Verdächtige Bilder und Töne: Wittgenstein 1946–1951

Katalin Neumer

Abstract


Nach einer der gängigen Positionen der heutigen Wittgenstein-Forschung habe Wittgenstein die Bedeutsamkeit der Visualität erkannt und in seiner Argumentationsweise die Bilder eine gewichtige Rolle spielen lassen. Auf der anderen Seite wird auch allgemein behauptet, daß Wittgenstein der stimmhaften Seite der Sprache eine große Bedeutung zugeschrieben habe, woraus man u.a. auf seine Neigung zu den oralen Kulturen zu schließen pflegt. Was das erstere betrifft, erscheint die Bildhaftigkeit schon in Wittgensteins expliziten Äußerungen vielmehr als janusköpfig: „Das falsche Bild verwirrt, das richtige Bild hilft.“ (MS 173: 4r) Diesen Zusammenhang werde ich auf der Grundlage textnaher Analysen von einigen Stellen aus Wittgensteins letzten Jahren weiter entwickeln, wobei ich ebenfalls eine Doppeldeutigkeit der Stimmhaftigkeit nachweisen möchte. Darüber hinaus werde ich zeigen, daß Bilder und Töne in manchen Kontexten – insbesondere im Kontext des Aspektsehens und -wechsels, des Bedeutungserlebnisses und der sekundären Bedeutung, i.e. im Zusammenhang mit für die Jahre 1946–1951 charakteristischen Begriffen – miteinaner in (öfters synesthetische) Verbindung gesetzt werden und mit Wittgensteins eigenem Ausdruck „verdächtig“ erscheinen. Dadurch werden Töne von ihrem Thron gestoßen und verwandeln sich in verführerischen Sirenengesang.

Keywords


20th century philosophy; philosophy; Wittgenstein Ludwig; language; picture; seeing; visualization

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