„Die Aufnahme des Zeitlichen ins Ewige“. Vladimir Sergejewitsch Solovjevs „Sinn der Liebe“

Annelore Mayer

Abstract



Liebe und Zeit scheinen einander auszuschließen. Liebende können sich mit dem Tod des
Gegenstandes ihrer Liebe nicht gedankenlos abfinden. Von diesen Überlegungen
ausgehend entwickelt Vladimir Solovjev zuerst eine Frage nach dem Sinn der Liebe. Er
erkennt, dass sie selbst die Herausforderung im Hinblick auf die Zeit ist. Das
Spannungsfeld, in welches der liebende Mensch gerät, zwischen dem Wunsch nach
Unendlichkeit und der Bewusstheit seiner irdischen Endlichkeit und auch jener des von
ihm geliebten Wesens, fordert ihn auf, sich sowohl über die Verankerung der Liebe als
auch jener der Zeit klar zu werden. Solovjev, dessen denkerischer Ausgangspunkt die
christliche Religion ist, denkt die Liebe als das vom Wesen Gottes schlechthin
Ausgehende. Er erkennt in der Liebe jene Kraft, welche dem Menschen zwar einerseits
seine Endlichkeit bewusst macht, ihn andererseits aber auf das Ewige verweist. Ist
der Mensch ein Liebender, so gehört er zwar in seiner irdischen Menschlichkeit der
Zeit an, durch die Liebe wird er aber auch als im unzeitlichen Wesen Gottes
verankertes Individuum definiert. Der Liebende verachtet oder negiert die Zeit nicht,
er zieht sie als Teil seiner Existenz in die Liebe hinein.

Keywords


philosophy; 20th century philosophy; Wittgenstein Ludwig; Russian philosophy; eternity; love

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