünscht) man, dass
p der Fall sein wird?
Mechanismus des Denkens.
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Man ist versucht, zu
fragen: wie denkt man den Satz
p, wie
erwartet man, dass das und das eintreffen
wird (wie macht man das).
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“Wie arbeitet der Gedanke, wie bedient er sich seines
Ausdrucks?” — das
ist
analog der Frage : “wie arbeitet der Musterwebstuhl,
wie bedient er sich der Karten?”
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Das Gefühl ist, dass mit dem Satz “ich
glaube, dass p der Fall ist” der Vorgang des
Glaubens nicht beschrieben sei (dass vom Webstuhl
nur die Karten gegeben seien und alles übrige bloss
angedeutet ist).
Dass man die Beschreibung “ich glaube
p”
durch die Beschreibung eines Mechanismus er- setzen könnte, worin dann
p,
d.h. jetzt die Wortfolge
“p”, wie die Karten im Webstuhl
nur als ein Bestandteil vorkommen würde.
Aber hier ist der Irrtum: Was immer diese Beschreibung
enthielte, wäre für uns wertlos,
212 ausser eben der Satz
p mit
seiner Grammatik .
Sie ist quasi der eigentliche Mechanismus, in welchem
// dem // er eingebettet liegt.
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⇐
Wenn man fragt “wie macht der Gedanke //
Satz// das, dass er
darstellt?”
So könnte die Antwort sein:
“Weisst Du es denn
(wirklich) nicht?
Du siehst es doch, wenn Du denkst // wenn Du
ihn benützt//”.
Es ist ja nichts ver- borgen.
Wie macht der Satz das? —
Weisst Du es denn nicht?
Es ist ja nichts ver- steckt.
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Dass ‘alles
fliesst’ scheint uns am Ausdruck
der Wahrheit zu hindern, denn es ist, als ob wir sie nicht auffassen
könnten, da sie uns entgleitet.
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Aber es hindert uns eben nicht am Ausdruck. —
Was es heisst, etwas Ent- fliehendes in der
Beschreibung festhalten zu wollen, wissen wir.
Das ge- schieht etwa, wenn wir das Eine vergessen, während wir das
Andere beschrei- ben wollen.
Aber darum handelt es sich doch hier nicht.
Und so ist der Aus- druck // das
Wort// “entfliehen” anzuwenden.
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⇐
Aber auf die Antwort “Du weisst ja, wie es
der Satz macht, es ist ja nichts verborgen”, möchte man
sagen: “ja, aber es fliesst alles so
rasch vorüber und ich möchte es gleichsam breiter auseinander gelegt
sehen”.
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Aber auch hier irren wir uns.
Denn es geschieht dabei auch nichts, was uns durch die
Geschwindigkeit entgeht.
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Warum können wir uns keine Maschine mit einem Gedächtnis denken?
Es w[r|u]r- de oft gesagt, dass das
Gedächtnis darin besteht, dass Ereignisse Spuren
213 hinterlassen, in denen nun
gewisse Vorgänge vor sich gehen müssten.
Wie wenn Wasser sich ein Bett macht und das folgende Wasser in diesem
Bett fliessen muss; der
eine Vorgang fährt für den nächsten das Gleise aus. //
der eine Vorgang fährt das Gleise aus, das den andern führt.
Geschieht dies nun aber in einer Maschine, wie es wirklich geschieht,
so sagt niemand, die Ma- schine habe Gedächtnis, oder habe sich den
einen Vorgang gemerkt.
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Nun ist das aber ganz so, wie wenn man sagt, eine Maschine kann
nicht denken, oder kann keine Schmerzen haben.
Und hier kommt es darauf an, was man darunter versteht
“Schmerzen zu haben”.
Es ist klar, dass ich mir eine Maschine denken
kann, die sich genau so benimmt (in allen Details), wie ein Mensch
der Schmerzen hat.
Oder vielmehr: ich kann den Andern eine Maschine nennen, die
Schmerzen hat,
d.h.: den andern
Körper .
Und ebenso, na- türlich, meinen Körper.
Dagegen hat das Phänomen der Schmerzen, wie es auf- tritt,
wenn ‘ich Schmerzen habe’, mit meinem Körper,
d.h. mit dem Erfahrun- gen, die ich als Existenz meines Körpers
zusammenfasse, gar nichts zu tun.
(Ich kann Zahnschmerzen haben ohne Zähne.)
Und hier hat nun die Maschine gar keinen Platz. —
Es ist klar, die Maschine kann nur einen physikalischen Kör- per
ersetzen.
Und in dem Sinne, wie man von einem solchen sagen
kann, er “habe” Schmerzen, kann man es auch von einer
Maschine sagen.
Oder wieder, die Körper , von denen wir sagen, sie hätten
Schmerzen, können wir mit Maschinen vergleichen und auch
Maschinen nennen.
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Und ganz ebenso verhält es sich mit dem Denken und dem Gedächtnis.
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⇐
Es ist uns — wie gesagt — als ginge es uns mit dem Gedanken
so, wie mit einer Landschaft, die wir gesehen haben und
beschreiben sollen, aber wir erinnern uns ihrer nicht genau genug, um sie
in? allen ihren Zusammenhängen beschreiben zu
können.
So, glauben wir, können wir das Denken nachträglich
214 nicht beschreiben, weil uns alle
die feineren Vorgänge dann verloren gegangen
sind.
Diese feinen Verhäkelungen möchten wir sozusagen unter der Lupe
sehen.
215
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49
“Was ist ein Gedanke, welcher Art muss er
sein, um seine Funktion erfül- len zu können?”
Hier will man sein Wesen aus seinem Zweck, seiner Funktion
erklären.
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Wir fragen: Was ist ein Gedanke, welcher Art
muss etwas sein, um die Funktion des Gedankens
verrichten zu können?
Und diese Frage ist ana- log der: Was ist,
oder wie funktioniert, eine Nähmaschine.
“Wie macht sie das?”
Aber die Antwort könnte sein: Schau den Stich an; alles, was
der Nähmaschine wesentlich ist, ist in ihm zu sehen;
alles andre kann so, oder anders sein.
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Wir fragen, wie muss der Gedanke beschaffen sein, um
seine Bestimmung //Funktion
// zu erfüllen; aber was ist denn seine
Bestimmung //
Funktion//?
Wenn sie nicht in ihm selbst liegt (
d.h. wenn sie
nicht ist, (das?) zu sein, was er
ist), liegt sie in seiner Wirkung ; aber die interessiert
uns nicht.
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Wir sind nicht im Bereiche der Erklärungen und jede Erklärung klingt
uns trivial.
216
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Aber dieser Verzicht auf die Erklärung macht es so schwer zu sagen, was
der Gedanke uns eigentlich bedeutet.
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Man kann etwa sagen: Er rechnet auf Grund von
Gegebenem und endet in ei- ner Handlung.
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Die Berechnung der Wandstärke eines Kessels und, der
entsprechenden, Verfertigung ist ein sicheres Beispiel des Denkens.
// …muss ein Beispiel des Denkens
sein.// //die Berechnung der Wandstärke
eines Kessels und die dieser entsprechenden
Verfer[i|t]igung…//
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Der Schritt, der von der Berechnung auf dem Papier zur Handlung führt,
ist noch ein Schritt der Rechnung.
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Wir sagen, wir werden das Denken untersuchen von dem Standpunkt aus,
dass es auch von einer Maschine ausgeführt werden
könnte.
Aber hier befinden wir uns in einer falschen Betrachtungsweise.
Wir se- hen das Denken als einen Vorgang
wie das Schreiben an, oder das Weben das Erzeugen eines Stoffes,
etc..
Und dann lässt sich natürlich sa- gen,
dass dieser Vorgang der Erzeugung sich im Wesentlichen
auch maschinell muss denken lassen.
217
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50
Ist die Vorstellung das Porträt par excellence, also
grund- verschieden, etwa, von einem gemalten Bild und durch ein solches
oder etwas Aehnliches nicht ersetzbar?
Ist sie das, was eigentlich eine be- stimmte Wirklichkeit darstellt,
— zugleich Bild und Meinung
?
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Sokrates zu
Theaitetos: “Und
wer vorstellt, sollte nicht etwas
vor- stellen?”
Th.: “Notwendig”.
Sok.: “Und wer etwas vorstellt, nichts
Wirk- liches?”
Th.: “So scheint es”.
⇄
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“Ist die Vorstellung nur die Vorstellung, oder ist sie
Vorstellung von Etwas in der Wirklichkeit?”
Und von dieser Frage aus könnte man //
Und von dieser Frage aus könnte man…// auch die
Beziehung der Vorstellung zum gemalten Bild erfassen.
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Die Frage könnte aber nicht heissen:
“Ist die Vorstellung immer Vor- stellung von etwas, was
inn der Wirklichkeit existiert” — denn das ist sie
offenbar nicht immer —; sondern, es müsste
heissen: bezieht sich die Vorstellung immer,
wahr oder falsch, auf Wirklichkeit. —
Denn das kann man von einem gemalten Bild nicht sagen. —
Aber worin besteht dieses ‘sich auf die Wirklichkeit
beziehen?’
Es ist doch wohl die Beziehung des
218 Porträts zu seinem
Gegenstand.
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Aber warum sollte man dann nicht sagen, dass eine
Vorstellung Vor- stellung eines Traumes sei?
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Wenn mit heute geträumt hat, dass
N mich
besuche und
N besucht mich nun wirklich, so war darum jene
Traumphantasie? keine Erwartung, und die
Tatsa- che, dass
N mich besuchte, keine
Erfüllung der // einer //
Erwartung.
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Diese Situation ist nicht denkbar: Ich habe
irgend ein Vorstellungsbild vor mir und sage: “jetzt
weiss ich nicht, ist das eine Erwartung oder eine
Erinnerung, oder nur ein Bild ohne jede Beziehung zur
Wirklichkeit”.
Denn ich erwarte ebenso wirklich, wie ich warte .
219
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51
Ist das Denken ein spezifisch organischer Vorgang?
Ein spezifisch mensch- lich-psychischer Vorgang?
Kann man ihn in diesem Falle durch einen anor- ganischen Vorgang
ersetzen, der denselben Zweck erfüllt,
a
sozusagen durch eine Prothese?
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Eine Gedankenprothese ist darum nicht möglich, weil der Gedanke für uns
nichts spezifisch Menschliches ist.
Wir könnten die Rechenmaschine als eine Prothese statt der 10 Finger
ansehen, aber die Rechnung ist nichts spezifisch Menschliches
und für sie gibt es keinen Ersatz // keine
Prothese //.
220
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⇐
Eine der gefährlichsten Ideen ist, merkwürdigerweise,
dass wir mit dem Kopf, oder im Kopf denken.
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|
⇐
Die Idee von einem
Vorgang im Kopf, in
dem gänzlich abgeschlossenen Raum, gibt dem Denken etwas
Okultes.
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“Das Denken geht im Kopf vor sich”
heisst eigentlich nichts anderes, als, unser Kopf
hat etwas mit dem Denken zu tun.
Man sagt freilich auch: “ich denke mit der Feder auf dem
Papier” und diese Ortsangabe ist mindestens so gut, wie die
erste.
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Wenn wir fragen “wo geht das Denken vor sich”, so ist
dahinter immer die Vorstellung eines maschinellen Prozesses, der in einem
abgeschlossenen Raum vor sich geht, sehr ähnlich, wie der
Vorgang in der Rechenmaschine.
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|
Schon die Bezeichnung ‘Tätigkeit’ für's Denken
ist in einer Weise irre- führend.
Wir sagen: das Reden ist eine Tätigkeit unseres Mundes.
Denn wir
221 sehen dabei unseren Mund sich
bewegen und fühlen es,
etc.
In demselben diesem Sin- ne kann man nicht sagen,
das Denken sei eine Tätigkeit unseres Gehirns.
Und kann man sagen, das Denken sei eine Tätigkeit des Mundes oder des
Kehlkopfs oder der Hände (etwa, wenn wir schreibend denken)?
Zu sagen, Denken sei eben eine Tätigkeit des Geistes, wie Sprechen des
Mundes, ist eine Travestie (der
Wahrheit).
Wir gebrauchen eben ein Bild, wenn wir von der Tätigkeit des Geistes
reden.
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Das Denken ist nicht mit der Tätigkeit eines Mechanismus zu
vergleichen, die wir von aussen sehen
// der wir von aussen
zuschauen//, deren Inneres aber wir sehen
müssten // müssen//
um sie zu verstehen.
// Das Denken ist nicht die Tätigkeit eines Mechanismus, der
wir von aussen zusehen, deren Inneres aber erforscht
werden muss.//
// Das Denken ist nicht mit der Tätigkeit eines Mechanismus zu
verglei- chen, den wir von aussen sehen, in dessen
Inneres wir aber erst dringen müssen.//
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Die Wendung “dass etwas in unserem Geist vor
sich geht”, soll, glaube ich, andeuten,
dass es im physikalischen Raum nicht lokalisierbar
ist.
Von Magenschmerzen sagt man nicht, dass sie in
unserem Geist vor sich gehen, ob- wohl der physikalische Magen ja nicht
der unmittelbare Ort der Schmerzen ist, in dem Sinn, in welchem
d er der Ort der Verdauung ist.
222
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53
Gedanke und Ausdruck des Gedankens.
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Der Gedanke ist wesentlich das, was durch den Satz ausgedrückt ist,
wo- bei ‘ausgedrückt’ nicht
heisst ‘hervorgerufen’.
Ein Schnupfen wird durch ein kaltes Bad hervorgerufen, aber nicht
ausge- drückt.
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Man hat nicht den Gedanken, und daneben die Sprache.
—
Es ist also nicht so, dass man für den Andern die
Zeichen, für sich selbst aber einen stummen Gedanken hat.
Gleichsam einen gasförmigen oder ätherischen Gedanken, im Gegensatz zu
sichtbaren, hörbaren Symbolen.
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Man könnte so sagen, am Gedanken ist nichts wesentlich
privat.—
Es kann jeder in ihn Einsicht nehmen.
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Man hat nicht den Zeichenausdruck und daneben, für sich selbst, den
(gleichsam dunkeln) Gedanken.
Dann wäre es doch auch zu merkwürdig, dass man den
Gedanken durch die Worte sollte wiedergeben können.
223
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D.h.: wenn der Gedanke nicht schon artikuliert
wäre, wie könnte der Ausdruck durch die Sprache ihn artikulieren.
Der artikulierte Gedanke aber ist in allem Wesentlichen ein
Satz.
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Wie sich der Gedanke zur Rede verhält, kann man am besten
verstehen, wenn man bedenkt, ob das
Verständnis (der Gedanke)
einer Rechnung ( einer Multiplikation
) als gesonderter
Prozess neben dem Rechnungsvor- gang
einherläuft.
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Wenn man das Verstehen, Wissen,
etc., als
Zustand auffasst, dann nur
hypothetisch im Sinne einer psychischen Disposition, welche auf
der- selben Stufe steht, wie eine physiologische Disposition.
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“Dachtest Du denn, als Du den Satz sagtest, daran,
dass Napoleon…” — “ich dachte nur, was
ich sagte”.
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Plato nennt die Hoffnung eine
Rede.
(Philebos)
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Der Gedanke ist kein geheimer — und verschwommener —
Prozess von dem wir nur Andeutungen in der Sprache
sehen, als wäre die Negation ein Stoss und der
Gedanke darauf wie? ein unbestimmter Schmerz, von
diesem Stoss hervorge- rufen, aber gänzlich von
ihm verschieden.
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Gedankenlesen kann nur darin bestehen, dass wir
Zeichen interpretieren, also einfach lesen (nur vielleicht
andere Zeichen).
Oder aber es besteht darin, dass Einem, wenn man
des Anderen Hand hält (oder in andrer Art mit ihm in Kontakt steht)
Gedanken kommen, die durch nachträgliche Fragen als die Gedanken
auch des Anderen erkannt werden.
Aber da handelt es sich überhaupt um kein Lesen, sondern es wäre nur
die Hypothese
224 erlaubt, dass zwei
Leute unter gewissen Umständen das Gleiche dächten.
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Ist das Denken ein augenblicklicher Vorgang oder etwa ein andauernder
Zustand, wovon die Worte, der Satz, nur eine ungeschickte Wiedergabe sind
(sodass man etwa sagen könnte, wie von dem Eindruck
einer Landschaft: Wor- te können das gar nicht
wiedergeben)?
Der Gedanke braucht solange wie sein Ausdruck.
Weil der Ausdruck der Gedanke ist.
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Ich habe
ein französischer Politiker
, die
französische Sprache sei dadurch ausgezeichnet, dass in
ihr die Wörter in der Ordnung folgen, wie man wirklich denkt.
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Niemand würde fragen, ob die Multiplikation zweier Zahlen (etwa nach
der gewöhnlichen Art durchgeführt) gleichläuft mit dem
Gedanken .
Weil jeder die Multiplikation als ein Instrument ansieht .
Während man den
nicht als ein Instrument ansieht.
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Die Idee, dass eine Sprache eine Wortfolge haben
kann, die der Reihenfol- ge des Denkens entspricht, im Gegensatz zu
einer anderen Sprache , rührt
von der Auffassung her, dass das Denken vom Ausdruck
der Gedanken getrennt vor- geht.
Also ein wesentlich anderer Vorgang ist.
Nach dieser Auffassung könn- te man nun freilich sagen:
Die wesentlichen Eigenschaften des Negationszei- chens offenbaren
sich freilich erst nach und nach im Gebrauch, aber
ich denke die Negation auf einmal.
Das Zeichen “nicht” ist ja nur ein Hin- weis auf
den Gedanken “nicht”.
Es stösst mich nur, dass ich das
Rechte den- ke.
(Es ist nur Signal.)
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Willkürlichkeit des sprachlichen Ausdrucks: Könnte man
sagen: das Kind muss das
Sprechen einer bestimmten Sprache zwar lernen, aber nicht
225 das Denken,
d.h. es
würde von selber denken, auch ohne irgend eine Spra- che zu
lernen?
((
D.h. Willkürlichkeit, wie sie gewöhnlich
aufgefasst wird.
Sozusagen: “auf den Gedanken kommt es an, nicht auf die
Worte<”>.))
Ich meine aber, wenn es denkt, so macht es sich eben Bilder und diese
Ich sind in einem gewissen Sinne willkürlich,
insofern nämlich, als an- dere Bilder denselben Dienst geleistet
hätten.
Und andererseits ist ja die Sprache auch natürlich entstanden,
d.h., es muss wohl einen ersten
Men- schen gegeben haben, der einen bestimmten Gedanken zum
ersten Mal in ge- sprochenen Worten ausgedrückt hat.
Und übrigens ist das Ganze gleichgül- tig, weil in
gesprochenen Worten ausgedrückt jedes Kind, das die Sprache
lernt, sie nur in dieser Weise lernt, dass es anfängt
in ihr zu denken.
Plötzlich anfängt; ich meine: Es gibt kein Vorstadium, in
welchem das Kind die Sprache zwar schon gebraucht, sozusagen
Verständigung
ge- braucht, aber noch nicht in ihr denkt.
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Ist es quasi eine Verunreinigung des Sinnes, dass wir
ihn in einer be- stimmten Sprache, mit ihren Zufälligkeiten, ausdrücken
und nicht gleichsam körperlos und rein??
Nein, denn es ist wesentlich, dass ich die Idee
der Uebersetzung von einer Sprache in die andere
verstehe.
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Spiele ich eigentlich doch nicht das Schachspiel selbst, da die Figuren
?—ja auch anders sein
könnten?!
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Da der Sinn eines Satzes ganz in der Sprache fixiert ist, und es auf
den Sinn ankommt, so ist jede Sprache gleich gut.
Der Sinn aber ist, was Sätze, die in einander übersetzbar
sind, gemein haben.
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54
Was ist der Gedanke?
Was ist sein Wesen?
“Der Gedanke, dieses seltsame Wesen”.
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Der Gedanke, soweit man überhaupt von ihm reden kann,
muss etwas ganz hausbackenes sein.
(Man pflegt sich ihn als etwas Aetherisches,
noch Uner- forschtes, zu denken; als handle es sich um Etwas,
dessen Aussenseite bloss wir
kennen, dessen Wesen aber noch unerforscht ist, etwa wie das unseres
Gehirns.) unser Gehirn.)
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Der Gedanke hat aber nur eine Aussenseite und kein
Innen.
Und ihn ana- lysieren heisst nicht in ihn
dringen.
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Man kann wieder nur die Grammatik des Wortes
“erwarten”
//“denken”//
explicit machen.
(Und so des Wortes “erwarten”
//“denken”//,
etc..)
227
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55
Zweck des Denkens.
Grund des Denkens.
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Wozu denkt der Mensch? wozu ist es nütze?
Wozu berechnet er Dampfkessel und
überlässt nicht dem
Zufall,
Es ist doch nur Erfahrungs- tatsache, dass
Kessel, die so berechnet wurden, nicht so oft explodieren
.
Aber so, wie er alle[r|s] eher täte, als die Hand ins Feuer
stecken, das ihn früher gebrannt hat, so wird er alles eher tun, als den
Kessel nicht berechnen.
Da uns aber Ursachen nicht interessieren,
können wir nur sagen: die
Menschen denken tatsächlich
sie gehen
z.B. auf diese
Weise vor, wenn sie einen Dampfkessel bauen.
Kann nun ein so erzeugter Kes- sel nicht explodieren?
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Sich etwas überlegen.
Ich überlege, ob ich jetzt ins Kino gehen soll.
Ich mache mir ein Bild der Zeiteinteilung des Abends.
Aber wozu tue ich das??
Ich mache ja kein “Gedankenexperiment”!
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|
Wir verstehen alle, was es heisst, in einem Kalender
nachschlagen, an welchem Tag der Woche wir frei sind.
Das Bild, das wir sehen, ist etwa
228
und wir sagen nun, wir seien nur Freitag frei, und handeln
demgemäss.
Mit welcher Berechtigung handeln wir nach dem Bild
?
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Wir erwarten etwas und handeln der Erwartung
gemäss.
Muss die Erwartung eintreffen?
Nein.
Warum aber handeln wir nach der Erwartung?
Weil wir dazu getrieben werden, wie dazu, einem Automobil auszuweichen,
uns niederzuset- zen, wenn wir müde sind und aufzuspringen, wenn wir
uns auf de einen Dorn gesetzt
haben.
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Die Natur des Glaubens an die Gleichförmigkeit des Geschehens wird
viel- leicht am klarsten im Falle, in dem wir Furcht vor dem
erwarteten
em[f|p]finden.
Nichts könnte mich dazu bewegen, meine Hand in die Flamme zu stecken,
obwohl ich mich doch nur in der Vergangenheit verbrannt
habe.
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⇐
Dass mci mich das
Feuer brennen wird, wenn ich die Hand hineinstecke: das ist
Sicherheit.
D.h., da sehe ich was Sicherheit bedeutet.
(Nicht nur was das Wort “Si- cherheit” bedeutet,
sondern auch, was es mit ihr auf sich hat.)
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⇐
Der Glaube, dass mich das Feuer brennen wird, ist von
der Natur der Furcht, dass es mich brennen
wird.
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| |
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⇐
Wenn man mich ins Feuer zöge, so würde ich mich wehren und nicht
gut- willig gehn; und ebenso würde ich schreien:
“das Feuer wird mich
brennen!” und ich würde nicht schreien:
“vielleicht wird es ganz angenehm sein!”
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Ich kalkuliere so , weil ich nicht anders kalkulieren
kann.
(Ich glaube das , weil ich nicht anders glauben
kann.)
229
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Es lässt sich kein // Man
kann keinen // Grund angeben, weswegen man denken soll. Es sei
denn ein Grund von der Art dessen, weswegen man
essen soll.
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Man kann einen Gedanken aus anderen begründen, aber nicht das
Denken .
Das, glaube ich, ist es, was unsere Untersuchung rein beschreibend
macht.
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Es lässt sich kein rationaler Grund angeben,
weshalb wir denken sollten //
müssten //.
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Ich nehme an, dass dieses Haus nicht in einer halben
Stunde zusammen- stürzen wird.
Wann nehme ich das an?
Die ganze Zeit? und was ist dieses An- nehmen für eine
Tätigkeit?
Heisst, das annehmen, nicht (wieder)
zweierlei?
Einmal bezeichnet es eine hypothetische psychologische Disposition;
einmal den Akt des Denkens, Ausdrückens, jenes Satzes
// des Satzes “das Haus wird nicht
einstürzen”//.
Im ersten Sinne ist das Kriterium dafür, dass ich
jene Annahme mache // das
annehme// das, was ich sonst sage, fühle und tue; im
andern Sinn, dass ich einen Satz sage, der wieder ein
Glied einer Rechnung //
Kalkulation// ist.
Nun sagt man: Du musst aber doch einen Grund
haben, das anzunehmen, sonst ist die Annahme ungestützt und wertlos
(erinnere Dich daran, dass wir zwar auf der Erde
stehen, die Erde aber nicht wieder auf irgend etwas; und Kinder glauben,
sie müsse fallen, wenn sie nicht gestützt ist).
Nun, ich habe auch Gründe zu meiner Annahme.
Sie lauten etwa: dass das Haus schon
jahrelang gestanden hat, aber nicht so lang, dass es
schon baufällig sein könnte,
etc.
etc..
Was ein Grund wofür ist (Was als
Grund wofür gilt), kann von vornherein angegeben werden und
beschreibt // bestimmt// einen Kalkül, in
welchem // dem// eben das eine ein
Grund des andern ist.
Soll aber nun ein Grund für diesen ganzen Kalkül gegeben werden, so
sehen wir, dass er fehlt.
Fragt man aber,
230 ob der Kalkül also eine
willkürliche Annahme ist, so ist die Antwort, dass
er so wenig ist, wie die Furcht vor dem Feuer oder einem wütenden
Men- schen, der sich uns nähert.
Wenn man nun sagt: gewiss sind doch die Regeln
der Grammatik, nach de- nen wir vorgehen und operieren, nicht
willkürlich; so müsste man zur Ant- wort
fragen: Gut also, warum denkt denn ein Mensch wie er
denkt? warum geht er denn durch diese Denkhandlungen?
(gefragt ist hier natürlich nach den Gründen
Gründen , nicht Ursachen).
Nun, da lassen sich Gründe in dem Kalkül angeben; und ganz zum
Schluss ist man dann versucht zu sagen:
“es ist eben sehr wahrscheinlich, dass
sich das Ding jetzt so verhalten wird, wie es sich immer verhalten
hat” //…dass das Ding
jetzt das glei- che Verhalten zeigen wird, das es immer gezeigt
hat”//, — oder dergleichen.
Eine Redensart, die den Anfang des
Raisonnements verhüllt und
hier // an diesem
Anfang// eine ähnliche Rolle spielt, wie der Schöpfer am
Beginn // Anfang// der Welt,
der // welcher// zwar in Wirklichkeit
nichts er- klärt, aber ein einen den Menschen
acceptabler acceptablen
Anfang ist. macht.
Das, was so schwer einzusehen ist,
ist
dass, solange wir ein
Wahr-Falsch-Spiel spielen //
dass, solange wir im Bereich der
Wahr- Falsch-Spiele bleiben //, eine
Aenderung der Gramm. uns nur von einem solchen
Spiel zu einem andern führen kann, aber nicht von etwas Wahrem
zu etwas Falschem.
Und wenn wir anderseits aus dem Bereich dieser Spiele heraustreten, so
nennen wir es eben nicht mehr Grammatik, und zu einem Wi- derspruch mit
der Wirklichkeit kommen wir wieder nicht.
|
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|
Denken wir uns die Tätigkeit in einem Haus, in einer Werkstätte.
Da wird gehobelt, gesägt, gestrichen,
etc.
etc.; und ausserdem
gibt es da eine Tä- tigkeit, die man
‘rRechnen’ nennt, und die sich scheinbar von allen den
an- dern unterscheidet // von allen diesen
unterscheidet//, besonders, was den //
ihren// Grund anbelangt.
Wir machen da etwa ein Bild, die Tätigkeit
231 des Rechnens (Zeichnens,
etc.) verbindet Teile der andern Tätigkeit.
Er setzt aus, rechnet etwas, dann misst er und
arbeitet mit dem Hobel weiter.
Er setzt auch manchmal aus, um das Hobelmesser zu schleifen; aber ist
diese Tätigkeit analog der andern des Kalkulierens? —
“Aber Du glaubst doch auch, dass
mehr Kessel explodieren würden // mehr Kesselexplosionen
wären //, wenn die Kessel nicht berechnet
würden”.
Ja, ich glaube es ; — aber was will das
sagen?
Folgt daraus, dass weniger sein
werden?
Und was ist denn die Grundlage dieses Glaubens?
Wenn man nun nach dem Grund einer einzelnen Denkhandlung
(Kalkülhand- lung) fragt, so erhält man als Antwort die
Auseinandersetzung eines Systems dem die Handlung angehört.
|
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|
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56
Die Grammatik ist keiner Wirklichkeit Rechenschaft schuldig.
Die grammatischen Regeln bestimmen erst die Bedeutung (konstituieren
sie) und sind darum keiner Bedeutung verantwortlich und insofern
willkürlich.
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Angenommen, wir lassen die Uebersetzung in die
Gebärdensprache fort; zeigt es sich dann in der Anwendung (ich meine,
in den grammatischen Regeln der Anwendung), dass
diese Uebersetzung möglich ist?
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Und kann es sich nur zeigen, dass
die möglich
ist, oder auch, dass sie notwendig ist?
Wenn sie notwendig ist, so heisst das,
dass die Sprache ver- mittels des roten Täfelchens
in irgend einem Sinn notwendig ist; und nicht gleichberechtigt der
Wortsprache.
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|
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Aber wie könnte das sein? denn dann wären ja die hinweisenden
Erklärun- gen überflüssig: das heisst aber
schon, implicite in den andern enthalten.
Wie kann denn eine Regel eines Spiels überflüssig sein, wenn
es eben das Spiel sein soll, was auch durch
diese Regel charakterisiert wird.
234
|
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Der // Mein // Fehler besteht
hier immer wieder darin, dass ich vergesse
dass erst alle Regeln das Spiel, die
Sprache, charakterisieren, und dass diese Regeln
nicht einer Wirklichkeit verantwortlich sind, so dass
sie von ihr kontrolliert würden, und so dass man von
einer Regel bezweifeln könnte, dass sie notwendig,
oder richtig, wäre.
([C|V]ergleiche das Problem der
Widerspruchsfreiheit der Nicht-euklidischen Geometrie.)
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Die Grammatik ist keiner Wirklichkeit verantwortlich.
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(Die Grammatik ist kei der Wirklichkeit nicht
Rechenschaft schuldig.)
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⇐
Kann diese hinweisende Erklärung mit den
Regeln der Verwendung
kolli- dieren?
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Denn eigentlich können ja Regeln nicht kollidieren,
ausser sie widerspre- chen einander.
Denn im Uebrigen bestimmen sie ja eine
Bedeutung, und sind nicht einer verantwortlich, so
dass sie ihr widersprechen könnten.
((Dazu eine Bemerkung, dass die hinweisende
Erklärung eine der Regeln ist, die von einem Wort
gelten.))
|
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|
Eine Sprache ist, was sie ist, und eine andere Sprache ist nicht
die- se Sprache.
Ich gebrauche also die Nummern des Musterkataloges anders, als die
Wörter “rot”,
“[B|b]lau”,
etc..
|
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⇐
Es kann keine Diskussion darüber geben, ob diese Regeln oder andere die richtigen für das Wort
‘nicht’ sind.
Denn das Wort hat ohne diese //
die// Regeln noch keine Bedeutung, und wenn wir die Regeln
ändern, so hat es nun eine andere Bedeutung (oder keine) und wir
können dann ebensogut auch das Wort ändern.
Daher sind diese Regeln willkürlich, weil die Regeln erst
235 Zeichen
|
| |
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|
⇐
Das einzige
Korrelat in der Sprache zu einer Naturnotwendigkeit
ist eine willkürliche Regel.
Sie ist das einzige, was man von dieser Notwendig- keit in
Sätze // einen Satz // abziehen
kann.
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| |
|
|
⇐
Wenn man fragt “warum gibst Du Eier in diesen Teig”, so
ist die Antwort etwa “weil der Kuchen dann besser
schmeckt”.
Also, man hört // erfährt// eine
Wirkung und sie wird als Grund gegeben.
Wenn ich dem Holzblock eine bestimmte Form geben will, so ist der Hieb
der richtige, der diese Form erzeugt. —
Ich nenne aber nicht das Argument das richtige, das die erwünschten
Folgen hat.
Vielmehr nenne ich die Rech- nung falsch,
auch wenn
die Handlungen, die dem Resultat
ent- springen, zum gewünschten Ende geführt haben.
(
Das zeigt, dass die
Rechtfertigung
in den beiden Fällen verschiedene
,
In einem Fall kann man sagen: “Wart' nur,
Du wirst schon sehen, dass das Richtige
(
d.h. hier: Gewünschte)
herauskommt”; im andern ist dies keine Rechtfertigung.
Wenn man nun von der Wirklich Willkürlichkeit
der grammatischen Regeln spricht, so kann das nur bedeuten,
dass es die Rechtfertigung, die in der
Grammatik als solcheˇr liegt, nicht für die Grammatik
gibt.
Und wenn man das Rechnen und //
aber// nicht das Kochen dem Spiel vergleicht,
?—so ist es eben aus aus
eben diesem Grunde—?.
Das ist aber auch der Grund, warum man das Kochen keinen Kalkül nennen
würde.
Wie ist es aber mit dem Aufräumen eines Zimmers, oder dem Ordnen eines
Bücherschrankes, — oder dem Stricken eines bestimmten
Musters?
Diese Dinge kommen dem Spiel in irgendeiner Weise
nä-
236
her.Ich glaube, der Grund, warum man das Kochen kein
Spiel zu nennen ver- sucht ist, ist der: es gibt natürlich auch
für das Kochen Regeln, aber “Ko- chen” bezeichnet
nicht wesentlich eine Tätigkeit nach diesen Regeln, son- dern eine
Tätigkeit, die ein bestimmtes Resultat hat.
Es ist etwa eine Regel,
dass man Eier 3 Minuten lang kocht, um weiche Eier zu
erhalten; wird aber durch irgend welche Umstände das gleiche Ergebnis
durch 5 Minuten lan- ges Kochen erreicht, so sagt man nun nicht
“das heisst dann nicht ‘weiche
Eier kochen’”.
Dagegen heisst “Schachspielen”
nicht die Tätigkeit, die ein bestimmtes Ergebnis hat, sondern dieses Wort
bedeutet eine Täti[v|g]keit, die nach
gewissen ausgeführt
wird .
Die Regeln der Kochkunst hängen mit der Grammatik des Wortes
“kochen” anders zusammen, als die Regeln des
Schachspiels mit der Grammatik des Wortes “Schach spielen”
und als die Re- geln des Multiplizierens mit der Grammatik
des Wortes “multiplizieren”.
|
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Die Regeln der Grammatik sind in demselben
Sinne willkürlich, wie die Wahl einer
Masseinheit.
Man ist versucht, Regeln der Grammatik durch Sätze zu
rechtfertigen von der Art: “Aber es gibt doch
wirklich 4 primäre Farben”; und gegen die Möglichkeit
die[w|s]er Rechtfertigung, die nach dem Modell der
Rechtfertigung eines Satzes durch
(den?) Hinweis auf seine Verifikation
gebaut ist, richtet sich das Wort, dass
die Regeln der Grammatik willkürlich sind.
Kann man aber nicht doch in irgend einem Sinne sagen,
dass die Gramma- tik der Farbwörter die
Welt, wie sie tatsächlich ist, charakterisiert?
Man möchte sagen: kann ich nicht wirklich vergebens nach einer
fünften primä- ren Farbe suchen?
Nimmt man nicht die primären Farben zusammen, weil sie eine
Aehnlichkeit
237 haben, oder zum mindesten die
Farben, im Gegensatz
z.B. von
// zu den// Formen oder Tönen, weil sie eine
Aehnlichkeit haben?
Oder habe ich, wenn ich diese Einteilung der Welt als die richtige
hinstelle, schon eine vorge- fasste
Id[d|e]e als Paradigma der im Kopf?
Von der ich dann etwa nur sagen kann: “ja, das ist die
Weise // Art//, wie
wir die Dinge betrachten”, oder “wir wollen eben ein
solches Bild (von der Wirklichkeit)
machen”.
Wenn ich näm- lich sage: “die primären Farben
haben doch eine bestimmte Aehnlichkeit
mit-
einander” — woher nehme ich den Begriff
dieser Aehnlichkeit?
Ist nicht so, wie der Begriff “primäre Farbe” nichts
andres ist, als “blau oder ro[r|t] oder grün oder
gelb”, — auch der Begriff jener
Aehn- lichkeit nur durch die vier Farben
gegeben?
Ja, sind sie nicht die gleichen!
— Ja, könnte man denn auch rot, grün und
kreisförmig zusammenfassen?
Warum nicht?!
Die Wichtigkeit
liegt darin, dass wir
dieses Spiel spie- len.
Dass wir diese Handlungen
ausführen.
Es verliert seine Wichtig- keit nicht dadurch,
dass es selbst nicht wieder eine Handlung in einem
an- dern (übergeordneten) Spiel ist.
Warum nenne ich die Regeln des Kochens nicht willkürlich; und warum bin
ich versucht, die Regeln der Grammatik willkürlich zu nennen?
Weil
Ko- chen durch seinen Zweck
definiert ist, dagegen Gebrauch
der Sprache nicht.
Darum ist der Gebrauch der Sprache in einem gewissen Sinne autonom, in
dem das Kochen und Waschen es nicht ist.
Denn, wer sich beim Kochen nach an- dern als den richtigen Regeln
richtet, kocht schlecht; aber wer sich nach andern Regeln als denen des
Schach richtet, spielt ein ein anderes Spiel
und wer sich nach andern grammatischen Regeln richtet, als den und den,
spricht darum nichts Falsches, sondern von etwas Anderem.
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Könnte ich den Zweck der grammatischen Konventionen dadurch
beschreiben,
238 dass ich
sagte, ich müsste sie machen, weil etwa die Farben
gewisse Eigen- schaften haben, so wären damit diese Konventionen
überflüssig, denn dann könnte ich eben das sagen, was die
Konvention gerade ausschliessen.
Umge- kehrt, wenn die Konventionen nötig waren, also gewisse
Kombinationen der Wörter als unsinnig ausgeschlossen werden
mussten, dann kann ich eben darum nicht eine
Eigenschaft der Farben angeben, die die Konventionen nötig mach- te,
denn dann wäre es denkbar, dass die Farben diese
Eigenschaft nicht hät- ten und das könnte nur entgegen den Konventionen
ausgedrückt werden.
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Ich <…> nenne die Regel
der Darstellung keine Konvention, die sich
durch Sätze rechtfertigen lässt, Sätze, welche das
Dargestellte beschreiben und zeigen, dass die
Darstellung adäquat ist.
Die Konventionen der Grammatik lassen sich nicht durch eine
Beschreibung des Dargestellten rechtfertigen.
Jede solche Beschreibung setzt schon die Regeln der Grammatik
voraus.
D.h., was in der zu rechtfertigenden Grammatik
als Unsinn gilt, kann <…> in der Grammatik der
rechtfertigenden Sätze auch nicht als Sinn gelten,
u.u.
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Wer etwas dagegen hat, dass man sagt, die Regeln der
Grammatik seien Spielregeln, hat in dem Sinne Recht,
dass das, was das Spiel zum Spiel macht die
Konkurrenz von Spielern, der Zweck der Unterhaltung und Erholung, in der
Grammatik abwesend ist,
etc..
Aber niemand wird leugnen, dass das Studium des
Wesens der Spielregeln für das Studium der grammatischen Regeln nützlich
sein muss, da
irgend
eine Aehnlichkeit
besteht.
Es ist überhaupt besser, ohne ein gefasstes Urteil
oder Vorurteil über die Analogie zwischen Grammatik und Spiel, und nur
getrieben von dem sicheren Instinkt, dass hier eine
Verwandtschaft vorliegt, die Spielregeln zu betrachten.
Und hier wieder soll man einfach berichten, was man sieht und nicht
fürchten, dass man ei damit
eine wichtige Anschauung untergräbt, oder auch, seine Zeit
239 mit etwas
Ueberflüssigem verliert.
Man sieht dann vor allem, wie der Begriff des Spiels und damit der
Spiel- regel ein an den Rändern verschwimmender ist.
Ferner sieht man etwa Folgendes, wenn man die Regeln
z.B. des Schachspiels betrachtet: Es
gibt hier Sätze, die die Züge der einzelnen Figuren beschrei- ben;
allgemeiner ausgedrückt, Regeln über Spielhandlungen.
Dann aber gibt es doch die Sätze, die die Grundstellung beschreiben und
solche, die das Schach- brett beschreiben.
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57
Regel und Erfahrungssatz.
Sagt eine Regel, dass Wörter tatsächlich so und so
gebraucht werden?
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Regel und Erfahrungssatz. Ist eine Regel
ein
Erfahrungssatz — etwa
über den Gebrauch der
Sprache?
Ist eine Regel des Schachspiels ein Satz darüber, wie die Menschen seit
dem Ereignis der Erfindung des Schach- spiels es gespielt haben;
d.h. etwa mit so geformten Figuren gezogen
ha- ben?
Denn, wenn davon die Rede ist, dass die Menschen das
Schachspiel so gespielt haben, so muss das
Schachspiel so definiert sein, dass es Sinn hat,
davon auszusagen, es sei anders gespielt worden.
Sonst nämlich gehören die Regeln zur Definition des
Schachspiels.
Dass jemand der Re- gel …
gemäss spielt, das ist eine
Erfahrungstatsache; oder: “A spielt der Regel
… gemäss”, “die meisten
Menschen spielen der Regel …
ge- mäss”, “niemand spielt der
Regel … gemäss” sind
Erfahrungssätze.
Die Regel ist kein Erfahrungssatz, sondern nur der Teil eines solchen
Sat- zes.
Die Regel ist die Festsetzung der
Masseinheit // Die Regel setzt
die Masseinheit fest //, und der
Erfahrungssatz sagt, wie la[h|n]g ein
Gegen
stand ist.
(Und hier sieht man, wie logische Gleichnisse funktionieren, denn
die Festsetzung der Masseinheit ist wirklich eine
grammatische Re-
241 gel und die Angabe einer Länge in dieser
Masseinheit ein Satz, der von der Regel Gebrauch
macht.)
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⇐
Wenn man die Regel dem Satz beifügt, so ändert sich der Sinn des
Sat- zes nicht.
Wenn die Definition des Meters die Länge des
Pariser Urmeters so sagt der Satz “dieses
Zimmer ist 4
m lang” dasselbe wie
“dieses Zimmer ist 4
m
lang und 1
m =
die Länge des Pariser Urmeters”.
Die Legende zu einer Landkarte ist so eine Anweisung zum Gebrauch
— oder ˇzum Verständnis — einer Beschreibung.
Diese Legende sagt jedenfalls nichts über die Geographie des Landes
aus.
So wenig, wie der Satz ” 1
m ist die Länge des
Urmeters ” die Länge eines
Gegenstandes
.
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Ferner muss sich die Regel auf die Anwendung in der Beschreibung
(<…> der Wirklichkeit)
beziehen.
Denn, was hat es für einen Sinn von einem Stab zu sagen “das
ist das Urmeter”, wenn sich diese Aussage nicht auf Messungen
mit dem Metermass bezieht.
Insofern könnten wir uns die Regel jedem Satz beigefügt denken.
Die Regel ist eine Art vorgezeichneter Route; ein vorgezeichneter
Weg.
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⇐
Die Regel möchte ich ein Instrument nennen.
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Wenn eine Regel ein Satz ist, dann wohl einer, der von den Wörtern der
Sprache handelt.
Aber was sagt so ein Satz von den Wörtern aus?
Dass sie in dem und dem Zusammenhang gebraucht
werden?
Aber von wem und wann?
Oder, dass jemand wünscht, dass
sie so gebraucht werden?
Und wer? —
Viel- mehr ist die Regel von allen diesen
Aussagen ein Teil.
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Die Regel “links gehen!” oder einfach ein
Pfeil.
Wie, wenn ich mir in meinem Zimmer einen Pfeil an die Wand malte —
wäre der auch der Ausdruck
242 eines Gesetzes, wie es der Pfeil auf einem
Bahnhof wohl sein könnte?
Um ihn zu einem Gesetz zu machen, gehört doch
// wohl// noch der übrige
Ap- parat, dessen ?—einer Teil der Pfeil
nur ist—?.
(Sraffa) Ein
Ingenieur baut eine Brücke; er schlägt dazu in mehreren Handbüchern nach;
in technischen Handbüchern und in juridischen.
Aus dem einen erfährt er, dass die Brücke
zusammenbrechen würde, wenn er diesen Teil schwächer machen würde als
etc.
etc.; aus den andern,
dass er einge- sperrt würde, wenn er sie so und so
bauen wollte // würde//. —
Stehn nun die beiden Bücher nicht auf gleicher Stufe? —
Das kommt drauf an, was für eine Rolle sie in seinem Leben
spielen.
Das juridische Handbuch kann ja für ihn einfach ein Buch über die
Naturgeschichte der ihn umgebenden Men- schen sein.
Vielleicht muss er auch ein Buch über das Leben der
Biber nach schlagen, um zu erfahren, wie er
die Brücke streichen muss, dass
die Biber sie nicht annagen. —
Gibt es aber nicht noch eine andere Weise, die Ge- setze zu
betrachten?
Fühlen wir nicht sogar deutlich, dass wir sie
nicht so betrachten? —
Ist dies nicht die gleiche Frage, wie: — Ist ein
Vertrag nur die Feststellung, dass es für die
Parteien nützlich ist, so und so zu handeln?
Fühlen wir uns nicht in manchen Fällen (wenn auch nicht
in</>allen) auf andre Weise
“durch den Vertrag gebunden”?
Kann man nun sagen: “Wer sich durch einen Vertrag
oder ein Gesetz gebunden fühlt, stellt sich irr- tümlicherweise das
Gesetz als einen Menschen (oder Gott)
vor, der ihn mit physischer Gewalt zwingt”? —
Nein; denn, wenn er handelt, als ob ihn je- mand zwänge, so ist doch
seine Handlung jedenfalls Wirklichkeit und auch die Vorstellungsbilder,
die er etwa dabei hat, sind nicht Irrtümer; und er braucht sich in nichts
irren und kann doch handeln wie er handelt und sich auch vorstellen, was
er sich etwa vorstellt.
Die Worte “der Vertrag bindet mich” sind
zwar eine bildliche Darstellung und daher mit der gewöhnlichen Bedeutung
des Wortes “binden” ein falscher Satz: aber, richtig
aufgefasst, sind sie wahr (oder können es
sein) und unterscheiden einen Fall von dem,
243 in welchem der Vertrag mir
bloss sagt, was zu tun mir nützlich ist.
Und wenn man etwas gegen die Worte einwendet “der Vertrag
(oder das Gesetz) bindet mich”, so kann man nichts sagen
gegen die Worte: “ich fühle mich durch den
Vertrag gebunden”.
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Die Regel — wie ich sie verstehe — ist wie ein Weg in einem
Garten.
Oder wie die vorgezeichneten Felder auf einem //
dem// Schachbrett, oder die Linien einer Tabelle.
Von diesen Linien
etc. wird man nicht sagen,
dass sie uns etwas mitteilen (obwohl sie ein Teil
einer Mitteilung sein können, ja auch selbst Mitteilungen).
Ich lege in einer Abmachung mit jemandem ei- ne Regel fest.
In dieser Abmachung teile ich ihm etwa die Regel (einer künftigen
Darstellung) mit.
Ich sage ihm etwa: “der Plan, den ich Dir von meinem
Haus zeichne, ist im Masstab
1:10”.
Das ist eigentlich ein Teil der Beschreibung des Hauses.
Und wenn ich schreibe non-p &
(non-non-p = p)
so ist das wirklich ähnlich, wie wenn ich dem Plan den
Masstab beifüge.
Ich könnte auch so sagen: Ich will nur das mitteilen, was der
Satz der Sprache mitteilt; und die Regel ist nichts als ein Hilfsmittel
dineser Mitteilung (so wie ich sie, die
Regel, verstehe).
Schon deshalb kann darf // kann
// die Regel nicht selbst eine Mitteilung sein; denn
sonst würde der Sinn des Satzes irgendwie zugleich den Sinn der
Mitteilung über den Sprachgebrauch beinhalten.
Wir müssen uns vergegenwärtigen, wie wir in der Philosophie,
d.h. beim Klären grammatischer Fragen, wirklich von
Regeln reden; — damit wir auf der Erde bleiben und nicht nebelhafte
Konstruktionen machen // bauen
//.
Ich gebe
z.B. Regeln wie:
(∃
x). fx:⌵:fa:⌵:fb =
(∃ x).fx oder non-non-p =
p, oder ich sage, dass es sinnlos ist
von einem “rötlichen Grün” zu reden, oder von
“schwärzlichen Schwarz”, oder ich sage,
dass “a=
“a
= a” sinnlos ist, oder beschreibe eine Notation
<…>ie dieses Gebilde und
“(∃
x).x=x” vermeidet, oder sage, es habe keinen
Sinn zu sagen, etwas
244 “scheine rot zu
scheinen”, oder es habe Sinn zu sagen, dass im
Gesichts- raum eine krumme Linie aus geraden Stücken zusammengesetzt
sei, oder es <…> habe den gleichen Sinn, zu sagen
“der Stein falle, weil er von der Erde angezogen werde”
und “der Stein müsse fallen, weil er von der Erde
etc.”.
Ich biete dem Verwirrten eine Regel an und er nimmt sie an.
Ich könnte auch sagen: ich biete ihm eine Notation an.
Wie schaut nun so eine Notation aus?
Nun, in</>den meisten Fällen
werde ich Sätze der alten Notation (etwa der Wortsprache) in die
entsprechenden Sätze der neuen Schreibweise übersetzen; etwa indem ich
schreibe:
alt:
(∃
x,y). f(x,y) …
(∃ x,y). f(x,y).&.x ≠
…
|
neu: (∃ x,y).f(x,y)
:⌵: (∃
x).f(x,x) (∃
x,y).f(x,y)
|
etc..
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Die Regel entspricht aber in gewissem Sinne dem, was man eine
“Annahme” genannt hat.
Sie ist quasi ein Satzradikal (chemisch gesprochen).
Und es ist charakteristisch für die Art unserer Untersuchung,
dass wir uns nicht für die Sätze
interessiere, die mit diesem Radikal gebildet werden
(kön- nen).
Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Regel; nicht,
dass ich sie jemandem anbiete, nicht,
dass jemand sie benützt,
etc..
Sie könnte, glau- be ich, vergl[ei|ic]hen werden dem Plan
eines Hauses, ich meine einer Zeich- nung, die als Plan eines Hauses
gebraucht werden kann, der aber kein exi- stierendes Haus entspricht
und von der auch nicht gesagt wird, dass ihr einmal
eines entsprechen soll,
etc..
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Die Beschreibung einer neuen, etwa übersichtlicheren, Notation (denn
auf die Uebersichtlichkeit kommt es uns
an) ist dann von der gleichen Art, wie die Beschreibung einer jener
Sprachen, die die Kinder erfinden
245 oder von einander lernen, worin
z.B. jeder Vokal der gewöhnlichen Sprache
// Wörter// verdoppelt und zwischen die Teile der
Verdoppelung ein b ge- stellt wird.
Hier sind wir ganz nah an's Spiel herangekommen.
So eine Beschreibung oder ein Regelverzeichnis kann man als Definiens des
Namens der Sprache oder des Spiels auffassen.
Denken wir auch an die Beschreibung des Zeichnens, Konstruierens,
irgend einer Figur, etwa eines Sternes (welches auch in Spielen
eine Rolle spielt).
Sie lautet etwa so: “Man zieht eine Ge- rade von
einem Punkt A nach einem Punkt B,
etc.
etc.”.
Diese Beschreibung könnte ich offenbar auch //
einfach// durch eine Vorlage,
d.h.
Zeichnung, ersetzen.
Das, was hier irrezuführen scheint, ist ein Doppelsinn des Wortes
“Be- schreibung”, wenn man einmal von der
Beschreibung eines wirklichen Hauses oder Baumes
etc.
spricht, ein andermal //
einmal// von der Beschreibung einer Gestalt, Konstruktion,
etc., einer Notation, eines Spiels.
Worunter aber eben nicht ein Satz gemeint ist der sagt,
dass ein solches Spiel ir- gendwo wirklich
gespielt, oder eine solche Notation wirklich verwendet wird; vielmehr
steht die Beschreibung statt der hier gebrauchten Wörter “ein
solches Spiel” und “eine solche
Notation”.
Die Beschreibung einer Notation fängt
(man?)
charakteristisch(erweise) oft mit den Worten an: “Wir
können auch so schreiben: …”.
Man könnte fragen: “was ist das für eine Mitteilung
‘wir können
…’”
etc..
Man schreibt auch etwa: “übersichtlicher wird unsere
Darstellung, wennw wir statt … schreiben: …;
und die Regeln geben …”; und hier ste- hen die Regeln
in einem Satz.
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Denken wir uns etwa ein Bild, einen Boxer in bestimmter Kampfstellung
darstellend.
Dieses Bild kann nun dazu gebraucht werden um jemandem mitzu- teilen,
wie er stehen, sich halten soll; oder, wie er sich nicht halten soll;
oder, wie ein bestimmter Mann dort und dort gestanden hat
// ist//;
246
etc.
etc..
Man könnte dieses Bild ein Satzradikal nennen.
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‘Regel’ ist in demselben Sinne ein Begriff mit
verschwommenen Rändern, wie ‘Blatt’ oder
‘Stiel’ oder ‘Tisch’,
etc..
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Wenn man eine Notation beschreibt, sagt man etwa: “ich
will // werde// in diesem Buch statt
‘p oder q’
‘p
⌵ q’ schreiben”, und das ist
natür- lich ein kompletter Satz.
Das aber, was ich ‘Regel’ nennen will, und etwa
“p oder q . = . p ⌵
q” geschrieben wird, ist keiner. —
Was ich ‘Regel’ nenne, soll nichts von einer
bestimmten (oder auch unbestimmten) Zeit oder einem Ort der
Anwendung enthalten, sich auf keine bestimmten (oder
unbe- stimmten) Personen beziehen; sondern nur Instrument der
Darstellung sein.
Wir sagen nun: “wir gebrauchen die Wörter
‘rot’ und ‘grün’ in solcher Weise,
dass es als sinnlos gilt (kontradiktorisch ist)
zu sagen, am sel- ben Ort sei zu gleicher Zeit rot und
grün”.
Und dies ist natürlich ein Satz.
Erfahrungssatz über unsere tatsächliche Sprache.
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⇄
Die Stellung der Spielregeln zu den Sätzen.
Eine Regel verhält sich zu einen Erfahrungssatz ähnlich, wie die
Zeichnung, die die charakteristi- schen Merkmale eines Wohnhausplanes
hat, zu der Beschreibung, welche sich einer solchen Zeichnung bedient,
und welche sagt, dass so ein Haus dort und dort
existiere // stehe//.
Der Respekt, den man vor den Regeln
ˇ—
z.B.
des Schachspiels — — hat, ,
ent- springt // kommt// daher,
dass die Spiele, die diese
Regeln charakteri- sieren , uns in
vielerlei Bezei Beziehung
gemäss
sind.
Denken wir uns aber, ich erfände
//beschriebe// ein Spiel, das ich etwa
“Abracadabra” nenne
und
gebe dafür die Regel : “Man lege einen Feldstein in eine
viereckige Kiste, nagle die Kiste zu und werfe mit einem andern Stein
nach ihr” — gewiss hat dieses Gebilde
auch das Recht, eine Regel genannt zu werden.
247
Man wird nur fragen: “was soll das alles? wozu
sollen wir das machen?”
Aber auf solche Fragen geben ja auch die Schachregeln keine
Antwort.
Aber in dem Fall der eben gegeben
Regel fällt das Wort “man lege …
und werfe” auf, // fällt das Wort auf
“man lege … und werfe”,// nämlich
die imperative Form ; man möchte
fragen: warum soll ich … legen
etc., oder in
welchem Fall?
Was muss mein Zweck sein, damit ich das tun
soll?
Das heisst, der Imperativ scheint uns hier
unsinnig.
Aber er ist es ebensowe- nig, wie in einer gewöhnlichen
Spielregel.
Nur sieht man hier // in die- sem Fall
// klar, dass man es nicht mit einem
zu tun hat.
Höchstens mit der Definition von
“Abracadabra;
nämlich: “Abracadabra”
spie spielen” heisst, einen
Feldstein in eine Kiste legen,
etc..
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58
Die strikten grammatischen Spielregeln und der schwankende
Sprachgebrauch.
Die Logik normativ.
Inwiefern reden wir von idealen Fällen, einer idealen
Sprache.
(“Logik des luftleeren Raums”.)
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Was heisst es, zu wissen, was eine Pflanze
ist?
Was heisst es, es zu wissen und es nicht sagen zu
können?
“Du weisst es und kannst hellenisch
reden, also musst Du es doch sagen
können.”
Müssigkeit einer Definition, etwa der, des
Begriffs ‘Pflanze’.
Aber ist die Definition kein Erfordernis der Exaktheit?
“Der Boden war ganz mit Pflanzen
bedeckt”; : damit meinen wir nicht
Bacillen.
Ja, wir denken dabei vielleicht an grüne Pflanzen einer bestimmten
Grössenordnung.
Wer uns sa- gen würde, wir wissen nicht, was wir reden, ehe wir
eine Definition der Pflanze gegeben haben, würden wir mit
Recht für verrückt halten.
Ja, wir könnten auch mit einer solchen Definition uns in den
gewöhnlichen Fällen nicht besser verständigen.
Ja, es scheint sogar, in gewissem Sinne schle[f|c]h- ter,
weil gerade das Undefinierte in diesem Fall zu unserer Sprache zu gehören
scheint.
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Denken wir uns in dem Satz einer Erzählung “der Boden war ganz
mit Gräsern und Kräutern bedeckt” die Wörter
“Gräser” und “Kräuter” durch
De- finitionen ersetzt.
Es ist klar, dass diese Definitionen lange und
kom- plizierte Ausdrücke sein müssen // werden
//; und nun ist die Frage, ob wir denn wirklich mit dem
Satz das gemeint haben, was jetzt in dem un- gleich viel
komplizierteren steht.
Wir würden — glaube ich — sagen, dass
wirn an alles das gar nicht gedacht hätten.
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Kann man nun aber auf eine solche Sprache die Idee des Kalküls
anwen- den?
Und ist das nicht so, als wollte man in einem Bild, worin alle
Farb- flecken ineinander verlaufen, von Farbgrenzen reden?
Oder liegt die Sache so: Denken wir uns ein
Spiel, etwa das Tennis, in dessen Regeln nichts über die Höhe gesagt ist,
die ein Ball im Flug nicht übersteigen darf.
Und nun sagte Einer: Das Spiel ist ja gar nicht geregelt,
denn, wenn Einer den Ball so hoch wirft, dass er
nicht wieder auf die Erde zurückfällt, oder so weit,
dass er um die Erde herumfliegt, so wissen wir nicht,
ob dieser Ball als ‘out’ oder
‘in’ gelten soll.
Man würde ihm — glaube ich — antworten, wenn ein solcher Fall
einträte, so werde man Regeln für ihn geben, jetzt sei es nicht
nötig.
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So können doch grammatische Regeln über den Gebrauch des Wortes
“Pflan- ze” gegeben werden und wir können also auf
Fragen von der Art “folgt aus diesem Sachverhalt,
dass dort eine Pflanze steht” Bescheid
geben.
Auf andere solche Fragen aber sind wir nicht gerüstet und können
antwor- ten: Ein solcher Fall ist noch nie vorgekommen und
es wäre für uns müs- sig, für ihn
vorzusorgen.
(Wenn es etwa gelänge, ein Lebewesen halb ma- schinell und halb
auf organischem Weg zu erzeugen, und nun gefragt würde: ist das nun
noch ein Tier (oder eine Pflanze).)
250
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Wenn etwa beim Preisschiessen für gewisse Grenzfälle
keine Bestimmung getroffen wäre, ob dieser Schuss
noch als Treffer ins Schwarze gelten soll (oder
nicht).
Nehmen wir nun aber an, ein solcher Schuss komme
bei unserem Preisschiessen gar nicht vor; könnte man
dann dennoch sagen, die ganze Preisverteilung gelte nichts, weil für
diesen Fall nicht vorgesehen //
vorgesorgt// war?
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Ich mache mich doch anheischig, das Regelverzeichnis unserer Sprache
aufzustellen: Was soll ich nun in einem Fall, wie dem des
Begriffes ‘Pflanze’, tun?
Soll ich sagen, dass für diesen und diesen Fall keine
Regel aufgestellt ist?
Gewiss, wenn es sich so verhält.
Soll ich aber solche sagen, es gibt kein Regelverzeichnis unserer Sprache
und das ganze Unternehmen, eines auf- zustellen, ist
Unsinn? —
Aber es ist ja klar, dass es nicht unsinnig ist,
denn wir stellen ja mit Erfolg Regeln auf, und wir müssen uns nur
enthal- ten, Dogmen aufzustellen.
(Was ist das Wesen eines Dogmas?
Besteht es nicht darin, naturnotwendige Sätze über alle möglichen
Regeln zu behaupten?) // Ist es nicht die
Behauptung eines naturnotwendigen Satzes über alle möglichen
Regeln?//
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“Ich weiss, was eine Pflanze ist, kann es
aber nicht sagen”.
Hat dieses Wissen die Multiplizität eines Satzes, der nur nicht
ausgesprochen wurde?
So dass, wenn der Satz ausgesprochen würde,
ich ihn als den Ausdruck meines Wissens anerkennen würde?
—
Ist es nicht vielmehr war, dass jede
exakte De- finition als Ausdruck unseres Verstehens abgelehnt werden
müsste?
D.h., würden wir nicht von so einer sagen müssen,
sie bestimme zwar einen, dem unseren verwandten, Begriff, aber nicht
diesen selbst?
Und die Verwandt- schaft sei etwa die, zweier Bilder, deren eines aus
unscharf begrenzten Farbflecken, das andere aus ähnlich geformten und
verteilten, aber scharf
251 begrenzten, bestünde.
Die Verwandtschaft wäre dann ebenso unleugbar, wie die
Verschiedenheit.⇄
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Die Frage ist nun: kannst Du bei dem ersten Bild auch von Flecken
reden?
Gewiss, nur in einem anderen, aber verwandten,
Sinn.
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Das heisst: die unscharfen Grenzen gehören zu
meinem Begriff der Pflan- ze, so wie er jetzt ist,
d.h. so, wie ich dieses Wort jetzt gebrauche, und
es charakterisiert diesen Begriff, dass ich
z.B. sage: ich habe darüber keine Bestimmung
getroffen, ob dieses Ding eine Pflanze heissen soll
oder nicht.
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Es verhält sich doch mit dem Begriff
[/|‘]Pflanzex
‘Pflanze’ ähnlich, wie mit dem der Eiförmigkeit, wie
wir sie im gewöhnlichen Leben meinen.
Die Grenzen dieses Begriffs sind nicht schwarf bestimmt und wir
würden
z.B. ein Osterei von dieser Form
nicht als solches
gelten lassen und doch nicht sagen können, bei welchem Verhältnis der
Länge und Breite etwas anfängt, ein Osterei zu sein.
Ja, wenn Einer nun ein solches Verhältnis angäbe, was es auch
sei , so könnten wir es nicht als die richtige Be- grenzung
unseres Begriffs anerkennen.
Sondern wir müssten entweder sagen: nein,
das nenne ich kein Osterei, es ist zu schlank, oder zu dick
etc., oder: ja, das ist auch ein
Osterei, aber der Grenzfall ist es nicht gerade.
Diesen gibt es eben nicht in unserm Kalkül und wer einen Grenzfall
einführt, führt einen andern Kalkül ein.
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Wenn man sagt “
N. existiert nicht”, so
kann das verschiedenerlei bedeu- ten.
Es kann heissen, dass ein Mann,
der, als er lebte, diesen Namen trug, nicht, oder nicht zun einer
gewissen Zeit, in einem gewissen Land existiert hat; aber auch,
dass spätere Geschichtsschreiber den Charakter, den wir
so
252 (etwa “Moses”) nennen, erfunden haben,
dass die und die Ereignisse nie stattgefunden haben
und ihr Held also nie gelebt hat.
D.h. also: kein Mensch hat
Moses geheissen und
diese Taten vollbracht; oder: das Ding, das Dir als Herr
N vorgestellt wurde, war eine Puppe;
etc..
Denken wir uns, es sagte uns Einer, er habe Moses auf der Strasse gesehen. Wir
würden ihn dann fragen: “wie meinst Du das: Du hast
ihn gesehen? Wie wusstest Du denn,
dass er es war?” und nun könnte der
Andre sagen: “er hat es mir gesagt”, oder
“er sah so aus, wie ich mir Moses
vorstelle”, oder “er hatte diese und die- se
Merkmale”,
etc.. Ich will doch wohl das
sagen, was Russell dadurch
aus-
drückt, dass der Name
Moses durch verschiedene Beschreibungen
definiert sein kann (“der Mann, welcher
‘Moses’
hiess und zu dieser Zeit an diesem Ort
lebte”, oder “der Mann — wie immer er damals genannt
wurde — welcher die Israeliten durch die Wüste führte”,
oder “der Mann, der als kleines Kind von der Königstochter aus
dem Nil gefischt wurde”,
etc.
etc.). Und je
nachdem wir die eine oder andere Definition annehmen, bekommt
der Satz
“Mo- ses hat
existiert” einen andern Sinn und ebenso jeder andere Satz, der
von Moses handelt.
Man würde // könnte // auch immer, wenn
uns jemand sagte “
N existiert nicht”
fragen: “was meinst Du? willst Du sagen,
dass …, oder
dass …
etc.?”
—
Wenn ich nun sage: “
N ist gestorben” so
es mit “
N”
etwa folgende Bewandtnis
: Ich glaube, dass ein Mensch
N ge- lebt hat: den ich 1.) dort und dort
gesehen habe, der 2.) so und so aus- schaut,
3.) das und das getan hat und 4.) in der
bürgerlichen Welt den Na- men “
N”
führt.
Gefragt, was ich unter “
N” verstehe, würde ich
alle diese Dinge, oder einige von ihnen, und bei verschiedenen
Gelegenheiten verschie- dene, aufzählen.
Meine Definition von “
N” wäre also: der
Mann, von dem al- les das stimmt.
Wenn aber nun einiges davon sich als falsch erwiese, — wä- re
der Satz “
N”
“
N ist gest[r|o]rben” nun als
falsch anzusehen? auch, wenn nur et- was vielleicht ganz
Nebensächliches, was ich von dem Menschen glaubte, nicht stimmen würde;
— und wo fängt das
Hauptsächliche
an?
Das kommt nun darauf
253 hinaus, dass
wir den Namen “
N” in gewissem Sinne ohne feste
Bedeutung ge- brauchen, oder: dass wir
bereit sind, die Spielregeln nach Bedarf zu ver- ändern (make
the rules as we go along).
Das erinnert an das, was ich frü- her einmal über die Benützung der
Begriffswörter,
z.B. des Wortes
“Blatt” oder “Pflanze”,
geschrieben habe. —
Und hier erinnere ich mich daran, dass
Ramsey einmal
betont hat, die Logik sei eine “normative
Wissenschaft”.
Wenn man damit meint, sie stelle ein Ideal auf, dem sich die
Wirklichkeit nur nähere, so muss gesagt werden,
dass dann dieses “Ideal” uns nur
als ein Instrument der annähernden Beschreibung der Wirklichkeit
interessiert.
Es ist allerdings möglich, einen Kalkül genau zu beschreiben und zwar
zu dem Zweck, um dadurch eine Gruppe anderer Kalküle beiläufig zu
charakte- risieren.
Wollte
z.B. jemand wissen, was ein Brettspiel ist,
so könnte ich ihm zur Erklärung das Damespiel genau beschreiben und dann
sagen: siehst Du, so ungefähr funktioniert jedes
Brettspiel. —
War es nun nicht ein Fehler von mir (denn so scheint es mir
jetzt) anzunehmen, dass der, der die Sprache
gebraucht, immer ein bestimmtes Spiel spiele?
Denn, war das nicht der Sinn meiner Bemerkung, dass
alles an ei- nem Satz — wie beiläufig immer er ausgedrückt sein
mag — ‘in Ordnung ist’?
Aber wollte ich nicht sagen: alles müsse in Ordnung sein, wenn Einer
ei- nen Satz sage und ihn anwende?
Aber daran ist doch weder etwas in Ordnung noch in Unordnung, — in
Ordnung wäre es, wenn man sagen könnte: auch die- ser Mann spielt
ein Spiel nach einem bestimmten, festen Regelverzeichnis.
Und setzt das nicht wieder voraus, dass
dieses
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Denn ich habe zur Feststellung der Regel, nach der er handelt, zwei
We- ge angeben.
Der eine, der hypothetische, bestand in der Beobachtung seiner
Handlungen und die Regel war dann von der Art eines
naturwissenschaftlichen Satzes.
Der andere war, ihn zu fragen, nach w[w|e]lcher Regel er
vorgehe.
Wie
254 aber, wenn der erste Weg
?—kein klares Resultat
er[i|g]ibt—? und die Frage keine
Regel zu Tage fördert, wie es im Fall “
N”
ist gestorben” geschieht.
Denn, wenn wir den, der das sagte, fragen “was ist
N?” so wird er zwar
‘
N’ durch eine Beschreibung erklären, wird
aber bereit sein, diese Beschreibung zu widerrufen und abzuändern, wenn
wir ihm den einen oder andern Satz wider- legen
// entziehen//.
Wie soll ich also die Regel bestimmen //
auffassen//, nach der er spielt? er
weiss sie selbst nicht.
Ich könnte eine Regel nur nach dem bestimmen, was er auf die Frage
“wer ist
N” in diesem Fall gerade
antwortet.
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Steckt uns da nicht die Analogie der Sprache mit dem Spiel ein Licht
auf?
Wir können uns doch sehr wohl denken, dass sich
Menschen auf einer Wiese damit unterhielten, mit einem Ball zu spielen;
und zwar so, dass sie verschiedene bestehende Spiele
der Reihe nach anfingen, nicht zu Ende spielten und etwa
daz[i|w]ischen sogar planlos den Ball würfen, auffingen,
fal- len liessen
etc..
Nun sagte Einer: die ganze Zeit hindurch spielen die Leu- te
ein Ballspiel und richten sich daher bei jedem Wurf nach gewissen
// be- stimmten// Regeln. —
Aber — wird man einwenden — der den Satz “
N
ist ge- storben” gesagt hat, hat doch nicht planlos Worte
aneinander gereiht (und darin besteht es ja, dass
er ‘etwas mit seinen Worten gemeint hat’).
—
Aber man kann wohl sagen: er sagt den Satz planlos, was sich eben
in der be- schriebenen Unsicherheit zeigt.
Freilich ist der Satz von irgendwo herge- nommen und wenn man will,
so spielt er nun auch ein Spiel mit sehr primiti- ven Regeln; denn es
bleibt ja wahr, dass ich auf die Frage “wer
ist
N” ei- ne Antwort bekam, oder eine
Reihe von Antworten, die nicht gänz- lich regellos waren.
—
Wir können sagen: Untersuchen wir die Sprache auf ihre
Regeln hin.
Hat sie dort und da keine Regeln, so ist das das
Re- sultat unsrer Untersuchung.
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255
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Wenn aber der Träger dem Namen abhanden kommen, oder nie existiert
ha- ben kann, som musste man beim Gebrauch
des Namens von vornherein damit rechnen.
Das musste in seiner Bedeutung liegen.
((Es sei denn, dass wir diese Bedeutung
geändert haben, oder, dass das Wort keine
bestimm- te Bedeutung hatte; denn welches ist die
Bedeutung, wenn er sie nicht angeben kann?
Nun, wir werden sein tatsächliches Verhalten durch ein
“Schwanken zwischen mehreren Bedeutungen” beschreiben
können.
Es ist wohl wesentlich, dass ich ihn fragen
kann: was hast Du eigentlich gemeint.
Und als Antwort wird er mir vieles sagen, und sich
an mich wenden,
dass ich ihm das Regelverzeichnis einrichte, das
seinem Zweck entspricht.
Es wird sich dann in unserem Gespräch oft die Redeweise finden “Du wolltest
also eigentlich sagen …” (und diese kann wieder ganz
missverstanden werden — sie ist keine
Beschreibung des damaligen Geisteszustands des Sprechenden; als ob das
“was er sagen wollte” irgendwo in seinem Geist
aus- gedrückt gewesen wäre).
Aber hier ist eine Gefahr:
Es scheint nämlich dann
(leicht) als
landeten wir am Schlusse bei? etwas, was wir mit unserer ge- wöhnlichen Sprache gar
nicht mehr ausdrücken können.
Das ist aber das si- cherste Zeichen
(dafür), dass wir fehl
gegangen sind; aus unserm Spiel herausgetreten sind. —
Was versteht man unter “allen Regeln des
Tennis- spiels”?
Alle Regeln, die in einem bestimmten Buche stehen, oder alle die der
Spieler im Kopf hat, oder alle die je ausgesprochen wurden, oder
gar: alle die sich angeben lassen?! —
Daher wollen wir lieber nicht so
vag
von ‘allen Regeln’ reden, sondern nur von bestimmten
Regeln, oder allen Regeln eines Verzeichnisses,
etc..
Und das gleiche gilt von den Regeln über die Verwendung eines
Wortes.
Wenn Einer mich,
z.B., etwas fragt, so will ich,
wenn ich ihm antworte, wissen, ob diese Antwort in seinem Spiel als
Antwort auf seine Frage gilt; ob in seinem Spiel dieser Satz aus
jenem folgt // aus dem, was er gesagt hat,
folgt//.
Für uns ist es genügend, dass es eine Frage
gibt: “wie meinst Du das?”
256 und dass als Antwort
auf diese Frage das zuerst gegebene Zeichen durch ein neues
ersetzt wird. —
Der Einwand dagegen ist, dass mir eine
Erklärung ja nichts hilft, wenn sie nicht die
letzte ist, und dass sie nicht
nie die letz te ist.
Ich kann zwar erklären: unter ‘Moses’ verstehe ich den Mann, wenn es einen solchen
gegeben hat, der die Israeliten aus
Aegypten geführt hat, wie immer er
damals genannt worden sein mag und was immer er sonst getan oder nicht
getan haben mag —, aber ähnliche Fragen ergeben sich nun in
Be- zug auf die Wörter dieses Satzes
// dieser Erklärung// (was nennst Du
“Aegypten”? wen,
“die Israeliten”?
etc.).
Ja, diese Fragen kommen auch nicht zu einem Ende, wenn wir etwa bei
Worten // Wörtern// wie
‘rot’, ‘dun- kel’,
‘süss’, angelangt wären.
Unrichtig war es nur, zu sagen, ¿fsdd¿ mit
dass mir deshalb eine dieser Erklärungen
nichts hilft.
Im Gegenteil, sie ist es ge- rade, was ich brauche, ja alles,
was ich brauchen, und auch geben kann.
Und wenn ich auf eine solche Erklärung hin sage “jetzt
weiss //
versteh'// ich, was Du meinst”, so kann
man nicht einwenden, das können ich ja doch nie verstehen;
sondern seine Erklärung hat mir eben das gegeben, was ich
[v|V]erständnis nenne; sie hat die Schwierigkeit
beseitigt, die ich hatte .
Was uns quälte, ist, glaube ich, ganz in dem Pseudoproblem
ausgedrückt: Das Schachspiel ist doch durch die Gesamtheit der
Schachre- geln konstituiert, — was macht dann das Rücken einer
Figur im Spiel zu ei- nem Schachzug, da doch dabei in keiner Weise alle
Regeln des Schachspiels beteiligt sind.))
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